Propheten der Science Fiction

Hallo Mitwelt!

Heute eine Reise zu den Propheten der Science Fiction. Korrekter müsste es wohl heißen Propheten der Science und SchreiberIn der Fiction. Kurz und bündig und somit ganz im Gegensatz zu vorigen Beiträgen daher nur eine dringende Empfehlung zur achtteiligen Doku-Reihe, im Oktober 2018 bei ZDFinfo erschienen und NOCH in der Mediathek abrufbar. Als Download sogar möglich via mediathekviewweb.de

Das ist allerdings keine ZDFinfo-exklusive Doku-Reihe, auch nicht in Deutschland gemacht; sondern von einem Mister Scott, Sir Ridley Scott. Keine harmlose Filmografie vielmehr eine Grafschaft nicht nur, aber vor allem science fictional wegweisender Filme. Der Mann weiß, was er macht, wovon er da spricht… – gelinde gesagt.

Über welche Granden der und für die Science Fiction sprechen wir? In ihrer chronologischen Reihenfolge des Lebens und Werkwirkens, die ich so auch anzugucken empfehle, geht es um diese Acht, die in je 40-42 Minuten vorgestellt werden:

  • Mary Shelley (1797-1851) – Begründerin der Science Fiction; Mutter von Frankenstein; jüngst mit ihrem 1826 erstveröffentlichten “Verney, der letzte Mensch“ (The last Man) ins pandemische Bewusstsein gerückt – in vielem ein . biografisiertes Sittengemälde ihrer Zeit, das in unserer Zukunft spielt.
  • Jules-Gabriel Verne bzw. Julius Verne (1828-1905) – gilt allgemein als DER Urvater der Science Fiction, der SF-Adam, dem jedoch Eva vorausgegangen war. Abenteuerlicher Technikvisionär, der mutmaßlich wie keiner der übrigen SF-Propheten so sehr ins Kollektive Gedächtnis eingegangen ist.
  • Herbert George, H. G. Wells (1866-1946) – Erfinder der Zeitmaschine[1], der der kolonialherrlichen menschheit den invasorischen Spiegel vorhielt. Allein damit hat er zwei Stränge der SF geprägt – Zeitreisen und extraterrestrische Invasionen -, die bis heute nachwirken.
  • Robert A. (Anson) Heinlein (1907-1988) – Erstgeborener der „Big Three“ englischsprachiger Science Fiction; wohl amerikanischster dieser, patriot durch und durch; am bekanntesten sicher durch Starship Troopers, sicher Vorbild für gewisse Stormtroopers, mit ihnen Bepfadung des Subgenres der Military SF. Mir ist er bisher nur bekannt durch“Fremder in einer fremden Welt“, das Anfang der 1960er deren Ende vorwegnahm und wo ich in vielem mitfühlen kann bezüglich Fremdheitserfahrung…
  • Arthur C. Clarke (1917-2008) – Autor von Filmskript und Buch: „2001, Odyssee im Weltall“! Das würde für 99% der Menschen schon reichen, darüber hinaus war er technischer Visionär par excellence bzw. hat Leuten bei NASA & Co quasi vorgeschrieben, was sie dann umgesetzt haben.
  • Isaac Asimov (1920-1992) – der Herr der Roboter, nach Bekanntheit gewiss Erster der „Big Three“, der mit dem Foundation-Zyklus wohl die erste, bestimmt aber bekannteste vielbändige Future History, die in die Zukunft gesponnene Geschichte der Menschheit geschrieben hat.
  • Philip K. (Kindred) Dick (1928-1982) – Meister surrealer Science Fiction; Vorlagengeber für einen nicht unbedeutenden Film, der vor Kurzem einen zweiten Teil erhalten hat. Ausleuchter psychische Abwege und Abgründe, verunsichernder Realität, die immer doppelte Böden aufweist.
  • George alton Lucas Jr. oder kurz George Lucas (1944-*) ist vermutlich in nunmehr 44 Jahren gutmöglich der bekannteste aller acht Propheten. Ich verrate jetzt nicht, wofür er … bekannt ist. M.E. hat er jedoch nie Science Fiction verfasst, sondern Space Fantasy. Ggf. unterscheide ich hier jedoch auch schon für die allermeisten viel zu fein Dass er hier mit aufgeführt ist, irritiert mich deshalb, weil alle Sieben zuvor SchriftstellerIn sind, mit Ausnahme von Clarke und seinem Filmskript zu „2001“ keinmal direkt an Filmen mitwirkten. Und Lucas‘ Machwerk rein filmisch ist, als Film funktioniert und hierüber ausstrahlt.

Die Reihe ist exzellent gemacht, zoomt in die Biografie des jeweiligen Propheten/der einen Prophetin hinein und verweist auf die jeweiligen technischen Visionen, Anregungen, weit vorauseilenden Gedankenexperimente, wie sie nach und nach schon oder so langsam erst Realität werden. Hierfür viele Wissenschaftler*innen, die begeistert für ihre Entwicklung vorsprechen, um sie auf die SF-Granden zurückzuführen. Keine stationären Satelliten ohne Clarke, zumindest nicht so schnell und früh. Keine Roboterethik ohne Asimovs Robotergesetze stets mitzuverhandeln usw. usf.

Einziger Kritikpunkt wäre, dass es eine rein anglophone Auswahl ist, die Mister Scott getroffen hat. Mir fehlt allen voran, eigentlich gar unhintergehbar: Stanislaw (Herman) Lem (1921-2006), für mich mit der prägendste aller Autoren, obwohl ich eingestandenermaßen selbst zu seinem diesjährigsten 100. Geburtstag noch nicht all seine Schriften durchhabe. Dafür mit “Der Unbesiegbare“ und zuletzt erst nach Längerem wieder “Lokaltermin“ mehrere gleich mehrfach und immer wieder gerne. Und das noch vor seinem berühmtesten, allein schon weil zweimal verfilmten “Solaris“, der wie vielleicht kein anderer den Menschen den Spiegel vorhält. Und um auf eine Top Ten aufzustocken, hätte auch nicht ungenannt bleiben dürfen James Tiptree Jr. (1915-1987) aka Alice B. Sheldon durch das lange verwirrende Pseudonym und eine ganz neue Art quer zum Bekannten erzählender Kurzgeschichten. Und viele mehr!

So viel in Kürze – diesmal! Der Worte wenige, weil die anempfohlenen Dokus entscheidend sind.


  • Wer diese Geschichte von Wells noch nicht kennt oder sie erstmals auf Deutsch lesen will, dem und der sei unbedingt die vollständig und neu übersetzte Ausgabe im Fischer-Verlag (2017) anempfohlen, mit einem Nachwort zu Leben, Werk und Wirkung. Laut Klappentext:

    Diese Ausgabe enthält neben einem Nachwort des Wells-Experten Elmar Schenkel die gestrichenen Passagen ‚Die Rückkehr des Zeitreisenden«; drei Vorworte der Ausgaben der Jahre 1924, 1931 und 1934; den Vorläufer: ‚Die Chrononauten‘ aus dem Jahr 1888 sowie die Essays aus dem Jahr 1893 ‚Der Mann aus dem Jahr 1.000.000. Eine wissenschaftliche Vorausschau‘ und’Das Aussterben des Menschen. Einige spekulative Gedanken‘ von 1894.

  • Werbung

    7 Kommentare zu „Propheten der Science Fiction

      1. Tach Wortman.
        Kreateur des Kommentarerstlings auf diesem Blog! Respekt und ewiger RUhm!:-)

        Da Lems 100. GEB noch bevorsteht, denke und hoffe ich doch kräftig, dass zu ihm noch manch Doku kommen wird. Zur Zeit laut mediathekviewweb noch keine.

        In Ergänzung vielleicht noch zur SF ind er DDR: Utopia in Babelsberg, die die handvoll SF-Filme zu DDR-Zeiten sehr interessant ins Audiovisuelle setzt. U.a. auch DER SCHWEIGENDE STERN, Buchvorlage von Lem. Sein Frühstwerk, von dem er sich später am deutlichsten distanziert hat.

        Gefällt mir

        1. Echt jetzt? Bin der Erste? Cool 🙂

          Ich kenne seine „Filmwerke“ teilweise. Dieses Ijon Tichy hätte man besser machen können. Der schweigende Stern ist wohl das bekannteste Filmwerk.

          Gefällt mir

    1. Pingback: Zweiundvierzig

    Kommentar verfassen

    Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

    WordPress.com-Logo

    Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

    Twitter-Bild

    Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

    Facebook-Foto

    Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

    Verbinde mit %s