Radikale Intelligenz – Intelligenz des Radikalen

Hallo Mitwelt!

Heute ein assoziativer Einwurf nach Lektüre eines – leider in der käuflichen Trutzburg eingemauerten – SZ-Artikels: „Kluger Kopf, dummer Gedanke“. Autor ist Sebastian Herrmann, dessen Psychologie-Beiträge größtenteils nur SZplus zugänglich sind. Doch worum geht es und wie kann es sein, wenn der ganze Kopf klug sein soll, dass in ihm dumme Gedanken spuken?

Intelligenz scheint extreme politische Positionen zu begünstigen – selbst wenn diese manchmal etwas unterkomplex wirken. Wie kommt das?
Zu den in weiten Kreisen beliebten Breitband-Bösewichten zählt „der Kapitalismus“. Dieser Wirtschaftsordnung verpassen viele laut meinende Menschen den Stempel des Grundübels der Gegenwart. Zwar wird in den entsprechenden Äußerungen kaum je spezifiziert, was mit „der Kapitalismus“ genau gemeint ist, aber das hält niemanden von lautem Wortkrawall ab. Man floskelt sich halt so durch den Zeitgeist und raunt von „kapitalistischen Strukturen“, die Sexismus, Rassismus, Umweltzerstörung, Populismus, Kriege und alles übrige Blöde dieser Zeit mindestens begünstigen.Sebastian Herrmann im SZ plus-Artikel

Dem zugrunde liegt die Studie in Intelligence (Volume 95): „Sophisticated deviants: Intelligence and radical economic attitudes“. Das Ergebnis ist demnach, dass in signifikanter Tendenz ein Mehr an Intelligenz mit radikaleren Ansichten einhergeht und die Träger*innen dieses Leidens verstärkt -ismus-Ideologien (Kommunismus, Neo-/Liberalismus, Faschismus, … usw.) zuneigen. Die britische Studie, in die 13.000 Proband*innen einbezogen wurden, fokussierte sich speziell jedoch auf wirtschaftspolitische Ansichten und deren Korrelation mit sich ballender Intelligenz im Oberstübchen. Daher der zitierte Bezug auf den Kapitalismus, gegen den sich dann mit allen Mitteln der Intelligenz konfrontiert wird. Das gelte interessanterweise in beide (politischen) Richtungen, verschont weder linke noch rechte Intelligentia.

Eine weitere – nicht gelinkte – Studie wird referiert, die einen gleichförmigen Zusammenhang zwischen Intelligenz und der Einnahme radikaler Positionen zur Coronapandemie diagnostiziert. Faustformel auch hierbei: je intelligenter, desto gestrenger, unnachgiebiger, sprich radikaler wird die Position des eigenen Lagers vertreten und ausgelegt. Je intelligenter, desto weniger moderat steht man pro oder contra Coronamaßnahmen ein, versteht vielmehr alle Argumente für die eigene Sichtweise zu vereinseitigen. Es geht dabei also ausdrücklich nicht um Verquergedachte mit ihrer radikalen Lesart, sondern schließe genauso vehemente Befürworter einer jeden Coronamaßnahme zugunsten der Sicherheit ein. Das muss sich dann nicht unbedingt von links nach rechts aufspannen, sondern dürfte sich charakterlich verankern und durch habituelle Dispositionen speisen. Wer beispielsweise introvertierter als extravertiert ist und eventuell auch noch gewissenhaft, wird mit Bedacht vorsichtshalber pro Coronamaßnahmen sein und würde, so diese Studienlage, eher entschiedener bis radikal dafür eintreten, je intelligenter so eine Person ist. Oder wenn als Intro keine nach außen hin entschiedene Meinung kundgetan wird, denkt man sie sich dennoch still und heimlich und bedenkt maßnahmenschlampige Mitmenschen radikal kritisch. Mit „habituellen Dispositionen“ ist soziologisch sperrig gemeint, dass wir alle sozial geprägt sind. Das üblicherweise bereits vom Elternhaus her, wo wir in elterlicher Primärsozialisation fürs Leben mehr mit- und in den Rucksack gepackt bekommen haben, als wir meist gerne hätten; und das auch noch vermittelt, als wir als Kleinkinder noch voll und ganz im Bann dieser alleswissenden Erwachsenen standen und es geprägsam so hinnahmen, es für die Wahrheit über die Welt hielten. Und diese „lange Leine“ erweist sich dann immer mal wieder im Leben, wenn sie den Radius dessen umkreist, was unsere Prägungen =habituelle Dispositionen sind. Nochmal anders: Habituelle Dispositionen sind die kindheitlichen Langzeitnachwirkungen, die uns nach oftmals nicht bewussten Mustern handeln lassen.

Zurück zu den Studienergebnissen: Kognitive Befähigung in messbarer Form der Intelligenz scheint demnach Radikalität zu befördern bzw. diesen Personen dazu zu verhelfen, ihren Anliegen und Standpunkten auf radikal(er)e Weise Ausdruck zu verleihen. Und wenn dann innere Intelligenz noch mit verbalem Mundwerk eine konspirative Affäre eingeht, vermögen sich derart intelligente Menschen auch noch an ihren Worten aus dem Sumpf des S(t)umpfsinns zu ziehen. Sozialpsychologisch vermögen sie durch intelligent eingesetzte Rhetorik ihr Umfeld mehr als andere auf ihre Ansichten und so über die Maßen auf die außenseitig(er)en Perspektiven aufmerksam zu machen. Hierin läge dann wohl auch EIN Grund, wieso die radikalisierteren Ränder sich kommunikativ größer zu machen verstehen, als sie anteilig sind – weil in ihren Reihen verstärkt die dafür nötige Intelligenz ansässig ist, um diese Klaviatur zielführend zu bespielen.

Nehmen wir das mal so hin, setzen das als Axiom (so sei es), dann …

Soziale Zentrifugalkraft der Intelligenz

Dann stellt sich mir die soziologische Folgefrage, was dieser Befund über Einzelne, die mithilfe ihrer Intelligenz (tendenziell!) zum Radikalen und ins Extreme neigen, hinaus für die Gesellschaft bedeutet. Wir haben also zwei (oder gar mehr?) Pole des Radikalen, der Extreme und dazwischen aufgespannt eine Mitte, die sich sowieso immer als „die (eine) Mitte“ versteht und ihrerseits genauso gegenüber ihren Außenseiten verabsolutiert. DIE Linke – DIE Rechte – DIE Mitte! Wobei mir das auch schon zu politisiert althergebracht benannt wäre und Falsches assoziieren lässt. Gesellschaft ist nicht bloß linear von links nach rechts – mit einer Ausbeulung in der Mitte – begreifbar, müsste vielmehr sozialstrukturiert dreidimensional gedacht werden. Der Einfachheit halber imaginiere ich zweidimensional eine scheibenförmige Gesellschaft mit der sog. „Mitte“ im Zentrum, deren extreme Ränder in 360° ringsherum zu finden sein können. Extrem ist demnach, was aus einer angenommenen Mitte heraus kontrastfern ist. Und da sich i.a.R. kaum wer für extrem und radikal hält, sondern stets besonnen und mit Gründen, gibt es demnach viele Mittel-Punkte (im Plural). Inmitten der Gesellschaftsscheibe, die die Welt bedeutet, ist also eine vielpunktige Mitte-Fläche, wo sich die meisten wiederfinden (wollen). Niemand hat die Absicht, radikal zu sein…

Ich habe dieses Bild auch deshalb gewählt, so wenig es üblichen Darstellungsweisen gesellschaftlicher Sozialstruktur entspricht, um im Folgenden meine Assoziation über die Wirkkraft der Intelligenz besser veranschaulichen zu können. Denn wenn, wie die Studien gemäß Sebastian Herrmann nahelegen, der Intelligenz eine Kraft zur „Polarisierungsbeschleunigung“ innewohnt, wünschte man sich Homo sapiens freilich (NOCH!) dümmer. Wenn angelegentliche Intelligenzinfektionen bei Homo sapiens bewirken, dass er vermehrt zum extremen Radikalisieren neigt, wirkt Intelligenz innergesellschaftlich als Zentrifugalkraft. Intelligenz soll also eine solche soziale Kraft meinen, die ein relativ homogenes, relativ ruhendes Zentrum wirkmächtig in Rotation versetzt und so dafür sorgt, dass bisherige Bestandteile aus diesem Zentrum hinausfliehen und sich nunmehr heterogen rings um das Zentrum anlagern. Intelligenz als der „Treibstoff“ für eine gesellschaftliche Zentrifuge, die die Trägheit des Gesellschaftssystems aufmischt und in (kreisende) Bewegung versetzt.

Daher Gesellschaft außergewöhnlich als Scheibe gedacht und konzipiert, da aus ihrem trägen Inneren die Intelligenz nach außen drängen und drücken lässt und – prinzipiell gleichermaßen in alle Richtungen – so für eine nach außen hin immer schnellere Drehbewegung sorgt. Scheint Gesellschaft in ihrem Zentrum konservativ bewahrungsträge, dreht sie sich zu den Rändern hin intelligenzgetrieben immer schneller und scheint vom zentralen Standpunkt aus gar zu überdrehen. Intelligenzverursacht teilt sich eine zentrifugierte Gesellschaft in mehrere umeinander gelegte Ringe, die nach außen an Eigengeschwindigkeit zulegen. Analog zu nebeneinander liegenden Rollbändern mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten, wo von Nachbarband zu Nachbarband das Tempo anzieht, erhöht sich das gesellschaftliche Tempo vom Gesellschaftskern aus ringweise.[1]

Intelligente Ränder – und die Mitte?

Obiger Artikel hinterfragt also kritisch das Loblied auf die Intelligenz, wenn aus ihr zunächst einmal Extremes und Radikales erwächst und noch lange nichts Gutes. Dabei bleibt die Perspektive für meinen Geschmack zu sehr ins Links-Rechts-Schema gezwängt, das die Gesellschaft allzu sehr auf den (eindimensionalisierten) Strich schickt. Sollte man denn dann keinen Argwohn gegen diese Intelligenz entwickeln, wenn sie übermäßig nach links und rechts abkippt? Aber was sagt es denn über die Mitte aus, wenn aus ihr die Intelligenz nach außen hin abwandert? Ist die oder irgendeine Mitte dann nicht immer einem kontinuierlichen Braindrain und einem Strudel der Mittelmäßigkeit ausgesetzt? Ja, sollte die Mitte sich dann nicht auf sich besinnen, statt über die intelligenten Ränder zu spotten, derweil sie nämlich verdummt?

Solange die Mitte, was der Usus ist, das Gros der Gesellschaft ausmacht, wird sich in ihr in absoluten Zahlen auch das Gros der Intelligenz finden – trotz aller Zentrifugalkräftigkeit auch weiterhin. Aber während sie auszudünnen droht, Intelligenz stets zu den Seiten ausweicht, ist der Anteil an Intelligenz in der Mitte gegenüber den Rändern geringer. Am Rand potenziert sich die Intelligenz auf, ballt sich an, lagert sich an, während sie in der Mitte ausgewaschen wird. Wie Goldgräber, die in Flüssen nach Gold waschen, von den Flussrändern aus schöpfen und dort das Gold anhäufen, braucht der Fluss wie die Gesellschaftsmitte einen steten Nachstrom an Gold oder Intelligenz.

Das wäre dann quasi ein antigravitativer Effekt, wo sich eben nicht automatisch im Zentrum (der sozialen Mitte) die Intelligenz durch ihresgleichen angezogen ballt, sondern vielmehr wie bei elektromagnetischer Kraft es zu gegenpoligen Abstoßungen und in ihrer Folge zu Umverteilungen kommt. Doch was kann dann die Mitte machen, nicht ganz zu verblöden, nicht aller Intelligenz verlustig zu gehen, trotz aller Fliehkräfte genug bei sich zu behalten?

Die gemäßigte Gesellschaftsmitte muss – soziologisch gedacht – die potenziellen Intelligenzträger*innen für sich gewinnen, auf Lebenslaufbahnen einlenken, die im gesellschaftlichen Kernbereich angesiedelt sind. Es bedarf also einer Sogkraft, die der Fliehkraft entgegenzuwirken vermag. Altgedient (deshalb aber nicht notwendig wohlgedient) bildet die Gesellschaftsmitte dafür Organisationen aus, die mit dem ganz formalen Wahnsinn der Intelligenz umzugehen verstehen, gleich einem Dompteur das wilde Raubtier zu bändigen vermögen. Schule ihr Name! Eine DER Institutionen schlechthin entlang der Prozessstrukturen des individuellen Lebenslaufs! Diese wie andere Institutionen setzen „Ablauf- und Erwartungsmuster“, die die ungestüme Intelligenz in sozial verträgliche Bahnen (nahe am Zentrum) führen soll. Und wenn es gelingt, die Intelligenzträger*innen quasi küstennah schippern und stets in Landsicht ankern zu lassen, wäre aus der Eigenlogik der Gesellschaftsmitte heraus Gewinn eingestrichen. Wenn, ja wenn nach solcher Plankensetzung die Intelligenzträger*innen ins Fahrwasser gelingender Handlungsmuster gelangen, ist der Kurs gesetzt! Denn dann profitiert selbst die hinausdrängende Intelligenz zu sehr von alledem, das es im „Gewässer der Mitte“ zu fischen gibt, um das gefahrvolle Wagnis einer Hochseefahrt ins Unbekannte bereitwillig einzugehen. Wenn allerdings der Profit nicht im Sinn der Mitte lockt, sondern der Ruf der Wildnis wie der Gesang der Sirenen lauter und deutlicher zu vernehmen ist, werden doch die Segel gehisst. Denn den Horizont verkennen ja selbst Landratten nicht, auch wenn sie ihm nicht ständig nachstreben.

Verdummung durch Intelligenz?

Der Metaphern gibt es gewiss noch viele, die die Prozesse veranschaulichen helfen. Was bisher unhinterfragt blieb, ist die Intelligenz selber. Was ist sie eigentlich und wenn ja, wie viele? Notfalls immer das, was man misst und mit dem IQ messgenau festhalten zu können hofft. Dass man von multiplen Intelligenzen im Plural sprechen müsste, kennen alle Lesenden von Büchern Daniel Golemans. Der popularisierte über das Abstraktum des IQ hinaus noch den EQ als emotionale Intelligenz, aber auch eine soziale sowie ökologische Intelligenz. An letzterer mangelt es nachweislich, wobei sich solcherlei Intelligenz auch – den Anteilen nach – irgendwo am Rand der Gesellschaft im vergleichsweise Extremen angesammelt hat. Von Sonntagsreden und Vorzeigeprojekten abgesehen, ist diese Art der weltbezogenen Intelligenz noch längst nicht salonfähig – trotz sich verschärfender Notwendigkeiten. Was wiederum mutmaßen lässt, dass Intelligenz (welcher Unterart auch immer) ein prinzipiell rares Gut ist, sich nicht situativ notwendig oder/und sozial erwünscht vermehren lässt. Es will vielmehr gehegt und gepflegt werden, kann nämlich auch kläglich verkümmern und sich verflüchtigen. Intelligenz ist also eine ephemere Sache, so sehr sie zu einem gewissen Anteil angeboren und demnach genetisch verankert sein mag. Die besten Intelligenz-Gene taugen nichts, wenn sie durch ihre soziale Umwelt nicht epigenetisch aktiviert werden und angeschaltet bleiben. In den abgeschatteten Tälern von Verlaufskurven verdunkelt sich noch jede Leuchte.

Die Risiken und Nebenwirkungen von Intelligenz, die die auf sichere Beständigkeit des routinierten Weiter-So getrimmte Gesellschaft aufzumischen, sind in jedem Fall betrachtenswert. Soziologisch erstaunt der Befund im Übrigen nicht wirklich. Bedenkt man die vier Dimensionen sozialen Handelns im Sinne von Max Weber: „Soziales Handeln […] soll ein solches Handeln heißen, welches seinem von dem oder den Handelnden gemeinten Sinn nach auf das Verhalten anderer bezogen wird und daran in seinem Ablauf orientiert ist.“ Die vier Dimensionen beschreiben dann die sinngemäße Motivlage, wieso und wozu man sozial handelt: zweckrationale, wertrationale, affektuelle oder/und traditionelle Motive sind hier optional.

In diesen übergroßen Fußstapfen dieser Nominaldefinition lässt sich ein modern ausgedrücktes Motivensemble festmachen:

  • Traditionelles Handeln (traditionelle Motive), demnach man in der Gegenwart so handelt, wie man den überlieferten Traditionen gemäß immer schon gehandelt hat;
  • Routinehandeln (in etwa: wertrationale Motive), demnach man ein festgesetztes Handlungsmuster – routiniert – gegenwärtig beharrlich beibehält, nachdem man es sich einmal angeeignet hat;
  • emotionales Handeln (affektuelle Motive), demnach man aus der Emotion heraus situativ handelt, sich die Handlung emotional Bahn bricht;
  • Entscheidungshandeln (zweckrationale Motive), demnach man in der Gegenwart im Sinne der Zukunft, auf diese hin handelt, um im Jetzt hinkünftig etwas in Gang zu setzen und in die Wege zu leiten.

Traditions- und Routinehandeln speisen sich aus der Vergangenheit und wirken von dort in die Gegenwart hinein, in der man sich nicht stets aufs Neue damit befassen und abplagen muss, ob und wie man denn nun hier und jetzt handeln sollte. Man macht es so, wie es zuvorig schon festgelegt worden ist – im Falle der Traditionen den Gründen nach verunklarter als bei Routinen, die besserenfalls aus guten Gründen einst etabliert wurden. Emotionales Handeln ist in der Gegenwart gefangen und lässt sich so recht erst nachvollziehen, nachdem es vergangen ist und man sich wieder beruhigt dem Handeln zuwenden kann. Demgegenüber ist alleinig das Entscheidungshandeln nicht aus der Vergangenheit genährt oder der Gegenwart verpflichtet, sondern richtet sich an die Zukunft. Man betritt mit einer Entscheidung Neuland, weicht von den Pfaden eingeübter, altbekannter, ja vertrauter Tradition und Routine ab; kann sich nicht in der Gegenwart verlieren und nur kurzsichtig den Tag leben. Entscheidungshandeln verlangt mehr ab, nämlich die zweckrationale Beschäftigung mit dem Umständen, der Gewahrwerdung von Zielen und Zwecken und der aufzulösenden Frage, wohin man denn aus dem Jetzt hinkünftig gelangen will. Lange Rede, relevanter Punkt: Laut Uwe Schimanks Zeitdiagnose (von 2005) leben wir in einer Entscheidungsgesellschaft, in der der Subtyp des Entscheidungshandeln mehr denn je die Oberhand gewonnen hat und das soziale Handeln dominiert. Ergo wird öfter denn je innerhalb der Gesellschaft das traditionelle sowie routinierte Handlungsgefüge durch zunehmende Entscheidungen gestört und aufgebrochen. Und zwecks Entscheiden ist vielleicht nicht unabdingbar, aber hilfreich und nützlich: Intelligenz! Intelligenz, um sich der Umstände, der kontextuellen (Neben-)Bedingungen bewusst zu werden, die die Entscheidung beeinflussen.

Und wenn die Beobachtung stimmt, dass die Gesellschaftsmitte – dem Bild nach – weitgehend in sich ruht, dann herrscht in ihr Traditions- und in unseren Zeiten vor allem Routinehandeln vor. Und wer entscheiden will oder meint zu müssen, verlässt damit den „sicheren Hafen der Mitte“ und begibt sich auf den offenen Ozean der Zukunft, von der es keinerlei Karten gibt. Und dann bleibt nur der „Kompass der Intelligenz“. Und so verdichten sich Entscheidungshandeln, weg vom Etablierten, und Intelligenz als bester Ratgeber für die Ungewissheiten der Zukunft und drängen sich gemeinsam am Rande der bekannten Welt. Man muss an den Rand, um über den Tellerrand hinausblicken zu können, was an und für sich eine extreme Sache ist.

  • Die Gretchenfrage wäre, inwieweit die Intelligenz der Menschen als eine Art „Drehimpuls der Gesellschaft“ aufzufassen wäre. Das Problem ist nur, dass sich der Drehimpuls stets aus der Bezugnahme auf einen Massen(schwer)punkt berechnen lässt. Doch so sehr sich „die Mitte“ innerhalb einer Gesellschaft ihrer Zentralität gewiss ist, so wenig ist sie fest verortet, sondern kann sich in ihrer Masse (Quantität) sowie sozialstrukturell (Qualität) verschieben, gleicht also eher einem plattentektonischen Kontinent mit Driftgeschwindigkeit hier- oder dahin. Doch wenn der soziale Massenpunkt wandern kann, sich lokal verändert, verändert sich dadurch auch der Drehimpuls der gesamten Gesellschaft.

    In die Sterne geschaut, verkompliziert sich das Ganze sogar noch: denn während ein anständiges Sonnensystem noch mehr als genug Masse im Zentrum, der Sonne, ballt, worum sich dann artig die Planeten in seriösen Ellipsen drehen, können die Massen auch mal unanständig heterogen verteilt sein. So nämlich innerhalb einer Galaxis, die – im Falle der unsrigen Milchstraße – nicht absolut genug Masse präzise im Zentrum angesammelt hat trotz eines formidablen Schwarzen Loches, damit sich alle randständigen Sonnensysteme wie wohlerzogene Planeten ellipsensauber an die eine exakte Umlaufbahn halten. Anhörlicher in Sternengeschichten 503 über den „Weg der Erde durch das Universum“:

    Damit sind wir aber noch lange nicht durch. Denn auch die Sonne bewegt sich; durch die Milchstraße hindurch. Aber nicht so wie ein Planet um einen Stern herum. In erster Näherung kann man sich das durchaus so vorstellen; wenn man genauer hinschaut ist das Bild aber komplizierter. Denn in einem Planetensystem ist der absolut überwiegende Teil der Masse im zentralen Stern konzentriert; die Planeten sind alle viel, viel leichter und der Stern dominiert quasi die Bewegung alleine. Im Zentrum einer Galaxie wie unserer Milchstraße sitzt zwar auch immer ein sehr massereiches schwarzes Loch. Aber das ist bei weitem nicht so dominant. Die Milchstraße hat zum Beispiel ein schwarzes Loch mit einer Masse von circa 4 Millionen Sonnenmassen. Das ist viel – aber da sind ja noch circa 200 Milliarden Sterne, die zusammen, sehr vereinfacht gerechnet, dann auch 200 Milliarden Sonnenmassen haben. Und dann sind da noch die ganzen Gaswolken, der ganze Staub, die dunkle Materie, und so weiter. Und weil in einer Galaxie die Masse eben nicht im Zentrum konzentriert ist, folgen die Sterne auch keinen simplen Bahnen um das Zentrum herum. Die Sonne zum Beispiel bewegt sich zwar schon mehr oder weniger um das galaktische Zentrum herum. Ihre Bahn ist aber ein wenig wackelig, sie bewegt sich auch auf und ab, soll heißen, dass sie sich ein paar Millionen Jahre lang über der mittleren galaktischen Ebene bewegt, also der Ebene, in der sich die Spiralarme befinden und dann wieder ein paar Millionen Jahre lang darunter. Sie braucht ungefähr 240 Millionen Jahre für eine Runde und bewegt sich aktuell mit einer Geschwindigkeit von 792.000 km/h beziehungsweise mit 220 Kilometer pro Sekunde.Sternengeschichten-Erzähler in SG503

    Das sei als Einwand so ausführlich eingeworfen, weil sich sowohl in der Galaxis als auch einem Sonnensystem die Verhältnisse anders erweisen als in meiner proklamierten „Scheiben-Gesellschaft“: hier drehen sich die „Ringe der Intelligenz“ nach außen hin immer schneller, je mehr Intelligenz sich in ihnen abgelagert hat wie Sedimentgestein. Astronomisch ist es genau andersherum, da flitzt innerster Planet Merkur nur so flinkfüßig um die Sonne, während Neptun entschleunigt seine – zugegeben auch so viel länger gestreckte – Bahn zieht. Da braucht die unsrige Sonne (s.o.) Abermillionen Jahre für einen Umlauf ums galaktische Zentrum, während Sonnen, die nahe ans dortige Schwarze Loch geraten sind, zusehends beschleunigen, um irgendwann hinter den Ereignishorizont zu rasen. Dann: Singularität!

    Intelligenz ist demgegenüber eine Fliehkraft, die Tempo macht!

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    In a hole in the ground there lived a hobbit

    Mae govannen mellyn!

    Die Straße gleitet fort und fort,
    weg von der Tür, wo sie begann,
    weit über Land, von Ort zu Ort,
    ich folge ihr, so gut ich kann,
    ihr lauf’ ich raschen Fußes nach,
    bis sie sich groß und breit verflicht’
    mit Weg und Wagnis tausendfach.
    Und wohin dann? Ich weiß es nicht.
    Die Straße in The Road Goes Ever On

    Doch bedenke: „Es ist eine gefährliche Angelegenheit[…], wenn du zur Tür hinausgehst. Du betrittst die Straße, und wenn du nicht auf deine Füße achtest, so kannst du nicht wissen, wohin sie dich tragen.“Gandalf zu Frodo in Die Gefährten

    Alles beginnt einmal und führt über die Wege des Daseins drüber und drunter hinweg, führt an Schwellen geduldigen Sitzens und in Fässer rasanter Reisen, führt hin und zurück zu sich selbst auf der eigenen Heldenreise!

    So geschehen, so begonnen heute vor 85 Jahren, am 21.09.1937: Bilbo Beutlin, seines Zeichens wohlgesittet spießbürgerlicher Krämer, „bloß ein Krämer“ seiner Erbschaft, den es in die Unweiten der Welt hinausführte, der hinausgeführt wurde, gedrängt förmlich. Einer, der nicht gegangen wäre, wäre er nicht gegangen worden; hätte er sich nicht dem sozialen Druck einer dreizehnköpfigen Zwergengruppe und dem gnadenlosen Urteil eines Zauberers beugen müssen. Ein so unscheinbarer Zeitgenosse, dass das Werden der Welt an ihm vorbeigewoben worden wäre, wäre er nicht schon vorab als Meisterdieb wider Willen in den Strom der Geschehnisse hineingesogen worden.

    In a hole in the ground there lived a hobbit

    Als sich diesseits der realen Welt langsam die dunklen Wolken über Europa aufzutürmen begannen, begann mit dem Erscheinen einer wundervollen Kindergeschichte am besagten 21.09.1937 eine Anderswelt zu existieren, die bis heute nichts von ihrem Zauber verloren hat. An diesem Tag vor 85 Jahren ist im britischen Verlag Allen & Unwin ein Buch herausgebracht worden, dessen erste 1500 Exemplare bereits innerhalb von nur drei Monaten ausverkauft waren und das noch viele weitere Auflagen und Medienadaptionen erleben sollte. The Hobbit or There and Back Again, in deutscher gekürzter Erstübersetzung Der kleine HobbitTobias Altehenger erinnert an diese Zeitenwende der Literatur im WDR-ZeitZeichen! Damit wuchs ein Kinderbuch als „Spitze eines Eisberges“ aus dem Ozean der phantastischen Gedanken empor, die ein da bereits 45-jähriger Professor schon lange ersonnen hatte. Zuerst seine, ab diesem Tag dann alle Kinder konnten eine Welt betreten, die größer und tiefer war, als die Schwarz auf Weißen Zeilen des Buches dokumentierten; eine Welt so vielschichtig, so weit verzweigt durch Raum und Zeit, wie es sie bis dahin – und nur noch selten seither – nicht gegeben hat. Eine Welt, die Schritt um Schritt wächst und größer wird, nachdem „Mister Beutlin“ einmal den strubbeligen Haarfuß aus der Tür auf die Straße gesetzt hat, die ihn in unbekannte Lande über Berge hinweg und drunter hindurch führen sollte. Und uns, als wären wir einer der 13 Zwerge, stets dabei, an Bilbos Seite.

    Zwar inzwischen um stolze zwei Jahrzehnte hintan, werfen Königs Erläuterungen zu Der Hobbit einige Schlaglichter auf Aufbau, Figuren(konstellationen) & Co., die lesenswert prägnant gehalten sind. Ein Zauberer, der die meiste Zeit zwar weg ist und gar nicht da, aber dennoch nie zu spät kommt; ein Hautwechsler, der gruselt und zeitweise ein bisschen Angst macht, am Ende aber mit dem Herz am rechten Fleck den Freunden zur Hilfe eilt; kapuzenbunte Zwerge, die doch stets eigensinnig sind und bleiben, vom Glanz des Schatzes mitunter geblendet sind, trotzdem nicht den entscheidenen Moment verpassen. Steintrolle, Hochelben, Waldelben, Seemenschen, grausame Waldspinnen, Höhlenorks, himmelverfinsternde Fledermäuse, wilde Warge, Heere einander grimmer Lebewesen – entlang der Straße treffen wir auf so viele Gestalten, begegnen wir einer so vielgestaltig ausstaffierten Welt, dass man gleich einem kleinen Hobbit kaum je aus dem Staunen kommt. Und vielen begegnen wir ein zweites Mal, sie bleiben nicht zurück, sondern fordern erneut ihre Aufmerksamkeit. Man weiß also nicht nur, wohin der nächste Schritt auf der Straße führt, sondern auch nicht, wer flinken Fußes einem folgen mag.

    Klangliche Einbettung

    Doch zurück zum ZeitZeichen, das uns – mich in jedem Falle – so gut abholt und an die Seite Bilbos verzaubert. Der Stimme und Sprechweise nach hätte ich einen Klumpen Mithril wetten können, dass Tobias Altehenger gar nicht er, sondern vielmehr Malte Hemmerich wäre, der er aber nicht ist. Malte ist Stimme bei SWR Score Snacks, wo er Film- und Serienmusiken seziert und auf ihre Leitmotivik Ton für Ton abklopft. So hört man gleich ganz anders hin und selbst als Musikbanause sogar mehr als zuvor raus. Malte hat bisher sowohl das Hobbit-Motiv als auch das Ring-Motiv unter das Hörgerät gelegt. Beide Motive hören wir auch im ZeitZeichen. Die flinke Leichtigkeit der Hobbits, mit dieser Beschwingtheit der naiv gute Bilbo sein Abenteuer beginnt. Demgegenüber die tontiefe Gewichtigkeit, die der magische Ring in Der Hobbit zugegeben an keiner Stelle schon erlangt, an der erst Neffe Frodo viele Jahrzehnte später schwer wird tragen müssen. Es ist schon erstaun-, noch mehr aber erfreulich, dass und wie sehr diese beiden Tonfolgen ganze Welten erwecken, filmreife und buchtiefe Assoziationen ausgraben wie Zwerge Mithril.

    Doch Tobias, also der ZeitZeichen-Kreateur, zieht noch mehr Register, erweist sich noch mehr als wohlgekämmter Haarfüßler: Herrliche Einspieler des vierteiligen, 270-minütigen WDR-Hörspiels aus dem Jahre 1980, aus dem wir allen voran „Mister Beutlin“ aka Horst Bollmann hören! :)) Wer die Filme im Kopf hat, kann sie damit therapieren! Und wer die Filme nicht im Kopf hat, kann ein großartiges Kinder-Hörspiel in die Rübe bekommen, das allerdings noch auf alte Art und Weise intoniert. So wird zum Beispiel Unwetter, in das sie auf dem nebelgebirge geraten, orchestral wiedergegeben, gibt es keine realistische Akustik echter Tonproben. Auch ist das Hörspiel so gar nicht dramatisiert wie die Film-Trilogie, geschweige denn vorlagenfern überfrachtet.

    Doch drei Zugeständnisse an die Hobbit-Filme macht Tobias: So hören wir den Zwergengesang über die „Misty Mountains“, den Filmtrack zum Film sowie – natürlich – Gollum, der seeiiinen Schaaatz inbrünstig anbetet. Da alle Tonbeispiele auf Deutsch sind, hören wir hier dann auch Andreas Fröhlichs geniale Intonierung, die so gar nichts mehr mit Recherche und Archiv Bob Andrews zu tun hat;-) Im Hobbit- wie im 30-teiligen Herr der Ringe-Hörspiel wird Gollum hingegen von Jürgen von Manger gluckzend und grummelnd in Töne gesetzt. Hier klingt Gollum vielmehr wie ein großes, grimmes Monster, so viel stärker als die kleinen Hobbits und daher ungemein gefährlich – und zunehmend in sich zwiegespalten. Gollum, der Mann. Rückhörend die vielleicht unpassendste Besetzung, was ex post gehört natürlich unfair ist.

    Und so weiter! Und so fort! Mit all diesen Anspielungen und Einspielern schafft es Tobias, als wäre er doch Malte, dank der ausgewählten Melodien, der raren Hörsequenzen die ganze Geschichte in bloß 14 Minuten aufziehen zu lassen. Und dazwischen immer wieder und eindrücklich wiederholt der chöpfer dieser Welt – J. R. R. Tolkien, der mit einem so unscheinbaren Satz wie ein Hobbit Mittelerde wie eine detaillierte Karte entfaltete: In a hole in the ground there lived a hobbit! Braucht es mehr?

    Die Folgen

    Die Folgen waren folgenreich, wenn man so will. Der Hobbit musste dann zwar zumeist zurücktreten, ins zweite Glied rutschen, wurde wie durch Gwaihir überflügelt, als nicht die Adler kamen, sondern Der Herr der Ringe erschien und endgültig die Fundamente der Phantastik erschütterte. Selbst ein literarischer Massenmörder beruft sich auf Tolkien, was diesen gewiss irritiert hätte, wie er erstaunt vom Ruhm seiner nichtprofessoralen Tätigkeit war.

    “Und dann stirbt Gandalf! Ich kann nicht erklären, was für eine Auswirkung auf mich hatte, als ich 13 Jahre alt war. Man kann Gandalf nicht töten. Ich meine, Conan ist auch nicht in den Conan-Büchern gestorben, oder? Tolkien hat diese Regel gebrochen, und dafür werde ich ihn für immer lieben. Sobald man Gandalf tötet, ist die Spannung für alles, was folgt, tausend Mal höher, denn jetzt könnte jeder streben. Selbstverständlich hatte das tiefe Auswirkungen auf meine eigene Bereitschaft, Figuren im Handumdrehen zu töten.”
    Zitat von G. R. R. Martin, zitiert nach Robots & Dragons

    Nicht Boromirs Tod, heldenhaft am Ende für die Gruppe einstehend, sondern Gandalfs – doch nur zeitweises – Abtreten von der Bühne soll schuld für die inzestuös-soziozidalen Verhältnisse in Westeros sein? Und das nur, weil ein Hobbit sich eine Höhle grub, ein Loch in der Erde?

    Dark side of life – Verlaufskurven und Depression

    Hallo Mitwelt!

    Wer unter einer Depression leidet, blickt eher pessimistisch in die Zukunft. Warum sich daran auch nach einer guten Erfahrung wenig ändert, hat jetzt eine deutsche Forschungsgruppe untersucht. Wie sie in »Clinical Psychological Science« berichtet, erscheinen den Betroffenen ihre Erfolge eher als Ausnahme von der Regel. Im Einzelfall könnten sie zwar ihre Erwartungen an die spezifische Situation anpassen. »Sie haben aber Schwierigkeiten, diese Lernerfahrung zu verallgemeinern.«

    Zitiert aus dem Spektrum-Artikel von Christiane Gelitz Depression: Erfolge erscheinen als Ausnahme von der Regel.

    Hatte mal irgendwo gelesen, es bräuchte fünf positive Inputs/Feedbacks/Momente, um einen negativen auszugleichen / wettzumachen. Ich dachte mir da nur und bei obigem Zitat wieder: Wie kommt / gelangt man denn auf fünf Goods bzw. wie bleibt man denn bloß bei einem Bad? Das Verhältnis ist doch umgekehrt? O_o Und wenn – auch nur gefühlt – eher 5 Bads einem Good gegenüberstehen, dann ist doch klar, wenn das Gute da unter die Räder kommt und auf der Strecke bleibt.

    Wie sollte man denn auch von einer Ausnahme induktiv verallgemeinern? Nicht, dass das inmitten einer Depression zum Tragen kommt, aber vom Einzelfall aufs Ganze zu schlussfolgern, ist wissenschaftlich auch gar nicht angeraten. Als Anekdotisches Wissen sehr wohl Anlass, Hypothesen zu bilden, ob dem so sein könnte, um dem dann nachzugehen. Aber mehr Allgemeingültigkeit wird dem Einzelfall zunächst nicht zugestanden.

    Selbstwirksamkeitserfahrung stellt sich schließlich auch erst nach einer Kette von Selbstwirksamkeitserlebnissen ein. Nachdem man für sich oft genug Selbstwirksamkeit erlebt hat, das je positive Erleben auf den eigenen Konto hat gutschreiben können, beginnt man von den Zinsen zu leben. Man kann auf das selbstwirksame Erleben in der neuen Situation sozusagen zurückgreifen und mit dem Selbstbewusstsein des Gelingens auch diesen neuen Fall angehen. Das setzt jedoch voraus, dass die Kette eben nicht ständig zerschnitten wird, sich die Glieder so überhaupt nur zu einer fortreichenden Erfahrungskette verbinden können.

    Das setzt ebenfalls voraus, dass man in förderlichen Situationen und Kontexten war und von ihnen zehren kann. Vier Wege führen laut dem Psychologen Albert Bandura zur Selbstwirksamkeit oder helfen diese aufzubauen:

    • 1. eigene Erfolgserfahrungen (mastery experience)
    • 2. stellvertretende Erfahrungen (vicarious experience), z.B. durch Beobachtung
    • 3. Äußerungen von Anderen, die suggerieren die Person könne eine bestimmte Handlung ausführen (verbal persuasion)
    • 4. physiologischer oder affektiver Zustand vor oder bei der Bewältigung einer Erfahrung (physiological and affective states)
    • Erstens ist selbsterklärend;
    • zweitens setzt ein Vorbild voraus, um an und von diesem Modell zu lernen, wie man es gelingend macht;
    • drittens meint mehr und anderes als bloßes Feedback, das mehr verklärt und beschönigt statt produktiv zu kritisieren;
    • viertens macht den Unterschied zu erstens auf, dass es nicht nur eine kognitive / mentale, sondern auch körperliche Ebene der Selbstwirksamkeit gibt, bis zu der „hinab“ der Prozess durch- und einwirken muss bzw. sollte, um tief verankert zu sein.

    Mangelt es nun an derart förderlichen Situationen, in denen man auch nur eine dieser vier Wege proaktiv oder interpassiv beschreiten kann, bleibt die Selbstwirksamkeit aus, fehlt es am psychophysischen Eindruck, dass etwas gelingen kann. Etwas, das von dir selbst ausgeht, durch dich bewirkt worden ist. Und – ich komme auf den Anfang zurück – ohne derlei Positives kann man kein Good dem Konto gutschreiben, kann man erst gar nicht ein Good erkennen, selbst wenn es einem widerfahren ist. Genauer gesagt: bloße Widerfahrnisse, die einem passiv passieren, zählen dann immer weniger und irgendwann gar nicht mehr. Obwohl – mit Positiver Psychologie gesprochen – man doch die Dinge und vor allem die guten so nehmen muss, wie sie kommen. Ob gut oder gut, Hauptsache gut, doch eigentlich egal ob selber bewirkt oder von außen an einen herangetragen.

    Eigentlich… Denn dieses „Passieren“, geschieht mit einem, von dem ist man voll und ganz abhängig, kann es – erst recht mangels Selbstwirksamkeitserfahrung – nicht mit sich in Verbindung setzen, auf sich beziehen. Es ist dann ja bloß zufälligerweise angelegentlich auch mal gut, ohne dass eigene Einflussnahme hier irgendetwas gelenkt hätte. Man ist dann zunehmend der unbeeinflussbar erlebten Umwelt ausgesetzt, ja ausgeliefert. Es passiert jenseits von einer, man ist nicht aktiver, involvierter Teil dessen, nicht integral fürs Zustandekommen; nur dabei statt mittendrin!

    Nochmal wissenschaftlicher formuliert – und zwar mit den sog. „Prozessstrukturen des Lebenslaufs“, die Fritz Schütze mit Narrativen Interviews destilliert hat. Die methode des Narrativen Interviews ist Teil der Biografieforschung. Hier sollen die Interviewten ausführlich entlang ihrer Biografie erzählen, ohne dass es lenkende und einschränkende Fragen seitens der Interviewenden gäbe. Bei der Auswertung lassen sich dann bestimmte Erzählmuster ausmachen, die sich mit je individuellem Inhalt gefüllt in so ziemlich allen Interviews aufeinanderfolgend wiederfinden. Das sind dann die besagten Prozessstrukturen:

    • Institutionelle Ablauf- und Erwartungsmuster: Schule, Universität, Berufsausbildung sind die klassischen hier gemeinten Institutionen, die Abläufe vorgeben und Erwartungen an das Individuum stellen. Durch diese Institutionen muss man hindurch, an denen muss man sich messen lassen und mit den Ergebnissen muss man biografisch fertig werden.
    • Handlungsmuster/Handlungsschemata: kurz gesagt, sind Handlungsmuster biografische Zeiten des gelingenden Handelns, in denen man ziemlich problemlos die obigen fünf Goods zusammenbekommt, um gelegentliche Bads locker wegstecken zu können. In Handlungsmuster-Zeiten erntet man Selbstwirksamkeiten im Plural so üppig und reichlich, dass man sich Besseres als Goldketten um den Hals hängen kann.
    • Verlaufskurven: Wenn man sich biografisch verlaufen hat, aus der Kurve geraten ist und das Dasein zum Erleidensprozess wird. Wenn man partout nicht auf 5 kompensierende Goods kommt, da man von Bads umzingelt scheint. Wird die Brust inmitten von Handlungsmustern immer breiter, strafft sich die Haltung und leuchten die Augen nur so vor proaktiver Begeisterung, dunkelt sich hier alles ab, wird verschattet und zwielichtig. Man passiviert und wird zum Spielball anderer, deren Regeln man nicht halb so gut kennt und beherrscht. Aus dem handlungsgelingenden Ich-Subjekt wird ein Objekt der Geschehnisse. Oder alles fühlt sich zumindets so an.
    • Wandlungsprozesse: der Vollständigkeit diese noch erwähnt, die zwischen den drei genannten Zuständen einen Wechsel herbeiführen. Prozesse, in die man freilich verwickelt ist, sei es, weil man endlich dank vermittelter Selbstwirksamkeit doch noch aus der Verlaufskurve emporgestiegen kommt; sei es, weil man gegenläufig das Handeln verlernt (bekommt) und aus den lichten Höhen des Gelingens in die verfinsterten Täler des Misslingens gerät. Von da nach dort führt der Wandlungsprozess durch eine Statuspassage vor der biografisch ausstaffierten Kulisse erstgenannter „institutioneller Ablauf- und Erwartungsmuster“. Ja …, in Schule, Studium oder Ausbildung kann viel gelingen oder misslingen und die Biografie in diese oder jene Richtung wenden.

    Ach und in Statuspassagen, die einen Wandlungsprozess verheißen (also vom Schlechteren zum Besseren zu führen scheinen), kann man selbstredend steckenbleiben. Dann wird die Passage zur unwohnlichen Wohnstatt, in der man sich notgedrungen einrichten muss. Das sind dann die schlimmsten Höllen, weil sie aufwärts ins Licht wiesen, dem man sich dennoch nicht (weiter) annähern kann, obwohl man sich extra auf den Weg gemacht hat. Wie es Alaska Saedelaere mal so trefflich sagte, wenn auch in maximal anderem Zusammenhang: „Es ist dunkler, wenn ein Stern erlischt, als wenn er nie geleuchtet hätte.“ Wer das – rein metaphorisch gemeinte – Sternenlicht nie sah, kennt und weiß nicht, wie sich eine lichte Welt anfühlt. Wer sie schon erblickte und weiß, was da schwindet, kann es vermissen.

    Ich suche dann mal Goods – irgendwo muss es sie ja geben.

    Signale aus der Mondnacht

    Hallo Mitwelt!

    Ich hatte es schon einmal als Empfehlung im Blog, inmitten der fortgesetzten Lemiade: das Hörspiel meiner Kindheit und ziemlich sicher der „erste Lem“, der mir je zu Ohren kam – „Die Mondnacht“.

    Ohne mir bekannten Anlass, Lems 101. Geburtstag ist noch gut drei Wochen hin, ist das Hörspiel nun erneut online gegangen. Im SWR2-Hörspiel-Feed gesichtet, führt der link auf eine Seite des NDR: „Die Mondnacht“ – abrufbar bis zum 29.08.2023!

    Aus dem Reservetank einer Mondstation entweicht Sauerstoff. Der Rest kann bis zum Eintreffen der nächsten Versorgungsrakete nur einen von zwei Wissenschaftlern versorgen. Im Überlebenskampf versucht jeder der beiden, den anderen umzubringen. Ihr eigentlicher Gegner aber ist die Technik: Ein Tonbandgerät zeichnet alle Geräusche in der Forschungsstation auf. Nun versucht jeder, das Band zu täuschen.

    Übersetzung aus dem Polnischen: Klaus Staemmler. Mit: Bodo Primus (Dr. Blopp), Horst Michael Neutze (Dr. Mills), Reinhard Glemnitz (Stimme aus Houston), Manfred Schott (Speaker), Gisela Hoeter (Monder, der Stations-Computer).

    Regie: Dieter Hasselblatt. Produktion: BR/NDR/SDDR/SFB 1976. Redaktion: Michael Becker.

    Bei meiner Kondolenz Herbert W. Franke zu Ehren hatte ich auf zwei zu diesem Anlass wiedergesendete Hörspiele verwiesen – so u.a. auf „Signale aus dem Dunkelfeld“. Dort hatte ich meine sprunghaften Assoziationen bereits festgehalten, dass mich „Signale aus dem Dunkelfeld“ vom Setting – Mond, Mondstation (Kammerspiel) – und Personal – 2 bis 3 LunanautInnen – sehr an Lems „Die Mondnacht“ erinnert hat. Daher sei jetzt quasi per Direktlink beides nebeneinandergestellt und zum Hören anempfohlen.

    HWF „baut“ um die auf dem Mond spielende Kernhandlung zwei Rahmen herum. Rahmen 2 / der innere Rahmen lässt Fachmänner der beteiligten Institutionen (analoge!?) Bänder abhören, die man von den Ereignissen in der mondrückseitigen Station hat bergen können. Damit entspricht diese Interpretationsebene genau dem, was wir als Hörende von Lems „Die Mondnacht“ für uns selber leisten, nämlich das Gehörte – und nichts anderes als nur das Gehörte! – zu interpretieren, auszulegen, mühsam zu verstehen. In „Die Mondnacht“ intrigieren die beiden betroffenen Astronauten gegeneinander, just indem sie sich des laufenden (analogen!?) Aufnahmegeräts bewusst sind und alleinig anhand ihrer Stimme eine spätere Zuhörerschaft von sich zu überzeugen suchen, nämlich unschuldig zu sein, nicht verantwortlich für die sich aufschaukelnden Geschehnisse. Darüber grübeln wir sodann, ob und wer Recht haben könnte, so wenig es für den einen oder den anderen schlussendlich gut endet. Bei „Signale aus dem Dunkelfeld“ hören wir den Interpretatoren der Aufnahmen beim Interpretieren zu, womit wir deren Auslegungen mit unseren Eindrücken vergleichen können. Letztlich gibt es dann noch den Rahmen 1 / den äußeren Rahmen bei „Signale aus dem Dunkelfeld“, wo eine hörbar aufgebrachte, wissbegierige Journaille zu erfahren verlangt, was passiert sei. Die um Glättung der Wogen bemühte Presseabteilung wiederum selektiert aus der Kernhandlung und aus Rahmen 2 das für sie Weitergebenswerte, um das erlittene Desaster im doch noch lichten Licht dastehen zu lassen. Auch hierüber können wir unsererseits sinnieren, ob das Presseteam nicht ein infogarstiger Haufen ist, der bloß beschönigt und auslässt, wie es passt; oder ob die Journalisten überhaupt kompetent ihren Aufgaben nachkommen und die richtigen Fragen stellen.

    So gehört, ist „Signale aus dem Dunkelfeld“ die Special Extended Edition zu „Die Mondnacht“, wo die eigentliche Handlung doppelt eingebettet wird und so vielschichtige Tiefe bekommt, die bei „Die Mondnacht“ noch gänzlich ausgespart blieb. Davon ab freilich, dass die Kernhandlung zwar manch Ähnlichkeit aufweist, dennoch ganz andere Pfade beschreitet. So verkompliziert „Signale aus dem Dunkelfeld“ aufgrund auch nur einer – auch noch weiblichen – Person die Involvierten und macht aus einer Zweier- eine Dreieckskonstellation, in die hinein nicht Monder penetrant quatscht, sondern rein stimmliche Aliens (oder was auch immer) suggestiv Kontakt aufnehmen (oder was auch immer). Während die Mondnacht-Männer zunehmend toxisch werden, ergeben sich zwischen den beiden Männern und der Frau „menschliche, allzu menschliche“ Abgründe, wo es eben auch um sexuelle Selektion geht … 😉 Ob Mond oder Mond – es läuft stets anders:-)

    Das also als Einwurf, als Hörauftrag im Rahmen auch deines Hörspielabos, das du längst abgeschlossen hast. Und das sich daher abzuhören lohnt!

    Über-Konsum

    Hallo Mitwelt!

    Binge eating wie binge watching sind Phänomene des Überflussses wie des Mangels zugleich: Man frisst etwas in sich hinein, wo ein innerer Mangel besteht; man ballert sich voll, wo man eigentlich etwas hätte hervorbringen sollen.

    Diese Tendenz zeigt sich schon in den Zeitungen und den Sozialen Medien: Hier wird eine Schwere der Passivität kultiviert, die nur noch über den eigenen Konsum (von Essen, Reisen, Veranstaltungen, Büchern, Filmen, Musik) berichtet, lediglich konsumiertes Zitat an Zitat, Anspielung an Anspielung, Konservengedanke an Konservengedanke reiht, ein Konsumerlebnis ans nächste setzt, statt selbst zu erfahren und zu produzieren.

    […]

    Das bingen ist dabei ein sehr charakteristisches Symptom dieser Zeit: Man frisst sich voll mit Inhalten, zu denen man ohnehin nur in abstraktem Verhältnis steht. Die konsumierende Sicht auf die Welt lässt den Betrachter als einen Passiven zurück, der zur Wirklichkeit in keinem praktischen, also konkreten Verhältnis mehr steht.

    […]

    Das Bingen zeigt aber auch, dass der Konsum selbst inzwischen nicht mehr das wichtigste am Konsum ist, sondern dessen z.B. (sozial-)mediale Aufbereitung. Der Meta-Konsum ist das Gebot der Stunde[.]

    Zitiert nach: „Überkonsum als Symptom des heutigen Kapitalismus“ von Marlon Grohn auf Telepolis.de

    FRAGE

    Frage: bin ich mit diesem Blog schon Teil dessen? Ist das hier bereits eine solche Reproduktionsmaschinerie von Konservengedanken? Ein bloßes passiviertes Zitations-Berichten von Büchern und Filmen / Dokumentationen? Ein konsumappetitanregendes Vorkauen des dadurch umso Konsumierbareren?

    Oder bedürfte es dazu mindestens Affiliate Links zu namhaften Anbietern all der genannten Bücher? Zählt das – seit relativ kurzer Zeit erst – hochfrequente, binge-eske „Konsumieren“ von Dokumentationen wie bei ZDFinfo, ZDF History, 3SAT, ARTE & Co. schon als Bingen im obigen Sinne? Fresse ich mich damit bloß voll, derweil ich nie je mehr dazu Verhältnis aufbaue als ein abstraktes? Ist das informative Weitergeben wie zum Erscheinen des „60 Jahre Atlan“-Sonderbandes genauso schon Teil des Über-Konsums auf der Meta-Ebene wie die Vogelschau auf die zweite ATLANTIS-Staffel?

    Oder kann ich mir einen Rettungsring als Ehrenrettung auswerfen, um mich an ihm eigenhändig aufs Trockene zu ziehen, indem ich obig kritisierte reflexionslose Passivierung für mich umwende / ummünze in eine Interpassivität? Interpassivität als „delegiertes Genießen“. Als Beispiel: „•Der Sportzuschauer erfreut sich an Leistungen anderer, und in der Kochsendung kochen andere zum Vergnügen des Zuschauers“ DAS GEFÜHL IST TOT für mich in Sachen Fußball als Metadon-Genießen (jedoch mit fannisch mehr als bloßem interpassivem Einsatz). Aber eventuell ist die (psychoanalytische) Lesart dieses versiegten ‚begehrlichen Anspruchs‘ die, dass an die Stelle dieses Ventil des Begehrens nur ein anderer (Konsum)Anspruch getreten ist, der auch bloß einer Überkompensation dient?

    Der Unterschied in meiner lesart zwischen Passivität und Interpassivität ist der, dass ich mich bei Interpassivität immerhin noch positiv auf etwas beziehe, es bewusst und willentlich interessiert, angeregt verfolge, scheinaktiv dabei bin. Passivität hingegen kollabiert schlimmstenfalls im Schwarzen Loch der Depression, wenn alles desinteressant und irrelevant an einem belang- und bezugnahmelos vorbeizieht, ohne dass man sich ein- oder auch nur angebunden mitfühlt. Bei interpassivem Genießen delegiert man zwar die notwendige Aktivität an Andere, die es für einen machen; aber man erfreut sich wenigstens bezugnehmend daran (und kann sich im Falle des Sports wie speziell des Fußballs als Fans VOR ORT ja sogar gewisser Einflussnahmen selbstsuggestiv rühmen). Bei passivem Verfolgen ist es einem/einer im Grunde doch egal, Hauptsache Zeit-Vertreib, damit der Tag vorbeigeht (an einem/einer). Interpassive sind dann doch mental voll dabei, wenn nicht sogar gefühlt mitten drin!

    Oder bin ich bloß ein Grübler, der über-denkt, da was auch immer ist, der Output in diesem Blog ohnehin viel zu gering ist, um es als „Über-Konsum“ zu qualifizieren? Dem WÄRE wohl so, nur ist der gebloggte Wirkungsgrad ein schreibblockiert miserabler und hier Gebloggtes so gar nicht kongruent zum Gelesenen und Gehörten. Dann müsste ich hier tagtäglich beitragen und fortwährend interpassiviert von den Metadon-Erlebnissen künden, die mir massenmedial aufbereitet widerfahren sind. Das findet sich kaum auch nur im Promille-Bereich hier wieder. Aber es geht ja auch nicht um Quantitäten, ab derer es punktiert kippt, sondern ums Prinzip, ob die (Mach)Art als solche schon derart ist oder noch fundamental andersartig hat bleiben können. ???

    Atlan-tis reloaded

    Hallo Mitwelt!

    Ein mieser Wortwitz, der aber immerhin den Pleonasmus von Atlan als Serienfigur par excellence und Atlantis als seriell erzählten Kontinent einschließt. Mehr ist nicht drin (bei der Hitze). Zweierlei als Vorverweis daher heute auch nur flugs darzubieten…

    60 Jahre Atlan

    Tröpfelnder als ein verrinnendes Rinnsal hat es die nächstneuen Infos zweieinhalb Wochen vor dem Erscheinen des Sonderbandes „60 Jahre Atlan“ am 02.09.2022 gegeben. Häppchenweise wie bei breiköstlich gewordenen Kleinkindern bekommen wir gefüttert, was die Publikation enthält. Im Groben längst klar und für erfahrene Lesefüchse des vorjährigen Sonderbandes zu 60 Jahren Perry Rhodan ohnehin voraussehbar, nun aber präzise prophezeit:

    • „Veröffentlicht wird unter anderem der erste Roman, in dem Atlan auftaucht. Diese Geschichte erschien erstmals 1962 mit dem Titel »Der Einsame der Zeit«. Dazu kommt das Exposé dieses Romans, das bisher unter Verschluss gehalten wurde und deutlich zeigt, wie sehr sich der damalige Chefautor K. H. Scheer von seiner eigenen Ideenflut leiten ließ.“
    • „Wim Vandemaan, einer der zwei Exposéautoren der PERRY RHODAN-Serie, blickt in »Geschichtsversager, Hofnarr, Wikinger ‒ heute vor 60 Jahren: Atlan taucht auf« auf die Anfänge der beliebten Figur zurück.“
    • „Der Atlan- und Arkon-Experte Rüdiger Schäfer, der seit Jahren als einer von zwei Autoren die Serie PERRY RHODAN NEO steuert, schrieb »Kulturrevolution – Über die Entwicklung des arkonidischen Kollektivs in der PERRY RHODAN-Serie«.“
    • „Und Rainer Nagel, der für die PERRY RHODAN-Silberbände und deren Bearbeitung verantwortlich zeichnet, zeigt in seinem Beitrag »Die vielen Gesichter von Atlan«.“
    • Den bebilderten Innenteil hat die verantwortliche Redakteurin Sabine Kropp zusammengestellt. „Die Figur des Arkoniden wird dabei unterschiedlich präsentiert und gewinnt dadurch weiter an Ausstrahlung.“

    Das als rezitierte Information als mutmaßlich letzter Stand vor Erscheinen. Noch genauer und man könnte ja gleich das Heft kaufen;-) Ach ja, das soll man schließlich auch – hm. Geschickt. In jedem Fall ist das Who is Who bekannter – und noch lebender – Atlan-Größen versammelt. Rainer Castor, lebte er noch, oder Hans Kneifel, lebte er noch, wären freilich die ultimativen Atlanisten und Atlaneure, die dem Beuteterraner vielleicht noch mehr Facetten angedichtet haben, als es Erfinder und erster Niederschreiber K. H. Scheer ersonnen hat. Dass Serienheftroman-Exposés für eine noch so interessierte Öffentlichkeit ein rares Gut sind, ist bekannt und schrieb ich bereits. Dass dieses eine Expo hingegen „unter Verschluss“ gehalten wurde, behüteter war als die Menschheit durch Atlan, das wusste ich nicht. Niemand hat es je gesehen, wer nicht festangestellt war / ist, also „hinter den Materiequellen“ Dienst getan hat? Faszinierend, was wir dann erlesen dürfen!

    Atlantis, Akt 2

    Während meine Nachbetrachtungen der ATLANTIS-Miniserie immer noch nach dem Goldenen Schnitt exakt nach der Hälfte ruhen, strebt die Miniserie davon unbeeindruckt ihrem Finale entgegen. Noch diese Woche erscheint Heft 12, was diese Erzählung abschließt.

    Größtenteils abschließt!

    Expokrat konzeptionale höchst selbst führt die Fäden zusammen und verknotet sie zu einem Khipu: „Nekrolog“ ist der Titel des zwölften und letzten Bandes aus der Feder von Ben Calvin Hary. Doch wird hier alles aufgelöst, erklärt, beendet, was zuvor dramaturgisch geschickt aufgebaut worden war? Mitnichten! Es komme zum „Abschied von einem kosmischen Phänomen“, wie es orakelhaft heißt, was jedoch Fragen nach der Antwort 42 aufwirft. Antworten rauszuhauen scheint leichter zu gehen, als die darunterliegenden, fundamentalen Fragen auch wirklich zu beantworten, weshalb sie sich nur umso perpetomobiler stets aufs Neue stellen.

    Und dieser Zustand, dass es auserzählt sein könnte, ist bekanntlich unerträglich. ATLANTIS war ohnehin schon ein Hang zum Cliffhangern nachgesagt worden, weshalb es die Serie zu ihrem Wesenskern macht, auch genauso zu enden – mit einem Cliffhanger insoweit, als dass es ATLANTIS 2 geben wird müssen, um lose gebliebene Fäden mit dem Können von Haarteppichknüpfern wieder aufzugreifen. Ja, es geht weiter und zwar ab dem März 2023, wenn inhaltlich direkt anschließend Heft 13 bis 24 dieses Themenkomplexes geschrieben worden sein wird.

    Das Konzept stammt wieder von Ben Calvin Hary, sie wird erneut zwölf Romane umfassen, und sie spielt – wie der Name schon andeutet – mit dem Mythos Atlantis. Zu viele Details können wir an dieser Stelle nicht verraten.

    So heißt es andeutungsweise, weshalb prompt folgende Orakelsprüche sieben Monate vor dem nächsten Minizyklus in die Welt entlassen werden:

    Hier aber gibt es einige erste Hinweise: Bei seiner unfreiwilligen Zeitreise in die Vergangenheit der Erde hat Perry Rhodan den Kontinent Atlantis und seine Bewohner vor einer Katastrophe bewahrt. Doch eine solche Reise durch die Zeit hat ihre Tücken: Der Raumfahrer muss sich – obwohl er auf der Erde ist – buchstäblich mit einer anderen Welt auseinandersetzen. Und er erkennt: Er muss erneut Atlantis und damit seinen Heimatplaneten retten …

    „…muss erneut retten“? Täglich grüßt das Atlantistier? In der Zeitschleife ewigen Retten verlorengegangen? Aber „der Retter des Universums“ ist doch eigentlich unser aller Gucky! Wie kann sich da Perry anmaßen, jetzt den großen Retter zu spielen und das zum wiederholten male? Das sagt (mir) noch gar nichts, ist dadurch sogleixh sagenhaft andeutungsschwanger, dass wir auf eine gelingende Geburt hoffen wie bei Caysey. Assoziation: Kopfgeburt wie Athene, die dem alten Zausel Zeus (=Zeusel) aus dem Kopfe entstieg?

    Seitdem die PERRY RHODAN-Miniserien 2014 mit „STARDUST“ – Schreibfuchs Uwe Anton hierfür verantwortlich – existent wurden, ist das erst der zweite Fall, dass narrativ direkt fortgesetzt wird. Fall 1 ist als „SOL“ sowie „SOL 2“ aktenkundig geworden, hatte den Mythos SOL – das legendäre Generationenraumschiff – zum Thema. Kai Hirdt der Ersinnen des Zweiakters, der den Staffelstab an BCH weitergegeben hat. Interessant, spannend – Vorfreude!

    D.h. aber auch, dass es zur Gewohnheit geworden ist oder jetzt endgültig wird, selbst Miniserien ‚auszudehnen‘, nicht bloß zwölfbändig mini bleiben zu lassen. So etwas kann man wohl nur bei Perry Rhodan machen und wagen, wo man gewohnt ist, über 100 Hefte und 23 Monate hinweg zu erzählen, Handlungsbögen aufzuspannen. Anderswo wäre man heilfroh, machte drei Kreuze oder sonstige Handzeichen des Glücks, wenn man es auch nur bis zum zwölften Heft geschafft hätte. Und hier ist, so scheint es, inzwischen selbst ein Zwölfteiler der Kürze zu viel und bedarf einer verdoppelnden Fortsetzung. Kurz kann man in Rastatt hinter den materiequellen anscheinend nicht. Skriptorale Langzeitpläne die Norm und 12+12 =24 der neue Modus scribendi. ‚Hinter‘ den fortlaufenden Zyklus (wie gesagt, zumeist 100 Hefte umfassend) sammelt sich aber auch partout narratives Sediment an, das als erzählerischer Abrieb links und rechts vom Erzählpfad ab- und anfällt. Dass sich das doch immer wieder lohnt aufzugreifen, im – vergleichsweise! – Kleinen doch näher zu beleuchten, scheinen die ausgreifenden Miniserien zunehmend zu bezeugen.

    Alternativ könnte man freilich auch mehr Handlungsschauplätze in die Haupthandlung der Erstauflage einlagern, mehr Fäden aufeinander zustreben lassen, um sie im Zyklusfinale zu verknoten. Doch das machte es hier gewiss unüberschaubar, für alle Beteiligten – Schreibende wie Lesende – stetig anspruchsvoller, sich in Ort und Zeit irgendwie aufeinander bezüglicher Handlungsstränge zu orientieren. Da hat es im Eifer manch Gefechts einstmals bereits den einen oder anderen lapsus gegeben. So verdoppelte sich bspw. mal eine Handlungsfigur, weil sie plötzlich doch an Ort 2 war, obwohl sie doch bei Ort 1 hätte sein und bleiben sollen. Und derlei in dieser Art. Narrativ auszulagern in Miniserien, selbst wenn sie so langsam größer werden, ist dann schon eine strategisch sinnvolle Maßnahme. Wer will, kann dorthin nebenpfadigen Geschichten folgen und mit ihnen das perryversale Bild vervollständigen – muss aber nicht! Ich bleibe interessiert, das zu verfolgen, wie es sich fortentwickelt.

    PS (EDIT): Einen Einwand gibt es in diesem Fall doch vorzutragen, den ich bzgl. ATLANTIS schon mehrfach diskutiert habe – verzeitschleifte Paradoxien. Jeder weitere ATLANTIS-Roman, der in dieser Zeit gut 8.000 v. Chr. spielt, ist ein nächster Matchball gegen die bestehende, perryserielle erzählte Zeitlinie. Alles was jetzt vergangenheitlich „neu“ (für uns also: erstmals) passiert, kann gleich einem Meteoriten auf die Erde mit dem bisherigen Fels(brocken) der Serie kollidieren. Bzw. man macht es sich nicht gerade einfach(er), in dieser Zeit beharrlich zu bleiben und stetig mehr ebendann passieren zu lassen. Egal wie gut man sich jetzt – mit Band 12 der Miniserie noch diese Woche – vorerst hier herauswindet, der temporale Treibsand droht bei jedem Schriftschritt. Anders als bei SOL (I & II) hat man sich mit ATLANTIS in prinzipiell „gemachte Zeit“ begeben, die eben nicht zukunftsoffen ist, sich wie eine Tabula rasa auftut, sondern längst eingerahmt wurde – vor Jahrzehnten. Wie gut das bisher geklappt hat, sei mit den bis dato veröffentlichten sechs Blicken auf die erste Zyklushälfte dokumentiert. Dennoch ein stetes Wagnis stets aufs Neue!

    Atlan zu Ehren

    Hallo Mitelt!

    Nach Unterbruch usuale als Rewarmup ein erweiterter Hinweis: Ich hatte auf die Sonderpublikation zu „60 Jahre Atlan“ bereits hingewiesen. In der Zwischenzeit gab es ein Update zu dem, was wir inhaltlich erwarten dürfen:

    • Erscheinungsdatum: 02.09.2022;
    • zusammengestellt von langjähriger Redaktionsmitarbeiterin Sabine Kropp, vormals Bretzinger aka Bré Tsinga;
    • originalgetreuer Nachdruck des ersten Atlan-Heftes Nr.0050 „Der Einsame der Zeit“ sowie
    • das Original-Exposé von K. H. Scheer, „das der Autor sehr großzügig interpretierte“;
    • Beiträge zur Geschichte der Figur und ihrer Entstehung plus
    • ein 16 Seiten umfassender farbiger Innenteil, „der klassische und moderne Sichtweisen auf Atlan ermöglicht.“
    • Umfang: 96 Seiten im Schwarzweiß- plus 16 Seiten im Farbdruck;
    • Preis: als zeitweises an u.a. Kiosken erhältliches Print 4,95€ in Deutschland, 5,70€ in Österreich, 9,80 Franken in der Schweiz; als eBook dauerhaft erhältlich für 2,99€

    Bedeutung und Charakter dieser Figur wird so verdeutlicht:

    Seit im September 1962 der Roman »Der Einsame der Zeit« von K. H. Scheer veröffentlicht worden ist, stiehlt in der PERRY RHODAN-Serie eine Hauptfigur dem Titelhelden oft die Schau. Atlan, der weißhaarige Arkonide mit der charismatischen Wirkung auf zahlreiche Menschen, erlebt seine Abenteuer in der Vergangenheit der Erde, auf fremden Welten, in weit entfernten Galaxien, jenseits der Abgründe der Zeit und überall sonst, wohin ihn die Phantasie der Autorinnen und Autoren schickt.
    […]
    »Ein Raumfahrer mit Charisma und Erfahrung feiert Jubiläum: Im September 1962 wurde der erste Roman veröffentlicht, in dem Atlan eine Hauptrolle spielt. Seitdem ist der menschenähnliche Außerirdische ein fester Bestandteil der PERRY RHODAN-Serie – in Hunderten von Romanen und Comics nimmt er eine zentrale Rolle ein.

    Dem ist – im wohl kürzesten aller bisherigen sechzig Blogbeiträgen – nichts mehr hinzuzufügen – außer, dass es ein Must Read sein wird! Und, dass ich nicht wusste, das aus Sabine Bretzinger zwar Kropp wurde, nicht aber auch „Bré Tsinga“. Ob diese Handlungsfigur deshalb im Sternenozean-Zyklus so war, wie sie war, weil ihr egoalter in Mutterschaft gegangen war? Faszinierend;-)

    Der grüne Komet fliegt weiter durch die Unendlichkeit – Herbert W. Franke IN MEMORIAM

    Hallo Mitwelt!

    Anlass dieses Beitrags ein trauriger, es gilt erneut zu gedenken. Nachdem bereits Perry Rhodans Stimme aka Volker Lechtenbrink verstarb, ist am inzwischen vorletzten Samstag, dem 16.07.2022, ein Großer nicht nur der SF-Szene verstorben: Herbert W. Franke!

    Geboren 1927 in Österreich, gestorben 2022 in Bayern im Alter von stolzen 95 Jahren im Kreise seiner Familie. Aufmerksam geworden bin ich zugegeben nur über die News bei TOR online. Anderswo wie in der Kulturrubrik bei SZO oder ZON – nichts! Keine weitreichende Würdigung in den großen Medien – schade. Nur eine Mitteilung bei SPON, die auf den Tod des „Universalgenies“ hingewiesen hat. Als ein solches ist er in Nachrufen mehrfach gewürdigt worden, so breit sein Interessens- und Handlungsspektrum gestreut war. Der in diesem Blog hauptsächlich interessierende SF-Bereich war da bei weitem nur einer unter vielen weiteren wie Höhlenforschung oder avantgardistische Computerkunst. Bei P.Machinery (s.u.) hat es bisher auch nur einen kurzen Hinweis gegeben.

    Der SF-Autor

    Wie prägend sein Beitrag zur SF-Szene war, lässt sich allein am Kurd-Laßwitz-Preis festmachen, dem ältesten und wohl auch anerkanntesten deutschen SF-Preis seiner Art, den es seit 1981 in mehreren Kategorien jährlich durchgehend gibt. Gleich im ersten Jahr war HWF mit „Schule für Übermenschen“ für den „besten Roman“ nominiert, 1983 erneut mit „Tod eines Unsterblichen“. 1985 gewann er in dieser Kategorie mit „Die Kälte des Weltraums“, um 1986 ein Back-to-back mit „Endzeit“ folgen zu lassen. Nach langer Pause folgte 2005 eine weitere Nominierung mit „Sphinx_2“. Mit inzwischen schon 80 Jahren räumte HWF 2007 mit „Auf der Spur des Engels“ ab und zeigte den jungen Hüpfern mal, wie man zeitenumspannend gute SF fabulieren kann.

    Aber auch in Sachen „beste Kurzgeschichte“ mischte HWF mit: : 1984 on top mit „Atem der Sonne“. Das mag verwundern, dass es bei dieser einen Nominierung geblieben ist, er gar keinmal obsiegte. Denn gerade als Kurzgeschichten- und vergleichsweise weniger als Romanautor ist er bekannt und berühmt geworden. Die Kunst der Verdichtung selbst noch einer Kurzgeschichte auf eine „Ultrakurzgeschichte“ war sein Markenkern. Eine Art narrative Singularisierung, wenn man so will – wenigstens aber doch ein erzählerischer Neutronenstern, in dem sich geballt Erzählungsmasse wiederfand und von dem aus Erzählungsstrahlung ausging, die ankam!

    Einher ging aka schrieb er das mit einem sehr sachlichen, nahezu kalten, distanzierten Schreibstil, der dieses SCIENCE in Science Fiction ernstnahm und fast schon überbetonte. Damit erinnert er mich aber an vielen Stellen an Lem, der um einige Jahre Frankes Schreiben vorausging, aber auch an die Brüder Strugatzki, die zumindest phasenweise ebenso formulierten.
    Doch wesentliche Beiträge sind vor der KLP-Zeit entstanden. Begonnen hat es über 20 Jahre zuvor, 1960, mit dem vielleicht berühmtesten Band, der Kurzgeschichtensammlung „Der grüne Komet“. 1972 folgten „Einsteins Erben“, Fünf Jahre darauf „Zarathustra kehrt zurück“. Hiervon konnte per se nichts preiswürdig berücksichtigt werden. Wieso „Paradies 3000“ aus dem Jahre 1981, dem Startjahr des KL-Preises, außen vor blieb, weiß ich nicht. Eventuell zu spät im Jahr erschienen. Allerdings ist in der Übersicht zur Kurzgeschichten-Kategorie bei Wikipedia je nur der Sieger genannt, nicht die ggf. mehreren Nominierten. Vergleichbar auch in Sachen Romane, wo er ebenfalls reichlich vor der Zeit des Preises veröffentlicht hatte, nämlich deren acht!

    Werkausgabe

    Bei P.Machinery erscheint die Werkausgabe aller Herbert W. Franke-SF-Texte, die auf 31 (genauer gesagt: 28+X) Ausgaben angelegt ist. Davon sind bei weitem noch nicht alle erschienen – 15+3 bisher, das Gros wird also posthum neuveröffentlicht. Alle bisherigen Ausgaben sind um Texte des Autors selber und langjähriger Weggefährten ergänzt und betten so die bis 1960 zurückreichenden Geschichten ein, geben ihnen nach teils vielen Jahrzehnten hilfreichen Kontext. 2020 erschien bspw. Band 13 der 31-bändigen Werkausgabe mit eben jenem Roman, mit dem er preiswürdig durchstartete: „Schule für Übermenschen“.

    Auch erhältlich, als Nummer Eins der Reihe, ist „Der grüne Komet“, mit dem alles begann, der seither seine Bahn durch den SF-Kosmos zieht. Unbedingt zu empfehlen als ergänzende Lektüre ist das 80-seitige Büchlein „60 Jahre Grüner Komet“, der dem Titel nach – mit dem Autor höchst selbst als Interviewpartner – diese Zeitstrecke zurückblickt, die um mehr als ein Drittel länger ist, als ich alt bin. Frei nach dem Motto also: Wer „Der grüne Komet“ liest, liest auch“60 Jahre Grüner Komet“! Ein sich zirkulär verstärkendes Muss:-)

    Covergestalter ist durchweg Thomas Franke, den ich zunächst als H: W.‘ Sohn vermutete, der aber nur zufällig, dann aber doch auch schicksalhaft den Nachnamen teilt. In seinem Nachruf „Traurige Worte“ erzählt er, wie er aus der DDR floh und zunächst bei H. W. unterkam, der ihn mit seiner Art und durch seine Hilfe prägte und ihm bis zu seinem Tod bei jeder Grafik zu der Werkausgabe als stiller Beobachter mit Rat über die Schulter geblickt habe. Das werde ihm nun fehlen, so Thomas Franke eindrücklich.

    Ein Video-Interview

    Um sich nicht nur ein Bild, sondern auch einen Ton von Herbert W. Franke machen zu können, sei auf’s Alpha Forum verwiesen, wo er als „Physiker und Science-Fiction-Schriftsteller“ anregend von seinen besagt vielen Interessen in fast 44Minuten spricht. Besonders stolz ist er meinen Ohren nach darüber, nicht nur Höhlen besucht und erkundet, sondern auch wichtige Beiträge bei deren Erforschung geleistet zu haben. Abrufbar als MP4 auch via mediathekviewweb.de.

    Hörspiele

    Von den zwölf bei Wikipedia gelisteten Hörspielen, die beim Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk auf seine Vorlagen hin erschienen sind, gibt es ihm zum Gedenken bei BR2 zur Zeit zwei davon anzuhören und als MP3 herunterzuladen:

    • „Papa Joe & Co.“ – Sci-Fi-Klassiker zum Tod von Herbert W. Franke: „Science-Fiction · Papa Joe, beliebter Diktator von Neu-Amerika, versorgt seine Untertanen mit ‚Brot und Spielen‘ und spricht persönlich zu ihnen ? als Stimme in ihrem Kopf. Hinter ihm steht eine Clique von Machthabern. Der europäische Diplomat Boris van Feldern möchte sich über Gefahren und Nutzen des Systems informieren, kann sich aber schon bald der Anziehungskraft des Diktators nicht entziehen. // Mit Hansjörg Felmy, Uwe Friedrichsen, Reinhard Glemnitz, Judy Winter, Wolfgang Büttner, Peter Fricke, Ilse Neubauer u.a. / Regie: Heiner Schmidt / BR 1976“ Direkter Link zur MP3
    • „Signale aus dem Dunkelfeld“ – Sci-Fi-Klassiker zum Tod von Herbert W. Franke: „Science-Fiction · Ein Forschungsteam auf dem Mond antwortet nicht mehr. Die Welt spekuliert über das Schicksal der Forschungsstation. Die bruchstückhaften Tonbandprotokolle des Forscherteams werfen mehr Fragen als Antworten auf. Darauf stellen nichtmenschliche Stimmen dem Team offenbar ein Ultimatum. // Mit Bodo Primus, Eric P. Casper, Jürgen von Pawelsz, Andrea Rosenberg, Christoph Jablonka u.a. / Regie: Dieter Hasselblatt / BR/SDR 1980“ Direkter Link zur MP3

    Vor allem letzteres Hörspiel hat mich in vielem an Lems „Mondnacht“ erinnert. Da wie dort spielt die Kernhandlung, die beim Franke-Hörspiel zweifach umrahmt wird, auf dem Mond. Die bei Lem zwei männlichen, bei Franke dito plus eine weibliche AstronautInnen sind während der „Mondnacht“, wenn die Erde hinter dem Horizont der Mondstation verschwindet und kein Funkkontakt mehr möglich ist, auf sich allein gestellt. Es endet jeweils im Streit und Handgemenge. Als „dritte Partei“ spielt bei Lem „Monder, der Mondcomputer“ mit und spricht auch genauso, wie Computer damals zu klingen hatten; bei Franke kommen die besagten „Signale aus dem Dunkelfeld“ – eine Stimme, die Monder erstaunlich ähnlich klingt:-) Ob es sich um Aliens handelt? Was sie wollen? Was sie antreibt? Ob sie drohen und wenn ja, womit? Hören!

    Und schlussendlich bleibt wiedermal einem Großen der SF zu wünschen, dass er gleich ägyptischen Gottpharaonen aufsteigt den Himmel, nur dieser die Grenze ist …

    AD ASTRA HERBERT WERNER FRANKE – IN MEMORIAM

    Ein Trivid auf Atlan

    Hallo Mitwelt!

    Wie unschwer anzuprangern, ist die Nachlektüre von Perry Rhodan-ATLANTIS momentan – exakt nach der Hälfte – zum Erliegen gekommen. Das ist, ganz ausdrücklich, KEINE inhaltliche Kritik, die sich hier passiv-aggressiv wortlos ausdrücken soll. Es geht tüchtig weiter und man (Expotarch BCH) wagte wahrlich, worauf ich frühzeitig spekulierte, es für eine MINI-Serie aber eher für zu viel an Stoff hielt. Die höchste perryversal denkbare Schublade wurde geöffnet und Kosmokratenbüttel kamen entstaubt hervor. Der Handlungsrahmen ist so weit über alles hinausgespannt, was bisher mit Atlantis assoziiert gewesen war. Bevor ich mutmaßlich in Sammelschauen mehrerer Hefte noch einmal nach ATLANTIS zurückkehre, gibt es zuvor aus gegebenen Anlässen aber zweierlei aus dem „Perryversum“ zu berichten. Denn apropos …

    Mikroserie: Trivid

    2016 ist mit einem Prolog und sechs kapiteln eine ‚Mikroserie‘ erschienen, die es noch für kurze Zeit zum Sonderpreis von 4,99 statt 7,99€ als eBook gibt. Die Zwei-Mann-Serie – Olli Fröhlich sowie schon damals Dualer Expotän Christian Montillon – heißt Trivid – Die Klon-Verschwörung, weshalb nur folgerichtig eine Trivid-Künstlerin namens Lian Taupin – selbstredend neben Perry Rhodan himself – Hauptperson des Ganzen ist. Trivid ist im Übrigen die Kurzform für Trivideo als die multimediale Form der Unterhaltung und für Information, die einstdann gebräuchlich sein wird. Virtual Reality der Zukunft:

    »Die junge Trivid-Künstlerin Lian Taupin steht im Mittelpunkt einer unheimlichen Verschwörung, in die auch der erfahrene Raumfahrer Perry Rhodan hineingezogen wird: Lian erfährt, dass sie das Ergebnis grauenhafter Klon-Experimente ist, ebenso wie ihr ›Bruder‹ Dano Zherkora und ihre ›Schwester‹ Ischi.
    Ein skrupelloser Wissenschaftler hat sie erschaffen, um mit Humandesign ein Vermögen zu verdienen. Nun droht Dano und Ischi der körperliche Zerfall, während Lian in die Gewalt ihres Gegners gerät – sie landet in einer Geheimbasis in den Ringen des Planeten Saturn.
    Um sie zu retten, muss Rhodan ein rätselhaftes Instrument bergen, das in eine der Geheimkammern des Sonnensystems gebracht worden ist. Er steht vor der Entscheidung: Muss er auf die Forderungen ihres Gegners eingehen? Oder gibt es eine letzte Chance für die Klon-Geschwister?«
    Klappentext zur Mikroserie

    Es geht ums Klonen von Menschen, was verboten ist in dieser fernen Zukunft der Menschheit, was den Plot als merklich deutsch kennzeichnet. Es geht um die persönlichen Probleme von Herkunft und Zugehörigkeit für Lian, die der Fallstricke selbst einer multiplen Elternschaft entbunden ist und daher nach resozialisierenden Sinnhorizonten sucht. Perry für uns als Anker des Bekannten, mit dem wir den Rätseln von Lians Herkunft auf die Spur kommen und hierfür sehr anschaulich einige Welten des Sonnensystems bereisen. So bekommen wir eine schöne erste Vorbeischau der Gegebenheiten der solaren Menschheit im Jahre 1513 NGZ (=Neue Galaktische Zeitrechnung). Das Datum wird explizit nicht genannt, anhand einiger Andeutungen lässt sich etwa dieses Handlungsjahr aber destillieren.

    Eine kleine, aber feine, sehr rasante Serie, die die erste ihresgleichen gewesen ist, der bis heute auch erst zwei weitere gefolgt sind („Die verlorenen Jahrhunderte“ sowie „Galacto City“). Wollen schon Miniserien einsteigerfreundlich sein, um dann doch auf so vielen Ebenen des Perryversalen zu spielen wie ATLANTIS, bleibt bei Trivid all das außen vor. Wenn man irgendwo einsteigen will, um zunächst einmal nur Leute und Orte im lektürischen Erstkontakt kennenzulernen, kann ich Trivid nur empfehlen!

    Jubilar Atlan – relativunsterbliche 60

    Unglaublich, aber wahr: jung und dynamisch wie eh und je geht unser aller Beuteterraner, hochwohlgeborener Kristallprinz Mascaren – Verzeihung! – Atlan da Gonozal mit großen Schritten trotz aller Relativunsterblichkeit auf die Rente zu! Uns Atlan feiert in diesem Jahr seinen 60. Geburtstach!

    Letztes Jahr wart die Perry Rhodan-Serie in all ihrer allumfassenden Lektüre bereits 60 geworden und ihr zu Ehren gab es allerlei an Gedenken und Denkschriften. So wurde ihr eine Miniserie gestiftet – Wega, in der wir ins erste extrasolare Sonnensysteme, das je Menschen betraten, reisen und uns nochmal auf die Fährte eines Galaktischen Rätsels begeben durften, das anno Domini – bis Heft 0019 „Der Unsterbliche“ – für zuallererst Perry höchst selbst die relative Unsterblichkeit bereithielt. Fundamental für alles Folgende! Wenn man so will, so ist laufende Miniserie ATLANTIS nun Atlan zu Ehren, nachdem – so die perryversale Mythologie – der Kontinent nach ihm benannt worden ist und als Mythos par excellence die Jahrtausende überdauerte. Und wohl nur weil die eigentlichen Atlan-Miniserien seit weit mehr als einem Jahrzehnt ad acta gelegt sind, hingegen die Äquivalente zu Perry Rhodan alljährlich fortlaufen, musste es eine Perry Rhodan-Miniserie sein, in der Atlan jedoch mehr als nur prominent auftritt.

    Und ein Jahr nach Band 0001 „Unternehmen STARDUST“ ist mit Band0050 „Der Einsame der Zeit“ im September 1962 Atlan vom Exposéautor der ersten Stunde K. H. Scheer in die Serie hineingeschrieben und Perry an die Seite gestellt worden. Seither ist der geerdete Arkonide, der als Hüter der Menschheit an vielen der zivilisatorischen Errungenschaften beteiligt war, eine der beliebtesten Figuren des gesamten Serienkosmos. Eine vergleichbar charismatische Persönlichkeit wie Perry, aber eben doch anders, weil arkonidisch ausbuchstabiert. Mit ihr eingeführt und für lange Zeit für ihn exklusiv reserviert, erlebten wir durch Atlans Augen, in seiner Ich-Perspektive wie im Sog das Geschehen mit.

    Am 02. September wird nun ein Sonderband erscheinen, der Spannendes bereitstellt: „Er enthält einen Nachdruck des genannten Romans, das Original-Exposé sowie weitere Artikel und einen 16 Seite umfassenden Farbteil.“. Als eBook gibt es besagtes Heft 50 einzeln oder als Auftaktroman des Zykluspakets „Atlan und Arkon“. Dass wir nun aber auch mal das Exposé zu diesem Meilenstein einsehen können, ist eine großartige Rarität. Ohnehin sind diese Exposés sagenumwobene Schriftstücke, Zeugnisse des je amtierenden Alten vom Berge, ominöse Anweisungen exposaler Weitsicht auf das noch Kommende, zu dem hin das Expogerüst Stütze sein sollte. Kaum je hat man als gemeiner Fan je welche sichten können. Eine große Ausnahme letztes Jahr: Das Heft zum 60. Jubiläum – wie es schnöde geheißen hat. letztjähriger Vorgänger mit Heft UND Exposé zu Band 0001, hinzu zu Band 0002. Dieses textlich aufgelöst, ersteres als Faksimile – das als Anmerkung für Screenreader-Nutzer*innen, denen das erste Exposé daher unlesbar bleibt. Viele einordnende Vor-, Neben- und Nachworte aller amtierender Dualer Expotäns, Epochentafeln zu den Autorengenerationen und vieles mehr. Ein unterkomplex benanntes, aber inhaltsvolles Jubiläumsheft. Und ein Gegenstück zu Atlans rundem Geburtstag folgt in anderthalb Monaten!

    Darauf freue ich mich sehr, wird Pflichtlektüre, die hoffentlich das eine oder andere enthüllt zur Entstehung der Figur, wieso sie derart konzipiert worden ist, wozu sie dienen sollte und wie sehr sie sich – wie so viele ihrer Art – dann doch verselbständigt hat. Letzteres vermute ich zumindest, da irgendwann nicht mehr nur exklusiv K. H. Scheer sie in exklusiver Ich-Perspektive schrieb, also in eigener Langzeitplan-Hand hielt, sondern alle Kollegen Hand anlegen durften. Wer ein Interesse an Hintergründen hat, sich aber nicht durch die gesamte Chronik I wühlen mag, sollte unbedingt zugreifen. Weitere Informationen sollen noch bis zum 02.09. publik werden:-) Es wird berichtet!

    Pandemisches Panoptikum

    Hallo Mitwelt!

    Texel wird in diesen Wochen wie weite Teile des Nordseeraums von einem beispiellosen Ausbruch der Hochpathogenen Aviären Influenza (HPAI) besser bekannt als Vogelgrippe oder Geflügelpest heimgesucht. Wo sonst ein Gewimmel von unzähligen schwirrenden Flügeln herrscht, wo normalerweise ohrenbetäubender Lärm die Luft erfüllt, empfängt die Forscher jetzt eine apokalyptische Szenerie: Überall liegen tote und sterbende Vögel.
    […]
    4500 Brutpaare der Brandseeschwalbe [Thalasseus sandvicensis] lebten noch vor wenigen Wochen auf Texel – die größte Konzentration im ganzen Wattenmeer. »Jetzt gibt es vielleicht noch 50«, sagt Mardik Leopold am Telefon aus seinem Labor. »Alle anderen sind tot«, setzt der Forscher hörbar angefasst hinzu. Unwillkürlich entfährt ihm ein bitterer Lacher – der Forscher weiß nicht wohin mit seinem Frust in dieser absurden Situation.Thomas Krumenacker bei spektrum.de: Vogelgrippe wütet an der Nordsee – Links durch den Blogautor

    Texel ist die westlichste der westfriesischen Inseln, liegt in der niederländischen Provinz Nordholland und war bisher auch gerade ob der Flora und Fauna ein beliebtes Touristenziel. Zurzeit unterbrüchig, denn die Forschenden können sich inmitten der Epidemie nur in Ganzkörperanzügen ohne direkten Hautkontakt zu den elendig verreckenden Vögeln hinauswagen. Doch wie lässt sich dieses massenhafte Populationssterben – Vogelgrippe H5N1 hin oder her – nachvollziehen?

    Analog zur Corona-Pandemie beim Menschen verbreiten auch unter den Vögeln offenbar einzelne – häufig symptomlose – Tiere durch den Besuch verschiedener Kolonien das Virus als so genannte Superspreader. »Die Seeschwalben sind immer auf Achse«, berichtet Leopold. Ein Vogel könne ohne jedes Problem aus der französischen Kolonie 300 Kilometer nach Texel fliegen, dort rasten und dann die 150 Kilometer nach Deutschland weiterfliegen. »Seeschwalben sind ideale Arten für ein Virus, das sich ausbreiten will. Wenn ich ein Virus wäre, würde ich Brandseeschwalben angreifen«, sagt der Forscher.
    […]
    Als sei das nicht genug, erweist sich auch die Angewohnheit der Seeschwalben, in großer Zahl, dicht gedrängt in nur wenigen großen Kolonien zu brüten als idealer Angriffspunkt für eine Virusinfektion. Im ganzen Wattenmeer gibt es weniger als ein Dutzend Kolonien. Dort aber leben die Vögel dicht an dicht. Von Abstand – dem wichtigsten Mittel gegen das Überspringen eines Virus – kann dort keine Rede sein.Ebenda

    Bis zu zehn Brutpaare können sich nur einen einzigen Quadratmeter Brutfläche teilen! Der einzelne Nistplatz ist demnach gerade einmal 20cm groß. Es betrifft darüber hinaus noch andere Zugvogelarten und das entlang der gesamten Nordseeküste bis nach Frankreich runter. Vor allem betroffen sind ältere, geschlechtsreife Vögel, was negativ bedeutend ist, da Zug- im Gegensatz zu Singvögeln deutlich älter werden, aber pro Jahr auch wesentlich weniger Tiere aufziehen. Stirbt jetzt ein potenzielles Elter weit vorzeitig, entfällt mit diesem Individuum auch buchstäblich die Potenz zur Fortpflanzung, was in nicht allzu nachwuchsreichen Arten umso heftiger ins Gewicht fällt. Hinzu kommt freilich, dass die Jungvögel – so wenigstens sie überleben – als Halb- oder Vollwaise auf sich allein gestellt sind und so ihrerseits den Gefahren umso hilfloser ausgesetzt sind. Zwar wären sie nach 4 bis 5 Wochen bereits flügge, werden dann eigentlich aber noch elterlich versorgt. Erwähnenswert, dass die Art der Brandseeschwalbe ohnehin auf der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands steht, wohin man nur unrühmlich gelangt, wenn man sowieso vom Aussterben bedroht ist. Minus und Minus ergebe Plus, so jedoch nur in der Mathematik: diesseits der Populationsbiologie sieht man bei so einer Rechnung zunehmend nur noch rot.

    Die globale Perspektive hierzu liest sich noch verheerender:

    Nun wütet eine besonders aggressive Variante des Vogelgrippe-Virusstammes H5N1 seit Ende 2021 in Europa, Asien und Afrika. Zum Jahreswechsel wurde sie in Kanada und den USA nachgewiesen – sowohl bei Wildvögeln als auch bei Nutzgeflügel. Das Besonders an der Situation: Die Grippe zieht nicht mehr wie früher üblich mit den Wasservögeln um die Welt, sondern ist in Europa seit zwei Jahren präsent. Und das Virus ist hochgefährlich. Es kostete bislang weltweit zahllose Wildvögel das Leben und gilt inzwischen sogar als Bedrohung für ganze Arten. Seit Oktober wurden mehr als 77 Millionen Vögel weltweit gekeult, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, und weitere 400.000 Wildvögel sind bei 2.600 Ausbrüchen gestorben – doppelt so viele wie bei der letzten großen Welle 2016/17, berichtet „Nature News“. Technology Review: Infektionskrankheiten – Rollt eine gewaltige Grippewelle auf uns zu? (03.06.2022)

    Artsprung zum Menschen

    Das als akute Hintergrundfolie für ein realitätsbetrübliches, inhaltlich aber zutiefst bereicherndes Interview mit dem Soziologen Mike Davis beim Schweizer Magazin Die Republik: „Covid-19 ist erst der Anfang“. Mike Davis forscht schon seit Langem in der Zwielichtzone zwischen rein soziokultureller Anthroposphäre, in der anthropozentrisch alleinig der Mensch zählt und auf der ein übergeneralisierter Fokus der Aufmerksamkeiten gelegen hat, und der „Natur“, in die und auf die der Mensch freimütig zugreift. Worum es ihm geht, lässt sich mit folgendem Zitat fassen:

    Wie wir sehen werden, besteht die Bedrohung durch die Vogel­grippe im Folgenden: Eine mutierende, albtraumhaft ansteckende Influenza ist nur wenige Genmutationen davon entfernt, mit horrendem Tempo und auf dem ganzen Globus durch eine dicht urbanisierte und grösstenteils verarmte Menschheit zu rasen. Eine Influenza, entstanden und schlummernd in ökologischen Nischen, die durch den globalen Agrar-Kapitalismus geschaffen wurden.Mike Davis in „The Monster at Our Door“ von 2005

    Das Monster ist winziger als selbst ein Bakterium und gilt nicht einmal als Leben, übertrifft aber jeden Massenmörder in seinem Handwerk.

    Doch wieso zielt er derart pedantisch auf die Vogelgrippe ab und erklärt sie zum „Monster“, wo es an der Qual der Auswahl an epidemischen Seuchenherden nicht mangelt? Mike Davis erklärt:

    Leider gibt es viele Monster, die vor unseren Türen lauern. Unter den bedrohlichsten ist tatsächlich die Vogelgrippe: Das sind Influenza-A-Viren, die in Wildvögeln hausen, welche Haustiere anstecken. Dort können sie sich zu Hybridviren verbinden und auf Menschen überspringen. Diese Bedrohung ist nicht kleiner geworden. Mike Davis im Die Republik-Interview

    Und genauer zum Spillover, dem Schanierbereich, wo und wann es zum Artensprung letztlich bis zum Menschen kommen kann:

    Wilde Vögel sind das natürliche Reservoir für Influenza­viren. Die Viren sind für diese Vögel nicht gefährlich – genau so, wie das Coronavirus für die Fledermäuse auch nicht gefährlich ist. Die Viren leben in den Därmen dieser Vögel sowie im Wasser der kanadischen und sibirischen Seen, zu denen sie jeden Sommer zurückkehren. Nun migrieren die Wildvögel. Auch nach Südost­asien, wo eines der genialsten landwirtschaftlichen Systeme der Welt erfunden wurde, ein sehr produktives System: Man pflanzt am selben Ort Reis, wo man auch Hühner oder Enten sowie Schweine aufzieht. Die Enten oder Hühner picken Insekten und Unkraut aus den Feldern, und die Wildvögel gesellen sich dort zu ihnen – und übertragen ihre Viren auf die Hausvögel. Und diese stecken dann die Schweine an. Mike Davis ebenda

    Und noch dieses Zitat, wie der kleine Schritt für ein Virus zum zu großen Schritt für die Menschheit wird:

    Schweine haben sehr ähnliche Immun­systeme wie Menschen. Ein Schwein kann sich sowohl bei einem Menschen als auch bei einer Ente mit Influenza anstecken. Diese verschiedenen Influenzaviren können nicht nur punktuell mutieren, sondern gleich ganze Stücke ihres genetischen Materials miteinander austauschen innerhalb des Schweins. Am Ende haben Sie also einen Hybriden mit menschlichen Virenstämmen sowie mit Stämmen von wilden Vögeln, die für den Menschen tödlich sind. Und diese Hybride können von den Schweinen auf den Menschen überspringen. So entstand die Spanische Grippe 1918. Mike Davis ebenda

    Aktuell perspektiviert obiger Technology Review-Artikel hierzu:

    Eine beispiellos hohe Zahl an infizierten und toten Vögeln bedeutet ein deutlich größeres Risiko, dass sich infizierte Vögel und Menschen so nahe kommen, dass das Virus auf den Menschen überspringen kann. Dort wo Zugvögel ihre Sammelgebiete haben – beispielsweise in Ägypten – ist die Vogelgrippe seit Jahrzehnten eine reale Bedrohung für die Bevölkerung. In Asien, wo Mensch und Tier traditionell eng zusammen leben, gibt es immer wieder Virusübergänge. Seit 2003 wurden insgesamt über 800 Infektionen von Menschen mit H5N1 bestätigt. Technology Review: Infektionskrankheiten – Rollt eine gewaltige Grippewelle auf uns zu?

    Im dringend lesenswerten Republik-Interview geht es dann en detail darum, wie und wieso speziell die industrielle Viehhaltung, Massenviehhaltung – um es zu betonen, Durchlauferhitzer, Brutstätte und Treiber für das virale Ungemach par excellence ist. Davis‘ Beschreibungen wären, wäre ich nicht vorinformiert, erschütternd und umwerfend, so sind sie nur zu leider bekannt und deprimierend wie resignativ. Er sagt eindrücklich zu dem System des agro-industriellen Komplexes, das wir perpetomobilisieren:

    Die Massentierhaltung ist eine Teilchenbeschleunigerin. Mehr Körper auf weniger Raum bedeuten mehr Chancen für die Entstehung von Mutationen oder Hybridviren und für ihre Verbreitung, egal bei welchem Virus. Jetzt versuchen wir gerade, dieses Coronavirus in den Griff zu bekommen. Das heisst aber nicht, dass die anderen Monster nicht weiter vor unseren Türen lauern. Die bedrohlichsten sind, wie gesagt: die Vogelgrippe­viren. Wir wissen heute, dass wir wohl nur eine einzige Mutation davon entfernt sind, dass einer der tödlichsten Stämme der Vogelgrippe pandemisch wird.Mike Davis im Die Republik-Interview

    Das brodelt aber nicht nur durch Vogelzugverkehr verteilte Influenzaviren in asiatischen Reisfeldern, sondern genauso ungut bei uns inmitten gehegter und gepflegter massentiergehaltener Kulturlandschaft:

    Auch in Europa droht die Gefahr neuer Viren aus dem Tierreich – unter anderem durch die Schweinehaltung. Bei Stichproben aus 2.500 Schweineställen in Europa haben Forscher neue Varianten von Influenza-Viren nachgewiesen, von denen einige erste Anpassungen an einen Artsprung zum Menschen besitzen. Die Forscher bescheinigen einigen dieser Viren bereits ein präpandemisches Potenzial. Nadja Prodbregar 2020 bei scinexx.de Schweine-Viren mit Pandemie-Potenzial – auch bei uns

    In Massenställen scheinen die Tiere den Menschen zwar entrückt im Gegensatz zu den bäuerlich begehbaren Reisfelder-Kulturen, doch schwelt gerade in dieser fleischeslüsternen Monokultur Stall ein Ausbruchspotenzial. Und gerade wenn Schweine immunsystembedingt so gefährliche ‚Mittler zwischen den Welten‘ Vogel / Mensch sind, ist es umso fragwürdiger, sie en masse zusammenzupferchen. Nicht, dass wir das Echtzeitexperiment nicht auch in Putenställen akribisch durchführen würden. Was bei all diesen Stalllaboren, die wir uns leisten, nicht aus dem Kurzzeitgedächtnis fallen darf: die einleitend skizzierte Vogelgrippe, wie sie entlang der Nordseeküste wie ein Sturm durch die Wildvogelpopulationen braust, ist kein singuläres Ereignis. Nein, aufmerksame Geister erinnern sich, dass wir bereits voriges Jahr, 2021 sich weltweit verbreitende Vogelgrippe beklagen mussten. Daher die – noch umstrittene – Vermutung, dass wir von einer inzwischen endemisch gewordenen Vogelgrippe sprechen dürften, die gekommen ist, um zu bleiben. Das hieße, die durch vielerlei gestressten Populationen müssten demnach dauerhaft statt nur saisonal auch noch die viralen Auswirkungen durchstehen. Zwar zu hoffen, dass sich die Vogelgrippe infolge dessen abschwächt, dafür wäre zuvor jedoch die Frage zu klären: Warum zum Teufel ist sie zurzeit derart massenmörderisch? Obig zitierte Aussage von Mike Davis, das Vogelgrippe-Virus sei an seine Zugvogelwirte so gut angepasst, dass es ihnen gar keine Probleme bereite, WAR ja durchaus zutreffend uns Status quo – bisher. Annahme, der nachzugehen wird, ob es eine signifikante Mutation und folgerichtige Selektion bei H5N1 gegeben hat, die sich jetzt brachial austobt.

    Perfekt formuliert, dass es einem den Atem verschlagen sollte: „Viren, das ist Evolution auf Steroiden.“ (Mike Davis) Highspeed-Evolution, wie wir nach nunmehr zweieinhalb Jahren Corona und 6 Haupttypen (Wildtyp, Alpha, Beta, Gamma, Delta, Omikron) und je zig Untertypen (bei Omikron allein BA-1 bis BA-5 – BISHER) mitbekommen haben sollten. Hauptschuldig das Spike-Protein, womit SARS-CoV-2 wie die Wilde 13 den lahmen Kahn Mensch bzw. dessen Zellen entert und kapert. Bei Spektrum schreibt Lars Fischer über eine Studie in Science Advances: „Socioecological vulnerability and the risk of zoonotic disease emergence in Brazil“, welche Faktoren zu einer Epidemie kulminieren könnten: abgelegene Ortschaften ohne eigene medizinale Infrastruktur, durch deren Mangel Erkrankte weite Wege bis in die nächste Stadt auf sich nehmen müssen, wo sich daher die Menschen nur so enggedrängt nahekommen. Liegen diese abgelegenen Orte zusätzlich noch in zunehmend entwaldeten Gebieten, biodiversitär verarmt, schnellen die Risikofaktoren in die Höhe. Niemand hat die Absicht, hierbei allen voran an den Amazonas-Regenwald zu denken, der gemäß auf rot springender Indikatoren dem ökologischen Kollaps immer näher rückt. Der Verlust von Bäumen lässt, wäre sonst alles prinzipiell im Lot, die Nahrungsnetzeeinbrechen, was weltweit anzuschwellen droht, da dreiundachtzig Prozent der Baumarten gestresst unter Druck stehen!

    Man muss zu den landwirtschaftlichen Umgebungen dieser Welt, wie sie Mike Davis hervorhebt, auch hierfür unverdächtige Orte einbeziehen, die weit jenseits agrarisch erschlossener Räume liegen (können). Größter Anlass für epidemisch gefährliches Verhalten sei Armut, die lokale Bevölkerung dazu verleitet, alles zu essen, was essbar ist, um zu überleben. Hierzu zählt dann auch sogenanntes „Bushmeat“, also das Fleisch von wilden (Busch)Tieren aller Arten, insbesondere aber von Nagern – Reservoir-Wirte der ‚Affenpocken‘ – oder Primaten. Das Sprengstoffgemisch ist in einer Studie 2021 bereits näher bestimmt worden: China,

    [a]ber auch Regionen in Indochina, Thailand und anderen Ländern bieten den „perfekten Cocktail“ für die nächste, potenziell globale Infektionskrankheit. Dieser besteht aus den Zutaten: Abholzung und Zerstörung natürlicher Lebensräume von Wildtieren, Ausbreitung landwirtschaftlicher Flächen, wachsender Bestand von Nutz- und Haustieren, Nähe dieser Nutztiere zu Wildtieren, Bevölkerungsdichte und last but not least das Vorhandensein von bestimmten Fledermäusen – die Hufeisennasen gelten als natürliche Reservoire von SARS-Coronavirus-ähnlichen Viren – sowie die Beschneidung ihres Lebensraums.Science.ORF.at: Die Hotspots der nächsten Pandemie

    60 bis 75 Prozent aller neu auftretenden Infektionskrankheiten werden von Erregern ausgelöst, die von einem Tier auf uns Menschen übergesprungen sind. Auch das neue Coronavirus Sars-CoV-2 entwickelte sich ursprünglich in Fledermäusen und erwarb dabei Eigenschaften, die ihm den Befall menschlicher Zellen und damit den Artsprung ermöglichten. Viele dieser Zoonosen entstehen dort, wo Mensch und Tier in engem Kontakt beieinander leben, beispielsweise in der Nutztierhaltung. So sind beispielsweise Schweine oder Geflügel häufige Reservoire für potenziell zoonotische Influenzaviren. Gefährlich kann es aber auch dort werden, wo der Mensch in zuvor unberührte Gebiete eindringt oder den Lebensraum von wilden Tieren zerstört. Denn dies schafft dann plötzlich neue Kontakte zwischen Mensch und Wildtier, die auch dessen Parasiten und Erregern die Chance zum Überspringen bieten. Wissenschaft.de: Zoonosen: Gefahr Tier präzisiert

    Damit ist im Kern und dem Prinzip nach ausreichend geklärt, warum Zoonosen zunehmen. Über Bande wirkt dann auch ANTHROPOGENER Klimawandel noch mit, der die Zahl der Artsprünge drastisch erhöhen wird, weil hitzebedingt die lokal Biodiversität einbricht, überlebende Arten aus- und ergo anderswo einwandern müssen. Das läuft dann jedes Mal aufs Neue auf nicht länger mehr nur kolumbische, sondern allgemein menschliche, allzu menschliche Austauschprozesse hinaus, wo Mal für Mal ein invasionsbiologisches Exempel statuiert wird.

    Pandemisches Panoptikum

    Und was heißt das summa summarum? Haben die rezitierten Schlaglichter nicht widersprüchliche Hotspots benannt, auf je ganz andere Aspekte Augenmerk gelegt? Ja, was es meines Erachtens gerade so erschreckend sein lässt. Fokussiert Mike Davis asiatische Agrarräume, weil dort die Dominosteine vom Wild- über Hausvogel, über weitere Haustiere zum Menschen umkippen können, sind genauso relevante Gefährdungsräume im vermeintlich abgelegenen Gegenden zu beachten. Gerade amtierende „Affenpocken“-Nochnichtpandemie steht dafür Pate: Abgetan, sie sei ja bloß in wenigen afrikanischen Ländern endemisch und käme mutationsträge erwartungsgemäß eh nicht aus ihrer angepassten Nische raus, ist sie innerhalb weniger Monate verbreiteter denn je (nach absoluten Zahlen des Hellfeldes wie der apodemisch besuchten Länder). Ein Grund, dass Variola, so der Fachausdruck, so sehr um sich greift, ist, dass es entgegen der Expertenmeinung zu plötzlich doch 50 Mutationen gekommen ist, die auf Selektion auf den Menschen hindeuten. Waren zuvor afrikanische Nager bevorzugtes Reservoir, schon Affen nur Ausweichquartiere, hat Variola nun ein unschönes Interesse für diese Art Homo sapiens entwickelt. Dass ist – wie zuvor schon Corona – ein Armutszeugnis für den reichen Norden, spätestens wenn man diesen Artikel von Sonia Shah in Übersetzung bei Spektrum aus dem Jahr 2014 nachliest: „Die Rückkehr der Pocken – Die eigentlichen Pockenviren mögen ausgerottet sein – doch in Form ihrer nahen Verwandten wie der Affen- und Kuhpocken könnten sie uns demnächst wieder gefährlich werden.“ Dieser Dschinn wurde gerufen und ist aus seiner Flasche entwichen – Respekt und alle Achtung Homo sapiens, mal wieder phänomenal beeindruckend, wie vorausschauend weitsichtig du doch wissend und bewusst zu handeln weißt!

    Was mich empört und ankotzt, ist, wie arrogant man die afrikanischen Endemiegebiete sich überlassen hat. Gerade wenn sich die ‚Affenpocken‘ bisher größtenteils netterweise nur dort aufzuhalten beliebten, hätten Philanthropen sich doch befleißigen können, mithilfe der altgedienten Menschenpocken-Impfstoffe eben auch gegen die Tierpocken über Kreuz zu immunisieren. Ja, das ist nämlich möglich, war damals bei tobenden Menschenpocken bloß ein als irrelevant missachteter Nebeneffekt. Welch Absatzmärkte für die Pharmakonzerne – Win-Win-Verhältnisse allerorten. Stille… Dankenswerterweise hat Lars Fischer genau das auch in seinem Blog angesprochen. Die jetzige Nochnichtpandemie wäre vermeidbar gewesen, würde man nicht nur beim Zahnarzt Prophylaxe betreiben.

    Trotz allem sind die Tierpocken vorerst noch das geringste unter den Infektionsproblemen: Corona bleibt nicht vorbei, Omikron BA-5 geht wieder exponentiell, was für den Herbst nichts Gutes verheißt. Denn in beiden Vorjahren sind wir wenigstens mit (sehr) niedrigen Fallzahlen in den Herbst gegangen, jetzt dürften die Nachwirkungen von BA-5 bis dahin spürbar sein und ein angeschlagenes „immunologisches Profil“ in der Bevölkerung hinterlassen. Ob angepasster Impfstoff bis dahin mengenmäßig zur Verfügung steht UND angenommen wird, bleibt abzuwarten.

    Und Influenza? Die Zugvögel leiden momentan am Meisten daran, erhöhen vielzitiert aber das Spillover-Potenzial enorm. Zunehmend antibiotikaresistente Schnitzel in spe wären nur zu empfänglich für vogelzügige Infektionen – nicht zuletzt mischen selbstredend auch die geliebten Haustiere von Hund bis Katze mit, über deren Rolle im Ganzen Achim Gruber in der WDR5-Redezeit (abrufbar bis 02.06.2023) berichtet. Derweil holzt und brennt Homo suizidalis Rückzuggebiet um Rückzuggebiet für gestresste und belastete Tiere ab und drängt sie förmlich in die Arme der meist selber entwurzelten, daher stressbedingt immungeschwächten Menschen. Das Spike-Protein oder entsprechende Äquivalente bei den wütigen Viren sind ergo mitnichten die biologistischen Hauptschuldigen – der ökozidalen Dummheit angeklagt bleibt alleinig der Mensch! Und so weiter! Und so fort! Ein weiteres Jahrhundert der Pandemien, wie es scheint – man lese Mark Honigsbaum!

    EDIT vom 06.07.2022: ROFL LOL Mir allen Ernstes erst jetzt posthum aufgefallen, was mir die Rechtschreibprüfung da verschlimmbessert hat. Lustig allerdings: aus „Bushmeat“, dem Fleisch von ‚Busch-/Wildtieren‘, ist „Bosheit“ gemacht worden 😀 Halten wir fest: eine künstliche INTELLIGENZ ist noch sehr weit, weit entfernt;-) Gut, meine lektürische Intelligenz auch, so einen Verwirrer darf man eigentlich keinmal überlesen 😀