PERRY RHODAN ATLANTIS – ein Rückblick voraus

Hallo Mitwelt!

Nach einigem Grübeln, ob ich in diesen sinnverfinsterten Zeiten überhaupt soll(te) und will, habe ich mich doch dazu entschieden, jenseits der militopathischen Realität ein wenig Eskapismus hier Einzug halten zu lassen. Ich tauche ins Perryversum ab, dem lektürischen Universum der Perry Rhodan-Serie, ihres Zeichens die längste und größte und umfangreichste
Serie von SF, dem Narratoversum und dem ganzen Rest. Die anhaltendste Erzählung überhaupt, die ununterbrochen JEDE WOCHE, WOCHE FÜR WOCHE seit dem 08.09.1961 als Heftroman erschienen ist – trotz aller realitärer Umstände, Zeitenwenden oder sonstigem Ungemach des Weltgeschehens! Manch Verweis, einige Zitate führten in diesem Blog bereits dorthin, jeweils aber nur randständig, als referentielle Zierde, als kleiner und vermutlich überlesbarer Nerd-Nachweis, der mich als Mitleser (mit zu vielen Unterbrüchen und Dunklen Lektüren) ausgewiesen hat.

Doch wende ich mich nicht der Perry Rhodan-Serie in ihrer monolithischen Form zu, der besagten ewiglaufenden Hauptserie aka Erstauflage, wie damals üblich benannt nach ihrem Helden:

Dabei steht immer wieder ein besonderer Mensch im Zentrum: Es ist Perry Rhodan, ein Astronaut, geboren in den Vereinigten Staaten, aber längst kein Amerikaner mehr, sondern ein Terraner, ein Bewohner des Planeten Erde also. Mit seinem Charisma und seinem Mut, seiner Überzeugungskraft und seinem Engagement hat Rhodan der Menschheit den Weg zu den Sternen geebnet. Eine Kollektivintelligenz, die man ES nennt oder den Wanderer, hat ihm bekanntlich die relative Unsterblichkeit verliehen.Serien-Chefredakteur Klaus N. Frick (Entität KNF) “Der Mensch steht immer im Zentrum“

Diese steckt zur Zeit inmitten des 43. Zyklus und strebt Heft für Heft der Nummer 3200 – in Worten: dreitausendzweihundert – unaufhaltsam zu. Nach vorigem Zyklus – Nr. 42 also, wo ich zeitweise rezensierte über exakt 42 Heftromane hinweg, was wahrlich eine unintendierte famose Korrelation zum Blognamen ergibt – bin ich nämlich erneut inmitten so eines Unterbruchs der Nichtlektüre, weil … Schwer zu sagen, es gibt eigentlich keinen inhaltsguten Grund, ganz im Gegenteil. Das doch Mitbekommene verheißt kosmologische
(Un)Tiefen voller senses of wonders, von denen da erzählt wird, die mich wohl am meisten von allem an der Serie so sehr reizen. Aber wenn man den Start mit Nr. 3100 verpasst hat, dann ist man – also ich – schon zu sehr aus dem Tritt und im Hintertreffen, um nochmal Fuß zu fassen. Meiner Meinung nach. Andere lesen nach, hinterher, schieben auf, überspringen mitunter … O_o

Daher umso praktischer, weil zugänglicher die am 18.03., also quasi jetzt anlaufende sogenannte Miniserie als vergleichsweise nur 12 Heftromane kurzer Ableger zur Serie: PERRY RHODAN ATLANTIS! Ja genau, eben das sagenhafte Atlantis, aus dem Mythos im Perryversum allerdings (intradiegetische) Geschichte geworden ist (s.u.). Dieses ATLANTIS will und werde ich hier im Blog alle zwei Wochen – so der Erscheinungsrhythmus – begleiten, kommentieren, rezensieren, hierzu assoziieren.

In Miniserien tritt man absichtsvoll einen – großen – Schritt zur Seite der alles narrativ mitreißenden Hauptserie, um an altbekannte Orte endlich wieder zurückzukehren und sie in ein neues Licht zu stellen, um Altbekanntes ganz neue narrative Ranken wachsen zu lassen, um Altes und Neues zu verbinden und in neuer Perspektive zu kanonisieren. Altbekannte Orte oder/und Völker im neuen Licht, in doch ganz anderem Setting, vor ganz anderen Herausforderungen. Oder dorthin vorgestoßen, wo die Haupthandlung nie richtig eingekehrt war, höchstens mal narrativ streifte, beiläufig bloß von Geschehnissen erwähnte. So oder so, die Miniserien wollen nicht (haupt)tragend sein, nichts erzählen, ohne dass das Perryversum ungestützt dastünde. Es sind vielmehr narrative Ergänzungen im Kleinen, zum Überbrücken, zum Füllen von narrativen Lücken. So in etwa lässt sich Sinn und Charakter der Miniserien umschreiben.

Bevor ich spoile, soweit schon bekannt, worum es geht, aber noch ein paar Vorworte zur Miniserie an und für sich…

Prolog: Vorboten von Atlantis

Der Beginn der PERRY RHODAN-Miniserien (Obacht, s.u.) ist nunmehr schon stolze 14 Jahre her, geht bis ins Jahr 2008 zurück: “PERRY RHODAN-Action war unser Versuch, in den längst totgeglaubten Markt der Heftromane noch einmal neue Bewegung zu bringne“[1], so schon damaliger Chefredakteur und Herr der Serie Klaus N. Frick. “Action“ das einzige charakterisierende Beiwort zur Miniserie, die schlussendlich aus drei Minizyklen zu je 12 Heftromanen bestehen haben sollte, wovon Nr. 2 und Nr. 3 direkter aneinander anknüpften, Nr. 1 sozusagen vorausging.

Den Begriff der »Action« definierte der Exposéautor ebenfalls: »Die Romane bestehen nicht aus 60 Seiten Geballer. Charaktere sind wichtig, die Story ist entscheidend, Exotik und Spannung sind vortrefflich.«Exposéautor Christian Montillon, zit. n.
Der Redakteur erinnert sich (38): Mit Action ins Jahr 2008

In den Realjahren 2008 bis 2009 erschienen, wurden bewusst Motive aufgegriffen und die Handlung in eine Serienzeit chronotransferiert, die Mitte der 1960er Jahre erzählt worden war: Hauptzyklus 03 Die Posbis sowie 04 Das Zweite Imperium umspannen die in den 2160er Handlungsjahren spielende Minitriserie. Real wie narrativ zeitferne Welten, über die man da schreiben wollte:

Immerhin konnte ich die ersten Exposés mitschicken, dazu kündigte ich Datenblätter an. Diese sollten helfen, »in das PERRY RHODAN-Universum des Jahres 2166 hineinzukommen«. Das unterscheide sich doch sehr deutlich von der aktuellen Technik mit all ihren Begleiterscheinungen; in der »alten Zeit« gab es keine Syntrons, keinen Paratronschirm und auch keine Transformkanonen. Ich hoffte, dass die Autoren mit den unterschiedlichen Technikwelten nicht zu sehr durcheinanderkamen, weil mir klar war, dass das eine Quelle für zahllose Fehler sein konnte.KNF „Mit Action ins Jahr 2008“

Das als miniserielles Präludium, als wichtige Fingerübung, Jahre bevor es weitere PERRY RHODAN-Miniserien geben sollte, diese von nun an mit eigenständigem, nicht mehr generischem Titel und in sich abgeschlossen. Von 2014 an bis 2021 – das 60. Jubiläumsjahr – sind deren acht erschienen, 96 Hefte ausschließlich miniserial. Das sind „nebenher zur Erstauflage produzierte“ Heftromane in solcher Menge, wie sie legendäre deutsche SF-Serien wie Ren Dhark, Raumschiff Promet , oder Die Terranauten insgesamt (kaum) auf Papier gebracht haben (in Erstauflage – ohne spätere Fortsetzungen in meist anderem Format). Ein Überblick über dieses Oktilektürat gibt es in Teil 1
und Teil 2. Zusammengestellt von Ben Calvin Hary, seines Zeichens Wunderwuzzi als Redakteur des regelmäßig der Erstauflage beigefügten „Report“ mit Hintergründen zur Serie und dem Fandom, Youtube-Star im Namen seiner Perrytät, bereits vielfacher Schreiberling für diese oder jene Serie des Perryversums und nun noch mehr als all das schon:

So viel können wir verraten: Auch 2022 darf der unsterbliche Terraner, so ES will, wieder zwölf Bände lang auf ein in sich abgeschlossenes Abenteuer gehen. Erste Ideen wurden gesammelt und Konzepte verfasst, auch eine Exposéautorin bzw. ein Exposéautor – das hat mir zumindest ein Spatz vom Nachbardach geflüstert – steht schon fest.BCH

Dieser generisch pseudonymisierte Niemand ist ein genauso listenreicher Fuchs wie Odysseus und unverräterischer als ein Grab. BCH höchst selbst konnte erstmals die Zügel der Exposéarbeit übernehmen und lenken, welchen Verlauf die Miniserie nehmen soll. Wenn er so weitermacht, dann endet er noch wie Christian Montillon, der PERRY RHODAN-Action umgesetzt hatte, der heute nämlich Koexposéautor, Dualer Expotän der Hauptserie und somit kozweitmächtigster Erdenker unendlicher Geschichten ist. Gratulation. Man kann schlechter „enden“…

Abschließend hierzu nur noch vorab, worüber Sascha Vennemann hier in Teil 1 und Teil 2 berichtet, nämlich wieso sich Miniserien selbst oder gerade für Perry Rhodan-Unkundige wie ihn lohnen, ja geradezu als Einstieg zu empfehlen sind:

Was lässt mich darüber hinaus eher bei einer Miniserie am Ball bleiben, auch wenn ich keinen blassen Schimmer habe, was gerade in der Hauptserie passiert oder jemals passiert ist? Vor allem die inhaltliche Überschaubarkeit und die oft weniger dominante Relevanz von Kontextwissen. […] Und auf die Autoren zu vertrauen: Häufig sind sie nämlich so umsichtig, notwendige Wissenshappen in genau dem Moment nachzuliefern, wenn sie wirklich wichtig werden. Die Erkenntnis, dass ich beim Lesen der Miniserien mit meinem Nichtwissen häufig nicht alleingelassen werde, trägt wesentlich dazu bei, dass ich mich auf die Hauptstory einlassen kann, ohne ständig denken zu müssen: »Hä?«Sascha Vennemann

Folgend hier zwar gerade solche Hintergründe von einem, der manch schon gelesen zu haben glaubt. Aber vorzugsweise ganz in Saschas Sinne: nur Lesemut – komm und lies mit!

PERRY RHODAN ATLANTIS – was man weiß

Atlantis, nicht nur diesseits unserer Realität sagenumwoben, sondern auch im Perryversum geschichtenumrankt. Dazu unten mehr. Doch was kann un will die Miniserie ATLANTIS beisteuern, woran anknüpfen, wohin forterzählen?

[…] Wir erzählen vom klassischen Atlantis, dem Kontinent also, der den Lesern der größten Science-Fiction-Serie der Welt seit langem bekannt ist. Und sowohl diese als auch die neuen Leser müssen nicht so viel über die Geschichte dieses klassischen Atlantis wissen: Es gab diesen Kontinent, er ging unter, und nur Atlan hat überlebt – so lässt sich der Wissensstand in einem Satz zusammenfassen.Thezakteur KNF im Logbuch der Redaktion 57: Ein Blick auf Atlantis und seine Zeit

Das alleine wäre etwas dürr und klingt ja fast so, als wäre es weitgehend egal / nicht wichtig, was schon alles rund um Atlantis war. Aber als wissensnotwendige Voraussetzung im Vannemannschen Sinne ist es nicht, um einzusteigen, da man zeitpassend schon angefüttert wird;-) Malochen und die Leseärmel hochkrempeln hingegen musste Expokrat Hary, als er „mit der Arbeit an der kommenden Miniserie begann, war recht schnell klar: Einer der Schauplätze von PERRY RHODAN-Atlantis musste der Kontinent sein, der die Grundlage für alles liefert. Der Exposéautor arbeitete sich tief in die klassischen PERRY RHODAN-Romane ein, in denen Atlantis erstmals beschrieben worden war, und entnahm die Informationen, die er für die neue Serie benötigte.“ Hary, lies schonmal die Lektüre vor 😀 Nun aber Schmieröl an den Roboter, wat is denn nu angesacht?

»Gut 8000 Jahre vor Beginn der christlichen Zeitrechnung: Auf einer großen Insel im Atlantischen Ozean haben die menschenähnlichen Arkoniden eine Kolonie errichtet, die den Namen Atlantis trägt. Von dort aus starten Raumschiffe ins All, von den steinzeitlichen Menschen als göttliche Erscheinungen bestaunt.
Dann strandet ein Mann aus der fernen Zukunft auf Atlantis. Sein Name: Perry Rhodan. Der Raumfahrer wurde von einer Zeitmaschine in die Vergangenheit versetzt. Er muss einen heiklen Auftrag erfüllen und darf dabei nicht erkannt werden – denn eine kosmische Macht bedroht die Erde der Vergangenheit …«Reise zu einem Kontinent der Mysterien

Nicht nur dieser unser Mann im All alleine auf eigene Faust, sondern auch seine Gattin mit von der Partie: Sichu Dorksteiger! Das freut mich besonders, dass sie ihr Kerlchen nicht alleine rumstrolchen lässt, sondern ein (wissenschaftlich) wachsames Auge auf ihren sofortumschaltenden Herumstreuner hält, der sich nur zu leicht in Kosmisches, allzu Kosmisches involvieren lässt. Die nicht nur Gattin, sondern auch Chefwissenschaftlerin mag für manche dann und wann zu seriös ruhig geschildert werden, was ich hingegen als besonders lesenswert empfinde, wenn sie fachkompetent entschieden auftritt. Davon ab, sie kann jederzeit auf ihre einstige militärische Grundschulung zurückgreifen und dann auch kräftig Paroli bieten, aber hallo. Ihr zur Seite treten noch zwei weitere weibliche Hauptfiguren, deren Namen publik sind – ich verschweige sie hier jedoch. Aber inhaltsweiter:

Perry Rhodan wird nämlich in eine Zeit versetzt, aus der es eigentlich keine Rückkehr geben dürfte. Er kommt nach Atlantis, auf einen Kontinent, der zu dieser Zeit von Arkoniden besiedelt ist und in einer großen Gefahr schwebt. Er darf dort aber – das ist ganz besonders wichtig – kein Zeitparadoxon auslösen.
Die zwölf Romane der Serie erzählen von Rhodans Reise über den Kontinent Atlantis und die Erde der Vergangenheit. Sie schildern aber auch den einen oder anderen Risikoflug, der nicht nur auf andere Welten unseres Sonnensystems, sondern ebenso hinaus ins freie All führt. Dort trifft Rhodan auf einen alten Bekannten – der ihn aber nicht kennen kann – und auf fremdartige Wesen, die ihm in seiner Zeit ebenfalls schon begegnet sind …Ein Terraner auf einem mysteriösen Kontinent

Im Grunde unvermeidlich, sonst nichts als absurd, muss freilich noch jemand auftreten, der – so der Dreh im Perryversum – Atlantis erst den Namen gab: Atlan! Unten mehr dazu, aber seine Rolle in dieser Zeit ist eine noch kaum beleuchtete, nur in wenigen Erzählungen verknappt bekannte. Er wird anders als der erzählmoderne Atlan sein müssen, da er 10.000 Jahre jünger ist, einerseits noch kaum lebenserfahren gemessen am Relativunsterblichen der Handlungsgegenwart, andererseits dennoch ein gestandener, viel durchlebter gut 40-Jähriger in vielfachen Ämtern und Würden schon damals gewesen war. Spannend, wie man den jungalten bzw. altjungen Atlan und den zeitversetzten Perry miteinander konfrontiert oder tunlichst nicht – Zeitparadoxonvermeidung!

Das der geteaserte Kenntnisstand in Skizze. ATLANTIS wird es wie seit Jahren gewohnt trimedial im Abo als Print, ebook oder Hörheft geben, erstere beiden direkt im Perry Rhodan-Shop, letzteres bei Einsamedien. Dort bin ich am Start und werde somit mithören, wie hörvertrauter Renier Baken Perry & Co intonativ inszeniert. Vorteil so für mich als eingestandener Langsamleser; Nachteil für mich als wonniger Zitierer, der nun kein ebook für zitatives Copy-and-Paste zur Hand hat. Erwähnenswert noch das Team des ATLANTIS-Kommandos, das noch nicht vollständig bekannt ist. Vierköpfig sicher, aber sieben bis acht Mitautor*innen sind eigentlich üblich. Zum Team gehört übrigens obiger Mister Vennemann, der sich miniserial also mutwillig schon eingegroovt hatte, um sich jetzt ertüchtigt zu zeigen:-) Auch wird es wieder, zuletzt unüblich geworden, eine redaktionelle Beilage zum Roman geben, nämlich einen aufschlussreichen Kommentar, der Hintergründe zum vertiefenden Verständnis bietet und vielleicht fingerzeigend prospiziert, welche Wege des Handelns sich aus dem Romangeschehen ergeben könnten. Finde ich sehr gut – mal sehen, ob der Kommentar als PDF dem Hörheft-Download beiliegt. Lesen würde ich ihn nämlich begleitend nur zu gerne. Soweit ist es also angerichtet und servierbereit!

Hintergründe und Assoziationen

Doch worauf fußt die Miniserie denn nun, wie legendär ist Atlantis im Perryversum und was hat BCH denn alles nachlesen müssen, von KNF verdonnert?

“Es geschieht, weil es geschah“, so eine Sentenz unter Rhodanaut*innen, wenn es zeitschleifig wird. Nachdem mit legendärem Heft 50 “Der Einsame der Zeit“ der zweite Zyklus Atlan und Arkon mit einem Handlungszeitsprung von 56 Jahren begonnen hatte, war mit ihm wie ein Donnerschlag die vielleicht beliebteste Hauptfigur der Seriengeschichte erwacht. Das buchstäblich, da der Arkonide Atlan mit vielen Unterbrechungen im Handlungsjahr 2040 erneut aus einem Tiefschlaf erwacht war und die Bühne des entstandenen Solaren Imperiums betrat. Das zunächst als Gegner Rhodans, nach manch Missverständnis und legendären Duellen seither jedoch als bester Freund. In vielen Andeutungen wurde klar, wovon Atlan bis dahin exklusiv in Ich-Perspektive erzählte, dass er die Geschichte der Menschheit schon länger als nur ein Leben lang begleitet hat. Doch das blieben nur Halbsätze, bis Heftroman 60 „Festung Atlantis“ – „Arkoniden verteidigen das Sonnensystem – vor 10000 Jahren. – Das dritte Atlan-Abenteuer!“ von Exposéautor K. H. Scheer persönlich, 1962 erschienen. Dank fotografischen Gedächtnisses und einem Trigger beginnt Atlan zu erzählen von dieser „Festung Atlantis“, einer Kolonie der Arkoniden auf der damals Larsaf III. genannten Erde, von einem nach ihm zu Ehren benannten Kontinent, dessen Name durch die Jahrtausende tradiert werden sollte. Eine blühende Kolonie, wenn sie auch nur als Ausweich zustande kam, nachdem die primäre auf Larsaf II. (zukünftige Venus) Rückschläge hinnehmen musste. Die Erzählung wird erst in Heft 70 „Die letzten Tage von Atlantis“ – „Arkon-Raumer TOSOMA im Endkampf: Die Besatzung verhaftet ihren Admiral! – Das vierte Atlan-Abenteuer!“ fortgesetzt (1963). Hier wird vom Untergang des Kontinents erzählt, wie Atlan dann – als „einsamer der Zeit“ – auf der Erde gestrandet ist (nachdem er einen sog. „Zellaktivator“ erhalten hatte, den Perry Rhodan erst noch bekommen würde). Atlan wurde, was er zum Zeitpunkt des Erzählens längst war, nämlich Förderer, Helfer und Freund der Menschheit, wenn auch nie uneigennützig: er wollte nämlich zurück in die Heimat, nach Arkon. Doch die dafür nötige Hypertechnik war Jahrtausende fern. Mit dem Charakter Atlan (keine bloße Figur!) zog eine Art „Präastronautik“ in die Serie ein, demnach die Menschheit nicht auf die Erde geworfen sich über Jahrmillionen evolutionär herausgebildet hatte als erstes Tier unter gleichen. Extraterrestrier Atlan blieb nämlich nicht der einzige, der auf die Erde gelangte und auf die „Barbaren“ (Atlans Lieblingsbezeichnung) einwirkte, bevor Perry Rhodan sie zu den Sternen führte. Eine Chronik der Menschheit aus Atlans Erinnerungen ist in den Zeitabenteuern niedergeschrieben. Dieser Kontext ist selbstredend nicht wichtig, um die Miniserie zu lesen, dennoch nützlich zu wissen, wofür dieses Atlantis als arkonidische Kolonie Nadelöhr in die Zukunft fundamental war. Daher auch obige Sentenz und die großgeschriebene Warnung bezüglich eines Zeitparadoxons: die Geschichte der Menschheit hängt davon ab, dass auf Atlantis geschieht, was man durch Atlans Erzählungen davon weiß, was dieser dort durchlebt hat. Trotz aller Toten und Vernichtung wird Atlantis untergehen müssen, um sozusagen den Freiraum für die Zukunft zu schaffen.

Von mir noch nicht erlesen, spielte Atlantis noch einmal eine Rolle, jedoch nicht in der Perry Rhodan-, sondern der Atlan-Serie. Diese gab es nämlich auch – wie gesagt, Atlan der vielleicht beliebteste aller Charaktere – und zwar über stolze 850 Heftromane hinweg. Und das, obwohl sie anfangs nicht mal wöchentlich erschienen war und seit Jahrzehnten nicht mehr erscheint. Auch hier gibt es Zyklen und der hier interessierende heißt nur zu passend. König von Atlantis! Ein Großzyklus, der mit Nr. 300 begann und bis Nr. 499 reichte, in viele Unterzyklen untergliedert werden kann und in vielem des Erzählten doch arg Fantasy-esk anmutet. Atlantis als „Plattform“ für einen Weltenfahrstuhl, worüber sich die Handlung in Raum und Zeit verliert, wobei Atlan mit Titel und im Rang des Königs von Atlantis hauptfigürlich agiert. Kann hierzu mangels Lektüre nichts sagen, was nicht in der Perrypedia einlesbar ist. Hieran soll die Miniserie jedoch auch gar nicht näher anschließen, was der Übersicht vielleicht gut tut.

Dass die Eheleute Rhodan-Dorksteiger per Zeitmaschine nach Atlantis gelangen, ist ein gern gebrauchtes Handlungsstilmittel der Serie, aber auch ein nur zu schöner Rückgriff auf die allererste Miniserie, die es gab. Wie, was? „Action“ doch. Nein, daher anno Domini weiter oben auch „Obacht“, als ich von erster PERRY RHODAN-Miniserie schrieb. Die allererste und eine Handvoll weiterer waren selbst „Action“ vorausgegangen. In warmherzigster Erinnerung ist nämlich der Prototyp / die Mutter aller Miniserien: TRAVERSAN! Perry weit und breit hier nicht zu lesen, denn es ist der Vorläufer der über Jahre prägenden ATLAN-Miniserien.

Ich wollte die Autoren vor allem loben und bezeichnete »das Experiment ›Traversan‹–Zyklus als erfolgreich«. Die Leserreaktionen seien »positiv bis euphorisch« gewesen, »teilweise war es mir schon fast unheimlich«. Ich bestätigte zudem, dass uns in der Redaktion das Projekt viel Freude bereitet habe.
Auch die Auflagenzahlen waren in unseren Augen gut gewesen, jedoch nicht so gut wie bei der wöchentlichen PERRY RHODAN-Serie. Aber damit war nicht zu rechnen. »Allerdings haben wir mit ›Traversan‹ stets eine höhere Auflage erzielt als mit den PERRY RHODAN-Nachauflagen«, schrieb ich stolz. »Und es ist ziemlich sicher, dass die ›Traversan‹-Auflage höher war als die Auflage der meisten Konkurrenz-Heftserien.«Der Redakteur erinnert sich 21: Ein Feedback zu »Traversan«

Betrachtet man die PERRY RHODAN-Serie und den Serienkosmos über die Jahrzehnte hinweg, stellt man fest, dass es immer wieder Entwicklungen gibt, mit denen niemand so richtig rechnete. Eine davon ist das »Revival« des Heftromans – und stark dazu beigetragen hat sicher die ATLAN-Serie, bei dieser vor allem der »Traversan«-Kurzzyklus. Von den Erfahrungen, die in den späten 90er-Jahren mit »Traversan« gesammelt wurden, zehrten die Redaktion und das Autorenteam noch Jahrzehnte danach.KNF “Logbuch der Redaktion 50: Kein nostalgischer Blick auf Traversan“

Auch hier war die Hauptperson – Atlan – per Zeitmaschine – von den legendärsten “Meistern der Insel“ – ebenfalls inmitten arkonidischer Geschichte abgesetzt worden: 5772 v. Chr. / 12.402 da Ark (nach Arkon =arkonidische Zeitrechnung). Bald 2.500 Jahre später also zur ATLANTIS-Zeitebene.

Doch was macht diese Handlungszeit etwa 8.000 v. Chr. Aus?

  • Das Volk der Arkoniden steht in der Blüte seiner zivilisatorischen Schöpfungskraft, strotzt vor Elan und Entdeckergeist, der allerdings vergleichbar dem (nicht nur) British Empire auch mit imperialem Dünkel bis hin zu rassistischer Herablassung einhergeht. Dennoch kein Vergleich zu den Arkoniden am Ende ihrer imperialen Zeiten, mental degeneriert und körperlich antriebslos, als Rhodan ab dem Handlungsjahr 1971 auf sie und ihr zerbröckelndes Sternenreich stößt. Sie hier Handlungsträger zu nennen, fällt mangels Handlungsfähigkeit schwer; demgegenüber die tatkräftigen Stürmer und Dränger des Tai Ark’Tussan, dem Großen Imperium, die wie im Trek nach Westen über die Grenzen des Imperiums hinausstrebten.
    Die Karte enthält die wichtigsten von Arkoniden besiedelten Sonnensysteme in der
Galaxis. Ausgenommen sind die Welten in den Kugelsternhaufen Thantur-Lok (M 13) und
Cerkol (M 92), da dort nahezu alle Welten von Arkoniden bewohnt werden und eine differenzierte
Darstellung ohnehin nicht mehr möglich ist. Das Große Arkon-Imperium bzw. Tai Ark'Tussan
besaß in der Milchstraße eine Geschichte von über 20.000 Jahren, bevor es im Vereinten
Imperium überging und schließlich aufhörte zu existieren. Nach fast zweieinhalb Jahrtausenden
Abwesenheit auf der galaktischen Bühne lebte das Sternenreich als Kristallimperium
bzw. Gos'Tussan für einige Zeit neu auf. Bild und Text entnommen aus Stefan Kochs grandiosem Fan-Projekt, dem PR-Sternenatlas.de
  • All das aber, als bereits die sog. Methankriege gegen die rassistisch abfällig „Methans“ genannten wasserstoffatmenden Maahks tobten, Atlan hier als Admiral im Diensten der durch und durch militarisierten Flotte stand. Etwa 8.229 v. Chr. Begannen hier erste Auseinandersetzungen, zur ATLANTIS-Zeit war der Krieg längst heiß geworden. By the way: diesseits der Realität toxisch und lebensverachtend, bloß als narrativer Handlungsrahmen lesenswert, wenn man niemals betroffen sein muss!!! Als Erzählrahmen für Flüge von Larsaf III. hinaus ins All aber natürlich Stoff für Konflikte, brenzligste Situationen und vieles mehr. „Hintergrundrealität“ für ATLANTIS vermutlich:
    • 8004 v. Chr. – 23. Auffangschlacht im Khorsal-System: Trotz Verlustes seiner gesamten 9. Flottille unter dem Befehl von Sonnenträger Kwan von Arthamin siegte Atlan mit seinem Geschwader über die Flotte von Großadmiral Grek-1108 (PR-TB 396)
    • Zwischen 8006 v. Chr. und 8003 v. Chr. – Das Iskolart-System wurde durch Atlans 18. Einsatzgeschwader für die Arkoniden zurückerobert. (PR 86 E, Kap. 6)
    • 8. Jahrtausend v. Chr. – 35. Auffangschlacht im Koàl-System: Atlan wurde aus den Kampfhandlungen ins Larsaf-System (Solsystem) abkommandiert (PR 60)

    Wichtige Austragungsorte der Schlachten zwischen Arkoniden und Maahks zur Zeit des
Großen Imperiums. Das Bild zeigt eine Sternenkarte, die den Methankrieg in seinem frühen Verlauf veranschaulicht. Entnommen ist Karte und Text  von seit Jahr(zehnt?)en aktiven Rhodanauten Stefan Koch als exzellenten Kartenzeichner, der auf PR-Sternenatlas.de eine Vielzahl an allgemeinen und Themenkarten wie dieser bereitstellt, die das Perryversum so ungemein vertiefen

  • Mit obigen Links auf die Hefte 60 und 70 der Erstauflage entfaltet sich das Panorama der Besiedlung des Larsaf-Systems, zunächst auf Planet II., hinkünftiger Venus, später dann auch auf der dritten Welt. Auf jener wird eine – noch 10.000 Jahre später relevante – Großpositronik errichtet, auf dieser wird nur eine Unterwasserkuppel als Relikt der Arkoniden – unerkannt – die Zeiten überdauern, aus der Atlan hervorgekommen sein wird.
  • Was sicher auch außen vor bleibt und ich hier nicht näher ausführe, sind zeitüberlappende Kontakte zwischen zwei Universen, die eine narrative Säule besagten zweiten Erstauflagenzyklus sind, aber auch in die tiefe Vergangenheit des Larsaf-Systems führen. Durch sog. „Überlappungsfronten“ dringen Kampfraumer der – viel später erst so bezeichneten – Druuf in den stellaren Raum um die Larsaf-Planeten. Als (ein) Kollateralschaden, wie man es so verachtend nennt, durch wütende Kämpfe zwischen Arkoniden und Druuf geht schlussendlich Atlantis unter. An sich freilich relevant, doch die Handlung dürfte nennenswert weit zuvor spielen, um davon unberührt zu bleiben. Erwähnenswert dennoch, weil damit klar wird, wie viel – voraussichtlich – außen vor bleibt, da es den Rahmen nicht nur einer Miniserie sonst sprengen würde. D.h. auch, wie gut das erzählerische Timing sein muss, um manch Klippe zu umschiffen, an der die Handlung sonst nur zu leicht zerschellen könnte.
  • Angedeutet, wie von sich überzeugt bis hin zum Rassismus die Arkoniden dieser Zeit waren. Und eben solche stehen nun Atlantern gegenüber, die es als Ureinwohner, Indigene dieses Kontinents – neben allen übrigen „Barbaren“ der Welt😉 -, in den Augen der Arkoniden wohl kaum über noch so nette „edle Wilde“ nicht hinausschaffen dürften. Bin sehr gespannt, wie viel imperialen Dünkel die Miniserie ausschreibt. Postkolonial kontern kann man ja jederzeit durch die Augen Perrys und Sichu, denen das arkonidische Auftreten als verachtend und selbstgerecht missfallen wird. Diese Konflikte der perspektiven scheinen mir aber unvermeidlich, will man diese Epoche einigermaßen probabel erzählen, also gemäß den Pflöcken, die in den 1960er Jahren eingeschlagen worden sind.

Und sicher noch vieles mehr an Fragen zu stellen, da eine Zeitmaschine einen Bauer einer solchen voraussetzt und Bediener einer solchen. Wer schickt Perry durch die Zeit und wozu? Ist es ein Auftrag, um etwas erst in die Wege zu leiten, damit es sicher eintritt und geschieht? Wer kann so zeitmächtig sein? Und wieso ist Atlantis für all diese finsteren Pläne und Absichten allentscheidend? Da hilft nur lesen aka hören!:-) Was bis hierhin klar geworden sein sollte: Atlantis ist auch im Perryversum ein Schnittpunkt vieler Zeit- und Handlungslinien, die nun zu einem Khipu verdichtet werden!

Erwartungen?

Und was erwarte ich mir nach alledem an wiederbewusst gemachten Hintergründen und erzeugten Assoziationen? So direkt nichts. Das auch wegen der Risiken und Nebenwirkungen von Miniserien, die im „Mini“ bestehen. Sie sind schlicht dann eben doch bloß 12 Hefte kurz und – so meine Leseerfahrungen – für vieles dann eben auch zu kurz. Oder andersherum: mitunter ist mir schon wieder zu viel zu geballt in nur 12 Hefte gestopft. Noch anders: auch wenn schon „Action“ nicht bloße Action sein sollte, es damals für meinen Geschmack aber doch im Übermaße war, neigen alle Miniserien ihrer Art nach zu komprimierter Darstellung, die am Roten Faden entlang eilt bis hastet. Mitnichten und keinstenfalls per se schlecht, vielmehr ja sogar integral fürs Konzept, gerade so zielstrebig und geradlinig quasi ohne Schnörkel erzählt wird und so vor allem Neulinge fesseln kann.

„Meine“ Miniserie, die sich nicht verkaufen würde, wäre eine sich ruhig einem Thema widmende, in der perryversale Wissenschaftler*innen wie Sichu Handlungsträger*innen wären und mit Begeisterung und Faszination forschen würden. Mal – ja, gleich mehrere Miniserien!;-) – nach kosmologischen Zusammenhängen, mal im Versuch des Verständnissen von der Genese von Superintelligenzen, mal bezogen auf technischen Fortschritt und seinem Zustandekommen, mal auch in der Erforschung einer Welt in ihrer gaiatischen Multiplexität. Ein Hard SF-Roman wie Kim Stanley Robinsons exzelleniales AURORA! *reminiszent träum* Die Kolonistenabenteuer in fundiert…

Atlantis – Mythos und Realität

Nach all der rhodanautischen Erkundung dortigen Atlantis zurück in die Realität. Insoweit man denn von harter Realität sprechen kann. Denn Atlantis ist hier zunächst einmal nichts anderes als ein Bestandteil von Platons philosophischen Überlegungen. Außerordentlich interessant, was allein Wiki alles hierzu zusammenträgt, das sich in Zweieinvierteltausend Jahren beinahe bibelgleich an Interpretation und Auslegung angesammelt hat. Zwei grobe Linien, wovon die eine Atlantis als bloßes Gedankenexperiment, philosophisches Beispiel zur Veranschaulichung, als bildhafte Idee im Platonischsten Sinne versteht; die andere hält es hingegen zumindest für einen Nachhall realer Begebenheiten, auf die sich Platon da bezieht. So konkret er den Kontinent auch benennt und ihn jenseits der Säulen des Herkules (Felsen der Straße von Gibraltar) verortet, ist die Annahme ja auch berechtigt, Platon könnte sich auf reale Umstände beziehen. Bzw. wieso sollte er es derart verweltlichen, wenn er es doch eh nur abstrakt meint? So konkretisiert er seine Höhle des berühmten Höhlen-Gleichnisses überhaupt nicht, sie bleibt ortlos, atopisch, obwohl es gewiss allein nahe Athen genügend Höhlen gegeben hätte.

Vor kurzem hatte ich die ZDFinfo-Reihe Ancient Apocalypse für mich entdeckt und die sechs Folgen begeistert beobachtet. So sehr wir von Apokalypsen umzingelt scheinen klimaüberhitzender, pandemischer und Putinscher Fasson oder gerade deshalb mag lehrreich sein, auf welche Weisen alte Kulturen ihr apokalyptisches Ende fanden. Eine der Folgen spürt der Spur nach Atlantis nach: Ancient Apocalypse: Helike – Spur nach Atlantis: „Die griechische Stadt Helike versinkt 373 vor Christus in den Fluten. Im Lauf der Zeit gehen die Informationen über ihre Lage verloren. Ist es möglich, die versunkene Stadt wiederzufinden?“ Alle sechs Folgen sind auch in der mediathekviewweb.de als MP4 zum Download verfügbar – JETZT! Dieses Helike war eine real existierende Stadt, ersterwähnt in Homers Ilias, also berühmter kaum möglich. Zugespitzt vielleicht eine Art „griechisches Carthago“, eine Stadt der Händler und des erhandelten Reichtums. Bis zu Beginn des 4. vorchristlichen Jahrhunderts durch ihre kraftvolle Stärke führend am Peloponnes. In relativer Nähe zu so viel berühmteren Städten wie Corinth, Sparta, Athen war Helike sogar eine Führungsmacht in den verschiedenen Bünden vor Ort. Bis, ja bis es 373 v. Chr. unterging, als Strafe der Götter in allgemeiner Lesart. Man habe sich wohl übernommen. Vermutlich das Gesprächsthema in ganz Griechenland, so auch in Athen, wo es Platon zu Ohren kam. So die Annahme, der die Doku folgt. Extrem spannend gemacht, weil es alles altphilologisch an einem Wort hängt, durch dessen vermeintliche Ein-, faktische Mehrdeutigkeit die tatsächliche Lage lange unklar war bzw. man an falscher Stelle gesucht hatte. Bei Wiki ist es unspektakulär und wenig mitreißend sachlich korrekt genannt, dass Helike nun in einer Lagune liegt, nachdem ein durch Erdbeben ausgelöster Tsunami die Stadt mit sich riss. Zwar nur eine Stadt, kein Kontinent oder kontinentgroße Insel, aber womöglich für Platon dennoch Grundlage für seinen Stoff. Wieso auch immer er dann nicht Helike auch Helike sein ließ, sondern nun wiederum abstrahierte vom Konkreten und es bis jenseits der den Griechen bekannten Welt entrückte, als wäre es ein Avalon späterer Tage. Da ich zuletzt die Hörspiele zu den Argonauten, zur Odyssee und der Aeneis gehört und es daher präsent habe: antik typisch für echte Helden ist es, sich durch den gesamten bekannten Erdkreis umspannende Reisen hervorzutun, einmal die bekannte Welt zu bewältigen, sich auf die Heldenreise ergo zu begeben. Je ferner, desto besser. Daher wäre ein fernstmögliches, jenseits der Säulen des Herkules gelegenes Atlantis schon von daher umso heldenhafter in seiner Anlage, da Platon – wäre es real – nur von einem wahren Helden davon gehört haben könnte. Sodann führt es die Helden auch stets an das Tor der Unterwelt, zum Hades als Reich der Toten und ihrer Seelen. Eine Unmöglichkeit, die diesen Helden – göttergewollt – doch möglich wird. Sie klopfen an für sonst alle verschlossene Tore und erhalten Einlass, ja auch wieder Auslass entgegen allen Usus. Für mich schwingt bei Atlantis auch etwas „Hades-haftes“ mit, ein Nichtort, der eigentlich doch unerreichbar ist, obwohl örtlich doch verortet und ergo bekannt. Denn die Helden wissen ja auch immer, wo ganz genau sie Zutritt zum Hades erlangen können. Wie dem auch sei, die Doku führt beeindruckend vor Augen, wie sehr Helike für Platon Inspirationsquell gewesen sein könnte, der – so ergänze ich – aber noch um weitere Legenden u.Ä. ausgeschmückt sein muss. Vielleicht ja Reiseberichte von Phöniziern / Puniern / Karthagern als die Weltreisenden damaliger Tage, die „von dort“ kündeten, was im Atlantik zu sehen war.

Abschließend nur noch, dass, so plausibel die Helike-Hypothese präsentiert wird, das Ganze schon sehr tendenziös ist angesichts einer üppigen Vielzahl an Lokalisierungshypothesen, wie sie bei Wiki nahezu endlos aufgeführt sind. Die Skurrilste für mich, dass Atlantis Troja sein könnte. Weil Platon vom fernsten Westen spricht, soll es im Osten gelegen haben? Merkwürdiger jedoch, dass kein Grieche bei restklarem Verstand DEN MYTHOS DES VOLKES schlechthin namentlich und inhaltlich derart entstellt, wo ihn für die Jahrtausende wirkmächtig Homer episch besungen hat. Der Trojanische Krieg für die Griechen sinn- und zusammenhaltstiftend wie sonst nichts. Und dann sollte Platon dahergehen und es miserabel plagiieren, indem er es anders benennt, der Helden wie Achilles entkleidet und dennoch auf einen Bestseller hofft? Na ja, gut. An die Ilias kommt er vielleicht nicht heran, dennoch beeindruckend, wie ebenfalls gefühlt endlos Atlantis als Sujet in tausendundeins Varianten fort- und umerzählt worden ist, Stoff für Legenden bot, Ausgangspunkt für Utopien wurde und selbst eine in unendliche Weiten vorgestoßene SF-Serie bereichert hat!

EDIT vom 17.03.2022: Beitragstitel beschönigt aus „Ein Blick voraus“ zu jetzigem „ein Rückblick voraus“, der es besser trifft.

  • :)) Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie froh ich bin, als ich diesen Vertipper aka Buchstabenverdreher von KNF, von der Entität Chefredakteur, dem Redaktarchen höchst selbst gelesen habe: „brigne“ Das passiert mir am laufenden Meter, ständig, andauernd, abverlangt verhasste Korrekturdurchläufe. Und nun ist es durch die Statistiker des Kosmos amtlich bestätigt, dass nicht nur ich singulär so verschwurbel. Ein Feiertag!
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    Ein Kommentar zu „PERRY RHODAN ATLANTIS – ein Rückblick voraus

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