Signale aus der Mondnacht

Hallo Mitwelt!

Ich hatte es schon einmal als Empfehlung im Blog, inmitten der fortgesetzten Lemiade: das Hörspiel meiner Kindheit und ziemlich sicher der „erste Lem“, der mir je zu Ohren kam – „Die Mondnacht“.

Ohne mir bekannten Anlass, Lems 101. Geburtstag ist noch gut drei Wochen hin, ist das Hörspiel nun erneut online gegangen. Im SWR2-Hörspiel-Feed gesichtet, führt der link auf eine Seite des NDR: „Die Mondnacht“ – abrufbar bis zum 29.08.2023!

Aus dem Reservetank einer Mondstation entweicht Sauerstoff. Der Rest kann bis zum Eintreffen der nächsten Versorgungsrakete nur einen von zwei Wissenschaftlern versorgen. Im Überlebenskampf versucht jeder der beiden, den anderen umzubringen. Ihr eigentlicher Gegner aber ist die Technik: Ein Tonbandgerät zeichnet alle Geräusche in der Forschungsstation auf. Nun versucht jeder, das Band zu täuschen.

Übersetzung aus dem Polnischen: Klaus Staemmler. Mit: Bodo Primus (Dr. Blopp), Horst Michael Neutze (Dr. Mills), Reinhard Glemnitz (Stimme aus Houston), Manfred Schott (Speaker), Gisela Hoeter (Monder, der Stations-Computer).

Regie: Dieter Hasselblatt. Produktion: BR/NDR/SDDR/SFB 1976. Redaktion: Michael Becker.

Bei meiner Kondolenz Herbert W. Franke zu Ehren hatte ich auf zwei zu diesem Anlass wiedergesendete Hörspiele verwiesen – so u.a. auf „Signale aus dem Dunkelfeld“. Dort hatte ich meine sprunghaften Assoziationen bereits festgehalten, dass mich „Signale aus dem Dunkelfeld“ vom Setting – Mond, Mondstation (Kammerspiel) – und Personal – 2 bis 3 LunanautInnen – sehr an Lems „Die Mondnacht“ erinnert hat. Daher sei jetzt quasi per Direktlink beides nebeneinandergestellt und zum Hören anempfohlen.

HWF „baut“ um die auf dem Mond spielende Kernhandlung zwei Rahmen herum. Rahmen 2 / der innere Rahmen lässt Fachmänner der beteiligten Institutionen (analoge!?) Bänder abhören, die man von den Ereignissen in der mondrückseitigen Station hat bergen können. Damit entspricht diese Interpretationsebene genau dem, was wir als Hörende von Lems „Die Mondnacht“ für uns selber leisten, nämlich das Gehörte – und nichts anderes als nur das Gehörte! – zu interpretieren, auszulegen, mühsam zu verstehen. In „Die Mondnacht“ intrigieren die beiden betroffenen Astronauten gegeneinander, just indem sie sich des laufenden (analogen!?) Aufnahmegeräts bewusst sind und alleinig anhand ihrer Stimme eine spätere Zuhörerschaft von sich zu überzeugen suchen, nämlich unschuldig zu sein, nicht verantwortlich für die sich aufschaukelnden Geschehnisse. Darüber grübeln wir sodann, ob und wer Recht haben könnte, so wenig es für den einen oder den anderen schlussendlich gut endet. Bei „Signale aus dem Dunkelfeld“ hören wir den Interpretatoren der Aufnahmen beim Interpretieren zu, womit wir deren Auslegungen mit unseren Eindrücken vergleichen können. Letztlich gibt es dann noch den Rahmen 1 / den äußeren Rahmen bei „Signale aus dem Dunkelfeld“, wo eine hörbar aufgebrachte, wissbegierige Journaille zu erfahren verlangt, was passiert sei. Die um Glättung der Wogen bemühte Presseabteilung wiederum selektiert aus der Kernhandlung und aus Rahmen 2 das für sie Weitergebenswerte, um das erlittene Desaster im doch noch lichten Licht dastehen zu lassen. Auch hierüber können wir unsererseits sinnieren, ob das Presseteam nicht ein infogarstiger Haufen ist, der bloß beschönigt und auslässt, wie es passt; oder ob die Journalisten überhaupt kompetent ihren Aufgaben nachkommen und die richtigen Fragen stellen.

So gehört, ist „Signale aus dem Dunkelfeld“ die Special Extended Edition zu „Die Mondnacht“, wo die eigentliche Handlung doppelt eingebettet wird und so vielschichtige Tiefe bekommt, die bei „Die Mondnacht“ noch gänzlich ausgespart blieb. Davon ab freilich, dass die Kernhandlung zwar manch Ähnlichkeit aufweist, dennoch ganz andere Pfade beschreitet. So verkompliziert „Signale aus dem Dunkelfeld“ aufgrund auch nur einer – auch noch weiblichen – Person die Involvierten und macht aus einer Zweier- eine Dreieckskonstellation, in die hinein nicht Monder penetrant quatscht, sondern rein stimmliche Aliens (oder was auch immer) suggestiv Kontakt aufnehmen (oder was auch immer). Während die Mondnacht-Männer zunehmend toxisch werden, ergeben sich zwischen den beiden Männern und der Frau „menschliche, allzu menschliche“ Abgründe, wo es eben auch um sexuelle Selektion geht … 😉 Ob Mond oder Mond – es läuft stets anders:-)

Das also als Einwurf, als Hörauftrag im Rahmen auch deines Hörspielabos, das du längst abgeschlossen hast. Und das sich daher abzuhören lohnt!

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