Hallo Mitwelt!
Heute gibt es ein außergewöhnliches Matchup. Ein Zustandekommen des Themenspektrums durch spukhafte Fernwirkung eines nichtlinearen Gedankensprungs. Was??? Eine weitspringende, abwegige Gedankenassoziation, die zweierlei zusammenführt, was so wohl nie zusammengedacht war. Zwischen beiden Punkten der Raumzeit liegen bloß 177 Jahre… Ob Spülmaschine oder Warpantrieb….
Tertium comparationis, gedanklicher Tangentenpunkt
…, Hauptsache Cochrane. Dieser Nachname ist, was A und B durch die Zeiten synaptisch verbindet und in mir Gedanke geworden ist.- Gemeint ist nicht eventuelles Gründungsdatum und aktuelle Aktivitäten der Cochrane Collaboration als Zusammenschluss von Wissenschaftler*innen, Ärzt*innen und Co für unabhängige Reviews und Metastudien zu relevanten medizinalen Themen. Aktuelles Beispiel zu Vitamin D als mögliches Hilfsmittel wider Covid – von Klaus-Dieter Kolenda bei Telepolis auf Grundlage von Cochrane-Publikationen vorgestellt. Um Organisationen geht es nicht, sondern um konkrete Menschen und deren Wirken.
Die Erfindung der Spülmaschine
Ausgangspunkt und Anlass ist das WDR-Zeitzeichen vom 28.12.2021, demnach an diesem Datum vor 135 Jahren, also am 28.12.1886 das Patent für die erste Spülmaschine eingereicht worden ist. Und das – zu diesen Zeiten und inmitten der USA – von einer Frau: Josephine Cochrane (1839-1913). Als Hausherrin standen ihr zwar Bedienstete zur Seite, um die Bankette und Zusammenkünfte vor allem für ihren Mann, der in der Politik tätig war, zu bewirtschaften. Doch gingen ihr dabei zu viele Familienerbstücke beim Geschirr zu Bruch, wenn es per Hand gespült wurde. Mehrere Erfinder und Ingenieure in der Verwandtschaft verhalfen ihr zu praktischen Ideen, wie man dem Ungemach technisch Herr bzw. Frau werden könnte. Und wie der Zeitzeichen-Beitrag auch anhand einiger Zitate verdeutlicht, ist Josephine das sehr taff angegangen. Taff, aber auch mutig, wenn sie – damals nunmal total untypisch, ja vielfach undenkbar – ALLEINE – d.h., ohne ihren Mann oder männliche Begleitung – ihre Spülmaschine vorstellte und dafür eine Hotellobby wie eine eigenständige Kauffrau durchqueren musste. Und am besagten Datum anno domini stand für sie die Patentierung ihrer Idee an, eines Geschirrspülers maschineller Art, der – soweit man rekonstruieren kann – stolze 2mal2mal1 Meter riesig war. Daher vorerst nur etwas für große Hotels und Kasernen für die Soldaten, deren verdrecktes Geschirr legionenweise gesäubert wurde. Sprich, die Apparatur funktionierte, was bei Vorgängern, die es sehr wohl gegeben hatte, nicht der Fall war. Deshalb hatten diese es auch nicht, Josephines Prachtstück es aber doch zur Patentierung geschafft.
Der Beitrag verfolgt im Weiteren die Verbreitung der Spülmaschine, die es erst Jahrzehnte später über den Teich in die alte Welt schaffte. Zu Wort kommt eine waschechte Hausfrau der 1950er Jahre, die nicht viel auf dieses Teufelsding gegeben hat, die Spülung per Hand viel tauglicher sei. Das hielt sich als Überzeugung noch bis in die 1990er Jahre, dass man per Hand viel effektiver, ja reinlicher spülen könne. Ein zitierter „Spülmaschinenforscher“ hingegen sagt klar, dass selbst die beste Handspülung nicht mit eher schlechter, weil nur halb bestückter Spülmaschine mithalten kann. Allein die Wasserersparnis sei enorm, wenn es auch heute noch Optimierungen gebe. Und statt energie- und wasserfressender Vorspülung sei ohnehin mechanische Reinigung vorab anzuraten.
Dass sich nach Einführung der Spülmaschine in Deutschland 1929 der Widerwillen gegen ihren Gebrauch bis in die 90er Jahre hielt, dass selbst Hausfrauen sich die Arbeit nicht haben erleichtern wollen, ist bezeichnend. Hier musste ich sogleich an “Die Erfindung der Hausfrau“ von Evke Rulffes (Neugier Genügt Redezeit, abrufbar bis 12.11.2022) denken. Frau Rulffes zeichnet hier nach, was lange selbstverständlich war und immer noch nur langsam abnimmt und abgebaut werden kann. Dass die Frau als Hausfrau mit Liebe und aus Leidenschaft Haus, Hof und Kinder zu bewirtschaften hat. Und als Hausfrau – nomen est omen – ans Haus gefesselt / gekettet bleibt, dort und nur dort sie sich auf ihre unverwechselbare Art und ihre emotional-fürsorglichen Stärken entfalten kann. Frau Rulffes geht historisch rund zwei Jahrhunderte zurück, um das Gewordensein aus dem vergessenen Dunkel der Geschichte ins Licht hervorzuholen und in seiner Entwicklung deutlich zu machen. Interessant, dass die Verhäuslichung der Frau, die so aufs Private verpflichtet worden ist, einhergeht mit an sich doch ach so aufklärerischen Gesellschaftsentwicklungen. Das Aufkommen des Bürgertums, die Zugewinne an Bildung und Aufstiegsmöglichkeiten dieser sich neu etablierenden Schicht scheinen zunächst ja durch und durch positiv und begrüßenswert. Ja, sie sind not-wendige Voraussetzung für uns heute, dass wir in einer bürgerlichen Gesellschaft leben (können). Erkauft wurde das allerdings durch die Zweispaltung der Sphären, wo der Mann außerhaus in der Öffentlichkeit agierte, auftrat und für sich (und seine Familie) Prestige einheimste, derweil im Privaten unsichtbar gemacht die Hausfrau ihm den Rücken freihielt. Genauer in gelinkter Redezeit oder gleich im Buch mit besagtem Titel: „Die Erfindung der Hausfrau“
Und wer kürzer als ein Buch lesen mag und aus der Ferne Einsichten für die bürgerhausfrauliche Nähe gewinnen möchte, sei auf meine online gestellte Hausarbeit über „Japanerinnen“ verwiesen. Denn ich finde die Parallelen in der Entwicklung deutscher und japanischer Frauen in den letzten gut 150, knapp 200 Jahren mehr als auffällig. Einmal wäre nicht keinmal, aber eventuell ein Sonderweg; zweimal kann noch nur Zufall sein. Und dreimal… Ein drittes land und eine dritte Genese der Frauen ebendort wäre interessant. Verliefe die Entwicklung erneut großteils gleichartig, dann müsste man von einer Regel sprechen und die Patrix als dringend tatverdächtig anklagen.
Aber zurück zu Josephine, die inmitten einer solchen patriarchalen Matrix, von Männern für Männer programmiert, ihren Weg gegangen ist und erfand, woran kein Mann zu ihrer Zeit konsequent genug gedacht hat. Sie war Wegbereiterin für Zeit-, Energie- und Wasserersparnis in der Küche, wo sonst die Hausfrau nicht nur am Herd, sondern auch an der Spüle festgebunden war und es geblieben wäre.
In die unendlichen Weiten
Umso krasser nun der Sprung in unendliche Weiten, wo noch nie ein Mensch gewesen ist. Spätestens jetzt sollte dämmern, um welchen Cochrane es in Kontrast zu Josephine geht, wer sich mir da in den Sinn gechlichen hat: Zefram Cochrane (geboren in den 2030er Jahren). Eine Spätergeburt, wenn man so will; einer, der noch kommen wird, der noch gut 10 Jahre hat, um zu werden. Die Future History Star Trek hat Zefram Cochrane zur intradiegetischen Legende gemacht, zum legendären Erfinder des Warpantriebs und somit der überlichtschnellen Raumfahrt. Geglückt ist ihm das 2063, noch zweiundvierzig Jahre voraus. Und im Kielwasser dieser epochemachenden Erfindung kommt es sodann auch zum Erstkontakt. Aufmerksam geworden auf das Treiben bei diesem abseitigen gelben Kleinstern werden die Vulkanier herbeigeflogen worden sein und im folgenden Jahrhundert als die Zieheltern für die Menschheit auftreten. Mister Cochrane hat allerhand eingefädelt und ausgelöst, die Menschen zu einer interstellaren Spezies gemacht, die nicht mehr allein im All ist.
Sein erster Auftritt in der Star Trek-Serie ist, wenn man so will, sein lebenszeitlich letzter. Alles was später kam, ist nur noch posthumes Prequel. In “Metamorphose“ (TOS2.02) trat er als zum Sterben ins All entschwundener Bestandteil eines Energiewesens auf und begegnete in diesem transformativem Zustand den Haudegen der Enterprise rund um Kirk, Spock und Landarzt McCoy. Wer es hintergründiger wissen will, hänge sich an die Warpsignatur des Beobachtungsraumers USS TrAmDi, dessen ausführliches Logbuch alle nennenswerten Auffälligkeiten präzise festhält. Und während Josephine Cochrane aus dem kollektiven Gedächtnis längst verschwunden ist – wie getilgt -, gibt es wenig legendärere Menschen im Star Trek-Universum, wenn man mal Kirk, Picard und Spock beiseite lässt. Ist nach Picard zwar ein Flugmanöver benannt, so kann sich Cochrane rühmen, dass ihm zu Ehren die Cochrane-Maßeinheit zur Bemessung der Subraumkrümmung benannt ist. Und was kann man schon mehr wollen und erreichen?;- Sankt Elon muss hierfür noch richtig malochen, damit er es bis dahin bringt.
Ob Spülmaschine oder Warpantrieb
Ob Spülmaschine oder Warpantrieb, der Gedankensprung von da nach dort ist mal echt wild thing. Was sagt das über einen aus, wenn man derart assoziiert? Immerhin, erfunden haben die Gleichnachnamigen beide, für ihre Zeit je auch ziemlich heißen Scheiß. Im Falle Josephines nahm die Erfindung ihren Weg und etwa jeder zweite Haushalt nutzt auch eine Spülmaschine. Aber weder nennt man sie liebevoll nach ihrer Erfinderin – „Dann leg mal los Josephine!“ – noch weiß der gemeine Spülenlasser von ihr. Da hat es Zefram weitergebracht, musste aber auch gleich mit einem sozialen Kipppunkt leben, den der Start seiner Erfindung provoziert hat: Erstkontakt mit Außerirdischen, auf die sich (präastronautische) UFO-Gläubige schon seit 1938 (WDR3-Kulturfeature) und bedeutend seriöser Exosoziologen (WDR3-Kulturfeature) vorbereiten…
EDIT vom 31.12.2021: Vertipper retippt.