Ob Hyperraum-Umgehungsroute oder Solarpark – Hauptsache dysfunktional

Hallo Mitwelt!

Heute eine hyperwegige Assoziation, die mir kam, als ich beim Deutschlandfunk ein Zeitfragen-Feature hörte. Aber lest selber nach…

Per Hyperraumexpress durch die Erde

Bevor die Erde von der Bildfläche verschwand, sollte sie wenigstens noch in den Genuß des allerletzten Schreis der Tontechnik kommen, des größten öffentlichen Endverstärkers, der je gebaut wurde. Aber es gab kein Konzert, keine Musik, keine Fanfare, nur eine simple Botschaft.
»Bewohner der Erde, bitte herhören«, sagte eine Stimme, und es war einfach phantastisch. Ein einfach phantastisch perfekter Quadro sound mit einem so niedrigen Klirrfaktor, daß einem anständigen Menschen das Heuten kommen konnte.
»Hier spricht Prostetnik Vogon Jeltz vom Galaktischen Hyperraum-Planungsrat«, fuhr die Stimme fort. »Wie Ihnen zweifellos bekannt sein wird, sehen die Pläne zur Entwicklung der Außenregionen der Galaxis den Bau einer Hyperraum-Expreßroute durch Ihr Stemensystem vor, und bedauerlicherweise ist Ihr Planet einer von denen, die gesprengt werden müssen. Das Ganze wird nur etwas weniger als zwei Ihrer Erdenminuten in Anspruch nehmen. Danke.«
Der Endverstärker verstummte.
Verständnisloser Schrecken senkte sich über die lauschenden Menschen auf der Erde. Der Schrecken zog langsam durch die versammelten Menschenmengen, als wären sie Eisenspäne auf einem Brett, unter dem ein Magnet entlanggezogen wird. Panik schoß wieder hoch, eine verzweifelte Panik zu fliehen, aber es gab nichts, wohin man fliehen konnte.
Als sie das bemerkten, schalteten die Vogonen ihre Superanlage wieder ein. Die Stimme sagte:
»Es gibt überhaupt keinen Grund, dermaßen überrascht zu tun. Alle Planungsentwürfe und Zerstörungsanweisungen haben fünfzig Ihrer Erdenjahre lang in Ihrem zuständigen Planungsamt auf Alpha Centauri ausgelegen. Sie hatten also viel Zeit, formell Beschwerde einzulegen, aber jetzt ist es viel zu spät, so ein Gewese darum zu machen.«
Wieder verstummte der Endverstärker, und sein Echo hallte über das Land. Die riesigen Raumschiffe machten am Himmel mit langsamer Kraft gemächlich kehrt. Auf der Unterseite eines jeden ging eine Luke auf, ein leeres, schwarzes Viereck.
Währenddessen mußte irgendwo irgend jemand eine RadioStation besetzt, die richtige Frequenz gefunden und eine Botschaft an die vogonischen Raumschiffe gesendet haben, um sich für den Planeten einzusetzen. Niemand hörte jemals, was gesagt wurde, man hörte nur die Antwort. Der gewaltige Endverstärker erwachte wieder zum Leben. Die Stimme war gereizt. Sie sagte:
»Was soll das heißen, Sie sind niemals auf Alpha Centauri gewesen? Ja du meine Güte, ihr Erdlinge, das ist doch nur vier Lichtjahre von hier. Tut mir leid, aber wenn Sie sich nicht einmal um Ihre ureigensten Angelegenheiten kümmern, ist das wirklich Ihr Problem. Vernichtungsstrahlen einschalten!«
Licht ergoß sich aus den Luken.
»Ich weiß nicht«, sagte die Stimme von oben, »ein lahmer Drecksplanet ist das. Ich habe nicht das geringste Mitleid.« Sie verstummte.

Douglas Adams – fünfbändige Trilogie, Band 1: Per Anhalter durch die Galaxis – Kapitel 4

Langes Zitat aus legendärem Meisterwerk der Science Fiction oder ihrer Parodie oder einfach einer gutgelaunten Form der Science Fiction. Insoweit man die endverstärkt beiläufige Zerstrahlung der einzigen Heimat, die man hat, als gut- statt schlechtgelauntes Storytelling einschätzt. Besser als vogonische Gedichte, erst recht vogonische Liebesgedichte[1] ist so ein gnädiges Ende allerdings allemal. Und da man nicht alles haben kann, sondern wählen muss, fällt die Wahl leicht.

Doch um Vogonen geht es nicht oder nicht vordergründig, auf gewisse Weise sind sie aber immer zugegen. Es geht um die drei entscheidenden Sätze von Prostetnik Vogon Jeltz – ein schon auffallend russisch anmutender Name O_o -, die den bürokratisch langwierigen Planungsvorlauf hyperbewegter Expressrouten und aktuellen Status der Erde im Weg klar benennen und jedweden Einspruch plötzlich einfach so panisch werdender Menschen negieren:

  1. »Wie Ihnen zweifellos bekannt sein wird, sehen die Pläne zur Entwicklung der Außenregionen der Galaxis den Bau einer Hyperraum-Expreßroute durch Ihr Stemensystem vor, und bedauerlicherweise ist Ihr Planet einer von denen, die gesprengt werden müssen. Das Ganze wird nur etwas weniger als zwei Ihrer Erdenminuten in Anspruch nehmen. Danke.«
  2. »Es gibt überhaupt keinen Grund, dermaßen überrascht zu tun. Alle Planungsentwürfe und Zerstörungsanweisungen haben fünfzig Ihrer Erdenjahre lang in Ihrem zuständigen Planungsamt auf Alpha Centauri ausgelegen. Sie hatten also viel Zeit, formell Beschwerde einzulegen, aber jetzt ist es viel zu spät, so ein Gewese darum zu machen.«
  3. »Was soll das heißen, Sie sind niemals auf Alpha Centauri gewesen? Ja du meine Güte, ihr Erdlinge, das ist doch nur vier Lichtjahre von hier. Tut mir leid, aber wenn Sie sich nicht einmal um Ihre ureigensten Angelegenheiten kümmern, ist das wirklich Ihr Problem. Vernichtungsstrahlen einschalten!«

Geplant. Aushang. Einspruchs- und Vorschlagsfristen. Verstrichen. Chance gehabt. Chance vertan. Umsetzungsvollzug! In diesem bürokrat(ist)ischen Autopiloten erfolgt die Schritt-für-Schritt-Realisierung der paragrafschaftlich-vollstreckungsinstanzlichen Abarbeitung. Erstaunlich höchstens, dass man auf bestes Behördendeutsch verzichtet hat. Der Autor muss Engländer sein, wenn er auf diesen Clou verzichtet hat. So blieb die Ansage der Vogonen verständlich und labyrinthisierte sich nicht in ciceronischen 81-Worte-Sätzen mit parallelen, tangentialen und kreuzweisen vielschichtig ein- und zwischengeschobenen Sinnfragmentierungen ohne Ariadne zur hand. Man hätte ganz ohne panische Abwehrmechanismen die Menschheit per akribisch pflichtbesessener Bürokratie überwältigen und im stahlharten Gehäuse der Hörigkeit Schach matt setzen können. Man stelle sich doch nur vor, Prostetnik Vogon Jeltz hätte sich eifrig und mit dichterischem Engagement ganz nach seiner Art Schwell- und Streckformen aka Funktionsverbgefügen befleißigt. Er hätte der Meinung sein können,
die Menschheit keiner Panik-Prüfung unterziehen und ihr quadrosoundig Nachricht geben zu müssen, sondern per schicksalhafter Würfelung den Vollzug in Kraft treten zu lassen. Doch so sprach er nicht. In Prostetnik Vogon Jeltz ist kein Nominalstilist verlorengegangen. Vielmehr ist er Liebhaber schnörkellosen Tacheles mit einem tendenziösem Hang zur Überdirektheit. Tödlich – manchmal tödlich.

So also meine umwegigen Sinnbeziehungsgeflechte aus und hinfort der Realität hin inmitten der fünfbändigen Trilogie als letzteinzige ihrer Art. Doch was kann mich diesseits der vogonenlosen Realität so sehr erschüttern, dass ich freiwillig an Prostetnik Vogon Jeltz denke???? O_o Welcher reale Wahnsinn kann mit diesem (W)Irrsinn mithalten?

Irdische Verstrahlungen

Dieser:

Der Solarpark sei ja bisher nur ausgewiesen, entgegnet Giese. Wie und was gebaut werde, sei ja noch gar nicht beschlossen. „Ob der jetzt 200 Hektar groß wird oder 50 Hektar oder 30 Hektar oder zehn Hektar. Das weiß doch kein Mensch jetzt.“ Trotzdem seien sie „ein bisschen überrascht und überrumpelt worden durch die Veröffentlichung im Amtsblatt“, wiederholt Uhlig.
„Da war vorher eine Einladung da.“
„Also bei uns nicht. Wir haben keine Einladung bekommen.“
Im Amtsblatt würden die Themen behandelt und aufgeschrieben, meint Giesen: „Nächste Sitzung ist das und das Thema. Da sollte man auch mal hinkommen. Das ist unsere Öffentlichkeitsarbeit.“ Ein Wort gibt das andere. Jürgen Giese wehrt sich. Schließlich stehe es jedem frei, zu den Gemeinderatssitzungen zu kommen. Aber es sei ja nie einer da, „oder ganz, ganz wenige“. Das werde sich nun ändern, meint Uhlig. „Wenn hier nicht das Dorf ausverkauft werden soll an die großen Energiekonzerne, dann müssen wir uns zusammensetzen.“

Peter Podjavorseks Beitrag bei DLF-Zeitfragen: Ein Solarpark spaltet ein Dorf – Kein eitel Sonnenschein

Wo sind wir und worum geht es? Tatort ist das 400 Einwohner*innen-Dorf Tempelfelde im Landkreis Barnim in Brandenburg nahe Berlin. Wie dem Zitat zu entnehmen, soll hier ein Solarpark errichtet werden. Weit mehr als nur mit Solaranlagen bestückte Dächer, sondern eine (bis zu) 200 Hektar, 280 Fußballfelder große Fläche, über die Solarpanele gestellt werden sollen. Und von alledem wollen die Einwohner*innen vorab nichts gewusst haben:

„Wir wurden nicht im Vorfeld informiert. Wir haben einige Gemeindevertreter, die bei uns hier eigentlich regelmäßig zu Gast sind, mit ihren Kindern, mit ihren Enkelkindern.“ Auch die hätten sie nicht angesprochen. „Es gab auch nach unserem Kenntnisstand keinen Aushang im Schaukasten. Also wir sind völlig überrascht“

Juliane Uhlig zitiert nach DLF-Beitrag>

Wer denkt da nicht an die Menschheit, die von den vogonischen Herumtrieben trotz Aushängen auf Alpha-Centauri über 50 jahre hinweg etwas überrascht wurde. Den Beitrag als Transkript oder vorzugsweise als Audio in Gänze kann ich nur empfehlen, denn er macht die vielverflochtene Verworrenheit von Gewolltem und Gesolltem ebenso deutlich wie völlig aneinander vorbeilaufende Zielinteressen samt so entstehender Ziel-KONFLIKTE.

Bürger*innen, die sich selbstentmündigt solange passiviert haben und so sich selbst genügsam genug sind, bis ihnen etwas Verordnetes gegen den Strich geht, wogegen sie sich dann in nachholender Aktivität umso wutbürgerlicher stemmen. Politik einschließlich Verwaltung, insbesondere erstere im Eifer alltäglicher Praxis ihren Existenzsinn aus dem Sinn verliert, nämlich als Repräsentanz des Wahlvolks für dieses und in deren Sinne zu arbeiten, bzw. letztere, diesen Sinn zu büropraktisch realisieren.

Doch was droht? Mitnichten kosovarische Verhältnisse als schwarze Lunge Europas, wo 95% des Stroms aus lokaler Braunkohle erzeugt werden und die Luft dementsprechend lungenkrebsförderlich dicht ist wie eine Handvoll Ruß. Zugegeben “stehen in unmittelbarer Umgebung des 400 Einwohner zählenden Dorfes bereits über 70 Windräder, ein weiterer Park mit fünf Windrädern, über 200 Meter hoch, wird demnächst in einem benachbarten Naturschutzgebiet gebaut.“ Die berüchtigte Verspargelung scheint in Sichtweite und die Frage, wie gut dieser Ökostrom mit Tier-, speziell Vogelschutz vereinbar ist, wäre zu stellen. FÜR MICH ohnedies DAS Fragwürdigste, wozu man naturschutzgebiete ausweist, wenn man sie durch Zubau dann NICHT schützt, sondern freimütig für Flächenfraß ausnutzt. Wer mir Sinn und Zweck von sogenanntem Naturschutz und sogenannten Naturschutzgebieten erläutern kann – Kommentarbereich bitte.

Juliane und Gatten Steffen droht hingegen, dass ihr über Jahre aufgebauter Ponyhof, der kindertherapeutisch genutzt wird, ohnehin schon von zwei Starkstromleitungen überspannt wird, eine dritte im Bau ist und ihr Gelände nun von drei der vier Seiten durch den Solarpark „umzingelt“ werden soll. Es ist, so höre ich es raus, in erster Linie die verbitterte Enttäuschung über prophylaktischen Ausschluss aus Beschlüssen, weshalb die zunächst rein optische „Umzingelung“ umso gewichtiger zum negativen Halo-Effekt wird, der nicht mehr zu übersehen ist. Denn wo Windparks Lärm machen, der stören kann, schnurrt ein Solarpark höchstens.

Ein Solarpark sei dagegen ein Paradies für die Biodiversität, „wenn man ihn richtig baut. Da findet keine Versiegelung statt. Da werden paar Pfosten in die Erde reingerammt. Die kann man sehr schnell wieder zurückbauen. Gleichzeitig hat man den Vorteil, dass keine Pestizide mehr aufgetragen werden in so einem Solarpark, dass keine Düngung stattfindet. Wir haben also keine Belastung der Grundwasserschichten durch eine Überdüngung.

Das ist wie eine Kur für einen Boden, dass er eben nicht mehr intensiv genutzt wird durch konventionelle Landwirtschaft, sondern dass er ganz extensiv benutzt wird. Es baut sich eine Humusschicht auf über die Jahre, und es findet praktisch eine Entgiftung des Bodens statt.“

Einer Selbstverpflichtung des Bundesverbandes Neue Energien zu Folge sollten Solarparks vor allem auf Flächen mit intensiver Landwirtschaft oder auf nährstoffarmen Böden gebaut werden. Die Flächen sollten zudem so gestaltet werden, dass sie die Artenvielfalt von Flora und Fauna erhöhen. Dazu lassen sich zum Beispiel Streuobstwiesen, Gehölze, Hecken, Feuchtgebiete oder Nistkästen anlegen. Unter den Modulen können zum Beispiel Schafe oder Bienen gehalten werden.

Aus DLF-Beitrag

Kurzum: Solarenergie ist besser als Windkraft! Selbst als Solarpark lässt sich die Solarenergieerzeugung viel besser in die – bestehende! – Landschaft integrieren, ja sogar problemlos umpflanzen. Hecken, die nicht nur störende Sichtlinien nehmen, sondern nachweislich hervorragende biotopische Klimaretter sind, deren Anpflanzung vieldimensional nur gut sein kann.

Doch es gehe gar nicht um ein Dagegen, gegen Erneuerbare Energien; nur die unabgesprochen geplante Lage und die Ausmaße seien ein Problem. Bürger*inneninitiativ hat man daher Alternativen erdacht, die darauf hinauslaufen, kleinflächiger oder/und standortversetzt zu bauen. Nimbys (Not in my backyard – Nicht in meinem „Hinterhof“) sei man ausdrücklich nicht. Vielmehr gehe es um Folgendes im ländlichen Brandenburg:

„Wir wohnen hier auf einem Dorf mit 300, 400 Einwohnern. Hier fährt am Sonntag kein Bus, am Samstag auch nicht. Wir haben keine Radwege. Wir haben keine Kinos. Wir haben keine weiteren kulturellen Einrichtungen“, führt Höppner führt aus.

„Das einzige, was wir hier noch haben, ist Freiraum und Kulturlandschaft. Deswegen engagieren wir uns auch dafür, dass das nicht komplett zerstört wird. Sonst gibt es gar keinen Grund mehr, hier auf dem Land zu leben, wenn wir umzingelt von Energieproduktion sind.“

Harald Höppner im DLF-Beitrag

Im Grunde kommt hier zum Ausdruck und Ausbruch das wechselhafte Verhältnis von Stadt und/versus Land. Es geht um Prozesse von Verstädterung (Urbanisierung) sowie Suburbanisierung, bei der die Stadtränder bzw. das städtische Umland gegenüber der Kernstadt an lebensweltlicher Bedeutung gewinnen; von Deurbanisierung (Entstädterung) und Reurbanisierung als Aufwertung der (bestehenden) Kernstadt mit neuen Konzepten für umzufunktionalisierender Innenstädte in Zeiten von Pandemie und hin zu digitalkonzernierter Silicon Cities (bis August 2022 abrufbar). Am Rande oder außen vor dieser urbanzentrischen Fixierung müssen die Dörfer vom Kaliber Tempelfelde gucken, wie sie sich umorientieren, sprich ändern, um zu bleiben.

Immerhin hat man in Tempelfelde keinen Elon, dessen (Aus?)Lachen man aushalten und gegen dessen milliardenstarken Namen man ankommen muss. Auffallend allerdings, dass wir A) gleichermaßen in Brandenburg bleiben und B) Sankt Elons Gigafactory inmitten eines WASSERSCHUTZGEBIETES errichtet wird. Ganz klar anzusagen ist allerdings auch: wo es bezüglich Solarpark, der größte Deutschlands übrigens, primär um sichtlinierte Störungen geht, ringt man in Sankt Elons Windschatten um den lokalen Wasserhaushalt: Wassermangel macht Brandenburg zu schaffen. Mit dem Grundwasser sinken auch Pegel etlicher Seen. Während sich Private einschränken müssen, können Konzerne weiter prassen – worüber Bernd Müller bei Telepolis berichtet. Das sind dann doch nochmal ganz andere, zutiefstgreifende Problemlagen, die da im Kielwasser eines Leuchtturmprojektes, das alles überstrahlt, drohen.

Die Frage ist, ob Juliane, Steffen, harald und Co – man habe 200 (von 400?) Stimmen quasi als „Volksbegehren“ beisammen – weniger aufgebracht und besorgt wären, wenn es besagte Windanlagen nicht schon gäbe. Mir scheint, dass sie sich nun am Besten, was ihnen passieren könnte, übemräßig ereifern, weil der Solarpark der berühmte Tropfen ist, der das schwelende Fass zum Überlaufen bringt. All die Vorteile relativ dünn besiedelter Flächen in den östlichen Bundesländern wie Brandenburg werden behördlich zunichtegemacht, indem man wie auf freiverfügbaren Freiflächen verfährt und die – vergleichsweise noch so wenigen, immerhin und wenigstens überhaupt noch vor Ort weilenden – Bewohner*innen übergeht. Diese fühlen sich überfahren, wie irrelevant außen vor gehalten, nicht an-, geschweige denn eingebunden in die Ausgestaltung des eigenen Wohn- und Lebensraums. Das ist umso fataler, da es ohnehin eine depoliitisierte Haltung oder enttäuschungsgetriebene Neigung zur AfD gibt, woraus nichts Produktives erwachsen kann und wird. Wenn dann noch, wie im Beitrag erschreckend deutlich gemacht, nicht MIT, sondern hinterrücks abgesprochen gegen die eigene Bevölkerung gearbeitet wird, muss man sich nicht wundern.

Verzwickte Lage

Bis hierhin. An diesem Beispiel und im Lichte der science fictionalen Assoziation wollte ich mal aufzeigen, wie vielschichtig, vor allem aber interessensverknäuelt und zumeist erschütternd dyskommunikativ die unumgänglich notwendige Energiewende auf solch Weise versandet wird. So supernovaklar es auf der Sachebene ist (s.o.), so sehr verkackt man es bereits auf der Appellebene, indem man mehr vorgibt und befiehlt, statt dass die zuständigen Stellen sich als beziehungsfähig erweisen. Stattdessen offenbaren sie, wie im vorliegenden Fall, nur ihr demokratiefragwürdiges Selbst, wo man sich auf Formalia zurückzieht, als wäre man Vogone. Damit chließt sich der Kreis. Dennw ie sehr auch immer die Bürger*innen ihrerseits durch uninteressierte Passivität die Sache AUCH SELBER ausgesessen haben, sich unbetreut nicht von selbst eingebracht haben, so wenig wurden sie anscheinend je zur Teilnahme animiert; geschweige denn dass man ihnen sachdienliche Informationen barrierefrei – und nicht etwa Lichtjahre unzureichend entfernt – zugänglich gemacht hätte. Es passiert halt, ohne zielführenden Gestaltungswillen. Schlimm, vor allem weil unnötig, da so einfach andersmachbar.

Und letztlich hat sich hier realisiert, ist das unwahrscheinlich Widersinnige rückgestürzt, worüber sich schon Prostetnik Vogon Jeltz ereifert hat: 1. Wie sie gewiss wissen – was sie dummerweise nicht wussten; 2. Dass der Gemeinderat doch tagte, wie im Amtsblatt einsehbar, welches nur noch nie je ein Nichtbeamter freiwillig gelesen hat und somit für niemanden je als Informationsquelle taugte; 3. Dass Alpha-Centauri doch nun wirklich neben an ist und jederzeit im fraglichen Zeitraum hätte aufgesucht werden können. Ja, wenn 1. Und 2. Nicht schon in den Sand gesetzt worden wären, wäre die einladende Verwaltungssession sicherlich als Tagesausflug in Frage gekommen. Ob Naturpädagogik mit Ponys auf dem Tempelhof oder den Abend im Amtsstübchen verbringen – die Qual der Wahl. So besteht mangels debugten Programmcodes keinerlei gegenseitige Anschlussfähigkeit der beteiligten Systeme, um es mit Niklas Luhmann systemtheoretisch auszudrücken. Dabei hätte die Verwaltung seit beinahe 60 Jahren Zeit gehabt, sich ihrer irritierenden Umwelt bewusst zu werden und sich auf sie einzustellen. Dass man nicht einmal auf den Soziologen gewordenen Verwaltungsbeamten Luhmann gehört hat, der das Wesen, Wohl und Weh der Verwaltung Anfang der 1960er Jahre dezidiert beschrieben und analysiert hatte. Schon damals – noch vor 68 – gab es diese Bürger mit Eigensinn. Damit auch mal was gelingen kann und nicht alles BER bleibt, wäre ein vorzeitiges Aufeinanderbeziehen … wünschenswert. Vergleichbare Konfliktfelder je mehrerer involvierter Parteien gibt es quer durch die Energiewende zahlreiche: so bspw. an der oberen Isar und dem dortigen Wasserkraftwerk genauso wie zur Streitfrage nach biodiversen oder bauholzig ökonomisierten Wäldern, erst recht wenn Holz für das Bauhaus Erde und CO2-Senke zunehmend gefragt ist.


  • Zum überlesenden Entinnern:

    “Oh zerfrettelter Grunzwanzling, dein Harngedränge ist für mich
    Wie Schnatterfleck auf Bienenstich.
    Grupp, ich beschwöre dich mein punzig Turteldrom.
    Und drängel reifig mich mit krinklen Bindelwördeln
    Denn sonst werd ich dich rändern in deine Gobberwarzen
    Mit meinem Börgelkranze, wart’s nur ab!“

    Per Anhalter durch die Galaxis, Kap. 7

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