Bodenlos

Hallo Mitwelt.

Nach letztmaligem Missmut, einplastifiziert zu sein in einem life in plastic, tut nun ein Blick voraus Not und zzwar ein visionärer, was möglich geworden sein wird. Nicht ins Jahr 2000 blicken wir zurück in die Zukunft, sondern wir reisen ins Jahr 2050, 29 Jahre hinkünftig, wenn die Freitags von Übermorgen nicht nur Märchen sind. Ein Rückblick aus dem Jahre 2050 auf das Jahr 2021 mag verhelfen, das Jetzthandeln mithilfe von imageneering wirkmächtig auszurichten, um Ermöglichungsräume zu schaffen.

Es geht also um nachhaltiges Handeln, das vielfach schon jetzt möglich ist, jedoch von den Einzelnen noch gezielte Aufmerksamkeit, Bewusstwerdung des Möglichen abverlangt und zumeist auch noch mehr Geld kostet. Sprich, nachhaltig zu handeln, sich zu ernähren und kleiden – leben, ist NOCH ein Schwimmen gegen den Strom, ein Handeln entgegen die Beharrungskräfte der Strukturen unserer Externalisierungs- =Auslagerungsgesellschaft. Fokus heute allerdings auf der Ernährung und diese ermöglichende Land- und Viehwirtschaft. Es läuft auf die Frage hinaus, ob Ökolandbau Europa ernähren kann. Eine schon mehrfach mit Ja beantwortete Frage, weshalb sie als nicht handlungsleitend wegignoriert wurde. Ganz aktuell und Anlass für heutigen Beitrag jedoch eine Studie…

1. Die Studie

Die Studie “Reshaping the European agro-food system and closing its nitrogen cycle: The potential of combining dietary change, agroecology, and circularity“ – zusammengefasst in scinexx geht der Frage nach, ob und vor allem wie Europa (schon!) im Jahr 2050 nachhaltig ernährt werden könnte. Zentral bei der Betrachtung ist der Stickstoffkreislauf bzw. –zyklus, bei dem der Stickstoff aus der Atmosphäre, die er zu 78% ausmacht, kreisförmig in Lebewesen verstoffwechselt und wieder ausgeschieden wird und so zum „Brennstoff für die Biosphäre“ geworden ist. So wichtig und doch oxidativ auf Dauer tödlich der Sauerstoff ist, so aufbauend wirkt der Stickstoff als wesentlicher Bestandteil von Proteinen.

Dass der Stickstoffkreislauf trotz seiner Engpässe funktioniert, zeigen Stoffbilanzen und Abschätzungen. Demnach wurde der verfügbare Stickstoff während der Erdgeschichte im Durchschnitt schon 900- bis 1000-mal von Lebewesen in ihrenKörper eingebaut und wieder ausgeschieden, während er jedoch rund 900.000-mal ein- und ausgeatmet wurde, ohne dass er dabei chemisch verändert wurde. Zum Vergleich: Der Luft- und ozeanische Sauerstoff der Erde wurde bisher im Durchschnitt rund 60-mal von der „Fabrik Leben“ benutzt, in Biomasse eingebaut und wieder ausgeschieden.

Wikipedia

Die Bedeutung für die „Fabrik Leben“ ist also kaum zu überschätzen, weshalb eine Landwirtschaft entlang dieses Zyklus zu denken nur – sozusagen – „natürlich“ wäre. Doch hat der weise Mensch sich aus diesem Äonen währenden Zyklus mutwillig ausgeklinkt, indem er massenhaft künstlichen Stickstoffdünger eingetragen hat und so die (Stick)Stoffkreisläufe in seinem – kurzsichtig-einäugigen Sinne manipulieren zu können glaubte. Die lange ignorierten Nebenfolgen treten zunehmend unübersehbar zutage (hierzu weiter unten noch: 2.1), weswegen sie nun wieder einzupreisen richtig innovativ und visionär ist (Sarkasmus!).

Doch womit befasst sich die Studie nun eigentlich?

Ein Team um Gilles Billen von der Universität Paris hat nun die landwirtschaftliche Entwicklung in Europa seit 1960 untersucht und analysiert, wie sich bis 2050 eine nachhaltige Landwirtschaft schaffen lässt, die alle Menschen in Europa ernähren kann. Einen Fokus legten die Forscher dabei auf einen möglichst effizienten Stickstoffkreislauf.

scinexx

Denn:

„Die bisher zu beobachtende Entwicklung des europäischen Agrar- und Ernährungssystems ist durch eine niedrige Effizienz bei der Nutzung von Nährstoffen und durch schädliche Stickstoffverluste in die Umwelt gekennzeichnet, die die Wasser-, Luft- und Bodenqualität gefährden und zum Klimawandel beitragen“, erläutern die Forscher.<

Scinexx

Ihre Analyse des Status quo stellt ein Auseinanderdriften und Nebeneinherarbeiten von Land- und Viehwirtschaft fest; ein klassischer Fall von soziologisch so genannter Ausdifferenzierung bzw. Binnendifferenzierung, wo zunehmend spezialisierte Aufgaben von Teilsystemen des Ganzen für das Ganze funktional übernommen werden:

Die Analyse von Billen und seinen Kollegen zeigt: Im Vergleich zu den 1960er Jahren ist die menschliche Ernährung stickstoffreicher geworden, enthält also mehr Proteine. Während 1961 nur 35 Prozent der aufgenommenen Proteine aus tierischen Quellen stammten, ist dieser Anteil bis 2013 auf 55 Prozent gestiegen. Zugleich hat sich die landwirtschaftliche Fläche in Europa verringert, was auf eine intensivere Bewirtschaftung der besten Flächen zurückzuführen ist.

Außerdem ist eine zunehmende Spezialisierung zu beobachten, die dazu führt, dass Viehhaltung und Ackerbau mehr und mehr voneinander getrennt werden. Während die stickstoffreiche Gülle mancherorts zum Problem wird und das Grundwasser belastet, sind Bauern andernorts auf synthetischen Stickstoffdünger für ihr Getreide angewiesen.

Scinexx

Wären sie mal zusammengeblieben oder hätten sinnvoll miteinander kommuniziert, als getrennt voneinander für sich zu agieren. Ein sinnhafter Aufeinanderbezug wäre gewiss möglich gewesen… Um trotzdem eine nachhaltige Ernährung zu realisieren, muss das Kunstwerk auf drei, entgegen des Status quo eng vernetzten Säulen fußen. Von Nöten sind demnach:

  • “lange, diversifizierte Fruchtfolgen, bei denen stickstofffixierende Zwischenfrüchte wie Klee und Hülsenfrüchte dem Boden auf natürliche Weise Stickstoff zuführen“ (scinexx), was das Ende der monokulturellen Herrschaft auf den Äckern bedeutete,;
  • eine engere Verzahnung zwischen Ackerbau und Viehzucht, damit es hier zu einem „Geben und Nehmen“ von natürlich anfallenden Stickstoff (Dung-Dünger) nach Bedarf kommen und man auf Kunstdünger verzichten kann, sowie
  • weniger tierische Produkte in der Ernährung, die bzw. deren Produktion ein Haupttreiber der naturzerstörung sind. Ein „Ernährungsmix mit 45 Prozent Getreideprodukten, 15 Prozent frischem Obst und Gemüse, zehn Prozent Hülsenfrüchten und 30 Prozent tierischen Produkten wie Fleisch, Milch und Eiern“ (scinexx) ist demgegenüber empfohlen. D.h., dass der tierische Proteinanteil in der Ernährung auf bzw. sogar unter das Niveau von 1961 (35%) zurückzugehen hat.

Das ergäbe folgende Sachlage:

Da ein solches System eine weniger intensive Landnutzung erlaubt, würden die Ernteerträge geringer ausfallen als bisher, prognostizieren die Forscher. Ausgeglichen würde dies dadurch, dass ein höherer Anteil davon für die menschliche Ernährung zur Verfügung stünde. „Aktuell dienen 75 Prozent von Europas Getreideproduktion als Viehfutter, zusätzlich zu Importen aus den USA und Südamerika“, erläutern die Autoren.

Würden die Tiere hingegen schwerpunktmäßig lokal ernährt, idealerweise mit Gras und den für Menschen schlecht verwertbaren Teilen von Getreidepflanzen, bliebe trotz geringerer Ernten ausreichend Getreide übrig. Die Tierbestände würden in dem von den Forschern vorgeschlagenen Szenario so reduziert, dass sie mit lokal nachwachsendem Futter auskommen und die produzierte Gülle daran angepasst ist, was im Ackerbau benötigt wird. So würde auch das Grundwasser geschont.

Scinexx

Summa summarum ernährten sich die Menschen gesünder, wäre Europa zum Selbstversorger geworden, hätte man eine ökologische, kontinentale Grenzen nicht überfordernde Land- und Viehwirtschaft ohne toxische Nebenfolgen etabliert, könnte so viel an Hinterherräumen sparen, leistete einen Beitrag zur Biodiversität auch auf und nahe den Äckern, müsste nicht länger ökosoziale Nebenfolgen durch die Produktion des Nahrungsbedarf auslagern. All das abverlangte jedoch eine Umstellungs- und Anpassungsleistung bei Produzenten wie Konsumenten, diese sich anders ernähren müssten, damit / weil jene anders produzieren.

2. Hintergründe

Zur Vertiefung ein paar Aspekte aufgegriffen und schlaglichtartig angeleuchtet, die zusammengefasste Studie voraussetzt.

2.1 Am Stickstoff ersticken

Wie steht es denn um den anthropogen manipulierten Stickstoffkreislauf, welche Auswirkungen zeitigt der Eintrag von Kunstdünger durch den Menschen in die Ökosystemen? Hierfür geblickt in ein schon 2015 publiziertes Gutachten des hiesigen Umweltrats (Sachverständigen Rat für Umweltfragen!), der der Bundesregierung fachberatend zur Seite steht. Scinexx berichtete, beim Umweltrat ist die Kurzfassung “Stickstoff: Lösungsstrategien für ein drängendes Umweltproblem“ einseh- und downloadbar. Demnach:

Seit Jahren gelangen aus Landwirtschaft und Tierhaltung gefährlich viel Stickstoff in Wasser, Luft und Böden. Nitrat kann so das Trinkwasser erheblich belasten. Durch die Überdüngung vermehren sich außerdem stickstoffliebende Arten von Mikroorganismen, es kommt zu Algenblüten und einem Verlust der Artenvielfalt.

Nicht zuletzt tragen Stickstoffverbindungen zum Klimawandel bei: Das Distickstoffmonoxid Lachgas entsteht zwar in vergleichsweise geringen Mengen, ist jedoch ein rund 300 Mal stärkeres Treibhausgas als Kohlendioxid. Es tritt ebenfalls aus Düngemitteln aus, entsteht jedoch auch in Verkehrs- und Industrieabgasen.

Scinexx

  • 2009 waren beinahe die Hälfte der natürlichen und naturnahen Ökosysteme von Überdüngung betroffen;
  • etwa 27 Prozent des Grundwassers seien wegen eines zu hohen Nitratgehaltes in schlechtem Zustand;
  • die Effizienz der Stickstoffdüngung ist „stark verbesserungsbedürftig“, denn nur 60% des gedüngten Stickstoffs finden sich in den Endprodukten, sprich den pflanzlichen Proteinen wieder; weltweit ist das Verhältnis ausgebrachten Stickstoffdüngers zu geernteten Proteinen noch schlechter.

Letzteres nennt man Verschwendung, weil man offensichtlich zu viel hat und nicht nachzudenken zu müssen meint. Düngertanks sind doch voll, wozu komplizierte Einsparverfahren umständlich ersinnen. Dabei…

Senken ließe sich die Menge der Stickstoffemissionen auf mehreren Wegen: In moderneren Düngeverfahren etwa lässt sich der Zustand der Pflanzen zunächst überprüfen, so dass anschließend nur so viel Dünger ausgebracht wird, wie wirklich nötig ist. Auch lässt sich der Dünger so in den Boden injizieren, dass weniger Stickstoffverbindungen in die Atmosphäre ausgasen können. Die DUH fordert außerdem, alte Kohlekraftwerke abzuschalten und höhere Anforderungen an die Automobilindustrie zu stellen, um Stickoxid-Emissionen drastisch und wirkungsvoll zu senken. Nur so könnten sich Stickoxide in Städten reduzieren und die EU-Grenzwerte einhalten lassen.

Scinexx

Zur Möglichkeit einer Senkung der Kunstdüngung siehe Abschnitt 2.2; die Sache mit dem betrugsmäßig Mehr an ausgestoßenen Stickoxiden deutscher Vierräder erhält so nochmal eine ganz neue Dimension, die meiner Erinnerung von 2015 an so kaum je kommuniziert worden ist. Auch per Auspuff greift der Mensch in den Stickstoffkreislauf ein, nur leider wie meist unbedacht, wie mit Schrotflinte ziellos in den Wald hinein. Und wer hoffte, dass seit 2015 doch lange sechs Jahre proaktiven handelns vergangen sind: bezüglich Nitrat im Grundwasser leider nein. Es scheint, als hätte man es in die Hände des euphemistisch Verkehrs- genannten Immobilitätsministeriums gelegt, das es seither ausgesessen hat. Denn die deutsche Handlungshomöopathie hat zu einer angemahnten Strafzahlung durch die EU-Kommission geführt, die längst ratifizierte Vorschriften einzuhalten erwartet. „Nur ein kleines Problem“…

Aktueller die 2020 erschienene
Nature-Studie: “A comprehensive quantification of global nitrous oxide sources and sinks“, wiedergegeben nach Br online. Die Studie konzentriert sich allein auf Distickstoffmonoxid / Lachgas, das 100-120 Jahre in der Atmosphäre verbleibt und dreihundertmal so stark aufs Klima einwirkt wie CO2; eine Tonne lachgas entspricht folglich 300 Tonnen CO2.

Das eingerechnet, macht Lachgas derzeit etwa sieben Prozent derTreibhausgasemissionen aus, nach Kohlendioxid (rund siebzig Prozent) und Methan (zwanzig Prozent). Aber anders als CO2 oder Methan kann Lachgas nicht so leicht eingespart werden. Denn der Großteil des Distickstoffmonoxid-Ausstoßes stammt aus der Natur – Böden und Ozeane emittieren fast 10 Millionen Tonnen Lachgas pro Jahr[…]

Doch der vom Menschen verursachte Anteil an den N2O-Emissionen nimmt beständig zu[…] In den vergangenen vier Jahrzehnten hat er sich um dreißig Prozent gesteigert auf inzwischen 7,3 Millionen Tonnen pro Jahr. Das sind über vierzig Prozent der jährlichen Lachgas-Emissionen.

Es wird immer mehr Lachgas freigesetzt: In den vergangenen 150 Jahren hat die Menge von Lachgas in der Atmosphäre um zwanzig Prozent zugenommen. Auch der N2O-Ausstoß steigt – Inzwischen um zwei Prozent pro Jahrzehnt.

BR online

Man beachte dringend: in 150 Jahren ein Anstieg um 20%, aktuell Anstiege um 2% pro Jahrzehnt. Da 150 Jahre 15 Jahrzehnte sind, 20 aber nicht die neuen 30%, muss der Anstieg lange ausgeblieben oder weit unter 2% gelegen haben; andersherum droht es gerade steil abzugehen, sprich Lachgas geht exponential! Wo sind die Lauterbäche, wenn man sie braucht, um die Kurve abzuflachen??? Und fatal, dass es just jetzt anzieht, wo der Mensch proaktiv intensiv mitspielt, es also zunehmend (momentan besagte 40% Mittäterschaft) seine Spielweise ist. Nur die gewieftesten Verdränger können noch unbeteiligt weggucken.

Rund 17 Millionen Tonnen werden jährlich emittiert, was beim Faktor 300 rund 5,10 Milliarden Tonnen CO2 entspräche – ein beachtlicher Batzen, der umso relevanter wird, da Lachgas nicht nur ein Treibhäuslebauer ist. Nein, es wirkt sich auch noch ungut auf die Ozonschicht aus (science.ORF.at):

Der Polarwirbel ist ein Tiefdruckgebiet in der Stratosphäre in 15 bis 50 Kilometern Höhe, das sich in jedem Herbst über der Arktis bildet und unterschiedlich lange über den Winter bis in das Frühjahr hinein bestehen bleibt. Die Dichte der Ozonschicht über der Arktis schwankt im Jahresverlauf und erreicht stets im Frühjahr ihren geringsten Wert. Im Frühjahr 2020 war von „Mosaic“-Forschern ein Rekordverlust registriert worden: Im Höhenbereich des Ozonmaximums waren demnach etwa 95 Prozent des Ozons zerstört. Die Ozonschicht-Dicke sei dadurch um mehr als die Hälfte reduziert worden – obwohl die Konzentration ozonzerstörender Substanzen seit der Jahrtausendwende sinke.

[…] Der komplexe Mechanismus dahinter sei zumindest teilweise bekannt, hieß es vom AWI: Dieselben Gase, die an der Erdoberfläche zur globalen Erwärmung führen, fördern demnach eine Abkühlung der höheren Luftschichten in der Stratosphäre. Vermutlich trügen auch Änderungen in den Windsystemen im Zuge des Klimawandels zu den tieferen Temperaturen im Polarwirbel bei.

Science.ORF.at

Obwohl man direkt schädigende Gase wie allen voran FCKW hat ausmerzen können, hat Mensch es geschafft, auf reichlich indirekten Wegen die identische Wirkung zu bewirken. Mensch gibt nicht auf und lässt sich von einem kaputten Ozonloch doch nicht vorschreiben, wann er was zu emittieren hat! Und nein, die Arktis ist wettertechnisch nicht fern genug – dort defekte Ozonschicht kann bis nach Europa hinein wabern. Keine guten nachrichten für Sonnenanbetende.

Und dann noch das: Mikroorganismen halten sich AUCH nicht an die Vorschriften – die Denitrifikation,die Verwertung von Nitrat zu Stickstoff oder auch Lachgas, verläuft anders. Letzteres, so die langzeitige Annahme, entweiche nur von feuchten Böden, nur in denen es lustig gärt. Nein, Mikroorganismen bekommen das auch in trockenen Böden hin, erst recht wenn sie wiederbefeuchtet werden. Nur gut, wenn wir feuchte Moore austrocknen und die Evapotranspiration den Rest übernimmt. Trockengebiete, gelegentliche Starkregen – das Beste vom Besten.

2.2 Bioeffektoren statt Stickstoffdünger

Wie angedeutet, gibt es sehr wohl bereits bekannte Möglichkeiten, zumindest mal den Kunstdüngeraustrag zu minimieren. Spannend hierzu das Scinexx-Dossier von 2019 “Wege aus dem Düngerdilemma gesucht: Bioeffektoren könnten die Landwirtschaft umweltfreundlicher machen“:

Das Problem ist klar: Auf unseren Feldern und Äckern werden zu viel Dünger und Gülle ausgebracht. Die Folge sind überdüngte Gewässer, verunreinigtes Grundwasser und andere Umweltschäden. Doch ganz ohne Dünger geht es auch nicht, wenn man hohe Erträge möchte. Eine mögliche Lösung für dieses Dilemma könnten Wissenschaftler nun gefunden haben.

Das Konzept: Man nutzt bestimmte Mikroorganismen und bioaktive Substanzen, um die Nährstoffaufnahme der Pflanzenwurzeln zu verstärken. Durch solche Bioeffektoren können die Pflanzen den vorhandenen Dünger besser ausnutzen. Als Folge müssen die Bauern weniger düngen, erreichen aber trotzdem hohe Erträge. Gleichzeitig bleibt im Boden weniger ungenutzter Dünger übrig, der Gewässer und Grundwasser belasten könnte.

Scinexx-Dossier

Das problem beim Fachbegriff benannt: Eutrophierung, Altgriech. „gut nährend“, womit die unerwünshcte, weil unkontrolliert übermäßige nährstoffliche Anreicherung von Ökosystemen gemeint ist, im Speziellen die anthropogene (menschverursachte) Version davon. Dadurch steigert sich die sogenannte Primärproduktion, sprich die Biomasse nimmt durch Pflanzenwachstum zu. Und weil das für auf Wachstum getrimmte Menschen pauschal einfach immer gut ist, hat das auch quasi niemanden gestört. EINE Folge ist jedoch die Sauerstoffzehrung, die Sauerstoffverbrauchsrate wie nur der Deutsche auch sagt. In Gewässern ist sie ein wesentlicher Anzeiger dafür, wie es um die Aktivität der aquatischen Lebewesen bestellt ist. Je höher die Rate, desto aktiver die Aquas, umso ausgezehrter der Sauerstoff. Bis es kippt und hypoxisch wird.

Aber zurück zu den besagten Bioeffektoren, die Abhilfe bei Kunstdünger versprechen:

Weil der Nachschub für mineralische Dünger knapp und aufwendig herzustellen ist, sind Alternativen gefragt. Erste Lösungsansätze sind Alternativen auf Recycling-Basis. Zu diesen gehören kompostierter Haushaltsabfall, Aufbereitete Rückstände aus dem Abwasser, Aschen, Stallmist, Gülle, Abfallstoffe aus der Tierverwertung und Gärrückstände aus Biogasanlagen.

„Ein Problem besteht hier vor allem darin, dass die nötigen Nährstoffe in diesen Düngern häufig nicht durchgängig in ausreichender Menge vorhanden oder pflanzenverfügbar sind“, erklärt der Pflanzenphysiologe Günter Neumann von der Universität Hohenheim. „Sie werden durch die Aktivität von Bodenorganismen erst langsam freigesetzt und können auch pflanzenschädliche Nebenwirkungen entwickeln.“

Scinexx-Dossier

Bioeffektoren sind aber anderen Kalibers, auch weil zuvor genannte Optionen nicht in ausreichender Menge verfügbar sind oder das sehr unstet je Region. Daher kommen für Bioeffektoren in Betracht:

Einen anderen Ansatz verfolgen deshalb Günter Neumann und sein Team. Sie setzen auf sogenannte Bioeffektoren. Dies sind Mikroorganismen wie zum Beispiel Bakterien und Pilze, aber auch bioaktive Substanzen aus organischen Extrakten, die die Pflanze bei der Aufnahme von Nährstoffen aus Boden und Dünger unterstützen.

[..]Der große Vorteil: Weil die Pflanze die vorhandenen Ressourcen effektiver nutzt, wird weniger zusätzlicher Dünger benötigt. „An der Wurzel platziert können Bioeffektoren den Pflanzen helfen, durch Förderung des Wurzelwachstums oder durch Mobilisierungsprozesse leichter an die Düngernährstoffe heranzukommen und diese effizienter zu nutzen“, erklärt Neumann. „Dadurch muss weniger Dünger ausgebracht werden.“ Das gelte sowohl für organische als auch für Mineralstoffdünger.

Scinexx-Dossier

Eine wahrlich mindestens radikale, wenn nicht gar revolutionäre Innovation
– nur rund >450 Millionen Jahre verspätet, was sich Homo sapiens im Hirn ausgebrütet hat. Gut Ding will Weile haben, eine biopsychosoziale Entschleunigungsstrategie #SapiensExklusive. Denn schon während der ersten Grünen Revolution, dem Landgang der Pflanzen, hatte sich titellose Evo Lution solch symbiotische Tricks schon ausgedacht:

Eine „Freundschaft“ bildete offenbar die Grundlage der grünen Revolution auf unserem Planeten: Forscher präsentieren neue Hinweise darauf, dass die pflanzliche Besiedlung des Landes vor rund 450 Millionen Jahren durch eine symbiotische Beziehung mit Pilzen möglich wurde. Sie konnten zeigen, dass sogar die simplen Lebermoose – die als lebende Fossilien gelten – ihren Pilzpartnern Lipide als „Handelsgut“ anbieten – ähnlich wie die hochentwickelten Pflanzenarten. Bei Algen gibt es die entsprechende Lipid-Biosynthese hingegen nicht. Daraus schließen die Wissenschaftler, dass dieses System auf die Zeit zurückgeht, als die ersten Gewächse mit der Unterstützung ihrer Pilzpartner das Land ergrünen ließen.

Zitiert nach wissenschaft.de

Kein Grund, traurig zu sein, dass es höchstens auf menschmikroskopisch kleiner und kurzbelebter Ebene wie eine Innovation erscheint, was evolutionärer Standard immer schon war. Aber gerade dank bald halbmilliardenjähriger Erprobung darf das Verfahren als gut erforscht und sicher gelten, auch wenn man sich bei der Erfassung der detailreichen Komplexität noch schwer tut. Daten unzureichend für sinnvolle Antwort Nicht aufgeben – wird schon!

2.3 Erhöhter Ökoflächenbedarf?

Nicht immer jedoch ist Biolandbau, der ohne Stickstoffdünger auskommt, eine Lösung. Denn durch den erhöhten Flächenbedarf sind oft zusätzliche Lebensmittelimporte notwendig, die im schlechtesten Fall sogar zu höheren Treibhausgasemissionen führen.

Scinexx zur unter 1. Genannter Studie

Passend hierzu eine Nature Communications-Studie: „The greenhouse gas impacts of converting food production in England and Wales to organic methods“ – Zusammenfassung nach Daniela Albat bei scinexx. Stand 2019 will man ergründet haben:

Öko-Dilemma: Der Umstieg auf ökologische Landwirtschaft hilft zwar der Natur, wirkt sich aber nicht unbedingt positiv auf das Klima aus. Wie eine Studie am Beispiel von England und Wales zeigt, kann es im Gegenteil sogar zu einem vermehrten Ausstoß von Treibhausgasen kommen. Schuld ist der erhöhte Flächenbedarf des Biolandbaus. So müssen bei einer Umstellung auf „Bio“ in diesen Ländern mehr Lebensmittel aus dem Ausland importiert werden. Trotz regionaler Einsparungen steigen die Emissionen dadurch insgesamt an, berichten die Forscher im Fachmagazin „Nature Communications“.

Scinexx

Bei Bedarf ebenda selber weiterlesen. Meine skeptische Formulierung „will man ergründet haben“ lässt schon durchklingen, dass ich die Annahmen, gesetzten Axiome, für fragwürdig bis schlicht falsch halte. Siehe den rant (nicht nur;-) ) in Abschnitt 4 Die Forscher*innen implizieren und unterstellen mehrere Invarianten, unveränderliche Gegebenheiten, als wären sie naturgegeben nicht anders möglich, obwohl sie kontingent, anders möglich sind. Denn egal welche Art von Landbau, konventionell oder Öko, in jedem Falle ist es nicht unveränderbar „natürlich“, sondern stets menschengemacht „kultürlich“! Nichts MUSS so, dass man zwangsweise massenhaft importieren müsste, nur weil Ökolandbau etwas mehr Fläche einnimmt für identischen Ertrag. Externalisierungsgesellschaft ist kein Schicksal, sondern nur eine Bequemlichkeit. Außerdem irreführend – errare humanum est – sind die angebauten Pflanzen…

3. Mix statt Mono

Was soll denn nun mit denen schon wieder nicht stimmen? Von mangelnder Robustheit gegen klimakrisenhafte Neuzustände und damit einhergehender altbekannt intensivierter oder neu aufkommender Krankheiten abgesehen? Sie sind ausschließlich auf Ertrag, also auf exzessives, erntefreundliches Wachstum gezüchtet, was ohnehin schon den Fokus weglenkt von u.a. Abwehrkräftigkeit. Einst prima, um der Malthusianischen Falle entgangen zu sein. Vor allem sind sie aber auch auf Monokultur gezüchtet, sollen also tunlichst in monokulturellem Anbau allein unter sich und ihresgleichen wachsen und ertragreich gedeihen. Monokulturelle Ertragsoptimierung kurzum. Versuche, mit samenfesten Sorten die Ernährung zu sichern, sind ein vergleichsweise neuer oder neubelebter Trend, alte Kulturpflanzen sozusagen wiederzubeleben und sie wegen größerer Robustheit, Widerstandsfähigkeit bei zugegeben geringerem Ertrag, dafür i.a.R. besserem Geschmack in Umlauf zu bringen. Das wider den Widerstand monokulturalisierter Konzernstrukturen, die in großem Maßstab die OptiPlants hergestellt haben und deren nicht samenfesten Anbau profitabel kontrollieren.

Hierzu eine Nature Plants-Überblickstudie: „Syndromes of production in intercropping impact yield gains”, worüber science.ORF.at berichtet. Was in obiger Fokusanker-Studie (Abschnitt 1) eine der drei fundamentalen Säulen ist, nämlich der Zwischenfruchtanbau, wird in dieser Studie nun näher beäugt.

Beim Intercropping oder Zwischenfruchtanbau wachsen auf einem Feld gleichzeitig zwei oder mehr Kulturen: Einige Reihen Mais wechseln sich beispielsweise mit einigen Reihen Bohnen ab. Die Pflanzen profitieren vielfach von der Nähe zu anderen Kulturen, die Bodenbeschaffenheit verbessert sich, und die Erträge wachsen.

science.ORF.at

Wichtig: Die Studie hat NUR die konventionelle Landwirtschaft betrachtet, weil… Sonst ein Teil der Antworten die Konventis verunsichert hätte? Im Ergebnis kam raus, wenn man Intercropping betreibt, erhält man

  • pro Hektar im Schnitt und quer durch die angebauten Pflanzensorten EINTAUSENDFÜNFHUNDERT KILOGRAMM mehr Ertrag als auf Monokulturwüsten!<
  • DAS VIERFACHE an Ertrag, wenn Mais eine der mitangebauten Mischwächsler gewesen ist.

Der gewagte Schluss, der gewiss noch näher zu erforschen ist (Arbeitsplatzbeschaffungsmaßnahme): „Zwischenfruchtanbau sei also ein wichtiger Schritt für die konventionelle Landwirtschaft“. Hört hört! Zum Glück gibt es die Wissenschaft, die Wissen schafft, sonst hätten wir es nicht gewusst.

Ergebnisse, die den Agrarökologen Michael Hauser nicht überraschen. Er forscht derzeit in Kenia am ICRISAT, einer Forschungseinrichtung, die Lebensbedingungen und Ernährungssicherheit in Subsahara-Afrika verbessern möchte. Beim Zwischenfruchtanbau handle es sich um eine alte Technik, die nun von der industriellen Landwirtschaft entdeckt werde. „Das Intercropping haben nicht Wissenschaftler entwickelt, sondern Bäuerinnen und Bauern über viele Jahrhunderte hinweg“, so Hauser.

science.ORF.at

“entdeckt“ wie Kolumbus das indigen seit Jahrtausenden bewohnte Amerika? Nennt man sonst raubkopierende Piraterie, wenn es bspw. die bösen Chinesen als Gelbe Gefahr plagiierend wagen. Stellen Wissenschaftler Offensichtliches aus dem Kulturellen Gedächtnis der Menschheit hingegen fest, ist es eine Innovation. Mal drüber nachdenken, was das über die Kulturelle Demenz des Westens aussagt. Denn:

Im 18. und 19. Jahrhundert sei der Zwischenfruchtanbau auch in vielen Regionen Subsahara-Afrikas weit verbreitet gewesen, so Hauser. Doch die Kolonialherren stellten die Technik unter Strafe, weil sie ihrer Vorstellung einer korrekten Landwirtschaft widersprach. Dabei habe das Intercropping gerade in trockeneren, klimatisch unberechenbareren Regionen entscheidende Vorteile, erklärt Hauser.

science.oRF.at

UNTER STRAFE, weil keine KORREKTE LANDWIRTSCHAFT? Zum Fremdschämen, ich bin zutiefst entsetzt und kann für diese irren Vorfahren nur um Gnade bitten. Sie waren imperial-zivilisatorisch schwer psychotisch und der Realität evidenterweise entrückt[1]. Jüngst ein SWR2-Wissen von 2010 zufälligerweise nochmal nachgehört. Nicht mehr online verfügbar, schade. Da ging es um einen australischen Waldmacher, der gegen das koloniale Erbe in Afrika ankämpfte. Denn besagte Psycotiker hatten der indigenen Bauernschaft den irren Gedanken eingepflanzt, Bäume auf und an Äckern seien schädlich, würden den Boden aussaugen und auslaugen und gehörten massenhaft abgeholzt. Denn viel wichtiger stattdessen der Anbau von Exportfrüchten für die Kolonialherren! Das liegt auch auf der Hand – was auch sonst! Dumm nur, dass in totaler, pervertierter Verkehrung realer ökologischer Umstände Bäume wesentlicher Biotopanker für ein gedeihlichen Acker sind, Schattenspender für kleine Pflanzen, wurzelnde Bodenauflockerer, Wasserbeschaffer usw. usf. Also bloß das zuvor auch vor Ort traditionale Wissen für dumm verkauft und das Gegenteil gepredigt[2]. Und jetzt plagiierende Wissenspiraterie, die als große Innovation den wohlklingenden Marketingsprech Intercropping erhält, um für Hipster anschlussfähig zu werden.

Überlebenswichtige Vorteile des hipstercoolen Intercropping nämlich:

Weil sich die Bäuerinnen und Bauern beim Zwischenfruchtanbau nicht auf eine einzige Kultur fokussieren, sinkt das Risiko für komplette Ernteausfälle. Darüber hinaus stehen den Menschen in der Region unterschiedliche Nutzpflanzen und damit Nahrungsmittel zur Verfügung, das verbessert die Versorgung mit Nährstoffen. Das gilt vor allem für Hülsenfrüchte, wie Bohnen oder Linsen, die proteinreich sind und im Zwischenfruchtanbau besser gedeihen.

Durch die Mischkultur haben die Menschen gerade in ärmeren Ländern die Möglichkeit, teurere Produkte wie Hirse anzupflanzen und größere Gewinne zu machen, weil die Risiken eben insgesamt kleiner sind. „Das heißt, Intercropping ist bei Weitem nicht nur vorteilhaft für die industrielle Landwirtschaft, aber die entdecken diese Vorteile eben erst jetzt“, so Hauser.

science.ORF.at

Ergänzend eine weitere Nature Plants-Studie:“ Diversity increases yield but reduces harvest index in crop mixtures”, wissenschaft.de berichtet.

Vor allem im ökologischen Gemüseanbau und in Privatgärten nutzt man […] bereits die Vorteile der Mischkultur: Dabei wechseln sich Reihen von Möhre, Zwiebel, Salat und Co ab – mehrere Nutzpflanzenarten oder Varietäten werden nebeneinander angebaut.

Dabei kommt ein natürliches Prinzip zum Tragen: Ökosysteme können ihre Funktionen besser erfüllen und mehr Biomasse bilden, wenn die Artenvielfalt groß ist. Der positive Effekt auf die Pflanzenproduktivität ist dabei auch bereits im Fall von Agrar-Ökosystemen bekannt: „Forschung in landwirtschaftlich genutztem Wiesland hat gezeigt, dass vielfältigere Wiesen produktiver sind als solche, die nur aus einer oder wenigen angesäten Arten zusammengesetzt sind“, sagt Christian Schöb von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich. Für den Ackerbau gab es aber bisher kaum vergleichbare Studien. Deshalb haben Schöb und seine Kollegen nun untersucht, inwieweit sich Mischkulturen auch im Anbau von Pflanzen günstig auswirken, bei denen der Samenertrag im Vordergrund steht.

wissenschaft.de

Auf zwei Experimentalanbauflächen – in der Schweiz sowie in Spanien – wurden in festgelegten Reihen und Abständen zwei bis vier Pflanzen pestizid- und düngerfrei kombiniert: Weizen, Hafer, Koriander, Quinoa, Linsen, Lupine, Lein und einen Verwandten des Raps. Ergebnis:

Der Vergleich mit den Samenerträgen der gleichen Pflanzenarten in Monokultur ergab: Schon ab Mischungen von zwei Arten stieg er um drei Prozent in Spanien und um 21 Prozent in der Schweiz. Säten die Forschenden vier Arten nebeneinander an, betrug der Mehrertrag sogar 13 beziehungsweise 44 Prozent in Spanien und der Schweiz. Den erzielten Mehrertrag führen die Forscher auf den Biodiversitätseffekt zurück. Es zeichnet sich demnach ab, dass auch bei diesen Ackerkulturen die Vielfalt eine bessere Ausnutzung der verfügbaren Ressourcen ermöglicht und vor allem eine bessere, natürliche Kontrolle von Schaderregern.

Wie die Forscher weiter berichten, zeichnete sich auch ein überraschend wirkender Effekt der Mischkultur ab: Die Pflanzen bilden mehr Blätter und längere Stängel aus als in Monokultur. Insgesamt entstand dadurch mehr Biomasse. Dabei gilt allerdings: Die Investition in die vegetativen Pflanzenteile geht tendenziell zulasten der Samenproduktion. Dennoch bleibt es aber durch das insgesamt stärkere Wachstum bei dem Vorteil, betont Schöb: „Trotz allem führte die Mischkultur unterm Strich zu mehr Samenertrag als in der Monokultur“.

Wissenschaft.de

Die Erklärung für diese Beobachtung:

Bei dem Effekt, das die Pflanzen mehr Energie in den Aufbau von vegetativer Biomasse investierten, könnte es sich den Forschern zufolge auch um eine Nebenwirkung der Zucht der verwendeten Sorten handeln. Denn deren Ertrag wurde dabei nur bei einem Wachstum unter ihresgleichen optimiert. Im Umkehrschluss scheint es somit möglich, dass das Potenzial für Mehrertrag mit Saatgut, das an Mischkulturen angepasst ist, noch besser ausgeschöpft werden kann, sagen die Wissenschaftler. Zurzeit gibt es jedoch keine Saatgutproduzenten, die Sorten speziell für den Einsatz in Mischkulturen anbieten.

Damit die Mischkultur sich im Anbau durchsetzen kann, ist aber auch ein weiterer Aspekt wichtig, heben die Forsche abschließend hervor: Es sind Maschinen notwendig, die gleichzeitig verschiedene Nutzpflanzen ernten und das Erntegut trennen können. „Solche Maschinen gibt es bereits, aber sie sind noch die Ausnahme und teuer, wohl weil sie bislang wenig nachgefragt wurden“, sagt Schöb. Durch die Kombination von optimiertem Saatgut mit geeigneten Maschinen könnte sich der Anbau von Mischkulturen aber letztlich für viele Landwirte lohnen, meint der Agrarforscher.

Wissenschaft.de

In kolonialherrlichem Eskapismus hat man vorhandenes Wissen exnoviert, zu erlernter agrarischen Hilflosigkeit geführt und in irrläufiger Pfadabhängigkeit Pflanzen sowie (Ernte)Technik antiökologisch optimiert und ist bass erstaunt, wieso das Naturverhältnis nun so defekt ist. Chapeau! Danke naturzerstörend verklärende Aufklärung; Danke Industrialisierung; Danke Modernisierung; Danke erleuchteter Westen!

4. Ein Rant – Flächenverbrauch =Weltverbrauch

Weil ich nun schon so in Fahrt bin und das Entsetzen über die weltverweigerte Einsichtnahme so groß ist, kann ich doch glatt einen rant anschließen!:-P

Man könne sich, so die perpetomobile Behauptung, hierzulande (Europa, dem Westen) Ökolandbau nicht oder nur in geringem Anteil LEISTEN, weil sonst ein Mehr zu viel werde, unanständig viel Fläche fresse, die man nicht habe. Und weil man die nicht habe, müsse man dann zwangsweise schicksalhaft-alternativlos – TINA – Überlebensnotwendiges wie Avocados, Mangos, Bananen, Ananas, Krokodilsteak, Straußenfilet, Tabak… importieren. Welch Drohung! Weil man das mit totaler Selbstverständlichkeit tagein, tagaus seit Jahrzehnten macht, bedenkenlos macht, ist das natürlich der ultimative Einspruch wider diesen landfressenden, alles wie eine Lawine unter sich begrabenden Ökolandbau. Der frisst uns buchstäblich das Land unter den Füßen weg. Und unser Land ist uns heilig, weshalb das freilich inakzeptabel ist, dass Ökolandbau unsere steten hegenden und pflegenden Anstrengungen zunichtemacht. Da kann man wirklich nur noch aus purer Verzweiflung auf Exklaven ökofreier Besinnlichkeit hoffen, die nicht unter dem Joch einer Ökosystemdiktatur stehen.

Wenn es so wäre… Es ist gewiss ehrenhaft, dass sich solcherlei Vorsprecher so rührselig um den Boden sorgen und sich als Apologeten im Kampf gegen Landfraß …. MOMENT! Der landfraßterrorist Ökolandbau erhält die Rote Karte gezeigt, während diejenigen Schiedsrichter noch nie in vorderster Aktivistenfront gegen tagtäglichen landgefräßigen Flächenverbrauch gesichtet worden sind?

Unter Flächenverbrauch versteht man die Umwandlung insbesondere von landwirtschaftlichen oder naturbelassenen Flächen in „Siedlungs- und Verkehrsfläche“. Flächenverbrauch ist damit eine spezielle Form der Änderung vonLandnutzung, und zwar einerseits Verlust von landwirtschaftlicher Nutzfläche und natürlichen Lebensräumen, andererseits Erweiterung von Siedlungs- und Verkehrsflächen. Eigentlich wird die Fläche nicht verbraucht, sondern anders genutzt und „in Anspruch genommen“.

Wikipedia

“Verlust von landwirtschaftlicher Nutzfläche und natürlichen Lebensräumen“ ist alltäglich praktizierter Usus? Ist der unhinterfragte, verbal verheimlichte, standardmäßige way of life? Gehört zur soziokulturellen DNA einer etwas auf sich haltenden Modernen Gesellschaft? Ein jedtägliches Weniger an landwirtschaftlich nutzbarer sowie naturwüchsig belebter Fläche wird – nicht einmal achselzuckend – stumpfsinnig hingenommen, während man studienweise langatmig Ressourcen verschwendet, dem Ökolandbau ein Mehr an Flächenbedarf nachzuweisen? Noch so sinnbefreit, ziellos unabgesprochen wird zubetoniert, zuzementiert, wie man es sich passend macht, um dann zu verkünden, hier sei kein Platz für Ökolandbau? Mir fehlen passende Worte, das nicht justiziabel auszudrücken

Flächenverbrauch, der korrekt nichts als Landfraß zu nennen ist, ist nur eine Unterform des Landverbrauchs. Diesen jenseits nationaler Container gedacht, mündet in der einen einzigen globalisierten Welt – nach Peter Sloterdijk – in

Weltverbrauch als Folge unserer modernen Lebensform des aktivischen Konsumismus oder konsumistischen Aktivismus. In seinem letzten BuchDie schrecklichen Kinder der Neuzeit sieht Sloterdijk diese Geisteshaltung schon mit der Aufklärung und dem Aufstieg des Bürgertums nach der französischen Revolution entstehen. Die seit dem gewollte bürgerliche Gleichheit hat global betrachtet ein ganz großes Problem: Ihr Versprechen bringt unbezahlbare Kosten und „mengentheoretische Pradoxien“ mit sich:

Nach Geist und Gegenwart: Eine Übung für schreckliche Kinder ohne Zukunft

Weil man sich wie Langoliers der Gegenwart nur so über die gesamte Welt frisst, dass der ökohochverschuldete Welterschöpfungstag außer in pandemischen Zeiten jährlich früher kommt, man mit dem nichtökologischen Beackern der Welt bloß schon mehrere Erden bräuchte, ist es der Ökolandbau, der über Gebühr maßlos viel Lebenswelt verbraucht. Schön, wenn man einen Sündenbock gefunden hat, auf den man mit billigem Ablasshandel sein Versagen ablagrn kann. Ich spitze zornig noch mehr zu: es ist auffallend, dass in Abschnitt 2.3 zitierte Studie aus UK kommt, einem infolge von Brexit und Co re-imperial träumenden Land, das alter Größe nachzutrauern scheint. Vielleicht täte da ein Blick ins Johari-Fenster Not und gut, damit der lange Schatten eigener imperialer Lebensweise ins Licht kommen kann. Ein kurzsichtiger Duktus, den gewiss nicht nur ehemalige Imperialisten nachpflegen. Da verwundert es nicht, dass und wie sehr Pankaj Mishra wie immer noch gepflegte „imperiale Arroganz“ scharf anprangert. In totaler Unwilligkeit, zunächst auch nur daheim mal „aufzuräumen“, lagert man ökosoziale Folgen des eigenen Lebensstils freimütig aus und hofft auf genug Weiße Flecken auf endlicher Erdenkarte, damit es irgendwie passt.

Nur zu passender, ausgezeichneter Beitrag bei Wissenschaft im Brennpunkt des DLF:Andrea Hoferichter: „Bodenversiegelung – leben und Sterben unter dem Asphalt“:

Wird der Lebensraum von Bienen, Eisbären oder Nashörnern vernichtet, ist die Empörung groß. Doch die Grundlage für die Vielfalt über Tage ist jene im Untergrund. Täglich werden unzählige Bodenlebewesen unter Asphalt, Beton und Pflastersteinen begraben. Welche Folgen das hat, ist nur wenigen klar.

Bodenversiegelung als die vielleicht offensichtlichste Form des Landfraßes. In einem land vor unserer Zeit (5G, Smartphones), am Anfang des Jahrtausends wollte ein gallisches Regierungsdorf den deutschen landfraß auf endlichem Staatsgebiet von 120 Hektar auf 30 runterregulieren. Das bis 2020, also innerhalb von gut 15 Jahren um 75 auf nur noch 25% des damaligen Niveaus. Ein Jahr später liegt der Landfraß bei 60 Hektar, was nur minus 50% entspricht, nur die Hälfte des anvisierten Zieles ist. Es ist also zu einer unbedeutenden Zielabweichung gekommen, den Zielwert nur zum Negativen doppelt übertroffen. Da würde ich ein mangelhaft ausssprechen, obwohl ich das für ungenügend halte. Achja, besagte Hektar Landfraß …:

30 Hektar Boden verschwinden in Deutschland jeden Tag unter Asphalt, Beton oder Pflastersteinen. Für neue Wohnhäuser, Gewerbegebiete, Parkplätze, Straßen. Ein artenreicher Lebensraum wird begraben.

Andrea Hoferichter DLF

TÄGLICH! Nur in Deutschland! Und wer kein strammer Neonationalsozialist ist, ahnt, dass Deutschland ein auf 357qkm begrenzter Staat ist und bleibt. Da kommt nichts einfach so hinzu, weil alles wegzementiert und man doch noch bräuchte… Und wehedem, man landfräßt guten, so richtig guten, weil lebhaftesten Boden weg:

„Also wir haben für solche fruchtbaren Böden keine Ausgleichsmaßnahmen im Grunde. Oder Sie müssen eben die Fläche eben fünfmal so groß oder dreimal so groß machen, um ein gleiches Ertragspotenzial zu haben. Und dann haben Sie auch die dreifache Belastung durch Bewirtschaftung. Vielleicht müssen Sie da auch mehr Pestizide, mehr Dünger einsetzen, um das überhaupt auf das Niveau zu heben. Also es ist unverantwortlich, einen hoch produktiven Boden zu versiegeln.“

Volkmar Wolters nach Andrea Hoferichters DLF-Beitrag

Begräbt man lebendig besten Boden, was man sich hierzulande freimütig als „Veredelung“ herausnimmt, dann ist er abgetötet, ermordet, tot und nicht frankensteinartig revitalisierbar – nicht mal als Monstrum.. Zur Veranschaulichung:

Zumal sich hinter dem staubtrockenen Begriff „produktiver Boden“ eine höchst lebendige Welt verbirgt: Mikroben, Tausendfüßer und die Larven von Insekten; Asseln, Springschwänze, Milben, Regenwürmer – in einer Handvoll Erde leben mehr Organismen als Menschen auf dem Planeten. „Da gibt es so welche, die sehen fast aus wie so kleine Nilpferdbabys und so kleine Kugeltypen. Auch die Fadenwürmer, tolle Tiere. Und Einzeller, das sind zum Beispiel schöne Aufnahmen von Einzellern im Boden. Hier ist mein Nilpferdbaby, Collembole. Oder der.“

Volkmar Wolters zeigt ein Bild von einem knallgelben Springschwanz mit Fühlern und Kugelbauch. „Der sieht doch super aus. Das sind alles Collembolen. Oder das sind Milben. Also da kann man ja nicht meckern.“

Ebenda

Was noch so alles im Boden wimmelt bzw. wimmeln könnte, wenn man es ließe – Scinexx-Dossier: Leben im Erdreich. Faszinierend! Aufgrund anhaltender Bodenerstörung bedarf es dringend einer neuen Bodenethik, wie sie Franz Alt schon 2019 entfaltet hat! Sonst wird aus der guten alten Erde doch noch der Planet Matsch, auf dem zeitweise Arthur Dent lebte…

5. Ende

Nach Trübsal auf dem Plastic Planet sollte es doch visionär werden, eine Utopie entstehen, Frohsinn ins Blog kommen… Und dann Sarkasmus hier, Misanthropie und Zynismus dort, gar ein kapitaler rant. Da habe ich mich wohl aus der narrativen Bahn geschrieben! Nein, zwar war so viel sarkastisch-misanthropischer Kommentar nicht geplant, aber auch dieser Plan zerschellte, als er mit der spätimperialen Realität kollidierte. Und so viel Entsetzen mehrfach aufkam angesichts des toxischen Erbes imperialen Strebens nach einem Platz an der Sonne Afrikas, ist das Fundament dieses Blogbeitrags ein visionäres!

Abschnitt 1 ist mein Kronzeuge, dort zitierte Studie ist, worauf die Hoffnung ruht! Die drei schnörkellos anmutenden Säulen, auf denen das futurzweite Gebäude fußt, wirken zunächst trivial, schon weil vermeintlich altbekannt. Das lässt sie trügerisch erscheinen, denn die Hürden sind in den Folgekapiteln dokumentiert. Allein der Aufschrei, statt bloß eines Veggie Day pro Woche ein vegetableres Ernährungsleben zu führen, erschüttert diese Säule gewiss. Und auch die Umsetzungen von Zwischenfruchtfolgen wie in alten Zeiten sowie ein konstruktives Miteinander von land- wie Viehwirtschaft – ambitioniert. Und doch ist es eine anschlussfähige Utopie und keine unerreichbar raumzeitferne. Der Weg zu ihr ist ersichtlich, auf der Landkarte in die Zukunft sind die Marken gesetzt, das Handeln kann dem Denken folgen. Hin zu Planetary Health, einem Gesundheitskonzept, das erdenweit über in der Pandemie zwangsweise kennengelerntes, rein nationalstaatlich organisiertes Public Health hinausgeht. Gesundheit bestimmt sich ökosystemisch, so dass ALLE INVOLVIERTEN ins Ökosystem Erde ihre Gesundheit erhalten können – nicht auf Kosten anderer belebter Biotope. Es geht darum, durch die Lebens- einschließlich Ernährungsweise schlussendlich die planetaren Grenzen wahr- und ernstzunehmen. Neun Grenzen, zu denen ohnehin neben rein klimatischen auch die biogeochemischen des Stickstoff- wie des hier sträflichst unterschlagenen Phosphorkreislaufs gehören. Es hängt eh alles mit allem zusammen, was auch den Kurzsichtigen auffallen wird (müssen). Und die Anker-Studie hat sich aufgemacht, kontinental für Europa auszubuchstabieren, wie man bei voller, gesund erhaltener Ernährung(sversorgung) insbesondere den Stickstoffkreislauf untergrenzwertig gestalten kann. Ein nicht zu überschätzendes Verdienst!

Ob das in 29 Jahren, nur einer Generation so fundamental umsetzbar ist, weiß ich nicht. Zwar soll bis dahin (oder gar schon 2045) selbst der CO2-Ausstoß auf null runtergefahren und neutral geworden sein, um das Niveau sodann zu stabilisieren; aber schon das harrt noch ernsthafter Umsetzung und nicht bloßer Wahlversprechen, falls diese denn gegeben wurden. Und selbst wenn oder gerade wenn der konkrete, CO2 fixierte Klimaschutz doch noch entsprechend angegangen wird, mag das auch eh schon murrende Kräfte restlos binden und Stickstoffkreisläufe geraten dann ggf. aus dem Blick. Schlecht denken ist hier also einfach, aber auch einfach fehlführend. Hinzu und letztlich entscheidend, dass sich beides diesseits der Realität nicht nur nicht ausschließt, sondern zusammenhängt, sich bei aktuellem Fortlaufen negativ verstärken würde, bei zielführendem Handeln positiv abschwächen könnte. Als frisch gekürte EvapotranspirationsexpertInnen wissen wir bereits um entgrenzte Wasserkreisläufe auf Erden, in zunehmende Trockenheit geratene Böden auch für Landwirtschaft wie in Kalifornien, allein deshalb umzuschwenken ist. Und wenn man dann schon die TITANIC vom Eisbergspitzenkurs bringt, kann man es auch gleich richtig machen und weitere Riffs umschippern. In diesem Sinne des visionär entfalteten Machbaren endet der Blogbeitrag dann doch versöhnlich…

EDIT vom 16.07.2021: Update der Version1.0 vom 07.07.2021:

  1. In Abschnitt 1 zur Anker-Studie bzgl. Stickstoff ergänzt, dass er die Atmosphäre zur 78% ausmacht
  2. Unter Abschnitt 2.1. Fehlberechnung korrigiert, demnach ein jährliches Emittieren von etwa 17 Millionen Tonnen Lachgas einer Treibhauswirkung von 510 Millionen Tonnen CO2 entspräche. Korrekt ist und eingepflegt wurde: <5,10 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalent./b>

  3. Mit “psychotisch“ und „Psychotiker“ meine ich ausdrücklich nicht Betroffene mit der psychischen Erkrankung Psychose! Vielmehr in dem Sinne von Ariadne von Schirachs Diagnose einer psychotischen Gesellschaft:

    Selbstmordattentäter, Geflüchtete, populistische Präsidenten, das Klima, eine durchökonomisierte Welt. Der krisenhafte Zustand, in dem die Menschen stecken, hat viele Gründe. Er betrifft schon lange nicht mehr nur das Sichtbare, sondern reicht tief in das Unsichtbare hinein: in das Soziale, in den Umgang mit sich selbst, den anderen und der Welt.

    Ein alter (veralteter?( psychoanalytischer Sinnspruch hierzu wäre: „Für den Psychotiker ist 2 plus 2 natürlich fünf, für den Neurotiker ist 2 plus 2 zwar 4, aber es ärgert ihn.“ Oder: „Neurotiker bauen Luftschlößer, Psychotiker wohnen in ihnen.“


  4. “Für dumm verkaufen nennt man Marketing, an Dumm verkaufen Vertrieb.“ So Simone Solga zum daran Ersticken trefflich.

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