Der Hobbit – Des Königs unter dem Berg Erläuterungen

Hallo Mitwelt

Folgend nur kurz notiert, was ich beim Onlineanbieter meines Vertrauens, der nicht mit A beginnt, als kleine „Rezension“ eingestellt habe. Sogleich die eingeräumten 5.000 Zeichen nahezu ausgereizt 😀 Kürze? Würze? LOL Im Übereifer die Canterbury- zu den Chaucer-Erzählungen (s.u.) verkannt O_o Fürs Blog exklusiv Links ergänzt, denn hier ist Internet, unendlicher Hypertext, wohin noch kein Mensch je hat geklickt… Oder so ähnlich;-) In jedem Fall inhaltlich quasi Die Rückkehr der Facharbeit

“Rezension“ zu:

Königs Erläuterungen und Materialien – Band 402 – Erläuterungen zu J.R.R. Tolkien: Der Hobbit – von Matthias Bode – 2., ergänzte Auflage 2002, Seiten 101 (Anmerkungen zur PDF-Version)

Inhalt

Vorwort, 5 Kapitel und Literaturverzeichnis
Kapitel 1 „J.R.R. Tolkien – Leben und Werk“: zur Biografie, zum zeitgeschichtlichen Hintergrund und mit Angabe und Erläuterung wesentlicher Werke
Hauptkapitel 2 „Textanalyse und Interpretation“: zur Entstehung, Aufnahme und Wirkung von Der Hobbit; zur ausführlichen Inhaltsangabe; zum Aufbau; zu Personenkonstellation und Charakteristiken; sachliche und sprachliche Erläuterungen; Stil und Sprache; Interpretationsansätze
Kapitel 3: Themen und Aufgaben
Kapitel 4: Rezeptionsgeschichte
Kapitel 5: Der Hobbit und Der Herr der Ringe

Anmerkung

Bin einst über das wunderbare WDR-Hörspiel zum Hobbit gekommen, las und hörte seither mehrfach Hör-/Buch in alter und gekürzter Der kleine Hobbit und vorlagenkorrekter Der Hobbit Version. Ja und die Filme gab es auch noch… Bin also seit Jahren Hobbit-vertraut und war schlicht interessiert, was man denn im Schulsetting als Lehrer*in alles aus dem Buch herauszulesen angeregt wird.

In Summe: Allerhand. Insgesamt ein sehr gelungenes Begleitbüchlein, um unkundige Lehrer*innen und interessierte Schüler*innen vorab oder begleitend mit wesentlichen Aspekten rund um Der Hobbit vertraut zu machen und ihnen reichlich Denkanstöße und Orientierungen für eine Auseinandersetzung im Schulunterricht an die Hand zu geben – 4 Sterne

Kritik

Vor allem, dass die „2., ergänzte Auflage“ aus dem jahr 2002 stammt, alle referierten und angegebenen Lektüren aus dem letzten Jahrtausend sind, nicht auf aktuelle Auflagen und Lieferbarkeiten in nunmehr 19 Jahren(!) aktualisiert worden und man bei Die Gefährten / HdR-Film1 der Trilogie stehengeblieben ist! Das macht diesen ansonsten hilfreichen Leitfaden inhaltlich mitnichten, aber in Sachen Benutzbarkeit fast unbrauchbar.

Inhaltlich nur randständige Kleinigkeiten, so zum Beispiel: Dass neben Thorin die übrigen 12 Zwerge quasi keine eigenständige Rolle einnehmen, ist korrekt. Dennoch hätte man ihnen im langen Unterkapitel 2.4 einen Unterpunkt einräumen müssen, wie ihn noch so kurz Beorn oder selbst Orks&Goblins bekommen haben. So war zwar nur ab und an bspw. Balin in seiner ruhigen, akzeptierenden Art für Bilbo wichtig, Fili und Kili als Jungspunte dann doch immer wieder aktiv und Bombur musste zu oft Fett wegstecken. Auch anzusprechen, wieso es 13 Zwerge und zusammen 15 Reisegefährten sind – Stichwort Zahlensymbolik. Ebenfalls fehlen hier die Trolle, die schon ihrer Eigennamen wegen hätten Platz bekommen sollen. Die sonstigen Charakteristika sind hingegen richtungsweisend und fassen sehr viel zusammen, was die Figuren ausmacht und wofür sie im Handlungskontext stehen.

Lob

Sehr gut wiederum, dass von Anfang an und immer wieder darauf verwiesen wird, dass mit dem Silmarillion eine Welt gedanklich bereits aufgespannt worden war, in die hinein sich Der Hobbit einpasst, und dass mit dem Herrn der Ringe etwas folgte, das stilprägend werden sollte. Der Hobbit bleibt also keinmal „nur“ losgelöstes „Kinderbuch“ ohne Anknüpfungen. Interessierte sind sofort im Bilde.

Viele der Interpretationsvorschläge – story of initiation, Queste, Helden(reise), unerklärte Ausblicke (auf die große weite Welt) und die Anleihen beim Beowulf – sind durchweg gut dargestellt, hergeleitet und anregend. Von Geoffrey Chaucer und den Chaucer-Erzählungen, von denen vielfach die (auktoriale) Erzählweise entlehnt/inspiriert ist, erfuhr ich hier zum ersten mal und lese sie jetzt mit Gewinn. Dass der Beowulf für HdR-Buch 3 (erste Hälfte von Die zwei Türme) Schöpfungsquell war, war mir bekannt; wie sehr er auch für den Hobbit Pate stand, hatte ich noch nicht bedacht.

Exzellent, dass und wie oft Autor Matthias Bode Tolkien selbst buchstäblich zu Wort kommen lässt, nämlich indem er ihn ausführlich aus seinen Briefen
(als “Briefe“ broschiert just neu aufgelegt) zitiert. Das sehr passend und so Intentionen und Ideen nachzeichnend.

Fazit

Schönes „Sachbuch“ zur Lektüre, die die versprochene Orientierung bietet, fingerzeigt und zum Weiterdenken und Recherchieren anregt. Wer darüber hinaus philosophische Implikationen vertiefen will, greife zu Die Philosophie bei „Der Hobbit“; wer mehr zum perfektionistischen Schaffungsprozess erfahren will, lese sich in Das große Hobbit-Buch ein und staune der narrativen Wege, die Tolkien einschlug.

Nachschlag

Dass es seit 19 Jahren keine Aktualisierung, keine dritte Auflage gegeben hat, ist ein umso unverständlicheres wie unnötiges Ärgernis, da es – zugegeben ein Jahrzehnt nach Auflage zwo – den ultimativen, bestmöglichen Anlass gegeben hatte: Auftakt der Hobbit-Filmtrilogie mit anhaltender Aufmerksamkeit bis (enttäuschtem) Hype über gut 2, eher 3 Jahre hinweg. So richtig begeistern haben sich mutmaßlich nur die im LICHTSPIELHAUS vom Machwerk lassen, wo Nr.1 je 9, Nr.2 sogar 8,5 bis 10 und Nr.3 noch je 8 von 10 Powersternen erhalten hat. Da hatte es andere Meinungen gegeben;-)

In diesem Windschatten und Kielwasser des illusorisch-industriellen Komplexes hätte man sich einer Nächstauflage angesichts des gesteigerten Hobbit-Interesses durchaus befleißigen dürfen. So hat Klett-Cotta, der deutsche Verlag für „Tolkien-Bücher“, diesen aufmerksamkeitsökonomischen Zeitraum sehr wohl zu nutzen gewusst für neuplatzierte Hobbit-Ausgaben aller Arten. Das wiederum hatte zur Folge, dass die in den Königs Erläuterungen gemachten Angaben zu den referierten Ausgaben obsolet wurden. Anlass zur Revitalisierung? Leider nein.

Ja selbst die lange eher lizenzbehutsame analoge Brettspieleszene fühlte sich berufen und hat manch spielenswertes Spiel herausgebracht, so…:

  • mit Der Hobbit: Eine unerwartete Reise sowie Der Hobbit: Smaugs Einöde zwei Spiele zu den Filmen teils mit Bildern aus den Filmen ebenso im KOSMOS-Verlag erschienen wie
  • auf Grundlage des Buches schlicht Der Hobbit von tausendsässigen Profiautor Reiner Knizia. Obacht: Kommendes Frühjahr kommt von ihm „Kampf am Einsamen Berg revisited“ ohne Lizenz heraus, daher betitelt als Die Schlacht von Runedar!
  • Und für alle, die Risiko überstanden haben, nicht schon hieran gescheitert sind, gibt es das absolute Experten-Nerd-Spiel zum Buch: Die Schlacht der Fünf Heere!!!
  • Apropos Risiko: eine echt gut adaptierte Version hat es zu Der Herr der Ringe gegeben, die spätestens mit der Erweiterung Gondor und Mordor und mit der Komplettierung der Mittelerde-Karte als Spielfeld sehr thematisch stimmig zu bespielen ist. Irritierend, dass man sich daher bei Hasbro / Winning Moves den Hobbit als Lizenz und Verbrettspielung hat entgehen lassen. Die finale Schlacht der Fünf Heere hätte sich doch mehr als nur angeboten…

So viel als kleiner Schwenk nebst dem eigentlichen Buch-Pfad rund um Der Hobbit. Wie viel – sicherlich auch üppig an Merch-Müll – rund um den Film-Impakt herausgekommen ist, sich niemand die Chance hat entgehen lassen, macht umso bass erstaunter, wieso Königs Erläuterungen da untätig geblieben war und die krasse Ausnahme bildete. Schade drum – en detail. Denn die anregenden Interpretationen und guten Hinweise hätten eine Nachpflege verdient gehabt!

EDIT vom 26.11.2021: gesamter „Nachschlag hinzugedichtet

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Ein Kommentar zu „Der Hobbit – Des Königs unter dem Berg Erläuterungen

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