ATLANTIS 06 In der Methanhölle

Hallo Mitwelt!

Erneut eine Heftbesprechung, die leider erst weit nach Erscheinen des Folgebandes publik wird. Nr. 06 von ATLANTIS steht hier an, Nr. 07 ist derweil bereits zu lesen gewesen. Aber Gräserjäger pollend mich jagten… Dabei wusste „In der Methanhölle“ mehrfach zu gefallen und damit Vergnügen zu bereiten, dass im Blog manch lang und breit erörterte Perspektive zu Hintergründen und Handlungsverlauf sich A) konkretisierte und B) ich sogar mal Zeichen richtig deutete. Zugegeben, zum Teil kontingenzkaskadierte ich auch mit den Spekulationen und erwog allerlei, wovon sich jetzt aber eines der Szenarien pfadabhängig bahnbricht. Sense of Wonder – ATLANTIS (resp. ihr Expokrat) greift also doch in die höchste perryversal mögliche Schublade für einen Handlungsrahmen…

Zur Handlung

Dietmar Schmidt mit ATLANTIS 06: „In der Methanhölle – Wettlauf um das Talagon – wer bekommt die ultimative Waffe?“

Dietmar Schmidt verfasste »In der Methanhölle«, und mir hat die Darstellung einer schönen Giftgaswelt mit all ihren spannenden Episoden sehr gut gefallen. Das war mal ein Blick auf die Maahks und ihr Leben, den man so bislang nicht kannte.KNF zu „In der Methanhölle“ auf seinem Blog

Doch auch eine Welt voller Gefahr kann ihre Schönheit zeigen. Das beweist der sechste Band der Reihe, den Dietmar Schmidt verfasst hat. »In der Methanhölle« – so der Titel des Romans – erzählt von Perry Rhodan und seinen Begleiterinnen. Die ungewöhnliche Gruppe ist auf einem Planeten unterwegs, der für Menschen absolut lebensfeindlich ist.
Dabei stellt Rhodan immer wieder fest, dass bei dieser unfreiwilligen Reise in die Vergangenheit offensichtlich nichts so ist, wie es anfangs ausgesehen hat.Dietmar Schmidt schrieb »In der Methanhölle« – Band sechs der Miniserie PERRY RHODAN-Atlantis zeigt phantastische Schönheit“

Ich dachte in etwa: Hm, das ist aber eine Menge. In dem Roman gibt es drei Perspektiven: Perry Rhodan, Atlan und Quartam da Quertamagin, einen arkonidischen Wissenschaftler, der in völliger Finsternis aufwacht und keine Ahnung hat, was los ist. Rhodan wiederum ist mit seinen Begleiterinnen auf der Flucht vor Atlan und den wenigen arkonidischen Soldaten auf dem Planeten Galkorrax. Alle legen in dem Roman weite Wege zurück, erleiden Rückschläge und haben letzten Endes jeder für sich Erfolg – nur um dann vor etwas ganz Unerwartetem zu stehen.Dietmar Schmidts „erste Gedanken“, als er das Expo gelesen hat – laut PROC-Interview

Larsaf III.: Quartam lebt doch noch! Er erwacht im Dunkeln an Bord eines, wie er nach und nach erkundet, abgestürzten Arkonraumers. Niemand hat überlebt, alle sind mumienhaft wie nach einer Beuleninfektion gestorben. Quartam orientiert sich, nutzt sein breites Wissen und kann so schrittweise rekonstruieren, wo er ist – in einer atlantischen Wüste, und wieso es zum Absturz kam – „etwas“ tauchte in der Zentrale auf, woraufhin der Tod um sich griff. Als er mangels Funkkontakt, aber mit den gesicherten Daten gen Arkonis aufbrechen will, tauchen wie ‚grauen Zwerge‘ auf, die ihn vermeintlich umgebracht und den Transmitter zerstört hatten. Zeitweise entgeht er ihnen, bis deren Anführer ihm klarmacht, dass er mit Absicht ‚ausgesetzt‘ worden sei. Der Zwerg babbelt für Quartam unverständliche Namen und Begriffe wie Temporales Superpositionstor, ARCHETIM und Weiteres, das selbst Quartam nicht einzuordnen weiß. Man lässt ihn ziehen. Doch auf dem Weg gen Arkonis sieht er wahre Flüchtlingstracks von Atlanter*innen und später dann die Silberne Stadt, Arkonis – in Rauch und Flammen!

Galkorrax: Team Rhodan entfliehen unter Rowenas Führung in die Methanhölle dieser Welt, entgehen einer Maahk-Patrouille, um dann doch – wie von Rowena hintertrieben – unter Maahks zu geraten. Doch nicht als Gefangene, sondern als Kooperationspartner auf Zeit. Nur hier kann man mit xenomedizinaler Fürsorglichkeit Caysey widmen, die just jetzt ihre Wehen bekommt und mit Hilfe der Maahk-Ärztin über die akute Bedrohung hinwegkommt, allerdings auch in Tiefschlaf gelegt werden muss. Doch kaum ist der Geburtsfluch auf Zeit ausgesetzt, geht die Flucht weiter zur BEST HOPE, von wo aus und mit der man wieder weiter agieren will.

Verfolgt wird Team Rhodan jedoch von Team Atlan, das jedoch aus sehr unausgebildeten, heißblütigen und dünkelnden Jungarkoniden besteht. Mehrfach muss Atlan, zunehmend zähneknirschend, überreagierenden Soldaten die Grenzen aufzeigen und angesichts deren Verhalten Partei für die zivilen Maahks nehmen, durch deren Wohn- und Lebensraum man mit Geektors Hilfe trampelt. Auch das Team gerät in die Methanhölle, in enorme Stürme, die Technik ausfallen lassen. Letztlich doch bis zur LT4 gekommen, belauern sich beide Gruppen, stellen einander Hinterhalte, spielen in der Zentrale ihre Trümpfe gegeneinander aus. Als dann ein Notruf von Atlantis eingeht, kurz darauf eine gewaltige Walze nahe Galkorrax erscheint, diese Maahk-Schiffe nur so aus dem All wie beiläufig bläst, ist die ultimative Bedrohung aufgetaucht: eine Kobaltblaue Walze, wie sie die maskierten Perry und Sichu blasswerdend erkennen. Per Funk wird das Talagon eingefordert…

Zum Autor

Dietmar Schmidt, seines Zeichens eine ähnlich wie Olaf Brill schon etablierte Miniserienfachkraft, die sich mit zwei STELLARIS-Kurzgeschichten ins Herz der Leserschaft geschrieben hatte. Seither hat es bereits neun miniseriale Beiträge gegeben, verteilt auf 5 Zyklen. Von Anfang an und viermal waren gleich zwei Streiche je Miniserie Standard – nur bei letztjähriger WEGA-Miniserie blieb es bei einem Heftroman aus seiner digitalen Feder. Mit Band 10 „Das Talagon“ ist ein wohl kaum weniger gewichtiger Roman für ATLANTIS bereits geteasert. Denn gewichtig, kosmischer Hauch durch eine spaltweit geöffneten Cosmic Door wehend, war „In der Methanhölle“ ganz sicher. In der Perrypedia nicht vermerkt, dass Dietmar sich auch als Lektor verdient gemacht hat bei Perry Rhodan, bevor er selbst vom Rot- zum Schreibstift wechselte und seine Schreibe dem Rotstift anderer aussetzte. Nichts auszusetzen meiner Höre nach!

Das PROC-Interview anempfohlen, wo er sehr red- aka schreibselig antwortet, eine maahkosphärische Tiefenanalyse zu Galkorrax liefert – studierter Chemiker und sich von allen Figuren begeistert zeigt:-)

Biografische Nachwehen

Zuvorig in präzisionsloser Ausführlichkeit meine Bauchschmerzen mit perryversalen Biografien und biografischen Erzählperspektiven beklagt, wirkt Rowenas Biografie noch nach. Nämlich, indem sie NICHT(!) nachwirkt! Eine der ganz leseschwierigen Nebenfolgen, die umso falltiefer aufschlägt, je biografisch egozentrierter die Erzählung war. Soll heißen: je mehr die biografische Person mit allem – Gedanken, Gefühlen, [asexuellen] Intimitäten des Lebenslaufes – im Zentrum steht, das Erzählzentrum ausfüllt, umso sollbruchverstellter ist es, wenn das folgend GAR KEINE Rolle mehr spielt!

So leider auch in diesem Roman, dem man bzw. in ihm man den handelnden Figuren nicht anmerkt, dass Perry und Rowena sich sozusagen nähergekommen sind. Zumindest sie ihm, so teilweise intim sie ihm von intimen Dingen wie ihrer Asexualität offen erzählt hat. Nichts, was man einfach so erzählt und einem – obendrein: Gefangenen – aufbindet. Erst recht, wenn das Detail zwar ihren Charakter vertieft und zugegeben manches klarer verstehen lässt. Etwas, was dennoch kein bisschen miterzählnotwendig war. Wieso erzählte sie es dennoch? Weil es ihr so wichtig war, es mal auszusprechen, es jemandem, der nicht arkonidisch standesdünkelnd eingebunden ist, zu sagen. Es sich so vielleicht auch selber – trotz Extrasinn – erst richtig deutlich zu machen und als biografierelevant einzugestehen.

Doch von alledem, diesem Vertrauensvorschuss, dem Wissen um auch solcherlei intime Biografiedetails nichts. Sie re-agieren aufeinander, als wären sie sich inhaltlich weiterhin fremd. Rowena geht kein bisschen vertrauter, wenigstens bekanntgewordener mit Perry um. Dieser wundert sich zwar zurecht über ihre Verschlossenheiten und Alleingänge, nicht aber deshalb, weil sie ihm kurz zuvor doch so entgegengekommen ist. Einmal einsame Kämpferin, für immer einsame Einzelkämpferin – das hat sich ihr wohl zutiefst eingeschrieben, ist ihr inkorporiert (in Fleisch und Blut eingegangen). Ich hätte mir da mehr bekanntheitliches Sprechen erhofft, dass Perry – gerade in Rowenas Egogängen – auf ihre Biografie anspielt, das für ihn ja kurz zuvor erst Gehörte aufgreift und auf oder gegen sie anwendet. Von wegen: eben hieß es doch noch … – jetzt aber scheinst du dem entgegenzuhandeln. Vor allem in der Szene, wo sie die Gruppe verraten zu haben schien, sie den Maahks vorzusetzen schien. Dass Perry da nicht biografiebezüglicher reagiert hat…

Eventuell standen diesbezüglich keine Hinweise im Exposé, die Dietmar Schmidt angehalten hätten, penibel hierauf zu achten. Für mich, FALLS dem so war, zerschneidet man sich so intradiegetische Glaubwürdigkeit und versäumt narrative Anschlussfähigkeit. So war Rowenas Biografie, was mit der für mich so künstlichen Erzählweise doch sicher vermieden werden sollte, letztlich bloße Ein-Heft-Exposition, ohne in der Handlung des Folgebandes Minuten bis Stunden später überhaupt noch wichtig zu sein. Wichtig wird’s: ich halte an meiner Vogelschau fest, dass Rowena sich gerade ihrer Biografie wegen statt Atlan für die Galaxis opfert und samt Talagon ins Schwarze Loch gehen wird. Dass wir dann intensiver mitfühlen und ihre Motivation nachvollziehen können, wurde uns biografisch aufgetischt. Angelegt scheint es mir auch schon zu sein: Rowena spielt in ATLANTIS 06 mehrfach auf ihre zukunftslose Zukunft an, um die Perry doch wisse und deretwegen er ihr davon nichts sagen wolle. Zeitparadoxal verkomplizierter es freilich ist. Sie geht merklich davon aus, diese fragliche Zukunft läge gerade nur Jahrzehnte voraus, umfasse ein normallanges Arkonidenleben. Dass dem so überhaupt nicht sein wird, in wenigen Jahren sich für Atlan jegliche Zeittaktung durch einen Zellaktivator fundamental ändert, will und darf Perry nicht sagen, kann Rowena freilich mitnichten auch nur ahnen. Sie sieht aber lesbar zunehmend schwarz und finster, als ob ihr Ende durch Perry Schweigen bezeugt und besiegelt fix sei. Wenn sie wüsste…

Ihre Zeit auf Galkorrax hat sie offenbar für sich genutzt und ihre urtypischen Alleingänge gepflegt: wie sonst hätte sie Kontakte knüpfen können, von denen Atlan nichts auch nur zu ahnen scheint? „Konspiriert“ zum Besten aller mit Maahks und speziell der Xenomedizinerin, die in ihrer ruhigen Logik richtiggehend ‚einfühlsam‘ mit ihrer Ad-hoc-Patientin umgeht. Was Rowena nicht alles in die Wege zu leiten vermag, wen sie nicht in den Hinterzimmern alles begegnet ist. Und dezidiert agiert sie auch FÜR(!) Caysey, auch wenn sie das Perry gegenüber nur sehr brummig eingesteht. Insgeheime Anerkennung für die Barbarin?

Mutti Caysey

Erneut offiziell Hauptperson, bleibt Caysey auch in diesem Roman erneut weitestgehend passiv, ist dennoch wiedermal die insgeheime Heldin. Ein Kind unter diesen Vorzeichen und unter diesen speziellsten Umständen, quasi in Feindeshand nur mit xenomedizinaler Hilfe zur Welt zu bringen, ist meines Erachtens die größte Leistung aller handelnden Personen. Dass sie wegen finaler Schwangerschaft zuvor ziemlich mitgenommen war, mehr mitgeschleppt werden musste, als dass sie eigene Akzente setzen konnte – geschenkt.

Nun ist der vorhergesagte Sohnemann zwar immer noch nicht geboren, die Geburt ‚auf Eis‘ gelegt bzw. in den Tiefschlaf verschoben, doch das Ärgste scheint abgewendet. Doch während die kompetente Maahk-Ärztin mit enormem Xenogespür die Wehen und übrigen Umstände erstaunlich dirigieren konnte, scheinen die liebevollen Zuwendungen der Venusrobben (ATLANTIS 03) ins Leere gegangen zu sein. Keine Vorteile, kein Benefit aus der, zugegeben nicht rundherum freiwilligen Behandlung durch das Xenozeremoniell der Larsarobben. Erstaunlich, sollte das zu meinem Unglauben doch nur ‚heiße Luft‘ gewesen sein, die uns Sascha Vennemann da herbeigeschrieben hatte? Innerhalb der Handlung bloß die Funktion, Caysey von der wracken LT4 wegzulocken, damit top ausgebildete Kralasenin Rowena leichteres Spiel hat? … um dann trotzdem von behandelter Caysey überwältigt zu werden? Nene liebe Leute, das glaube ich nicht. Das war keine bloß nostalgisch anmutige Lückenhandlung, um die Larsarobben mal auftreten zu lassen. Ich wette, da ergibt sich noch etwas hinterrücks und unerwartet. Letzteres schon deshalb, weil es ja quasi amtlich weggeschrieben wurde: keinerlei Effekte, keine Nachwirkungen, schon gar nicht im Positiven – so scheint es. „Nichts zu sehen, weitergehen.“

So oder so: angesichts all der Umstände wäre ein gerade so überlebendes Neugeborenes sogleich einem galaktischen, wenn nicht gar kosmischen Handlungssog ausgesetzt, in dem sich wohl kaum in aller Ruhe in der Welt ankommen lässt. Bin gespannt (was andere ja schon wissen werden), wie man Mutter inklusive Sohn als HandlungsträgerInnen beibehalten kann, während die totale Vernichtung droht, unbesiegbare Truppen aufmarschieren, die Stimmung zwischen Maahks und Arkoniden auf Galkorrax ohnedies zum Reißen angespannt ist.

The Return of Atlan

Ich habe mich spontan entschieden, die Atlan-Passagen aus der Ich-Perspektive zu schildern, und gebe offen zu, dass ich geschluckt habe, als ich zum ersten Mal Bericht Atlan getippt hatte. Da kamen Jugenderinnerungen auf. K. H. Scheers Atlan-Erzählungen gehörten für mich zu den absoluten Höhepunkten der frühen Serie, und ich hatte ein mulmiges Gefühl dabei, in solch große Fußstapfen zu treten. Aber mir hat jede einzelne Szene mit Atlan Spaß gemacht. Man muss sich dabei ein wenig zusammenreißen, denn er ist noch nicht der Atlan, den wir kennen und der hinter den Materiequellen gewesen ist. Er ist nicht einmal der erfahrene Schlachtenlenker, als der er in Band 60 in die Serie eingeführt wurde. Er kommandiert nur ein Geschwader. Er kann also nicht die überlegene Perspektive haben, die wir von Atlan gewöhnt sind. Er ist zwar schon mit dem Kosmischen in Berührung gekommen, denn »Der Held von Arkon« liegt hinter ihm, aber er hatte noch keinen Kontakt zu ES. Er hat weder Zellaktivator noch Konverterkanone erhalten, und er muss deshalb etwas engstirniger gezeichnet werden als in der Hauptserie. Die Toleranz, die er später besitzt, fehlt ihm noch. Deshalb nennt er die Maahks »Methanatmer« oder »Methans« und ist ihnen gegenüber sehr skeptisch. Im Laufe des Romans zeigt sich aber, dass er seine Vorurteile infrage stellt, und er sieht sich gezwungen, gegen Prinzipien zu verstoßen. Damit löst er sich auch ein Stück weit aus dem Einfluss seines Mentors Tarts da Rhegant, dem Kommandanten seines Flaggschiffs, der in dieser Miniserie endlich einen Nachnamen erhält.Dietmar Schmidt im PROC-Interview

Damit hat DS im Grunde schon alles gesagt – zumindest aus Autorperspektive. Als Leser (aka Hörer) kann ich mich dem nur anschließen und explizit betonen: HE’S THERE! Da issa! Damit hat die Miniserie gefühlt begonnen: Kapitel 1 – Ich-Perspektive – Atlan! Selbstredend ist das nostalgisierter Unsinn, aber wie DS schon sagt, Atlan ist von Heft 50 an von Altmeister K. H. Scheer eingeführt worden und das mit nichts anderem als der Ich-Perspektive. Die ist Atlan eingeschrieben, gehört zu ihm, macht und zeichnet ihn perryversal aus. Wenn einer so geschildert wird, sich so selber schildern kann und narrativ darf, dann er, Atlan da Gonozal. Und ja, natürlich – in 61 Jahren Serienverlauf sind seither ungezählte Unmengen an Figuren auch derart perspektiviert worden. Auch andere als Atlan können und dürfen Ich-Perspektive! Und andersherum tritt Atlan mitnichten immer ebenso auf. Er kann sehr wohl Akteur inmitten der heißesten Handlung sein und trotzdem nur in üblicher Er-Perspektive geschildert werden. Ja mitunter gab es sogar die Skurrilität, dass er inmitten der Handlung thront, um quasi von der Seite, von einer hierfür nützlichen Nebenfigur in Ich-Perspektive beobachtet zu werden. Und so weiter. ABER SO IST ES RICHTIG!:))

Und obwohl wir unseren Beuteterraner nun also genauso präsentiert bekommen, wie es für ihn maßgeschneidert wurde durch Scheer, ist er nicht schon der, der er vor 61 Jahren bereits war. Das ist vorab aber angedeutet worden und kontextuell auch nur konsequent richtig so:

Er ist kein junger Mann mehr, sondern längst ein erfahrener Admiral und Diplomat. In mehreren Schlachten hat er gegen die Maahks gekämpft, er ist Arkonide von hohem Rang und weiß, was er kann. Der Atlan dieser Zeit ist sicher nicht zu vergleichen mit der kosmischen Person, mit der Perry Rhodan in der Handlungsgegenwart zu tun hat. […] Atlan ist eine wichtige Figur dieser Serie, aber es wird den einen oder anderen Unterschied zu dem Atlan geben, den heutige Leser kennen. Die Autorinnen und Autoren der Miniserie werden ihn anders darstellen müssen …„Der ehemalige Kristallprinz und seine Aktivitäten – Welche Rolle spielt Atlan in der Zeit von PERRY RHODAN-Atlantis?

Zuvor schon angelegentlich geschildert, wird das gerade dank ‚SEINER Perspektive‘ umso klarer, dass ihn seine Zeit als „Einsamer der Zeit“ im Exil auf Larsaf III. noch bedeutend prägen wird – aus ATLANTIS-Zeitsicht.

Denn letztlich nur so durch die Handlung pflügend, wie er es bisweilen sonst vermag, kann dieser Jungspunt von noch nicht kosmisch angehauchten Atlan noch nicht. Er ist ein, sicherlich nicht der schlechteste, bei weitem aber auch nicht der beste aller Anführer. Er ist, das trifft es vielleicht am besten, noch nicht proaktiver Akteur, sondern noch bedeutsam mehr eingewobenes Handlungsglied neben anderen. Noch nicht durch die erdende Schule irdischen Daseins gegangen, dünkelt er noch ziemlich arkonidisch und hat seine Perspektive noch nicht ambiguitätstolerant erweitern können. Er ist noch Gefangener der Umstände, noch ohne über sie ‚hinwegblicken‘ zu können. Er dirigiert und manövriert das Geschehen noch nicht wirklich, sondern ist nur der beste Schwimmer im Strom der Handlung, der häufiger als seine MitarkonidInnen übers Wasser blicken kann.

So ist er zum Beispiel Geektors Wohlwollen und Eingreifen ausgesetzt und auf es angewiesen, um mehrfach überhaupt zielgerichtet voranzukommen. Seine liebe Cousine tanzt ihm ebenfalls über die Maßen auf der Nase herum, womit er in späteren Zeiten m.E. auch souveräner und vor allem zielführender wird umgehen. Er muss mehrfach über den arkonidischen Schatten springen, immerhin das er im Gegensatz zu seinen Leuten und selbst Tarts vermag – hörbar zähneknirschend und nur durch die Umstände erzwungen. Das aber pragmatisch gekonnt;-)

Liest sich sehr interessant. Bin gespannt, wie das fortgeführt wird, denn leicht scheint es nicht zu sein. Zum einen ist er jetzt endgültig in ein höheres Handlungsniveau hineingesogen und hat andererseits mit Perry, aber auch Sichu gleich zwei, die unübersehbar mehr von diesen Umständen verstehen als er. Zwei ach so einfache Arkoniden, wenn auch unter falschen Namen segelnd, die eingeweihter als ihr Flottenadmiral sind? Und wie bleibt Perry unerkannt? Er darf sich schlicht partout nicht unverhüllt zu zeigen geben. Und egal wie geschickt er das zu managen versteht, eigentlich kann Atlan auch kaum jetzt schon über Kobaltblaue Walzen und Kosmokraten Bescheid wissen. Irgendwie müsste ihm das alles passieren, ohne dass er es begrifflich vermittelt und erfasst bekommt. Oder er müsste es vergessen, egal wie viele Details ihm zu Ohren kommen. ABER das wäre mir zu lame. Auflösung dieses Spagats, ohne dass Sehnen und Bänder reißen?

Kriegs-Arkoniden

Sehr interessant inszeniert sind die Arkoniden um Atlan herum, also sowohl Tarts als Flaggschiffkommandant als auch und für mich noch mehr die ‚einfachen Truppen‘. Dass Tarts nun einen Familiennamen erhalten hat, hat mich nun nicht so vom Sessel gerissen – Rhegant wie Regent? Keine Familie des Hochadels. Viel interessanter die Struktur der gemeinen Flottensoldaten, die nach den ersten(!) Jahrzehnten des heißen Methankrieges schon spürbar ausgedünnt sind. Ausgedünnt in erster Linie die Führungsspitze, wo gar nicht in nötiger Geschwindigkeit aus- und nachgebildet werden kann. Es mangelt hier an Ark Summia-Absolventen, der Führungselite par excellence. Dementsprechend mangelt es wohl auch zusehends an Extrasinnen, die erst nach Absolvierung dieser elitären Ausbildung aktiviert werden. Wenn die Maahks die Arkoniden daher als emotionalisiert und logikverarmt wahrnehmen, mag das AUCH hieran liegen. Mit Extrasinn aka LOGIK-Sektor ließe sich noch jede Emotion rationalisieren. Hierfür Atlan das beste Beispiel, der wohl nur dank der ‚Einflüsterungen seines sensus rationale‘ über seinen arkonidischen Schatten zu springen vermag. Nicht aus entflammter Xenophilie oder gar Kumpanei mit dem Kriegsfeind, sondern aus pragmatisch logischen Erwägungen des Not-Wendigen heraus. Hierfür der Extrasinn als Brücke zum situativ Sinnvollen. Ohne ihn flippt Arkonide auch einfach mal aus, kann sich nicht beherrschen, nur weil auch Maahks ihre Welt „Kristallwelt“ nennen – als wäre der Begriff für Arkon I (Link zum PR-Sternenatlas von Stefan Koch), der Haupt-, Wohnwelt sowie des Regierungssitzes des gesamten Imperiums. Ein quasi-heiliger Planet, vergleichbar auf Erden vielleicht mit der „Ewigen Stadt“ – Rom.

Doch es bleibt ja nicht nur bei diesem einen Aussetzer, für den sich Atlan letztlich zu entschuldigen hat. Die Strahler sitzen erschreckend locker, Disziplin und Stressresistenz scheinen Fremdwörter. Die Verluste an der Front werden nominell zwar nachbesetzt, das aber bei stetig abnehmender Qualifizierung der nachrückenden Teams. Unerfahrenheit herrscht vor. Da wären wohl Kriegsverbrechen nicht weit, wenn die ArkonidInnen nicht in der Minderzahl und auf – aus ihrer Sicht – feindlichem Gebiet wären. In solchen Verhältnissen ist – vom Extrasinn nicht regulierte – Angst, wenn sie sich panisch Weg bahnt, schlimmste aller Kanalisierungen. Arkon schickt nicht nur junge, sondern auch an adäquatem Training arme Soldaten ins Gefecht. Nebeneffekt: Frauen an der Front. Unschöner Umstand, allzu lange überleben auch sie hier nicht, aber so können auch Frauenfiguren in die Handlung kommen, obwohl sie früher unbeschrieben blieben. Damit wissen wir beinahe schon mehr über arkonidische Verhältnisse der Truppe als über aktuelle Kriegsparteien O_o

Zivile Maahks

Demgegenüber und im maximalen Kontrast gezeichnet die Maahks: inmitten eines Krieges gibt es Zivilisten und sie leben ihr Leben umständehalber so gut wie möglich. Und zumindest auf Galkorrax bisher auch wohl weitgehend verschont von kriegerischen Handlungen, die schon kollaterale Schäden hinterlassen hätten.

Galkorrax ist eine Welt, die von Maahks bewohnt wird, eine von vielen Planeten, die zum Einflussbereich dieser Wasserstoffatmer gehören. Für Menschen ist seine Oberfläche eine lebensfeindliche Hölle; sie können sich dort nur mit einem technisch hochstehenden Schutzanzug aufhalten.
Man kann aber davon ausgehen, dass Galkorrax für seine Bewohner viele Schönheiten aufzuweisen hat. Die Maahks werden seine Landschaften nicht bedrohlich finden, sondern vielleicht sogar – in ihrer emotionsarmen Art – zu schätzen wissen. KNF zu ATLANTIS 06 auf seinem Blog

So sehr es dem ersten Anschein nach für Sauerstoffatmende eine „Hölle“ zu sein scheint, was technikloses Überleben betrifft, so wunderschön erweist sich die Landschaft samt ihrer atmosphärischen Kristallisationen. Eine Landschaft, die den Maahks lebenswerte Heimat, ein Ort zum Leben ist. Nach chemosynthetischen Begeisterungen fasst es DS so in Worte:

In dem Roman streifen wir das Alltagsleben der Maahks, nicht der üblichen Militärs und Geheimdienstmitarbeiter, sondern der Zivilisten. Wir begegnen in dem Roman Maahks, die einer Art Priesterkaste anzugehören scheinen, und Kristallwachstum beobachten. Wir erfahren zwar, dass die Mystik dabei nur einen geringen Stellenwert hat, aber auch, dass die Maahks durchaus einen Sinn für Ästhetik besitzen.Dietmar Schmidt im PROC-Interview

Und als lebensweltliche Zivilisten gehen sie erstaunlich ruhig und besonnen mit den Kriegsfeinden um, die da durch ihre Wohnstätten stampfen und sich nicht einmal zu benehmen wissen. Sprich, sie handeln unlogisch und inkonsequent, nicht zielführend.

Anstelle von Meteorologen oder Vogelschau gibt es die Kristallschau und In-die-Kristall-SeherInnen. Ja, das wirkt zunächst mystisch, eben nicht gewohnt verwissenschaftlicht, entlang SF bekannter Parameter aufbereitet, wo man nur mal kurz auf den Bildschirm oder neumodisch ins Holo gucken, greifen braucht. Big Data per Sonden, Satelliten und derlei scheint – zumindest unter den Zivilisten Galkorrax‘ – nicht Usus zu sein. Und wenn man den Strahler nicht gegen sie richtet, nicht unlogisch hastig agiert, lassen diese Maahks ziemlich freimütig gewähren und laufen.

Eigentlich eine hervorragende Grundlage, in beredter Ruhe zu diskutieren und gewissenhaft zu erörtern. Das führt für mich nur noch krasser vor Augen, wie widersinnig ein jeder, speziell aber der Methankrieg ist. Ein Krieg um was denn eigentlich? Sehr zugänglich wirkende Maahks, die viel zuzugestehen und zu akzeptieren scheinen, in dem Sinne also sehr tolerant gegenüber dem Artfremden sind. Sie bewohnen für Arkoniden „Höllen“-Welten, was andersherum selbstredend genauso gilt. Die Maahks könnten wohl kaum Arkon I würdigen, eventuell hie und da Schönes erblicken, was für nutzbringendes Interesse kaum ausreichen dürfte. Man hätte sich allerbestens nebeneinander entwickeln können. Doch mehr als Maahksche Logik stand arkonidischer Dünkel dem entgegen – das wird immer klarer. Zugeständnislose Intoleranz, wo das arkonidische Greenhorn schon bei Kleinigkeiten an die Decke geht, während Maahks die Notwendigkeiten und Bedarfe erkennen, hinnehmen und danach handeln. Und ja, frei nach dem Soziologen Zygmunt Bauman kann auch Logik überrationalisiert werden und dann irrelaufen: „Ambivalenz und Moderne“. Wie wiederum die Militärs dieser Zeit ticken, ob sie sich der Logik der Massenvernichtung zur Auflösung des Krieges verschrieben haben (Stichwort: Talagon), wird nicht erzählt. Man darf daher auch nicht den Fehler machen, von diesen so angenehm anmutigen Maahk-Zivilisten dieser einen Welt induktiv aufs Ganze zu schließen. Wenn rigorose Anhänger einer Kriegslogik an den Schalthebeln der Macht sitzen, sie zu konsequenten Militopathen werden, nützt alle Logik nicht – verkommt diese auch nur zur Rationalisierung als Abwehrmechanismus!

Der Quartamback der Handlungstiefe

Quartam still alive! Wie überraschend… So totgeschossen er durch den garstigen Grauen zwerg schien, so bloß betäubt er nur war. CLIFFHANGER. Darüber wird im PROC-Interview sinniert, wozu ich mir direkt keine Gedanken gemacht hatte. Ob es nicht zu oft und sehr jedheftig mit einem Cliffhanger endet und ob die zu schreiben Spaß mache, sind die investigativen Fragen. Vermutlich dachte ich gar nicht an Cliffhanger als Begriff und der Bedeutung nach, weil es für mich am Heftende vielmehr „Abbrüche“ waren, dass vorgeblich und anscheinend etwas zu Ende geht, abbricht, vorbei sein soll. Nur, dass dem kaum so sein dürfte und bisher auch nicht war. Ausnahme, wie es scheint, dass die armen Unither mit Maahkscher Logik gnadenlos aus dem All geschossen wurden – ohne doppelte Böden und einen zweiten Auftritt. Bisher. Freilich hätte auch in diesem PROC-Interview hochgelobter Expoautor-Newbie BCH den inneren GRR Martin in sich entdecken und entfachen können – dann wäre vermeintlich tot auch wirklich tot und ein Umbruch der Handlung erfolgte folgerichtig daraus. Doch in sechs Heften mutierte Hary nicht zum Martin, es wird mit klassischen Cliffhangern gearbeitet, von denen sich die Handlung wie an Griffen im desaktivierten Antigravschacht entlanghangelt. Per se nicht schlecht, nur bei andauerndem Gebrauch voraussehbar. Nun lebt also Quartam weiter, obwohl er tot schien. Erfreulich, aber auch nicht erstaunlich. Aber ob kommender Romane wohl auch nur ein beabsichtigtes Trittbrett zum Schwungholen…

Zugangsberechtigung eines ermächtigten Zugangsberechtigten erforderlich

Nun muss sich der weiterlebende alte Zausel also anfangs wie blind, dann als digital native mit eingeschränkter Digitalität wie dishanced am eigenen Wissen aus dem Sumpf ziehen. Mit ihm erleben wir fern der personenvielkonstellierten Haupthandlung auf Galkorrax wichtige Hintergründe, die wir Lesenden Perry und Co voraus haben. Der Autor charakterisiert das schwarze Schaf hochwohlgeborener Familie inmitten seiner One-Man-Handlung so:

[…]Seine Handlungsebene hatte zwar den gewaltigen Nachteil, dass er fast die ganze Zeit allein vorgeht und Dialoge, die eine Szene flotter machen können, erst gegen Ende vorkommen, aber an ihm hat mir gefallen, dass er in einer völlig unklaren Situation beginnt und sich langsam hinaus arbeitet, mit seinem Verstand als einzigem Hilfsmittel. Dazu kommt noch eine mürrische, eigenbrötlerische Sicht auf die arkonidische Zivilisation. Er lehnt die sozialen Gegebenheiten als ungerecht ab und muss sich zugleich eingestehen, dass er zu den Profiteuren der Verhältnisse gehört. Für ihn folgt daraus eine besondere Verpflichtung zur Verantwortlichkeit. Noblesse oblige wird oft bemüht, aber selten gelebt. Für Personen, die dieses Prinzip leben, obwohl es auch anders ginge, habe ich höchsten Respekt.
Quartams Charakter hat aber auch seine dunklen Seiten: die arkonidische Dünkelhaftigkeit, zu der man im Großen Imperium erzogen wird und nur schwer abstreifen kann, und einen leichten Hang zu Verschwörungserzählungen.DS im PROC-Interview

Seine Art und Haltung gegenüber der Welt wird für mich gegen Ende besonders deutlich: schon auf dem Weg gen Arkonis trifft er auf den Massentrack an Atlanter*innen, die dem Einsturz des Himmels zu entfliehen suchen. Wie ein Gott und ehrerbietig angesprochen, ist ihm das zwar zu viel des Guten, aber dass Arkoniden über den Atlantern stehen, ist für ihn hingegen (rassistisch) grundklar. Immerhin reflektiert er kurz, aber noch nicht handlungsleitend, dass demnach auch die Grauen Zwerge in Sachen Technik und Wissen mindestens genauso weit über den Arkoniden stehen. Fügt er sich dann auch so in diese rassische Rangfolge ein oder rebelliert er, nur indem er sie nicht als Götter anerkennt?

Kosmische Weiten

Die zugegeben noch spannendere Ebene ist die zeiträumliche, die der Oberzwerg aufmacht. Hierzu grübelte ich ja langatmig, was da nicht alles hineinspielen könnte, welche höheren bis hohen Mächte da nicht ihre Finger im Spiel haben mögen. Mehrfach meine dann doch argwöhnische Frage bzw. Anmerkung, dass das dann allerdings schon je die höchste perryversale Schublade sei, der man sich bediene. Und genau in die greift man jetzt also!

Der Zeittransmitter 20 Millionen Jahre alt – so Quartam zu Beginn seines Alleingangs. Damit waren meine Überlegungen zu ES, der lokalen Superintelligenz, ad acta gelegt. ES existiert seit gut 18 Millionen Jahren, die er auch gar nicht durchweg vor Ort – in der Milchstraße – verbracht hat. Er ist ein Eingewanderter, der seine Welt nicht grundlos WANDERER und sich nur zu gerne Peregrin (Lat.: Wanderer) nennt. Doch die Zeit vor ES ist uns bekannt, dass ist die Zeit von ARCHETIM, der zu Quartams Unverständnis wie allseits bekannt genannt wird. Eine Zeit, als die Milchstraße noch Phariske-Erigon hieß. Doch ARCHETIM ist längst verloschen, was eine langschweifige eigene Geschichte ist. So wenig wir über diese Superintelligenz eigentlich wissen, so sehr sind ihre „Überbleibsel“ langwirkmächtig, um es vorsichtig auszudrücken.

Ob dieser zeitlichen Orientierung assoziierte ich die Grauen Zwerge ganz kurz als Schohhaaken, eines der sog. Hilfsvölker ARCHETIMS. Ich hatte jedoch nicht vor dem aphantastischen Auge, dass die blassgelbe bis ockerfarbene Haut haben – nicht philosophisch grau. Schon drollig, woran man als PR-Leser*in dann doch noch mit kriminalistischer Prägnanz handelnde Haudegen erkennt: die großen, kindlich anmutenden Augen der Grauen Zwerge. Das war für mich einige Kapitel später das ultimate Erkennungszeichen, womit Schohaaken passé waren und an ihrer Stelle die Standardbesatzung von Kobaltblauen Walzen die Bühne betreten hatte. Nicht erst am cliffhängeligen Heftende wurde mir klar, es definitiv mit einem Raumer der Kosmokraten zu tun zu haben, als dieser so vernichtungsmächtig unaufhaltsam auf dem Bildschirm der LT4 aka BEST HOPE unseren Protagonisten entgegenfliegt. Wir kennen die, nur den Körpermaßen nach kleinen Kerle als Besatzung der Kobaltblauen Walze LEUCHTKRAFT, die über Zyklen hinweg eine maßgebliche Rolle spielt. So auch wieder in der Miniserie SOL (1). Es sind keine Grauen Zwerge, sondern Zwergandroiden! Jawohl, zwerghafte Androiden, deren namhaftester Eroin Blitzer gewesen ist. Dieser fungierte an Bord der LEUCHTKRAFT als sog. Commo’Dyr, eine Art Kommandant eines Beiboots mit größeren Befugnissen und als stellvertretend Kommandierender. Kommandant*in des Schiffes ist hingegen ein*e Beauftragte*r der Kosmokraten – für die LEUCHTKRAFT lange Samburi Yura, dann Alaska Saedelaere.

Und jetzt tritt Tolcai auf oder ist es für alle außer mir längst, der in ATLANTIS 07 seine „Totenspiele“ treibt. Eigentlich nicht das, was man Kosmokraten als Freizeitbeschäftigung zuschreibt. Zuvor zu vernichten / auszuschalten war das Temporale Superpositionstor, wie man eine Zeitmaschine auch einfach mal nennen kann 😀 Temporal und Tor sind in dem Zusammenhang klar und auch im Praxistest erwiesen. Ob Schrank oder Tor, Hauptsache anderswo hin. Superposition? Super als „über, darüber, hinaus“ zur Position – welcher Position? Wenn das ein Relikt aus ARCHETIMS Zeiten ist, wieso hat sich das dann nicht reaktiviert, als Schohaaken aus der Vergangenheit aufgetaucht waren (Zyklus STERNENOZEAN, hefte 2200-2299) oder als ARCHETIMS Überbleibsel eine Rolle spielten (Zyklus NEUROVERSUM, hefte 2600-2699)? Es blieb über weitere Jahrhunderte passiv, um just dann zu funktionieren, wenn erst Rowena in die eine, dann Perry&Co in die andere Richtung zeitlaufen? Derjenige, der es positionierte und reaktivierte, wird noch eine gewichtige Rolle spielen. Und ich mutmaße trotz allem noch immer: ES, der um kosmokratische Machenschaften in ’seiner Zeit‘ wissen muss, erst recht wenn es auf ’seiner Welt‘ passiert. Vielleicht lässt er altgediente Perry und Team aufmarschieren, indem er sie temporal nudget und ein wenig an einstzeitige Brennpunkte ungefragt entsendet. Ihm kann nicht recht sein, was mit dem Talagon droht und wozu auch nur diese eine Kosmokratenwalze imstande ist.

Fazit nach der Hälfte

Es zieht an, es nimmt Fahrt auf! Diskutabel enden die Hefte nur zu sauber cliffhängelig wie abgeschnitten im dramaturgisch nur zu passendsten Moment. Etwas, was bis hierhin aber auch schlicht präzise gelingt. Keine Fehltritte oder Unsauberkeiten diesbezüglich.

Eventuell hatten meine Überlegungen zur kosmischen Erweiterung der Handlung dann und wann so geklungen, als befände ich ein Einbrechen des Kosmischen nach ATLANTIS für falsch und zu viel. Das per se nicht. Im Gegenteil: gerade des Kosmischen, des damit einhergehenden Sense of Wonder wegen finde ich die Perry-Serie, das Perryversum so faszinierend. Allerdings entfaltet sich derlei i.a.R. in 100 Hefte umfassenden Zyklen, die aneinander anschließend auch mal 200 Hefte erzählweit sein können. Diese narrativen Unendlichkeiten in eine nur 12 Hefte verknappte Serie zu holen, ist wagemutig. Das kann krachend misslingen, weil alles viel zu verkürzt nur angerissen wird UND WERDEN KANN, obgleich es doch so endlos ausufernd zu sein vorgibt. Das auf den Punkt zu bringen, den Spagat zwischen besagtem Sense of Wonder des unglaublich Superpositionierten;-) und dann doch bodenverhafteter Handlung auf Atlantis und bspw. muttergewordener Caysey hinzubekommen, ist anspruchsvoll. Erst recht für einen noch so vielgelobten Expo-Neuling wie BCH. Man hätte auch kleiner beginnen können, nehme ich an. Finde ich zunächst alles spannend und gut, beobachte es aber schon mit auch argwöhnischem Blick, ob sich die Fäden zu einem auslesbaren Khipu verknoten oder schlussendlich nur Wollknäuel bleiben…

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ATLANTIS 05 – Die Kralasenin

Hallo Mitwelt!

The story goes on and ever on… ATLANTIS 05 heute mit weitreichenden, tiefschürfenden Enthüllungen, richtungsweisend, Ich-Du-graphisch sowie mit einer galaktozidalen Metaebene, um die es überbaulich geht. Die Handlung verdichtet sich zuhörends mit Altgeschriebenem. Doch lese UNVERKNAPPT (*HUST*) selbst!

Inhaltsverzeichnis

Die Handlung


Michelle Stern – ATLANTIS 05 „Die Kralasenin: Ein Terraner in Gefangenschaft – er stellt sich seiner erbitterten Feindin“

Im fünften Band gibt sich eine Autorin die Ehre, die sonst für die wöchentliche PERRY RHODAN-Serie schreibt: Michelle Stern stellt in diesem Roman eine ungewöhnliche Arkonidin vor.
Sie erzählt in »Die Kralasenin« die Herkunftsgeschichte von Perry Rhodans aktueller Gegenspielerin. Wer ist die mysteriöse Rowena, die am Anfang der Atlantis-Geschichte steht? In welcher Beziehung steht sie zu Atlan, und warum jagt sie Rhodan so unerbittlich?„Michelle Stern und ‚Die Kralasenin'“ auf der PERRY RHODAN-Homepage

Der Roman selbst geht in die Tiefe des Arkon-Imperiums; man erfährt mehr über die titelgebende Kralasenin und ihre Herkunft, und man versteht, warum sie und Atlan sich so gut verstehen. Aber natürlich geht es auch um die aktuelle Situation, in der sich Perry Rhodan, Sichu Dorksteiger und Caysey – die drei sind ja gemeinsam unterwegs – derzeit befinden. Das gibt durch die Perspektivwechsel eine abwechslungsreiche Handlung, die sich wunderbar in die bisherige Story unserer Miniserie einordnet …KNF auf seinem Blog zu ATLANTIS 05 „Die Kralasenin“

Maahks-Welt Galkorrax: Das Trio atlantis wird von Atlan kurzerhand zur Exekution freigegeben! Doch Rowena kann mit Verweis auf deren Wissen rund um das Talagon erfolgreich intervenieren, denn man orte es auf der LT4. Das scharfe Verhör alleine durchzuführen, konnte sie jedoch nicht durchsetzen. Atlans Flaggschiffkommandant der TOSOMA und alter Freund Tarts soll sich auf Atlans Befehl beteiligen.

Dieser kümmert sich nicht zielführend um die beiden Damen, derweil Rowena separiert festgesetzten Perry alleine sprechen kann. Dieser ‚beredet‘ sie so gekonnt, dass sie ihm zuerst ihre Lebensgeschichte erzählt, bevor er seine Herkunft offenbaren soll: im Strudel der Usurpation Orbanaschols III. 8040 v. Chr., der Atlans Vater Imperator Gonozal VII. zum Opfer fiel, folgte eine weitere „Säuberung“ gegen den Khasurn der Gonozal. Rowenas Eltern wurden exekutiert, diese konnte als Baby von ihrem Leibwächter Konoth gerettet und fern von Arkon aufgezogen werden. In Dagor-Techniken und dem psimystischen Zhy unterwiesen, wollte jungerwachsene Rowena der für sie bedrückenden Enge jedoch durch eine „Zwangsehe“ entkommen, die im Sinne Orbanaschols III. mit ihm genehmen Khasurn arrangiert ist. Obwohl ihr Gatte in spe sie mit Minne umgarnte, fühlte sie sich abgestoßen und trickste beim „Kristalledikt“ (Ehevertrag), indem sie ihn einer Nichtehe zustimmen lässt. Von da an hatte sie einen Feind fürs Leben.

Dennoch wurde sie weiters als Kralasenen-Azubi zugelassen, nachdem sie vor Orbanaschol erniedrigend ehrerbietig niederkniete. Sie musste die elitäre Ausbildung zum „Bluthund des Imperators“ aber familiennamenlos bestreiten – eine soziale Degradierung und Demütigung sondergleichen. Sie bestand aber alle Prüfungen und Hürden, entging einer Vergewaltigung ihres rachesüchtigen ‚Freiers‘ und bekam sogar im Zuge der Ark Summia ihren Extrasinn freigeschaltet. Als es gegen Atlans Rebellenarmee zum Showdown auf Arkon I im Kristallpalast kam, verdichtete es sich zum Duell, in das Rowena zugunsten Atlans eingriff. Auf dessen Seite konnte sie sich nach Obsieg des Kristallprinzen schlagen, dem sie als einzig verbliebenes Familienmitglied zutiefst treu ist.

Bevor Perry Rowena in seine zeitreisenden Verstrickungen einweiht, erfährt er von ihr noch, wieso Atlan mit Maahks inmitten des Methankrieges paktiert: diese hätten mit dem Talagon eine ultimative Vernichtungswaffe „gefunden“, mit der sie die Arkoniden ausrotten könnten, jedoch auch Zigmilliarden Maahks sterben würden. Zwar nicht in der Lage oder willens, wider Befehle zu handeln, wollte der Maahk Geektor das dennoch vermeiden und sponn Atlan ins Komplott ein, das Talagon zu vernichten – notwendig nur in einem Schwarzen Loch und unter Aufbietung eines Opfers, da nur ein Lebewesen das bewerkstelligen könne. Das will und kann Rowena nicht zulassen, dass Atlan dieses Opfer für sein Volk wird, weshalb sie wiederum wider seine Befehle eingegriffen und das Talagon zu entsorgen versucht hat.

In der Handlungsgegenwart (30.03.8005v.Chr.) konspirieren nun Rowena und das Trio atlantis, um an das von Caysey irgendwo an Bord der BEST HOPE versteckte Talagon zu gelangen, um es nun aber wirklich zu vernichten. Doch ihre Aktion bleibt nicht unerkannt, sie werden kurz vor dem Ziel aufgegriffen …

1. Vom Veteranen zur Stammautorin


Das letzte Mal war mit Olaf Brill ein altgedienter Veteran miniserialis am Griffel, der schon in zwei Dritteln der Miniserien mit elf Heftromanen beitrug – mit noch mehr in spe. Dieses Mal hat sich das Blatt gewendet: Michelle Stern als zweite atlantisch beitragende Autorin, hat mit „Die Kralasenin“ das wahrlich und echt erste Mal ihre Hand in die Schreibmühle einer Miniserie gelegt. Trotz achtfacher Chance hierzu hat sie erst jetzt den Weg in die skriptoralen Minikosmen von Perry Rhodan gefunden.

Das wohl auch, weil sie auch so schon gut zu tun hatte, denn: Michelle Stern, die als Frankfurterin von letzter Mittwochnacht an anhaltend ggf. vielleicht aus dem Feiern nicht mehr rauskommen dürfte, ist ihres Zeichens Stammautorin, griffelnder Bestandteil des Autorenteams der Erstauflage. Sie ist, mit anderen Worten, Inte-Grals-Hüterin im Olymp der schreibenden Perry-Zunft! Berufen durch die Entität KNF ist sie seit November 2013 dabei, wo sie mit 2727 „Am Gravo-Abgrund“ debütierte und Nr. 2728 sogleich von sich folgen ließ. Gute Erinnerungen an beide Romane! Seither – es geht mit schneller Hand und strammer Schreibe auf Heft Dreitausendzweihundert zu – hat sie siebenundfünfzigmal zum schriftlichen Fundament und Sockel des Perryversums beigetragen – Weiteres in Mache. Nebenher, was so nicht stimmt, ist sie noch unser aller LKS-Tante, kontinuierliche Betreuerin der jedheftigen LKS-Seite, wo mehrseitig Fans und Freunde mit ihren Zuschriften veröffentlicht und von MS resonant kommentiert werden. Jedheftig? Zugegeben, wenn manch Autor – keine Namen! – sich übernimmt und an Griffelsucht erkrankt ist, nicht aufzuhören oder zu kürzen vermag, muss die (meist dreiseitige) LKS-Seite ihrerseits gekürzt oder gar gestrichen werden. [Nur gut, dass es hier sowas nicht gibt! 😛 ] Von solchen verschriebenen Malheurs abgesehen, ist Michelle Stern als LKS-Tante Gestalterin des Johari-Fensters von den sowie zu den Fans – there and back again, deren wohl- oder misswollende Kommentierungen, Ideen, Vorschläge und Anregungen so ins Lesefenster fortzuführender Diskussionen gestellt werden. Wichtig! Ihre Beobachtung zur aktuellen Rückmeldungslage speziell bzgl. ATLANTIS:

Leider gibt es so wenige. Allgemein gibt es seit Kriegsausbruch in der Ukraine gefühlt weniger Rückmeldungen. Ob das aber wirklich ein Zusammenhang besteht, weiß ich nicht. Die Rückmeldungen, die eintrudeln, sind positiv mit kritischen Einschlägen.Michelle Stern im PROC-Interview zu ihrem ATLANTIS-Heftbeitrag

O und der anscheinend ernsthafte Grund, wieso sie jetzt erst eingestiegen ist – auf die Frage hin, ob sie etwa knapp bei Kasse gewesen sei:

Nein, eher umgekehrt. Es geht mir so gut, dass ich mir auch einen nicht so gut bezahlten Auftrag leisten kann. Das erlaubt mir etwas zu tun, was mir Freude macht. Natürlich wäre es schön, wenn das finanziell mehr gewürdigt werden könnte. Wenn Mini-Serien besser bezahlt werden würden, würde ich noch lieber mitmachen.Michelle Stern ebenda

Und ob sie sich für die ganze Handlung interessiere oder das Manuskript nur so runterschreibe, fragt RRR gestreng ab:

Mich interessiert die ganze Handlung, allerdings sehe ich das Projekt für mich nach dem Schreiben auch als abgeschlossen an. Ich höre mir in Ruhe die Hörbücher an und werde sie genießen.MS ebenda

Offen und ehrlich!

2. Die Handlungszeit!

Die Handlungszeit, sie ist nun klar und deutlich fixiert: dieses Heft spielt am 30. März des Jahres 8005 vor Christus. Die Genauigkeit des Datums, einem Kapitel vorangestellt, irritiert etwas, weil es zuvor diesbezüglich vage geblieben war. Schon in Heft 01 assoziierte (=wusste) Perry, dass es das Jahr 8005 v. Chr. sein müsse, was mir da noch zu unklar war. In der Annahme, da sei Atlan just aus dem Larsaf-System ins heiße kriegsgeschehen abgeflogen, aus dem er erst zwei Jahre später zurückkehren würde, hielte ich zeitlich das Jahr 8003v. Chr. genauso für realistisch.

Im ersten PROC-Interview erwähnte Expotarch BCH den PIN-Code 8005 jedoch auch, womit das im Grunde schon fix war. Nun aber die Präzisierung, die so nicht weiter aus der Handlung hervorgeht. Klar, wenn Perry auch nur einmal – Zeit genug dafür hatte er – ein arkonidisches Datum zu Gesicht bekommen hat, hat er das dank Wissen um die arkonidische Zeitrechnung flugs umrechnen können. Davon hörten wir so explizit bisher nichts. Nun gut – jetzt schon. D.h. auch, Atlans offizielle Rückkehr nach Atlantis ist immer noch gut anderthalb bis zwei Jahre hinkünftig. Wir sind inmitten eines so gut wie völlig unbeschriebenen Zeitfensters, das sich BCH schamlos zunutze gemacht hat:-) Bin gespannt, wie viel Handlungszeit wir hier noch verbringen – erst recht WANN wir mit Perry zeitzurück finden werden… Und wie, wo der Schrank durch die Zeit geschlossen ist.

3. Kritik der lesenden Vernunft


Umso erstaunlicher, dass ich ausgerechnet just den Beitrag einer so schreibfuchsig erfahrenen Autorin derart erstmals erzählperspektivisch und stilistisch kritisiere. Bis dato war ich mit ATLANTIS lesbar zufrieden, habe en masse an Assoziationspunkten ausgemacht und mich an vielerlei Detailschichten erfreut. Davon gibt es auch in diesem Heft genug – s.u. -, aber:…

Exkurs: individuelle Biografien inmitten kosmischer Weiten

Das Perryversum ist groß und die Handlung wird gerne kosmisch – unendliche Weiten, die sich da auftun und kosmologisch tiefer und tiefer gründen. Inmitten solcher sense of wonder-Verheißungen des Allergrößten treffen mich „biografische Heftromane“ zumeist auf völlig falschem Fuß. Man blickt in die Unendlichkeit von Raum und Zeit, ringt mit höheren und höchsten Mächten, sieht sich universellen Kräften ausgesetzt, um dann in endloser räsonierender Ausführlichkeit von den letztlich nichts als „menschlichen, allzu menschlichen“ Wehleidigkeiten und bedürfnisüberfrachteten Larmoyanzen dahergelaufener, versprengter unteilbar Unterworfener (=individueller Subjekte) lesen zu müssen. Ein bisschen aua hier, ein wenig Liebe dort und irgendwas hat auch nicht geklappt.

Das war jetzt ziemlich gemein formuliert, aber die Faustformel dahinter stimmt für mich schon: je weitreichender und tiefgründiger die Handlung des Zyklus in die Weiten des Perryversums hinausschreitet, desto fehlplatzierter erscheinen mir die nanoskopischen Beschränktheiten biografierender Dampfplauderer. Es geht ums Ganze, das Wohl und Weh ganzer Völker, Galaxien, woraufhin weniger als ein Sandkorn am Strand von nichts anderem als sich erzählt.

Das ist meine Irritation bezüglich des Settings, in dem es zu Biografien kommt. Auch und meist noch viel mehr erbost mich die dargebotene Erzählweise, die mir gar zu künstlich in aller Regel erscheint: inmitten mitreißender Handlung, die gipfelstürmt, wo es zutiefste Rätsel wundersam aufzulösen gilt, setzen wir uns für meist – immerhin nur – ein Heft in „die Oase der Redseligkeit“, wo unseren Helden – nie nur, aber schon sehr gerne Perry himself – die Lebensgeschichte gepredigt wird. Das aber nicht so, wie ich dir oder du mir einen Schwenk aus dem Leben erzähltest, sondern als wäre das Leben – in narrativ nur zu passenden Ausschnitten – wie in 3D Hologrammen dokumentiert. Die Erzählweise ist meist so, als wären wir mitten drin statt nur dabei, als wären wir in die Aufnahmen des Lebens hineingezogen, schauten einen gut produzierten Film. Manch Unterform gibt es, wo

  • nur im Pro- und Epilog der Zugetextete Atem holen und erste Gedanken zum Vernommenen auf Papier bringen darf (auf die sich die Leserschaft spekulationskaskadierend stürzt), dazwischen pausenlos in ausgesuchten Episoden das Leben von der Wiege bis zur Bahre ungefragt präsentiert wird;
  • ähnlich wie im hiesigen Roman zwischen den biografischen Episoden Pausen zum Durchatmen eingefügt sind, in denen erste Gedanken oder gar Rückfragen geäußert werden (dürfen);
  • oder ziemlich am Schlimmsten die Erzählung erfolgt, während es eigentlich gar keine Zeit zum Erzählen gibt. Weil man bspw. inmitten einer Hetzjagd ist und Erzähler*in und Zuhörer*in das Jagdvieh. Alternativ nimmt man sich auch die Zeit, während man belagert oder sonstwie zur Untätigkeit verdammt an einem Ort hockt. Das wäre ja okay, Dampf ablassen, nur dass auch dann die Erzählung nicht so formuliert wird, als wäre die Erzählperson gerade in Gefahr und von der Umgebung überwältigt.

Inkurs: zurück zu „Die Kralasenin“

Hier kommt Variante zwo zum Tragen, wobei das Setting Gefangenenbefragung wenigstens die Zeit lässt hierfür. Dennoch finde ich ganz fürchterlich, dass Rowenas Biografie von ihr in dritter Person, in Sie-Perspektive geschildert wird. Sie sitzt Perry gegenüber, der sie hierzu aufgefordert hat, um bekommt dann von der Arkonidin den Worten nach zwar eine Erzählung geboten, dem Erzählstil nach aber einen Bericht, als wäre sie nur halb beteiligt. Das kontrastiert umso schräger (für mich), da mehrere der Zwischenspiele und finales Kapitel auch aus Rowenas Sicht sind, jedoch in Ich-Perspektive! Das ist für mich genau falsch herum!

Erklären und nachvollziehen kann ich das zwar, mag es trotzdem so gar nicht. Die Ich-Perspektive fungiert hier genau dafür, wofür sie m.E. gedacht ist, worin ihre Stärken liegen: mitziehen, uns an die Seite der Ich-Person katapultieren, mit der wir uns sogleich persönlich verbunden fühlen, da wir ach so sehr in ihre Gedankenwelt eintauchen und quasi durch ihre Augen mitmachen. Und besagte Interludien und letztes Kapitel stehen ja auch mehrfach Spitz auf Knopf, ob Rowena Perry oder/und Caysey erschießt bzw. ob sie es inmitten feindlicher Station unbehelligt bis zur BEST HOPE schaffen. Die biografische Sie-Perspektive schafft wiederum Distanz, die formal freilich angesichts von 15 und noch viel mehr Jahren durchaus passend ist. Erst recht, da Rowena im Laufe dieser Zeit mehrere richtungsweisende Statuspassagen durchlaufen hat und am Ende einer jeden biografische Quantensprünge gemacht hat. Die Gegenwarts-Rowena, mit der Perry redet bzw. ihr zuhört, blickt auf buchstäblich alteregos von sich (mit der Wortspiel-Betonung auf Alter), die vergangen sind, mit der sie gefühlsmäßig nichts mehr zu tun hat. Zeiten, die sie überwunden hat, nachdem sie nicht nur die politische Seite wechselte, sondern nach langer Freiheitssuche erst an Atlans Seite ihren Platz gefunden hat. Allein ihr Leben vor Aktivierung des Extrasinns (und eigentlich auch eines fotografischen Gedächtnisses) muss erlebens- und erfahrungsgemäß für sie ein so derart anderes sein, als wäre es von einer Fremden, von der sie nur einen eindrücklichen 3D-Holofilm verfolgt hat. Demnach ist eine auf Distanz gehende Sie-Perspektive schon stilistisch gut durchdacht. ABER TROTZDEM DERART KÜNSTLICH, wenn Rowena Perry gegenübersitzt und von sich und keiner dritten Person redet. Ich bleibe perryversalen Biografien weiterhin auf Kriegsfuß – sorry.

4. Die Kralasenin

Eine gute Frage. Ich sehe es weniger als Biografie. Mich interessiert die Psychologie und wie Menschen oft genau das in ihr Leben ziehen, was sie fürchten oder ablehnen. Rowena will Unabhängigkeit und ein freies Leben. Sie hat Angst davor, ewig eine Gejagte oder Abhängige zu sein. Doch ihr handeln macht sie lange Zeit genau dazu. Auch die Darstellung einer Figur, die mit Sexualität wenig anfangen kann, fand ich interessant.MS ebenda – vom Blogautor erst nach seinen folgenden Worten gelesen

Trotz dieser grundsätzlichen Skepsis gegenüber individualisierter inmitten großrahmiger Erzählung war Rowenas Lebensgeschichte – in sehr selektiven Ausschnitten – prallvoll mit Informationen zu ihrer Person. Gleichzeitig aber auch zu arkonidischen Verhältnissen rund um die Usurpation Orbanaschols. Am Interessantesten, was mehrfach angesprochen wurde, wie in vielerlei Aspekten ihr Leben parallel zu dem Atlans verlaufen ist. Im Strudel der Usurpation von Arkon I geflohen und im Exil unter wohlwollender Aufsicht Konots (Konoths?) angeleitet, wächst sie entwurzelt auf. Klein-Atlan war seinerseits vom Bauchaufschneider seines Vaters Fartuloon gerettet und auf über 25.000 Lichtjahre von Arkon gelegenem Gortavor aufgezogen worden.
Doch statt dann wie Atlan in die Rebellion zu gehen, scheint sie der dunklen Seite der Macht zuzuneigen oder sie zumindest opportunistisch zu unterstützen. Erinnert ein wenig an die dritte Star Wars-Trilogie, nur dass die Rollen vertauscht sind, Rowena nicht wie Ray „dem Guten“ nachstrebt, sondern vermeintlichen Freiheiten wegen dem Sith-Lord-Äquivalent Orbanaschol und seinem Schergen Sofgart dienstbar wird.

Bis es dann zur fokussierten Verdichtung sich zuspitzender Handlung kommt, dem Duell zwischen Atlan als siegreichen Rebellen im Triumph über Orbanaschol und dem irrläufigen Beinahe-Gatten Rowenas. Auch recht starwarsig, auch wenn es nur Dagor-, keine Lichtschwerter gab. Durch ihr beherztes Eingreifen wider alle ‚Kameraden‘ gewinnt sie Atlan für sich und es kommt zu einer zwiefältigen Ich-Du-Verbundenheit (WDR5-PhiloRadio über Martin Buber und sein Hauptwerk „Ich und Du“, abrufbar bis 02.05.2023). Als Elternlose in biografischer Verlaufskurve leidvoll seelenverwandt, kompensiert offenkundig vor allem Rowena nachholend das Gefühl verlorener / nie gehabter Familie, indem sie in platonischer Liebe als Leibwächterin Atlans auftritt. Und das mit aller Vehemenz und ohne Kompromisse – latent überkompensierend.

Das ist alles sehr interessant, aber doch in erster Linie reaktiv und suchend, lange Zeit mehr ziellos als wirklich orientiert. Sie will Freiheit, weil sie die abgeschiedene Einsamkeit am Rande des Imperiums nicht länger aushält, als bedrückend, wie abgekapselt empfindet. Naiv vermeint sie, Freiheit von diesen Ketten der Einsamkeit in einer „Zwangsehe“ finden zu können – Hauptsache, sie kommt weg von dort. Doch als ihr minnevolle Liebe verheißt wird, prallt sie von dieser ab wie eine Rakete in falschem Winkel von der planetaren Atmosphäre. Auch und selbst Liebe, die unerwidert dann in reaktiven Hass umkippt, ist für sie einengend, zu viel des Guten, Zwang auf ganz andere Art und Weise.

Auch, weil sie schlicht nicht an aufdringlichen Körperkontakten interessiert ist – weder vom Ehemänneken in spe noch selbst in Form eines Abschiedskusses von allerbester Freundin Ilora. Sprich: Rowena ist asexuell! So nicht expliziert, dem Verhalten nach aber durch und durch genau das. Schön, aber erstaunlich, es just bei Perry Rhodan zu lesen. Egal in welcher Teilserie, das Perryversum ist in seiner verschriftlichten Form keine Lustgrube, kein Hort romantischer Sentimentalitäten, kein Papierbett ausgelebter Wolllüste. Es geht sexlos zu, bleibt sittsam, höchstens mal in Andeutung des noch Kommenden. Größte Ausnahme noch Atlan höchst selbst, ausgerechnet dem sie sich nun – sittsam – zu Füßen wirft. Gerüchte besagen, die Hälfte der Menschheit stamme von Atlan ab, nachdem er einmal auf Erden gestrandet war und als „einsamer Mann“ die Tage – und manch Frau – rumkriegen musste. Keine Zeitabenteuer-Geschichte ohne weibliche Begleitung und – eben nur angehauchte – Intimkontakte mit der Auserwählten auf Zeit. Man weiß aber doch immer, dass Mann Frau mag und will und diese unbedingt ihn. Rowena will keine*n, nur ihre unberührte Ruhe. Durch den zu frühen Tod ihrer Eltern eventuell ein unsicher-vermeidendes Bindungsverhalten, das sich im Erwachsenenalter dann nachempfindbar in dieser Art Distanzierung flüchtet, durch vorauseilende Vermeidung der unerträglichen Unsicherheit so entgeht. Meine Sympathie hat sie.

Das erklärt auch ihre anhaltende Reaktanz gegenüber ihrem Extrasinn, der sie doch nur beraten will – und m.E. weitgehend gut -, dem sie vorzugsweise aber trotzdem keine Aufmerksamkeit schenken mag. Und das, obwohl er doch Ausdruck und Statussymbol gelungener Integration in die arkonidische Highsociety ist. Nur Arkons Elite wird überhaupt zur Ark Summia zugelassen und vermag sie erfolgreich zu durchlaufen. Sie ist demnach angekommen, ist sozial reintegriert, wenn auch familiennamenlos mit stetem Makel. Ständischer Dünkel, bei dem es auf die Khasurn-Zugehörigkeit ankommt, um sich distinguieren zu können. Da reicht das formale Erlangen dieses „kulturellen Kapitals Ark Summia“ alleine nicht, da greifen dann noch ganz andere feine Unterschiede zur Abgrenzung von ansonsten Gleichen. Vermutlich gereicht ihre Asexualität ihr auch zum Nachteil, da sie alternativ oder/und komplementär nicht auch noch ihr – den Worten nach – ansehnliches „körperliches / sexuelles Kapital“ ‚einbringen‘ kann bzw. will. Doppelte Außenseiterin, während die anderen Familiennamen haben und ihre Körper juvenil leidenschaftlich einsetzen…

5. Isogames Coniugium da Ark

Dieses Kapitel ist so nerdfern vom eigentlichen Heft wie meine Sinnversuche über perryversale Sprachfamilien. Für mich diesmal vom größten Interesse die Heiratspraktiken da Ark, wie man im arkonidischen Imperium und speziell innerhalb des Hochadels zu heiraten pflegt.

Rowena sucht ihrerseits die, ihren Worten nach, „Zwangsehe“ als Ausweg aus gefühlter Einsamkeitsisolation. Doch weniger handelt es sich hierbei um eine faktische Zwangsheirat als vielmehr um eine „arrangierte Ehe“, von Dritten eingeleitet und eben arrangiert. Dass es kein Zwang sein kann, beweist Rowena (sich selbst), indem es ihr möglich ist, die Ehe noch vor ihrem Beginn per „Kristalledikt“ zu beenden. Interessant, auf welche Weise es in dieser Zeit üblich ist, einen Ehevertrag abzuschließen, für den sich ihr mikroparanoider Gockel jedoch solange nicht interessiert, bis ihm das diktierte Ergebnis doch … missfällt. In den drei Tagen zuvor umgarnt er sie so sehr, dass sie diese aufdringliche Art der minnelichen Liebesbekundungen richtiggehend abstößt. Hätte er es doch beim gesitteten, kiltgängigen Fensterln belassen und ihr formvollendet mit gebotener Distanz nur ein paar Liebespoeme vorgetragen.

Exkurs: Arkonidischer Adelsstand – fein unterschieden

Bevor es weitergeht, zunächst zur Orientierung, wie weitläufig sich Arkons Adel ausdifferenziert hat und so eine – soziologisch gesprochen – Ständegesellschaft traditionsbewusster Fasson ausgebildet hat. Ergo gibt es auch nichtadlige Arkoniden, blaublütig verächtlich „Essoya“ genannt, benannt nach einer grünen Blätterfrucht, die in adligen Augen nicht viel wert ist. Etwa 10 Prozent der Bevölkerung gehören dem Adel an. In der Übersicht der drei Adelsstände, die sich jeweils in drei bis sechs Ränge unterteilen, sieht das so aus:

  1. Hochadel (satr.: Thi-Khasurn) – Edle Erster Klasse (Herzöge, Fürsten)
    • Anrede: Zhdopanda (Hochedle, Hochedler), Ausnahme: der Imperator als Zhdopanthi (Höchstedler)
    • Lehen (Fürsten- und Herzogtum): Selten nur Ländereien auf sehr vielen Planeten, maximal bis zu hundert und mehr Sonnensysteme
    • Präfixe: ta, ma, agh:
    • Ta-moas – Hochedler Erster Klasse (Erzherzog)
    • Ma-moas – Hochedler Erster Klasse
    • Agh-moas – Hochedler Erster Klasse
    • Ta-len – Hochedler Zweiter Klasse
    • Ma-len – Hochedler Zweiter Klasse
    • Agh-len – Hochedler Zweiter Klasse
    • Ta-tiga – Hochedler Dritter Klasse
    • Ma-tiga – Hochedler Dritter Klasse
    • Agh-tiga – Hochedler Dritter Klasse
  2. Mittlerer Adel (satr.: Tai-Khasurn) – Edle Zweiter Klasse (Grafen)
    • Anrede: Zhdopandel (Edle, Edler)
    • Lehen (Grafschaft): Von großen Ländereien auf vielen Planeten bis zu fünfzig Sonnensystemen
    • Präfixe: de, del, dom:
    • De-moas – Edler Erster Klasse (Reichsgraf)
    • Del-moas – Edler Erster Klasse
    • Dom-moas – Edler Erster Klasse
    • De-len – Edler Zweiter Klasse
    • Del-len – Edler Zweiter Klasse
    • Dom-len – Edler Zweiter Klasse
    • De-tiga – Edler Dritter Klasse
    • Del-tiga – Edler Dritter Klasse
    • Dom-tiga – Edler Dritter Klasse
  3. Unterer Adel (satr.: Kator-Khasurn) – Edle Dritter Klasse (Barone, Ritter)
    • Anrede: Zhdopan (Erhabene(r), Hohe(r), Erlauchte(r))
    • Lehen (Baronie): Häufig nur Ländereien auf einem oder mehreren Planeten oder bis zu fünf Sonnensysteme
    • Präfixe: nert, ter, on:
    • Nert-moas – Erhabener Erster Klasse
    • Ter-moas – Erhabener Erster Klasse
    • On-moas – Erhabener Erster Klasse
    • Nert-len – Erhabener Zweiter Klasse
    • Ter-len – Erhabener Zweiter Klasse
    • On-len – Erhabener Zweiter Klasse
    • Nert-tiga – Erhabener Dritter Klasse
    • Ter-tiga – Erhabener Dritter Klasse
    • On-tiga – Erhabener Dritter Klasse
    • Nert-lenim – Erhabener Vierter Klasse
    • Ter-lenim – Erhabener Vierter Klasse
    • On-lenim – Erhabener Vierter Klasse
    • Ter-wes – Erhabener Fünfter Klasse
    • On-wes – Erhabener Fünfter Klasse
    • Ter-tharg – Erhabener Sechster Klasse
    • On-tharg – Erhabener Sechster Klasse

Der Perrypedia über „Arkoniden“ entnommen

Inkurs zurück

Obwohl die Gonozal in Ungnade gefallen sind, zählen sie wie wenige andere Khasurn (Ark.: Geschlechter/Familien) unzweifelhaft zum Hochadel Arkons. Daher könnte man denken, in der Amtszeit Orbanaschols mit einer Gonozal eine Ehe einzugehen, wäre eine Mesalliance =Missheirat – eine Heirat unterhalb des eigenen Standes, eben mit Ausgestoßenen, Verachteten. Doch anscheinend ist es sehr wohl im Sinne des Usurpators, die doch noch lebenden Gonozal in ‚trockene Tücher‘ zu bringen, um sie so unter der Aufsicht und Kontrolle ihm genehmer, wenn nicht widerspruchslos ergebener Khasurn zu haben. Als „Heirater“ hat er ausgerechnet Sofgart, Ersten unter den Bluthunden hierfür ausgeschickt, das Paar zusammenzuführen. Ob und welches Schmusergeld aka welche Mitgift es da wohl gegeben hat?

Vielmehr ist festzuhalten, dass der Adel je nach Rang (hoch, mittel, unten) standesbewusst heiratet und zwar bevorzugt isogam, also in Form einer „Gleichgestelltenheirat“. Man bleibt unter sich, Hochadel heiratet Hochadel. Anders wäre es eben auch besagte Missheirat zu Ungunsten der höhergestellten Partei. Ebenfalls kann man an diesem Beispiel beobachten, wohin geheiratet wird. Nämlich entweder

  • exogam, wobei Exogamie „Außenheirat“ meint. Dieser Heiratsvektor lässt eine*n Partner*in außerhalb der eigenen sozialen Gruppe, Gemeinschaft oder sozialen Kategorie suchen; oder
  • endogam (Innenheirat), also innerhalb des eigenen sozialen Raumes.

So heiratet Rowenas verkannter Minnemann nicht innerhalb seines Khasurn, der vermutlich mehrere Hundert bis Tausend Arkoniden umfasst. Hier wären Ehen mit Cousinen oder Witwen von Cousins entfernterer Grade sicherlich – endogam – möglich gewesen. Um es zu verwirren: Die Heirat wäre sowohl endo- wie exogam geworden. Endogam bezogen auf den Stand, nämlich innerhalb des Hochadels; exogam, weil außerhalb des eigenen Khasurn. So sehr er ihr danach auch ans Leben gehen will, so wenig wird sie seitens Sofgart sanktioniert. Demnach sind Verzicht und genauso wohl auch Scheidungen möglich. Das lässt vermuten, dass besagte isogame Coniugien (Lat.: Heiraten / Verbindungen) nicht fest und fix vorgeschrieben (präskriptiv), sondern doch nur anempfohlen und bevorzugt (präferentiell) sind.

Und um abschließend noch ein paar Worte zum Vergewaltigungsversuch zu sagen, der ebenso wenig Sanktionen nach sich zieht: insofern die mittelalterlich anmutende Standesgesellschaft Arkons auch in weiteren Aspekten traditional geblieben ist, wäre die eheherrliche Gewaltanwendung so juristisch einzuteilen – nach

  1. “Potestas“, der legitimen, innerhalb allgemein anerkannter Norm ausgeübten Gewalt wie Ohrfeigen oder Maulschellen sowie
  2. “Violentia“, der über diese Norm hinausgehenden, körperlichen Gewalt; diese wiederum zu präzisieren wäre in
    • “Saevitien“, tätliche Misshandlungen sowie
    • “Insidien“, Taten und Äußerungen, die das Leben des Opfers bedrohen.

Ganz klar reden wir beim – zum Glück misslungenen – Versuch von Violentia, wobei man noch mit maximalem Wohlwollen nur von Saevitien sprechen könnte. Ich neige jedoch standrechtlich zu Insidien! Angesichts dessen, wie es Rowena vorausschauend richtig gemacht hat: „Drum prüfe, wer sich ewig bindet“!

Michelle Stern kommentiert es im Übrigen pointiert so:

So wie früher in den Adelshäusern auch. Es geht um Machterhalt und Machterweiterung. Einer will etwas vom anderen und bietet eine Ehe an oder arrangiert sie. Im Übrigen war es ja nicht Rowenas Mentor. Die Adelsfamilie wollte das so. Es war ein Angebot, um Rowena in gewisser Weise durch Imperatorentreue unschädlich zu machen und sich ihr Elternhaus anzueignen.Michelle Stern prägnant im PROC-Interview

6. Die Geister der Jugend


Auch wenn es während Rowenas biografischer Erzählung meist nur Kulisse ist, so eine doch bedeutsame: sie wächst auf just in DER ZEIT, die für Atlan, der gut 5 Jahre älter sein dürfte, so entscheidend war. In Heftromanen ausführlich erzählt und zwar im Großzyklus Der Held von Arkon der Atlan-Serie; Handlungszeit 8024-8020 v. Chr.; Hefte 88-299. Zum Teil gestrafft wiederveröffentlicht in den Hardcovern der Atlan-Blaubände des sog. „Der Kristallprinz“-Zyklus. Mehrfach in Unterzyklen gegliedert, umfasst die Erzählung von Atlans Jugendjahren die Bände 17 bis 45. Letzterer mit dem Titel „Vorstoß der Rebellen“, wo Rebell Atlan bis in den Kristallpalast vorstößt und dort Orbanaschol besiegen kann. Das ursprüngliche Heft dieses Finales heißt (und ist wie besagter Blauband separat als eBook erhältlich) 299 „Orbanaschols Ende: Eine neue Ära beginnt – und ein langer Traum geht zu Ende“ – Handlungsjahr 8020 v. Chr. Das ist also genau dann, wenn ihrerseits Rowena als Kralasenin Orbanaschols zu seiner Verteidigung und zu seinem Schutz ausrückt, um sich dann jedoch dem siegreichen Atlan anzuschließen. Je nach Perspektive gewiss Wendehälsigkeit wie ein Fähnchen im Wind der Sieger. Wenn alle Daten so stimmen, dann ereignete sich dies 15 Jahre vor ATLANTIS – seither ist sie Atlan als seine persönliche, eben „Die Kralasenin“ treu ergeben.

Und der Blinde Sofgart, der hier irgendwie ziemlich verhalten auftritt und noch verhaltener auf einmal einfach weg (tot) ist, war mehr noch als Orbanaschol sein ‚praktischer Feind‘. Mit Sofgart und mit dessen – allerdings ziemlich tumb und schlägertyp gezeichneten – Kralasenen hatte Atlan es mehrfach zu tun und es ging jeweils um Leben und Tod. Und die Kralasenen-Welt Ganberaan, die im ATLANTIS-Roman als nahezu ehrenwerte Ausbildungswelt für eine glanzvolle Elite hochstilisiert wird, galt für Rebell Atlan eher als Hort der Folter, Unterdrückung und Brutstätte für brutalste Schlägertruppen des Tyrannen Orbanaschol. Wie sich ganze Welten in der Perspektive ändern können… Spannend, wie Rowena in diese wilden Jugend- und Jungerwachsenentage Atlans hineingewoben worden ist. Sie war an Orten, die auch ihm wichtig wurden, sie hatte Kontakt zu Menschen, die auch er nur zu gut kannte. In so vielen Tangentenpunkten berühren sich deren Biografien, aber – wenn man so will – stets mit gänzlich anderem Vorzeichen: bei ihm alles vorgezeichnet, von Fartuloon nur zu zielsicher angeleitet. Die Wiedergewinnung des Kristallthrones das ultimate Ziel von allem, Atlan im Zentrum aller Bemühungen. Demgegenüber Rowena auf der Suche nach Freiheit, die sie stets in nächstneue Unfreiheiten stolpern lässt, denen sie sich auf verbogene Weise hingibt in der Hoffnung, über dieses Trittbrett dann doch noch frei zu kommen. Und am Ende führen beide biografische Lebenslinien zusammen und laufen seit zumindest 15 Jahren parallel.

7. Von Kriegsfeindschaft zum Nadelöhr des Überlebens


Da hatte ich mich zitatreich über das Zweckbündnis zwischen Maahks und Atlan irritiert gezeigt, um jetzt einiges an Aufklärung präsentiert zu bekommen. Nach alten Zitaten schien es mir seitens Atlans keinerlei Spielraum für so etwas gegeben zu haben. Das Ganze ging folglich auch nicht von Atlan aus, sondern von Greg3475 – in den Militärs dieser Welt liebevoll auch als „Schütze Arsch“ bezeichnet. Hinterster der Letzten in der Befehlskette, der dem Erzfeind als Lockwurm für den Greifvogel vorgesetzt wird, um eine ‚diplomatische Brücke‘ zu schlagen. Die Initiative geht also von den Maahks aus. Den Maahks? Nein, ganz im Gegenteil: eine zahlenmäßig kaum erwähnenswerte Untergruppierung, die inmitten heißen Krieges m.E. nichts anderes macht als Hochverrat zu begehen. Neutraler gesagt: sie whisteblowen, nur dass es nicht bei bloßen Informationen bleibt.

Während Greg3475 also nicht der namhafteste seines Volkes ist, ist Geektor das entgegen aller Gepflogenheiten sehr wohl – nämlich wortwörtlich namhaft. Das ist außergewöhnlich in Reihen militärischer Hierarchie und erst recht gegenüber Nichtmaahks. Deucht mir ein ungemeiner Vertrauensvorschuss zu sein, dass Geektor seinen Namen offenbart. Andererseits verschleiert er so seinen Rang im Gefüge, der anhand der Bezifferung für alle ablesbar ist. So oder so schert er aus der Reihe des obersten Militärs aus und will sich nicht am galaktischen Massenmord beteiligen. Das jedoch nicht aus Nächstenliebe dem Feind gegenüber, sondern aus Sorge um sein Volk. So eierlegend exponentiell vermehrungsfreudig Maahks auch sind, die Zigmilliarden Opfer, die es durchs Zünden des Talagon gäbe, wären auch für Maahks verheerend und maßlos weit über allen Kriegsgräueln. BTW: Star Trek DISCOVERY-Staffel2 und deren vieldiskutierte Überhöhung des verhandelten Problems: Auch dort – durch irrläufige KI CONTROL – drohte freilich nichts Geringeres als die totale Auslöschung aller, zunächst innerhalb der Galaxis, dann ggf. unaufhaltsam universumsweit. Anstelle von fehlprogrammierten und -datengefütterten CONTROL haben wir es hier mit dem Talagon (s.u.) zu tun, dessen genozidales Verwüstungspotenzial unermesslich ist.

Im Heft mir zu lakonisch kurzgefasst und drüber hinweggegangen: ich kann Geektors „Logik“ nicht verstehen: er könne das Talagon nicht vernichten, obwohl man seitens der Maahks ziemlich sicher um den Weg dorthin weiß, weil er damit einem Befehl widerhandeln würde bzw. es nur auf Befehl könne. Nachdem er also

  • Hochverrat beging, mit dem Erzfeind des Volkes konspiriert,
  • ihn gar auf ggf. den Flottenstützpunkt der Maahks schlechthin in diesen Tagen holt,
  • diesem Feind freimütig das Talagon-Original aushändigt,
  • nachdem er eigenmächtig die Militärführung mittels eines Duplikats in die Irre geführt hat,
  • sprich, OHNE Befehl, auf eigene initiale Anmaßung hin täuschte, hinterging, verriet,

kann er angeblich den letzten Schritt nicht selber gehen, einen von Zigmilliarden Maahks opfern, um das Talagon zu vernichten, die Gefahr aus der Welt zu schaffen? Kann ich nicht nachvollziehen, zumindest nicht intradiegetisch, aus der Handlung heraus und den Logiken der Handelnden.

Extradiegetisch hingegen sonnenklar: würde Geektor auch den letzten Schritt selber gehen, wäre die Gefahr aus der Welt, bevor je jemand davon auch nur gehört hätte. Es bedarf also eines narrativen Tricks, um Atlan „ins Boot zu holen“, ihn an die fixe Idee einer genozidalen Bedrohung zu fesseln. Die Maahks haben das Problem – bildlich: das Leck – zwar ins Boot geholt, können aber „aus Gründen“ es nicht abdichten, wozu nur der eine Einzige in der Lage ist. Nur der Kristallprinz, hier noch designierte Nachfolger seines Oheims Imperator Gonozal VII. kann hierfür herangezogen, ins Vertrauen gezogen und ins Komplott involviert werden. HM! NOCH(!) mehr gewollt und gesollt, als für mich schon konstruktiv gekonnt. Betonung auf „NOCH“, da sich hier gewiss noch Relevantes ergeben mag. Zumindest wissen wir nun, wieso, auf welchen Anlass hin es zum „Pakt der Erzfeinde“ hat kommen können.

Und all das auf Galkorrax, (einer) der Maahk-Stützpunktwelten, wie es klingt. So nur möglich, weil man die Arkoniden als Kriegsgefangene vorführt und uneingeweihten, nichtkonspirativen Maahks gegenüber diese Schau inszeniert. Ein Grund mehr, wie man da nicht an Geektors Logik zweifeln kann. Wehe dem, die Lage kippt (ggf. schon im Folgeband) und die übrigen, erzfeindschaftlichen Maahks werden den Hintertrieben gewahr und beginnen mit der Hatz gegen Atlans und Geektors Leute…

8. Das Meta des Talagon


Nun ist es amtlich: das Talagon gemahnte zwar in Größe und Tragweise an Zellaktivatoren alter Prägung, verhilft dem Träger jedoch nicht zu relativer Unsterblichkeit, sondern dem vielbelebten Spiralarm der Galaxis zum ultimativem Genozid. Zwar noch unklar, ob „nur“ Arkoniden und Maahks betroffen wären, ob nicht vielmehr alle (raumfahrenden?) Intelligenzwesen daran glauben müssten oder gar das Leben an sich geopfert würde. Letzteres wäre der totale Biozid – und dann wohl kaum nur dieses einen Spiralarms, außer man hätte das Talagon in der Reichweite irgendwie diesbezüglich geeicht. Wenn es gezündet würde, nähme es mutmaßlich auch das Leben in den übrigen Quadranten mit sich in den Tod. Zur Erinnerung: Das Tai Ark’Tussan (Link zur Karte beim PR-Sternenatlas.de) erstreckt sich mit dem Larsaf-System an seinen ausfransenden Rändern „nur“ im Nordwest-Quadranten der Galaxis und ist damit streng genommen gar kein galaktisches, die Galaxis umspannendes Imperium wie das Große Tamanium der Lemurer.

Ob sich die „Talagon-Katastrophe“ wirklich nur hier im galaktischen „Nordwesten“ ereignet hätte oder um sich greifen würde, ist eine entscheidende Frage. Gut, die Antwort kennen wir – zweiundvierzig aka nein, nachzulesen ab Heft 0001 der fortlaufenden Perry Rhodan-Erstauflage;-) Nichts ist hochgegangen – SPOILER. Wäre es das aber, dann ist besagtes Larsaf- aka spätere Sol-System im Südwest-Quadranten quasi nebenan und dringend mitbetroffen. „Gegenüber“ von Arkons methanbekriegten Wildnordwest befinden sich im Nordost-Quadranten namhafteste Welten wie Apas, Halut oder Trakarat. Erstere eine der Welten des Zweiten Imperiums, das ab 2326 n. Chr. nach und nach von den Terranern „entdeckte“ Imperium der Jülziish aka Blues in
der Eastside der Galaxis.

Wer kann ein Interesse haben, hier einzugreifen? Und das auf Seiten der Maahks, egal wie hoch deren eigene Opfer wären? Im Gegensatz zu den niedrigen Reproduktionsraten individualistisch gesinnter Arkoniden könnten die Maahks diesen Todesschock trotz allem ziemlich sicher durch- und letztlich überstehen. Ja sie wären bei aller genozidalen Grausamkeit mutmaßlich die Gewinner des Ganzen. Doch wer will das? Erst recht ob des Treppenwitzes der Geschichte, der in wenigen Handlungsjahren folgen wird: 8002 v. Chr., also in etwa drei Handlungsjahren, wird mit Maahks paktierender Atlan die die Konstruktionsunterlagen für die sog. Konverterkanone (nebst einem Zellaktivator besagter alter Prägung) ausgehändigt bekommen, womit wiederum die Arkoniden die Maahks nicht genozidieren, aber gegen ihren Erzfeind zur Zeitenwende blasen können. Nach jetzigem Kenntnisstand wird Atlan erst den Matchball gegen die Arkoniden (und evtl. das Leben an sich) abwehren, um dann den Gegenschlag einzuleiten, der wiederum die Maahks in die Flucht treibt. Erhalten wird Atlan beides von ES, dem Unsterblichen von Wanderer, der Superintelligenz, die v.a. die Milchstraße zum Kern ihrer sog. „Mächtigkeitsballung“ auserwählt hat. Doch wenn ES all das in Kürze in Atlans Hände legen wird und der Zeitverlauf dann pfadabhängig diesen Weg genommen haben wird, ja wer arbeitet dem denn hier und jetzt fundamental entgegen???

Schon nach Omen 4 im ersten Heft assoziierte ich das auf Larsaf III. zufliegende Schiff und die Personen an Bord sogleich mit höheren Mächten. Eventuell eine Kobaltblaue Walze der Kosmokraten??? Hüter, Verwalter und Bewahrer der Ordnung im Kosmos, einschließlich der Verbreitung und Förderung des Lebens. JA ABER – das sind doch „die Guten“!? Nur je nach Perspektive. Wirklich „Gute“ besäßen keine Galaxienzünder: „Er zerstört das Gravitationsgefüge der betroffenen Galaxie. Dadurch löst sich die Galaxie auf. Der Großteil der Materie wird zudem in einen energetischen Plasmazustand umgewandelt.“ „Gravitationsgefüge“ klingt doch recht passend, auf diese Weise, entlang von Gravitationslinien soll sich das Talagon ja auch auswirken – soweit die Maahks aka Geektor wissen. Doch geht es hier ja um die galaktische Materie als solche, nicht um das sich planetar ballende Leben der Galaxis. Schon gar nicht sind damit schrotschussgezielt bestimmte Völker wie die Arkoniden anvisierbar. Davon ab: so ein Galaxienzünder wird mit Großraumschiffen transportiert, ist nichts für die Brust- oder Westentasche.

Dann vielleicht die Gegenspieler der (guten) Kosmokraten, die hier eingreifen? Die (bösen?) Chaotarchen. Die hätten da auch eine Waffe auf Lager, die dem Wirkprofil des Talagon entspräche: Nekrophore, die gleich einer Amphore den Tod mit sich führt: „gelagert wird. Die Fässer sind 15 m lang und haben einen Durchmesser von acht Metern. Die Wandung hat durchgehend eine Dicke von 0,5 m. Auf den planen Deckflächen sind hunderte von Kreisen abgebildet, die aus kleinen roten Punkten bestehen und sich gegenseitig durchdringen. Dieses Muster löst bei jedem Intelligenzwesen, ungeachtet des geistigen Profils, die Assoziation der Teilchenbewegung in einem Gas aus. “ Die „Nukleotide Pest“ ergießt sich nach dem Öffnen einer Nekrophore als massenhafte „Biozide“ über das Leben. Minimale Restbestände haben verschwindende Restchancen das zu überleben. Nur ist das eigentlich keine spezieselle (spezies-spezielle) Waffe, sondern wirkt auf (nahezu) alles tödlich ein, das lebt und auf das es trifft. Doch auch Nekrophoren sind nichts zum Herumtragen. Und geöffnet werden sie auch nicht irgendwo mal so, sondern an perryversal geheimnisvollen Orten, nämlich inmitten eines sog. Kosmonukleotids. Das Perryversum ist analog zur Doppelhelix der lebewesenden DNA vom Moralischen Code (Kosmokraten-Sprech) durchzogen. Die Vorlesung zur Kosmologie erspare ich uns. Spannend ja, aber schwer – auch noch verständlich – zu ordnen und vorzutragen. Nur dass Chaotarchen in dieser Zeit nach der Milchstraße gegriffen hätten, ist neu. Das werden sie einst getan haben – so in 15.000 Jahren pi mal Daumen. Ein erster Anschlag jetzt schon?

Vielmehr erahne ich, dass das Talagon keine ausgewachsene Nekrophore ist und der Größe nach sein kann, aber vielleicht dennoch ein paar „Biozide“ enthält. Die würden reichen, wenn man – als Expotarch durch Corona mental infiziert – diese quasi ‚viralisiert‘ hätte, so dass auch schon wenige sich exponentiell rasend auszubreiten vermögen.

Aber all das wäre echt kosmisch höchste Schublade und bisher weit über den Erzählrahmen der Miniserien hinaus. Rätselhaft für mich auch die – in der Zusammenfassung unerwähnte – schnelle Eingreiftruppe besagten Omen4-Schiffes. Graue Herren, die dem armen Quartam nicht nur Zeit stehlen, sondern offenbar sogar sein Leben:-( Ich habe sie nicht wiedererkannt, wüsste nicht, worauf deren tristgrauer Look hindeuten könnte. In jedem Fall wollen sie den Zeittransmitter zerstören (oder haben es bereits) bzw. Quartam an dessen Reparatur nachhaltig hindern. Warum? Wozu? Damit halten sie doch brandgefährlichen Perry in der Zeit, der bekanntermaßen noch allen höheren Wesen ärger gemacht hat. EIGENTOR! Wenn sie ihn zerstört wissen wollen, haben sie ihn mutmaßlich nicht installiert oder/und zeitjustiert. Noch eine weitere Zeitmacht, die mitspielt? Ringt da vielleicht ES gegen ANTI-ES??? ES und ANTI-ES sind der/die/das Dr. Jekyll und Mr. Hyde des Perryversums – eine lange Zeit noch so superintelligente, aber gespaltene Persönlichkeit. Liegen die im Zwist? Ja, aber für die Terraner erfahrbar erst ab 3456 n. Chr., erst dann sie ins sog. Kosmische Schachspiel beider Entitäten verwickelt werden. Über 11000 Jahre hinkünftig.

Und die Zerstörung des Talagon – das wissen die Maahks ziemlich genau – ist nur hinter dem Ereignishorizont eines Schwarzen Loches möglich. Wie space-romantisch! Aber auch zermalmend gravotödlich. Aber mehr Singularität ist nicht möglich – eigentlich doch Sehnsuchtsziel von Angehörigen einer Gesellschaft der Singularitäten… Im Ernst: Woher will man das wissen? Oder wer, der das Talagon zwecks Zerstörung ausgehändigt hat, hätte diese Entsorgungsanleitung gleich mitgeliefert? VORERST etwas konstruiert, um es auf ein Zyklusfinale dramaturgisch geschickt hinzuführen. Und welches Schwarze Loch mag es sein? Etwa Singularität 77/3 – Eldhoverds Endlosigkeit???>

9. Summa summarum


Fundamentales Gemäkel wie noch nie zu ATLANTIS. Und kann dieses Posting dennoch von mir sein? Ich beschwerte mich doch gar nicht larmoyant über narratoferente Technik wie allen voran dauerbefingerte Hologramme. Dann muss es doch ein Bot sein, der mich hier bloß zu imitieren versucht. Keine Panik! Das Heft hat diese Art kritischer Beobachtung einfach nicht hergegeben. Mir ist nichts hierzu aufgefallen. Dafür diesseits der Realität, wo es hologrammierter zugeht denn je: jetzt soll ein Hologramm schon auf seine Umgebung reagieren und ergo dynamisch statt nur statisch anzeigen können. Wenn es das gegenwärtig schon gibt, müssen es auch 10.000 Jahre zuvor hyperraumfahrtbetreibende Arkoniden haben – erfahrungsklare Sache.

Zum Heft „Die Kralasenin“: nicht mein Erzählkonstrukt, wie ausführlich dargelegt. Davon ab aber reich an Hindeutungen, Hinweisen, manch eingeschlagenen Pflock. Und Rowena ist mir sogar sympathisch und hat mein biografisches Mitgefühl. Hier dann auch die ultimative Prognose, wie es endet: denn nicht mit Atlans Opfergang; auch nicht durch alten Tarts, so sehr er es für Atlan und die Sache gewiss würde. Beide leben – Atlan sowieso unaufhaltsam, Tarts aber noch bis kurz vor dem Untergang von Atlantis, also noch rund 5 Jahre lang (Heft 60 & 70). Rowena opfert sich! Momentan sonnenklar, GERADE WEGEN DER BIOGRAFIE! Man inszeniert ja nur so seitenraubend halbheftig, wenn die Fallhöhe der Sympathie gnadenlos für den Fall ausgenutzt wird. Erst die Leiter hinstellen, um sie dann expograusam umzustoßen und im PROC-Interview dann noch Trauer vortäuschen 😛 So läuft das, jawohl! Eh ohne Familie und durch Perry der zukunftsweisenden Bedeutsamkeit und Wichtigkeit Atlans voll bewusst geworden, wird Rowena ihr – aus ihrer Sicht verpfuschtes – Leben zum Erhalt des Lebens aller hingeben! Umso bitterer, da sie mit Atlan die einzige intensive Ich-Du-Beziehung ihres Lebens geführt hat.

ATLANTIS 04 – Nachschlag mit Zitaten der Irritation

Hallo Mitwelt!

Ich schließe direkt an die Besprechung zu ATLANTIS 04 „Der Raumschiffsfriedhof“ von Olaf Brill an. Auf ziemlich falschem Fuß erwischt, war ich angesichts des Präsentierten bass erstaunt: Atlan, Kristallprinz des Tai Ark’Tussan und Flottenadmiral selbigen, scheint auf noch unverstandene Weise mit den Maahks, kriegsheißen Erzfeinden des Imperiums, zu paktieren. In einer für Sauerstoffatmende konzipierten Station inmitten der Atmosphäre eines Gasplaneten der Maahks ist das Trio atlantis gefangengesetzt, wo sie auf Atlan treffen, wo jedoch ebenso Hunderte Arkoniden wie Gefangene anmutend einsitzen. Die Lage ist – für mich – noch völlig unklar, wer da mit wem genau und zu welchen Zwecken paktiert, taktische Zweckbündnisse geschlossen hat und derlei. Atlan scheint Befehlshaber nicht nur über ehrerbietige Rowena zu sein, sondern auch die Maahks, die Perry und Co. vom Raumschiffsfriedhof ‚eingesammelt‘ haben.

Wie sehr die Maahks jedoch Erz- und angesichts der tobenden Kriegsdauer auch zu Erbfeinden des Imperiums geworden sind just in den Tagen von Kriegsflottenadmiral Atlan, hatte ich bereits mit Zitaten aus vielreferiertem Heftroman 60 „Festung Atlantis“ nachzuzeichnen versucht. Demnach sind Maahks für Atlan nichts anderes als Todfeinde des Imperiums, erbittertste obendrein, die das Reich an den Rand seiner Existenz gebracht haben. Umso irritierender, dass Atlan überhaupt und in welchem Setting er mit Maahks – wie auch immer genau – zusammenarbeitet.

Ich habe ein weiteres Heft aufgetan, aus dem ich zwecks Veranschaulichung der Verhältnisse zitieren möchte – lang wie meist. Es geht um Heftroman 217 „Gefahr aus der Vergangenheit“ von Großmeister K. H. Scheer persönlich; wesentlicher Wenderoman im legendären „Meister der Insel“-Zyklus (Nr. 05). Kontexte in gelinkter Perrypedia-Zusammenfassung nachzulesen oder gleich als anempfehlenswertes Hörbuch (Silber Edition 23 „Die Maahks“, Vertonung gleichnamigen Silberbandes) zu ergründen. In jedem Fall und kurzgefasst, erwachen die totgeglaubten Geister der Vergangenheit und auferstehen als tödliche Gefahr, denen Atlan auf der „Straße nach Andromeda“ angesichtig wird. Ein Erkennen, das ihn wie selten aus der Fassung bringt und richtig panisch werden lässt. Kein Hauch auch nur von einstigen Paktpartnern zu verspüren… Aber lese selbst:

Ja – das waren sie! Das waren die unerbittlichsten, hartnäckigsten, fähigsten, intelligentesten und widerstandsfähigsten Feinde, die das Große Imperium der alten Arkoniden jemals gehabt hatte.
Das waren die Wesen, mit denen wir den größten Raumkrieg der arkonidischen Frühgeschichte ausgefochten hatten. Das waren jene eierlegenden Monstren, die ihren ausgeschlüpften Nachwuchs anschließend säugten und die deshalb eine biologische Sonderstellung unter den Völkern der Galaxis eingenommen hatten. Das waren die Lebewesen, die wir einfach Methans genannt hatten, obwohl sie in Wirklichkeit Wasserstoff mit methanhaltigen Verunreinigungen ein und Ammoniak ausatmeten.
Ich hatte als Chef einer arkonidischen Eliteflotte viele Jahre lang gegen sie gekämpft. Die Methans hatten uns erst dezimiert und schließlich noch nachhaltiger geschlagen, weil wir als humanoide Lebewesen nicht in der Lage gewesen waren, unseren Bedarf an Raumschiffsbesatzungen so schnell zu ersetzen wie diese Wesen, die nach einer Reifezeit von nur dreieinhalb Monaten bis zu neun Eier produzieren konnten.Atlan in Heftroman 217 „Gefahr aus der Vergangenheit“

Und weiters, während er – die […]-Auslassungen – auf seine Gefährten wie Perry und Tolotos intensiv und beschwörend einredet, um ihnen den Ernst der Lage klarzumachen:

Mir wurde schwindelig, wenn ich nur an die ungeheure Gefahr dachte, die der Galaxis durch diese unwahrscheinlich kampfkräftigen und intelligenten Wesen drohte.
[…]
Nein – ich schrie sie [Gefährten um Perry Rhodan, A.d.A.] an. Wahrscheinlich war mein Gesicht völlig verzerrt und vom Entsetzen gezeichnet.
„Zurück“, brüllte ich verzweifelt. „Sofort zurück. Das sind Methans; versteht ihr – Methans! Das sind die Lebewesen, die uns vor zehntausend Jahren beinahe vernichtet hätten, bis wir die Konverterkanone bauen konnten. So gehen Sie doch in Deckung, Tolot!“
[…]
Im Vergleich zu ihnen waren Springer, Aras, Akonen und die nichtmenschlichen Blues von der Eastside des Zentrums harmlos.
[…]
Methans sind an Schwerkräfte zwischen 2,9 und 3,1 Gravos gewöhnt. Drei Methans werden mit Ihnen spielend fertig, zwei können Sie unter Umständen besiegen. Tolot – auch Ihnen droht Gefahr. Ich sage Ihnen nochmals, daß dieses Volk der härteste Gegner war, den wir jemals hatten.“
[…]
Wir Arkoniden hatten jedes Lebewesen anerkannt, wenn es nur sauerstoffatmend gewesen war. Fremdgasatmer waren von uns als Intelligenzwesen natürlich ebenfalls gewürdigt worden, aber man hatte sie im Oberkommando sofort als erbitterte Feinde eingestuft.
Die Ereignisse hatten diese Auffassung auch niemals widerlegen können. Fremdstoffatmer hatten sich meines Wissens nie mit Sauerstoffatmern einigen können. Daher war es auch zum Methankrieg gekommen.
[…]
Wenige Sekunden später wußte ich, daß meine schlimmsten Befürchtungen wahr geworden waren. Das waren Maahks!Ebenda

Alles klar? Deshalb bin ich so baff und harre staunend der Entwicklungen, die sich da noch auftun mögen, die ich nicht zu antizipieren vermag. Erscheint mir eine harte Nuss, das in Einklang mit all diesen Zitaten zu erzählen. Weiterlesen!h

ATLANTIS 04 – Der Raumschiffsfriedhof

Hallo Mitwelt!

Und weiter geht es bei ATLANTIS, jedoch fern von Atlantis. Von einem ‚Altgedienten‘, einem nostalgisierten Trio, verschwörerischen Verwicklungen und Unausgesprochenem, das überdeutlich ist…

Die Handlung

Olaf Brill – ATLANTIS 04: „Der Raumschiffsfriedhof: Notsprung ins System der blauen Sonne – die Schrottsammler erwarten sie“

Das Titelbild von Arndt Drechsler ist wuchtig, der Roman selbst ist spannend: Olaf Brill schrieb »Der Raumschiffsfriedhof«, und dieser vierte Band unserer Miniserie PERRY RHODAN-Atlantis kommt in dieser Woche in den Handel. Es handelt sich um einen Roman, der ausschließlich im All und an Bord von Raumschiffen spielt – die Hauptfiguren haben sich weit von Atlantis und seinen Bewohnern entfernt. KNF zu „Der Raumschiffsfriedhof“ am 25.04.2022 auf seinem Blog

In der BEST HOPE (vormals: LT4) springt auf vorletzter Rille das Trio atlantis aus dem Larsaf-System und wendet sich mit finalem Sprung dann einem Sonnensystem zu, in dem eine Raumschlacht stattgefunden haben muss: ein wahrer „Raumschiffsfriedhof“ aus Raumern der Arkoniden und Maahks zieht seine stellaren kreise. Hier hoffen vor allem die beiden Zeitreisenden Ersatzteile für die wracke Technik der BEST HOPE (Sichu) sowie Informationen über Ursache und Verlauf der Schlacht (Perry) zu finden. Während interstellare Caysey von den Sternen beeindruckt mit dem Talagon an Bord zurückbleibt und mithilfe von Blechkamerad RCO ihre neue ‚Stahlheimat auf Zeit‘ erkundet, trennt sich das Ehepaar auf: Perry fliegt im Raumanzug zu einem Maahk-, Sichu selbig zu einem Arkonidenraumer.

Doch war dieses Trio nie allein, wurde vielmehr von einem anderen Trio heiß erwartet: vor Ort weilten nämlich längst „Schrottsammler“ und „Leichenfledderer“, drei Angehörige aus dem Volk der Unither. Sie erhoffen sich ihrerseits raumflugfähiges Material aus dem hinzugesprungenen Raumer. Perry muss sich mit einem herumschlagen und herumschießen, während ein anderer Caysey als Geisel nehmen und RCO zerschießen kann. Sichu wiederum gerät nach Rückkehr zur BEST HOPE ebenfalls in Rüsselgriff.

Kurz bevor Perry den intrinsisch arkonidenhassenden Unither zur Aufgabe bereden kann, kommt es zur großen Wende, die insbesondere die Rüsselträger die ganze Zeit befürchtet haben: Maahk-Raumer kreuzen auf. So vereiteln sie zwar die ‚Geiselnahme‘ durch die Unither, die heillos fliehen, dem Anschein nach trotzdem in ihrem Raumer gnadenlos abgeschossen werden – samt geraubten Talagon. Die wieder vereinten Lemuroiden ihrerseits werden nicht aus dem All geblasen, wie es von ihren Erzfeinden zu erwarten gewesen wäre, sondern eher als ‚Kriegsgefangene‘ in schnell angelegter ‚Arkoniden-Maske‘ festgesetzt. Zu einem Stützpunkt der Maahks transportiert, scheint dort ein Kriegsgericht o.Ä. zu drohen – doch es kommt erneut ganz anders: inmitten der Atmosphäre des Gasplaneten Galorrax stationiert, werden die drei Gefangenen durch die Maahks drei Arkoniden vorgeführt. Auf dessen Anführer hören die Maahks nicht nur, er scheint ihr Befehlshaber zu sein: Atlan! Der interessiert sich jedoch nicht für Perry und Co., wenn nicht Rowena als die zweite im Bunde ehrerbietig dem Kristallprinzen versichern würde, es mit dem entflohenen Trio und den Räubern des Talagon zu tun zu haben…

Roman und Kommentar vom ‚Veteranen‘

Vorletzte Woche war der Neue am Griffel, jetzt hat ein ‚miniserialer Veteran‘ aufgeschrieben: Olaf Brill! Miniserie Nr. 9 läuft, inklusive dieser hat Dr. Olaf Brill – so viel Zeit darf sein – an sechsen mitgewirkt und elfmal beigetragen. Einmal sogar stolze drei Streiche, womit 25% dieser Miniserie – SOL 2 – durch seine Hände gegangen sind. Mit hiesiger Nr. 04 „Der Raumschiffsfriedhof“ ist sein erster – kaum anzunehmen letzter – Beitrag publik. So ganz nebenher hat er damit ein Jubiläum zur Blüte gebracht: das einhundertste Miniserienheft! In meinen ausschweifigen Vorgedanken zu ATLANTIS hatte ich schon zu den acht-mal-zwölf-=96-Miniserienheften festgestellt: allein diese ’nebenbei‘ produzierten Hefte sind umfänglicher als manch legendäre SF-Serie wie die Terranauten, Ren Dhark oder Raumschiff Promet. Und jetzt ist auch noch die für das Gros aller Serien manifeste Schreibmauer der Dreistelligkeit erreicht und überwunden. Schließlich folgen außer bei Weltuntergang noch definitiv acht weitere Hefte mit Mehrumfang: sind die Hörhefte zur Erstauflage um die 3h lang, gelegentlich bis zu 3,5h länger, so war Olaf Brills Hundertsassa nahezu VIER STUNDEN hyperlang. ‚Normale‘ Hefte sind 60 Seiten umfangreich, solch ein Miniserienheft dann lässige gut 80 Seiten. Das nur mal so zur Orientierung.

Zur Auflockerung stammen die – den Hörheften leider weiterhin nicht als PDF beiliegenden – ATLANTIS-Kommentare auch von Mr. 100 – der Jubilare ist diesmal sogar online gegangen: „Die Miniserien erreichen Band 100“. Hier stellt OB in kompakt dar, wofür ich ein paar wenige Worte mehr aufgewendet hatte: PERRY RHODAN-Miniserien-Vorläufer, also die acht Vorgänger zu ATLANTIS; dreizyklische ACTION-Miniserie, der wiederum sich immer narrativ verdichtendere ATLAN-Miniserien vorausgingen. OB zählt die – dort näher gelinkten – Planetenromane noch hinzu, die identische Funktionen erfüllten: großer narrativer Freiraum für altgediente Autoren, freier Übungsraum für Neulinge zur Ertüchtigung zu mehr. Am Ende waren so vierhundertfünfzehn 160-seitige Taschenbücher erschienen, wovon es 100 in eine zweite Auflage (Taschenhefte sowie Planetenromane)
geschafft haben. Diese mit Vor- und Nachworten umrahmt und immer noch als eBooks erhältlich. Lesenswert! Da gab es dann zugegeben manch – höchst fantasievollen – Wildwuchs, der sich fern jedwedem Kanon frei entfaltete. Die besagten 100 Neuaufgelegten dürften ihrerseits jedoch als kanonisch anzusehen sein bzw. ihren Weg in eine kanonisierende Einordnung geschafft haben. Schon die ATLAN- und seither alle PERRY RHODAN-Miniserien sind zwölfbändig in sich geschlossen und narrativ dicht verwoben, selbst wo sich Folgezyklen direkt anschlossen und Handlungen fortsponnen (bspw.: SOL sowie SOL 2). Bei den alten Planetenromanen gab es nur lose dann und wann Fortsetzungen in lockeren Zyklen, meist rund um Handlungsträger, die sich einen Platz in den Herzen des jeweiligen Autors oder/und der Leserschaft erobert hatten.

Die „antike“ und „archaische“ Technik hypermodern

Es ist mir so langsam fast schon peinlich, unangenehm zumindest. Aber erneut geht es um die Technik und ihre bedienseitige Darstellung FERN der alten Zeiten, als sie das erste Mal erzählt worden ist. Auch diesmal wird wieder en masse und massenhaft mit Hologrammen gearbeitet, in diese ständig händisch hineingegriffen und zurechtgezupft, während sie informationsgeballt in 3D anzeigen. Das macht am Häufigsten Sichu, aber auch die beiden anderen; das machen ebenso die Unither, die als „Schrottsammler“ mutmaßlich nicht das technisch hochstehendste Schiff ihrer Zeit navigieren. Und auch bei ihnen ist es Standard, an Hologrammen herumzurüsseln.

Doch es geht noch weiter und mehr, was mir auffallend auffiel. Also es fällt mir selber auf, wie sehr es mir auffällt und mich genauso sehr stört. Inverse Reflexion? Die Raumanzüge, in die insbesondere Perry und Sichu steigen, um zu den Raumschiffwracks zu kommen, ähneln in den Möglichkeiten und Kapazitäten vielmehr SERUNs – Semi-Reconstituent-and-Recycling-Units. Diese sind – unter der Bezeichnung – erst mit Heft 975 eingeführt worden: Handlungsjahr 3587 NACH Christus (11.560 Jahre zukünftig zu ATLANTIS), Realjahr 1980 (neunzehn Jahre nach Serienstart). In jedem Fall sind die hier geschilderten Raumanzüge bedeutend funktionaler und benutzer*innenangepasster als die Arkonidenanzüge der perryversalen Anfangszeit, diese die Terraner als hochmodern Ende des 20. Jhdt. von den Arkoniden übernehmen. Die haben mitnichten je mit ihren Träger*innen freimütig gesprochen, wie wir es heutzutage durch ALEXA, SIRI & Co. gewohnt sind und als noch sprechverbesserter in die Zukunft projizieren. In diesen Anzügen steckt lesbar eine – zumindest mal schwache – KI, die durchaus von sich aus kommunikationsfähig ist und Informationen aufgearbeitet ansagt. Und geschweige denn, dass die Anzüge – wie es Sichu ‚handhabt‘ – per Augenblinzeln zu dirigieren gewesen wären. Trotzdem spricht Sichu bevorzugt von „archaischer“ und „antiker“ Technik… Das waren recht klobige Dinger, 1961 den damaligen Astro- und Kosmonauten-Anzügen abgeguckt. Da wurde noch sehr viel durch Gürtelarmaturen geregelt, wo man Schalter und derlei zu betätigen hatte, um bspw. Antigravflug, hinzu- oder abzuschaltende Schutzschirme zu de-/aktivieren. Zugegeben: wie Sichu dann erfinderisch clever und geschickt sehr oldschool per Sauerstoffablassen durchs All manövriert, mutet nostalgisch an die wilden Zeiten.

Allerdings: dazu kommt es ja erst und nur, nachdem man die zu ausgereifte Technik Star Trek-gleich wie beim dortigen Beamen ausfallen lässt. Die Hyperstrahlung oder was es auch immer bewirkt hat, allemal wird die Technik der Raumanzüge erzählpassend situativ dysfunktional. Damit entspricht sie nach dieser Art situativem Downgrade in etwa den Möglichkeiten der alten Zeit. Nur wieso und wozu stellt man das situativ her, nachdem man es zuvor – für mich unnötig – aufgelevelt hat? Wer A sagt, müsste auch B sagen – demnach: wer der Nostalgie willen erzählzeitreist, sollte eigentlich auch die anachronistisch anmutende Technik genauso miterzählen, wie sie für diese Zeit axiomatisch festgesetzt worden ist. Ein Gesamtpaket, aus dem nach narrativem Bedarf sich zu bedienen m.E. unnötige Schieflagen mit sich bringt.

Genauso bei den Trio rüsseli: die können per Ortung so schärfengenau scannen, wie es auch so nie möglich war. Aus großer Entfernung bemerken sie argusäugig sowohl Anzahl der Lebewesen als auch deren Geschlecht bzw. im Falle Cayseys ihren Zustand. NICHT ABER, dass es sich gar nicht um Arkoniden handeln kann, da solche statt Rippen Knochenplatten im Brustbereich haben, Terraner bekanntermaßen nicht. Und Sichu ebenfalls nicht. Noch krasser jedoch, dass die Unither die Hyperstrahlungsquelle Talagon einwandfrei ausmachen können, allen voran ihretwegen das Schiff ‚kapern‘. NUR: wieso ist Rowena denn dann so ziellos mehrtägig über Atlantis herumgekurvt, um nur ziemlich zufällig auf Talagon-Träger Perry zu treffen (Heft 01)? Und wenn die Unither so präzise detektieren können, wieso tappen die Maahks mit sicherlich wesentlich tauglicheren Ortungsgeräten derart im Dunkeln? Das riecht doch glatt nach …

Kein Rüsselreinigen???

Im Vorfeld diskutierten wir darüber, ob die Außerirdischen, die in diesem Roman als Schrottsammler auftauchen, in dieser Epoche unserer Serienvergangenheit überhaupt schon eine eigene Raumfahrt beherrschen. Kann man sie wirklich auftauchen lassen, und welche Rolle spielen sie im Großen Imperium der Arkoniden? KNF auf seinem Blog über ATLANTIS04

Alles, was man über Unither für einen Erstkontakt wissen muss, gibt Perry zu Gedankenprotokoll in Kapitel 10. Und was OB unserem Mann im All in den Kopf schreibt, assoziierte ich von Kapitel 01 an, als das Trio rüsseli die Handlungsbühne des Raumschifffriedhofs betrat. Ob das jedoch eine ‚unithische Zeit‘ 8.000 v. Chr. Gewesen war, fragte ich mich auch.

Die Ereignisse, auf die Perry anspielt, sind 1963 in Heftroman 99 „Ein Freund der Menschen“ erzählt worden (Handlungszeit 2045 n. Chr.): zwar handelte es sich bei diesem unithischen Trio, mit dem wir damals erzählerisch erstkontaktierten, nicht um Schrotthändler, vielmehr um Ausgestoßene aus der Herde ihres Volkes. Mit einem immerhin schrottreifen Schiff stürzten sie mehr auf just dem Planeten ab, als dass sie sicher gelandet wären, wohin sich Crest, der arkonidische Mentor der Menschheit von Heft 01 an zurückgezogen hatte. Ein planetares Altenheim in gewählter Einsamkeit, wo sich der alte „Freund der Menschen“ weniger seiner Haut erwehrte, als vielmehr terranische Technik vor dem Zugriff dieser Außerirdischen retten wollte. Bis zum Tod. Und von solchen Halunken bis zu leichenfleddernden Schrottsammlern ist der Exposéweg dann nicht mehr weit

Der handlungschronologisch mutmaßliche Erstauftritt bis dahin ist rückwirkend auf das Jahr 5747 v. Chr. zu datieren – erzählt in „Fluchtpunkt Schemmenstern“. Ja, noch so ein „Fluchtpunkt“ – das Perryversum ist diesbezüglich ausgeprägt fluchtpunktiert. Diese Geschichte schließt ihrerseits an die Handlung der Urminiserie an – Traversan, wo es Atlan in die arkonimperiale Provinz raumzeitverschlagen hat.

Das spielt ergo wiederum rund 2250 Jahre nach dem Untergang von Atlantis. Vor zweieinhalb Jahrtausenden hatten u.a. die Perser Oberwasser, war Babylon noch eine recht angesagte Stadt, war hingegen Alexander, der dadurch der Große werden sollte, noch nicht ausgezogen… Seither ist auf Erden allerlei passiert – in den Weiten des Kosmos ticken die galaktischen Zivilisationsuhren jedoch langsamer. Die Langwirkmächtigkeit soziobiologischer wie soziokultureller Prägungen überdauert Zeiten. Es geschieht, weil es schon so geschah. Unither sind ATLANTIS gegenwärtig so, wie sie handlungschronologisch soooo viel später erst geworden sind, weil die erzählchronologisch sooo viel früher schon so ausstaffiert worden waren. Soziobiologisch kann man sowas gewiss nachvollziehbar machen, dass ohne cyberborgische Manipulationen eines Transunithismus Unither sind und sich verhalten, wie sie immer schon waren und sich seit eh und je so verhalten. Aber der soziokulturelle Überbau dürfte sich in den Jahrtausenden so ungemein oft, radikal, disruptiv, transformativ und metamorphisch verändert haben, dass man diese und jene Unither eigentlich kaum gleichermaßen verstehen kann. Nostalgisch dennoch wunderbar und von Mr. 100 detailreich bestens inszeniert. Freu! Anders als bei „PICARD“ laut Hannes Könitzer bei Robots & Dragons

Bis hierhin habe ich das Trio etwas distanziert dargestellt, mutmaßlich ungefähr so, wie es als bloße Handlungsträger im Expo skizziert war. Gilthenk, Mekkhur und Glongg haben erst durch Olaf Rüssel in die Gesichter bekommen:

[…] Die drei Unither zum Beispiel waren im Exposé einfach nur drei Typen, die andere Ziele haben als die Hauptfiguren und daher die Handlung mit Konflikt anfüllen. Ihre drei unterschiedlichen Charaktere stammten vollständig von mir.Olaf Brill im PROC-Interview

Und wie sehr OB hierfür in die Trickkiste gegriffen hat, sollte klar geworden sein. Eines fehlt jedoch: Der Rüsselreiniger! Die drei Ausgestoßenen Liszog, Zerft und Golath, die schlussendlich Crest zu Tode hetzen, hätten den alten Arkoniden sicherlich viel leichter überwältigen und besiegen können, wenn sie nicht ständig pausiert hätten, um sich den Rüssel zu reinigen. Dafür gibt es selbst auf Schrottschiffen für Ausgestoßene Apparaturen, die keinem Unither vorzuenthalten sind. Ausstoß aus der Gemeinschaft der Herde als härteste aller Strafen ja, aber den Rüssel nicht mehr reinigen zu können, das tut man den übelsten Verbrechern nicht an. So in Heft 99, so aber nicht in ATLANTIS 04. Was da los? Alles soziobiologisch chronoferent beim Alten, nur die Sache mit dem Rüsselreinigen ist noch nicht erfunden und kulturell angeeignet? Die drei sind über 10.000 Lichtjahre von ihrer Heimatwelt Unith bzw. der Heimatsonne Unatha entfernt, am äußersten Rande des Tai Ark’Tussan, scheinen einer jeden sich bietenden Raumschlacht hinterher zu ziehen. Aber die Rüssel säubern sie sich nicht!? Empörend! Sich aber über die „Weichhäuter“ lustig machen, die zu nichts taugen mit ihrer zarten, schwachen Haut… Gegenrassistische Vorurteile und Abwertungen gegenüber den imperialen Besetzern, die den Unithern jedoch auch noch nie gut mitspielten.

Die Verschwörung – Nur wer eigentlich gegen wen?

Und wozu, zu welchem zweck?

So! Bisheriges so weit, so schön und gut. Wortumrankte Zierde, lesens- aka hörenswertes Präludium. Doch das Entscheidende, worum es doch geht, worauf wir hin fieberten, was den Stein ins Rollen gebracht hat, ereignet sich, geschieht am Ende des Romans! Perry hat uns schon sachte die Spur gewiesen, als ihm auffiel, dass das Gros der Raumschiffsfriedhofsraumschiffe an die 200 Jahre alt ist und wohl kaum reguläre Kriegseinheiten gewesen sein dürften. Der Keim des Argwohns, es hier mit einer ’normalen‘ Schlacht zu tun zu haben, beginnt zu sprießen. Doch wer materialschlachtet derart und als Inszenierung wem gegenüber? Und dann kommen, ganz gemäß den Befürchtungen der Unither, auch noch die Maahks zurück ins System. Als ob just diese vermehrungsfreudigsten eierlegenden Lebewesen sich um ihre Gefallenen kümmern würden, sich deretwegen zurück an den Ort einer Niederlage begäben. Und just die Erz- und angesichts der Kriegsdauer auch Erbfeinde der Arkoniden machen SCHEINBAR kurzen Prozess mit den Unithern, behandeln die vermeintlichen Arkoniden aber als Kriegsgefangene nach einer Art „Genfer Konvention“? Außergewöhnlich ohnehin schon, aber dann: diese Maahks verhalten sich auf augenscheinlich ihrem ureigenen Stützpunkt inmitten eines Gasplaneten einem Arkoniden gegenüber als Befehlsempfänger? Und dieser Arkonide ist Atlan? WOW!

Atlan paktiert mit Maahks? Nachdem(!) der Methankrieg bereits ausgebrochen ist? Zugegeben noch Jahre, bevor Atlan – vermittelst durch ES – die ultimative Waffe gegen die „Methanatmer“ erhält und gegen den Feind zum Einsatz bringt? Das ist unglaublich! Ich bin tatsächlich bass erstaunt und kann das gar nicht ein- noch zuordnen. Eben dieser Atlan, der in Heft 60 „Festung Atlantis“ Folgendes rund um Maahks und Methankrieg aussagt, das für mich keinerlei Paktiertaktik zulässt:

[…] Der Krieg gegen die Methanatmer nahm seinen Anfang in jenen Tagen, als die auf Atlantis gelandeten Siedler damit begannen, ihre neue Heimat aufzubauen. […] Wir waren uns darüber klar, daß uns ein schwerer und harter Kampf bevorstand. […] Aus dem sogenannten Nebelsektor kamen besorgniserregende Nachrichten. Es war, als hätten sich sämtliche nichtarkonidischen Intelligenzen plötzlich gegen uns verschworen. […] Ich dachte auch keine Sekunde an einen kleinen Kontinent, dem der Kommandant meines Flaggschiffes den Namen Atlantis verliehen hatte. Es war alles so unwichtig geworden. Das Große Imperium unter Arkons Vorherrschaft rang um sein Weiterbestehen. Der sogenannte Methankrieg nahm all unsere Kraft in Anspruch. Wir wußten zu jener Zeit noch nicht, daß er unser Volk zum Ausbluten und das Imperium an den Rand des Abgrundes bringen würde. Atlan am Ende von Kapitel 5 in „Festung Atlantis“

Und später, als er zur Rückkehr in dieses abseitige System kommandiert worden ist:

„Es handelt sich wahrscheinlich um Methanatmer“, fuhr ich fort. „Die Monstervölker der Galaxis scheinen mehr und mehr dazu überzugehen, einen Mehrfrontenkrieg anzustreben. Anscheinend verfügen sie über ungeheure Reserven an denkenden Wesen und Material. Wir können es nicht darauf ankommen lassen, auch nur ein Schiff zu verlieren. Unsere schweren Verluste im Abwehrsektor zeigen deutlich, daß die Zeit der warnenden Anrufe vorbei ist. Wir eröffnen – wie gesagt! – das Feuer, sobald wir etwas orten, was nach einem unbekannten Raumschiff aussieht. Unsere eigenen Einheiten wechseln den Erkennungscode nach Geschwaderkladde im Fünfstufen-Rhythmus. Eher wird eine Dechiffrierung durch den Gegner erfahrungsgemäß nicht möglich sein. Das wäre vorläufig alles. Wir müssen abwarten, was sich im Larsafsystem abgespielt hat. Ich danke sehr.Ebenda – Markierung durch den Blogautor

Und zeitlich müsste der hier erzählte Abflug von der gegründeten Kolonie auf Larsaf III. hinein ins Kriegsgeschehen genau den in Heftroman 60 ausgelassenen Abschnitt umspannen, in dem wir uns in ATLANTIS 04 befinden: Atlan kämpft nicht 30- bis 32000 Lichtjahre fern des Larsaf-Systems zwei Jahre lang schlimmste Schlachten, sondern befindet sich in relativer Nähe und spinnt… Ja was eigentlich? Intrigen? Konspirationen? Pakte? Mit den Maahks – anscheinend ja. Aber welchen? Rebellen gegen die eigenen Kriegstreiber? Hatte Atlan hier einen letzten Versuch gewagt, den Krieg abzuwenden? Was hieße, er hätte sich auch gegen arkonidische Kriegstreiber gewandt. All das bleibt noch völlig unklar, kann ich noch gar nicht fassen, finde noch keinen roten Faden der Rowenadne…

Denn Rowena gibt es inmitten dessen ja auch noch! MAL WIEDER(!) ist sie dem Trio atlantis voraus, hat deren Weg erahnen können, um zu rechten Zeit am rechten Ort zu sein, um das Trio anschuldigen zu können. Das ihrem „Gebieter“ gegenüber, Atlan, vor dem sie ehrerbietigst niederkniet, wie man es wohl wahrlich nur vor einem Kristallprinzen oder gar dem Imperator zu tun pflegt. Rowena? Die in den ersten beiden Romanen konspirative Widersacherin zu sein schien, die wider Atlan intrigiert und ihn hintergeht. Im Vorgängerroman drückte sie sich an zwei Stellen so aus, als ob sie Kontakt zu Atlan hätte, wüsste, wo er sich aufhält. Das blieb da aber noch so unbestimmt, als wäre er ggf. ihr Gefangener, den sie jederzeit zu befragen wüsste. Nichts da! Trotz ihrer dienstlichen Ertüchtigung unter Atlans Erzfeind Orbanaschol SCHEINT sie dem Kristallprinzen und Flottenadmiral untertänig zu Diensten zu sein. Rowena – „Die Kralasenin“, Bluthündin des Imperators und seines Neffen? Eine, die nicht auf ihren Extrasinn hören mag und der kein Konsequenzglück hold ist? Die den Gegnern räumlich stets einen Schritt voraus ist, um dann doch – bisher – nicht wirklich final zupacken zu können?

Wir haben also – mindestens – zwei Ebenen: zum einen Rowena, über die wir im Folgeband mehr erfahren, die auf noch etwas verschleierte Art und Weise mit Atlan zusammenhängt, anscheinend doch für ihn arbeitet. Dieser wiederum plant auf höherer Ebene, hält längere Fäden in der Hand, an die wie an eine Leine selbst Maahks gebunden scheinen. Nicht zu vergessen dann noch die Meta-Ebene, die nur im vierten Omen in Heft 01 ganz kurz aufleuchtete, wo nun wahrlich höhere Mächte rund um – nicht nur – das Talagon in den Konflikt eingreifen und für die Atlantis der Fluchtpunkt ist.

Zwischenfazit nach einem Drittel

Allerhand, was Mr. 100 da niedergegriffelt hat. Mehrfach gelinktes PROC-Interview mit ihm nur zu empfehlen, wo er fröhlich vielerlei ausplaudert, ja sogar den miniserialen Expotän fürs Kurshalten lobpreist. Olafs skriptorale Erfahrenheit, miniserielle Korsetts auszufabulieren, kommt ihr zur Geltung. Ihm hat vor allem Caysey gefallen, die anscheinend für alle Autor*innen bisher als narrativer Anker fungiert hat, worüber sie sich einigermaßen erlebensnah ins Perryversum hineindenken konnten. Asche auf mein Haupt, dass ich je annahm, Caysey könnte nur eine „Durchgangs-Protagonistin“ sein – wo sie die wahre Heldin ist, die von Roman zu Roman an Welterfahrung gewinnt.

Nun aber zum Wohl und Weh der Miniserie, dem Talagon! Es wird narratosuggestiv so getan, als wäre es von den Unithern in ihrem Fluchtraumer mitgenommen und auf der Flucht durch die gnadenlos schießenden Maahks sodann vernichtet worden. NIEMALS! Täuschung! Bewusst vage Erzählweise! Kann alles gar nicht sein! Wie gesagt, dass die Unither mit ihren Ortern das Talagon derart hyperstrahlend quer durchs System detektieren konnten, ist zu deutlich ausgesagt worden. Dass ab der Ankunft der Maahks das Talagon, dessen Aufenthalt und seine Hyperstrahlkraft keinerlei Erwähnung mehr wert war, man sich vielmehr auf so nachrangige Details wie eine Ad-hoc-Maskierung von Perry und Sichu versteifte, ist zu auffällig. Wenn das Talagon zerstrahlt worden wäre, hätte das einen Hyperschauer an Strahlung nach sich ziehen müssen, den die Maahks mitbekommen hätten. Usw. usf. Hier wurde narrativ absichtlich in die falsche Richtung geschaut, um etwas zu verschweigen, was geschehen ist.

Ich gehe davon aus, dass die Unither – rüsselschlau wie sie nunmal sind – einen großen Trick gewagt haben. Eventuell haben sie ihr Schiff losgeschickt, ohne selber drin zu sitzen, geschweige denn das Talagon einfach so mitfliegen zu lassen. Wenn dem so wäre, wären sie noch am Leben und nun mit dem Talagon fahnenflüchtig. ODER Caysey hat es pfiffig versteckt! Denn ebenso auffällig hat sie sich für das Schiff, seine Funktionen und Konstruktion interessiert, worüber sie RCO zu Lebzeiten freimütig instruierte. Vielleicht, dass sie da einen Ausweg spontan gefunden hat, es irgendwo unauffällig zu lagern, ggf. inmitten irgendeines noch intakten Hyperstrahlers, der die Emissionen des Talagon überdeckt. Oder es war Sichu, die zeitweise ja mit Caysey zusammen in Geiselhaft war, genauso denkbar dann die – angebliche(?) – Flucht der Unither für sich ausnutzte. Tiefschürfende Erörterungen gab es nicht, da Perry sich maskieren wollte, was Zeit beanspruchte. Nach der Gefangennahme blieben sie getrennt und konnten sich schlicht nicht mehr austauschen. So oder so: da stimmt was nicht in der Erzählung und leseerfahrungsgemäß sind perryversale Autor*innen ziemlich fiese Erzählmöpp, die noch jeden Ackergaul verkauft haben. 😉

Bis hierhin weiß die Serie aber schon sehr zu gefallen – trotz meiner insb. retrotechnischen Einwürfe und manch Gemäkel im Detail. Man versteht es autor*innenübergreifend bisher, viele Anknüpfungspunkte aufzugreifen, stimmige Details, die den Älterlesenden wonnig erfreuen, zahlreich einzupflegen; gleichzeitig aber wendungsreich neues auszubreiten bzw. bis dato größtenteils anzudeuten. Weiter so! In der Mache ist es auch schon:

Ein großer Teil der Manuskripte liegt geschrieben vor, einige Romane sind bereits veröffentlicht, und mit den Exposés ist Ben Calvin Hary längst bis Band zwölf gekommen. Die Serie steht also, wobei es naturgemäß bei einer konzeptionellen Arbeit immer noch weitere Gedanken und Änderungen gibt. Nichts ist in Stein gehämmert – wir machen schließlich Science Fiction, und da kann die eine oder andere Idee schon mal eine Welt verändern.KNF auf seinem Blog: „Zwischenstand auf Atlantis“

ATLANTIS 03 – Fluchtpunkt Venus

Hallo Mitwelt!

Welch Skurrilität: mit der Hörlektüre von ATLANTIS 03 erst Tage nach Erscheinen überhaupt begonnen, um jetzt mit den Beobachtungen zum Roman früher umme Ecke zu kommen als bei beiden vorigen Beiträgen. Je später, desto früher – eine antiproportionale Beziehung – faszinierend. Damit dann auch gleich ad rem – nur mit der Vorbemerkung, dass ‚Kapitel 1‘ über die Venus von Freunden des Heftinhalts übersprungen werden kann. Da geht es nur um die Venus als Gegenstand science fictionalisierter Literatur. Am Ende auch in ihrer wechselhaften Darstellung im Perryversum, was durchweg aber nicht heftkorreliert. Auf dann…

Inhaltsverzeichnis

Die Handlung


Sascha Vennemann: „Fluchtpunkt Venus – Letzte Chance auf dem zweiten Planeten – es ist ein Wettlauf gegen die Zeit“.

Fluchtpunkt interplanetarer Raum: eine Flottille Jägern auf den Düsen scheint das Entkommen fürs Trio atlantis aussichtslos zu sein. Nicht aber für einen Risikopiloten – indem man an einem Asteroiden einen Roboter ausschleust und explodieren lässt, während man die Leka-Disk ‚totstellt‘, täuscht man erfolgreich die arglosen Verfolger. Nach Weile setzt man möglichst energiearm wie ein Gesteinsbrocken Kurs gen Venus.

Dank gehackter Codes zwar unentdeckt in die Atmosphäre abgestiegen, packt die Venuspositronik trotzdem per Traktorstrahler zu und zwingt das Fluchtfahrzeug doch in Gefangenschaft – Rowena war den Flüchtenden vorausschauend einen Schritt zuvor. Doch zwingt wiederum Perry das Schiff in den venusischen Dschungel, wo man auf Zeit dem Zugriff der Häscher entgeht. Zielpunkt: Schrottplatz, wo die LT4, der Raumer der exekutierten Informanten über Atlans Weiterleben, demontiert wird. Nach glimpflicher Safari durch die venusische Flora und Fauna gelangt das Trio hier an, trennt sich jedoch. Sichu will der Venuspositronik kurzerhand die Traktorstrahlerei abgewöhnen, derweil Perry und Caysey die LT4 raumflugtauglich machen sollen. Erneut agiert Rowena und sieht das Manöver voraus und will die ‚Verräter‘ alleine bei der LT4 stellen. Hingegen stellt sich Caysey ihr. Im Schnelldurchgang mit Kampfanzug und Waffe bekanntgemacht, liefert sie sich mit Rowena einen zünftigen Schusswechsel, während Perry als viel erfahrenerer Kämpfer das Schiff flott zu machen bemüht ist. Ihm hilft ein nur zu zufällig gegenwärtiger Roboter proaktiv dabei, Caysey kommen die zuvor schon einmal begegneten Venusrobben zur Hilfe. Nicht gegen Rowena, sondern in Sachen Sohnemann in spe. Sie erkennen das Leid der Schwangeren mit psi-empathischer Scharfsicht und verhelfen ihr inmitten eines indigenen Rituals zur versprochenen Ausheilung. Dafür wird sie unter Wasser ‚eingeschleimt‘ und hat danach heißrot brennende Haut – und hat Perry alleine gelassen. Doch ihr Entsetzen über das Im-Stich-Lassen des Freundes macht sie wett, indem sie im Schiff wütende Rowena paralysieren kann. Diese war so naiv, das Talagon mit sich herumzutragen, das ihr Perry seinerseits abnehmen kann.

Inzwischen konnte, auch weil Rowena außer Haus, Sichu in die Venusbasis vordringen und zu hacken beginnen. Als sie von Rowena instruierten Robotern gestellt wird, arkonidische Wachen und selbst ein Positronikspezialist hinzukommen, schafft sie es dennoch unter den argwöhnischen Augen der Wächter, einen großen Hack zu initiieren. Von den hauseigenen Paralysestrahlern attackiert, lässt Sichu ihre ‚Leibgarde‘ betäuben und kann zur heranfliegenden LT4 entkommen, mit der das Trio klapprig und wacklig bis auf Sprunggeschwindigkeit dorthin gelangen will, wo nach letzten Informationen Atlan weilen soll …

1. Die Venus

Die Venus. Was ist sie eigentlich und wenn ja, wie viele? Literarisch allerhand, vielbeschrieben und so verschieden ausgemalt wie nur denkbar. Folgend ein paar wenige Verweise auf die Vielfältigkeit ihrer Ausgestaltung, die sich die längste Zeit an keinerlei – nicht vorhandene – (wissenschaftliche) Fakten gehalten hat.

Vorläufer und erste große Namen

In seinem Buch Entretiens sur la Pluralité des Mondes schrieb der französische Philosoph und Wissenschaftler Bernard Le Bovier de Fontanelle 1686: »Ich kann von hier aus beschreiben, wie die Bewohner der Venus so sind; sie sehen den Mohren von Granada ähnlich; kleine schwarze Menschen, verbrannt von der Sonne, voll von Witz und Feuer, immer verliebt, Verse schreibend, versessen auf Musik, Feste feiernd und Tänze und Turniere jeden Tag.« Das war vielleicht etwas kühn, aber keinesfalls einfältig. Stiche und Grafiken um 1900 und sogar noch danach zeigen Regenwälder und Moraste, Riesenlibellen, urzeitliche Wunderlandschaften. Es war eine Phantasie voller Hoffnung, verliebt in die atemberaubende Diva, die man nur aus großer Entfernung sehen kann, im Bühnennebel. (Atemberaubend ist sie übrigens tatsächlich …)Scinexx-Dossier über die „Kaprizen einer Diva“

Das als eine Kostprobe, welcher Fantasien sich die Menschen über den Morgen- wie Abendstern erlaubten. Welch Wunderliches nicht alles unter den undurchsichtigen Wolken, die den Planeten rein optisch erst zum ‚leuchtenden Stern‘ machen, sich zutrug. Kurzum: die Venus ist seit Jahrhunderten Ort projektiver Sehnsüchte und Wünsche, was anderswo nicht alles Dys-/Utopisches möglich wäre. Folgend ein paar – autorselektive – Verweise auf gedankenexperimentelle Spielarten ‚venusischer Literatur‘.

Da wäre zu erwähnen der posthum fünfbändige Amtor-Zyklus des Autors Edgar Rice Burroughs. Seines Griffels niemand Geringeres als der Ersinner von Tarzan, der allerdings als Multigenresassa sich auch um die Science Fiction verdient gemacht hat. Vielleicht mehr Fiction als Science, denn die Geschichten auf dem Mars oder hier der Venus, die von ihren recht rustikalen Bewohnern „Amtor“ genannt wird, sind eher tarzanische Verlagerungen aus dem irdischen Dschungel in fremdartigere Welten. Es geht faustisch einher, aber nicht wie bei „Faust“, sondern mit selbigen. Der erste Band der Tetralogie erschien bereits 1932, rund 35 Jahre vor nennenswerten Ein-Sichten in venusische Verhältnisse. Die Venus ist, nach meiner Lesart, hier funktional alleinig exotische Kulisse, um noch Außergewöhnlicheres erzählen zu können als bei Tarzan möglich.

Etwa ein Jahrzehnt später, 1943, hat ein gewisser C. S. Lewis, berühmt für seine Welt jenseits des Schrankes Narnia, sich auch an Science Fiction versucht. Im Gegensatz übrigens zu seinem guten Kollegen, einem J.R.R. Tolkien – falls mal gehört, der auch mal SF schreiben sollte, es aber letztlich sein ließ. Lewis seinerseits verfasste gar eine Trilogie, die nach dem zweiten Band Perelandra betitelt ist. Charakterisiert als „Fiction ohne Science“, auch hier die extraterrestrische Verlagerung der Erzählung vielmehr nur narrative Freiräume schaffen sollte. Es wird klarer, wenn in knapp die Venus veranschaulicht wird: Als der Philologe Elwin Ransom auf der Venus

[…] ankommt, entdeckt er ein Meeresparadies. Den süßwasserhaltigen Ozean bewohnen ungewöhnliche Meerestiere und bunte Vegetationsinseln schwimmen auf der Wasseroberfläche. Auf den Inseln gedeihen viele Pflanzenarten und es leben auch Tiere auf den Inseln. Der Himmel ist golden und sehr hell, doch es ist tagsüber keine Sonne und nachts kein Stern zu sehen. Die Venus hat kein großes Festland, sondern besteht nur aus umher schwimmenden Inseln. Im Verlauf erfährt Ransom nur von einem festen Berg, der auf der Insel existiert.Zusammenfassung auf der C. S. Lewis-Homepage

Perelandra, wie ihre BewohnerInnen die Venus nennen, ist „noch eine Art Garten Eden“, ein Ort der Unschuld, in die hinein Ransoms garstiger Gegenspieler bricht wie die Schlange am tückischen Apfelbaum der Erkenntnis. Lewis verhandelt in der Trilogie und speziell im Mittelroman christliche Themen und Motive, wie sie auch in anderem Gewand bereits in „Narnia“ erzählumwoben worden sind.

Vielerlei Gedankenauswüchse eines wahren venusischen Zoos hat Wiki gesammelt.

Der Morgenstern – Die Venus des Osten

Für mich sehr prägend, weil Jugendlektüre war hingegen ein ‚Ostblock-Blick‘ auf die Venus, für Mitlesende im Blog wenig verwunderlich von Stanislaw Lem: „Die Astronauten“ aka „Planet des Todes“ – auf Polnisch als „Astronauci“ 1951 veröffentlicht, als noch niemand von Astronauten sprach, dabei vielmehr an die Argonauten dachte. Erstmals 1954 ins Deutsche übersetzt. Eine Zeit also, bevor der Space Race zwischen den Blöcken begonnen hatte, ja sogar noch Jahre bevor auch nur berühmter Sputnik als erster seiner Art das Tor zum Weltraum aufstieß. Man konnte nichts über den Weltraum oder die Venus wissen, was nicht von astronomischen Fernrohren und Teleskopen von der Erde aus eingefangen worden wäre.

Ein längeres Zitat aus dem Roman, um zu verdeutlichen, wie Lems Vorstellung der Venus in den Worten des Ich-Erzählers geronnen ist und zur Anschauung wurde:

Ich weiß, daß es mir nie gelingen wird, das Bild wiederzugeben, das ich erblickte. Ich kann wohl seine Einzelheiten beschreiben, vermag aber nicht, jenen seltsamen, überall vorherrschenden Grundton der Farben in Worten auszudrücken. Diese Tönung war die Ursache, daß man sofort das Gefühl hatte, nicht auf der Erde zu sein. Träge trieben die Wolken dahin; es waren nicht die leichten, flaumigen Zirruswolken der Erde, sondern ein glatter, milchweißer Vorhang, der das ganze Firmament verhüllte. Von grellem Licht beschienen, breitete sich eine Landschaft flacher Hügel und Mulden aus. Sie war trocken, ohne jeden Pflanzenwuchs, von tiefschokoladenbrauner Farbe, die nur hier und da von etwas helleren Flecken unterbrochen wurde. Ungefähr siebzig Meter hinter dem Schwanz des Flugzeuges begann der »Tote Wald«. Die Schwelle, die ihn gegen die Ebene abgrenzte, war so hoch, daß nur die wirren, im zurückgeworfenen Licht blitzenden »Baumkronen« darüber hinausragten.
[…]
Ich betrachtete noch einmal die eigentümliche braune Landschaft, nun aber mit anderen Augen als vorher. Etwas Beunruhigendes lag in ihr, etwas, was ich vorher gar nicht bemerkt hatte. Sie erinnerte – ja, womit konnte man sie eigentlich vergleichen? Auf einmal wußte ich es: Die ganze Gegend sah unwirklich, unnatürlich, wie eine riesige Theaterdekoration aus. Und das war es, was mich beunruhigte: die ungeheuren Ausmaße dieser starren, toten Landschaft, diese Hunderte Quadratkilometer von Bakelit, oder was es sonst sein mochte – irgendeine künstliche, plastische Masse, die auf der Erde als Material für Telefone und Füllfederhalter dient! In dieser Vorstellung lag etwas Groteskes und zugleich Unheimliches.
[…]
Es war nicht einmal Furcht, was mich dazu veranlaßte, sondern das Gefühl der Fremdheit, das mich plötzlich mit aller Macht gepackt hatte. Fremd war dieser tief herabhängende, weiße Himmel, der trotz Wolken einen ungeheuer starken Glanz ausstrahlte, fremd die Stille der Luft, fremd die flachgebuckelte Ebene, auf deren Boden die Stiefeltritte ein sonderbar trockenes, hartes Poltern hervorriefen …Stanislaw Lem: Die Astronauten / Der Planet des Todes – Kapitel: „Der Pilot“

Der besagte „tote Wald“ erhält auch noch seine eindrücklich-anschauliche Beschreibung in den irdischen Metaphern erstarrter Kristalle und kristallisierter verformter Formationen. Auch im Weiteren bleibt alles trostlos, trist, verblichen, vergangen, tot. Eben ein Planet des Todes, wie die deutsche Erstübersetzung inhaltlich vorauseilend, aber zutreffend betitelte. Was lebte, ist gestorben; was blühte, verblüht. Ferner einem Paradies kann diese Venus kaum sein!

Ein Land weiter hatten die berühmten Brüder Strugatzki 1959 – acht Jahre nach Lem also – ihren SF-Erstling veröffentlicht, der noch der Hard SF zuzurechnen ist. Im Gegensatz zu Lems Einzelroman begründete es jedoch den Anbeginn der Future History der sog. Welt des Mittag: Atomvulkan Golkonda. Unter ganz anderen Voraussetzungen fliegen auch hier Astronauten gen Venus, die sie auch betreten. Am Anfang vom dritten Teil heißt es zur Venus-Landschaft u.a.:

Sumpf auf der Venus … Einfach absurd! Absurder als Palmenhaine auf dem Mond oder Kuhherden auf den kahlen Piks der Asteroiden. Dichter Nebel statt glühenden Himmels, zäher Schlamm statt brennend heißen, trockenen Sandes! Das widersprach ganz und gar den althergebrachten Vorstellungen von der Venus und komplizierte die Lage der Expedition außerordentlich; denn es war eine Überraschung, und nichts kann einem ernsten Vorhaben mehr schaden als Überraschungen.
[…]
Dichtes gelbliches Halbdunkel umhüllte sie, der Morast zu ihren Füßen schimmerte fettig. Sie sahen nur einige Meter weit, hörten dafür aber umso mehr. Das Moor gab seltsame Laute von sich. Es seufzte in allen Tonarten, prustete, schmatzte, stöhnte. Aus der Ferne drangen dumpfes Gebrüll und ein langgezogenes helles Pfeifen herüber. Sicherlich erzeugte das Moor selbst alle diese Geräusche, doch Bykow musste plötzlich an phantastische Wesen denken, die sich im Nebel verborgen hielten, und eilig tastete er nach den Granaten hinter seinem Gürtel. Atomvulkan Golkonda – Dritter Teil „An den Ufern der Urangolkonda“, „Im Sumpf“

Einige Seiten später (die im epub nicht anzugeben sind):

Mit zunehmender Entfernung vom Sumpf hatte sich die Feuchtigkeit der Atmosphäre stark verringert; sie war fast bis zum Nullwert herabgesunken. Der Gehalt an radioaktiven Edelgas-Isotopen, an Kohlenmonoxid und Sauerstoff hatte zugenommen, die Temperatur schwankte zwischen fünfundsiebzig und hundert Grad. Zur allgemeinen Überraschung und zu Jurkowskis Freude fand das Express-Labor in der Atmosphäre Spuren von lebendem Protoplasma; irgendwelche Mikroorganismen, Bakterien oder Viren, lebten sogar in dieser trockenen, glühenden Luft.Ebenda

Und so geht es weiter in einer unwirklich rauen, urtümlichen, aber eben doch belebten Welt, wenn auch sie alles nur nicht paradiesisch blüht und sprießt. Weiteres zum faszinierenden Roman aus einer präastronautischen Zeit beim Golkonda Verlag – Wieso der nur so heißt?;-) -, wo eine vollständige Übersetzung samt bereichernder Kommentare, Nachworte und Anmerkungen erschienen ist!

Warum auch immer, in jedem Fall war die Venus im ehemaligen Ostblock alles nur nicht vom Liebreiz einer verführerischen Göttin; verlockte auch nicht olympisch oder paradiesisch, sondern war Ort für kameradschaftliche Genossen, die mit wissenschaftlicher Expertise zusammenhielten.

Die Venus perryversal – Dschungel oder realistisch

Die Anfangszeit der Perry Rhodan-Serie war stark venusische geprägt, rund ein Fünftel des ersten Viertelhunderts fand auf ihrem Boden statt. Nach Heften diese:

Hiernach flachte sich das Pacing ab und es gab nur noch seltene Stippvisiten gen Venus – die Galaxis rief und sodann das Universum, das es zu erben galt.

Der ATLANTIS-Kommentar verhandelt die innerserielle Entwicklung im Kontrast zur Realität. Hierauf war in Erstauflagen-Heftroman 3040 im Report bereits Dr. Rainer Nagel eingegangen. Im Gegensatz zu vielen anderen hat es dieser Text nicht auch auf die Homepage geschafft. Daher die Kernaussage daraus: „Kein Planet unseres Sonnensystems unterscheidet sich in der PERRY RHODAN-Serie so stark von seinem realweltlichen Vorbild wie die Venus – und bei keinem anderen gibt es so viele Widersprüche in der Darstellung.“ Anfangs die in obig gelinkten Heftromanen geschilderte und so doch vermeintlich kanonisch fix geschilderte dampfende Dschungelwelt, von evolutionär kämpfenden Riesenleben überzahlreich bevölkert. Ein einzig Abenteuer, dort zu bestehen und heil von A nach B zu gelangen. Dennoch erste Siedlung terranischer Kolonisten! Nur die Harten kommen in den Venus-Garten. Diese venusischen Fantasien gingen jedoch astronomischen Erkenntnissen (s.u.) um Jahre voraus und um Dimensionen an ihnen vorbei;-) Sobald sich realweltliche Einsichten ansammelten, gab es sachte Versuche der intradiegetischen Korrekturen: entweder umschiffte man die Venus gleich ganz; man ließ dort zwar Handlung stattfinden, aber doch nur generisch in eh sterilen Gebäuden ohne Schilderungen von venusischer Umwelt; oder man korrigierte dann und wann die Verhältnisse vor Ort hin zu realen Gegebenheiten, um dann jedoch zurück zu den Wurzeln zu gehen. Hinter wissenschaftlicher Erkenntnis herzulaufen, machte jedwede Erzählungen nachhaltig zunichte, weshalb man sich solche Verbiegungen möglichst ersparte und die Venus wieder den hitzedampfenden Dschungel sein ließ, wie er eingeführt worden ist. Eben hier gründete sich dann bspw. Das Venus-Team in Nr. 3030, wo ein gurkenartig anmutender Swoon beinahe in einer fleischfressenden Pflanze verschwindet und vieles mehr …

Die Venus – ein ferner Zwilling

Und diesseits unserer Realität, die nachweislich unparadiesisch ist? Da hatten zwar die Amerikaner zuerst Sonden zur Venus geschickt, diese aber nur von außen beäugen lassen. Die Sowjets waren – zu der Zeit üblich – fortschrittlicher. Im Rahmen ihres Venera-Program gab es zunächst zwar einige Fehlschläge – erst gar nicht gestartete, vorzeitig explodierte oder falsch abgebogene Sonden. Dann aber folgte der größte Erfolg, Venera 4 von 1967 konnte bis in die Atmosphäre vorstoßen und den größten Teil der vorausberechneten Zeit Daten sammeln, bevor die unerwartete Hitze und atmosphärische Dichte die Sonde zermalmten. Seither ist jedoch klar – 16 Jahre nach Lems und 8 Jahre nach Roman der Strugatzkis -, dass es kein (erdenartiges) Leben auf der Venus geben kann. Das Ende aller lebhaften Fantasien und Hoffnungen auf einen gleichartig belebten Zwillingsplaneten.

Und aktueller? Da verweise ich erneut auf das Scinexx-Dossier, auch wenn das schon 17 Jahre alt von 2005 ist, entstanden rund um die Erkundungen von Venus Express, die im November 2005 zum „Zwilling“ aufbrach. Dessen Ergebnisse haben das Bild seither freilich abgerundet, die angesprochenen Fragen im Dossier und der bis dato Stand des Wissens sind als Ausgangspunkt weiterhin lesenswert. Zeitweise gab es Diskussionen, ob es in den reichlichst vorhandenen Wolken der Leben etwa Leben, doch wenigstens lebensbefähigende Moleküle geben könnte. Tendenziell nein. Das wird umso wahrscheinlicher, wenn man sich die jüngste Forschung zur Planetengöttin anschaut, Scinexx berichtete: anhand von Numerischer Astronomie, also mittels Computersimulationen konnte man ziemlich sicher feststellen, dass die Venus niemals, nicht einmal ganz am Anfang ihrer Karriere lebensfreundliche Verhältnisse hatte (ausbilden können). Dass solche ohnedies dann irgendwann in einem lebensmörderischen Treibhauseffekt ohne Ende gekippt sind, war klar. Aber auch in eventuell kühlen Vorzeiten gab es keine Chance. Was vermutlich für die Erde entscheidend war, um den Weg des Lebens vorbereiten zu können, war für die Venus schon zu viel: zu viel Sonneneinstrahlung. Diese gestattete es nicht, dass sich anfänglicher (Höllen)Dampf zu flüssigen Wasser kondensierte:

Deshalb setzt die Modellierung direkt nach der Planetenbildung an: „Wir simulieren das Klima auf Erde und Venus ab dem Beginn ihrer Entwicklung, als ihre Oberfläche vor mehr als vier Milliarden Jahren noch glutflüssig war“, erklärt Turbet. „Bei diesen hohen Temperaturen lag das gesamte Wasser als Dampf vor – wie in einem gigantischen Dampfkochtopf.“ Unter welchen Bedingungen der Wasserdampf dann nach dieser Magmaozean-Phase auskondensiert und abregnet, haben er und sein Team in der Simulation nachvollzogen.
Das Ergebnis: Damit die Atmosphäre eines jungen Planeten genügend abkühlt, um Wasser kondensieren zu lassen, darf die Sonneneinstrahlung eine bestimmte Schwelle nicht überschreiten. Bei der jungen Venus waren dies 325 Watt pro Quadratmeter, bei der Erde 312,5 Watt pro Quadratmeter – dies entspricht etwa 92 Prozent der heutigen Sonneneinstrahlung.
Liegt die Einstrahlung unter dieser Schwelle, können sich Wolken auf der Tagseite des Planeten bilden. „Diese Wolken lassen die Albedo abrupt in die Höhe schnellen und bewirken eine Abkühlung der Atmosphäre, durch die Wasserdampf auf der Oberfläche auskondensiert und sich schließlich Ozeane bilden“, erklären die Forscher. Bei der jungen Erde war dies der Fall: Sie lag weit genug außen, um die Sonneneinstrahlung unter den Schwellenwert zu senken – und entwickelte daher flüssiges Wasser und Ozeane.Scienexx „Venus: Dampfhölle statt zweite Erde?“

Dunst und Dampf ja, wie es die perryversalen Venusdschungel üppig ausmacht; real dann nur ohne Dschungel und nirgends mit flüssigem Wasser, in dem bspw. Venusrobben schwimmen und gedeihen könnten…

2. Nostalgie, aber anders


Das ist das erste Heft der Miniserie, das sich mit seinem Titel nicht unüberlesbar an alte Schinken anlehnt und sie so motivisch aufgreift. Zwar gerät immerhin Perry nicht erneut in den Würgegriff einer Baumechse, stürzt nicht mit seinen beiden Begleiterinnen nach Jahrtausenden schon wieder ins Meer, trifft allerdings auch nicht auf nur einen Venus-Dinosaurier; in vegetarischen Zeiten gibt es nicht einmal lecker Dackelschwein 😀 Man muss beinahe unterstellen: es ist nichts passiert 😛

Davon ab, flicht Sascha aber sehr schön einige Must Writes/Reads ein, die einfach zu einem guten Besuch der Venus dazugehören. Dass wiedermal die Venuspositronik ‚ihre Hände ausstreckt‘ und das Schiff – diesmal eine arkonidische Leka-Disk – per Traktorstrahl einfängt, ist von Heft 8 an Brauchgut. Wenigstens hat sie nicht sofort geschossen, wie es in den benannten 20er Heften mehrfach der Fall gewesen war und die raumtüchtigen Fahrzeuge nur so wie Sternschnuppen auf die Venus hinabfielen. Und dass man sich auf der Venus nicht zivilisiert über Straßen bewegt, wie es selbst die Römer doch schon konnten, sondern nach ungewollter Landung zunächst einmal möglichst ohne zu viele dafür vorgesehene Hilfsmittel quer durch den Dschungel, macht den Trip aus. Manche buchen extra ein Survival, Perry fliegt zur Venus;-) Dabei ist ihm und seinen Gefährtinnen die Tierwelt so tödlich nicht zugetan. Das läuft dann doch reichlich glimpflich ab. Selbst Träumerli Caysey überlebt Unachtsamkeiten wie die fleischfressenden Ameisen (die damals sogar 6 statt 10.000 Jahre später nur noch 5 cm riesig waren). Und das Vier-Etagen-Ökosystem der Venus erleiden wir zwar nicht face-to-face, aber Perry erzählt Caysey anschaulich von allen Übeln, die drohen. Als wäre sie nicht überfordert genug.

3. A’lu’la – Psibegabte unter sich


Merke: wenn etwas mit gewisser Auffälligkeit sich in die Aufmerksamkeit der Lesenden schreibt, dann nicht ohne Grund. Dass die VenuswanderInnen neben allem ungeheuren Ungetüm auch auf die „Venus-Robben“, wie Perry sie zeitlich inkorrekt benennt, treffen, ist ein Vorzeichen. Vor allem, dass sie dem mit Gesängen aufgeladenen Geburtsritual beiwohnen dürfen. Die „Robben“ ihrerseits nehmen es auch locker hin, als hätten sie hier schon erspürt, was diese eine Zweibeinerin mit sich herumträgt.

Inmitten ihres ersten Duells überhaupt und dann gleich auch noch mit sternengöttlicher Ausrüstung wie eine sagenhafte Heldin wird Caysey von den Robben weggelenkt. Diese flanieren des Weges, als schößen da nicht en masse hochenergetische Ladungen hin und her. Richtiggehend aufdringlich und ohne Widerrede zuzulassen, drängen die Robben Caysey förmlich mitzukommen. Dank einer vergangenheitlich eingesetzten zukünftigen Fortentwicklung eines Cerebral-Analysators, wie er in Heft8 erstmals zum Einsatz gekommen sein wird, ist die Kommunikation zwischen intelligenten VenusianerInnen und den Lemuroiden durchweg einwandfrei möglich. Und Caysey hört nicht nur deren Worte, sondern hört auch auf sie. Möglicherweise noch verstärkt und vertieft durch die psi-empathischen Talente, die sie Urvertrauen lassen. Wie in einem Sog wird sie mitgerissen, vergisst Aufgabe und Freunde, um eine zweite Chance zur Ausheilung ihres Künftigen wahrnehmen zu können. Motivation sonnenklar und affektiv empathisch nur zu nachfühlbar.

Folgend gewiss etwas streng geurteilt angesichts eines auf 12 Bände komprimierten Mini-Ablegers einer Unterhaltungsserie, aber: zutiefst beeindruckt und geprägt von Kim Stanley Robinsons Meisterwerk „Aurora“, bin ich Hard SF gestählt voller Zweifel über Cayseys Involviertheit in das Ritual. Angepasst für Lebewesen in der Art von Delfinen – Lungenatmer, aber größtenteils aquatisch beheimatet -, ausgeformt von Produkten einer venusischen Evolution und auf hiesige Bedürfnisse abgestimmt, ist es für mich nahe Wahnsinn, sich darauf einzulassen. Andersherum es Fremdwesen anzubieten, es ihnen nahezu aufzudrängen. Zwar scheint es – der Handlung willen – geklappt zu haben, fühlt Caysey erste Veränderungen in ihrem Körper. Aber dass sie nur ein wenig rote, heiße, brennende, schmerzhafte Haut davon getragen hat, obwohl sie körperweit mit einer auf totale Fremdorganismen abgestimmten Substanz eingedeckt, ja eingeschleimt war, ist … unrealistisch. An was man nicht alles auf Erden zugrunde gehen kann, obwohl es durch ein- und dieselbe Evolution hervorgebracht worden ist, Anpassungen möglich waren, um sich doch als inkompatibel zu erweisen. Und hier hat es zwar ein paar oberflächlich unangenehme, ja zum Weinen schmerzhafte Auswirkungen, um dann jedoch – so scheint es und ist es verheißen worden -, ein gendefektes Kind bis in die Grundfesten des Fremdwesen-Organismus auszuheilen? Eine schöne Geschichte von interplanetarer Solidarität, Freundschaft (A’lula) und nächstliebender Kooperation. In diesen Zeiten nur zu lesenswert! Aber schon ziemlich Münchhausen-esk, was beim noch so empathischen Wollen das biologische Vermögen angeht:-)

Fun Fact: erst letztes Jahr ist rund ums 60-Jahre-Jubiläum ein 6-teiliger Heftkurzroman-Zyklus erschienen: Galacto City, benannt nach der ersten Namensgebung DER STADT Terras schlechthin, die später Terrania geheißen wurde. Und in Galacto City 3 „Endstation Venus“ waren wir nicht nur stippvisitierend auf der Venus, lernten eine Venusrobbe sogar namhaft kennen; nein, hier lasen wir erstmals von „a’lu’la“ als Ausdruck für Freund*in. Kaum eingeführt, auch schon zweitverwendet. Lobe das!

4. Caysey, die keine Grenzsituationen kennt


Caysey Heldinreise, auf die sie sich – uneingeladen – begeben hat, war hier schon öfters Thema. Sie macht die größte, krasseste individuelle Weitsprunginnovation durch. Doch erlebt sie all das Bisherige nicht als existentiell zumutende Grenzsituation, vielmehr eine nicht abreißende Kette von „Grenzsituationen“. Nein, sie nimmt das Fremdneue allergrößtenteils hin, spürt sich urvertrauend in Perry und Sichu ein, deren Weg sie sich selbstentschieden anschließt. Schon bisher, in den ersten beiden Romanen hat sie die anpassende Entwicklung mehrerer Generationen im Zeitraffer durchlaufen, soghaft mitgerissen durch die unwiderstehliche Handlung hinaus aus ihrer bisherigen Lebenswelt!

Dieser Roman toppt all das jedoch noch um mehrere Potenzen: Erster Flug bis jenseits des Planeten, hinein in die unendliche Schwärze welträumlicher Nacht; derweil gehetzt und gejagt, in steter Todesangst, eingepfercht in eine Blechbüchse von Kleinraumer. Kaum überlebt, steigt sie wie zuvor nur Sternengötter auf einen fremden Planeten hinab, auch das nur gerade so zu überleben,; hineingeworfen in die Dampfhölle wildwüster Flora und Fauna. Naiv meint sie, dass sie sich ja in unberührter Wildnis auskenne, um nur knappestmöglichst mehrfachen Tod zu entgehen, der grausam geraten wäre.

Daraufhin Bootcamp in Kampfschulung, Umgang mit der (Betäubungs-)Waffe und der Verpflichtung, sie auch gegen eine – bekannte, als nicht grundböse erspürte – Person ins Feld zu führen. Keine graue Theorie, sondern vorbereitungsloser Konflikt – für Caysey auch noch um Leben und Tod, denn Rowena schießt – so klingt es – gnadenlos scharf! Dann hineingezogen in obiges Heilungsritual, an dem sie durch anhaltende Schmerzen leidet. Hinzu Komplexe, den Freund alleine gelassen zu haben, selbst als sie ihn im genau richtigen Augenblick doch noch retten und alle Versäumnisse wettmachen kann. Sodann Flucht in etwas, was nur sie vor Wochen als unbesiegbares Monstrum von einem Sternengottschiff verklärt hätte, sich jetzt als unzuverlässig anmutende Schrottlaube erweist.

Mir wäre es – frei zugegeben – der Krisen, Katastrophen, Welterschütterungen, Metamorphosen, alltagsweltlichen Einbrüchen und Schicksalsschlägen aller Art zu viele. Ich wäre da mutmaßlich längst in passivierte Überforderung versunken, in der ich kaum zielgerichteter Reaktion fähig wäre. Caysey reagiert größtenteils zwar ihrerseits auch nur, gestaltet noch nicht selber proaktiv, muss sich ihren Minimal-Entwurf im Geworfensein Akt für Akt schwer erarbeiten. Aber sie ist mittendrin statt nur dabei, bleibt dabei, ist hellwach, aufmerksam, anpassungs- und wandlungsfähig innerhalb kürzester Zeit. Währenddessen sie im eigentlichen Sinne noch nichts versteht, sich quasi nichts erklären kann, nur akzeptierend hinnimmt, um es dann aber produktiv anzugehen. RESPEKT! Ein Traum von einer Handlungsträgerin, die ALLES mitmachen kann, was man sich geballt an autorheitlichem Schicksal nur ausdenken kann. Verantwortlicher Autor dieses dritten Aktes charakterisiert die Heldin wider Willen inmitten ihres ersten Kampfes so:

Ich denke, Caysey macht durch ihre Beherztheit und ihren etwas naiven Mut einiges wett. Sie reagiert intuitiv – und damit anders, als eine geübte Kämpferin wie Rowena es vielleicht erwartet. Dadurch ergeben sich für sie ungeahnte Chancen.Sascha Vennemann im PROC-Interview – s.u.

5. Rowena, die kein Konsequenzglück hat

Inmitten dieses Kampfes. Bis es dazu kommt, hat Rowena, die große Gegenspielerin, augenscheinlich alles erdenklich richtig gemacht:

  1. Sie hat den „Fluchtpunkt Venus“, den sie Larsa nennt, vorhergeahnt oder dank Extrasinn strategisch richtig vorherberechnet. Daher war sie schon längst zugegen, als das Trio einfliegt; hatte da längst die Larsapositronik präzise instruiert und den abgreifenden Traktorstrahl programmiert!
  2. Sie hat, als dieser Zugriff dennoch fehlgreift, trotzdem noch besonnen die Sinne beisammen, das Herz der Kolonie nicht unbewacht, vielmehr Roboter für den unwahrscheinlich anmutenden Fall zurückzulassen, dass die Larsapositronik Ziel des Trios wird.

Von da an macht sie jedoch fundamentale Fehler, die nur dumm sind:

  1. Vorneweg hatte sie es ohnehin schon auf eine Ein-Frau-Mission komprimiert, den lokalen Tato ziemlich kleingemacht und dann noch vergrault. Bereitwillige Hilfe von berufenen Stellen hat sie sich verwehrt.
  2. Noch schlimmer als das jedoch, dass sie ALLEINE, bewaffnet mit bloß einem Strahlerchen, aufbricht, um sich DREI GEGNERN gleichzeitig zu stellen. Zumindest MUSS sie das annehmen, das Trio gemeinsam anzutreffen, das sich dann geschlossen gegen sie alleine stellen würde.
  3. Selbst wenn sie intuitiv richtig die Aufspaltung der Gruppe angenommen und deshalb die Robotwachen zurückgelassen hat, musste sie von einem Missverhältnis, einem klaren Mismatch von Zwei-gegen-Eins ausgehen, zu ihren Ungunsten. Ein Double-Team ist schon im Basketball nichts, worauf man es anlegen möchte, nicht einmal als ein Kevin Durant. Dass sich Rowena mutwillig in diese Unterlegenheit manövriert, ist echt nur dumm!
  4. Selbst wenn sie Caysey – ZU UNRECHT! – als Gegnerin unterschätzt, ja für irrelevant verachtet, hätte sie es gegen Perry oder Sichu zu tun bekommen. Wieso sie da automatische Überlegenheit annimmt, bleibt schleierhaft. Sie hätte ja ohnedies jederzeit truppenweise Soldaten mitnehmen können, den eh abseitigen Schrottplatz umstellen lassen können; wenigstens technische Hilfsmittel vor Ort mitnehmen können, um eine Rundumüberwachung zu gewährleisten, damit niemand entkommt. Usw. Usf. Aber nein, Madame macht auf Einsame Wölfin, die alles in One-Woman-Show per Sheroe-Weapon alleine regelt. Was hat ihr Logiksektor extrasinniert dazu wohl gesagt? Doof? Irre? Dumm? Mindestens aber mal: unnötig! Nicht zielführend. Viel zu schlupflöchrig.

    ABER: das ist egal. VIEL VIEL VIEL interessanter ist, was sie zu beiläufig über Atlan denkt / sagt:

    • Es klingt zunächst so, sicherlich absichtlich ungenau geäußert, als wäre die Propaganda über Atlans Tod von diesem initiiert, mit diesem verabredet, in dessen Sinne.
    • Zumindest deute ich es nur so angehörs zweiter Anmerkung, demnach SIE SICH MIT ATLAN in Verbindung setze(n wolle). Das setzt Können voraus, was das Wissen impliziert, wo er sich aufhält!

    Das wäre ja mal eine Wendung sondergleichen. Eigentlich abzusehen, wo die teasernden Worte zu Rowena sie nie als wirkliche Feindin aufgebaut haben und Caysey ja selbst Gegnerschaft in Abrede gestellt hat. Rowena, die nicht wider Atlan dessen Tod behauptet, propagiert und inszeniert, um hinter seinem Rücken gegen seine Person zu intrigieren, konspirieren und sonstiges -ieren. Nein, diesen hingeworfenen Worten nach KÖNNTE sie in seinen Diensten, für ihn, zu seinen Gunsten so handeln, wie sie handelt. Sein etwaiger Plan, sich ‚tot zu stellen‘, als Opfer des Methankrieges zu erscheinen, um…??? Ja um was? Weshalb? Weswegen? Gegen wen ein solches Manöver gerichtet? Wen gilt es derart zu täuschen? Und wieso all das am Ende des Imperiums, abseits allen imperialen Glanzes?

    FALLS hieran was dran sein sollte: Wieso setzt Atlan dann auf eine ehemalige Usurpatorenhelferin, eine aus dem Dienste seines ärgsten aller Feinde (bis dahin)? Erklären könnte eine solche Wendung, wieso Atlan – soweit wir aka Perry wissen – stets dem atlantischen Tato vertraut hat, obwohl er doch für Perry und uns augenscheinlich der Anti-Atlan-Verschwörung anhängt. Er hängt ihr nicht an, weil es sie gar nicht gibt. Oder nur insofern, als dass Atlan sie hat inszenieren lassen. Die Zerstörung des Talagon dann auch in seinem Auftrag? Sollte es Rowena für ihn entsorgen, während er scheinbar gefallen ist? Hat sie deshalb sogleich scharf auf ihn geschossen, weil sie ihn als doppelgängigen Feind verkannt hat, als sie in der zukünftigen Unterseekuppel auf ihn traf? Als wäre die Scharade eines toten Atlans durch die nebulösen Gegenspielenden durchschaut worden, um sie mit einem Atlan-Double zu falschen Handlungen zu verlocken?

    FALLS all das: Wie verschachtelt ist dieses Spiel vielfacher Böden denn dann bitte? Denn sonst irgendjemand muss den Zeittransmitter installiert, justiert und sonstwas haben, damit er just in eine Zeit geht, wenn just ein Atlan zugegen ist, um nichts anderes als solche Verwicklungen hervorzurufen. Oder selbst falls unintendierte Zufallskette zum Unguten, dass Atlan über den Haufen geschossen wurde, statt bspw. mit Charisma auf Rowena einreden zu können, muss die Zeitjustierung dennoch geplant gewesen sein. Nur sowas kann kaum wer weit und breit. Da sind schon Leute am Werke und Wirken, die über Mittel und Wege verfügen, die die übliche Raumzeit sprengen. Und dann noch dieser merkwürdige Roboter an Perrys Seite und mit erwachter Maschinenintelligenz ihm zu Hilfe… Faszinierend!

    6. Sichu, die Black-Hat-Haeckse


    Im vorigen Roman offiziell gar keine aufgeführte Hauptperson, demnach also nur dabei statt mittendrin. Nunmehr ist Sichu aber integraler Bestandteil des Trio und erweist sich als Ein-Frau-Spezialeinsatzteam zur besonderen Verwendung. Nicht nur verkopfte Chefwissenschaftlerin, die theoretisiert, wenn sie nicht experimentiert, was sie nur kann, wenn sie nicht theoretisiert. Kein leben in Laboratorien ohne Außenkontakt in die freie Wildbahn. Kaum von der Leine gelassen, erweist sich Sichu kurzerhand und geschickt als Black-HatHaeckse, die nichts Geringeres als die Larsapositronik leichthändig zu hacken versteht. Bloß 13.000 Jahre in die Vergangenheit geschleudert? Eine endlose Anzahl ungezählter Quanten-Weitsprung-Innovationen in Sachen ‚Computertechnik‘ Hard- wie Software-seits seither? Kein Problem für Super-Haeckse! Als Technozauberin vermag sie, selbst wenn man ihr dabei gestreng auf die Finger schaut, mit fliegenden Fingern hausinterne Waffen gegen das arkonidische Personal zu richten. Damit rechnete ich so gar nicht, allerdings auch weil ich es für … schwerlich möglich hielt. Wenn sie es noch geschafft hätte, nicht selber angeschossen zu werden, sondern als ‚gesondert‘ separiert zu werden, müsste man ihr den GPC-Preis auf Lebenszeit und für ihr Lebenswerk aushändigen (Galactic Positronic Club).

    So stark ich Sichu hier inszeniert und gut finde, dass sie so auftrumpfen kann, so dennoch hinterfragende Kritik: KANN DAS SEIN? Bloß mit einem, dafür nimmer abgestimmten Kombi-Armband ausgerüstet, kann sie letztlich problemlos eine 13.000 Jahre alte, VERALTETE Technik infiltrieren, Code umschreiben, eben einen Black-Hat-Hack systemkapernd durchführen? Hier wird es so herbeigeschrieben, als wäre neuere Technik/Software der älteren überlegen, wären es 13.000 Jahre Entwicklungszeit geradlinig zum Vortrefflicheren verlaufen. Das kann ich inmitten jetziger digitalisierter Lebenswelt so nicht nachempfinden – gelinde gesagt. Hier gibt es schon schwer überwindbare Kompatibilitätsprobleme, wollte man nur alten Internet Explorer 11 statt EDGE zum Browsen anwenden, schlicht weil zunehmend Webseiten auf für IE11 inkompatible Features, Gimmicks und Quellcode zurückgreifen. Innerhalb teils weniger Jahre, weniger Jahrzehnte ist derart viel ausrangiert worden, zurückgeblieben im Nirvana der Codes, dass ich es gerne gelesen habe, aber null und nichtig glauben kann, dass man da so mir nichts, dir nichts kompatibilisieren kann mit wenigsten Klicks. Ja sicher, es gibt ‚Software-Brücken‘ zwischen bspw. Windows und Apfel, kann man auch heute noch von WIN10 auf XP zurückgreifen. Aber wieso hat Sichu all solche Add-ons auf einem Armband-Gerät, das in der fernen Zukunft niemals für einen Zeitreisetrip zusammengeappt worden ist?

    7. Der Neue, der es schon konnte


    Sascha stand vor einer besonders schwierigen Aufgabe, weil er sich ja in ein, aus seiner Sicht vielleicht nicht komplett neues, aber immerhin unvertrautes Universum einarbeiten musste. Als PR-Autor musst du vieles wissen, was dir als Nur-Leser vielleicht gar nicht bewusst ist – das gaht bei bestimmten, technisch bedingten Satz-Besonderheiten in deiner Manuskriptdatei los und endet bei Fragen wie »welche Farbe hat ein Thermostrahl, und wenn ja, wie viele?« Außerdem musste er mein üblicherweise hyperkritisches Feedback ertragen. Dafür, finde ich, hat er sich wacker geschlagen.PROC-Interview mit BCH zu Band 01

    Das findet auch Thezakteur KNF, der auf seinem Blog die Herausforderung betont, „die nicht ganz so einfach ist“, die Venus perryversal und somit in starker Abweichung realer Kenntnisse zu schildern:

    Es ist der dritte Roman unserer aktuellen Miniserie, und es ist der erste Roman, den der Kollege bei einer unserer Serien veröffentlicht: »Fluchtpunkt Venus« erscheint in dieser Woche, er stammt von Sascha Vennemann, und mir hat die Zusammenarbeit mit dem Autor sehr gut gefallen. KNF

    Nicht komplett neu war für SV das Perryversum, da ihn ein unwahrscheinlicher Zufall die bisherigen Miniserien hat lesen lassen. Ein unschätzbarer Vorteil für einen, der ohnedies im Heftromanschreiben gestählt ist – 41 Beiträge allein für Maddrax und noch weitere SF-Heftromane wie für Sternenfaust. Das Medium als solches und Schreiben nach Vorgabe sollte ihm wohlvertraut sein, was man ihm bzw. seiner Schreibe im besten Sinne auch anmerkt. Für einen Erstling ein blitzsauberer Roman, der – wie vielpunktig skizziert;-) – sehr vielerlei perryversal aufgreift und einflicht. Das mag in starkem Maße eine Expovorgabe gewesen sein, die er dann aber gekonnt in Worte gegossen hat.

    Zum PROC-Interview ist selbstverständlich auch Sascha von RRR zitiert und investigativ ausgequetscht worden. Wie er zu „Perry“ gekommen ist und es sich überhaupt zutraute, kommentiert er bescheiden so:

    Nun, weil ich die Serie bis auf die Miniserien bislang nur sporadisch verfolgt habe, daher bin ich selbst gar nicht auf die Idee gekommen, in diesem Franchise aktiv zu werden. Ich hatte immer die Vorstellung, dass ich über das Perryversum gar nicht genug weiß, um da überhaupt einen adäquaten Text abliefern zu können. Das änderte sich, als Ben Calvin Hary mich letztes Jahr fragte, ob ich bei der nächsten Miniserie, die er betreuen würde, mitmachen möchte. Das Format kannte ich ja und Ben und ich kennen uns schon so lange, dass ich wusste: Wenn der dich fragt, lässt er dich zum einen nicht im Regen stehen mit dem, was mir an Wissen noch fehlt, und zum anderen traut er mir zu, dass ich das hinbekomme. Da fiel die Entscheidung dann leicht.SV im PROC-Interview

    Weitere spannende, weil mir unbekannte Details zu Unterschieden in den Exposés bei PR und Maddrax plaudert Sascha, hauptberuflich Zeitungsjournalist, aus.

    Interessant sodann, wie er Perry als Figur, ja Handlungshaupt-Charakter angegangen ist:

    Ich habe mich da an dem Miniserien-Perry orientiert, hauptsächlich. Und natürlich an dem Rhodan, den ich aus den wenigen Erstauflagenromanen kenne, die ich gelesen habe. Durch das Lesen bekommt man ein Bild, das einerseits recht konkret, andererseits ziemlich diffus ist – weil natürlich auch die Rhodan-Figur je nach Kontext immer etwas anders rüberkommt. Ich habe all diese Eindrücke zusammengenommen und mich dadurch beim Schreiben der Szenen mit ihm leiten lassen. Ob das funktioniert hat, müssen andere beurteilen. 🙂SV im PROC-Interview

    Interessant hieran, dass und wie induktiv, von eben doch nur sehr wenigen Einzelfällen (Heftromanen) er da aufs Ganze schließt, um ‚einen Perry‘ letztendlich herauszudestillieren. Einen miniserialen Perry, der in den – für rhodanautische Verhältnisse – sehr kompakten zwölf Romanen ganz anders inszeniert und fokussiert werden muss als in der sich ggf. auf mehrere Handlungsebenen verzweigenden Erstauflage. Hier bleibt alles – so meine Lese – wesentlich gestraffter, schon platzbedingt notwendigerweise. Und gerade damit es neuleserzugänglicher ist, ist dieser Perry auch bei weitem nicht so kosmisch angehaucht. All diesen – im Guten wie Schlechten – ‚Ballast‘ nahezu nicht zu kennen, ist so schlecht nicht, wenn der verschlankte Miniserien-Perry ohnehin gefragt ist. ‚Umgangen‘ hat er da mögliche Fallstricke schon dadurch, dass er die Ladies an Perrys Seite handlungsgleichrangig schildert. SO kommt er gar nicht erst in die eventuelle Verlegenheit, zu sehr Spotlight alleine auf den ultimaten Serienhelden richten zu müssen

    8. Zwischenfazit nach einem Viertel

    Kaum ein Sechstel vorbei, so nun schon ein Viertel der Miniserie. Und es bleibt interessant. Handlungsfortschrittsgläubig allen voran aufgrund der halbsätzigen Andeutungen Rowenas wegen, die Atlans Fernbleiben und angeblichen Tod in ganz neues Zwielicht stellen. Ein Komplott ohnehin geargwöhnt, scheinen die Involvierten in selbiges aber unbekannt konstelliert zu sein, Atlan als angeblich Gefallener trotzdem kontaktierbar – das verheißt noch manch Wendung und Erwartungsbruch. Rowenas vermeintlich ingrimm garstiges Bösesein könnte sich wenden und sie als Mitarbeiterin in Atlans Sinne werden lassen. Abwarten.

    Und trotz manch Gemäkel im Detail, das ich allerdings kaum zielführend anders zu konzipieren wüsste, gefällt der Roman auch sehr durch seine zahlreichen Anspielungen an die – vielleicht – ‚guten alten Zeiten‘, als man die Venus noch das allererste Mal wagemutig betreten hatte. Faktor Nostalgie – mal wieder. Obendrein diesmal alle drei Protagonisten proaktiv in Szene gesetzt, damit das Triumvirat* als Akteure besser ausbalanciert und in aktiven Rollen. Rowena als viertes Rad am Dreirad noch weiter wankelmütig: irgendwo zwischen genau richtig, vorausschauend auch, dann aber inkonsequent und doch eigensinnig doof. Schmaler Grat, dass sie nicht als Dauerscheiternde nur eine 90% Gegnerin bleibt, die im entscheidenden Moment eh – die nur zu üblichen – Fehler macht. Statt zu handeln, reden will; statt zu entscheiden, doch nochmal zaudert; statt Vorsprünge auszuspielen, lieber noch eine Ehrenrunde einfügt und den Vorteil verspielt … Das könnte drohen, muss aber nicht.

    Und R2D2 … äh… RCO? Wie so oft bisher denkt Perry nur ganz kurz und nicht intensiv genug hieran. Aber dass und wie der Roboter zugegen ist, mehr KI-Android als Blechkamerad alter Tage erstaunt und irritiert. Etwa ein technischer Gesandter, ein Helferlein im rechten Moment, damit Perry (und Co.) es schaffen kann? Doch wer sollte? Wer hat ein Interesse zu dieser Zeit? Oder aus anderer Zeit in diese hinein? Zeitschleife? ES???

    Am Schönsten aber: das Gewordensein der Terraner geht historisch damit einher, dass sie sich von ihren jeweiligen Gegnern IMMER(!) das technisch Allerbeste ‚entwendet‘ haben (=freimütig zusammengeklaut), um so statt in arbeitsam fleißiger Mühsal es sich selber anzueignen. Terranische Fortschritte von der Dritten Macht zum Solaren Imperium und so weiter dank Raub. Statt Sternen- vielmehr Raubritter Terras:

    … Und hier wird erneut ergaunert und ermopst, aber ad absurdum gedreht: ein schrottreifes, halb demontiertes Raumschiff, mit Lücken in der Außenhülle en masse. Dafür wäre der alte Perry nicht einmal aufgestanden, jetzt nimmt er es mit Kusshand. Schöne Verdrehung alter Gewohnheiten. Nun muss man nehmen, was bleibt – Schrott, größtenteils Schrott. Und damit geht es nun auch noch zum Raumschifffriedhof – guter Flug!

    *Triumvirat kommt im Kern von Lat. „vir“, der Mann – weil in den römischen Triumviraten nun einmal auch bloß – je drei – Männer einander bündeten. Dreimannesbund. Wie nennt man denn sachgerecht dann einen Bund aus diversen Geschlechtern – hier zwei Frauen und ein Mann?

ATLANTIS 02 – Festung Arkonis

Hallo Mitwelt!

Jetzt sogar erst nach Toresschluss und Erscheinen des nächsten, schon dritten Romans erfolgt mein Blick auf Heftroman 02 Festung Arkonis. Mein Timing muss besser werden. Ich habe mit meinem Lebensstil ein Problem! Ohne großes Palaver vorneweg gleich in die Handlung, um Apperzeptionen folgen zu lassen.

Inhaltsverzeichnis

Die Handlung


Lucy Guth: „Festung Arkonis – In der Vergangenheit gestrandet – sie werden von einer Arkonidin gejagt“. Mit den Worten des Herrn der Erzählquellen

Atlantis ist auf jeden Fall mehr als nur eine historische Geschichte – Perry Rhodan muss sich mit einem Wissenschaftler und seinen Robotern sowie anderen Gefahren auseinandersetzen. Zusammen mit Sichu Dorksteiger und Caysey, einer jungen Frau aus einem der atlantischen Stämme, versucht er, am Leben zu bleiben und Informationen zu sammeln. Weil er ja irgendwann in seine eigene Zeit zurückkehren möchte …KNF bei sich im Blog

Das Trio atlantis gelangt bis zum „Stählernen Haus“, der abseitig gelegenen Forschungsstation von arkonidischem Wissenschaftler Quartam da Quertamagin, der hier bis auf zwei MitarbeiterInnen einsam an seinen Erfindungen tüftelt. Zunächst beinahe von Flugkampfrobotern der Station erschossen, erhalten Perry & Co. erst Einlass, als Quartam das Talagon sichtet. In der Station erhält leicht verletzte Caysey medizinale Versorgung und bekommt auf Perrys Einsatz hin eine gründliche Untersuchung ihres ‚verfluchten‘ Kindes, bei dem bestimmte genetische Defekte und erwartbare Geburtskomplikationen diagnostiziert werden. Alles heilbar, aber nur in Arkonis. Derweil kommen Perry und Sichu mit eigenbrötlerischen Quartam ins Gespräch, der sie des Talagon wegen jedoch festsetzt. Die Situation kippt ins Gegenteil, als Rowena erscheint, vehement Einlass verlangt, den Quartam ihr widerwillig gewährt. Doch entlässt er kurzerhand das Trio in die Freiheit, ja lässt sie vor Rowena per eigenem Gleiter entkommen – gen Arkonis

Dort angelangt, werden sie zwar argwöhnisch bis herablassend als Kolonialarkoniden oder gar bloße Barbaren beäugt, können aber letztlich bis zum Tato (Gouverneur) da Masgadan vorgelassen werden. Caysey bekommt die ersehnten Untersuchungen freimütig zugestanden, die rechtzeitige Heilung für Mutter und Kind verheißen. Aus dem Gespräch mit Masgadan erwächst für Perry die Hoffnung, er bräuchte das Talagon nur abgeben, das Atlan dann schon ausgehändigt würde. Kaum gemacht, wird er und Sichu jedoch gefangengesetzt – Rowena tritt auf, die den Tato entsprechend instruiert hatte. Für die beiden Zeitreisenden droht der Tod durch Erschießung, formal angeklagt als Maahk-Überläufer, mit das größte denkbare Kardinalverbrechen, größtmöglicher Imperiumsverrat. Bevor sie allerdings dran sind, wurde bereits die Führungscrew eines Kampfraumers exekutiert unter selber Anklage, obgleich sie nur aus dem Kampfgebiet die Kunde bringen wollten, dass Flottenadmiral Atlan entgegen aller Gerüchte noch lebe

Doch erfährt Caysey kurz vor Beginn ihrer Therapie von Perrys und Sichus Hinrichtung, woraufhin sie die Zukunftschancen für ihr Kind fahren lässt und sich zur Rettung der Freunde entscheidet. Diese kann sie mithilfe ihrer empathischen Gabe vor den Schafsrichter retten, um mit ihnen in wilder Flucht bis zu einer LECA-Disk zu entkommen, mit der sie verzweifelt starten und dann Kurs gen Larsa [Venus] setzen…

1. Linguistische Axiome


Mich deucht, es babelte mir! Hatte ich zu ATLANTIS 01 in ausschweifender Begeisterung die sprachlichen Hinweise beöhrt und sprachraumgreifende Hypothesen aufgestellt, verwirrte sich mir die Lage zuhörends. Es beginnt damit, dass Caysey vor Quartams Denkstube das Arkonidische NICHT versteht, in dem sich Quartam und Perry austauschen. In der Station versteht sie nur deshalb nicht nur Vrutu, weil ein Translator ihr das Medizinalbabel von Quartams „Mitarbeiter“ bzgl. präziser Diagnostik ins Atlantische übersetzt. Gleiches dann in Arkonis, wo sie sogar ein chices Translator-Armband als Smartwatch erhält, um sich verständigen zu können. Kurzum: Atlantisch und Arkonidisch sind zwar verzweigt sprachverwandt, offenkundig aber einander nicht verständlich. HÄH???

Daher noch einmal argusohrig ins Hörheft zu ATLANTIS 01 mit gestrenger Aufmerksamkeit hineingehört, demnach:

  • Szene 1: Caysey beobachtet die aus dem Meer entsteigende Rowena und belauscht, wie diese auf die Arbeitsroboter einredet – OHNE jedoch etwas zu verstehen! Demnach ist gleich in dieser Szene klar, dass eine Atlanterin eine Arkonidisch-Sprecherin NICHT verstehen kann, was der Schilderung nach wohl kaum an zu großer Entfernung und zu schlechtem Hören liegt. Selbst wenn, dann hätte der zackige Mitarbeiter Quartams auch das nebenher maßvoll diagnostiziert!;
  • Szene 3: Den Hinterhalt, den Rowena dem Trio atlantis in Cayseys Dorf legt (Kapitel 10), gelingt, weil sie mit der Dorfältesten sprechen kann. Das jedoch nur durch eine Hypnoschulung, in der Rowena im Eilverfahren das Atlantische eingetrichtert wurde, weshalb sie es sprechen und verstehen kann. Ergo spricht sie wiederum nicht Arkonidisch mit den Dorfatlanter*innen, sondern ausnahmslos Atlantisch, obwohl das gegenüber dem Arkonidischen „zu viele Kasus habe, um schön sein zu können“. Hier mein Merkfehler, dass ich die Hypnoschulung als Vermittlungsinstanz ignoriert habe, nur durch die es ermöglicht wird, sich direkt zu verständigen;
  • Szene 2: Nachdem Rowena rachegöttisch abgerauscht war, tauchen Perry und Sichu aus dem Meer auf und es kommt zum Kultur- wie Sprachkontakt zwischen ihnen und Caysey. Diese kann Perrys Sprechgeholper erst verstehen, als er aus dem mit Sichu gewechselten Interkosmo seiner Tage ins Tefroda übergeht, mit dem eine dauerhafte, ja weitestgehend problemlose Verständigung möglich ist.

Damit sind so ganz nebenher im narrativen Seitenzweig dieser Miniserie Sprachsäulen gemeißelt und aufgestellt, die die verzweigten Sprachverwandtschaften ziemlich klar festlegen:

  • D.h. nämlich, dass die (inter-)galaktischen zivilisatorischen Hochsprachen des Lemurischen, des Alt-Tefroda sowie besagtes Tefroda, die sich nacheinander über 52 Jahrtausende hinweg ausgeprägt haben, näher mit dem erdengebundenen Atlantisch verwandt (geblieben!) sind. Dieses ist ein ‚barbarischer Zungenschlag‘ des Lemurischen, gesprochen von in die postapokalyptische Primitivität zurückgefallener Lemurer;
  • demgegenüber hat sich aus dem Lemuu (Lemurischen) das Akonische als Aussiedler-/Kolonialsprache entwickelt, dass die seinerseits „Stammsprache“ für das Arkonidische war. Dieses stand wiederum als Satron (Same Arkon Trona =Hört Arkon Sprechen) Pate für das Interkosmo, der Lingua Franca im Tai Ark’Tussan. Zur ATLANTIS-Handlungszeit (Ende 9. Jahrtausend v. Chr.) hat sich am Rande des Imperiums das so genannte Rand-Galakto ausgebildet, das die Larsa-Siedler und daher vermutlich auch die Atlantis-Besiedler gesprochen haben. Und Fakt ist, dass Atlantisch nicht verständigungskompatibel mit dem Arkonidischen (oder dem Rand-Galakto) ist. Die Sprachdifferenz ist bis zum Nichtverstehen größer, obwohl dieses Arkonidisch gut 10000 Entwicklungsjahre weniger auf der Zunge hat als das von Perry verwendete Tefroda.

Faszinierend. Linguist mit Schwerpunkt Sprachdynamik müsste man sein (oder kennen), um das nachvollziehbar zu machen, wieso das so sein kann. Klar, es kann ALLES(!) sein, was narrativ entrückte Autorenheiten wollen! Aber intradiegetisch, innerhalb des Perryversums müssten ja trotzdem linguistische Gesetzmäßigkeiten greifen, die eine solche Entwicklung erklärbar machen. Ganz willküreinfach absolut alles geht dann doch nicht…

2. Hologramme statt Locharten – doch kein Paralleluniversum

Bezüglich Hologramme und ihre futurchronistische Rückspiegelung in Erzählzeiten, als es sie eigentlich gar nicht gegeben hat, ließ ich mich ja bereits aus – ein wenig wenigstens. Und an diesem Aspekt komme ich auch diesmal nicht vorbei wie der Balrog an Gandalf. Homöopathisch gehofft hatte ich auf eine Paralleluniversalisierung der Geschichte, wo wir einfach ein Universum weiter sind, wo es schlicht Hologramme immer schon gegeben hat. Das hätte Sherlock Perry Holmes kurzerhand deduzieren und den Parallelspuk entlarven können, indem er die Hologramme als zeitfehl erkannt hätte: „Kann ja gar nicht sein, hat es nie gegeben!“ Doch dem ist nun aktenkundig eindeutig nicht so. Perry nimmt Hologramme, die überall aufleuchten, selbstverständlich hin, wundert sich über nichts. Damit ist in Stein gemeißelt und felsenfest, dass man sich eines gegenwärtigen Lesepublikums wegen auf solch narratoferente Unstimmigkeiten wider den festgeschriebenen Kanon eingelassen hat. Für ein wenig angenehmen Lesekomfort hat man die perryversale Probabilität an dieser Stelle bewusst gebrochen und der Leserschaft gegeben, was ihr SF-literarisch vertraut ist.

Folgend daher mal ein paar selektivste Kostproben aus der vielleicht ‚guten alten Zeit‘, wie hologrammlos positronisch gearbeitet wurde:

Statt sich an Asimovs smarten Positronik-Robotern zu orientieren, baute sie Perry Rhodan-Serie anfangs auf Lochkarten-basierte Computer von Zimmergröße, die per Schalter und Hebel händisch zu bedienen waren, wo man Informationen buchstäblich auf Aus- zu Eingabeschlitz tragen musste. So sind die ‚guten alten Zeiten‘ gewesen! (Zyklus 2 lag da jedoch nur drei Realjahre zurück; real vergingen weniger als ein Hundertstel der erzählten Handlungszeit, was selbst Perry-Autoren gedanklich überforderte – Soziotechnischer Wandel????)

Und in Festung Arkonis ist dann sogar noch die Rede davon, all das hologrammatisierte liefe DIGITAL ab. Das ist dann schon allerhand und eine wagemutige Behauptung:-) Die lässt sich aber damit patchen, wenn man derlei liest:

Eine moderne Digitalpositronikuhr mit einer Jahresskala erschien auf dem Bildschirm, groß und völlig unerwartet.Atlan-Zeitabenteuer 01 „An der Wiege der Menschheit“

Und diese positronische Digitaluhr, von der da die Rede ist, ist in eben der ATLANTIS relevanten Tiefseekuppel installiert und 112 Jahre nach Untergang von Atlantis am Ticken. (7888 v. Chr.)

Vergleichbares an Narratoferenz, was Cayseys tiefenanalytische Diagnose ihres Fötus und seiner Geburtsaussichten betrifft. Das ist detailliert und formuliert; ausgesprochen von einem nachrangigen wissenschaftlichen Mitarbeiter in einer abseitigen, nicht hierfür ausgelegten Forschungsstation inmitten des Nirgendwo auf einer nachrangigen Militärkolonie irgendwo am Rande des Imperiums; so präzise und therapiekenntnisreich, wie es selbst die allerbesten Galaktischen Mediziner (Aras) es über Handlungsjahrtausende hinweg NICHT hätten vollbringen können. Und ausdrücklich: die Station ist dafür nicht ausgerichtet, Quartam wird sich für fötale Pathogenesen keinen Deut interessieren. Und egal, was zwischen den Mitarbeitenden insgeheim unter der Decke laufen mag, was in die Wege geleitet worden sein mag;-), die Kenntnisse des Teilzeitmediziners sind schon beeindruckend. Und auch hier gilt: angesichts dessen, was heutzutage diesseits unserer Realität alles an Präimplantationsdiagnostik und seit 40 Jahren in Sachen Reproduktionsmedizin möglich ist, wäre es unglaubwürdigst, wüsste eine (selbsterklärte) imperialgalaktische Hochzivilisation wie die der Arkoniden nach Jahrtausenden galaktischer Kolonisierung nicht um solcherlei ‚Basics‘. 800 Meter durchmessende Kampfraumer, die in Nullzeit Lichtjahrtausende überwinden können, derweil man keinen Blick auf heranreifendes Leben werfen kann – das passte hinten und vorne nicht. Da die männlichen Autoren der Seriengründungszeit vom 08.09.1961 an davon keine Ahnung hatten, nicht daran dachten, hat es hierzu auch nirgendwo noch so beiläufig randständig irgendeinen Hinweis gegeben. Angeblich gäbe es für die Aras (Galaktischen Mediziner als Nachkommen der Arkoniden) nichts, absolut gar nichts, was sie nicht medizinal ergründen könnten, woraufhin man gleich in Heft 1 an der Leukämie von Crest kläglich scheitert, erst ein Terraner die überhaupt sicher diagnostizieren kann. Und viele solcherlei Unerforschlichkeiten pflastern die Serienanfangszeit. So wie man Atlantis als Kontinent quasi neu, streng genommen erstmals erzählbar kartografieren musste für diese Miniserie, so musste man auch bezogen auf solche Ungereimtheiten wegweisende Entscheidungen treffen. Und nun ist es also möglich gewesen – immer schon -, dass die PID der Arkoniden der unserer Tage weit überlegen ist.

3. Caysey – eine Heldinreise

Apropos: obwohl sie in der Rolle als ‚Patientin‘ primär behandelt wird, als dass sie die meiste Zeit handeln könnte, ist die Hauptperson des Romans Caysey. Zumindest ist der Handlungsstrang um Perry & Sichu so eng buchstäblich an Cayseys Wohl und Weh gekhiput, dass sie die eigentliche Handlungslenkerin ist. Zwar ist Festung Arkonis ohnehin Questenziel, doch bekommt die arkonidische Kolonie als Sitz von Administration und Entscheidungsbefugnissen speziell für Caysey eine intrinsische Motivation: als Sehnsuchtsziel zur Lösung ihrer verfluchten Probleme. Sie muss zwecks Heilung des Fluchs in die Stadt der Sternengötter, wohin es sie sonst ggf. nicht gezogen hätte. Sonst wäre sie vor den Toren eventuell stehengeblieben, wäre ihre Aufgabe als Reiseführerin für die Zeitreisenden beendet.

Mit ihr wird an Diagnostik allerhand gemacht, sie ist den Untersuchungen – einmal zugestimmt – insoweit ausgesetzt, als dass sie so gar nicht einzuordnen weiß, den nicht immer patientenfreundlichen ‚Erklärungen‘ blindlings vertrauen, auf die Aussagen des Möglichen hoffen muss. Das ist eindrücklich geschildert. Autorin Lucy Guth, die konsequent entpseudonymisiert als Tanja (Bruske) im PROC-Interview angesprochen wird, mag als zweifache Mutter da auf Erfahrungen zurückgreifen. So oder so erzählt sie, wie die ‚barbarische‘ Atlanterin vollumfänglich in die technische Hochzivilisation geworfen wird und ad hoc ihren Lebensentwurf umbasteln muss. Zur Frage, ob sie ihrerseits auch so entschieden hätte wie Caysey, gibt Lucy Guth zu Protokoll:

Aber ich denke, man weiß nie, wie man in Extremsituationen reagiert. Caysey ist so ein loyaler Typ, sie entscheidet sich für ihre Freunde. Man könnte ihr mangelnden Mutterinstinkt vorwerfen, schließlich bringt sie durch diese Entscheidung ihr Ungeborenes in Gefahr. Ihr Verhalten ist meiner Meinung nach aber nicht unrealistisch, denn es ist ihr erstes Kind. Solange man mit dem ersten Kind schwanger ist, ist der Gedanke, dass da tatsächlich irgendwann ein richtiges, echtes Kind herauskommt, sehr abstrakt. Wenn man das erste Mal erlebt hat, dass man plötzlich einen lebendigen kleinen Menschen im Arm hält, der völlig auf dich angewiesen ist, betrachtet man das bei einer weiteren Schwangerschaft viel vorsichtiger – also, das ist zumindest meine Erfahrung. Insofern wäre ich in Cayseys Situation aber mit meiner Erfahrung als Zweifach-Mama sicherlich nicht so selbstlos gewesen. Tja, dann wäre die Miniserien nach zwei Teilen schon vorbei gewesen.Lucy Guth im PROC-Interview

Es soll laut Insiderinformationen allerdings noch zehn weitere Hefte weitergehen:-)

All diese Untersuchungen und anvisierte Therapien, um den FLUCH zu überwinden, der hier als Gendefekt und Geburtskomplikation verwissenschaftlicht wird. Ein ‚Fluch‘, der aber selbst mit arkonidischer Wissenschaft großteils trotzdem gar keiner ist. Perry deutet es – arg zu – beiläufig an: Atlanter*innen als Nachfahren der Lemurer*innen mögen zwar soziokulturell in die Primitivität zurückgefallen sein, haben dennoch reichlich geerbt. Das auf biologischer Ebene (nicht nur, s.u.: 4.): was atlantisch als Fluch gedeutet wird, lässt sich perryversal aufgeklärt als Psigabe verstehen! Und die neuronalen Veränderungen gegenüber der ‚Norm‘ sind Neuroabdrücke einer solchen Fähigkeit. Es ist das lemurische Erbe der „Paradrüse“:

Die Lemurer besaßen eine weit ausgeprägtere Paradrüse [als die Tefroder, A.d.A.] von der Größe einer Haselnuss, die ihnen als Para-Organ zu latenten paranormalen Fähigkeiten verhalf, die allerdings extrem schwach und nur auf den Nahbereich beschränkt waren.
[…]
Bei den Terranern ist die Paradrüse aufgrund der Degeneration nach dem Ende des Krieges der Lemurer gegen die Bestien zwar noch nachweisbar, aber stark verkümmert. Vermutlich spielt hierbei auch das Fehlen Zeuts eine Rolle.Perrypedia

Relativ schwache Parakräfte im Nahbereich – das passt nur zu genau auf das, was Caysey größtenteils nur intuitiv statt gezielt anzuwenden versteht. Gesteigerte Empathie, die sie zu angelegentlichen Empathin, eventuell sogar zur latenten (Kontakt-)Telepathin macht. Im kulturellen Deutungsrahmen naturreligiöser Wirkmächte mag das wie ein Fluch wirken, wenn da jemand so viel mehr und anderes kann als alle ’normalen Anderen‘. Bin sehr gespannt, zu was das noch führt, ob Caysey ihre Kräfte zu kontrollieren lernt und was aus ihrem Kind wird. Vor allem angesichts der nur noch wenigen Jahren, die sie als Atlanterin auf Atlantis wird leben können…

4. Mythen – stärker als Apokalypsen

Aber nicht nur biologisch hat eine sozial an den Rand gedrängte Gruppe unter den Atlanter*innen geerbt, sondern alle Atlantis-Bewohner tragen ein kulturelles Erbe mit sich, das sie in religiöse Tradition gegossen ritualisiert tradieren. Die Rede ist von den Mythen, die am Romananfang, bevor wir zu Quartams Bastelstube gelangen, kurz Teil der Handlung sind. Für Freunde strikt vorwärts gerichteten Handlungsfortschritt dürften diese Passagen eher trostlos gewesen sein. Aufhaltend, ausbremsend und ohne – zumindest in diesem Roman – noch so hinterrücks zur Handlung beizutragen.

Für mich besonders eindrücklich der separiert gehaltene Apfelbaum, bei dem niemand die Absicht hat, an die biblische Paradies-Szene zu denken, wie sie erst etwa 7 Jahrtausende später auf Papier gebannt wurde. Große Äpfel, die man auf gar keinen Fall pflücken darf:-) Und ausgerechnet unsere nüchterne Sichu tut es kurzerhand, um mit nächtlicher Meditation gestraft zu werden. Das ging mir dann zugegeben zu hopplahopp, war zu schnell abgehandelt. Fortschritt gab es im Übrigen dennoch: Sichu und Perry waren hiernach indigen konform gekleidet und fielen nicht länger mit ihrer Future Fashionunübersehbar auf. Auch mal traditionale Tabus übertreten, dann sieht man wenigstens danach wohlbekleidet aus:-)

Perry deutet es – erneut eher zu kurz – an, worauf die vokalverschoben namensveränderten Mythen zurückverweisen: auf die lemurische Ahnengeschichte und deren Mythenstoff, der auch 42000 Jahre später noch im kulturellen Gedächtnis der Atlanter präsent ist: kulturelles Gedächtnis meint „die Tradition in uns, die über Generationen, in jahrhunderte-, ja teilweise jahrtausendelanger Wiederholung gehärteten Texte, Bilder und Riten, die unser Zeit- und Geschichtsbewußtsein, unser Selbst- und Weltbild prägen.“ Damit speist sich das kollektive Gedächtnis dieser so zeitfernen Populationen den archetypischen Grundmotiven nach auffallend gleich. Was das über die Mythomotorik aussagt, inwiefern der im Kern gleichgebliebene Mythos die (Nicht)Bewegung der Gesellschaft bestimmt, ist noch offen. Bei so fundamental veränderten Umständen – galaktische Hochzivilisation versus schollengebundene, segmentär gegliederte Gesellschaft – ist es schon erstaunlich, dass der ‚mythische Überbau‘ im Prinzip unberührt geblieben ist.

Spannend, dem Mythenschatz der Lemurer nachzuspüren: so verweist Perry auf die Konos. Diese – ultrakomprimiert – aus intergalaktischen Gründen den Lemurern prägend lange Zeit Konkurrenz waren und als existenzielle Gegner zum Archetypus geworden sind. Zwar sind die Lemurer letztlich nur durch die Koexistenz der Konos geworden, was sie wurden, aber das nur im evolutionären Wettstreit. Mythen wie zu den Legenden um die Zwölf Heroen und den Sonnenboten Vehraáto, dieser als Erretter aus der lichten Sonne herabsteigt und die Lemurer erlöst. Die Mari Danta – das „Lied der letzten Hoffnung“ ist Teil der lemurischen Identitätsbildung! Das ist alles höchst faszinierend und einen eigenen Beitrag wert. Daher…

5. Kulturkontakt auf Atlantis


Interessant auch: einerseits heißt Festung Arkonis so, weil sich Arkonis zu einer Festung gegenüber der Umgebung macht, gegenüber dem ‚Land der Barbaren‘, wovon sich die Stadt der Sternengötter entschieden abhebt: Architektonisch, materiell, technisch, dreidimensional durch die Nutzung der Höhe. Mit Skepsis bis purer imperialer Herablassung werden die beiden vermeintlichen Kolonialarkoniden, wenn nicht gar Fremdvölkler betrachtet (Perry bzw. Sichu), über die heimische Barbarin wird weitestgehend hinweggesehen. Imperialer Dünkel, rassische Distinktionen, die über bloße feine Unterschiede hinausgehen. Andererseits hören wir davon, dass erste der Atlantis-Siedler außerhalb der Stadt Fuß fassen wollen, ja ausdrücklich und bewusst nahe indigener Ansiedlungen. Zum einen die hochzivilisatorische Enklave Arkonis, zum anderen erste praktische, alltagsnahe Versuche des Kulturkontaktes.

Daher möchte ich folgend auf den Schweizer Historiker Urs Bitterli und dessen Konzept und Verständnis von Kulturkontakt zurückgreifen. Entwickelt aus der Beobachtung der europäischen Expansion, imperialistisch getrieben, kolonialistisch ausgeführt. Zitiert nach Wikipedia:

  1. „Kulturberührung“ bezeichnet das Zusammentreffen einer Gruppe von Europäern mit einheimischen Vertretern von begrenzter Dauer, sei es erstmals oder mit längeren Unterbrechungen.
  2. „Kulturzusammenstoss“ nennt er das Umschlagen der friedlichen Kulturberührung durch unmittelbare oder vermeintlich provozierte Gewaltanwendung.
  3. „Kulturbeziehung“ beschreibt ein dauerndes Verhältnis wechselseitiger Kontakte auf der Basis eines Machtgleichgewichts.
  4. Für die in der nachfolgenden Phase der europäischen Dominanz ab Mitte des 19. Jahrhunderts entstehenden, durch Akkulturation [Hinzuführung zu einer Kultur] geprägten und gemischten Kolonialgesellschaften schlug Bitterli als weiteren Typus die „Kulturverflechtung“ vor.

Wenn wir diese vier, sicherlich nahezu nie in Reinform vorkommenden Phasen des Kulturkontaktes am Beispiel arkonidischer Militärkolonie Atlantis durchgehen, ggf. nur 1, eventuell fast 3 Jahre nach Siedlungsbeginn:

  • Kulturberührung: Hierzu kam es 8005 v. Chr., als mithilfe Atlans Geschwaderraumer 50.000 zakrebische Kolonialarkoniden von Larsa nach Larsaf III. umgesiedelt und auf Atlantis abgesetzt wurden. Da die Gründungskolonie sich zunächst auf Arkonis beschränkte, das inmitten tobenden Methankriegs als Militärstützpunkt dual zu fungieren hatte, dürften anfängliche Kulturberührungen noch spärlich ausgefallen und nicht mit xenoethnologischem und exosoziologischem Eifer begleitet worden sein. Das Überleben der Zakreber stand im Vordergrund. Und Flottenadmiral Atlan hatte keine Zeit und Kompetenzen frei, das militärische Know-how seiner Soldaten Zweck zu entfremden.
  • Kulturzusammenstoß: Zu dem scheint es noch nicht gekommen zu sein. Die Kolonialarkoniden verhalten sich zwar zum Teil mit reinrassischem Dünkel, zumeist aber mit enklavischer Abschottung gegenüber den Barbaren. Dass hier kolonialstrukturelle Gewalt am Wirken ist, steht m.E. außer Frage, da sich die Arkoniden nachfragelos nahmen, was sie wollten und zu brauchen glaubten. Anscheinend gibt es zwar keine Sklaverei o.Ä., zu der die Atlanter*innen gezwungen würden (Ausnahme die inoffizielle Erstentdeckung der Erde durch arkonidischen Prospektor bereits 8024 v. Chr.), vielmehr können / DÜRFEN sie soweit wie gehabt leben. Zum Wendepunkt könnte der Ansiedlungsversuch bei einer der als kriegerisch beschriebenen atlantischen Ethnie werden: aus einer intensivierten Berührung könnte ein Zusammenstoß werden, wenn auf dieser wie jener Seite Missverständnisse aufkommen, Verhaltensweisen fehlgedeutet werden und das kriegerische Temperament dieser Atlanter durchbricht oder die Arkoniden statt auf Augenhöhe Unterwürfigkeit erwarten.
  • Kulturbeziehung: zu der kann es kommen, falls zuvor genannter Kontaktversuch friedlich verläuft, sich beide Seiten aufeinander einzulassen gewillt wären und das arkonidische Vorrücken in atlantisches Gebiet nicht als ressourcenraubende, übergriffige Expansion aufgefasst wird. Dann könnte die sozialräumliche Nähe zueinander statt der festungsartigen Abgrenzung in Arkonis zu kultureller Beziehung und entsprechenden Austausch biopsychosozial beitragen. Ein erster Schritt…
  • Kulturverflechtung: Unmöglich, weil es so kommt, wie es geschah, nämlich zum Untergang von Atlantis höchstens 5 Jahre in der Zukunft (8.000 v. Chr.). Zu wenig Zeit zum Verflechten, kein Ort mehr, an dem erste Beziehungsanbahnungen für eine Verflechtung stattgefunden haben werden.

Umso interessanter, was de facto aus alledem geworden ist. Hierzu ein Blick in die Chronik der Menschheit, wie sie xenosozial von Atlan als Einsamer der Zeit verfasst worden ist. Seine ersten Eindrücke nach der ersten Tiefschlafphase und nach erstem Erwachen 112 Jahre nach dem Untergang von Atlantis 7888 v. Chr.:

Soweit ich es erkennen konnte, waren die Menschen hellhäutig, braunäugig und braunhaarig. Einige – ich hatte es nicht glauben wollen – Sie hatten langes, fast weißblondes Haar, wie es nur Arkoniden vererbt haben konnten.
[…]
Ich betrachtete ihn genauer. Dieser Jäger konnte ein Arkoniden-Halbblut sein; […] Der Jäger war kleiner als ich, und hatte einen schmalen Schädel mit hoher Stirn; an diesem Kopf war nichts vom Tierhaften anderer Barbaren. […] Ich blickte in die Augen des Jägers, die, wie meine, einen leichten Rotschimmer um die Pupille zeigten. Ihre Farbe war ein helles, silbriges Braun.
[…]
Ich würde Katya veredeln müssen, aber das konnte für uns nur Vorteile bringen.
[…]
»Weil es sonst stinkt. Ich mag Gestank nicht. Weder den von verwesendem Fleisch noch den aus deinem Haar. Alles werde ich ändern. Ich werde es ändern.« Katya blickte mich in grenzenlosem Erstaunen an; ich hatte in scharfem Ton gesprochen. Ich war gekommen, um die Zustände der Steinzeitmenschen zu verbessern. Wie weit das möglich war, würde die Zukunft zeigen.
[…]
Von Stunde zu Stunde wurde ich immer schmutziger, und ich musste eine Möglichkeit erfinden, ohne die Hilfsmittel der Kuppel mich säubern zu können. Mich und Katya. […] Sie rannten davon, zutiefst verwirrt, aber mit einigen grundlegenden Einsichten im Herzen. Eines meiner nächsten Vorhaben war, Katya den Begriff relativer Hygiene zu vermitteln. Ich fürchtete, es mit Nachdruck tun zu müssen, und notfalls auch mit Gewalt.Aus An der Wiege der Menschheit

Zum einen wird klar, dass es intime Kulturbeziehungen gegeben haben muss, falls sie nicht als kolonialherrliche Übergriffe zu werten wären und damit als ein Kulturzusammenstoß. In jedem Fall hat es ‚Mischehen‘ gegeben, aus denen ‚Star God Babies‘ hervorgegangen sind, die arkonidische Gene in begrenztem Umfang in die postatlantische Population eingebracht haben. Auf diese Nachkommen stößt Atlan irgendwo entlang der Rhone und auf Sizilien, bis dorthin Überlebende der Atlantis-Katastrophe gelangt waren.

Als Letzter seiner Art muss man Atlan einiges zugutehalten. Nichtsdestotrotz ist er auch als Einsamer der Zeit mit reichlich kolonialherrlichem Sendungsbewusstsein ausgestattet, dass auch nicht vor hygienischen Übergriffen Halt macht. Am Ende ist Katya reinlich, reinlicher als alle sonst unter ihresgleichen. Das aber nur nach entschiedenem Zupacken und trotz ihres Widerstands körperlicher Art wie in Form von Schreien. Falls das arkonidischer Standard gewesen sein sollte … Von Atlan unter Extrembedingungen induktiv auf alle Siedler einer zunächst gut anlaufenden Kolonie zu schließen, dürfte unfair sein. Aber es ist zu fürchten, dass man sich kaum je auf Augenhöhe begegnet ist, sondern die soziale Dominanz immer auf Seiten der Kolonisten gelegen hat. Die Barbaren haben sich demnach anzupassen, sich zu zivilisieren, sich zwecks sozialem Aufstieg zu engagieren und zwar als lernende Schüler von den wohlwollend lehrenden Lehrern.

6. Rowena – Harte Schale, weicher Kern?

Rowena – aktenkundig gemachte Gegnerin Rhodans, eventuelle Mörderin Atlans, Verfolgerin und Hinterhaltstellerin der Zeitreisenden, Schergin Orbanaschols (seines Zeichens Mörder von Atlans Vater), Umspielerin lokalen Gouverneurs und wer weiß was noch. Alledemnach das arkonidingewordene Böse dieser Miniserie! Und doch hat empathische Caysey schon im vorigen Roman Deanna Troi-esk erspürt, dass Rowena keine Böse ist, so ungut gar nicht ist. Harte Schale, aber weicher Kern? Ob das nicht die Spannung rausnähme, dass Rowena nun als mittelhalbschlecht statt grundböse erkannt wurde, erfragte RRR:

Findest du es denn spannend, eine Figur zu haben, die gewissenlos tötet? Ohne jede Grauzone und jede Hoffnung, sie vielleicht doch noch dazu zu bringen, das richtige zu tun? Liegt nicht darin die eigentliche Spannung verborgen? Wir schreiben ja keinen Cartoon hier. Nuancierte Figuren sind immer interessanter als Schwarzweiß-Bösewichte.PROC-Interview mit Expothez BCH, diesen zitiert

So dann auch in diesem Roman, wo sie den „alten Zausel“ Quartam zwar ungnädig verdonnert, gefälligst und schon gestern den (Nicht-Nur-)Transmitter zu reparieren, ihn ansonsten aber außergewöhnlich wohlwollend ‚anfasst‘. Dabei hat er doch ihre ‚Beute‘ entkommen lassen, wobei sie um die tatsächlichen Umstände zum Glück nicht weiß. Sie erschießt niemanden aus Wut, Rachsucht oder als toxische Bestrafungsmaßnahme. Einerseits. Sie hat andererseits aber so gar keinerlei problem damit, Atlan-Anhänger, die sein Weiterleben bezeugen könnten, kurzerhand (durch den Tato) liquidieren zu lassen. Und wenn man sich schon mal warm geschossen hat, dann doch auch gleich Perry und Sichu hinterher. Keine erkennbaren Gewissensbisse, keine Gnade; vielmehr ihr Tun und Handeln ursächlich dafür, dass derart mörderisch rigoros durchgegriffen wird. Etwas wechselhaft die Dame, die ihrerseits innerlich so gar nicht auf ihren – elitären – Extrasinn hören mag, sondern recht reaktant ihr Ding macht, wie es ihr passt. Also auch innerpsychisch ist sie da recht wankelmütig. Sie kann so und genau anders und das nicht lange nacheinander. Mit Quartam wie mit ihrem etwas störrischen Opa umgehen, missliebige Dahergelaufene hingegen einfach umnieten (lassen – sie kann es selber ja anscheinend nicht wirklich).

Und den Tato umgarnt sie auch mit allen Reizen, die sie aufbringen kann. Hierzu von RRR eine Frage an Lucy Guth, ob es im Tai Ark‘Tussan (inmitten des Methankrieges??) MeToo & Co. gegeben habe. Ausführliche Antwort, wie kritisch sie das zum Teil sehe. Konkret zu Rowenas tuchfühlsam verlockende Verhaltensweise:

Wenn also eine Rowena für sich entscheidet, ihre weiblichen Reize einzusetzen, um damit ans Ziel zu kommen, dann tut sie das nicht, weil sie ein hilfloses Weibchen ist – sondern weil sie eine Taktikerin ist, die ihr Vorgehen genau plant.PROC-Interview mit Lucy Guth

Rowena kann also auch das, spielt mit ihren Reizen und Stärken, kann vielfach ihre Schwächen aber nicht kaschieren. Sie will mehr und härter, als sie es selber tun und umsetzen kann. Da dürfen wir uns auf manch emotionales Hin und Her noch freuen. Auf konsequente Inkonsequenz dürfen wiederum Perry und Co. hoffen und bauen;-)

7. Zwischenfazit nach erstem Sechstel

Ende. Wenigstens dieses Postings. Die Miniserie hat derweil exakt ein Sechstel rum bzw. schon ein Viertel, wo ich das zu Ende schreibe und es veröffentliche.

Wie isset nun? Und bisher? Gut! Was jedoch auch evident ist, sonst würde ich hier nicht Unromane texten. Ja, zwar geht es mir jetzt zu flott extra-atlantisch, also interplanetar weit weg vom namensgebenden Kontinent, wo sich doch alles entscheiden wird. Aber alle Umwege führen nach Atlantis zurück und in den Temporaltransmitter. Und alle Lesenden, die auch nur einen Hauch von Lektüre der zugrunde liegenden Romane erhascht haben, wollen gen Larsa, zur Venus, zum „Kommandanten“! Das ist schon recht so!:-) Wie viel von der Venuspositronik steht schon bzw. hat man nach Amonars Ende umgerüstet und bereits auf Atlan geprägt? Spinnen sich auch dort Intrigen wider den Kristallprinzen? Oder kann Perry hier gegen Intrige und Verrat mobilisieren und Kräfte gegen Rowenas Komplott vereinen? Alle außer mir werden es längst wissen – ich gehe nun an Roman drei und erhöre den weiteren Weg. Auf dahin!

ATLANTIS 01 – Nachschlag

Hallo Mitwelt!

So unglaublich es nach 24 Minuten Lesezeit über ATLANTIS 01 erscheinen mag, hier und heute soll es noch in flugser Flottheit und gewohnter präziser Prägnanz einen Nachschlag zum Auftaktroman der Miniserie geben. Denn, lockender Spoiler, ich habe ihn anscheinend gänzlich „falsch“, zumindest den Erzählbemühungen nach kontraintendiert gelesen (aka gehört). Hinzu noch die Auflösung, die ich im Gewühl der Worte schuldig geblieben bin.

1. Des Herrn der Hefte Lieblingssatz

„Einer meiner Lieblingssätze: »Die Landschaft tat, als wollte sie Perry Rhodan erschlagen.«“ KNFs Satz der Sätze von Anfang Kapitel 9. Wie finde ich diesen, sprang er mich auch an, fühl(t)e ich mich von seiner Wucht erschlagen? Nein. Meine Assoziation hierzu lediglich: gestörtes Gelände, wie die literarische Naturforscherin Esther Kinsky die Zustände der Gelände unserer Welt bezeichnet. Wenn „das geologische Gefüge der Welt“ verschoben wird durch anthropozänes Übergriffigwerden oder aber durch einen „Rombo„. So der italienisch lautmalerische Begriff für ein Erdbeben genauso wie auch der Name des jüngsten „Geländeromans“ der Autorin, wie das von ihr dem Nature Writing anverwandte, neugeschöpfte Sub-Genre worttektonisch konturiert. Der Roman, der es in der SWR-Bestenliste auf Platz 2 geschafft hat.

Ich muss gestehen – voriger Beitrag zum Heft mein Kronzeuge! -, dass ich keinerlei Fokus auf den landschaftlichen Beschreibungen hatte und sie mich nicht – wie dieses atlantische Gelände Perry – von der Seite her anfielen wie hungrige Raubpudel im Rudel. Das wird umso erstaunlicher, bedenkt man Folgendes unter Punkt zwo. Zu meiner Verteidigung diaboli kann ich nur vorbringen, dass

  1. Landschaftsbeschreibungen, die nicht von Tolkien stammen, für mich nicht halb so beeindruckende Wirkmacht ausüben. Wenn er sich nicht in modischen Details verliert, kann gewiss auch ein Robert Jordan, wenn die Beschreibung von Speis-und-Trank-Gelagen den hungrigen Frösten fragwürdiger Freiheit in Westeros Platz machen, kann auch Martin Landschaft. Doch geprägt hat mich J.R.R., wenn ich mit ihm Mittelerde durchwandere. Daran gemessen sind für mich bloße Landschaftsstriche anderswo ohnehin selten mehr als funktionalisierte Skizze zwecks etwas Worldbuilding – es ist da, weil es narratofunktional gebraucht wird;
  2. ich seit Ende 2021 wiederum aufs Questen geprägt bin, seitdem ich das exzelleniale vierteilige SWR2-Hörspiel über Die Fahrt der Argonauten [Link zu Teil 4] hören konnte. Aufgezogen und aufgemacht, als wenn die olympischen Göttinnen Hera und die noch nerdigere Athene ein Virtual LARP durchspielen und kommentieren würden, in das sie jederzeit eingreifen und den Weltenlauf beeinflussen können. Und da geht es ums Questen, aufzuspürende und aufzusuchende Quest-Figuren, um von ihnen Quest-Wissen und -Gegenstände zu erhalten, mit denen erst die Quest fortzuführen ist. Und wenn die ARGO, das Schiff der Argonauten trotz ihrer armkräftigen Ruderhelden langsam bis lahm vorankommt, der Quest-Raum nur wie in zäher Zeitlupe durchquert wird, wird VORGESPULT 😀[1]
  3. Ich spule gewiss nicht vor, höre meine Hörbücher jedoch 1,4-1,6fach geschwinder, weshalb mir da eventuelle Details, auf die ich nicht hellhörig wie ein Ferengi auf Gewinn lauere, am Ohr nur so vorbeirauschen. Das ist gewiss nicht optimal und zu optimieren, um darüber bloggen zu können!

Ausreden Ende…

2. Von Beichten und Geständnissen eines Expotarchen

Mit dem Jubiläumsheftroman 3000, der auch schon erschütternde rund drei Jahre zurückliegt, hat der PROC – Perry Rhodan Online Club – ein sehr schönes Format etabliert, nämlich das Autor*inneninterview. Heft für Heft wird die skriptoralverantwortliche Autorenheit vorgeladen und intensiv investigativ alles, wirklich absolut alles an leserfanrelevanter Information durch Rasenden Reporter Roman (RRR) Schleifer herausgepresst wie aus einer überreifen Zitrusfrucht. Nichts bleibt verhüllt, nichts ungefragt, nichts ungesagt, eine gnadenlose rhodanautische Beichte, die da abverlangt wird. Gut, die Autorenheiten wissen sich dem zu entziehen, entweichen wie Dschinns aus der Flasche dem Frageschraubstockgriff, transdimensionalisieren sich nach Belieben, um einer Antwort zu entgehen und zu entkommen. Kein Witz zu flach, kein Ausweichmanöver zu klumpfüßig, kein Geplauder nur zu offensichtlich ablenkerisch. Der Responsive Widerstand ist höher als nach einer Hyperimpedanz-Erhöhung, es kommt zur Responsflaute 😉 😀

Und das Format ist für ATLANTIS reaktiviert und im ersten Interview werden die (Ein)Geständnisse und hintertriebenen Denkenschaften nur so herausgefragt aus Expotarchen BCH wie sonst nur Blut von Vampiren. Naja, es geht um vieles, so auch über Gelände O_o

So zum Beispiel dazu, wie gut man Atlantis als Kontinent, als schon erzählten und weiter erzählbaren Raum den alten Heften einfach entnehmen konnte:

Das mit der Geografie von Atlantis selbst hattest du ja eben schon angesprochen, das war ein Hirnbrecher. So, wie Scheer sich das ausgedacht hat, passt das vorn wie hinten nicht zusammen, wir mussten tricksen. Da stecken drei Monate Nachdenken drin aber ich finde, wir haben das jetzt ganz charmant gelöst. Ansonsten gehört das aber zum Job, finde ich. Lieber der Chefautor bekommt graue Haare als der Autor oder – schlimmer! – der Leser.BCH im PROC-Interview

Und wie man mit diesen Erzählbrüchen umgeht? „Du unterstellst mir hier eine gewisse Schizophrenie, aber das ist vermutlich angemessen. Ich sag’s mal so: Bei sechzig Jahren Kanon prüfst du lieber dreimal, bevor du irgendwas dazuerfindest.“ Ziel der Recherche war es demnach, alles an Details herauszuholen, um so originalnah wie möglich bleiben zu können. Das Destillat dessen haben Abonnent*innen der Print-Hefte als DIN A3 große Posterkarte vorliegen, können Lesende der Hefte wie ebooks als kleinerformatige Farbkarte beäugen und ist in der Perrypedia digital einsehbar. Die Mühe, die erzählwildwüchsigen Darstellungen insbesondere aus den Scheer-Heften (Nr. 60 und 70) zu einem stimmigen Bild zu vereinen, das einen Inselkontinent in Gänze präsentiert, ist eine enorme Fleißarbeit. Eine, die ich nicht würdigte, da die Landschaft nur so an mir vorbeiraste, als hätten wir in einem Überschallgleiter gesessen, obwohl wir Atlantis doch mit Perry & Co. per pedes durchwandert sind. Ich gelobe Besserung und mehr Obacht für die (hoffentlich nicht nur gestörten) Gelände in dieser Gegend der Erde, die nur noch höchstens 5 Jahre existieren werden.

3. Sichu – eine erzählsperrige Figur?

Dass ich mich über Sichus Anwesenheit in der Miniserie freue, hatte ich ja schon kundgetan. Eine mir sehr sympathische Handlungsträgerin, die allerdings so leicht anscheinend gar nicht zu schreiben ist. Und das wohl gerade ob ihrer meist zurückhaltenden, wissenschaftlichen Haltung, die der Skriptorale Expotän treffend so näher charakterisiert:

Analytisch, verschlossen, nach außen Abweisend aber innerlich emotional und zu Leidenschaftlich für ihr eigenes wohl? Das hätte auch über mich geschrieben worden sein können, TBH.BCH im PROC-Interview

Sie ist mitnichten eine typische Akteurin – Pro- oder Antagonistin -, die sich primär über Handlung auszeichnet. Zumindest keine in Richtung Action gehende Handlung, die einem steten Handlungssog folgt, wo zu handeln näherliegt als innezuhalten.

Doch gesteht BCH auch ein: „Ernsthaft: Sichu ist eine tolle Figur, die einfach nicht genug Raum bekommen kann. Und Gucky, Bully und Co. hatten wir in den Miniserien auch schon wirklich oft – Sichu nicht so sehr.“ Besagte Bully und Gucky als Perrys älteste Freunde hatten beispielsweise in just voriger Miniserie aus letztem Jahr – WEGA – bereits prominent ihren gemeinsamen Auftritt in einen der beiden Handlungsstränge. Dass Perry Rhodan in einer PERRY RHODAN-Miniserie präsent und zentral sein muss, ist klar. Umso wichtiger dann jedoch, ihn stets anders und neu zu konstellieren. Und ihn nun anstelle alter Kumpel nun mit seiner Frau loszuschicken, hat was. Nicht, dass Perry als unbesonnener, unbedachter Typ bekannt geworden wäre, aber mit Sichu an seiner Seite sollte er gar nicht erst in Kurzschlusshandlungen verfallen. Da sie in jedem Fall aber den nachdenklichen Part übernimmt, kann er dann doch ‚freier‘ agieren und mehr den Risikopiloten mimen als den Jahrtausende alten Staatsmann kosmischer Prägung, gebeugt vor entschleunigter Weisheit.

4. Chronolokalität – die Handlungszeit

Wann ATLANTIS spielt, so klingt es im Interview, scheint eindeutig klar: 8005 v. Chr. Anders gesagt: fünf Jahre, bevor Atlantis untergeht, was es exakt 8.000 v. Chr. getan haben wurde. Doch ist das so klipp und klar? Ja, Perry denkt – nicht zufälligerweise – an 8005 v. Chr. als Datum, nachdem er die arkonidischen Statuen in der atlantischen Landschaft sichtet. Statuen, die wohl kaum sofort nach ‚Entdeckung‘ oder Siedlungsbeginn gebaut worden sein dürften. Hinzu der Fakt, dass die Unterwasserkuppel als Rückzugs- und Schutzraum erst 8005 v. Chr. fertiggestellt worden ist. Nur heißt das ja nur, dass man nicht früher angezeitet sein kann (Kuppel stand ja schon ausgestattet da), nicht aber auch, dass es demnach nicht schon 8004 v. Chr. sein könnte. „Entdeckt“ wurde das System durch Arkoniden Larsaf 8009 v. Chr., genauer gesagt zu diesem Datum das System formal in die Sternenkataloge eingetragen wurde. Zuvor hatte es die wohl tatsächliche Erstentdeckung gegeben, nämlich bereits 8024 v. Chr., als Prospektor und Sklavenhändler Neeol Darmigon trotz (oder wegen) indigener Bevölkerung auf Planet 3 landete. Das geriet jedoch gänzlich in Vergessenheit. Nach der ‚Larsafizierung‘ des Systems etablierte zunächst Amonar als Administrator auf Larsaf II., Larsa (nachmalige Venus) eine Kolonie für gut 2 Mio. Arkoniden. 8005 v. Chr. – etwa 4 Jahre später also – wurde er dann (Heft 60 Festung Atlantis) von Atlan gestürzt und die 50.000 Zakreber besserer Lebensbedingungen wegen nach Larsaf III. evakuiert. Larsaf III., das zunächst primär als Militärkolonie gedacht war (Festung Atlantis sowie dann Festung Arkonis als Titel von Heftroman 02 daher nur zu passend). Genauer ist es in den Chroniken nicht verzeichnet. Perrys Annahme ist demnach das Beste, was man zeitlich einordnen kann, aber auch keine C14 präzise Datierung.

Das lässt narrative Spielräume, vor allem für ein Auftreten Atlans. Denn der weilte mitnichten die ganze Zeit vor Ort! Vielmehr fliegt er samt Flottengeschwader ab, hinein in den heißen methankrieg, kämpft 30.000 Lichtjahre fern vom Larsaf-System. Und kehrt wesentlich später erst zurück: „Wäre das nicht so gewesen, hätte ich knapp zwei Jahre später fraglos Mittel und Wege gefunden, um ein anderes, unheimliches Geschehen wenigstens teilweise zu verhindern.“ So sinniert Atlan am Ende von Kapitel 5 in Nr. 60 Festung Atlantis. Von irgendwann inmitten 8005 v. Chr. an weilt er weit außerhalb und das für rund 2 Jahre lang. Was mag das für ATLANTIS heißen? Ich vermute, dass wir eben nicht gerade so 8005 v. Chr. zeitgestrandet sind, sondern schon bedeutsame Zeit später. Zeit, die der Tato (Ark. für planetaren Gouverneur) genutzt hat, um Intrige und Hintertrieb in Konspiration mit Rowena auszunutzen. Und zwar in Atlans, des Kristallprinzen Abwesenheit. Wenn dieser erst etwa 8003 v. Chr. wieder in die Abseitigkeit dieses Systems zurückkehrt, werden wir wohl kaum darauf noch 2 ATLANTIS-Handlungsjahre warten müssen!

Und bezüglich Zeitparadoxon, sollte Perry Atlan begegnen, dass dieser den Serienhelden dann später hätte erkennen MÜSSEN, gibt BCH zu Protokoll: „Das Perryversum ist ja reich an Methoden, so etwas zu verhindern, das reicht vom Psychostrahler über Gedächtnismanipulation bis hin zu alternativen Zeitlinien und Paralleluniversen. Für welche wir uns entscheiden? Das wird man in den Romanen erlesen können.“ Ja, lesen wird man müssen, wie das bei Schrifterzeugnissen so vorgesehen ist;-) Kann mir aber nicht vorstellen (oder will es prophylaktisch nicht), dass es so plump kommt. Psychostrahler scheidet im Übrigen aus, weil der nur gegen Nicht-Mentalstabilisierte ankommt, Atlan zu dem Zeitpunkt jedoch längst über einen aktivierten Extrasinn verfügt, der solcherlei Zugriff zu blocken hilft. Die beiden letzten Optionen – alternative Zeitlinien oder Paralleluniversen – sind es hoffentlich nicht! Wäre ein viel zu lazy writing, eine zwölfbändige Geschichte derart narrativ abzukapseln, damit man freimütig wild erzählen kann, ohne dass es Auswirkungen aufs Perryversum der Erstauflage nimmt. Bitte nicht! Allerdings ist weder Expokrat noch Perry auf den Kopf gefallen, sondern Profis, wie man anständig zeitreist: „Er [Rhodan] hat da ja schon Erfahrungen damit, ist da sozusagen der Experte. Aber natürlich wird das ein ständiges Thema in unserer Miniserie sein. Er wird sich öfter als einmal fragen müssen, ob das, was er da treibt, immer so richtig ist.“

5. Quartett figuriensis

Auch diesbezüglich voreilig und hastspießig war wohl meine Einordnung speziell von Caysey, die ich mir noch nicht so recht als Ko-Protagonistin auf Augenhöhe vorstellen konnte. Zu übergroß Perry, schon zu erfahren und professionelle Wissenschaftlerin Sichu, anscheinend konspirationsgeschulte Extrasinn-Trägerin Rowena. Dagegen SCHIEN mir Caysey doch zu sehr zu verblassen und nur zeitweise Questraumwegweiserin zu sein. Eher nicht, wie vage Vorausdeutung andeutet:

Die Zeitreise gibt ja einige Dinge schon vor. Arkoniden, Venus, Maahks und andere Details gehen einfach aus dem Setting hervor. Wir werden außerdem ein Viererteam aus Figuren haben, das im Lauf der Handlung zusammenfindet, ein mysteriöses Artefakt, das Talagon, hinter dem alle her sind und eine geheimnisvolle Macht im Hintergrund. Neugierig geworden?BCH im PROC-Interview

Ja, neugierig ich bin. Das „Viererteam“ ist bekannt, Caysey eine davon, wo hinzu Rowena noch wachsen muss (in bereits gehörter Nr.02 auch bereits erste große Schritte im Gruppenprozess…). RRR liest sie mit „erfrischend positiver Art“, wenn sie auch von der Tragik des verfluchten Kindes und einer todgeweihten Inselwelt umgeben ist. „Das ist ein spannender Widerspruch, oder? Neues Leben kontra Weltuntergang. Lebenslust kontra drohendem Tod. Du kannst nicht über einen zum Untergang verdammten Kontinent schreiben, ohne dieses Spannungsfeld anzusprechen.“ Caysey ist also vielmehr Symbolfigur für ganz Atlantis, für die Situation vor Ort als indigen Kolonisierte unter Kolonisatoren wie Sternengötter, als Spielball von Kultur- und Naturkräften, die weit über sie hinausgehen, denen sie sich aber tapfer stellt. So gelesen, ist sie vielleicht sogar diejenige, die am meisten wachsen kann von allen. Sich wie eine tragische Heldin gegen das – ihr ja gar nicht geweissagte – Schicksal des Untergangs (von Kind un Kegel) aufzulehnen, indem sie einfach beharrlich lebt als Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will!

  • Immerhin scheint mir ATLANTIS nicht auf eine, geschweige denn klassische Heldenreise hinauszulaufen, die zwölfbandkompakt erzählt würde. Allen voran, weil Perry Rhodan keinen Fuß mehr setzen und keinen Meter mehr machen braucht, um Held zu werden, so viele (Handlungs)Jahrtausende er es längst geworden ist. Bzw. von Heft1 an – UNTERNEHMEN STARDUSTqua Exposé schlicht schon war. Sichu wiederum – siehe die Schwierigkeiten rund um ihre Charakterisierung in laufender Handlung – könnte zwar an Heldinstatus zulegen, sollte es aber m.E. erst gar nicht. Sie ist und wird keine klassische Heldin, sondern bleibt besonnene, abgeklärte Wissenschaftlerin ohne heroisches Potenzial. Wer aber sehr wohl heldenreisen dürfte, ist selbstredend Caysey: diese ist aus der Vergangenheit für die Zukunft verflucht und muss dann buchstäblich aus ihrem Dorf abgelegener Provinz hinaus in die so viel größere Welt, hinein ins Land der Sternengötter gelangen [Frodo Beutlin, Rand Althor, Luke Himmelsgänger uvm]. Das charakterskizziert noch schwankend zwischen eingeschüchterter ‚Barbarin‘, die aber vielmehr von Anfang an mit taffer Keckheit der ach so göttlichen Welt wagemutig begegnet. Und Rowena? Zunächst ist sie nicht Teil des ProtagonistInnen-Trio, sondern Antagonistin, die immerhin nicht als Urböse psychopathisch mordend herumrennt, aber doch GoT-esk genug opportunistisches Böse mit sich herumträgt. Ob sie aus dem Zwielicht ins Licht reist, an Rückgrat und Haltung gewinnt, in diesem Sinne eine Heldinreise durchlebt – wer weiß. Alle Übrigen scheinen mir von vornherein derart nebenfigürlich, dass sie kaum mehr über Ein-Heft-Biografien hinauskommen dürften, was keinerlei heldenhafte Progression mit sich bringt. Doch wie viel Heldinreise kann Caysey er- und durchleben? Auch wenn in Sie-Perspektive im steten Wechsel ganze Kapitel aus ihrer Sicht sind, gehen sie – für meinen Geschmack – jetzt auch nicht in die Tiefe, die uns die mentale Lebenswelt einer jungen Atlanterin en detail schillernd exponiert. Daher sind ihre Innensichten nicht so intensiv, um ihre Kompetenzstufenentwicklung mitzufühlen. Es bleibt – bisher! – recht kognitiv empathisch – man kann nachvollziehen auf gedanklicher Ebene, welche soziokulturellen Quantensprünge sie da durchläuft.
  • ATLANTIS 01 – Im Land der Sternengötter

    Hallo Mitwelt!

    Bevor ATLANTIS02 erscheint, kurz vor Toresschluss noch meine letzten Worte zum Auftaktroman der Miniserie. Zu der ist – zumindest für Abonnent*innen der eBooks – mit „Wächter der Tiefsee“ eine kurze Vorgeschichte exklusiv erschienen, die konturiert, wo Perry und Sichu im ersten Roman dann doch hastig hineinstolpern. Derweil liegt dem Hörbuch leider der ATLANTIS-Kommentar nicht bei, auf den ich hoffte. Ohne weitere Worte dann mal geprüft, ob ich mich dieser Einschätzung anschließen kann: „Einer meiner Lieblingssätze: »Die Landschaft tat, als wollte sie Perry Rhodan erschlagen.«“ Worte vom Anfang Kapitel 9. [Coronabedingt und nicht etwa des Umfangs wegen Postingverzögerung um 1-2 Tage. Speedreader haben sicher Nr.02 bereits gelesen]

    Zur Handlung

    Fünf Wochen vor Miniserienstart fasste Der Herr der Hefte es so zusammen:

    Was den Inhalt angeht, so erzählen die bisherigen Exposés und Manuskripte die Geschichte einer ungewöhnlichen Gruppe von »Helden«, die sich zuerst durch die Wildnis eines unerforschten Kontinents schlagen müssen, bevor sie ins All aufbrechen. Dort stoßen sie bald auf Gegner, mit denen sie nicht rechnen konnten, und erkennen, was der Grund für die bisherigen Ereignisse ist. Vor allem Perry Rhodan muss sich die ganze Zeit fragen, ob das, was er tut, in jedem Fall immer so ideal ist …KNF in seinem Blog

    Ben Calvin Hary: „Im Land der Sternengötter: Am Vorabend einer Katastrophe – sie erreichen einen todgeweihten Kontinent“

    Die Handlung setzt in der Gegenwart der Erstauflage, 2069 NGZ, ein, wo in in Atlans musealisierter Tiefseekuppel die Einweihung dieser Begegnungsstätte für Arkoniden und Terraner gefeiert werden soll. Nach einigen technischen Wacklern und Aussetzern erweist sich im Sockel der Kuppel eine Störquelle als ursächlich. Im Ausstellungsraum wiederum taucht inmitten katalogisierter Artefakte ein für Perry Rhodan unbekanntes Objekt auf, das Atlan als Talagon ebenso wiedererkennt wie die Arkonidin Rowena, mit der er es in Verbindung bringt. Beide anscheinend aus der Zeit gefallen, weshalb sie die Verfolgung der fliehenden Rowena aufnehmen, die just zur und dann durch die fragliche Quelle entkommt, nachdem sie Atlan möglicherweise tödlich angeschossen hat. Ihn auf sein Geheiß dennoch zurücklassend, das Talagon aber zurückzubringen, gehen Perry und Gattin Sichu durch den „Schrank nach Narnia“. Nur dass der „Schrank“ ein Temporaltransmitter gewesen sein muss und sich „Narnia“ zunächst als die Tiefseekuppel von 8005 v. Chr. anhand funktionierender, aber seit 13.00 Jahren vergangener Technik erweist. Man findet sich auf der Erde bzw. in den flachen Wassern vor der Küste von Atlantis wieder.

    Sie landen an, treffen dort aber nicht mehr auf Rowena, die wie eine dem Meer entstiegene Rachegöttin mehrere arkonidische Bauroboter am Ufer zerstört hat, sondern auf die göttergläubige Atlanterin Caysey. Zwar hochschwanger, bietet diese den beiden Göttern, die nicht einmal Zauberer sein wollen, ihre Führung an, die sie in erster Quest zu Cayseys Dorf bringen soll. Nach drei Tagen dort angekommen, stellt sich allerdings heraus, dass hochschwangere Caysey nicht grundlos, sondern aufgrund eines Bannfluches aus ihrem Dorf entflohen war, weshalb es statt hilfreicher Aufnahme auch nur eisige Ablehnung zur Begrüßung gibt. Doch auch diese nicht nur deshalb, sondern weil Rowena ihrerseits aus der Gejagten zur Jägerin wurde und den drei Questenden einen Hinterhalt gestellt hat. Als Vertraute des planetaren Gouverneurs stehen ihr anscheinend Mittel und Wege zur Verfügung, die sie auch aufwendet, um die Beseitigung des Talagon, das Perry an einer Kette mit sich herumträgt, zu vollenden. Doch misslingt Rowena trotz Hilfe ihres beratenden Extrasinns auch dies, sie wird überwältigt und bleibt betäubt zurück, während das Trio talagonale die Quest zum nächsten Questort und -figur, einem verrückten Wissenschaftler, fortführt…

    1. Kolonialherrliche Fremdbezeichnungen

    Ein allerletzter Vorab-Gedanke – Wirklich! – dazu, dass Entdecker und Kolonisatoren freimütig zu benennen belieben, egal was und wie sehr es von Ortsansässigen längst benannt worden ist. So Atlantis und indigene Atlanter sowie Atlopolis als späteres Arkonis dem Kolonisator von Larsaf III zu Ehren, Goszuls Planet nach seinem Inbesitznehmer Mehandor-Patriarch Goszul. Unverschämte, infame, anmaßend sich aneignende Akte fremdherrschaftlicher Arroganz! Wenn sie diesseits unserer Geschichte nicht gang und gebe gewesen wären. Ich kann hier science fictional nur an Lems Lokaltermin erinnern, wo es phänomenal auf den Punkt gebracht wird. Als jüngst gehörtes Beispiel hingegen sei verwiesen auf Amonute bzw. Matoaka alias Pocahontas aka Rebecca – die Vielnamen derjenigen Häuptlingstochter der Algonkin im heutigen Virginia (USA), die entgegen mythoverklärender Disney-Verfilmungen schon vor ihrer Pubertät von den anlandenden englischen Siedlern vergewaltigt, dann als Faustpfand wider ihren Vater als Geisel gehalten, sodann nach England verschleppt wurde, wo sie als besagte Rebecca zwangsgetauft und -verheiratet als Vorzeige-„Edle Wilde“ herumgereicht wurde. All das nahm ihren Anfang in Jamestown (vormals: James Fort), den anfänglichen Hütten mit Palisade drumherum, am James River gelegen. Je benannt zu Ehren des englischen Königs James I. In Unkenntnis oder vielmehr Ignoranz lokaler Bezeichnungen durch die Algonkin. Nur wer besagten Disney-Film noch vor Augen und bei all dem Musical-Gesang noch im Ohr hat, kann jetzt mit der Realität abgleichen, in der der zwangsbeglückende Königstochterraub zum Gründungsmythos nur allzu oft dazugehört (hat?).

    Und wo man sich kolonialherrlich dazu herabließ, sich der lokalen Namensgebung zu befleißigen – wie im Falle von Machu Picchu -, hat man offenbar nie richtig hingehört… 😀 Huayna Picchu die nachsichtlich wohl gebräuchliche Bezeichnung der berühmten Inka-Stadt. Merke: Entdecker und Kolonialherren sind in der Beschreibung der Welt echte Nullen! Genau wie Ijon Tichy, der den Vergnügungssatelliten von der mit der Hauptwelt Entia allen Ernstes verwechselt hat…

    2. Déjà-vu des Anfangs

    Dem Anfang liegt ein Zauber inne – oder aber ein Déjà-vu: das nicht im engen Sinne des Wirklich-Gleichen, aber des Merklich-Anverwandten, was den Auftakt angeht: der Hauch der Erinnerung geht ins letzte Jahr zurück, als die achte Miniserie: WEGA wie stets zwölfbändig erschienen ist. Und Heftroman 01 beginnt insofern auffallend ähnlich, als dass man sich auch zu Feierlichkeiten einfindet. Hier ein Sonnensystem weiter, im gleichnamigen Wega-System der Ferronen, wo einst die Spur durch Raum und Zeit des (Ersten) Galaktischen Rätsels bis zur Heimat- und Ankerwelt der Superintelligenz ES und zur Unsterblichkeit führte. In Gedenken der damals – ab 1976 n. Chr. – zusammenführenden Zeiten, des bis heute andauernden Bündnis zwischen Ferronen und Terranern hielt der Tort, lokaler Machthaber königlicher Art, ein Fest in seinem extra museal nachgebauten Palast ab. Doch dann überschlagen sich auch hier die Ereignisse, statt bloß technischer Wackler und störstrahlender Temporaltransmitter bricht hier eine feindlich gesinnte Flotte über die Feiernden zusammen. In wilder Flucht entkommen – ebenfalls paarweise – die Terraner in realitätsgewordener Nostalgie durch Transmitter nicht im Sockel, aber in den Kellern des Palastes. Die einen schleudert es auch temporal durcheinander, die anderen wohl nur durch unbekannte Räume. Von da an wird alles anders, so wird Perry bspw. durch einen höchst unangenehmen, mordbübischen „Bastardprinzen“ verfolgt und hat nichts in Händen, das er wem auch immer zurückbringen sollte. Hier endet das Déjà-vu!

    Es beginnt beide Male nostalgisch, an Orten, zu Anlässen des besinnlichen Feierns der guten alten Zeiten und oller Schicksalsgenossen zu Ehren, um dann ins Katastrophische handlungshineinsaugend zu kippen… Damit liegt auch die Perry Rhodan-Serie im Trend der Zeit, sich der Nostalgie zu bedienen. In den Mikrokosmen der Miniserien lässt man Retrotopien im neuen Gewand auferstehen, die die Allesimmerschongelesenhabenden und sich stets präzise ausweisenden Altlesenden wonnig aufseufzen lassen. Diese Art erzählender Miniserien als ‚Stammesfeuer der Leserschaft‘, an der sich auch Neulinge wärmen und sogleich vom Altguten hören können. Doch die Erzähltradition seriengewordener Mythen (Galaktische Rätsel/Unsterblichkeit, Atlantis, ???) werden sogleich auch entzaubert, da an die altgedienten Orte Fremdneues gelangt und es in der altbekannten Struktur erschüttert, aufbricht, durcheinanderwirbelt. So durchwandern wir ja kaum ein Kapitel kurz statt auch nur ein Heftroman lang die musealen Orte als Horte der Erinnerungen, folgen weder dem ferronischen Tort noch beuteterranischen Atlan in ihrem herausgeputzten Wandelgängen durch die alte / miterlebte Geschichte. Kaum ein paar warme Worte der alten Zeiten wegen zu lesen / hören, endet die Gemütlichkeit und aus Nostalgie wird Provinienznachforschung in mitnahmementalen terranischen Anfangszeiten. Und die Humboldt-Foren des Perryversums müssen ihre erinnerungskulturellen Sammlungen neu oder erstmals ordnen und sich den ‚Geistern der Besammelten‘ stellen. So gelesen, sind die Miniserien motivisch topaktuell auch in dieser Hinsicht. Sie greifen Serienvertrautes auf, um es aber zugleich zu aktualisieren. ‚Progressive Nostalgie‘, wenn man so will. „Zurück in die Zukunft“, wie man es nennen müsste, wäre die Assoziation nicht schon besetzt. Anderswann mal näher zu beleuchten und entlang aller neun Miniserien durchzudeklinieren. Zu vermuten, das sich gewisse Spannbreiten bei den ‚Prostalgien‘ erweisen, wie weit der serieninterne Mythos zurückliegt und ob sich das Ergebende aus der Miniserie als im Weiteren mythoserweiternd etabliert oder doch nur eingekapseltes Mikronarrativ bleibt. Eine mythomotorisch eher warme Option, den Serienmythos durch fortschreibende Wiederholung in Erinnerung zu halten, in seinem Kanon-Status zu bestätigen sowie ihn eben doch zeitgemäß anzupassen. Damit wären wir nur zu passend bei einem …

    3. Futurchronismus – narrative Chronoferenzen

    …Futurchronismus, wie ich es ungelenk auf den Begriff bringen will. Abgekupfert von Anachronismus, wo in ersonnener Zukunft Altbestände wie aus der Zeit gefallen vorkommen. Mein Futurchronismus sollen aus der Zukunft zurücktransferierte Objekte meinen, die in der (Handlungs-/Serien)Vergangenheit futuristisch deplatziert, zu zukünftig erscheinen.

    So sehr nach obigen Überlegungen sich reproduzierter Serienmythos und adaptive Fortschreibung in den Miniserien die Klinke in die Hand geben, so sehr prallen damalige Erzählwelten und -weisen der 1960er Jahre mit den heutigen Erzähl- und Schreibstilen zusammen. Diese bedienen sich auch zusätzlich noch zum Teil enorm anderer Figurenkonstellationen zum Bevölkern der Handlungswelt, wie sie damals unüblich waren. Konkret: Frauen! Dann und wann die eine oder andere, aber in damaligen Frauenbildern ausgemalt. Bestes Beispiel Perry jetzige Partnerin Sichu, die trotz Heirat bspw. ihren Nachnamen Dorksteiger ohne Anfügung von Rhodan beibehalten hat, schon demnach also sehr eigenständig geblieben ist. Das lohnt sich mit Rhodans vorigen Frauen abzugleichen (Thora Rhodan da Zoltral, Mory Abro-Rhodan), die nicht halb so zahlreich sind wie die Atlans, die aber selbst nach ganz anderem Beginn immer als ‚Frau an Rhodans Seite‘ endeten. Auch da, wenn denn überhaupt erwähnt, geschweige denn als Handlungsfigur tragend. Das hat auch an einem Mangel an Autorinnen gelegen, wo daher ausschließlich Männer die längste prägende Zeit für Männer und an Männer geschrieben haben. Darum geht es mir in diesem Abschnitt zwar gar nicht, aber hervorhebenswert wichtig ist es dennoch. Denn die Mythen werden allein dadurch schon aktualisiert, indem nun Frauen die ‚Mythenwelt‘ bevölkern in zuvor nicht gehabter Quantität, vor allem aber handlungsrelevanter Qualität.

    Mir geht es aber um Folgendes: Hologramme! Sie kommen in ATLANTIS01 gleich mehrfach vor. Richtigerweise in der anfänglichen handlungsgegenwart, wo sie längst etabliert sind. Auch nachvollziehbar im Rahmen von Omen 4, wo mutmaßlich ohnehin höhere Mächte am Werk und involviert sind, für die dreidimensionale Hologramme das Geringste an technischer Spielerei sein dürften. Bis hierhin alles im Lot. DANN ABER: Hologramme tauchen selbstverständlich im Einsatz auf und zwar an Orten und vor allem Zeiten, dort und dann es gemäß Serienkanon, laut der originalen Heftromane keine Hologramme gegeben hat. Ich höre zur Zeit den für viele legendärsten Meister der Insel-Zyklus nach, Heftromane 200-299 bzw. Silberbände ab Nr. 21. Da sind wir im Handlungsjahr ab 2400 n. Chr., gut 400, fast 450 Jahre nach dem Aufbruch der Menschen ins All (1971). Seither haben sich die Terraner – man muss es so deutlich sagen – alles entliehen und herbeigeklaut, was an Technik herbeizuholen war. Doch auch nach 400 Jahren terranischer Technikentwicklung gibt es immer noch nur Bildschirme und zwar flache ohne auch nur effektheischende Wölbungen. Das Beste, woran man geraten kann, sind Panoramabildschirme, die rundherum laufen und so in ihrer Zweidimensionalität den sich drehenden Betrachter wenigstens eine 360° Perspektive bieten. Das ist jedoch das höchste der optischen Gefühle, derweil Antriebe, Defensiv- und Offensivwaffen zyklusweise anschwollen. So kann man bspw. innerhalb kürzester Zeit die Reichweite des Überlichtantriebes von 0,6 auf 1,0Mio. Lichtjahre vergrößern, um technisch einwandfrei die Kluft zwischen den beiden Galaxien Milchstraße und Andromeda zur Hälfte zu überbrücken.

    Und wenn wir in die Anfangszeit der Serie, Zyklus01 Die Dritte macht, zurückgehen: das arkonidische Reich liegt am Boden, seine hegemoniale Bevölkerung ist degeneriert und zur Regierung des Sternenreiches gar nicht mehr imstande. Dennoch ist als letzter Akt technischer Innovation radikaler Art das bis dahin größte Raumschiff der Flotte, um 8.000 v. Chr. wider die „Methans“ entwickelt, ein 800m durchmessender Kugelriese [IMPERIUM- bzw. Ark. TUSSAN-Klasse] noch um die Testbauten zweier Überriesen ersetzt worden: fast doppelt so durchmessende 1500m Kolosse, die – by the way – die Terraner sogleich zu ‚entleihen‘ verstanden. Nicht von 800 auf um 25% gigantomatisierte 1000m Kugelgiganten vergrößert, nein, man quantenspringt exzessiv. Derlei ist möglich, aber Bildschirme auch nur mit 3D-Effekt sind undenkbar, keinmal beschrieben, nicht mal mit schlecht sitzender Brille visualisierbar.

    Dabei hätte sich schon von Heft0001 an ein Hologramm angeboten: so beschleunigte sich die Degeneration der Arkoniden noch durch sog. Fiktivspiele, deren süchtig machender Gebrauch ganze Raumschiffsbesatzungen an aktiver, zielführender Tätigkeit abhält, während sie paramechanisch ihre Gedanken in Form abstrakter Symbole und eigenwilliger Klangkompositionen ausdrücken. Das ausdrücklich aber auf Fiktivspiel-Bildschirmen, zu mehr es trotz der zugrunde liegenden Technik nicht gereicht hat. Diese Fiktiv-/Simulatorspiele und ihr degeneratives Suchtpotenzial nehmen schon ab dem 08.09.1961 alles vorweg, was im Laufe der Jahrzehnte gegenüber Computerspieler*innen vorgebracht worden ist – eskapistische Realitätsflüchte mit Suchtfaktor. Einzige Ausnahme einer 3D-Simulation ist das buchstäblich einmalige Observatorium der Oldtimer auf Impos, das die Milchstraße in beeindruckender Genauigkeit dreidimensional simulierte, bevor es bald nach der Entdeckung auch schon wieder zerstört war. Laut Perrypedia ist erst mit Heft 953 aus dem Realjahr 1979 und dem Handlungsjahr 3587 n. Chr. ein Hologramm ersterwähnt und eingesetzt worden – 18 Real- und fast 1600 Handlungsjahre nach Serienstart.

    Doch in ATLANTIS kommen Hologramme im Regierungssitz, wo Rowena bestimmmächtig ein- und ausgeht, genauso selbstverständlich vor wie in den ersten drei Omen, die vermeintlich genauso in identischer Vergangenheit angesiedelt sind. Kanonisch ärgert mich das ungemein, ist aber andererseits voll und ganz nachvollziehbar, wieso man hier – meines Erachtens – Fünfe gerade sein lässt. Denn gerade wegen obig skizzierter technischer Quantensprünge Zyklus für Zyklus, wie bezüglich Antriebe und Waffen aller Art jederzeit möglich, ist es derart wirrsinnig, diese Art astronavigatorisch und noch mehr militärisch nützliche Technik nicht auch erfunden zu haben. De facto haben die Gründer der Serie sich intergalaktische Weiten, Raumschlachten zigtausender Kampfraumer, Zeitreisen und so vieles mehr imaginieren können, nicht aber so viel alltagsnähere Technik. In unserer breiten Gegenwart sind seit AVATAR im (Heim)Kino 3D-Effekte längst möglich, wenn auch weiterhin nicht wirklich etabliert; lassen sich sogar Wärmedisplays zur taktilen Simulierung von 3D-Strukturen startuppen. Weil unsere Realität in solchen ‚Details‘ sich derart enorm weit über damalig perryversal als möglich Denkbares hinaus entwickelt hat, wäre eine 8.000 v. Chr. spielende Miniserie unfassbar anachronistisch und oldestschool, wenn sie von hyperschnellen Raumschlachten und planetaren Besiedlungen über Lichtjahrtausende hinweg berichtet, aber noch halb analog mit Lochkarten und verpixelten Röhrenbildschirmen arbeitet. Alle Neuleser*innen wären entsetzt und verstünden vermutlich gar nicht, worum es da geht, ob das Science Fiction oder Ulk sein soll. Man schreibt fürs gegenwärtige Publikum, egal wie viele altgediente Stammleser*innen darunter sind. Da bedarf es mancher Zugeständnisse. Wir kommen seit Jahrzehnten zwar nicht mehr bis zum Mond, basteln aber an Quantencomputern und Quanten-Memristoren, haben es zu 8k Bildschirmen geschafft und können mindestens per Brille selbst daheim 3D simulieren; von Virtualisierung per Gockel Glass & Co gar nicht erst zu reden. Aber von sich eingenommene arkonidische Imperialisten bedienen bloß analog-mechanische Steuerpulte, reichen Lochkarten händisch zu Verarbeitungsmodulen weiter und müssen per Schalter manuell Bild und Funk umständlich zuschalten. All das WAR Standard zu Serienbeginn, ließe sich bei aller Nostalgie aber nur noch an ein Häuflein rigorosester Minimalpuristen verkaufen.

    So kommt es zu ’narrativen Chronoferenzen‘ (analog zu physikalischen Interferenzen), wo sich innerhalb der Erzählung (=narrativ) ungleiche Zeiten überlagern, erzähltektonisch ineinander übergehen und sich gegenseitig verschieben. Da drängen intradiegetische (Wirkmächte innerhalb) und extradiegetische (Wirkmächte von außerhalb der Erzählung) ins Geschehen und beanspruchen je eigene Zeitlogiken. Wer will, kann bei Star Trek DISCOVERY nachschauen, die wirrsterweise 10 Handlungsjahre vor gründungsmythischer TOS-Serie (Raumschiff Enterprise mit Kirk, Pille und Spock) spielt, rund 50 Realjahre nach erster Star Trek-Serie mit modernsten Tricktechniken inszeniert, was mit Röhrenbildschirmen damals unzeigbar war. Dem Prinzip nach ein- und dasselbe Problem, nur um den visuellen Faktor nochmal potenziert. Bei uns hier geht es nur um angelegentliche Erwähnungen schriftlicher Art, die man sich nach Belieben vorstellen kann. Daher: bei aller unwilliger Irritation. Jaja, holographiert meinetwegen die alten analogen Zeiten, wie es narrativ passt!

    4. Das Arkonidische – eine herrschaftliche Sprache

    Nach so grundsätzlichen Überlegungen jetzt eine Randbeobachtung, die zugegeben nichts zur eigentlichen Handlung beiträgt, mir aber mit Interesse auffiel. Nachdem Rowena dem Meer entstiegen und auf Caysey getroffen war, reden beide miteinander. Und mit dem Hochmut einer privilegierten Arkonidin gegenüber einer Wilden stellt Rowena für sich fest: das Arkonidisch habe weniger Kasus als das Atlantische. Und das denkt sie, nur so kommt es bei mir an, als wäre das ein Unding und spräche gegen die Sprache der Atlanter. Noch so randständig linguistische Einschübe gibt es in der Perry Rhodan-Serie so gut wie nie, schlicht weil kein Sprachprofessor Tolkien perfektionistisch mitschreibt. Anderes steht im Vordergrund, nicht ein linguistic turn, obwohl es da spannende sprachliche Verwandtschaftsbeziehungen gäbe. Im Laufe der Zeit ist dann doch ein gewisser Duden des Arkonidischen bzw. Satron =Ark. für: Same Arkon Trona =Hört Arkon Sprechen zusammengekommen, wobei primär nur lexikalisch, also als losgelöste Vokabeln; sehr wenige Sentenzen, die wohl kaum die regulär gebräuchliche Grammatik widerspiegeln. Daher umso interessanter, wenn dann doch eine Aussage hierzu gemacht wird. Da ich kein Linguist bin, kein Arkonidisch aus dem Ärmel erfinden könnte, kann ich jetzt höchstens sprachsoziologische Ideen äußern, was weniger Kasus bedeuten. Eine schnörkellosere Sprache, die ohne viele Wenn und Aber nicht umständlich herumdekliniert, sondern mit imperial-militärischer Schnittigkeit auf den Punkt kommt. Eventuell eine grammatikalische Eigenheit dieser Zeit, die derart militärisch durch dem „Methankrieg“ bis in die Tiefenstrukturen der Gesellschaft geprägt ist. Offen bleibt allerdings, ob es sich um das Satron als Lingua Franca des Tai Ark’Tussan handelt, der Verkehrssprache als Satron-I, oder der Hofsprache der Adligen als Arkona-I. So wie Rowena auftritt und rüberkommt, zählt sie nicht zu Hofadligen, befindet sich ohnehin auch an keinem Hof, sondern bei Caysey am Strand. Gehen wir daher von Satron-I aus, das im Sprachkontakt nicht nur mit humanoiden Völkern und arkonoiden Sprechapparaten zum Einsatz kommt. Das müsste daher ohnehin ziemlich flexibel einsetz- und anwendbar sein und kann sich gar keiner schwer aussprechbaren Schnörkel zur Zierde bedienen. Dies umso mehr, da dies dem Hofadel obliegt, dieser sich durch feine Sprachunterschiede vom einfachen Volk und erst recht Kolonialarkoniden oder gar Fremdvölkern distinktiv absetzt. Der Ton macht die Sprachmusik.

    Worüber sich Rowena jedoch nicht verwundert, verwundert mich. Erst recht, da sie doch einen Logiksektor als Extrasinn hat. Ein paar Kasus weniger beim Arkonidischen bzw. mehr beim Atlantischen – schön und gut. Aber das sind doch marginalste Unterschiede, die als Ausnahme der Regel nur umso supernovaheller machen: das klingt doch erschütternd verstehbar. Wie kann das sein? Eher actionorientierte Rowena hat hier keinerlei ethnologisches Interesse. Was außer Perry Rhodan und Sichu Dorksteiger als Hinzukömmlinge aus der Zeit niemand wissen kann: das Atlantische ist eine postapokalyptische Form des Lemurischen, Lemuu, der Sprache des Volks der Lemurer, die nahezu 40.000 Jahre zuvor auf der Erde lebten, die damals noch Lemur geheißen hatte. Perry wiederum kontaktiert Caysey auf Tefrodisch, das für sie komisch klingt, aber verständlich ist. Die Tefroder als Sprechende des Tefrodisch wiederum sind lemurische Auswanderer, genauer gesagt Flüchtlinge aus der Milchstraße nach Andromeda gewesen. Mit leichten Abweichungen vom ursprünglichen Lemuu entstand das Alt-Tefroda, das sich im Weiteren zum Tefroda, wie es dann zu obig erwähnten Zeiten der Meister der Insel gesprochen wurde.

    Kurzum: wir haben hier en masse Abstammungslinien von den Lemurern als auch deshalb so genannter Ersten Menschheit, aus deren Sprache sich wiederum zahlreiche Dialekte, sodann eigenständige Sprachen entwickelten. Wenn daher sowohl Rowena – mit noch so viel Herablassung – und dann auch Perry mit ungeschulter Atlanterin Caysey gut kommunizieren können, ist das mal kein billiger Trick, kein ‚deus ex lingua‘: Es klappt, weil es muss… Das ist perryversal vielmehr sehr gut nachvollziehbar und ist entlang lemuridischer Verwandtschaften sogar sehr gut bedacht. Nur zu schade, dass trotz dieser grundsätzlichen Festlegungen und einiger rudimentärer Wortschätze keine der perryversalen Sprachen je wie das Klingonische oder Sindarin kunstversprachlicht wurde/werden konnte. Bin zwar so gar nicht sprachenbegabt, wäre dennoch nur zu interessiert! Falls das für jemanden Motivation ist…

    Es heißt immer nur, alle post-lemurischen Sprachen zeichneten sich durch Lautverschiebungen aus, ohne dass es dafür gute Beispiele gibt oder ich sie aus den kleinen Wortschätzen herauslesen könnte. So gibt es für die Atlanter*innen das mythische Wesen Vrutu, das im Alltag eine religiös orientierende Rolle spielt. Rowena wiederum kennt nur Vratu, das/der ein Mythenwesen des Arkonidischen ist. Jetzt war ich mir haluterfest sicher, dass dem so ist, Vratu eine Art Drache sein soll, finde in der Perrypedia jedoch nichts hierzu. So oder so, eine Laut- als Vokalverschiebung von u zu a hat stattgefunden, lässt sich Verwandtschaft noch durchhören. Doch während Vrutu wirklich alltags- und handlungsrelevant ist, ist Vratu nur noch Popkultur, die für Traditionalisten noch von Bedeutung sein mag.

    5. Das Talagon oder Talanis, Kontinent der Schmetterlinge

    Das Talagon – das Geheimnis schlechthin der Miniserie. Ich habe keinerlei Ahnung, was es und von wem es ist. Der Beschreibung nach ähnelt es VERDÄCHTIG einem Zellaktivator / Zellschwingungsaktivator alter Prägung: ein eiförmiges, ähnlich großes Gebilde, das am Körper getragen das tragende Lebewesen relativunsterblich macht. Inzwischen längst durch Zellaktivatorchips (ZAC) ersetzt, die am Schlüsselbein eingesetzt und weniger leicht zu entwenden sind. Aber das Talagon solle sich öffnen lassen können, wenn denn eine passende Energiesignatur zugegen sei. Das ist für einen ZA niemals vorgesehen, da wird nichts geöffnet. Demnach scheint das Talagon eher eine Kapsel als Informationsspeicher o.Ä. zu sein. Nur von wem? Etwa von dem ‚Expeditionsleiter‘ mit reichlich schlechter Laune aus Omen 4? So wie seine Wut und persönliche Motivation vor Ort geschildert wird, wurde ihm das Teil entwendet. Nur von wem das wiederum? Die Szenerie von Omen 4 gemahnt für mich an einen Raumer der Kosmokraten, an eine Kobaltblaue Walze – mit eines der allermächtigsten Schiffe im Universum Oo Damit würde man aber ganz ins oberste Regal perryversaler Kosmologie greifen, um die Erzählung zu fundieren. So wichtig war Atlantis und das Geschehen dort, dass sich höchste Wesenheiten einfinden? Denn ein Auftrag wiederum höherer Herren hat den zornigen Talagon-Sucher dorthin entsendet. Rätselhaft!

    Und Perry erwähnt DIE Assoziation, die bei Talagon plus Atlantis aufkommt: Talanis, die Insel der Schmetterlinge. Doch damit führte die Spur unendlich weit zurück, bis in die frühe Zeit der Superintelligenz ES im 18. Jahrmillion Before Present! Ich hatte letzte Mal zwar wildwüst spekuliert, ob nicht etwa Tonth, der Atlan überhaupt erst ins Larsaf-System rief, alles auslösender Sendbote von ES sein könnte. So wenig es auch nur Indizien hierfür gibt – Sherlock Holmes wäre entsetzt 😀 -, könnten die Verstrickungen in ATLANTIS Jahrmillionen umspannen. Fakt ist, dass Gegenwarts-Atlan das Talagon erkannt und Perry zu seiner Zurückbringung beauftragt hat. Das könnte er nicht, wüsste er nicht um es. Daher nehme ich an, dass alle Wege weiterer Handlung zu Atlan führen, der es entgegennehmen muss. Nur darf er das weder von Perry noch Sichu ausgehändigt bekommen, da er mit fotografischem Gedächtnis und triggernden Extrasinn sich sonst 2040 n. Chr. an Perry hätte erinnern müssen, als sie sich begegneten. Zeitparadoxa, diese verfluchten!

    6. Die homodiegetischen Damen

    In Sie-Perspektive erfahren wir von den beiden homodiegetischen, handelnden Figuren, die für Perry und Sichu von großer Wichtigkeit sind. Für Caysey fürchte ich aber, dass sie figürliches Mittel zum Zweck bleibt, auf Zeit wichtig ist, um als mutmaßliche Empathin, ggf. sogar Telepathin zugunsten Rhodans einzugreifen. Sie kann gleich einem Orakel Vor-Wissen erlangen, dass sich die zeitgestrandeten zu Nutze machen können. Ihre Rolle wird so beschrieben:

    Aus einem Stamm von Menschen, die auf dem Kontinent Atlantis siedeln, kommt Caysey. Die mutige junge Frau wird nicht unbedingt aus freiem Willen in die Geschehnisse hineingezogen. Als jemand, der buchstäblich aus der Steinzeit kommt, muss sie sich mit moderner Technik, mit Robotern und Raumschiffen etwa, auseinandersetzen …Drei weibliche Hauptfiguren

    Vielleicht täusche ich mich aber auch. So ist ihre Schwangerschaft zum Beispiel auffallend exponiert, erst recht wie leichtfüßig sie sich trotzdem durchs Gelände bewegt. Was für ein Kind das wohl wird? Und von wem?

    Demgegenüber Rowena, die mir schon qua Rolle und potenziellen Kompetenzen – wenn sie denn mal emotionsärmer auf ihren Extrasinn hören würde – wesentlicher erscheint. Sie ist es, die das mysteriöse Talagon ‚entsorgen sollte – wer auch immer ihr den Auftrag gab und wieso sie sich nicht nachhaltiger darüber wundert, wo sie kurzzeitig jenseits der ‚Zeittür‘ gelandet war. Für wen sie da die Entsorgerin gespielt hat, dürfte noch entscheidend werden. Ich vermute, dieser abgelegen hausende, als verrückt beschriebene Wissenschaftler wird da seinerseits maßgeblicher Mittler sein. Ihre Rolle wird im Übrigen so skizziert:

    Ein ganz neuer Charakter ist Rowena. Die Arkonidin, über die man anfangs nichts weiß, erweist sich schnell als die Person, die alle weiteren Ereignisse auslöst. Von Perry Rhodan wird sie als Gegnerin betrachtet, weil sie sich auch so verhält – aber welche Gründe bewegen Rowena eigentlich, den Terraner so erbarmungslos zu jagen?Ebenda

    Doch anderes finde ich vorerst interessanter: sie kann ein- und ausgehen beim lokalen Gouverneur, der nicht Atlan ist, dem sie als schweigsame graue Eminenz aber manipulativ zu lenken versteht. Offensichtlich, weil er ein gieriger Lüstling ist, den sie schamlos lockt, was für einen Typen wie ihn schon zu reichen scheint. Dass sie wiederum Extrasinn-Trägerin ist, zeichnet sie als arkonidische Elite aus, da größtenteils nur „reine Arkoniden“ aus hohen Adelshäusern sich die Prozedur leisten können. Dass sie dann jedoch nicht in hohem, offiziellem Rang und auch noch abseits von allem tätig ist, fällt auf. Am Wichtigsten aber ihr beiläufiger Gedanke, dass sie vor 20 Jahren in Diensten und auf der Seite von Orbanaschol gestanden habe. Orbanaschol, seines Zeichens der Dritte seines Namens, Imperator über das Tai Ark’Tussan von 8040 bis 8020 v. Chr., Usurpator, Mörder seines Halbbruders, der als Gonozal VII. Vater von Atlan gewesen ist!!! Davon erzählt der Atlan-Zyklus: Der Held von Arkon, den es als die Jugendabenteuer auch in Buchform der Blaubände gibt. Sie erzählen davon, wie der kleine Atlan gerettet werden kann und als junger Mann die Rückeroberung des Throns erzwingt. Einen Thron, den er dann seinem Oheim anvertraut, der als Gonozal VII. weiterregiert, während Atlan Kristallprinz bleibt und Flottenadmiral wird. In dieser Konstellation gelangt Atlan nach Larsaf, etwa 20 Jahre nach der Niederschlagung der Usurpation. Und jetzt ist eine Putschistin wider Atlans Vater quasi ‚am Hofe des Kristallprinzen‘, auf dessen höchst eigener Insel-Welt??? Allein das ist schon auserzählenswert genug. Doch sie ist dann noch zutiefst verwickelt in die Causa Talagon, worauf eines der Omen auch nochmal explizit hinweist. Als gäbe es da eine Verschwörung, Machenschaften, die in Atlans Rücken (oder ggf. während seiner Abwesenheit von Larsaf?) gesponnen werden. Ob Doppelgänger oder nicht, dass sie freimütig auf Atlan schießt, ihn der Beschreibung nach tödlich verletzt, scheint so unmöglich nicht.

    7. Ein erstes Fazit von Zwölfen

    Längste Rede, trotzdem ein Sinn. Wie finde ich es denn jetzt? Gut! Ein assoziationsprallgefüllter Erstling, in dem man schon fast zu viel zu entdecken GLAUBT, was auch Spuren in Zeitraumfallen sein könnten;-) Zeitweise dachte ich beim Lesen, wir wären in einem Paralleluniversum, vor allem die ersten drei Omen danach klangen. Atlan tot?? Gefallen im Methankrieg? Kann nicht sein! Pure Propaganda oder Stille Post in den Nebeln des Krieges, wo jemand ggf. nur zu gerne glauben will, dass dem so sei. Doch der Flottenadmiral kommt vor, so viel ist geklärt. Wer die ‚Talagonisten‘ rund um Rowena sind, erahne ich nur vage anhand der Erwähnung von Orbanaschol. Sich rächende Rache, eine Halbbruderfehde über den Tod hinaus, als wären wir in einer isländischen Saga. Und wer da Larsaf III. anfliegt – rätselhaft. Gespottet habe ich in der Handlungszusammenfassung ja schon, dass es doch arg wie eine Rollenspiel-Quest anmutet, wo man purzelbäumig in die Handlung stürzt, um vor Ort – Atlantis – vorerst lang- und umwegig herumzulaufen in der Hoffnung auf weiterhelfende Questfiguren. Doch wie anders machen? Agatha Christie gleich alles in einem Raum / Gebäude stattfinden lassen? Denkbar gewiss – nur dann hätten wir die Unterseekuppel nie verlassen brauchen, die sich dafür optimal angeboten hätte. Questhelfer halten sicher zahlreich Domizil in der Festung Arkonis, wie Lucy Guths Erstbeitrag zur Serie in schöner Reminiszenz lautet. Doch inwieweit ist Arkonis, die atlantische Hauptstadt der Arkoniden eine Festung? Festung zum Schutz, zur Verteidigung und zum Abhalten von wem? Ein paar edlen Wilden der Entwicklungsstufe A-3, bloßen „unterentwickelten Kreaturen“? Wohl kaum. Ich bin gespannt wie ein Zen-Bogen…

    Epilog: Weitere Hintergründe – eine allererste Spur

    Folgendes zugegeben nicht mehr präsent gehabt, falls ich es je so bewusst erlesen hatte. Aber Atlantis wurde nicht in vielzitiertem Heftroman 60 Festung Atlantis ersterwähnt, sondern hatte einen Vorgriff bereits im Heftroman
    Die Venusbasis: „Sie erreichten die Venus und stießen auf ein Geheimnis, das älter als die Menschheit war…“ Zur Handlung: nachdem erste außerirdische Gegner (Fantans, Individualverformer) abgewehrt werden konnten, nahm „die Eroberung des Alls“ Fahrt auf, der erste Flug der Menschheit über die Mondbahn hinaus gen Venus stand an. Dort jedoch unverhofft von einer „Venusbasis“ und vermeintlichen lebenden Gegnern zur Landung gezwungen, kämpfen sich Rhodan und BegleiterInnen bis zum Stützpunkt vor, der sich als Standort der Venuspositronik und ihrer exekutiven Roboter erweist: „Der »Kommandant« – Seit 10.000 Jahren erfüllt er seine Pflicht, ohne müde zu werden.“ Wie es gut bestromte Technik zu tun pflegt;-) Und sobald die „Venusbasis“ eingenommen werden konnte, der Mensch Rhodan statt des Arkoniden Crest als Kommandant Anerkennung gefunden hatte, erfahren die staunenden Menschen und irritierten Arkoniden die Geschichte dieser arkonidischen Hinterlassenschaft:

    „Dieser Stützpunkt“, begann Crest, „ist nach Ihrer Zeitrechnung etwa zehntausend Jahre alt. Nach der Geschichte des Galaktischen Imperiums stammt er aus der Periode der ersten Kolonisation. Die Kolonistenflotte, die sich auf diesem Planeten niederließ, hatte ursprünglich ein anderes Ziel. Sie unterbrach ihren Flug, weil den Kolonisten der dritte Planet dieses Systems ein erstrebenswerterer Hafen zu sein schien als die Welt, die man ihnen nach den arkonidischen Sternkarten zum Ziel bestimmt hatte. Da sich jedoch beim Anflug herausstellte, daß der dritte Planet – Ihre Erde! bewohnt war, landete die Flotte zunächst auf der Venus und bereitete die Besiedlung der Erde von dieser Welt aus vor. Dabei entstand, gewissermaßen als Ausweichstation, die Festung, in deren Innerem wir uns jetzt aufhalten. Die Arkoniden – die Chronik spricht von zweihunderttausend – besiedelten auf der Erde einen Kontinent, den es nach meinem Wissen heutzutage nicht mehr gibt. Er bildete damals, vor zehntausend Jahren, den Überrest eine Landbrücke zwischen den afrikanisch-europäischen und den amerikanischen Landmassen. Das Kolonistenreich war jedoch nur von kurzer Dauer. Sie werden sich über die Ursachen der Katastrophe, die das Reich vernichtete und die gesamte Erde in Mitleidenschaft zog, später in Einzelheiten informieren können. Auf jeden Fall entgingen nur fünf Prozent der Arkoniden der Katastrophe und kehrten zur Venus zurück. Sie berichteten über einen Angriff Unsichtbarer. Es ist klar, daß sie damit nur persönliches Versagen entschuldigen wollten. Damals verfügte der Venusstützpunkt noch über eine halbe Flotte raumtüchtiger Fahrzeuge – raumtüchtig in dem Sinn, daß die Schiffe fast ohne Zeitverlust jede beliebige Entfernung zurücklegen konnten. […]Crests Erklärungen Rhodan und Co gegenüber in PR0008 Die Venusbasis von Kurt Mahr

    Genauer gesagt, zitiert nach Silberband 002, der Hardcover-Buchzusammenfassung der Heftromanserie mit angelegentlichen Anpassungen. Denn im originalen Heftroman sowie der regulären ebook-Version (der sog. 6. Auflage) waren diese beiden Sätze NICHT schon enthalten: „Sie berichteten über einen Angriff Unsichtbarer. Es ist klar, daß sie damit nur persönliches Versagen entschuldigen wollten. “ Im Wissen um Atlans Erinnerungen an interplanetare Raumschlachten mit den Druuf aus vielzitierter Nr. 60 Festung Atlantis ist dieses Foreshadowing für SiBa-Leser*innen eingefügt worden, wovon man zur Realzeit des zugrunde liegenden Heftromans noch nichts wusste. So hat man mitunter Kreise geschlossen, die ursprünglich offener angelegt waren.

    So oder so faszinierend, dass und wie Exposé-haft präzise schon stolze zweiundfünfzig Hefte und ergo exakt ein Realjahr zuvor der Mythos bereits in die Serie noch überlesbar eingeflochten worden ist. Damaliger Kommandant arkonidischer Kolonisierungsbemühungen, Atlan, noch ungenannt; der Rest ist in dieser Kürze präzise angelegt. Umso verwirrender für mich, dass ich es nicht präsent hatte, hierhin nicht meine erste Assoziation (unbetreut) führte, da ich SiBa002 schon mehrfach hörte; außerdem Rhodan auf Crests Bericht hin Atlantis für sich doch noch beim Namen nennt:

    Rhodan war von dem Bericht als solchem weniger beeindruckt. Was ihn ruhig und beinahe andächtig machte, war die Tatsache, daß hier – aus den Überlieferungen einer außerirdischen Intelligenz – zum erstenmal ein Hinweis auf die Existenz des sagenhaften Reiches ATLANTIS auftauchte. Nicht anders, glaubte Rhodan, konnte der Bericht über das Kolonistenreich auf dem Erdteil zwischen Europa-Afrika und Amerika verstanden werden. Ein Lächeln lief über Rhodans Gesicht, als er daran dachte, daß die Arkoniden, die der Zufall vor einem Jahr hatte auf dem Mond landen lassen, jetzt offenbar nicht nur für die irdische Technik ein unschätzbarer Gewinn waren, sondern ebensosehr für die Geschichtswissenschaft, insofern, als sie mit ihren eigenen Aufzeichnungen in der Lage waren, eines der am wenigsten beleuchteten Gebiete der Menschheitsgeschichte – das Reich ATLANTIS und die Vorgänge während der Sintflut – so aufzuhellen, daß alles sichtbar wurde. Rhodan nach Heftroman 0008 bzw. Silberband 002

    Kann meinen Lapsus nur so erklären, dass ich mich vor allem beim Ersthören noch so überhaupt gar nicht für Atlantis als Mythos interessierte und trotz Atlans Bericht (Nr. 60 und 70) sodann auch keine inneren, halb so bewegten Bezüge herstellte wie Rhodan, durch den für uns all das doch schon vorgedacht worden war. Umso netter, immer noch „Neues“, gerade wenn es schon dermaßen 61 Jahre alt ist, zu entdecken (wie Kolumbus Amerika, nachdem es seit jahrzehntausenden längst bewohnt war).

    PERRY RHODAN ATLANTIS – Weiteres vorab

    Hallo Mitwelt!

    Wie angekündigt und versprochen, so nicht zum Versprecher verkommen. Es geht mit PERRY RHODAN-ATLANTIS hier weiter. Und doch noch mit kurzem Prelude, bevor ich ins Heft 01 DAS LAND DER STERNENGÖTTER nächstmals hineinzoome. Wie gesagt, ich höre die Miniserie als Hörheft, im Zwei-Wochen-Rhythmus bei Einsamedien erscheinend und ebendort noch jederzeit zu abonnieren. Gesprochener Band01 kam bereits letzten Freitag raus und ich hatte ihn auch schon bis Samstag durchgehört – will und werde ihn aber nochmal hören, um manch ephemeres Detail gepackt zu bekommen. Also noch einen Schritt vorab und heute zunächst zu dem Sprecher auch dieser Miniserie, einer Assoziation durch den Hefttitel und weiteren Hintergründen zum Auslöser von allem im Larsaf-System…

    1. Der Sprecher: Renier Baaken

    Renier Baaken, stimmlich seit Langem wohlvertraut, weil vielleicht die intonative Stimme fürs Perryversum, der wie nur noch Josef Tratnik für die Silber Editionen den Einsamedien-Verklanglichungen Stimme gegeben hat.

    Die Ewiglaufende (=Perry Rhodan-Erstauflage) wird selbstverständlich ebenso fortlaufend Woche für Woche als Hörheft von plus-minus 3 (mitunter 3,5) Stunden von Einsamedien begleitend herausgebracht. „Selbstverständlich“ schon deshalb inzwischen, weil diese andauernde Meisterleistung seit 15 Jahren ausnahmslos erfolgt, das erste Hörheft am Freitag, 17. August 2007 zum Download online gegangen ist. Ein Testlauf war dem vorausgegangen, die Vertonung zu Band 2300 Vorboten des Chaos als Auftakt des Terra Nova-Zyklus. Die Resonanz war so gut, dass mit dem Zyklus Negasphäre ab Band 2400 Zielzeit jeder Zyklus seither auch in die Ohren ging:)) Und Stimme des Startpunkts war – natürlich – Renier Baaken. Ja, er prägte gleich den ersten Zyklus aus 100 Heften, indem er 25 davon, ein Viertel aufsprach und den Zyklus nicht nur begann, sondern mit 2499 Das Opfer auch beendete. Und in allen Zyklen seither, die ich nicht aufzähle und verlinke, hat er pro 100 Hefte immer 24 bis 27 davon aufgesprochen, ist in 15 Jahren kontinuierlich unverstummbar dabei geblieben. Wenn es ein auditives Priming gibt, dann steht Renier Baaken mit seiner Stimme perryversal dafür ein. Hat besagter Josef Tratnik durch die Vertonung der Silberbände allen voran die in Buchform aufgearbeitete Anfangszeit der Serie der 1960er Jahre ins Ohr geholt, so hat Baaken die Serienmoderne be-stimm-t!

    Aber es geht noch tüchtig weiter: Ein Viertelzyklussprecher der Ewiglaufenden einerseits. Von den von 2014 bis 2021 erschienenen acht Perry Rhodan-Miniserien hat er

      li>die Miniserialisierung der Hörhefte ebenfalls hörbar begonnen und gleich Miniserie-Nr.1 Perry Rhodan-Stardust von Juni bis November2014 zwölfbändig gesprochen. Zugegeben, mir noch im Ohr, dabei Perry etwas hastig und bemüht locker intoniert worden;

    • der zweite Streich miniserial mit Perry Rhodan-Terminus von 2017 sowie
    • Perry Rhodan-Olymp von 2018,

    womit er stolze drei von acht Miniserien vollständig eingesprochen und unseren Mann im All durch Räume und Zeiten begleitet hat. Dass er mit Perry Rhodan-Atlantis – ergo Miniserie 4 von 9 – ins Jahr 8000 v. Chr. zurückreist, wird ihm so unvertraut auch nicht sein, denn er hat auch das Gros der dreizehn Atlan-Zeitabenteuer verstimmlicht, die von Atlans zwangsweisem Aufenthalt auf der Erde just nach Untergang von Atlantis und Beendigung arkonidischer Kolonisierung berichten. Baaken präludiert nun, wovon er schon stundenlang erzählt hat.

    Und ohne hier ins endlose Rühmen zu geraten, doch noch zum Anfang aller Töne: die Einsamedien-Hörspiele, die seit 2002 erschienen waren, vor also auch schon 20 Jahren, seit Jahren jedoch längst eingemottet wurden:-( Hier hatte FAST mit dem ersten Ton Renier Baaken mitgemischt, seit Nummer 02 Das Vurguzz-Imperium ist er in wechselnden, meist nur kleinen, noch nur randständigen Sprechrollen dabei. Anders gesagt: GRATULATION UND GLÜCKWUNSCH FÜR UNS ALLE ZU ZWANZIG JAHREN PERRYVERSALEN TONINSZENIERUNGEN DURCH RENIER BAAKEN – DANKE RENIER BAAKEN!!! ATLANTIS daher unvermeidlich SEIN Sprechstück zum Jubiläum!:))

    2. Retroassoziation: Das Land der Götter

    „Das Land der Sternengötter“, so der Titel des Auftaktromans hinein nach ATLANTIS. Dieses Land ist der Inselkontinent Atlantis selbst und die Sternengötter sind die über ihn Herrschenden, sind die Arkoniden. „Götter“, die von den Sternen kamen – einerseits. Andererseits – perryversale Doppeldeutigkeit – gehören zur (religiösen) Glaubens- und Mythenwelt der Arkoniden die 24 She’Huhan, Sternengötter, je 12 weibliche und männliche, der Unterwelt des Großen Schwarzen Lochs im galaktischen Zentrum sowie der Oberwelt entlang der Sternenhaufen im galaktischen Halo zugeordnet. Vermeintliche Sternengötter, die Sternengötter haben. Also doch höchstens Halbgötter, halbgöttliche Helden? Frei nach Arthur C. Clarkes Diktum, dass jede ausreichend fortgeschrittene Technologie wie Magie erscheine, so erscheint jedes ausreichend soziotechnologisch fortgeschrittene Volk wie die Bewohner eines Pantheon.

    Indigene wiederum sind die Atlanter*innen als „edle Wilde“ und durch die Arkoniden Beherrschte. Über sie heißt es, bevor die Kolonisierung von Larsaf III (=Erde/Terra) Fahrt aufgenommen hatte:

    Tarts gab zu bedenken: „Die dritte Welt dieser Sonne hat bereits eigenes Leben entwickelt. Die dortigen Wesen stehen allerdings auf einer sehr niederen Intelligenzstufe, aber sie sind arkonidenähnlich. Das Gesetz verbietet es, sauerstoffatmende Intelligenzen zu verdrängen.“
    „Nur solche über der Intelligenzstufe C“, sagte ein anderer Kolonist rasch.
    „Welche Stufe haben sie denn erreicht?“ erkundigte ich mich.
    „Höchstens A-3, Erhabener. Ich war einmal dort. Es sind primitive Wilde mit Gerätschaften aus Steinen. Sie sind noch nicht soweit, die Schäfte ihrer plumpen Äxte durchbohren zu können. Die Stiele sind noch angebunden.“
    Das sagte allerdings genug. Das Gesetz verbot es nicht, solche Planeten zu übernehmen, zumal die Erfahrung zeigte, daß unterentwickelte Kreaturen nur profitieren konnten. Ich erhob mich und beendete damit die Audienz.Zitiert aus 60 „Festung Atlantis“, Kap. 4 von Exposéautor K. H. Scheer

    Das ruft mehrerlei hervor:

    1. „Das Gesetz verbietet es, sauerstoffatmende Intelligenzen zu verdrängen.“ Nichtsauerstoffatmende, noch so clevere Intelligenzen hingegen schon? Erste zivilisatorische Verluste durch den tobenden „Methankrieg“ wider die eben nicht Sauerstoff verstoffwechselnden Maahks, die daher auch rassistisch abwertend bloß als „Methans“ stigmatisiert werden, obwohl sie Wasserstoff atmen? Das erklärt dann auch den Umgang mit den Motunern oder Mooffs. Die Zivilisationsdecke ist dünn…
    2. „Die Erfahrung zeigte, dass unterentwickelte Kreaturen nur profitieren konnten.“ UNTERENTWICKELTE KREATUREN – nicht „edle Wilde“, „Barbaren“ oder derlei, sondern Kreaturen, die auch noch unterentwickelt sind. Und das aus dem Munde seines Zeichens Kristallprinz und Flottenadmiral des Großen Imperiums Atlan da Gonozal. Und das gegenüber sauerstoffatmenden Arkonoiden und nicht etwa über exotische Xenomorpha gerichtet. Kein Wunder, dass er für derart habituell dünkelnde Verachtung mit 10.000 Jahren Strafkolonie Erde standrechtlich abgeurteilt worden ist:-) Da wurde er als Gladiator der Zeiten in die Arena zu den Kreaturen entlassen, zu deren Dompteur er zwangsweise werden musste!
    3. Intelligenzstufe C, ab der Arkonide die Indigenen nicht mehr verdrängen dürfe, darunter schon[1]. Bewohner von Larsaf III haben jedoch nicht einmal B-3 (ggf. knapp unterhalb von C), sondern 8.000 v. Chr. bloß A-3. Wohlwollend also noch viel Spielraum nach oben, bis sie eigenständig intelligent genug sind, um nicht mehr von wohlwollenden Imperialisten zum Zwecke der Zivilisierung „verdrängt“ werden zu dürfen. So ergeht es also unseren Vorfahren ein Paralleluniversum weiter. Ach, ja nicht erst dort – das ist ja bloß eine Spiegelung realer Vergangenheiten, die auf Erden nur erst gar keine „Schonungsräume“ vorgesehen hat(te).
    4. Jenseits des Spotts muss man festhalten, dass es für Individuen einer Gesellschaft, also mit ETWA gleichen soziokulturellen Startbedingungen entwicklungspsychologisch ganz reale Modelle gegeben hat und gibt, wo Mensch die Stufen einer Treppe emporklimmt. Beispiele das Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung sowie die Kompetenzstufenentwicklung vom (noch) in- zum kompetenten Individuum. Überträgt man das A) auf Völker und B) transferiert es in eine völkerreiche Galaxis, wo C) ein Volk wie die Arkoniden vorherrschend sind (zu sein glauben), dann ist es D) gar so entfremdend nicht mehr, meint man hier Rangfolgen feststellen und festlegen zu können. Rangfolgen, bei denen man stets als schon „erwachsen“ und „zivilisiert“ axiomatisch zum Indexwert als Maß aller Völker unvermeidlich geworden ist. Man gehe nur zurück ins Lange 19. Jahrhundert als Zeit von rassistisch kolonisierenden Imperien auf der Suche nach dem Platz an der Sonne. Lektüre dieser Zeit die bald veröffentlichten Tagebücher des Mordbefehlhabers Lothar von Trotha – ein Deutscher.

    Das Titelbild [von Johnny Bruck zu Nr. 60 Festung Atlantis] zeigt Atlan im Ornat der herrschenden Dynastie nach der Landung der TOSOMA auf Atlantis, als er in Begleitung von Inkar erstmals den Atlantern begegnet. Im Hintergrund ein Bauwerk, das einer Maya-Pyramide (z. B. der  Pyramide des Kukulcánin  Mexiko oder dem  Tikaltempel in Guatemala) nachempfunden ist. Die Szene wird auf S. 26 beschrieben. Titelbild und Text der Perrypedia entnommen

    Leicht verquatschte Vorrede hin zur Assoziation, die „retro“ ist, weil sie bis in den ersten Zyklus Die dritte Macht zurückverweist, zu Heftroman 35 „Im Land der Götter“: „Das Leben auf Goszuls Planet wird für die „Götter“ gefährlich – denn Perry Rhodans Mutanten sind am Werk …“ Die zur Menschheit vereinten Erdenmenschen erwehren sich einer nächsten Gefahr von außen, den Galaktischen Händlern, Selbstbezeichnung Mehandor (Ark.: Händlervolk), wegen ihres sternennomadischen Lebens in Handelsschiffen von den Terranern anschaulich, aber oberflächlich „Springer“ genannt. Sie sind ihrerseits Arkonidenabkömmlinge, die sich volksweit auf den Handel im Großen Imperium spezialisiert haben und seit 8.000 Jahren (Handlungszeit Ende des 20. Jhdt.) ein Monopol auf Handel im und am Rande des Großen Imperiums oder darüber hinaus innehaben. Und dieses Monopol verteidigen sie mit allen – auch kriegerischen – Mitteln! So haben sie über das Große ein – sozusagen – Ökonomisches Imperium gelegt, forcierten seit jeher eine zweite Kolonisierung der (geringteilig erschlossenen) Galaxis und zwangen so viele Völker in ökonomische Abhängigkeiten. Geplant auch die Terraner, die frei nach dem großen Philosophen Mike Tyson handelten: „Jede*r hat einen Plan, bis man eine Faust im Gesicht hat.“ Und diese ‚terranische Faust‘ war eine psibegabte und nannte sich Mutantenkorps. Mitten in diesem ‚Faustkampf‘ finden wir uns im Heftroman Im Land der Götter wieder. Der Handlungssog hat uns nach Gorr im 221-Tatlira-System gerissen. Die Welt heißt jedoch nicht länger Gorr, benannt nach den arkonidischen Kolonisten, den Gorrern, sondern Goszuls Planet, benannt nach ihrem Mehandor-‚Entdecker‘ (kolumbischer Art) namens Goszul. Dieser ist ein waschechter Patriarch der Mehandor, die in patrilinearen Sippenverbänden eines lupenreinen Patriarchats leben, wo das Wort des Patriarchen Gesetz ist. [Niemand hat die Absicht, an Der Pate zu denken!] Und so hat der Mahlstrom eines galaktischen Gutsherrenkapitalismus nicht vor Gorr Halt gemacht, sondern die Welt in das ökonomische Geflecht der Mehandor verschlungen. Jahrtausende nach der Kolonisierung durch die Arkoniden, längst vergessen und ohne Anbindung an das Reich, hatten die Gorrer zivilisatorisch ohnehin schon einbüßen und statt psychosozialen Fort- nur Rückschritt erleiden müssen. Ihre galaktische, ja imperiale Herkunft war ihnen schon lange nicht mehr bewusst, als Patriarch Goszul sie ‚zurück ins Reich‘ und die galaktische Familie holte. Damit die nur noch Goszuls genannten Gorrer als Proletariat besser zu beherrschen wären, half Goszul per gezielter Seuche nach und förderte die Verdummung seiner Schäfchen. So viel zum Wirken der antiprometheischen „Götter“, die ihr Feuer des Wissens argwöhnisch vor ihren ‚Untergebenen‘ hüteten. Sie residierten auf „Götterland“, dem Nordkontinent von Goszuls Planeten. Bis dorthin die Terraner kamen und die Unterdrückten befreiten, in die Freiheit säkularisierten, indem sie sie von ihren Göttern enttraditionalisierten – sozusagen.

    Die Assoziation ist unüberlesbar und doch sind die Vorzeichen freilich ganz andere. Beginnend damit, dass wir die Geschichte um die unterdrückten Gorrer, die als versklavte Goszuls ‚Götterdienst‘ betreiben mussten, nur aus terranischer Sicht erzählt bekommen und somit als einzig Unrechtsverbrechen an der Gorrheit. Ob eventuelle Kriege unter den Gorrern durch die „Götter“ ausgemerzt worden sind, bleibt historisch unerforscht. Ja selbst die Kollateralschäden unter den Göttern während des Titanenkampfes bleiben ungezählt (Massenabfertigung Oo). Demgegenüber wissen wir – bis jetzt – nur aus Atlans Erzählungen von Atlantis, das er immerhin nicht selber nach sich benannte, aber nach ihm als Kristallprinz und Flottenadmiral zu Ehren benannt worden ist. Nach ihm, der wie ein Sternengott über allem thronte; nach dem anfänglich auch die atlantische Hauptstadt „Atlopolis“ genannt worden war, bevor sie im imperialen Bewusstsein nach heimischer Welt der drei Planeten in Arkonis umgetauft wurde. Kurzum: Was hier einen mythischen Schauer erzeugt und Urquell zahlloser Mythen und Legenden auf Erden werden konnte, von ihrem Ende her gedacht wohlwollend als schon richtig so verstanden wird, kann eine Welt weiter schon Hort ausbeuterischer Tyrannei sein, die es rigoros zu beenden gilt. Ein Ende, das Atlantis auch von außen ereilte, aber nicht zu deren Befreiung, sondern endgültigem Untergang führte. Was noch zu erwähnen wäre: die Goszuls waren als Gorrer arkonidische Auswanderer, somit ebenso Nachkommen der Arkoniden wie die Mehandor selber. Sie sind somit nichts als ein ‚Geschwistervolk‘, direkte Anverwandte, wenn auch in Vergessenheit geraten. Dürfte man aber wissen, wenigstens erahnen, so wild die Kolonisierung durch das Große Imperium verlief. Wenn Goszul dennoch zupackt und ein ganzes arkonoides Volk freimütig in Sklaverei zwingt, sagt das alles über diese Mentalität. Tatsächlich noch lange nicht zu wissen für die damaligen Arkoniden rund um Atlan, dass auch die Atlanter*innen mit den Arkoniden verwandt gewesen sind, jedoch verzweigter, nämlich als Nachfahren arkonidischer Vorvorfahren, wenn man so will. Aber das ist eine andere Geschichte…

    Auslöser von allem

    Ich war vor vier Tagen auf dem zweiten Planeten der kleinen, gelben Sonne angekommen, die ein Forschungskreuzer unter Larsaf entdeckt hatte. […] Der Große Rat von Arkon hatte mich drei Wochen zuvor über Hyperfunk aus meinem Einsatzgebiet zurückbeordert und mir den Befehl erteilt, mit meinem Expeditionsgeschwader Larsas Sonne anzufliegen, um auf dem zweiten Planeten dieses einsamen Sternes nachzusehen, was der aufgefangene Verzweiflungs-Funkspruch eines Kolonisten namens Tonth zu bedeuten hatte. […] Ich hatte die große Entfernung von etwa 32000 Lichtjahren in vier Transitionen überwunden und war wenig später mit der TOSOMA sowie den beiden Schlachtkreuzern ASSOR und PAITO auf dem großen Raumflughafen von Larsa gelandet.Heftroman 60 Festung Atlantis von K. H. Scheer – Kap. 4

    Aufgrund eines Funkspruches als Hilferuf eines Kolonisten gelangt Atlan in ein so unwahrscheinlich abseitig gelegenes Sonnensystem, das trotz der Erstentdeckung durch Larsaf und der administrierten Besiedlung durch Amonar sonst nie jemand im Großen Imperium zur Kenntnis genommen hätte. Ja, während der Methankrieg bereits tobt, wird Atlan und sein Flottengeschwader nicht etwa wegen angreifender und Tod säender „Methans“ dorthin beordert, sondern bloß weil ein anmaßender Administrator sich klassistisch weit über die ihm untergebenen, „ständig aufsässigen Kolonisten aus den tiefsten Schichten des Volkes“ (Zitat dieses Amonars) erhoben hat. Denn mit Atlans Worten ist die imperiale Lage so dermaßen schlimm:

    Das Große Imperium unter Arkons Vorherrschaft rang um sein Weiterbestehen. Der sogenannte Methankrieg nahm all unsere Kraft in Anspruch. Wir wußten zu jener Zeit noch nicht, daß er unser Volk zum Ausbluten und das Imperium an den Rand des Abgrundes bringen würde.Atlan in Festung Atlantis – Ende Kap. 5

    Inmitten disruptiv mörderischen Krieges kümmert sich EIN FLOTTENADMIRAL im geadelten Rang eines Kristallprinzen um so eine vergleichsweise Nebensächlichkeit irgendwo im Nirgendwo an den ausfransenden Rändern des Reiches. Über – das muss man sich vorstellen – zweiunddreißigtausend Lichtjahre hinweg vom Großen Rat Arkons dorthin abkommandiert. Zur Orientierung: die Entfernung von Arkon zu Sol beträgt 34.000 Lichtjahre. Nun ist das Weltall drei-, manche behaupten gar vierdimensional und es gibt mehr gedachte Linien im Raum als die Achse Arkon-Sol. Wo eigentlich Atlan hergekommen ist, wie weit das wiederum von Arkon gelegen hat, wird nie klarer. Auch dieser Kampfort, von wo er gen Larsaf gekommen ist, muss bereits hinterstes Irgendwo des Imperiums gewesen sein, wird wohl kaum in relativer Nähe zum imperialen Zentrum, dem Kugelsternhaufen Thantur-Lok (Ark. für: M 13), gelegen haben (34000 minus32000 =2000 Lichtjahre in einem eindimensional geradlinigen Universum).

    Das Bild zeigt M 13, wie es ganz astronomisch real von der Erde aus zu beobachten ist, gelegen im Sternbild des Herkules. Credit Line and Copyright: Adam Block/Sid Leach/Mount Lemmon SkyCenter/University of Arizona - bei der Perrypedia entnommen

    Diese erneut auf Copyright Stefans Kochs exzellenten PR-Sternenatlas.de verweisende Sternenkarte zeigt in der Übersicht die heimische Milchstraße in Quadranten, wobei der nordwestliche Arkon beherbergt, schon im südwestlichen gelegen ist wiederum Terra/Sol. Damit ist zu erwähnen, wie wenig

    Und hier - Verweis geht zu Copyright Stefan Kochs PR-Sternenatlas.de - nochmal das Tai Ark'Tussan als Sternenkarte, um einen Eindruck der Ausbreitung des Reiches zu bekommen.

    Zurück zum Auslöser für Atlans Verwicklung in irdische, allzu irdische Angelegenheiten: Tonths Funkspruch also, der von „maßlosen Übergriffen und unnötigen Härten des Administrators Amonar aus der unbedeutenden Familie der Cirol“ berichtet, der tatsächlich „seine Befugnisse weit überschritten hatte“, holen Atlan ins Larsaf-System, speziell auf die bis dato einzige Kolonie auf Larsaf II, Larsa. Zwar hatte Administrator Amonar „aus der wilden, unbesiedelten Welt eine Musterkolonie gemacht, Städte und Raumhäfen angelegt sowie den Bau eines Robotgehirns von solchen Maßstäben angeordnet“, dass allein dies schon über die Maßen war. Doch hatte er sich vergriffen, nämlich „seinen Ruhm mit dem Blut unserer Kolonisten erkauft. Die fähigsten Wissenschaftler und Techniker der Siedler waren ausschließlich dazu eingesetzt worden, den Automaten zu vervollkommnen.“ (Zitate alle von Atlan, zit. n. Festung Atlantis). Der „Automat“ ist, was später – 10.000 Jahre – als koloniales Überbleibsel wichtiges Trittbrett für die Terraner ins All werden sollte: die Venuspositronik – für lange Zeit die größte Positronik zu Diensten der Menschheit. Kaum war Amonar ‚entfernt‘ worden, tritt Tonth auf den Plan:

    „Draußen wartet eine Abordnung der Siedler. Ein gewisser Tonth bittet um eine Audienz.“
    „Das ist der Mann, der dem Rat den Funkspruch schickte“, erklärte ich. „Ein offenbar mutiger Bursche. Woher stammt er?“ Tarts sah in seiner Liste nach. „Von Visal IV, Erhabener.“
    „Für dich bin ich Atlan, Lehrmeister“, lächelte ich. „Visal IV also, hmm…! Eine ehemalige Kolonialwelt, die nun ebenfalls übervölkert ist. Man sagt, etwa fünfhundert Millionen Einwohner müßten auswandern.“
    „Zwei Millionen davon wurden von Schiffen des Kolonisationsamtes hier gelandet. Dazu kamen etwa zwanzigtausend Wissenschaftler und Techniker aus allen Fachgebieten. Die Wachtruppen stammten von Arkon. Dieser Planet ist vorzüglich ausgerüstet.“Tarts und Atlan im Gespräch, zit. n. Festung Atlantis

    Mehr werden wir nie zur Heimatwelt Tonths erfahren, obwohl sie so viele Soldaten inmitten eines Krieges bereithält, um es zynisch zu bezeichnen. An der Seite von vier weiteren Kolonisten tritt Tonth sodann Atlan gegenüber – „einfach und derb gekleidet“, „hochgewachsen“, erkennbar „reine Arkoniden“. Tonth ist ihr Sprecher, ein „älterer Mann mit blütenweißen, kurzgeschnittenen Haaren“. Untertänigst gibt er zu Protokoll, nachdem Atlan ihn nach seinem Namen fragt, wie er sich für die Sache der Siedler eingesetzt hat:

    „Der bin ich. Erhabener. Wir sind gekommen, um Dank zu sagen für die schnelle Hilfe. Ich riskierte mein Leben, als ich heimlich in die Funkstation eindrang und den Spruch abstrahlte. Anschließend floh ich die Wälder, da die automatischen Warnvorrichtungen meine Körperschwingungen registriert hatten. Ein Techniker warnte mich, und so suchte ich Zuflucht in der Wildnis. Nun aber ist alles gut.“Tonth in Festung Atlantis<

    Soso, ein „älterer Mann“ also, der aufopferungsvoll sein Leben riskiert hat. Und sodann die wegweisenden Worte spricht, indem er nämlich anspricht, dass es unter den Kolonisten auch einige gibt, denen es bei aller sonstiger Prosperität nicht wohlergehe:

    „Unter uns befinden sich fünfzigtausend Auswanderer von Zakreb V, Erhabener. Sie sind gegen ihren Willen hierher gebracht worden. Es handelte sich um ein Versehen. Sie bitten darum, auf einem anderen Planeten angesiedelt zu werden, da sie das hiesige Klima auf die Dauer nicht vertragen. Wir hatten bereits zahlreiche Todesfälle. Die Zakreber benötigen eine kühlere und trockenere Luft, Erhabener. Sie vermissen auch den Sonnenschein, und die hiesigen Temperaturen sind für sie zu hoch.“Tonth, ebenda

    Doch das Schlitzohr konterte sogleich Atlans Einwurf, er habe weder die passenden noch genügend Schiffe, um eine Auswanderung gewährleisten zu können:

    „Auch dann nicht, wenn es sich nur um eine kurze Fahrt im gleichen Sonnensystem handelt? Die dritte Welt soll alle Voraussetzungen aufweisen. Es wäre eine Kleinigkeit, Erhabener. Willst du sie hinsiechen lassen?“Tonth, ebenda

    Nein, Atlan will niemanden „hinsiechen lassen“ und auch sich nicht nachsagen lassen, er habe „Kleinigkeiten“ nicht realisieren können. Damit ist Atlan in etwas hineingeraten, was man Pfadabhängigkeit hinein in fernste Zukünfte nennen kann:-) Das ist schon sehr kommunikationspsychologisch geschickt und suggestiv von Tonth, eventuelle bürokratische oder/und militärische Einwände auf ethisch-moralischer Ebene vorwärtsverteidigend auszuräumen und an Atlans (extrasinnierende) Gewissen zu appelieren.

    Warum so detailversessen all das? Weil man nie wieder etwas von diesem so engagierten Tonth hört. Atlan erwähnt ihn keinmal mehr. Und diese Lücke, dieses narrative Nichts, diese Dunkle Erzählung finde ich zutiefst aussagekräftig und noch verdächtiger! Ich zweifel, wenn ich das so hintereinander weg lese, dass dieser Tonth ein einfacher Siedler war. Er könnte genausogut jemand ganz anderes gewesen sein, der die Geschichte auf das Gleis gesetzt hat, auf der entlang sie fahren sollte. Ich verdächtige Tonth für dringend tatverdächtig, als „Wendefigur“ in Atlans Leben und somit das weitere Wohl und Weh von Larsaf III aufgetreten zu sein, bloß in der Maske eines „älteren Mannes“ mit „weißem Haar“, wenn auch der Schilderung nach mutmaßlich bartlos. Ich nehme vielmehr an, Tonth ist Inkarnation oder Sendbote von ES, der – jetzt wird es perryversal kosmologisch – Superintelligenz in der intergalaktischen Lokalen Gruppe. Eine höhere Wesenheit, eine evolutionäre Weiterentwicklung gemäß dem perryversal Möglichen, die ihre sog. „Mächtigkeitsballung“ inklusive der Milchstraße dem dort hausenden Leben wohlwollend gegenüber beherrscht. ES, der (oder das) insbesondere die Menschheit protegiert hat – über Jahrtausende mittelbar durch eben diesen Atlan (s.o. besagte Zeitabenteuer). Später – Heftroman 70 Die letzten Stunden von Atlantis – wird Atlan eben durch diesen ES einen sog. „Zellaktivator“ zur Erlangung relativer Unsterblichkeit erhalten, erst durch diesen er als „Einsamer der Zeit“ die Jahrtausende auf der Erde als Hüter über die Menschheit, vielfach explizit im Auftrag von ES verbringen kann. „Es geschieht, weil es geschah“, was es nur konnte, weil dieser zuvor und danach so namenlose, so unbedeutende, so entschwundene Tonth unnachahmlich geschickt Atlan weist, wohin sich die Aufmerksamkeit der Zukunft bereits gewendet hatte: zur Erde!

    Reine Spekulation. Aber er ist der einzige der Kolonisten, die einen Namen bekommen, der vortritt und vorspricht, der all das in die Wege leitete und einfädelte wie die Fäden eines Khipu. ES, dessen weiterer Name „der alte von Wanderer“, „alter Mann von Wanderer“ ist, da er bevorzugt als alter Mann auftritt, wenn er als solcher noch mehr diesbezüglich optisch auffährt als Tonth. Der Unsterbliche, wie er genannt wird, Titel des Heftromans Nr. 19 und des dritten Silberbandes, hier das Galaktische Rätsel endet und Perry Rhodan und ausgesuchte Freunde die relative Unsterblichkeit ermöglicht. Selbstermöglichungsschleifen durch Raum und Zeit, wie sie perryversal gern erzählt werden.

    Doch in ATLANTIS, um den Bogen mal zurück zu finden, muss es trotz meiner Assoziationskaskade darum nicht gehen. Ja die orakelnden vier Omen, vor allem das letztere deuten zwar tiefgründig an, SCHEINEN mir aber anderswohin zu führen. Doch dazu und vielen Beobachtungen, ebenso wilden Spekulationen wie heute im nächsten Beitrag, wenn ich dann – ENDLICH! – in den Auftaktroman abtauche wie Perry und Sichu in die Wassertiefe zur Unterwasserkuppel und dann in die Zeit…;-)

    AD ASTRA TERRANER

  • Entweder hat sich das Entwicklungsstufenmodell im Laufe von zehn Jahrtausenden geändert oder hat eine für mich nicht allzu nachvollziehbare Skalierung. So heißt es nämlich im berühmtesten aller Serienheftromane, der Nr.0001 UNTERNEHMEN STARDUST im hitzigen Gespräch mit Arkonidenraumerkommandantin Thora und den vier Männern um Perry Rhodan zunächst – Handlungsjahr 1971 n. Chr.:

    „Gehen Sie sofort“, mischte sich Thora ein. Ihr Gesicht glühte. „Es ist gegen das Gesetz, was Sie tun. Es ist mir verboten, mit Kreaturen unterhalb der Entwicklungsstufe ,C‘ zu verkehren. Gehen Sie sofort.“Thora in 001 Unternehmen Stardust

    Auch sie spricht abfälligst und ‚entarkonidlichend‘ von Kreaturen, zu denen man unterhalb von Entwicklungsstufe C wird (bzw. bleibt). Nach Rhodans Erklärung, die Menschheit begänne erst „mit der Eroberung des Raumes“ ändern sich jedoch die Vorzeichen der Einstufung:

    „Atomkrieg, ja!“ sagte Rhodan bedrückt. „Die Lage ist fürchterlich gespannt. Es tut mir leid, Sir, es zugeben zu müssen. Seien Sie aber versichert, daß die Menschen den Krieg nicht wollen.“
    „Sie tun es aber. So kamen wir zu der Ansicht, in Ihrer Rasse noch immer primitives Leben sehen zu müssen. Ich habe meine Meinung geändert. Sie sind jung, tatendurstig und überaus aufnahmefähig. Ich habe Sie nach sorgfältiger Beobachtung in die Entwicklungsstufe ,D‘ eingereiht. Es steht mir zu, einen solchen Beschluß zu fassen. Thora hat die Anweisung erhalten, die Aufstufung Ihrer Rasse in die positronische Speicherbank zu geben. Ich bin der wissenschaftliche Leiter dieser Expedition.Rhodan und Crest zit. n. 0001 Unternehmen Stardust

    Hiernach Thora dann äußerst unwillig:

    „Ich habe normale Tauschgüter für Entwicklungswelten der G und D-Stufe an Bord. Es handelt sich um Werkzeugmaschinen mit eigener Energieversorgung, vollautomatischer Steuerung und Laufgarantie für etwa achtzig Jahre Ihrer Zeitrechnung. Es sind Maschinen für alle Wirtschaftszweige. Dazu kann ich mikromechanische Güter anbieten, wie tragbare Elementtaster, Bodenreformer, Schwerkraft-Neutralisatoren für den Einpersonen-Flugbetrieb und …“
    „Hören Sie auf, ich werde wahnsinnig“, stöhnte Flipper. „Das ist doch verrückt! Sie stellen die Erde auf den Kopf. Man wird sich wegen Ihrer Wundermaschinen die Schädel einschlagen.“
    „Das ist Ihre Sache. Wir sind Händler und ich habe nur ungefährliche Dinge für noch primitivere Intelligenzen an Bord.“001 Unternehmen Stardust

    Und nach weiterer Diskussion noch:

    „Wir sind von Crest aufgestuft worden.“
    „Ihr Glück, sonst hätten wir noch nicht einmal verhandeln können. Dennoch darf ich kein Beiboot in Ihre Atmosphäre schicken. Das positronische Gehirn machte nicht mit. Ich kann die Schaltungen des Großroboters nicht aufheben. […]“Thora in 0001 Unternehmen Stardust

    Tauschgüter für Entwicklungswelten der Stufen G und D. Liegen die dann „oberhalb“ der Stufe C, erst „über“ dieser hochwohlgeborene Arkonid*innen in Kontakt und Tausch zu gehen belieben? Also ab D ansprechbar, bis C hingegen No Talk? Und es gäbe nicht einmal Spielraum, da die Schiffspositroniken sonst sanktionieren würden

    Fraglich auch, woran die vielzitierte „Intelligenz“ ge- und ermessen wird, da v.a. in Heftroman0001 keinerlei Messungen vorgenommen werden, sondern bloß nach Anschauung und (emotionalisierter) Einschätzung klassifiziert wird. So gibt es nämlich die nach ihrem Ersteller benannte Epetran-Skala zur Skalierung von Intelligenzstufen, die auch für Nichtarkoniden gilt. Hier wird in Lerc (Äquivalent zu IQ) die individuelle Intelligenz ermittelt. Arkoniden zur Zeit vom ersten Zusammentreffen dieser mit Menschen hatten gerade noch einen Lerc von 20-30, der einmalige Spitzenwert diesbezüglich wird dem Erfinder der Skala, Epetran da Ragnaari, zugeschrieben: 86,125! Wieviel Lerc haben denn dann Nichtarkoniden der Stufen D bis G und gar darunter wie A-3? Im Heftroman 0085 Kampfschule Naator, als statt Lerc noch rein terranisch von IQ die Rede ist, gibt es einen Vergleich:

    Besonderes Interesse zeigte der Hypno für den IQ-Tester. Das Gerät bestand – äußerlich gesehen – aus einem Sessel mit Kopfhaube, einigen Leitungen und der positronischen Auswertung. Der Prüfling hatte sich einfach hinzusetzen, alles übrige besorgte die Automatik. Das Ergebnis wurde in einer Kartei gespeichert.
    Noir wußte, daß Terraner im Durchschnitt einen höheren Intelligenzquotienten als die Zaliter besaßen. Wenn die Untersuchung auch völlig normal verlief, würde allein dieser Umstand für das Spezialkommando verhängnisvoll sein. Die hohen Werte würden sie verraten.PR0085 Kampfschule Naator

    Zaliter sind die allernächsten Verwandten der Arkoniden, erste Auswanderer von Arkon, die zur Handlungszeit alles nur nicht degeneriert, sondern immer noch tatkräftig sind. Dennoch sollen diese Zaliter intelligenzärmer sein als Terraner – ganz klar. Degenerierte Arkoniden 20-30Lerc, Zaliter mutmaßlich drüber, Terraner Ikarus weit darüber hinaus. Und später nach Manipulation der „IQ-Computer“-Bediener;-) passieren die Terraner die Intelligenzhürde:

    Der IQ-Tester funktionierte einwandfrei. Lediglich die Intelligenzquote von Atlan – jetzt Kapitän Ighur – war etwas höher als die von Rhodan und den anderen Terranern. Sie lag damit erheblich über dem Durchschnitt der Zaliter, aber das würde kaum Verdacht erregen. Und wenn, so hatte Atlan eine erneute Untersuchung nicht zu befürchten. Er war Arkonide und hatte somit alle Merkmale der Zaliter an sich, auch bezüglich des Knochenbaus. Die Datei speicherte die Ergebnisse. Sie würden von den Arkoniden ausgewertet und entsprechend verwendet werden.Ebenda

    Atlan bekommt später 50 Lerc attestiert, womit er grob doppelt so intelligent wie seine arkonidischen Zeitgenossen mit 25 Lerc im Schnitt wäre.

    Mir scheint es so, als gäbe es die Stufen A und B, die ähnlich der Star Trek-Direktiven mit großen Kontakteinschränkungen diesem indigenen Volk gegenüber einhergehen, während ab Stufe C über D bis G zunehmend Kontakt und Tausch möglich wird. Obendrein scheint es noch Unterstufen zu geben, definitiv auf Stufe A, wo speziell A-3 bekannt (aber nicht näher definiert) ist. Zu vermuten, dass es dementsprechend auch A-1 sowie A-2 gibt und B-1 bis B-3 geben dürfte, worin diese sich auch unterscheiden mögen.