Japanerinnen

Hallo Mitwelt.

Heute wird erneut recycelt. Doch stehen heute keine mythisch verklärten Herkünfte von Großreichen oder ein andersweltliches Schicksal an, auch kein stets bemühter Erstversuch einer bestimmten Arbeitsform. Pünktlich zu dem Olympischen Spielen in Japan geht die Reise nach ebendort hin – ins Land der Aufgehenden Sonne, wie Nippon sich gerne mythifizieren lässt. Passend zum zuschauerlosen Event in pandemischen Zeiten, das keiner haben will, gibt es manch sehenswerte, gutgemachte Doku (via mediathekviewweb). Damit kann ich freilich nicht dienen, kann aber aus der Biografie eine studentische Hausarbeit ans Licht des Blogs hervorziehen. Es könnte die siebte ihrer Art gewesen sein, die dritte gemasterte und inhaltlich die dritte zu und über Japan. Eine dieser Themenausrichtung war vorangegangen, ein Triumvirat folgte. Das wurde buchstäblich hintereinander weggeschrieben, hausarbeitliche Wochen noch und nöcher. Als ich mittags die Endkorrektur für die dritte des Trios abschloss, um auszudrucken, war die Benotung der ersten Hausarbeit eingetroffen und floss quasi noch in letzte Handgreiflichkeiten ein… Die zweite, die nun hier vorliegt, war da längst auch schon raus und würde noch Wochen gebraucht haben, bis verspätet die Note hierzu einging.

Warum nicht in korrekter Reihenfolge veröffentlichen? Tja, Erbsünde. Der arm(selig)e Student meinte, sie teilweise bei einem dieser Portale einstellen zu müssen, wofür man dort Geld erhielt (und weiterhin erhalten würde). Damit gingen auch wirrsterweise Rechte am Eigenen flöten – Irrsinn. Daher sind nicht alle einfach so hier einzustellen. Selbst Schuld – und nicht mal Reihbach gemacht. Davon ab ist das Thema – sperrig formuliert, wie es sich studentisch gehört – allemal relevant und interessant. Ob auch gut lesbar…

Zu Risiken und Nebenwirkungen: Aufmerksame LeserInnen dieses Blogs werden wissen, dass hier nicht getweetet wird, dass Kürze gewiss und sicherlich seine Würze haben mag, hier aber andere Kräuter ans Gericht kommen. Auch das jungerego des Bloggers neigte schon zum Längeren und ist stets ein Freund von Kommata gewesen. Hinzu kommt jedoch, dass der Hausarbeitsautor inbrünstig, inständig und aus vollstem Herzen FORMALIA UND VOR ALLEM BLOCKSATZ HASST! Ein steter heroischer Kampf, ein titanisches Ringen um Wort für Wort, Buchstabe um Buchstabe. Jeder und jedes konnte einer/eines zu viel sein und blocksatzteuflisch ganze Absätze verrücken und das Layout einer fußbenoteten Seite ins zutiefste Unglück stürzen. Und das Gemüt des Studierenden gleich hoffnungslos hinterher in Dantes Höllenschlund hinein. Nebenfolge des formalistischen Zwanges war eine Suche nach ewiger Kompression, eine ständige Formulierungskomprimierung, ein Hinauskürzen des Abspeckbaren, eine verbale Verknappung, wie keine/r je spräche. Eben deshalb mag es sein, könnte es vorkommen, dass bisweilen manch Satz langgezogen wurde, um so neubeginnende Satzkonstruktionen einzusparen oder/und eine informationelle Verdichtung stattfand, die lektürische Aufmerksamkeit rigoros abverlangt O_o. Das ist keine Schmökerlektüre, was bitter für die meines Erachtens echt interessanten Inhalte ist.

Die Aufbereitung: Eine Höllentour für sich. Naiv, wie der Bloggernewbie nunmal ist, nahm er an, man könnte doch einfach … LOL Alte docx-Datei als html abspeichern und den Quellcode lockerflockig bei WordPress reinkopieren – zack! Ja, zack durchaus, aber in ein Pandaemonium des Zeichengrauens. Also falls Microsoft Word mit KI arbeitet, dann ist die echt noch dumm. Zwar zählt formal HTML nicht einmal zu den Programmiersprachen, aber Mensch kann es sich ja für den Anfang mal einbilden. DANN jedoch kann Word echt nicht zeichensprarsam programmieren, sondern codiert in einem endlosen Wust, dass aus keinen 30 Ausdruck-Seiten inklusive aller Anhänge so viele Dutzende geworden sind – schrecklich. Naja, ach komm, greifste dir halt ab, was du HTML-codiert verstehst (wenig also) und baust darum herum das dir Mögliche. Vergiss es! Gutmöglich, dass folgende Präsentation der Hausarbeit in online digital noch das ein oder andere Update brauchen wird, bis es anzeig- und so erst lesbar geworden sein wird. Tipps und Tricks für Dummies gerne kommentieren., derer bedarf es reichlichst!

Angepasst musste vieles werden, damit es – bestenfalls – nun lesbar ist. So packte ich die Internetverweise in schnittige Links, die ich jedoch auf Klickbarkeit nicht nochmal durchprüfte – ggf. gehen welche inzwischen ins Nirvana. Ansonsten geht es textlich und inhaltlich unverändert online. Daher fehlt an einer Stelle im LitVZ das Datum der Lektüre (Wer es findet!) und musste ich trotz so vieler einstmaliger Korrekturdurchgänge noch da und dort Fehler finden. Hoffentlich nur Kleinigkeiten exzessiver Flüchtigkeit. Zum Glück keine Doktorarbeit…

Trotzdem nundenn zum Eigentlichen, der Hausarbeit mit diesem Thema, wozu Eindrücke und Einsichten gerne gelesen wären:

Geschlechterverhältnisse in Beruf und Bildung – zum Status der Individualisierungsprozesse im Lebenszusammenhang japanischer Frauen

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

Als einen „der Meilensteine der Diskussion um die Bedeutung von Geschlecht in der „modernen Gesellschaft“ wurde Elisabeth Beck-Gernsheims 1983 erschienener Aufsatz „Vom ‚Dasein für andere‘ zum Anspruch auf ein Stück ‚eigenes Leben‘“ bezeichnet, in dem der Vergleich der Lebenslagen von Frauen diachron über Generationen hinweg mit Blick auf Bildung, Beruf sowie Sexualität und Partnerbeziehung empirisch erfolgt: Demnach sind Frauen Ambivalenzen und Widersprüchlichkeiten ausgesetzt, die deren Individualisierungsschub „sehr unterschiedlich zu dem der Männer ablaufen und immer wieder prekär werden lassen.“ (Wilz 2009: S. 9), dass nach mehreren „Frauengenerationen im Wandel […] die unauffälligen Alltagsveränderungen der weiblichen Normalbiographie“ den erreichten Zustand als ein „Nicht-mehr“
sowie „Noch-nicht“ ambivalent beschreiben lassen (Beck-Gernsheim 2009: S. 15f.).
Hieran schließt 20 Jahre später Karin Jurczyk an, um die
„Geschlechterverhältnisse in Familie und Erwerb“ in der „Arena Familienarbeit / Erwerbsarbeit“ als „widersprüchliche Modernisierungen“ zu analysieren, da jene primär von Frauen ausgeübt und unentgeltlich als ‚unwert‘, diese primär von Männern ausgeübt und entlohnt als ‚wertvoll‘ aufgefasst wird, was durch neue „Formen der Entgrenzung von Arbeit“ inter- und intrageschlechtliche Ungleichheiten fortführt,
sich annähern sowie neu entstehen lässt (Jurczyk 2009).

Diesen und weiteren Arbeiten (vgl. Kursbeiträge des Moduls) der Frauen- und
Geschlechterforschung ist jedoch im- oder explizit zu eigen, sich nur auf Deutschland oder Europa/die USA zu beziehen und so einen zwangsweise eurozentrischen Tunnelblick einzunehmen und einer mentalen Schollenbindung wie einem „Container-Modell“ eines Methodologischen Nationalismus zu erliegen, wo
eine „Gleichsetzung von Staatsgrenzen und Relevanzgrenzen“ erfolgt (Beck 2008: S. 301) und den Horizont des Beobachtbaren durch Blinde Flecke verkürzt.

Diese Arbeit möchte daher den Blick weiten und mit Japan beispielhaft ein Land in den Mittelpunkt stellen, deren Bevölkerung mit Buddhismus und Konfuzianismus statt Christentum
und Aufklärung (Coulmas 2013: S. 105-150) historisch mit anderen Werten sozialisiert wurde und „am Rande der Welt“ als „Raumschiff Japan“ (Matsubara 1998) räumlich wie oftmals auch sozial ‚eigen‘ blieb, dessen „Longue durée“ im Sinne Fernand Braudels aufgrund derart anderer Bedingungen verschiedenartige
soziokulturelle Verhältnisse geprägt hat. Wie es – im Vergleich zu hiesiger –
um die „Individualisierungsprozesse im Lebenszusammenhang japanischer Frauen“ in so einer – zugespitzt – ‚soziokulturellen Ferne‘ steht, ist die Leitfrage vorliegender Arbeit. Einer Antwort soll sich mit einer mehrschichtigen Perspektive genähert werden: Im Fokus stehen Bildung und Beruf japanischer Frauen, die als weibliche
Handlungsräume jedoch nur aus dem Verständnis der Familienstrukturen heraus begreifbar werden, an die sie mehr noch als Frauen in den übrigen Industrieländern ideell und mental als Haus- und Ehefrau gebunden sind. Dies herauszuarbeiten, erfolgt sowohl diachron, um den Status japanischer Frauen
‚durch die Zeiten‘ und die stattgefundene und –findende Genese erfassen zu
können, als auch insofern synchron, als dass der jeweilige Zeitabschnitt in die
umfassenderen androgen-patriarchal soziokulturellen Verhältnisse eingebettet
wird, um so weibliches Handeln aus dem zeitlichen Lebenszusammenhang heraus zu
begreifen. In dem Sinne ist die Arbeit dann auch aufgebaut, dass Kap. 2 zurückblickt
in die sog. „Edo“-Zeit fast 260jähriger totaler Abschließung Japans gegenüber
der Welt, während der sich lebenspraktisch und ideell viele Verhältnisse
etablierten, die sich im Verlauf folgender exogen erzwungener Öffnung und
‚Aussetzung‘ des Landes in den sich verschärfenden westlichen Imperialismus,
den Japan bis zum Pazifischen Krieg ‚gekonnt‘ übernahm, festigten (die Frauen
als ryósai kenbo, „gute Ehefrauen und weise Mütter“). Nach der Kriegsniederlage
und exogener sozialer Neuordnung gelangte Japan vom besiegten Feindstaat unter
US-Administration 1968 zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt und zum
größten Konkurrenten der USA (Kap. 3). Wie die zunehmend gebildeten und
beruflich tätigen Frauen bloß als „Gastarbeiterinnen im eigenen Land“ (Weber
1990: S. 105) die „unsichtbare weibliche Seite des japanischen Aufstiegs“ (Lenz
1993) blieben, wo sie „hinter der ‚Front‘ der japanischen Weltmarktoffensive
die Männer und Betriebe entlaste[te]n“ (Lenz 1990: S. 88), ist aufzuklären.
Erst durch eine platzende Bubble Economy Anfang der 1990er Jahre nahm die
eingleisig anmutende Prosperität abrupt ein Ende und führte zu soziostrukturellen
Umbrüchen auf dem bis dahin sicher geglaubten Arbeitsmarkt, dass sich diese
neue Unordnung einer bis dahin homogen gedachten Mittelschichtgesellschaft bis
in die Familien hinein auswirkte und sich in einem verstärkenden
Individualisierungsprozess bisherige Gewissheiten für die Männer als „Ernährer“
und Frauen als „Hausfrauen“ verflüssigten (Kap. 4). Kap. 5 zieht den Vergleich
zwischen den zuvor dargelegten Lebenslagen japanischer und von Beck-Gernsheim
und Jurczyk insbes. deutscher Frauen, inwieweit sich deren
Individualisierungsbestrebungen und errungene Lebenslagen ähneln. Wie sehr von
einer „varity of individualization“, quasi einer weiblichen „Individualisierung
auf Japanisch“ (Beck/Beck-Gernsheim 2010) zu sprechen und welcher Status weiblicher
Individualisierung in Japan heutzutage zu konstatieren ist, resümiert final das
Fazit in Kap. 6.

2. Blick zurück – Die historische Genese seit 1603 bis 1945


Noch bis Ende des 16. Jahrhunderts waren in Japan die
Ausläufer einer matrilinearen Gesellschaft (bokei shakai) zu erkennen, die
folgend aber von einer „extremen Männerherrschaft“ (danseishijó-shakai) abgelöst wurde
[1], die sich in den Verhältnissen zur Zeit fast 260jähriger Abschließung Japans gegenüber der Welt (sakoku[2], 1603-1868) ausformte und die japanischen zu den „unterwürfigsten Frauen der Welt“ (sekaiichi jújunna onna) werden ließ, für die „selbstlose Hingabe“ als
Ehe- und Hausfrau die höchste Tugend war (mushi no kenshin) (Imai 1991b).
Geistiger Quell hierfür war v.a. der aus China importierte (Neo-)Konfuzianismus[3] und dessen
Werte einer kosmisch legitimierten Familienstruktur: „Die große Bedeutung, die
hierarchischen Beziehungen, Loyalität und Pietät beigemessen wird; die Betonung
der häuslichen Harmonie als Grundlage des Staates“, die den Konfuzianismus zur
„Staatsideologie der Tokugawa“ werden ließ, teilte dieser mit dem
volkstümlichen Shintóismus, dass in Melange beide „zu prägenden Elementen des
japanischen Wertesystems“ wurden (Coulmas 2014: S. 233f.). So formte der
Konfuzianismus das Geschlechterverhältnis und die Rolle von Mann und Frau aus.
Es galt: „Die Männer sind draußen, die Frauen drinnen“, das als ‚geflügelte Sentenz‘
ausdrückt, was sich mit dem patrilinearen ie-Familiensystem ab Ende des 17. Jahrhunderts
bei den samurai an der Spitze eines Vierständesystems[4] etablierte: Das “‘Haus‘
(ie) als Lebensgemeinschaft und Wirtschaftsform“, wo eine Trennung von
Privatheit und Öffentlichkeit androzentriert noch nicht praktiziert wurde
(Schwentker 2008: S. 61f.)[5] und wo „im Haus eingesperrt“ die Hausherrin (shufu) als Hauptfrau mithilfe von
Nebenfrauen und Bediensteten auch finanziell die Pflichten der Haushaltsführung
innehatte. Gleich in welcher Position hatte „Frauenerziehung und Frauenarbeit
dieser Zeit […] nur die Ausbildung zur Braut und Ehefrau nach japanischer Art
zum Ziel.“ Schule also nur als Brautschule! (Imai 1991b) Obwohl der Konfuzianismus
Gelehrsamkeit hochschätzte und sich neben den buddhistischen Tempelschulen
institutionell etablierte (Coulmas 2014: S. 233f.), gilt: „Je konfuzianischer die Erziehung, desto eingeschränkter
die Frauenbildung.“ (Langer-Kaneko 1991: S. 92) Denn: „Eine Frau braucht sich nicht ums Lernen zu bemühen; sie hat nichts
anderes zu tun als gehorsam zu sein.“ Durch Einbindung in den Arbeitsprozess, wo sie
Geschick und Klugheit beweisen konnten, waren Händlerfrauen eher gleichgestellt
als Bauernfrauen, obwohl diese innerfamiliär angesehen waren, aber von ihren
samurai-Herren unterdrückt wurden; Am stärksten betroffen waren die
samurai-shufu selbst. Letztlich also „ein totales Ausgeliefertsein ohne jede Rechte,
nur mit auferlegten Forderungen und Pflichten.“ (ebd.: S. 96) Durch primär
konfuzianische Moralbücher (jokun) bekamen die Frauen diese Vorstellung
vermittelt, „daß die Frau niedriger und schwächer ist als der Mann“ [6] und „Keuschheit und Gehorsam; Nähen und Unterhaltungskunst“ die zu
kultivierenden Tugenden seien, was noch um Bücher zur Sitte und Etikette
ergänzt wurde, damit die Ausübung der hausberuflichen Pflichten auch angemessen
erfolgen konnte (ebd.: S. 97ff.)[7].

Die Edo-Zeit endete, als 1853 auf der ewigen Suche nach Absatzmärkten die USA die Öffnung des Landes erzwangen und 1868 durch die Meiji Ishin als „revolutionäre Restauration“ resp. „Renovatio“ und „gesellschaftliche Transformation von revolutionärem Ausmaß“ (Eisenstadt 2006: S. 379) in Japan eine bis heute andauernde „Modernisierung im Prozess“
(Holdgrün/Vogt 2013) ausgelöst wurde. Oft als „das Land der Imitation und der
Imitatoren etikettiert“, wurden durch den „alles aufsaugenden ‚japanischen
Schwamm‘“ westlich „entlehnte Objekte einer weitgehenden Japanisierung
unterzogen“, ohne dass sich ein „umfassendes Bewusstsein und ideologisches
Modell für Diskontinuität und Wandel“ dadurch eingestellt hätte (Eisenstadt
2006: S. 369ff.). Deshalb verwundert kaum, wenn die Kontinuität der Familie durch
das ie-System sogar noch gefestigt wurde, indem ie als Haus(halt)/Familie zu
einem ideologischen Konstrukt und zur kleinsten funktionalen
Organisationseinheit des Staates quer durch alle ständeaufgelösten Schichten erklärt
wurde. Hier bildete sich eine kinderzentrierte Privatsphäre „im Sinne eines
rechtsfreien Raums“ aus, die aber über das patriarchalische Familienoberhaupt
(koshu) als „Kontrollorgan“ durch den Staat erfasst wurde. So wurde das ie
(ideal als Dreigenerationenfamilie) „aus den bisherigen Dorf- und
Verwandtschaftsgemeinschaften, d.h. aus einer öffentlichen Struktur,
herausgelöst und sozusagen direkt dem Staat gegenüber gestellt.“ (Mae/Schmitz
2007: S. 50ff.) Aus der shufu als Hausherrin wurde nun die shufu als westlich
inspirierte Hausfrau[8], die Kindererziehung und
Haushaltsführung (Küchenarbeit, Ernährung, Gästebewirtung) ebenso alleine
meistern sollte wie als (intellektuelle) Gesprächspartnerin dem Ehemann, der
nun als familiarer Repräsentant in die Öffentlichkeit trat, daheim
bereitzustehen. Hierzu im Kontrast stand, dass 1872 auf einmal „alle Frauen
‚nach draußen‘ gehen und in Schulen lernen“ sollten[9],
wodurch im Laufe der Meiji- und Taishó-Zeit (1868-1926) Bildung für Frauen
selbstverständlich wurde (Imai 1991b). Die „Erziehung der gesamten Bevölkerung,
ohne Rücksicht auf Status und Geschlecht“, nun auch für „die Kinder der
arbeitenden Massen und für die Frauen“ war in einem nachholenden
„Verwestlichungsprozess“ die oberste Pflicht: In je 4jährigen normalen und
höheren Kursen mit vorgeschriebenen Fächern (Handarbeit zusätzlich für Mädchen)
wurde bis 1885 das moderne japanische Bildungswesen begründet. Elementar noch
koedukativ beschult, erfolgte in der Sekundarstufe eine Trennung nach
Geschlechtern, wobei das Niveau höherer Mädchen- dem der mittleren
Jungenschulen unterlegen blieb. Das „System der Frauenbildung“ wurde jedoch nur
bis 1910 revidiert und bis Ende des 2. Weltkriegs nicht mehr angepasst. Demnach
blieb Mädchen – von wenigen fakultären Ausnahmen – strukturell der Zugang zu
Universitäten verwehrt, da sie über die „Nebenroute“ im Anschluss an die
Sekundar- nur noch 3jährig eine Fachschule besuchen durften. Statistisch stieg
zwar die stark um „Mädchen-spezifische Fächer“ ergänzte Mädchenausbildung
signifikant an, eine Graduation blieb zumeist jedoch aus. Mehr als nur
praktisches Wissen lehrten Missionarsschulen auch Frauen intellektuelle
Bildung, ihre Blütezeit hatten sie 1882, bevor das Kaiserliche Erziehungsedikt
(kyóiku chokugo) von 1890 den erneut „ganz auf konfuzianischen Gedanken beruhenden
moralischen Standards wie Loyalität gegenüber dem Kaiser und der Nation und
Liebe und Ehrfurcht der Kinder gegenüber ihren Eltern“ zur Staatsräson machte,
um durch den Einfluss westlicher Zivilisation verlorengegangene traditionelle
Werte und niedergehende Moral und Verhalten zu restaurieren. Das betraf v.a.
die Frauen, die statt höherer Bildung nun zu „guten Ehefrauen und weisen
Müttern“ (ryósai kenbo) für ihre Arbeit im ie „fast ohne Rechte, ausgeschlossen
vom öffentlichen Leben“ moralisch zu erziehen waren (Langer-Kaneko 1991: S.
100-106)[10]. Im Weiteren wurden
Nationalstaat und Familie in „Parallelstruktur“ gesetzt, beide galten nun als
„Modell“ füreinander, wobei der „Familienstaat (kazoku kokka)“, durch die
kaiserliche Familie verkörpert, als (patrilineare) „Ursprungsfamilie“ zu
verstehen war: „Der Kaiser wurde als Vater des Volkes gesehen, und das Volk
wurde als seine Kinder betrachtet.“ Realitär bildete sich zwar westlich
inspiriert (v.a. nach dem 1. Weltkrieg) eine Kernfamilie[11] (katei oder hómu von home) heraus, die 1920 auch in rund 54% aller Haushalte
vorzufinden war (vs. das ie in einem Drittel), das verstärkte jedoch nur den
Prozess der geschlechtlichen Arbeitsteilung und führte zur „‘Feminisierung‘ der
Familie“: Familie wurde zunehmend ‚privatisiert‘, verschwand aus dem
öffentlichen Diskurs und wurde „nur noch als eine die Frauen betreffende
Angelegenheit“ abgetan (Mae/Schmitz 2007: S. 53ff.). Ohne vollwertige Bildung
und bloß noch als privates Wesen ‚unsichtbar‘ geworden, sind die Entwicklungen
im 15jährigen resp. Pazifischen Krieg durch den „Einsatz der Frauen für den
Staat nicht als Rückschlag, sondern als Innovation“ und „als eine Form der
Frauenbefreiung“ zu begreifen[12]. Von 1932 bis 1942
wurden 20 Mio. japanische Frauen zur Großjapanischen Frauenvereinigung
staatlich zusammengeschlossen[13] (Linhart 2011a), womit
sie nun „eine wichtige Funktion für die nationale Öffentlichkeit und nicht mehr
nur eine Bedeutung innerhalb des Raums des ie“ innehatten, was „für ihre
soziale Stellung und für ihr Selbstverständnis sehr wichtig“ war. Die Mütterlichkeit
(bosei) erlangte zunehmend an Bedeutung[14], wurde mittels
„Muttertag“ auch symbolisch enger an die Kaiserin als „höchste Mutter“
gebunden, womit der öffentliche Bedeutungszugewinn für Frauen de facto die
Bindung an die Familie vertiefte. Indem nun aber die Frau als Mutter quasi in
den ‚Staatsdienst‘ gezogen wurde, erhielt sie dem ie-Patriarchen gegenüber eine
nicht gleichartige, aber (mindestens emotional) gleichwertige Aufgabe
zugewiesen, die die „Frauen als Stützpfeiler der Familie für die Erziehung der
nächsten Generation von Nationalbürgern“ durch den imperial-faschistischen
Staat qualifizierte (Mae/Schmitz 2007: S. 56-62).

3. Weibliche Individualisierung zur Zweiten Modernisierung 1945-1990

In über 340 Jahren waren Japanerinnen „aufs Dasein für die Familie und den zukünftigen
Ehemann“ (Beck-Gernsheim 2009: S. 20) beschränkt, ihre nuanciert gewandelte
Rolle blieb die von Männern zugewiesene einer „guten Ehefrau und weisen
Mutter“, wenn sie sich auch während des 15jährigen Krieges außerprivate
Handlungsräume erschlossen resp. vom androzentrischen Staat zugewiesen bekamen.
So wenig dadurch eine Herauslösung aus der Familie erfolgte, so sehr wurde der
Einsatz für ‚Nation und Männer‘ oft doch wie eine „erworbene Rolle“ aufgrund
des Heraustretens in die Öffentlichkeit und dort erfahrener Anerkennung als
„Hoffnung auf ein Stück ‚eigenes Leben‘“ (ebd.: S. 19) wahrgenommen.

Nach der Kriegsniederlage schloss sich für den Feindstaat Japan eine exogene
demokratische Neuordnung durch die Sieger- und Besatzungsmacht USA bis zur
Erlangung nationaler Souveränität 1952 an, wodurch sich auch für die Frauen die
Verhältnisse formal grundlegend änderten: Viele der diversen Nachkriegsreformen
waren „transwar endeavours“ – „Bestrebungen, die in Japan schon vor dem Krieg
betrieben worden waren“ u.a. durch Aktivistinnen der Seitósha -, die vom
„Frauenkomitee für Nachkriegsmaßnahmen“ eingefordert wurden
[15]:
Frauen gewannen bürgerrechtliche Gleichberechtigung, das patriarchalisch-patrilineare
ie „als soziale Einheit der Bevölkerung“ wurde abgeschafft[16] und eine Schul- und Universitätsreform eröffnete Mädchen „weitgehend dieselben Ausbildungsmöglichkeiten“ (Linhart 2011b: Abs. 1). Durch einen
„Konvoi-Kapitalismus“ als ein „Grundkonsens aus staatlichen Organen und
Großindustrie“ (Goydke 2013: S. 83) wurde das BIP Japans ab 1952 mehr als
verdreifacht und bis 1968 sogar zum zweitgrößten der Welt hinter den USA
(Klein/Kreiner 2010: S. 445f.). Dieser Master Frame fundierte „den politisch induzierten
Wunsch […], den Lebens- und Konsumstil einer prosperierenden Industriegesellschaft
führen zu wollen“[17].
Die „Ausbreitung einer industrialisierten Massengesellschaft […] sorgte sowohl
für die Angleichung der Einkommen als auch eine Nivellierung der
Lebensstandards in städtischen und ländlichen Gebieten“ und ließ sich durch
diesen Fahrstuhleffekt bis in die 1980er Jahre 90% einer homogenen,
klassenlosen 100 Millionen Mittelschicht zugehörig fühlen. Als forciertes
Selbstbild prägte das ein „allgemeines Mittelschichtbewusstsein“ aus (Bude et
al. 2012: S. 3; Schad-Seifert 2007: S. 1-7), wodurch „Konformität von der
Kooperation in der Produktion zur Konformität im Konsum verschoben“ wurde. Eine
„konservative Grundstimmung“ (Wright Mills) breitete sich in der Bevölkerung
aus, die keine plötzlichen Wechsel favorisierte und sich nicht länger über
Staat und Nation, sondern die Familie und die Firma als Garant eines
materiellen Lebensstils gruppistisch identifizierte (Ishida 1993: S. 160-164).
Dabei existierten nicht erst seit den Ölkrisen der 1970er Jahre
Geschlechtspolar „substanzielle Ungleichheitsstrukturen“ bei
Ressourcenzugang und –verteilung, weshalb Frauen „als Ehegattinnen, Mütter und
Konsumentinnen in der Mittelschichtgesellschaft integriert“[18] und „unter dem Klassenstatus ihres Ehemannes eingestuft“ waren, was „in Japan stärker als in anderen Industrieländern die Institution der Hausfrauenehe
gefördert hat.“ (Schad-Seifert 2007: S. 1-7)[19] Ein Aufbrechen
der Familie als idealen Vergesellschaftungskern ist nicht erkennbar, vielmehr
blieb sogar die ie-typische Dreigenerationenfamilie faktisch relevant (1960 in
28%, 1990 in 17,2% der Haushalte, in Deutschland 1992 nur in 1,6%), wo 1975
31,2%, 1990 noch 30,3% aller Kinder i.a.R. in einer lehrbuchmäßigen
Zwei-Kinder-Familie aufwuchsen. Auch wurden rechtlich erleichterte Scheidungen
nur ‚tröpfelnd‘ wahrgenommen: Von 1943 bis 1950 verdoppelte sich die Rate zwar
angesichts neuer Optionen rasant (Linhart 2011b: Abs. 4), lag 1960 aber nur bei
0,074% und verdoppelte sich in 35 Jahren 1995 auf 0,161%[20].
Der Anteil außerehelicher Gemeinschaften und außerehelicher Kinder von je 1,1%
lag niedriger als in allen Industrieländern (Lützeler 1996: S. 5-8). Allgemein
ist festzuhalten: „Japan ist vermutlich in der Gegenwart diejenige Industrienation, in der der [frauenzentrierte; D.S.] Einfluß am geringsten ist“ und wo „Heirat bedeutet, daß die Frau die Mitgliedschaft in ihrer Familie aufgibt und durch den Initiationsritus der Trauung Vollmitglied in der Familie ihres Mannes wird“, was für „die Mehrheit der Familien im heutigen
Japan“ gilt, und wo in männerzentrierter Teilkultur in der „Berufswelt […]
deutlich sichtbar sozialer Status auf der sozialen Beziehung zwischen Männern
beruht.“ (Helle 1981b: Kap. 3f.)[21]

Zwar von der androzentrischen Normbiographie eingerahmt, hatte sich die weibliche
Normalbiographie dennoch merklich geändert: 1905 geboren, nur bis 13 zur Schule
gegangen, bis 23 industriell gearbeitet und dann geheiratet, gebar diese
„statistische Frau“ mit 38 ihr letztes Kind, das sie mit 44,5 zur Schule
schickte und bei dessen Heirat sowohl ihre Arbeit beendete als auch mit 63 dem
Tode nahe war. 1959 geboren stand eine 7 Jahre längere Ausbildung der „statistischen
Enkelin“ offen, die erst mit 25,4 heiratete, das zweite als letzte Kind kam mit
29 zur Welt, das sie mit 35 zur Schule schickte, so dass sie bis zum
Pensionsalter von 55 rund 20 Jahre arbeitete und sich eine 25jährige Phase
reiner „Hausfrauenehe und Paarexistenz“ bis zum Tod mit über 80 noch anschloss
(Lenz 1990: S. 77).

Die „traditionelle Rolle“ („Die Ehe ist das Glück der Frau“) und die „Unterdrückung
der Japanerin[nen]“ als „die braven Heimchen am Herd“ durch androzentrische
Verhältnisse scheinen manifest, was als „moderne Mythen“ einer „industriellen
Tradition“ zu relativieren ist, indem „nach der Macht der japanischen
Hausfrauen in Heim, Nachbarschaft und Gemeinde zu fragen“ ist (ebd.: S. 73-75).
Dafür ist auszuholen: Die auf ein 6-3-3-4jähriges System für beide Geschlechter
erweiterte Bildung erwies sich als ambivalent. Der Anteil der Mädchen, die nach
9jähriger Pflichtausbildung die Höhere Schule besuchten, erhöhte sich enorm von
1955 47% bis 1975 auf 93%, stabilisierte sich 1980 bei 93,8% (Jungen 56/91/92%)
(Langer-Kaneko 1991: S. 113), 1989 begannen auch erstmals mehr Frauen 36,8% als
Männer 35,8% ein Studium und mit 240.000 zu 230.000 traten auch mehr graduierte
Frauen als Männer in den Beruf ein… Jedoch hatten sich gemäß traditioneller
Rollenbilder eingeschränkte Lehrpläne an Frauenuniversitäten (Schwerpunkt
Hauswirtschaftskunde) und Frauenkurzhochschulen mit einer 2 Jahre kürzeren
Studienzeit etabliert, die statt gleichwertiger eine geschlechtsrollenspezifische
Lehre vermittelten, wo die junge Frau als im Privaten agierende Ehe-, Hausfrau
und Mutter in spe angesehen wurde (Kameda 1991: S. 130f.). Ein „gewisses
Bildungsniveau“ wurde von ihnen zwar erwartet, die Fähigkeit zur
Haushaltsführung und Versorgung der Eltern stand aber im Fokus. Das machte
bereits die Mädchenerziehung in der Familie und Schule aus, weshalb
kostspielige Nachhilfe[22] zur Schulzeit primär den Söhnen zukam, damit diese sich für ein Vollstudium
qualifizieren und darüber in einen festen Beruf eintreten könnten, um folgend
als „Ernährer“ eine eigene Familie zu führen (Teruoka 1990: S. 93f.). Die derart
oft finanziell beschnittenen Ausbildungsmöglichkeiten für Mädchen ließen ihnen
die individualisierungstypische „Wahl unter Restriktionen“ (Beck/Beck-Gernsheim
1993: S. 182), trotz dieser Hürden zu studieren und selbst bei Abschluss kaum
adäquate Berufsperspektiven zu haben (s.u.) oder als Hausfrau die Hausarbeit
als „Beruf und Berufung“ anzunehmen. Diese Wahl verfestigte dann zwar die geschlechtspolare
Arbeitsteilung, darf aber nicht auf ‚putzen und kochen‘ verkürzt werden.
Vielmehr ergriffen diese Hausfrauen und Mütter aus ihren Rollen heraus aktiv
den „Reis-Kochlöffel“ als Symbol selbständiger Wirtschaftsführung, um
öffentlich als Konsumentinnen, Erzieherinnen in Parent-Teacher-Associations der
Schulen und Gestalterinnen in kommunalen Nachbarschaftsvereinigungen (jichikai)
oder ökologischen Bürgerinitiativen aufzutreten. Diese „Ausweitung der
Hausfrauenrolle in die Gemeinde“ förderte soziale Netzwerke, ließ ehrenamtlich
bei z.B. Erdbebenübungen helfen und richtete sich als Konsumentinnen durchaus
demonstrativ auch gegen Großkonzerne, blieb in „Verlängerung der […]
Verantwortung“ im Anspruch auf „Macht über ‚Kinder, Küche, Kasse‘“ dem
Selbstverständnis nach als „traditionelle Frauenorganisationen“ jedoch eine
„Teilströmung der ‚industriellen Tradition‘“ (Lenz 1990: S. 85-88)[23]

Ein „Drei-Phasen-Schema des (spezifisch) weiblichen Lebenszyklus“ verunmöglichte
Frauen das Ideal lebenslangen Erwerbs bei steigendem Lohn, da ihre Ansprüche
mit dem ersten Kind quasi verloschen (Lenz 1993: S. 253). Das hatte eine „sehr
ausgeprägte Diskontinuität von Frauenerwerbsbeteiligung“ (Weber 1990: S. 105)
zur Folge, dass sie durch den „Mutter-Malus“ i.a.R. nur noch „als relativ
ungeschützte ‚Randbelegschaften‘ oder Teilzeitbeschäftigte“ tätig werden
konnten. 1983 hatten zwar 21% die magische 10 Jahresgrenze dauerhafter Beschäftigung
erreicht[24], mussten mangels öffentlicher Betreuungsangebote jedoch ‚kreative Lösungen‘ für ihre Kinder finden (Lenz 1990: S. 83). Für Mütter üblich und in keinem Industrieland so sehr ausgeprägt blieb ein „umfassender Rückzug aus der Erwerbsarbeit in der kritischen Phase der Kinderbetreuung“ (Weber 1990: S. 105). Andererseits gab es auf bloß „perspektivlosen Frauenarbeitsplätzen“ für die oft überqualifizierte
„office lady“ als „Mädchen für alles“ meist nur „Teeservieren“ und „Bedienen
des Kopiergeräts“ als ‚verzierende Aufgabe‘. Dass von hier die Grenze zum
Salaryman unüberwindbar war (ebd.: S. 114 u. 120), ist anschauliches Beispiel
für das Paradox, dass die umso qualifizierteren Frauen oftmals umso niedrigere
Arbeiten erhielten, gerade weil sie ob ihres verlängerten resp. 4jährig
normalen Studiums bis zur erwarteten Heirat nur noch kürzere Zeit dem
Unternehmen zur Verfügung standen und darum keiner anspruchsvollen Tätigkeit
wertgeschätzt wurden (ebd.: S. 106f.). Ihr Einkommen blieb so strukturell
hinter dem männlicher Arbeitnehmer zurück, ergänzte so nur das Haushaltsbudget,
was wiederum vielfach auch zur Begleichung hoher Mieten, eines Hauskaufs oder
der Kinderausbildung von Nöten war (Teruoka 1990: S. 96). Die Nachfrage nach
weiblichen „Arbeitsbienen“ in konjunktureller „Lückenbüßer- und
Pufferfunktion“, dass sie in Aufschwungsphasen als erste eingestellt und in
Krisenzeiten als erste entlassen und so zu „Gastarbeiterinnen im eigenen Land“
wurden, stieg im Wandel zu einer Dienstleistungsgesellschaft an. Dieser Bedarf
nach einer Flexibilisierung des Beschäftigungssystems dürfte mehr als das zu
Ende gehende UN-Jahrzehnt der Frau 1986 zur Ratifizierung des Gleichbehandlungsgesetzes
geführt haben (Weber 1990: S. 105-122), das weitgehend nur ins Gesetz goss, was
zuvor bereits in den „tausend kleinen Schritten und Auseinandersetzungen“ zur
Praxis gemacht worden war (Lenz 1990: S. 78). Trotz dieser Widerstände und
Ausgrenzungen gilt: „Berufstätigkeit ist selbstverständlich“ geworden für
Frauen, was in Zahlen auszudrücken ist: Die Hälfte über 15 übte einen Beruf
außerhalb des Haushalts aus, 74% der 20-24Jährigen arbeiteten bis kurz vor dem üblichen
Heiratsalter, der Anteil der 30-34Jährigen sank auf 51% und stieg zwischen 45
und 49 wieder auf 70%, dass die kinderbedingte ‚Rückzugsdelle‘ signifikante 19%
ausmacht. Von den Verheirateten arbeiteten 52% (Teruoka 1990: S. 95-97).

<p<an die="" seite="" der="" „professionellen="" hausfrauen“="" in="" zyklischer="" erwerbsarbeit="" traten="" zunehmend="" „karrierefrauen“="" und="" bildete="" sich="" eine="" „frauennetzwerkbewegung“,="" ihnen="" neue="" handlungsräume="" erschließen="" sie="" aus="" traditionellen="" rollen="" lösen="" sollten="" (linhart="" o.a.),="" um="" „auf="" dem="" weg="" zur="" gleichberechtigung“="" zu="" treten.="" das="" hatte="" einstellungsänderungen="" folge,="" dass="" innerhalb="" des="" un-jahrzehnts="" frauen="" seit="" aufkommen="" von="" libu="" undó="" 1975="" 20%="" hälfte="" mehr="" (30,6%)="" 1985="" 24-29jährigen="" unverheiratet="" blieben="" so="" den="" normallebenslauf="" willentlich="" aufbrachen="" (teruoka="" 1990:="" s.="" 96).

4. Sozioökonomische Zeitenwende – Soziale Folgen der Bubble Economy

Eine Positionsbestimmung der Geschlechter und „ihre gesellschaftliche Situierung
zueinander im Prozess der Modernisierung“ (Jurczyk 2009: S. 57) fällt bis
hierhin ambivalent aus: in einer familienzentrischen Gesellschaft (ie shakai)
stärker als in anderen Industrieländern auf die Rolle der Hausfrau festgelegt,
erweiterten sich diese Hausfrauen in organisierten Verbünden ihre Rollenkompetenzen
und griffen erstmals aktiv von sich aus auf zumindest kommunale Öffentlichkeit
hinaus, für die sie Handlungsmacht für sich beanspruchten. Das verfestigte
wiederum durchaus auch selbstgefördert die geschlechtspolaren Rollen(bilder),
indem sie die „Komplexitäten der Gleichheitsforderungen“ übergingen und sich
nicht den „Frösten der Freiheit“ aussetzten (Lenz 1990: S. 88). Es blieb jedoch
fast nie bei innerhäuslicher oder kommunalnaher Hausarbeit, die durchaus „als
Arbeit gesehen und anerkannt“ wurde (ebd.: S. 84), vielmehr war – wenn auch
i.a.R. inferior positioniert – Erwerbsarbeit bei mehr als der Hälfte aller
Frauen selbstverständlich, was auf der ‚Hinterbühne der Gesellschaft‘ die
japanische Prosperitätsphase erst fundierte, aber entlang rollenspezifischer Attributionen
trotz zunehmender Bildungsqualifikationen zu ausgeprägtem Diskontinuitätserwerb
beitrug. Durch die Kraft westlicher Frauenbewegungen zur „Transformation der
Intimität“ inspiriert (vgl. Kern 2010: Kap. 4.1), kam ab den 1970er Jahren v.a.
mit der Libu undó nach 1911 eine zweite Frauenbewegung auf (vgl. Konkel 2013;
Linhart o.A.; Terasaki 1991), die die Grundsteine für ganz anders zu denkende
Konzepte selbständiger Frauen legte und in der ie shakai erste Ansätze einer
„Unabhängigkeit vom Zugriff der Familie“ (Beck-Gernsheim 2009: S. 17) denken
und ‚sprießen‘ ließ.

Diese Entwicklungen aus den Reihen der Frauen heraus sind makrologisch zu umrahmen: Statt
dass es durch die bis dahin Modernitätsstandards setzende
„Vorreitergesellschaft“ (Schwinn 2006: S. 30) zu einer erwarteten „Pax
Nipponica“ (Vogel 1993) kam, platzte mit 4jährigem Vorlauf 1990 eine Vermögens-
und Immobilienblase (baburu keizai) (Willam 2012), was mit 3 Rezessionen in den
1990er Jahren die Vorzeichen einer „Vollbeschäftigungsökonomie“ umkehrte, in
Japans „endogenen Krisenpotentialen ihres institutionellen Grundmusters zu
suchen“ ist und wodurch sich das „basale Institut der japanischen Beziehungen“
entsicherte (Hessinger 2004: S. 321ff.). Die Folgen sind Legion: Entsicherungen
auf dem Arbeitsmarkt ließen den toyotaistisch festangestellten Salaryman
(sei-shain) des sicher geglaubten Vergesellschaftungskerns Firma (vgl. Coulmas 2014: Kap. 11) inkl. betrieblicher Kranken- und Rentenversicherung unsicher werden. An seine Seite traten anteilig bald gleichauf furíta (Freeter =free Arbeiter), die nur in Aushilfs- oder
Teilzeitjobs (arubaito) tätig sind, deren Alter von Anfang zu Mitte 20 und
deren Zahl von Anfang der 1980er von 0,5 auf 2 Mio. 2005 stieg, dass 2006 rund
20% der 15-34Jährigen atypisch beschäftigt waren (wobei nur unverheiratete
Frauen miterfasst werden, Gattinnen weiterhin (!) als Teil des
Salaryman-Haushalts firmieren) (Hommerich/Kohlbacher 2007: S. 16-19)
[25]. Das ging
einher mit einer Entzauberung der bis dato andro-meritokratischen Erwerbsarbeit
durch die Verdoppelung der Arbeitslosigkeit von 1991 2,1% auf 5,4% 2002 – eine
„lost decade“ und unverkennbare „Erosion des Normalarbeitsverhältnisses“.
Sozialstrukturell hatte dies eine zunehmende Einkommensungleichheit und eine
abnehmende soziale Mobilität zur Folge, was prekäre Beschäftigung von 15% 1984
auf 35,2% 2012 ebenfalls mehr als verdoppelte (gut 15% der Japaner gelten als
arm). Zuvor betrieblich übernommene soziale Sicherungen wie Fürsorgeleistungen
wurden stetig gekürzt, hingegen bisher unzureichend wohlfahrtstaatlich
kompensiert – „sicherheitsspendende Selbstverständlichkeiten“ schmolzen daher
dahin und ließen v.a. derart „Enttrieblichte“ sich sozial exkludiert fühlen
(Bude et al 2012: S. 3-6; Hommerich 2011: S. 265ff.; Hommerich/Schöneck 2014:
S. 6-9ff.).

Was direkt den Männern widerfuhr, wirkte sich auch zu den Frauen durch: Ohne den
Bedarf einer Vollbeschäftigungsökonomie rutschten sie erneut in ‚ein Tal‘ des
Diskontinuitätserwerbs: ihre Arbeitskraft war weniger nachgefragt, durfte wegen
des Gleichbehandlungsgesetzes aber nicht abgelehnt werden, was ihren Status als
teilzeitangestellte Freeter, der für sie somit nicht so überraschend neu wie
für die Männer war, eher festigte und die Aussicht auf Festerwerb verdüsterte[26]. Erst nach
1999 zunehmend wahrgenommene und den Glauben an die homogene Mittelschicht erschütternde reale Ungleichheiten vertieften die Hoffnung auf das meritokratische Prinzip
nur noch und führten bei der Bildung zu einer „Hyper-Meritocracy“
(Hommerich/Schöneck 2014: S. 22)[27].
Diese Prozesse ließen Männer wie Frauen „zur Individualisierung verdammt“ sein
(Beck/Beck-Gernsheim 1993: S. 179), was auch die Familien spürbar betraf: die
androzentrisch-familiare Normbiographie brach durch die Entsicherung des Mannes
als ‚Ernährer‘ auf, wenn eine Familiengründung auch „natürlicher Wunsch“ und
„Lebensideal in der Organisation von Lebenszyklen“ blieb. Doch veränderte sich
das Heiratsverhalten signifikant durch die Trends „zum Heiratsaufschub/zur
späten Heirat“ (bankonka), „zum Ledigsein“ (mikonka) wie „zur (dauerhaften)
Ehelosigkeit“ (hikonka), die sogar den 30. Geburtstag als „magische Grenze für
eine Hochzeit“ verflüssigten. Die Zahl der Eheschließungen sank seit 1980 zwar
nicht mehr merklich[28],
aber das Heiratsalter stieg bei Frauen von 1975 24,7 auf 28 Jahre 2005 (Männer
27/29,8) inländisch rasant an. Da gleichzeitig Kohabitation unerwünscht blieb
(Kottmann 2009: S. 114-119), ist zwar ein auffallender Anstieg um 0,9 auf 2%
bei außerehelichen Kindern festzustellen (in den USA ein Drittel), dennoch
bleiben sie die tabuisierte Ausnahme, obwohl sich der Anteil 35-44jähriger
lediger Frauen in 20 Jahren bis 2005 auf 15% verdreifachte. Kinderbekommen und
Ehe ist quasi kongruent zu setzen, während in der „lost decade“ die Scheidungsrate
angesichts brüchiger und fraglicher Verhältnisse 2000 auf (in 90,9% der Fälle
einvernehmlich erfolgte) 0,21% hochschnellte und so hoch lag wie zuletzt vor
der Taishó-Zeit (1912-1926). Hierdurch zeichnen sich ganz neue Handlungsräume
für die temporär viel länger unverheiratet bleibenden Frauen ab, die m.E.
jedoch weniger als noch zur Prosperitätszeit wie durch Libu undó bestrebt auf
intrinsischem Selbstbewusstsein wider die einengenden Umstände (von Haus und
Mann) fußen, sondern Folge der ökonomischen Lage sind, die einen
arbeitsplatzsicheren „Ehemann als Luxusgut“[29],
das Familienführen finanziell riskant und praktisch weniger attraktiv sein
lassen (Fuess 2002: S. 75-78; Schad-Seifert 2006; 2013).

Im Feld der Medien als „Ort der Erzeugung geschlechtlicher Bedeutung“ (Fritzsche) ergriff eine „born into feminism“-Generation junger Frauen (Girls) in Nachfolge der Riot-Grrrl–Bewegung
von Anfang der 1990er Jahre zumindest bis zur Ehe den ‚Status im Freiraum‘ als
„citizens, consumers, producers“, um von Fans zu „new heroes of popular
culture“ (Harris) zu werden. Zu „powerful citizens“ werden diese Girls durch
Konsum als „Möglichkeit zur Entfaltung symbolischer Kreativität“, womit sie
sich ‚populärkulturell ermächtigen‘, um so eine „feministische Mikropolitik“ als
„Politik der Subjektwerdung“ zu betreiben. Für diese Girls ist Populärkultur
ein „Ort der Hervorbringung von Widerständigkeit“ (Thomas), wo sie als
konsumierende Fans und eigene Produzenten von Mangas und Co. kulturelles
Kapital erzeugen, das sie aber kaum in ökonomisches konvertieren können und
daher doch i.a.R. „in einer marginalisierten Position“ verbleiben (nach
Hülsmann et al. 2016: S. 3-6). Manch anderer Rahmen bleibt derweil altbekannt:
Unter den Frauen gehen 2016 66% (2013 62%) der arbeitsfähigen arbeiten, wovon
75% resp. 49,5% der arbeitsfähigen es nur als „part timer“ können[30] und sie
selbst bei gleicher Arbeit 27% (2013 33%) weniger verdienen; 70% der Mütter mit
Neugeborenem kehren nicht in den Beruf zurück, was die Erwerbs- Ende 20 weiter
zur einknickenden M-Kurve werden lässt[31].
Und wo – noch so spät – geheiratet wurde und selbst wenn beide Ehepartner
arbeiten, fallen mit 4,3 zu 1 Stunde über 80% der Hausarbeit der Frau zu, was
ihr schon im ‚eigenen Heim‘ einen Vollzeiterwerb nahezu verunmöglicht. Neben
Hürden auf der Makro- und Meso- kommen realitär noch solche auf der Mikroebene
hinzu, die dafür sorgen, dass in Vorständen nur 1,1% (2013 1%) und im
unteren und mittleren Management 11,9% Frauen sitzen. Weniger sind es in keinem
Industrieland, obwohl Frauen als die „größte ungenutzte Ressource“ (Abe) als
ökonomisches Gut (an-)erkannt wurden, durch deren Erwerbsarbeit das japanische
BIP um 16% steigen könnte (Lill 2013; Rothaas 2016), was das Verhältnis von
Männern zu Frauen von 3 zu 2 (59,3% vs. 40,7%) an der arbeitenden Bevölkerung
noch unterstreicht (Linhart 2001). Für „eine Gesellschaft, in der die Frauen
glänzen“ können, wurde 2013 regierungsseits das Programm „Womenomics“
gestartet, „mit dem 30 Prozent der Führungspositionen bis 2020 an Frauen gehen
sollen.“ (Fleuri 2016) Aufgrund dieser ökonomisch unsicheren und sozial
‚verschobenen‘ Verhältnisse breiteten sich „parasitäre Singles“ (parasaito
shinguru) aus (1995 10 Mio., fast 8%), was sich als „private Entscheidung und Lebensform“
ihrer Zahl, Ursachen und Folgen wegen zu einem sozialen Problem ausgewachsen
habe (erhöhte Lebenshaltungskosten, soziale Entfremdung, …), da sie „in
psychischer und ökonomischer Not […] keine Hilfe bekommen [und; D.S.] kaum anders
als Flüchtlinge“ in der ie shakai zu kazokunanmin, zu exkludierten Mitgliedern
in einer „Gesellschaft im Familienexil“ geworden sind (Yamada nach Bilke 2015).

5. Japanischer Sonderweg oder typischer Verlauf?

Der Rückblick auf 413 Jahre Geschichte japanischer Frauen weist Parallelen zum
deutschen Pendant auf, die sich deskriptiv wie analytisch gleich fassen lassen,
kulturell ausgeformte und beharrende Eigenheiten fallen aber ebenso auf: In den
vormodernen 265 Jahren des Sakoku verfestigten sich durch den
Staatskonfuzianismus kosmisch legitimiert soziale Axiome einer dem Mann
lebenslang unterwürfigen und gehorsamen Frau, die ins Haus verbannt an Bildung
als Moral nur vermittelt bekam, was für sie als shufu (Hauptfrau und
Hausherrin) zur Haushaltsführung und zur Unterhaltung des Mannes von Nöten war.
Mit der Meiji Ishin 1868 nach exogener Öffnung begann für Japan eine erste
Modernisierung und für die Japanerinnen eine erste Phase ambivalenter
Individualisierungstendenzen. Zum einen gerann das ie-Familiensystem zur nationalen
Norm, die durch die kokutai—Ideologie als „nichtreligiöse Religion“ (Hagiwara
1989) den Tennó zum Vater des Volkes im Familienstaat machte und wo die Übergänge
von ‚innerer zu äußerer‘ Familie durch das ‚Kontrollorgan Patriarch‘ fluide
waren. Zum anderen, wenn auch in der familienstaatlichen Gemengelage stets
zugewiesen, erhielten die Japanerinnen die Chance auf Bildung, die für sie auch
schnell selbstverständlich wurde, allerdings nicht intellektuell förderte,
sondern im Sinne des androzentrischen Staates sehr frauenspezifische Inhalte
erneut konfuzianischer Moral vermittelte. Der Ausweg für sie war katei, die
Kernfamilie, in die sie sich ‚zurückzogen‘, wo sie zwar als shufu westlicher
Prägung innerhäuslich nun alles alleine erledigen mussten, sich hier jedoch
auch ein Frei-Raum auftat, in dem sie für sich bleiben konnten. Aufwind erhielt
die Kernfamilie als ‚weiblicher Schutzraum‘ durch die 1911 aufkommende erste
japanische Frauenbewegung, die die insgesamt sozial freizügigere, für
parlamentarische Rechte eintretende Taishó-Zeit zum „Erwachen des ‚Modernen
Ich‘ um 1920“ (Lenz 1990: S. 73) nutzte. Nichtintendierte Nebenfolge war die
zunehmende Feminisierung und Privatisierung der Kernfamilie, die ihre inneren
Freiräume auf Kosten des Verschwindens aus der Öffentlichkeit erkauft hatte und
nun vermehrt als rechtsfreier Raum“ galt. Aus dem Freiraum wurde so emotional
ein ‚Gefängnis‘, wenn sich ‚zum Ausgleich‘ spätestens jetzt auch ein
intensiviertes Mutter-Kind-Verhältnis herausbildete. Ab den 1930er Jahren zur
Shówa-Zeit endeten die relativen Freiheiten, Japan entwickelte sich zu einem
nationalistisch-imperialistischen Akteur und in der Zuspitzung des Pazifischen
Krieges änderte sich die zugewiesene Rolle der Frauen erneut: Aus ihrer
familiären Privatheit wurden sie staatlich herausgeholt, um den männlichen
‚Kriegern‘ in der Heimat den Rücken freizuhalten und als „gute Hausfrauen und
weise Mütter“ diverse Tätigkeiten in der Öffentlichkeit auszuüben, was ihnen
ein Gefühl der Befreiung aus der Bedeutungslosigkeit gab.

Dennoch war für sie wesentlich, „dass Japan den Krieg verloren hat“ (Imai nach Linhart
2011b), weil erst durch die Nachkriegsreformen exogen erzwungen eine rechtliche
Gleichstellung erfolgte. Von dieser Basis aus konnte eine „mittlere Generation“ von Frauen aufgrund ihrer Kriegserfahrungen eine „Demokratisierung der Familie ‚von unten‘“ durch Relativierung des patriarchalischen Haushaltsvorstandes und Befreiung von der real spürbareren
schwiegermütterlichen Kontrolle versuchen. Unter diesen neuen Vorzeichen war
die Wendung junger Frauen zur auf 60% verbreiteten Kernfamilie als
My-Home-Denken ein Versuch zu „etwas größerer Eigenständigkeit“ zu verstehen,
auch weil die Orientierung der Männer am Betrieb durch den „Auszug der Väter“
„ein Vakuum zu Hause“ hinterließ. Die „Abkehr von der Norm der Unterordnung
unter die (Schwieger-)Eltern“ und die „Orientierung auf das Privatleben in der
Kleinfamilie unter Zurückstellung für den Betrieb und die Eltern“
[32] verlangte, alleine im Haushalt „auch ohne Rücksichten auf sie für sich leben und planen [zu; D.S.] können.“ Dem widerstand wertkulturell und strukturell
eine „industrielle Tradition“, die „spezifisch industriegesellschaftliche
Verhältnisse als ‚immer schon so gewesen‘ und traditionell“ und „letztlich als
selbstverständlich und unhinterfragbar“ darstellte, was das Bild von „guten Hausfrauen
und weisen Müttern“ memetisch tradierte. Und das so erfolgreich, dass 1973 97%
aller Frauen über 25 einmal verheiratet waren und nur 7,7% der 30-34Jährigen
(vorerst) nicht (Lenz 1990: S. 73-79). „Professionelle Hausfrauen“ und
„Erziehungsmamas“ modifizierten dieses Bild zwar nachhaltig, indem sie sich
durch aktiv betriebene Netzwerke manifest ein ‚kommunal-öffentliches
Hoheitsgebiet‘ erstritten, in dessen erweiterten „Haushalt als ihre ‚Domäne‘“
(Jurczyk 2009: S. 77) sie über „Kind, Küche, Kasse“ verfügten[33]. So
festigten sie aber – durchaus selbst-bewusst – auch konsumistisch als
„Hauptkäuferinnen der Familieneinheit“ (Lennox nach Baur 2013a) die bestehende
Geschlechtspolarität. „In der japanischen Gesellschaft sind die
Geschlechterwelten zwar komplementär, bestehen aber relativ unabhängig voneinander“
(Hülsmann et al. 2016: S. 1), obwohl es zu einer einseitig ‚unsichtbaren
Diffusion‘ kam: Während sich Männer „monogamer Arbeit“ (Gross) hingaben,
etablierte sich zum Besten der japanischen Vollbeschäftigungsökonomie (statt
eines reinen „Ernährer-Hausfrau-Modells“; Baur 2013b) ein „Eineinhalb-Personen-Berufs“-Modell (Beck-Gernsheim), durch das es zu einer „begrenzten Integration“ (Gottschall) der Frauen kam, die eine „doppelte Vergesellschaftung“ als Haus- und i.a.R. Diskontinuitätserwerbsarbeiterinnen
„auf Abruf“ durchlebten.

Die 1990 platzende Wirtschaftsblase entsicherte Gewissheiten und Integrationsmechanismen auf dem androzentrischen Arbeitsmarkt und führte zu einer „‘Feminisierung‘ der Arbeit“,
indem sich die bisher primär weiblichen Diskontinuitäten zu den Männern
durchschlugen: „die ‚Krise der Arbeit‘ erweist sich für
Männer als eine Infragestellung ihres Status Quo der vergangenen Jahrzehnte“ (zit.
nach Jurczyk 2009: S. 72-76). Diese sozioökonomischen ‚Einbrüche‘
führten die zuvor schon eingesetzten Trends fort: Die Heiratsrate ist seit den
1970er Jahren auf fast die Hälfte abgesunken, v.a. aber hat sich das
Heiratsverhalten verändert, ließ eine Heirat im Schnitt um Jahre später
eingehen und bis dahin, aber auch in absoluten Zahlen mehr denn je Singles
‚entstehen‘ und aufgrund ihrer sozial problematischen Begleiterscheinungen
erstmals ins Bewusstsein einer familienzentrischen Öffentlichkeit treten. Eine
lebensweltliche Folge eines allgemeinen Krisengefühls ist sugomori genshó
(Phänomen des Rückzugs ins Nest) als Rückzug (cocooning nach Popcorn) ins
eigene Heim (homing), wo frau sich durch sugomori shóhi (Nestrückzugskonsum)
„ein Stück eigenes Leben“ für die sugomori kazoku (Familie, die sich ins Nest
zurückzieht) ausgestalten will (Platz 2009: S. 244f.) und so nach der
Vorkriegs-katei und der Nachkriegs-Kernfamilie erneut das Private insb. für die
Frauen ins Zentrum rückt. Diese müssen sich aber auch als „Arbeitskraftunternehmer“
zunehmend in der Rolle als Freeter nicht nur mit prekarisierenden Verhältnissen
auseinandersetzen, sondern ihr Bestreben „weg von der ‚selbstverständlichen‘ Abweichung von der männlichen Norm“ selber erarbeiten (zit. nach Jurczyk 2009: S. 74f.). Im Feld medialer Popkultur können sie dies zwar ‚widerständisch‘ ausleben, nehmen auch kulturelles, aber eben nur selten
ausreichend ökonomisches Kapital ein. Und trotz zahlreicher Gesetzesreformen,
die sie seit 1986 schrittweise formal im Status angleichen lassen, bleiben sie
auf herkömmlichen Arbeitsplätzen sekuhara (sexueller Belästigung und Mobbing)
sowie als Mütter matahara (Mutterbelästigung, bspw. die Mutterschaftszeit nicht
wahrzunehmen) ausgesetzt (Fleuri 2016), dass sie alternativ nur den steinigen
Weg der Selbständigkeit gehen können, der sie anderen wertkulturellen ‚Frösten
der Freiheit‘ aussetzt (ebd.; Belz 2014; Rothaas 2016).

6. Fazit

Diese Arbeit stand vor dem Spagat, die Genese der Individualisierung japanischer Frauen der Gefahr wegen, „die Besonderheit der Veränderungen im weiblichen Lebenszusammenhang zu verkennen und damit auch die Entwicklungsdynamik und den sozialen und politischen Sprengstoff, die in der Bewußtwerdung von Fraueninteressen entfalten sind“, mit einem männlichen Maßstab zu messen und so „das ‚ewige Elend‘ der Zurücksetzung, Benachteiligung und Diskriminierung zu beklagen.“ Und der rein diachrone Blick barg „beim Vergleich der Frauengenerationen
die Gefahr, daß die fortbestehenden materiellen und sozialen Ungleichheiten
zwischen Männern und Frauen eingeebnet werden“, dem „wohlwollenden Bild eines
ständig fortschreitenden ‚Fortschritts‘“ geschuldet (Beck-Gernsheim 2009: S.
15f.). Auch um die unvertrauteren Umstände Japans angemessen einzubeziehen,
wurde daher die einleitend skizzierte doppelte Perspektive auf androzentrische
Sozialdominanzen und weibliche ‚Gegenbewegungen‘ gewählt, um so das
Superior-Inferior-Verhältnis zwischen den Geschlechtern ebenso diachron wie die
inferioren Handlungsspielräume der Japanerinnen in ihren Ambivalenzen
auszuleuchten. Nur derart kontextual lässt sich m.E. auch erst den „tausend
kleinen Schritten“ (Lenz 1990: S. 78) adäquat widmen, da sie ihre Relevanz für
die Japanerinnen erst angesichts der noch heute ausgeprägten ‚Männerherrschaft‘
offenbaren. Nur so wird der „Wandel im Schneckentempo“ (Stadlmayer 2000) als
Wechselspiel aus androstaatlichen Vorgaben ‚von oben‘ und den weiblichen
Ausgestaltungen ‚von unten‘ innerhalb dieser zugewiesenen Zwangsräume nachvollziehbar.
Auffallend, wie oft hierfür Aspekte des Konfuzianismus androgenehm selektiert
wurden, um die Unterwürfigkeit der Frauen kosmisch zu legitimieren (Edo-Zeit),
sie zur Bildung zwecks ‚restaurativer Modernisierung‘ der Nation in moralisch
engen Bahnen zu verpflichten (Meiji-Zeit), sie nach kurzer kernfamiliarer
Taishó-Zeit durch Überbetonung der Mütterlichkeit nationalistisch wieder für
die Volksfamilie einzufangen (Kriegs-Shówa-Zeit) und zur Prosperitätszeit – in
zum dritten Mal grundlegend geänderter Sozialordnung – die
Selbstverständlichkeit der Abweichung vom männlichen Lebenslauf trotz
steigender Frauenbildung und doppelter Vergesellschaftung durch ein
Eineinhalb-Personen-Berufsmodell aufrechtzuerhalten. Bis hierhin ist die Modernisierung
japanischer Frauen vergleichbar ihren deutschen Pendants „als ‚nachholende
Individualisierung‘ im Sinn zunehmender Arbeitsmarktpartizipation“ sowie auch
beziehungsorientiert als „gebundene Individualisierung“ (Diezinger) zu charakterisieren
(Jurczyk 2009: S. 78). Das Platzen der Bubble Economy verstärkte dann zuvor
dezidiert nur durch Libu undó bestrebte Befreiungsprozesse aus traditionalen
Verhältnissen. Durch die Verflüssigung normbiographischer Fixpunkte stieg „die
Unabhängigkeit vom Zugriff der Familie“, was männliche Risiken in die weibliche
Normalbiographie einbrechen und diese nun „vorbildlos“, offener und ungeschützter
sein lässt denn je (Beck-Gernsheim 2009: S. 17). Da eine Hochzeit nunmehr statt
als „Glück“ als „Grab des Lebens“ begriffen wird, sind bereits die Hälfte aller
Frauen Singles und heiraten anstelle eines Mannes lieber solo nur sich; falls
doch ‚normal‘, dann innerhalb von 7 Jahren 2012 mit 29,2 um im Schnitt erneut
1,2 Jahre später (Schnabel 2016). Auch werden die weltweit als bestgebildet
anerkannten Japanerinnen durch ein antiquiertes, gerichtsbestätigtes
Namensrecht paradoxerweise von der Ehe ferngehalten, so sie selbstbewusst ihren
Geburtsnamen beibehalten und nicht den des Mannes übernehmen wollen, was in nur
4% der Ehen einvernehmlich zu realisieren ist (SPON 2015). So förmlich in ein
„Familienexil“ gezwungen, obwohl rechtlich auf dem Arbeitsmarkt stetig gleichgestellter,
erweist sich ob gelebter sekuhara (Mobbing wegen des Geschlechts) auch der Berufsweg
nur selten als reintegrative Kraft. Biographische Freiheiten gibt es somit nur
durch oft entzaubernde Risiken, die so aus der zunehmend freiräumlicheren Norm-
eine Bastelbiographie gemacht haben, die japanische Frauen (wie die Männer) für
sich ausgestalten müssen, um so eine Reintegration selbständig zu erwirken. Und
in der Art des Zustandekommens und der auf sie einwirkenden Institutionen ist
durchaus von einer spezifischen weiblichen „Individualisierung auf Japanisch“
zu sprechen, die als eigenständige Variation des weiblichen
Individualisierungsschubs in Deutschland anzusehen ist (vgl.
Beck/Beck-Gernsheim 2010). Und das erbastelte Wie erweist sich als höchst
konträr: Hier sugomori als Nestrückzugsphänomen, wo erneut das Privathäusliche
zum Ausgestaltungsraum mit existenter Familie oder für Freunde wird; dort
bilden sich in einem schwach ausgeprägten und zivilgesellschaftlich ergo erst noch
zu festigenden Dritten Sektor (Foljanty-Jost/Haufe 2006) außerhäuslich in
Anschluss an die Hausfrauen- sowie Libu undó- stetig neue Frauennetzwerke „als
eine dritte Form der Institution neben Markt und Hierarchie“, „die eher als
horizontal denn vertikal strukturierte, flexiblere Formen der Organisation“,
somit „als ein alternatives Organisationsprinzip“ wider übliche „Top-Down“-Entscheidungen
Japanerinnen neue Handlungsmacht lokal und inter-/national für sich erschließen
lassen (Tanaka 2009: S. 17f.). Diese Lebenszusammenhänge lassen den
Individualisierungsstatus der Japanerinnen frei nach Beck-Gernsheim ebenfalls
als ein „Nicht-mehr“ und „Noch-nicht“ beschreiben!

7. Literaturverzeichnis

Monographien

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Eisenstadt, Shmuel N. (2006): Theorie und Moderne. Soziologische Essays. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

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Kern, Thomas (2010): Modernisierung und Protest – Politikformen individualisierter Betroffenheiten. Einführung in die Soziologie sozialer Bewegungen. Hagen: FernUniversität Hagen (Kursband).

Matsubara, Hisako (1983): Weg zu Japan. West-östliche Erfahrungen. Hamburg: Albrecht Knaus Verlag.

Matsubara, Hisako (1998): Raumschiff Japan. Realität und Provokation. Hamburg: Albrecht Knaus Verlag.

Schwentker, Wolfgang (2008): Die Samurai. München: C. H. Beck.

Tanaka-Naji, Hiromi (): Japanische Frauennetzwerke und Geschlechterpolitik im Zeitalter der Globalisierung. München: iudicium Verlag (Band 44).

Aufsätze in Sammelbänden

Antoni, Klaus (1992): Tradition und „Traditionalismus“ im modernen Japan – ein kulturanthropologischer Versuch. In: Krebs, Gerhard u. Küppers, Andreas N. (Hg.): Konflikt. München: iudicium Verlag (Japanstudien, 3).

Beck, Ulrich u. Beck-Gernsheim, Elisabeth (2010): Chinesische Bastelbiographie? Variationen der Individualisierung in kosmopolitischer Perspektive. In: Honer,
Anne et al. (Hg.): Fragile Sozialität. Inszenierungen, Sinnwelten, Existenzbastler. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Beck-Gernsheim, Elisabeth (2009): Vom „Dasein für andere“ zum Anspruch auf ein Stück „eigenes Leben“ – Individualisierungsprozesse im weiblichen Lebenszusammenhang. In: Wilz, Sylvia (Hg.): Struktur, Konstruktion, Askription – Theoretische und empirische Perspektiven auf Geschlecht und Gesellschaft. Hagen: FernUniversität
(Kursband).

Bude, Heinz et al. (2012): Das Gefühl der Krise – Prozesse sozialstruktureller Verortung im deutsch-japanischen Vergleich. In: Soeffner, Hans-Georg (Hg.):
Transnationale Vergesellschaftungen. Verhandlungen des 35. Kongresses der
Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Frankfurt am Main 2010, CD-ROM. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Distelraht, Günther (2010). Die vorindustrielle Dynamik der frühen Neuzeit. In: Kreiner, Josef (Hg.): Kleine Geschichte Japans. Stuttgart: Reclam.

Foljanty-Jost, Gesine u. Haufe, Karoline (2006): Bürgerliche Gesellschaft versus Zivilgesellschaft – Die neuere Debatte in Japan. In: Hack, René (Hg.): Arbeitswelten in Japan. München: iudicium Verlag (Japanstudien, 18).

Goydke, Tim (2013): Die Rolle des Staates in der japanischen Wirtschaftsentwicklung nach 1945. In: Holdgrün, Phoebe u. Vogt, Gabriele (Hg.):
Modernisierungsprozesse in Japan. München/Tókyó: iudicium Verlag.

Helle, Horst Jürgen (1981a): Auf dem Weg zur matrilinearen Gesellschaft? 429-440 in: Joachim Matthes (Hg.): Lebenswelt und soziale Probleme. Verhandlungen des 20.
Deutschen Soziologentages zu Bremen 1980. Frankfurt am Main: Campus.

Holdgrün, Phoebe u. Vogt, Gabriele (2013): Modernisierungsprozesse in Japan – von Meiji
bis zur Gegenwart. In: Holdgrün, Phoebe u. Vogt, Gabriele (Hg.):
Modernisierungsprozesse in Japan. München/Tókyó: iudicium Verlag.

Hülsmann, Katharina (2016): Einleitung – Japanische Populärkultur und Gender. In:
Hülsmann, Katharina (Hg.): Japanische Populärkultur und Gender. Ein
Studienbuch. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften (Geschlecht und
Gesellschaft, 62).

Hommerich, Carola (2011): Neue Risiken, neues Selbstbild – Japan in verunsicherten Zeiten.
In: Chiavacci, David u. Wieczorek, Iris (Hg.): Japan 2011 – Politik,
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Hommerich, Carola u. Kohlbacher, Florian (2007): Japans „freie Arbeiter – individueller
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Hommerich, Carola u. Schöneck, Nadine M. (2014): Vorzeigenationen unter Druck? Wahrnehmungen von sozialer Ungleichheit und Statuserwerbsprozessen – Deutschland und Japan im Vergleich. In: Working Papers 14/2. Tokyo: Deutsches Institut für Japanstudien
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Imai, Yasuko (1991a): Vor dem Tagesanbruch für Frauen. Ein sozialhistorischer Essay.
In: Linhart, Ruth (Onna da kara – weil ich eine Frau bin – Liebe, Ehe und
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16).

Ishida, Takeshi (1993): Die Integration von Konformität und Konkurrenz. In: Menzel,
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Jurczyk, Karin (2009): Geschlechterverhältnisse in Familie und Erwerb – widersprüchliche
Modernisierungen. In: Wilz, Sylvia (Hg.): Struktur, Konstruktion, Askription – Theoretische und
empirische Perspektiven auf Geschlecht und Gesellschaft. Hagen: FernUniversität
(Kursband).

Kameda, Atsuko (1991): Die Frau als Lehrende und Lernende an japanischen Universitäten.
In: Gössmann, Elisabeth (Hg.): Japan – Ein Land der Frauen? München: iudicium
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Klein, Axel u. Kreiner, Josef (2010): Japan in der zweiten Hälfte des 20.
Jahrhunderts. In: Kreiner, Josef (Hg.): Kleine Geschichte Japans. Stuttgart:
Reclam.

Langer-Kaneko, Christiane (1991): Zur Geschichte der Erziehung und Bildung der Frau in Japan,
reflektiert an ihrer Rolle in der Gesellschaft. In: Gössmann, Elisabeth (Hg.):
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Lenz, Ilse (1990): Hausarbeit als Beruf und Berufung. In: Linhart, Ruth u. Wöss,
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Lenz, Ilse (1993): Die unsichtbare weibliche Seite des japanischen Aufstiegs:
Das Verhältnis von geschlechtlicher Arbeitsteilung und kapitalistischer
Entwicklung. In: Menzel, Ulrich (Hg.): Im Schatten des Siegers – Japan –
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Lützeler, Ralph (1996): Die japanische Familie der Gegenwart – Wandel und Beharrung aus
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Kottmann, Nora (2009): Heirat in Japan heute. Japan – ein Heiratsparadies!? In: Hoppner,
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10.-11.07.2008. Berlin: JDZB – Japanisch-Deutsches Zentrum Berlin (Reihe 1,
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moderne Familie in Japan und Deutschland bis 1945. In: Backhaus, Peter (Hg.):
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Obayashi, Taryó (1995): Traditionelle Gesellschaftstypen und Kulturprovinzen in Japan.
In: Hemmert, Martin u. Lützeler, Ralph (Hg.): Raum. München: iudicium Verlag
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Platz, Anemone (2009): Sutekina kurashi – Rückbesinnung auf Heim und Familie. In:
Chiavacci, David u. Wieczorek, Iris (Hg.): Japan 2009 – Politik, Wirtschaft und
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Japanforschung.

Schad-Seifert, Annette (2006): Japans kinderarme Gesellschaft – Die niedrige Geburtenrate und
das Gender-Problem. In: Working Papers 06/1. Tokyo: Deutsches Institut für
Japanstudien / Stiftung D.G.I.A..

Schad-Seifert, Annette (2007): Japans Abschied von der Mittelschichtgesellschaft. Auflösung
des Familienhaushalts oder Pluralisierung der Lebensformen? In: Backhaus, Peter
(Hg.): Familienangelegenheiten. München: iudicium Verlag (Japanstudien, 19).

Schad-Seifert, Annette (2013): „Der Ehemann als Luxusgut“ – Japans Trend zur späten Heirat.
In: Holdgrün, Phoebe u. Vogt, Gabriele (Hg.): Modernisierungsprozesse in Japan.
München/Tókyó: iudicium Verlag.

Schmidtpott, Katja (2011): Die familiale Tischgemeinschaft in Japan zwischen Ideal und Alltagspraxis vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. In: Chiavacci, David u. Wieczorek,
Iris (Hg.): Japan 2011 – Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Zürich: VSJF –
Vereinigung für sozialwissenschaftliche Japanforschung.

Schubert, Volker (2006): Individualisierung und Konformität – Kontrastierende Modelle in
Japan und Deutschland. In: Schwinn, Thomas (Hg.): Die Vielfalt und Einheit der
Moderne. Kultur- und strukturvergleichende Analysen. Wiesbaden: VS Verlag für
Sozialwissenschaften.

Schwinn, Thomas (2006): Die Vielfalt und die Einheit der Moderne — Perspektiven und
Probleme eines Forschungsprogramms. In: Schwinn, Thomas (hg.): Die Vielfalt und
Einheit der Moderne. Kultur- und strukturvergleichende Analysen. Wiesbaden: VS
Verlag für Sozialwissenschaften.

Terasaki, Akiko (1991): Die Frauenbewegung in Japan während der siebziger und achtziger
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Teruoka, Itsuko (1990): Gedämpfer Optimismus. Frauen auf dem Weg zur Gleichberechtigung.
In: Linhart, Ruth u. Wöss, Fleur (Hg.): Nippons neue Frauen. Hamburg: Rowohlt.

Vogel, Ezra F. (1993): Pax Nipponica? In: Menzel, Ulrich (Hg.): Im Schatten des
Siegers – Japan – Weltwirtschaft und Weltpolitik. Frankfurt a. M.: Suhrkamp
(Japan, Band 4).

Weber, Claudia (1990): Chancengleichheit per Gesetz. Linhart, Ruth u. Wöss, Fleur
(Hg.): Nippons neue Frauen. Hamburg: Rowohlt.

Willam, Daniel (2012): Ein Vergleich der 2007/2008 US Subprime- Finanzkrise mit der
Finanzkrise durch die Vermögens- und Immobilienblase Japans 1987–90 – Verlauf,
Ursachen und Auswirkungen. In: Hoppner, Inge (Hg.): 5.
Deutsch-japanisch-koreanisches Stipendiatenseminar, 23.-24.05.2011. Berlin:
JDZB – Japanisch-Deutsches Zentrum Berlin (Reihe 1, Tagungsband 63).

Wilz, Sylvia Marlene (2009): Struktur, Konstruktion, Askription – Perspektiven der
Analyse von Geschlecht. In: Wilz, Sylvia (Hg.): Struktur, Konstruktion,
Askription – Theoretische und empirische Perspektiven auf Geschlecht und
Gesellschaft. Hagen: FernUniversität (Kursband).

Aufsätze in Fachzeitschriften

Beck, Ulrich (2008): Jenseits von Klasse und Nation – Individualisierung und
Transnationalisierung sozialer Ungleichheiten. In: Soziale Welt – Zeitschrift
für sozialwissenschaftliche Forschung und Praxis, Jg. 59, Heft 4, S. 301-325.

Beck, Ulrich u. Beck-Gernsheim, Elisabeth (1993): Nicht Autonomie, sondern
Bastelbiographie – Anmerkungen zur Individualisierungsdiskussion am Beispiel
des Aufsatzes von Günter Burkart. In: ZfS – Zeitschrift für Soziologie, Jg. 22,
Heft 3, S. 178-187.

Fuess, Harald (2002): Als Japan die Welt anführte. „Das Land der schnellen
Eheschließung und der schnellen Scheidung“1870-1940. In: Nachrichten der
Deutschen Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde (OAG), Jg. 77, Heft 171/172,
S. 75-92.

Hessinger, Philipp (2004): Die „Governance“-Depression in Japan – Überlegungen zur Strukturkrise der japanischen Wirtschaft. In: ZfS – Zeitschrift für Soziologie, Jg. 33, Heft
4, S. 321-344.

Internet

Baur, Nina (2013a): Der Ernährer und die Hausfrau, oder: Der Arbeitnehmer und die Verbraucherin.

Baur, Nina (2013b): Die Koppelung von Arbeitsmarkt und Sozialstaat über das Ernährer-Hausfrau-Modell.

Belz, (2014): Japans Männer suchen die neue Frau.

Bilke, Ezgi (2015): Die Gesellschaft im „Familien-Exil“.

Fleuri, Johann (2016): Sekuhara – Sexuelle Diskriminierung auf Japanisch.

Hagiwara, Yoshihisa (1989): Über Begriff und Funktion der „kokutai“-Ideologie. Der Mythos des japanischen Kaisertums als Herrschaftsideologie vor dem zweiten Weltkrieg.

Helle, Horst Jürgen (1981b): Auf dem Weg zur matrilinearen Gesellschaft? Kurzfassung.

Imai, Yasuko (1991b): Vor dem Tagesanbruch für Frauen. Ein sozialhistorischer Essay.

Konkel, Christine (2013): Geschichte der Frauenbewegung in Japan ab 1911.

Lill, Felix (2013): Japan – Land der Ausgegrenzten.

Linhart, Ruth (2001): Kind und Karriere in Japan. (aus: Welt der Frau, 4/2001, S. 35f.)

Linhart, Ruth (2011a): Japanische Frauen und der Fünfzehnjährige Krieg.

Linhart, Ruth (2011b): Japanische Frauen und die amerikanische Besatzung 1945-1952.

Linhart, Ruth (o. A.): Die japanische Frauenbewegung der siebziger und achtziger Jahre.

Rothhaas, Julia (2016): Berufstätige Frauen in Japan. Im Land des Hechelns.

Schnabel, Lena (2016): Egoismus – Ich heirate. Mich!

SPON (2015): Gerichtsentscheid – Japanerinnen verlieren Kampf gegen antiquiertes Namensrecht.

Stadlmayer, Tina (2000): Wandel im Schneckentempo. Zetteln die Frauen eine stille Revolution an?


  • Es gilt dasPrinzip „dansonjohi“: Verehrung des Mannes, Herabsetzung der Frau, […] eine Einstellung, die sich im Laufe der
    Jahrhunderte des Feudalismus immer stärkerherausgebildet hatte“ und die Frauen sozial-rechtlich durch die 3 Arten des Gehorsams (sanjú) („Eine Frau ist abhängig ihr ganzes Leben.“) entmündigte (Langer-Kaneko 1991: S. 93).

  • Der Hauptstadt nach Edo-, der herrschenden Familie
    nach Tokugawa- und ihrer insellagigen Abgekapseltheit nach auch Raumschiff-Zeit
    genannt (Matsubara 1998).

  • Was insofern erstaunt, dass dieser jenseits der
    Landwirtschaft (v.a. Reis) keine Werte akzeptierte und sich so ein „japanischer
    Physiokratismus“ entwickelte (Distelraht 2010: S. 220ff.), eine stark von
    Gartenbaukultur (Nassreisfeldbau) abhängige Matrilinearität ((Helle 1981b: Abs.
    4) davon jedoch nicht profitierte, sondern hiervon final verdrängt wurde.

  • shinókóshó: 1. Schwertadel (bushi:
    samurai, aus denen daimyó als Landesfürsten und der shógun hervorgingen), 2.
    Landwirtschaft (Bauern hyakushó), 3. Handwerk, 4. Handel (je Stadtbevölkerung
    chónin). Darüber standen die Höflinge am Tennó-Hof in Kyoto und religiöse
    Berufe, darunter die Paria (buraku) (u.a. Schwentker 2008: S. 81-94).

  • Von oben verordnet und kleinste juristische
    Einheit, etablierte sich in den unteren Ständen ein Fünffamiliensystem von 5
    nebeneinander lebenden Familien, was den dorfbäuerlichen Gegebenheiten beim
    Reisanbau so gut entsprach, dass aus dem zur Bespitzelung gedachten System bis
    heute wirksame lebenspraktische „Selbsthilfeorganisationen“ von
    Schicksalsgemeinschaften“ überall im Lande wurden (Matsubara 1983: S. 207-210).

  • Das wiederum fußt auf der yin-yang-Theorie (inyó), demnach
    ist yang „das positive, helle, männliche Prinzip; yin das negative, dunkle,
    weibliche.“ (Langer-Kaneko 1991: S. 97).

  • Wichtig: Dem standesdistinktiv-elitären
    „Bildungshunger“ der samurai stand ein durch den Buddhismus ‚von unten‘
    entwickeltes „Volksschulsystem“ mit landesweit 15.000 Schulen und allein 3.000
    erhaltenen Schulbüchern gegenüber, das bzgl. Lesen, Schreiben und
    lebenspraktischen Wissen ein gutes Grundniveau verbreitete (Matsubara 1983:
    Kap. 19), für Frauen die Kluft zur männlichen ‚Vollbildung‘ jedoch umso größer
    sein ließ.

  • So wurde der westliche Feminismus als jokenron
    (Diskussion über Frauenrechte) und eine Modernisierung des
    Geschlechterverhältnisses durchaus erkannt, aber nur traditionalistisch (vgl.
    Antoni 1992) andro-genehm wohldosiert praktiziert – ein gentleman like galantes
    „lady first“ blieb bspw. undenkbar. Und ein Feminist war kein Streiter für Frauenrechte,
    sondern jemand, „der gegenüber Frauen freundlich ist“, „ein Mann, der Frauen
    verehrt“ (Imai 1991b).

  • Aus dem vorgeblichen, wenig anerkennenden ‚Grund‘,
    dass Japan wegen der Dummheit der Frauen und v.a. Mütter zurückgeblieben sei.
    Daher: „Machen wir die Mütter der nächsten Generation klüger.“ (Imai 1991b)

  • Im Widerstand hierzu begann später als bspw. in
    Deutschland mit der Feministischen Zeitschrift Seitó (Blaustrumpf) und der
    Vereinigung Seitósha 1911 die „alte Frauenbewegung“ in Japan für eigene
    (politisch-öffentliche Wahl-)Rechte und Bedürfnisse öffentlich (!) einzutreten
    (Konkel 2013). „Das Muster einer das ganze Leben hindurch autoritätsgebundenen
    Frau erwies sich jedoch als sehr zählebig.“ (Langer-Kaneko 1991: S. 107)

  • Als Mittelschicht- (aus erwerbstätigen Ehemann,
    Hausfrau und Kindern) auch als „Erziehungsfamilie“ (kyóiku kazoku) vom Staat
    instrumentalisiert (Mae/Schmitz 2007: S. 60).

  • Obwohl diese „totale Mobilisierung“ statt integrativ für
    die Frauen segregativ als „Bürger zweiter Klasse“ und „warme Urquelle, die den
    Haushalt beschützt“, erfolgte – frei dem Motto: „Landesverteidigung von der
    Küche aus!“ (Linhart 2011a)

  • Diese „schluckte auch die emanzipatorischen
    Fraueninitiativen aus den Vorkriegsjahren wie jene für Frauenwahlrecht,
    Konsumentenrechte und Geburtenkontrolle.“ (ebd.)

  • Und wenn nur, um ‚Nachschub‘ für die an der Front
    Gefallenen zu erzeugen: „umeyo fuyaseyo“, „Gebären wir, vermehren wir uns!“
    (Linhart 2011a

  • Für Frauen: Wahlrecht ab 20 und Recht
    bei Wahlen ab 25 zu kandidieren (erstmals am 10.04.1946 nahmen das 67%
    wahlberechtigter Frauen wahr und 39 von 70 Kandidatinnen wurden gewählt), Verbotsaufhebung politischer Aktivität, Aufnahme in den Staatsdienst und
    Regierungsreform, was in der neuen Verfassung, dem neuen Bürgerlichen Gesetzbuch
    und Erziehungsgrundgesetz realisiert wurde (Linhart 2011b: Abs. 1-2).

  • Als „Schutzgemeinschaft der Verwandten [übten] „Rücksichten
    auf die Familie im Sinne des ‚ie‘ großen Einfluss auf das Leben der Menschen
    aus“ (Linhart 2011b: Abs. 4).

  • Die „Drei Schätze“ Waschmaschine, Kühlschrank,
    Fernseher als Konsumgröße und Statussymbol (Ishida 2008: S. 252f., FN 19).

  • „[…] in der Wirtschaftswunderzeit der
    Fünfziger- und Sechzigerjahre löste das Bild der sengyôshufu, der
    ‚professionellen Hausfrau‘, und der ‚kyôiku mama‘, der ‚Erziehungsmama‘, das
    weibliche Ideal der ‚ryôsai kenbô‘, der ‚guten Ehefrau und weisen Mutter“ ab‘“
    (Linhart 2011b: Abs. 2)

  • Der Ehemann als „White Collar“-„salarii man“ war fest in die spezifischen Prinzipien der japanischen Betriebsorganisation (System lebenslanger
    Beschäftigung sowie Senioritätslohn) eingebunden (Toyotaismus), wodurch die
    Haushaltsfamilie der Frau über den Mann „als Teil der Unternehmensfamilie […]
    abgesichert“ war (Schad-Seifert 2007: S. 7).

  • 1975 bei 0,107%, Beginn der 1980er jäh auf 0,151%;
    zum Vergleich in Deutschland bei 0,156% 1981, Schweden 0,242%, USA 0,581% (Lenz
    1990: S. 91, Anm. 2).

  • I. Todd hingegen verortet die japanische als eine
    bilateral-vertikale, „d.h. die die väterliche und mütterliche Linie
    gleichberechtigende Familienstruktur“ und eine Ursache für ökonomischen
    Fortschritt (self generated take-off) (nach Obayashi 1995: S. 165f.).

  • Bildung als sozialer Aufstiegsmotor, was 1960 10%,
    1975 38% die „Jagd auf Bildungszertifikate“ (diploma disease) führen ließ
    (Hommerich/Schöneck 2014: S. 7).

  • Darüber hinaus ging die 1970 erstmals auftretende,
    von der „Women’s Liberation Movement“ aus den USA inspirierte „Libu undó“, wo
    Frauen „als Frauen ihr Selbst ganz und gar zurückerlangen wollen“, um so mehr
    Selbstverwirklichung als Gleichberechtigung jenseits geschlechtspolarer Rollen
    zu erreichen (Terasaki 1990).

  • Die Ambition auf Dauererwerb bei 23,4% der
    Uniabsolventinnen desillusionierte der Beruf: nur 12,6% der Berufsanfängerinnen
    wollten es bleiben (Weber 1990: S. 114).

  • keine Ausdrucksform von wider die Normbiographie nach
    „Freiheit und Individualität“ strebender oder als „wagamama“ (egoistisch und
    faul) und Rezessionsgrund gescholtener, sondern systemisch als „Opfer eines
    zunehmend deregulierten Arbeitsmarktes“ anzusehender Jungerwachsener ist
    (Hommerich/Kohlbacher 2007: S. 16-19).

  • Die Angst vor sozialem Abstieg stieg unter Befragten von 1990 15% 2012 auf 30% an, sogar 69% gaben Alltagssorgen und –unsicherheiten v.a. hinsichtlich der
    Finanzierung ihres Lebensabends zu haben an (Hommerich/Schöneck 2014: S. 9f.).

  • Was Ausprägung der durch die „Prüfungshölle“ gehenden
    „Bildungsganggesellschaft“ (gakurei shakai) ist, obwohl sie statt auf individualer Konkurrenz auf Gruppenkooperation fußt. Das „kann geradezu als
    eine spezifische Form begriffen werden, mit dem gesellschaftlichen Prozess der
    Individualisierung umzugehen“ (Schubert 2006: S. 188-191).

  • Von 1970 bis 2016 hingegen signifikant von 1% auf
    0,53% um fast die Hälfte (Fleuri 2016), was ein mentaler Wandel – ausgelöst
    durchs UN-Jahrzehnt der Frauen und die Libu undó-Aktivitäten – in den 1970er
    Jahren einschneidend bewirkt haben dürfte.

  • Denn 68% befragter lediger Frauen wollen einen
    Ehemann mit einem Jahreseinkommen von über 29.000€, „obwohl nur 25,1% der
    ledigen Männer über ein solches Einkommen verfügen.“ (Yamada nach Bilke 2015)

  • 1986 waren noch 68, 1998 57% der arbeitenden Frauen
    (anfangs) festangestellt (Linhart 2001), was belegt, wie sehr wie ökonomische
    Krise auch auf den Frauenerwerb wirkte.

  • Durch die implizite alte Geschlechtsordnung gibt es
    für die Frauenrollen nur ein Entweder-Oder, dass sie weiterhin Kinder bekommen
    (sonst sind sie „makeinu“ – „im Kampf geschlagene Hunde“) oder ihre Karriere
    selbständig durchziehen und diese nicht „gierig“ mit der Familie vereinbaren
    sollen, weshalb rund 70% der Japanerinnen Karriere prophylaktisch nicht als
    erstrebenswert erachten (Rothaas 2016).

  • Nebenfolge: Seit den 1980er Jahren Japan mit weltweit
    höchster Lebenserwartung (Frauen 81,4 Jahre), dass ohne das dreigenerative ie
    von 1975 bis 1983 die Zahl alleinlebender Frauen über 65 von 573.000 auf
    830.000 stieg und sie neben Männern bis 30 1986 bereits auf 18,2% angewachsene Einpersonenhaushalte bewohnten (Lenz 1990: S. 76).

  • Was realitär dennoch hieß, dass 1982 nur 40% der
    Schulkinder die abendliche Hauptmahlzeit in der „familialen Tischgemeinschaft“
    einnahmen (Schmidtpott 2011: S. 296), was als ein Indiz für einen schwindenden
    Zusammenhalt gelebter Familie anzusehen ist.
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