Der Lemiade nächster Teil

Hallo Mitwelt

Inmitten von Lemporalität, Lemscher Temporalität, wird heute am 12.09. Stanislaw Lems einhundertster Geburtstag gefeiert, in Abwesenheit dem Geehrten gratuliert. Dies hier im Blog ja bereits mit dem Kulturfeature vorbereitet und anhand des drakonischen Irrsinns bedacht, sprechen die Golems zur Zeit reichlich über diesen Lem.

Daher hier zum Nachhören zusammengetragen, hinter wievielen Sternen ein Lem aufleuchtet und Ijon Tichy wissenssuchend vorbeisaust:

  • In kürzestmöglicher Form von nur 4Minuten im ARD-Stichtag von Florian Bänsch;
  • in über dreimal längerer Ausführlichkeit von 14Minuten im WDR-ZeitZeichen von Claudia Friedrich, wo Lem-Biograf Alfred Gall zu Wort kommt und zu meiner Freude der Beitrag mit Verweis auf Der Unbesiegbare eingeleitet wird. Die mehrfach, ja am häufigsten gelesen und gehörte Geschichte Lems, die für mich folglich die prägendste geworden ist. Sehr interessant der Versuch, Lem „einzuordnen“, der weder so richtig und recht Science Fiction-Autor war oder/und sein wollte noch ein standesgemäßer (Elfenbeinturm)Philosoph gewesen ist. Futurologe die trefflichste Bezeichnung für dessen, was er SF-literarisch und ab Ende der 1980er Jahre essayistisch und fachaufsätzig verfasst hat. Obacht, dass man das Manuskript zur Sendung abfragen kann;
  • und weiter geht es bzw. ist es zuvor schon am 10.09. gegangen: SWR2-Wissen: Stanislaw Lem – Visionär zwischen Science und Fiction. De facto eine auf etwa die Hälfte verschlankte Kurzform (rund 28m) obig nochmal gelinkten WDR3-Kulturfeatures. Hier aber mit der Möglichkeit, das Manuskript zur Sendung zu speichern und end etail nachzulesen. Wer das Feature verpasst/NOCH nicht gehört hat, kann gut hiermit einsteigen und dann erweitern. Hier auch, wie er sich selber sah: Für viele Leser und Leserinnen gilt der polnische Science-Fiction Autor Stanislaw Lem als origineller Erfinder verwegener Theorien und utopischer Schauplätze. Doch Zeit seines Lebens blieb Lem enttäuscht darüber, dass er immer nur als phantastischer Autor wahrgenommen wurde und nicht als ein Philosoph der Technik. Wobei, so viel sei angemerkt, ein „Philosoph der Technik“ auch bereits eine Verkürzung ist, wenn du dich mal zeitaufwendig, aber bereichernd in seine Beiträge von Mitte/Ende der 90er Jahre bei Telepolis reinlesen magst. Das Leben und dessen Gewordensein beschäftigten auch ihn!
  • Am ausführlichsten und in einer Diskussion über Autor, Werk und Wirken das SWR2-Forum: Meister der Science-Fiction – 100 Jahre Stanislaw Lem: “Das Science-Fiction-Genre nannte er einmal einen „Ramschladen“, von Marskolonien oder künstlicher Intelligenz hielt er auch nicht viel – dennoch gilt Stanislaw Lem mit Werken wie „Solaris“, „Der futurologische Kongreß“ oder „Robotermärchen“ als Science-Fiction-Großmeister und visionärer Zukunftsdenker. Was macht sein Schreiben so besonders? Am 12. September wäre er 100 geworden – passt seine Zukunft noch zur Gegenwart? Norbert Lang diskutiert mit Prof. Dr. Petra Gehring – Philosophin Prof. Dr. Philipp Theisohn – Literaturwissenschaftler, Alexander Wasner – SWR-Kulturredakteur“. Sehr hörenswert, wie lange schon und anhand welcher Texte die drei lemifiziert worden sind und wie sehr sie seine intelligent-kreative schaffenskräftige Fantasie schätzen, obwohl sie mit seinen literaturwissenschaftlichen Ausführungen gerade zur SF nicht so recht einverstanden sind und ihn auch nicht so ganz als klassischen Philosophen einordnen mögen. Und ob er mit seiner Art kritischer Prognostik als SF-Prophet gelten kann, wird ebenso diskutiert. In Form handfester Erfindungen, die sich AUF IHN berufen könn(t)en eher nicht; da hat es der Star Trek’sche Communicator als gewordenes Smartphone leichter…
  • Sodann noch hörspielerische Verweise. Derweil es ALLE deutschsprachigen Hörspiele in einer 8CD-Box (oder als MP3-Download) gibt, werden einige ausgewählte zur Zeit auch hinaus in den Äther gesandt. So unter anderem Test – ein Hörspiel mit unserem Freund Pirx, das in Kürze in der ARD-Audiothek verfügbar sein wird;
  • ebenda dann wohl leider nicht, sondern nur live anzuhören (oder mitzuschneiden!): Solaris ½: Der Planet und in einer Woche dann 2/2: Der Ozean.

In Summa audiologicae Also Hört Ihr reichlich, was zum Großmeister denkmälig verfasst und besprochen worden ist. Sehr schön – Ehre, wem Ehre gebührt! Ich fasziniere mich zur Zeit tatsächlich vielleicht tiefergehender denn je an seinen Gedanken, Einsichten und Kritiken. Dass er, wie es bisweilen durchklingt, ein grantelnder Oppa geworden sein soll, finde ich nicht angesichts all dessen, was in den nunmehr fünfzehneinhalb Jahren seit seinem Tod digital, virtuell usw. passiert und geschehen ist. Er bleibt bedenkenswert und kann m.E. mitnichten wegen ein paar Anachronismen, die er gutmöglich sogar absichtlich eingebaut hat, abgetan werden. Kann freilich shcon, wäre aber denkverkümmert unsinnig.

Wen es freut oder fürchtet, Weiteres zu Lem ist in Planung – an anregenden Gedanken über sein Machwerk mangelt es mir nicht. Wir werden mit Tichy auf Reise gehen und Fremdheit erfahren – Spoiler.

Bis dahin: Lem lesen und hören!

EDIT vom 21.09.2021: Ein paar kleine Tippfehler entteufelt (Ficiion wurde z Fiction); v.a. dem Beitrag mal einen Titel verpasst, wo er bisher titellos sein musste.

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Ein Kommentar zu „Der Lemiade nächster Teil

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