ATLANTIS 01 – Nachschlag

Hallo Mitwelt!

So unglaublich es nach 24 Minuten Lesezeit über ATLANTIS 01 erscheinen mag, hier und heute soll es noch in flugser Flottheit und gewohnter präziser Prägnanz einen Nachschlag zum Auftaktroman der Miniserie geben. Denn, lockender Spoiler, ich habe ihn anscheinend gänzlich „falsch“, zumindest den Erzählbemühungen nach kontraintendiert gelesen (aka gehört). Hinzu noch die Auflösung, die ich im Gewühl der Worte schuldig geblieben bin.

1. Des Herrn der Hefte Lieblingssatz

„Einer meiner Lieblingssätze: »Die Landschaft tat, als wollte sie Perry Rhodan erschlagen.«“ KNFs Satz der Sätze von Anfang Kapitel 9. Wie finde ich diesen, sprang er mich auch an, fühl(t)e ich mich von seiner Wucht erschlagen? Nein. Meine Assoziation hierzu lediglich: gestörtes Gelände, wie die literarische Naturforscherin Esther Kinsky die Zustände der Gelände unserer Welt bezeichnet. Wenn „das geologische Gefüge der Welt“ verschoben wird durch anthropozänes Übergriffigwerden oder aber durch einen „Rombo„. So der italienisch lautmalerische Begriff für ein Erdbeben genauso wie auch der Name des jüngsten „Geländeromans“ der Autorin, wie das von ihr dem Nature Writing anverwandte, neugeschöpfte Sub-Genre worttektonisch konturiert. Der Roman, der es in der SWR-Bestenliste auf Platz 2 geschafft hat.

Ich muss gestehen – voriger Beitrag zum Heft mein Kronzeuge! -, dass ich keinerlei Fokus auf den landschaftlichen Beschreibungen hatte und sie mich nicht – wie dieses atlantische Gelände Perry – von der Seite her anfielen wie hungrige Raubpudel im Rudel. Das wird umso erstaunlicher, bedenkt man Folgendes unter Punkt zwo. Zu meiner Verteidigung diaboli kann ich nur vorbringen, dass

  1. Landschaftsbeschreibungen, die nicht von Tolkien stammen, für mich nicht halb so beeindruckende Wirkmacht ausüben. Wenn er sich nicht in modischen Details verliert, kann gewiss auch ein Robert Jordan, wenn die Beschreibung von Speis-und-Trank-Gelagen den hungrigen Frösten fragwürdiger Freiheit in Westeros Platz machen, kann auch Martin Landschaft. Doch geprägt hat mich J.R.R., wenn ich mit ihm Mittelerde durchwandere. Daran gemessen sind für mich bloße Landschaftsstriche anderswo ohnehin selten mehr als funktionalisierte Skizze zwecks etwas Worldbuilding – es ist da, weil es narratofunktional gebraucht wird;
  2. ich seit Ende 2021 wiederum aufs Questen geprägt bin, seitdem ich das exzelleniale vierteilige SWR2-Hörspiel über Die Fahrt der Argonauten [Link zu Teil 4] hören konnte. Aufgezogen und aufgemacht, als wenn die olympischen Göttinnen Hera und die noch nerdigere Athene ein Virtual LARP durchspielen und kommentieren würden, in das sie jederzeit eingreifen und den Weltenlauf beeinflussen können. Und da geht es ums Questen, aufzuspürende und aufzusuchende Quest-Figuren, um von ihnen Quest-Wissen und -Gegenstände zu erhalten, mit denen erst die Quest fortzuführen ist. Und wenn die ARGO, das Schiff der Argonauten trotz ihrer armkräftigen Ruderhelden langsam bis lahm vorankommt, der Quest-Raum nur wie in zäher Zeitlupe durchquert wird, wird VORGESPULT 😀[1]
  3. Ich spule gewiss nicht vor, höre meine Hörbücher jedoch 1,4-1,6fach geschwinder, weshalb mir da eventuelle Details, auf die ich nicht hellhörig wie ein Ferengi auf Gewinn lauere, am Ohr nur so vorbeirauschen. Das ist gewiss nicht optimal und zu optimieren, um darüber bloggen zu können!

Ausreden Ende…

2. Von Beichten und Geständnissen eines Expotarchen

Mit dem Jubiläumsheftroman 3000, der auch schon erschütternde rund drei Jahre zurückliegt, hat der PROC – Perry Rhodan Online Club – ein sehr schönes Format etabliert, nämlich das Autor*inneninterview. Heft für Heft wird die skriptoralverantwortliche Autorenheit vorgeladen und intensiv investigativ alles, wirklich absolut alles an leserfanrelevanter Information durch Rasenden Reporter Roman (RRR) Schleifer herausgepresst wie aus einer überreifen Zitrusfrucht. Nichts bleibt verhüllt, nichts ungefragt, nichts ungesagt, eine gnadenlose rhodanautische Beichte, die da abverlangt wird. Gut, die Autorenheiten wissen sich dem zu entziehen, entweichen wie Dschinns aus der Flasche dem Frageschraubstockgriff, transdimensionalisieren sich nach Belieben, um einer Antwort zu entgehen und zu entkommen. Kein Witz zu flach, kein Ausweichmanöver zu klumpfüßig, kein Geplauder nur zu offensichtlich ablenkerisch. Der Responsive Widerstand ist höher als nach einer Hyperimpedanz-Erhöhung, es kommt zur Responsflaute 😉 😀

Und das Format ist für ATLANTIS reaktiviert und im ersten Interview werden die (Ein)Geständnisse und hintertriebenen Denkenschaften nur so herausgefragt aus Expotarchen BCH wie sonst nur Blut von Vampiren. Naja, es geht um vieles, so auch über Gelände O_o

So zum Beispiel dazu, wie gut man Atlantis als Kontinent, als schon erzählten und weiter erzählbaren Raum den alten Heften einfach entnehmen konnte:

Das mit der Geografie von Atlantis selbst hattest du ja eben schon angesprochen, das war ein Hirnbrecher. So, wie Scheer sich das ausgedacht hat, passt das vorn wie hinten nicht zusammen, wir mussten tricksen. Da stecken drei Monate Nachdenken drin aber ich finde, wir haben das jetzt ganz charmant gelöst. Ansonsten gehört das aber zum Job, finde ich. Lieber der Chefautor bekommt graue Haare als der Autor oder – schlimmer! – der Leser.BCH im PROC-Interview

Und wie man mit diesen Erzählbrüchen umgeht? „Du unterstellst mir hier eine gewisse Schizophrenie, aber das ist vermutlich angemessen. Ich sag’s mal so: Bei sechzig Jahren Kanon prüfst du lieber dreimal, bevor du irgendwas dazuerfindest.“ Ziel der Recherche war es demnach, alles an Details herauszuholen, um so originalnah wie möglich bleiben zu können. Das Destillat dessen haben Abonnent*innen der Print-Hefte als DIN A3 große Posterkarte vorliegen, können Lesende der Hefte wie ebooks als kleinerformatige Farbkarte beäugen und ist in der Perrypedia digital einsehbar. Die Mühe, die erzählwildwüchsigen Darstellungen insbesondere aus den Scheer-Heften (Nr. 60 und 70) zu einem stimmigen Bild zu vereinen, das einen Inselkontinent in Gänze präsentiert, ist eine enorme Fleißarbeit. Eine, die ich nicht würdigte, da die Landschaft nur so an mir vorbeiraste, als hätten wir in einem Überschallgleiter gesessen, obwohl wir Atlantis doch mit Perry & Co. per pedes durchwandert sind. Ich gelobe Besserung und mehr Obacht für die (hoffentlich nicht nur gestörten) Gelände in dieser Gegend der Erde, die nur noch höchstens 5 Jahre existieren werden.

3. Sichu – eine erzählsperrige Figur?

Dass ich mich über Sichus Anwesenheit in der Miniserie freue, hatte ich ja schon kundgetan. Eine mir sehr sympathische Handlungsträgerin, die allerdings so leicht anscheinend gar nicht zu schreiben ist. Und das wohl gerade ob ihrer meist zurückhaltenden, wissenschaftlichen Haltung, die der Skriptorale Expotän treffend so näher charakterisiert:

Analytisch, verschlossen, nach außen Abweisend aber innerlich emotional und zu Leidenschaftlich für ihr eigenes wohl? Das hätte auch über mich geschrieben worden sein können, TBH.BCH im PROC-Interview

Sie ist mitnichten eine typische Akteurin – Pro- oder Antagonistin -, die sich primär über Handlung auszeichnet. Zumindest keine in Richtung Action gehende Handlung, die einem steten Handlungssog folgt, wo zu handeln näherliegt als innezuhalten.

Doch gesteht BCH auch ein: „Ernsthaft: Sichu ist eine tolle Figur, die einfach nicht genug Raum bekommen kann. Und Gucky, Bully und Co. hatten wir in den Miniserien auch schon wirklich oft – Sichu nicht so sehr.“ Besagte Bully und Gucky als Perrys älteste Freunde hatten beispielsweise in just voriger Miniserie aus letztem Jahr – WEGA – bereits prominent ihren gemeinsamen Auftritt in einen der beiden Handlungsstränge. Dass Perry Rhodan in einer PERRY RHODAN-Miniserie präsent und zentral sein muss, ist klar. Umso wichtiger dann jedoch, ihn stets anders und neu zu konstellieren. Und ihn nun anstelle alter Kumpel nun mit seiner Frau loszuschicken, hat was. Nicht, dass Perry als unbesonnener, unbedachter Typ bekannt geworden wäre, aber mit Sichu an seiner Seite sollte er gar nicht erst in Kurzschlusshandlungen verfallen. Da sie in jedem Fall aber den nachdenklichen Part übernimmt, kann er dann doch ‚freier‘ agieren und mehr den Risikopiloten mimen als den Jahrtausende alten Staatsmann kosmischer Prägung, gebeugt vor entschleunigter Weisheit.

4. Chronolokalität – die Handlungszeit

Wann ATLANTIS spielt, so klingt es im Interview, scheint eindeutig klar: 8005 v. Chr. Anders gesagt: fünf Jahre, bevor Atlantis untergeht, was es exakt 8.000 v. Chr. getan haben wurde. Doch ist das so klipp und klar? Ja, Perry denkt – nicht zufälligerweise – an 8005 v. Chr. als Datum, nachdem er die arkonidischen Statuen in der atlantischen Landschaft sichtet. Statuen, die wohl kaum sofort nach ‚Entdeckung‘ oder Siedlungsbeginn gebaut worden sein dürften. Hinzu der Fakt, dass die Unterwasserkuppel als Rückzugs- und Schutzraum erst 8005 v. Chr. fertiggestellt worden ist. Nur heißt das ja nur, dass man nicht früher angezeitet sein kann (Kuppel stand ja schon ausgestattet da), nicht aber auch, dass es demnach nicht schon 8004 v. Chr. sein könnte. „Entdeckt“ wurde das System durch Arkoniden Larsaf 8009 v. Chr., genauer gesagt zu diesem Datum das System formal in die Sternenkataloge eingetragen wurde. Zuvor hatte es die wohl tatsächliche Erstentdeckung gegeben, nämlich bereits 8024 v. Chr., als Prospektor und Sklavenhändler Neeol Darmigon trotz (oder wegen) indigener Bevölkerung auf Planet 3 landete. Das geriet jedoch gänzlich in Vergessenheit. Nach der ‚Larsafizierung‘ des Systems etablierte zunächst Amonar als Administrator auf Larsaf II., Larsa (nachmalige Venus) eine Kolonie für gut 2 Mio. Arkoniden. 8005 v. Chr. – etwa 4 Jahre später also – wurde er dann (Heft 60 Festung Atlantis) von Atlan gestürzt und die 50.000 Zakreber besserer Lebensbedingungen wegen nach Larsaf III. evakuiert. Larsaf III., das zunächst primär als Militärkolonie gedacht war (Festung Atlantis sowie dann Festung Arkonis als Titel von Heftroman 02 daher nur zu passend). Genauer ist es in den Chroniken nicht verzeichnet. Perrys Annahme ist demnach das Beste, was man zeitlich einordnen kann, aber auch keine C14 präzise Datierung.

Das lässt narrative Spielräume, vor allem für ein Auftreten Atlans. Denn der weilte mitnichten die ganze Zeit vor Ort! Vielmehr fliegt er samt Flottengeschwader ab, hinein in den heißen methankrieg, kämpft 30.000 Lichtjahre fern vom Larsaf-System. Und kehrt wesentlich später erst zurück: „Wäre das nicht so gewesen, hätte ich knapp zwei Jahre später fraglos Mittel und Wege gefunden, um ein anderes, unheimliches Geschehen wenigstens teilweise zu verhindern.“ So sinniert Atlan am Ende von Kapitel 5 in Nr. 60 Festung Atlantis. Von irgendwann inmitten 8005 v. Chr. an weilt er weit außerhalb und das für rund 2 Jahre lang. Was mag das für ATLANTIS heißen? Ich vermute, dass wir eben nicht gerade so 8005 v. Chr. zeitgestrandet sind, sondern schon bedeutsame Zeit später. Zeit, die der Tato (Ark. für planetaren Gouverneur) genutzt hat, um Intrige und Hintertrieb in Konspiration mit Rowena auszunutzen. Und zwar in Atlans, des Kristallprinzen Abwesenheit. Wenn dieser erst etwa 8003 v. Chr. wieder in die Abseitigkeit dieses Systems zurückkehrt, werden wir wohl kaum darauf noch 2 ATLANTIS-Handlungsjahre warten müssen!

Und bezüglich Zeitparadoxon, sollte Perry Atlan begegnen, dass dieser den Serienhelden dann später hätte erkennen MÜSSEN, gibt BCH zu Protokoll: „Das Perryversum ist ja reich an Methoden, so etwas zu verhindern, das reicht vom Psychostrahler über Gedächtnismanipulation bis hin zu alternativen Zeitlinien und Paralleluniversen. Für welche wir uns entscheiden? Das wird man in den Romanen erlesen können.“ Ja, lesen wird man müssen, wie das bei Schrifterzeugnissen so vorgesehen ist;-) Kann mir aber nicht vorstellen (oder will es prophylaktisch nicht), dass es so plump kommt. Psychostrahler scheidet im Übrigen aus, weil der nur gegen Nicht-Mentalstabilisierte ankommt, Atlan zu dem Zeitpunkt jedoch längst über einen aktivierten Extrasinn verfügt, der solcherlei Zugriff zu blocken hilft. Die beiden letzten Optionen – alternative Zeitlinien oder Paralleluniversen – sind es hoffentlich nicht! Wäre ein viel zu lazy writing, eine zwölfbändige Geschichte derart narrativ abzukapseln, damit man freimütig wild erzählen kann, ohne dass es Auswirkungen aufs Perryversum der Erstauflage nimmt. Bitte nicht! Allerdings ist weder Expokrat noch Perry auf den Kopf gefallen, sondern Profis, wie man anständig zeitreist: „Er [Rhodan] hat da ja schon Erfahrungen damit, ist da sozusagen der Experte. Aber natürlich wird das ein ständiges Thema in unserer Miniserie sein. Er wird sich öfter als einmal fragen müssen, ob das, was er da treibt, immer so richtig ist.“

5. Quartett figuriensis

Auch diesbezüglich voreilig und hastspießig war wohl meine Einordnung speziell von Caysey, die ich mir noch nicht so recht als Ko-Protagonistin auf Augenhöhe vorstellen konnte. Zu übergroß Perry, schon zu erfahren und professionelle Wissenschaftlerin Sichu, anscheinend konspirationsgeschulte Extrasinn-Trägerin Rowena. Dagegen SCHIEN mir Caysey doch zu sehr zu verblassen und nur zeitweise Questraumwegweiserin zu sein. Eher nicht, wie vage Vorausdeutung andeutet:

Die Zeitreise gibt ja einige Dinge schon vor. Arkoniden, Venus, Maahks und andere Details gehen einfach aus dem Setting hervor. Wir werden außerdem ein Viererteam aus Figuren haben, das im Lauf der Handlung zusammenfindet, ein mysteriöses Artefakt, das Talagon, hinter dem alle her sind und eine geheimnisvolle Macht im Hintergrund. Neugierig geworden?BCH im PROC-Interview

Ja, neugierig ich bin. Das „Viererteam“ ist bekannt, Caysey eine davon, wo hinzu Rowena noch wachsen muss (in bereits gehörter Nr.02 auch bereits erste große Schritte im Gruppenprozess…). RRR liest sie mit „erfrischend positiver Art“, wenn sie auch von der Tragik des verfluchten Kindes und einer todgeweihten Inselwelt umgeben ist. „Das ist ein spannender Widerspruch, oder? Neues Leben kontra Weltuntergang. Lebenslust kontra drohendem Tod. Du kannst nicht über einen zum Untergang verdammten Kontinent schreiben, ohne dieses Spannungsfeld anzusprechen.“ Caysey ist also vielmehr Symbolfigur für ganz Atlantis, für die Situation vor Ort als indigen Kolonisierte unter Kolonisatoren wie Sternengötter, als Spielball von Kultur- und Naturkräften, die weit über sie hinausgehen, denen sie sich aber tapfer stellt. So gelesen, ist sie vielleicht sogar diejenige, die am meisten wachsen kann von allen. Sich wie eine tragische Heldin gegen das – ihr ja gar nicht geweissagte – Schicksal des Untergangs (von Kind un Kegel) aufzulehnen, indem sie einfach beharrlich lebt als Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will!

  • Immerhin scheint mir ATLANTIS nicht auf eine, geschweige denn klassische Heldenreise hinauszulaufen, die zwölfbandkompakt erzählt würde. Allen voran, weil Perry Rhodan keinen Fuß mehr setzen und keinen Meter mehr machen braucht, um Held zu werden, so viele (Handlungs)Jahrtausende er es längst geworden ist. Bzw. von Heft1 an – UNTERNEHMEN STARDUSTqua Exposé schlicht schon war. Sichu wiederum – siehe die Schwierigkeiten rund um ihre Charakterisierung in laufender Handlung – könnte zwar an Heldinstatus zulegen, sollte es aber m.E. erst gar nicht. Sie ist und wird keine klassische Heldin, sondern bleibt besonnene, abgeklärte Wissenschaftlerin ohne heroisches Potenzial. Wer aber sehr wohl heldenreisen dürfte, ist selbstredend Caysey: diese ist aus der Vergangenheit für die Zukunft verflucht und muss dann buchstäblich aus ihrem Dorf abgelegener Provinz hinaus in die so viel größere Welt, hinein ins Land der Sternengötter gelangen [Frodo Beutlin, Rand Althor, Luke Himmelsgänger uvm]. Das charakterskizziert noch schwankend zwischen eingeschüchterter ‚Barbarin‘, die aber vielmehr von Anfang an mit taffer Keckheit der ach so göttlichen Welt wagemutig begegnet. Und Rowena? Zunächst ist sie nicht Teil des ProtagonistInnen-Trio, sondern Antagonistin, die immerhin nicht als Urböse psychopathisch mordend herumrennt, aber doch GoT-esk genug opportunistisches Böse mit sich herumträgt. Ob sie aus dem Zwielicht ins Licht reist, an Rückgrat und Haltung gewinnt, in diesem Sinne eine Heldinreise durchlebt – wer weiß. Alle Übrigen scheinen mir von vornherein derart nebenfigürlich, dass sie kaum mehr über Ein-Heft-Biografien hinauskommen dürften, was keinerlei heldenhafte Progression mit sich bringt. Doch wie viel Heldinreise kann Caysey er- und durchleben? Auch wenn in Sie-Perspektive im steten Wechsel ganze Kapitel aus ihrer Sicht sind, gehen sie – für meinen Geschmack – jetzt auch nicht in die Tiefe, die uns die mentale Lebenswelt einer jungen Atlanterin en detail schillernd exponiert. Daher sind ihre Innensichten nicht so intensiv, um ihre Kompetenzstufenentwicklung mitzufühlen. Es bleibt – bisher! – recht kognitiv empathisch – man kann nachvollziehen auf gedanklicher Ebene, welche soziokulturellen Quantensprünge sie da durchläuft.
  • ATLANTIS 01 – Im Land der Sternengötter

    Hallo Mitwelt!

    Bevor ATLANTIS02 erscheint, kurz vor Toresschluss noch meine letzten Worte zum Auftaktroman der Miniserie. Zu der ist – zumindest für Abonnent*innen der eBooks – mit „Wächter der Tiefsee“ eine kurze Vorgeschichte exklusiv erschienen, die konturiert, wo Perry und Sichu im ersten Roman dann doch hastig hineinstolpern. Derweil liegt dem Hörbuch leider der ATLANTIS-Kommentar nicht bei, auf den ich hoffte. Ohne weitere Worte dann mal geprüft, ob ich mich dieser Einschätzung anschließen kann: „Einer meiner Lieblingssätze: »Die Landschaft tat, als wollte sie Perry Rhodan erschlagen.«“ Worte vom Anfang Kapitel 9. [Coronabedingt und nicht etwa des Umfangs wegen Postingverzögerung um 1-2 Tage. Speedreader haben sicher Nr.02 bereits gelesen]

    Zur Handlung

    Fünf Wochen vor Miniserienstart fasste Der Herr der Hefte es so zusammen:

    Was den Inhalt angeht, so erzählen die bisherigen Exposés und Manuskripte die Geschichte einer ungewöhnlichen Gruppe von »Helden«, die sich zuerst durch die Wildnis eines unerforschten Kontinents schlagen müssen, bevor sie ins All aufbrechen. Dort stoßen sie bald auf Gegner, mit denen sie nicht rechnen konnten, und erkennen, was der Grund für die bisherigen Ereignisse ist. Vor allem Perry Rhodan muss sich die ganze Zeit fragen, ob das, was er tut, in jedem Fall immer so ideal ist …KNF in seinem Blog

    Ben Calvin Hary: „Im Land der Sternengötter: Am Vorabend einer Katastrophe – sie erreichen einen todgeweihten Kontinent“

    Die Handlung setzt in der Gegenwart der Erstauflage, 2069 NGZ, ein, wo in in Atlans musealisierter Tiefseekuppel die Einweihung dieser Begegnungsstätte für Arkoniden und Terraner gefeiert werden soll. Nach einigen technischen Wacklern und Aussetzern erweist sich im Sockel der Kuppel eine Störquelle als ursächlich. Im Ausstellungsraum wiederum taucht inmitten katalogisierter Artefakte ein für Perry Rhodan unbekanntes Objekt auf, das Atlan als Talagon ebenso wiedererkennt wie die Arkonidin Rowena, mit der er es in Verbindung bringt. Beide anscheinend aus der Zeit gefallen, weshalb sie die Verfolgung der fliehenden Rowena aufnehmen, die just zur und dann durch die fragliche Quelle entkommt, nachdem sie Atlan möglicherweise tödlich angeschossen hat. Ihn auf sein Geheiß dennoch zurücklassend, das Talagon aber zurückzubringen, gehen Perry und Gattin Sichu durch den „Schrank nach Narnia“. Nur dass der „Schrank“ ein Temporaltransmitter gewesen sein muss und sich „Narnia“ zunächst als die Tiefseekuppel von 8005 v. Chr. anhand funktionierender, aber seit 13.00 Jahren vergangener Technik erweist. Man findet sich auf der Erde bzw. in den flachen Wassern vor der Küste von Atlantis wieder.

    Sie landen an, treffen dort aber nicht mehr auf Rowena, die wie eine dem Meer entstiegene Rachegöttin mehrere arkonidische Bauroboter am Ufer zerstört hat, sondern auf die göttergläubige Atlanterin Caysey. Zwar hochschwanger, bietet diese den beiden Göttern, die nicht einmal Zauberer sein wollen, ihre Führung an, die sie in erster Quest zu Cayseys Dorf bringen soll. Nach drei Tagen dort angekommen, stellt sich allerdings heraus, dass hochschwangere Caysey nicht grundlos, sondern aufgrund eines Bannfluches aus ihrem Dorf entflohen war, weshalb es statt hilfreicher Aufnahme auch nur eisige Ablehnung zur Begrüßung gibt. Doch auch diese nicht nur deshalb, sondern weil Rowena ihrerseits aus der Gejagten zur Jägerin wurde und den drei Questenden einen Hinterhalt gestellt hat. Als Vertraute des planetaren Gouverneurs stehen ihr anscheinend Mittel und Wege zur Verfügung, die sie auch aufwendet, um die Beseitigung des Talagon, das Perry an einer Kette mit sich herumträgt, zu vollenden. Doch misslingt Rowena trotz Hilfe ihres beratenden Extrasinns auch dies, sie wird überwältigt und bleibt betäubt zurück, während das Trio talagonale die Quest zum nächsten Questort und -figur, einem verrückten Wissenschaftler, fortführt…

    1. Kolonialherrliche Fremdbezeichnungen

    Ein allerletzter Vorab-Gedanke – Wirklich! – dazu, dass Entdecker und Kolonisatoren freimütig zu benennen belieben, egal was und wie sehr es von Ortsansässigen längst benannt worden ist. So Atlantis und indigene Atlanter sowie Atlopolis als späteres Arkonis dem Kolonisator von Larsaf III zu Ehren, Goszuls Planet nach seinem Inbesitznehmer Mehandor-Patriarch Goszul. Unverschämte, infame, anmaßend sich aneignende Akte fremdherrschaftlicher Arroganz! Wenn sie diesseits unserer Geschichte nicht gang und gebe gewesen wären. Ich kann hier science fictional nur an Lems Lokaltermin erinnern, wo es phänomenal auf den Punkt gebracht wird. Als jüngst gehörtes Beispiel hingegen sei verwiesen auf Amonute bzw. Matoaka alias Pocahontas aka Rebecca – die Vielnamen derjenigen Häuptlingstochter der Algonkin im heutigen Virginia (USA), die entgegen mythoverklärender Disney-Verfilmungen schon vor ihrer Pubertät von den anlandenden englischen Siedlern vergewaltigt, dann als Faustpfand wider ihren Vater als Geisel gehalten, sodann nach England verschleppt wurde, wo sie als besagte Rebecca zwangsgetauft und -verheiratet als Vorzeige-„Edle Wilde“ herumgereicht wurde. All das nahm ihren Anfang in Jamestown (vormals: James Fort), den anfänglichen Hütten mit Palisade drumherum, am James River gelegen. Je benannt zu Ehren des englischen Königs James I. In Unkenntnis oder vielmehr Ignoranz lokaler Bezeichnungen durch die Algonkin. Nur wer besagten Disney-Film noch vor Augen und bei all dem Musical-Gesang noch im Ohr hat, kann jetzt mit der Realität abgleichen, in der der zwangsbeglückende Königstochterraub zum Gründungsmythos nur allzu oft dazugehört (hat?).

    Und wo man sich kolonialherrlich dazu herabließ, sich der lokalen Namensgebung zu befleißigen – wie im Falle von Machu Picchu -, hat man offenbar nie richtig hingehört… 😀 Huayna Picchu die nachsichtlich wohl gebräuchliche Bezeichnung der berühmten Inka-Stadt. Merke: Entdecker und Kolonialherren sind in der Beschreibung der Welt echte Nullen! Genau wie Ijon Tichy, der den Vergnügungssatelliten von der mit der Hauptwelt Entia allen Ernstes verwechselt hat…

    2. Déjà-vu des Anfangs

    Dem Anfang liegt ein Zauber inne – oder aber ein Déjà-vu: das nicht im engen Sinne des Wirklich-Gleichen, aber des Merklich-Anverwandten, was den Auftakt angeht: der Hauch der Erinnerung geht ins letzte Jahr zurück, als die achte Miniserie: WEGA wie stets zwölfbändig erschienen ist. Und Heftroman 01 beginnt insofern auffallend ähnlich, als dass man sich auch zu Feierlichkeiten einfindet. Hier ein Sonnensystem weiter, im gleichnamigen Wega-System der Ferronen, wo einst die Spur durch Raum und Zeit des (Ersten) Galaktischen Rätsels bis zur Heimat- und Ankerwelt der Superintelligenz ES und zur Unsterblichkeit führte. In Gedenken der damals – ab 1976 n. Chr. – zusammenführenden Zeiten, des bis heute andauernden Bündnis zwischen Ferronen und Terranern hielt der Tort, lokaler Machthaber königlicher Art, ein Fest in seinem extra museal nachgebauten Palast ab. Doch dann überschlagen sich auch hier die Ereignisse, statt bloß technischer Wackler und störstrahlender Temporaltransmitter bricht hier eine feindlich gesinnte Flotte über die Feiernden zusammen. In wilder Flucht entkommen – ebenfalls paarweise – die Terraner in realitätsgewordener Nostalgie durch Transmitter nicht im Sockel, aber in den Kellern des Palastes. Die einen schleudert es auch temporal durcheinander, die anderen wohl nur durch unbekannte Räume. Von da an wird alles anders, so wird Perry bspw. durch einen höchst unangenehmen, mordbübischen „Bastardprinzen“ verfolgt und hat nichts in Händen, das er wem auch immer zurückbringen sollte. Hier endet das Déjà-vu!

    Es beginnt beide Male nostalgisch, an Orten, zu Anlässen des besinnlichen Feierns der guten alten Zeiten und oller Schicksalsgenossen zu Ehren, um dann ins Katastrophische handlungshineinsaugend zu kippen… Damit liegt auch die Perry Rhodan-Serie im Trend der Zeit, sich der Nostalgie zu bedienen. In den Mikrokosmen der Miniserien lässt man Retrotopien im neuen Gewand auferstehen, die die Allesimmerschongelesenhabenden und sich stets präzise ausweisenden Altlesenden wonnig aufseufzen lassen. Diese Art erzählender Miniserien als ‚Stammesfeuer der Leserschaft‘, an der sich auch Neulinge wärmen und sogleich vom Altguten hören können. Doch die Erzähltradition seriengewordener Mythen (Galaktische Rätsel/Unsterblichkeit, Atlantis, ???) werden sogleich auch entzaubert, da an die altgedienten Orte Fremdneues gelangt und es in der altbekannten Struktur erschüttert, aufbricht, durcheinanderwirbelt. So durchwandern wir ja kaum ein Kapitel kurz statt auch nur ein Heftroman lang die musealen Orte als Horte der Erinnerungen, folgen weder dem ferronischen Tort noch beuteterranischen Atlan in ihrem herausgeputzten Wandelgängen durch die alte / miterlebte Geschichte. Kaum ein paar warme Worte der alten Zeiten wegen zu lesen / hören, endet die Gemütlichkeit und aus Nostalgie wird Provinienznachforschung in mitnahmementalen terranischen Anfangszeiten. Und die Humboldt-Foren des Perryversums müssen ihre erinnerungskulturellen Sammlungen neu oder erstmals ordnen und sich den ‚Geistern der Besammelten‘ stellen. So gelesen, sind die Miniserien motivisch topaktuell auch in dieser Hinsicht. Sie greifen Serienvertrautes auf, um es aber zugleich zu aktualisieren. ‚Progressive Nostalgie‘, wenn man so will. „Zurück in die Zukunft“, wie man es nennen müsste, wäre die Assoziation nicht schon besetzt. Anderswann mal näher zu beleuchten und entlang aller neun Miniserien durchzudeklinieren. Zu vermuten, das sich gewisse Spannbreiten bei den ‚Prostalgien‘ erweisen, wie weit der serieninterne Mythos zurückliegt und ob sich das Ergebende aus der Miniserie als im Weiteren mythoserweiternd etabliert oder doch nur eingekapseltes Mikronarrativ bleibt. Eine mythomotorisch eher warme Option, den Serienmythos durch fortschreibende Wiederholung in Erinnerung zu halten, in seinem Kanon-Status zu bestätigen sowie ihn eben doch zeitgemäß anzupassen. Damit wären wir nur zu passend bei einem …

    3. Futurchronismus – narrative Chronoferenzen

    …Futurchronismus, wie ich es ungelenk auf den Begriff bringen will. Abgekupfert von Anachronismus, wo in ersonnener Zukunft Altbestände wie aus der Zeit gefallen vorkommen. Mein Futurchronismus sollen aus der Zukunft zurücktransferierte Objekte meinen, die in der (Handlungs-/Serien)Vergangenheit futuristisch deplatziert, zu zukünftig erscheinen.

    So sehr nach obigen Überlegungen sich reproduzierter Serienmythos und adaptive Fortschreibung in den Miniserien die Klinke in die Hand geben, so sehr prallen damalige Erzählwelten und -weisen der 1960er Jahre mit den heutigen Erzähl- und Schreibstilen zusammen. Diese bedienen sich auch zusätzlich noch zum Teil enorm anderer Figurenkonstellationen zum Bevölkern der Handlungswelt, wie sie damals unüblich waren. Konkret: Frauen! Dann und wann die eine oder andere, aber in damaligen Frauenbildern ausgemalt. Bestes Beispiel Perry jetzige Partnerin Sichu, die trotz Heirat bspw. ihren Nachnamen Dorksteiger ohne Anfügung von Rhodan beibehalten hat, schon demnach also sehr eigenständig geblieben ist. Das lohnt sich mit Rhodans vorigen Frauen abzugleichen (Thora Rhodan da Zoltral, Mory Abro-Rhodan), die nicht halb so zahlreich sind wie die Atlans, die aber selbst nach ganz anderem Beginn immer als ‚Frau an Rhodans Seite‘ endeten. Auch da, wenn denn überhaupt erwähnt, geschweige denn als Handlungsfigur tragend. Das hat auch an einem Mangel an Autorinnen gelegen, wo daher ausschließlich Männer die längste prägende Zeit für Männer und an Männer geschrieben haben. Darum geht es mir in diesem Abschnitt zwar gar nicht, aber hervorhebenswert wichtig ist es dennoch. Denn die Mythen werden allein dadurch schon aktualisiert, indem nun Frauen die ‚Mythenwelt‘ bevölkern in zuvor nicht gehabter Quantität, vor allem aber handlungsrelevanter Qualität.

    Mir geht es aber um Folgendes: Hologramme! Sie kommen in ATLANTIS01 gleich mehrfach vor. Richtigerweise in der anfänglichen handlungsgegenwart, wo sie längst etabliert sind. Auch nachvollziehbar im Rahmen von Omen 4, wo mutmaßlich ohnehin höhere Mächte am Werk und involviert sind, für die dreidimensionale Hologramme das Geringste an technischer Spielerei sein dürften. Bis hierhin alles im Lot. DANN ABER: Hologramme tauchen selbstverständlich im Einsatz auf und zwar an Orten und vor allem Zeiten, dort und dann es gemäß Serienkanon, laut der originalen Heftromane keine Hologramme gegeben hat. Ich höre zur Zeit den für viele legendärsten Meister der Insel-Zyklus nach, Heftromane 200-299 bzw. Silberbände ab Nr. 21. Da sind wir im Handlungsjahr ab 2400 n. Chr., gut 400, fast 450 Jahre nach dem Aufbruch der Menschen ins All (1971). Seither haben sich die Terraner – man muss es so deutlich sagen – alles entliehen und herbeigeklaut, was an Technik herbeizuholen war. Doch auch nach 400 Jahren terranischer Technikentwicklung gibt es immer noch nur Bildschirme und zwar flache ohne auch nur effektheischende Wölbungen. Das Beste, woran man geraten kann, sind Panoramabildschirme, die rundherum laufen und so in ihrer Zweidimensionalität den sich drehenden Betrachter wenigstens eine 360° Perspektive bieten. Das ist jedoch das höchste der optischen Gefühle, derweil Antriebe, Defensiv- und Offensivwaffen zyklusweise anschwollen. So kann man bspw. innerhalb kürzester Zeit die Reichweite des Überlichtantriebes von 0,6 auf 1,0Mio. Lichtjahre vergrößern, um technisch einwandfrei die Kluft zwischen den beiden Galaxien Milchstraße und Andromeda zur Hälfte zu überbrücken.

    Und wenn wir in die Anfangszeit der Serie, Zyklus01 Die Dritte macht, zurückgehen: das arkonidische Reich liegt am Boden, seine hegemoniale Bevölkerung ist degeneriert und zur Regierung des Sternenreiches gar nicht mehr imstande. Dennoch ist als letzter Akt technischer Innovation radikaler Art das bis dahin größte Raumschiff der Flotte, um 8.000 v. Chr. wider die „Methans“ entwickelt, ein 800m durchmessender Kugelriese [IMPERIUM- bzw. Ark. TUSSAN-Klasse] noch um die Testbauten zweier Überriesen ersetzt worden: fast doppelt so durchmessende 1500m Kolosse, die – by the way – die Terraner sogleich zu ‚entleihen‘ verstanden. Nicht von 800 auf um 25% gigantomatisierte 1000m Kugelgiganten vergrößert, nein, man quantenspringt exzessiv. Derlei ist möglich, aber Bildschirme auch nur mit 3D-Effekt sind undenkbar, keinmal beschrieben, nicht mal mit schlecht sitzender Brille visualisierbar.

    Dabei hätte sich schon von Heft0001 an ein Hologramm angeboten: so beschleunigte sich die Degeneration der Arkoniden noch durch sog. Fiktivspiele, deren süchtig machender Gebrauch ganze Raumschiffsbesatzungen an aktiver, zielführender Tätigkeit abhält, während sie paramechanisch ihre Gedanken in Form abstrakter Symbole und eigenwilliger Klangkompositionen ausdrücken. Das ausdrücklich aber auf Fiktivspiel-Bildschirmen, zu mehr es trotz der zugrunde liegenden Technik nicht gereicht hat. Diese Fiktiv-/Simulatorspiele und ihr degeneratives Suchtpotenzial nehmen schon ab dem 08.09.1961 alles vorweg, was im Laufe der Jahrzehnte gegenüber Computerspieler*innen vorgebracht worden ist – eskapistische Realitätsflüchte mit Suchtfaktor. Einzige Ausnahme einer 3D-Simulation ist das buchstäblich einmalige Observatorium der Oldtimer auf Impos, das die Milchstraße in beeindruckender Genauigkeit dreidimensional simulierte, bevor es bald nach der Entdeckung auch schon wieder zerstört war. Laut Perrypedia ist erst mit Heft 953 aus dem Realjahr 1979 und dem Handlungsjahr 3587 n. Chr. ein Hologramm ersterwähnt und eingesetzt worden – 18 Real- und fast 1600 Handlungsjahre nach Serienstart.

    Doch in ATLANTIS kommen Hologramme im Regierungssitz, wo Rowena bestimmmächtig ein- und ausgeht, genauso selbstverständlich vor wie in den ersten drei Omen, die vermeintlich genauso in identischer Vergangenheit angesiedelt sind. Kanonisch ärgert mich das ungemein, ist aber andererseits voll und ganz nachvollziehbar, wieso man hier – meines Erachtens – Fünfe gerade sein lässt. Denn gerade wegen obig skizzierter technischer Quantensprünge Zyklus für Zyklus, wie bezüglich Antriebe und Waffen aller Art jederzeit möglich, ist es derart wirrsinnig, diese Art astronavigatorisch und noch mehr militärisch nützliche Technik nicht auch erfunden zu haben. De facto haben die Gründer der Serie sich intergalaktische Weiten, Raumschlachten zigtausender Kampfraumer, Zeitreisen und so vieles mehr imaginieren können, nicht aber so viel alltagsnähere Technik. In unserer breiten Gegenwart sind seit AVATAR im (Heim)Kino 3D-Effekte längst möglich, wenn auch weiterhin nicht wirklich etabliert; lassen sich sogar Wärmedisplays zur taktilen Simulierung von 3D-Strukturen startuppen. Weil unsere Realität in solchen ‚Details‘ sich derart enorm weit über damalig perryversal als möglich Denkbares hinaus entwickelt hat, wäre eine 8.000 v. Chr. spielende Miniserie unfassbar anachronistisch und oldestschool, wenn sie von hyperschnellen Raumschlachten und planetaren Besiedlungen über Lichtjahrtausende hinweg berichtet, aber noch halb analog mit Lochkarten und verpixelten Röhrenbildschirmen arbeitet. Alle Neuleser*innen wären entsetzt und verstünden vermutlich gar nicht, worum es da geht, ob das Science Fiction oder Ulk sein soll. Man schreibt fürs gegenwärtige Publikum, egal wie viele altgediente Stammleser*innen darunter sind. Da bedarf es mancher Zugeständnisse. Wir kommen seit Jahrzehnten zwar nicht mehr bis zum Mond, basteln aber an Quantencomputern und Quanten-Memristoren, haben es zu 8k Bildschirmen geschafft und können mindestens per Brille selbst daheim 3D simulieren; von Virtualisierung per Gockel Glass & Co gar nicht erst zu reden. Aber von sich eingenommene arkonidische Imperialisten bedienen bloß analog-mechanische Steuerpulte, reichen Lochkarten händisch zu Verarbeitungsmodulen weiter und müssen per Schalter manuell Bild und Funk umständlich zuschalten. All das WAR Standard zu Serienbeginn, ließe sich bei aller Nostalgie aber nur noch an ein Häuflein rigorosester Minimalpuristen verkaufen.

    So kommt es zu ’narrativen Chronoferenzen‘ (analog zu physikalischen Interferenzen), wo sich innerhalb der Erzählung (=narrativ) ungleiche Zeiten überlagern, erzähltektonisch ineinander übergehen und sich gegenseitig verschieben. Da drängen intradiegetische (Wirkmächte innerhalb) und extradiegetische (Wirkmächte von außerhalb der Erzählung) ins Geschehen und beanspruchen je eigene Zeitlogiken. Wer will, kann bei Star Trek DISCOVERY nachschauen, die wirrsterweise 10 Handlungsjahre vor gründungsmythischer TOS-Serie (Raumschiff Enterprise mit Kirk, Pille und Spock) spielt, rund 50 Realjahre nach erster Star Trek-Serie mit modernsten Tricktechniken inszeniert, was mit Röhrenbildschirmen damals unzeigbar war. Dem Prinzip nach ein- und dasselbe Problem, nur um den visuellen Faktor nochmal potenziert. Bei uns hier geht es nur um angelegentliche Erwähnungen schriftlicher Art, die man sich nach Belieben vorstellen kann. Daher: bei aller unwilliger Irritation. Jaja, holographiert meinetwegen die alten analogen Zeiten, wie es narrativ passt!

    4. Das Arkonidische – eine herrschaftliche Sprache

    Nach so grundsätzlichen Überlegungen jetzt eine Randbeobachtung, die zugegeben nichts zur eigentlichen Handlung beiträgt, mir aber mit Interesse auffiel. Nachdem Rowena dem Meer entstiegen und auf Caysey getroffen war, reden beide miteinander. Und mit dem Hochmut einer privilegierten Arkonidin gegenüber einer Wilden stellt Rowena für sich fest: das Arkonidisch habe weniger Kasus als das Atlantische. Und das denkt sie, nur so kommt es bei mir an, als wäre das ein Unding und spräche gegen die Sprache der Atlanter. Noch so randständig linguistische Einschübe gibt es in der Perry Rhodan-Serie so gut wie nie, schlicht weil kein Sprachprofessor Tolkien perfektionistisch mitschreibt. Anderes steht im Vordergrund, nicht ein linguistic turn, obwohl es da spannende sprachliche Verwandtschaftsbeziehungen gäbe. Im Laufe der Zeit ist dann doch ein gewisser Duden des Arkonidischen bzw. Satron =Ark. für: Same Arkon Trona =Hört Arkon Sprechen zusammengekommen, wobei primär nur lexikalisch, also als losgelöste Vokabeln; sehr wenige Sentenzen, die wohl kaum die regulär gebräuchliche Grammatik widerspiegeln. Daher umso interessanter, wenn dann doch eine Aussage hierzu gemacht wird. Da ich kein Linguist bin, kein Arkonidisch aus dem Ärmel erfinden könnte, kann ich jetzt höchstens sprachsoziologische Ideen äußern, was weniger Kasus bedeuten. Eine schnörkellosere Sprache, die ohne viele Wenn und Aber nicht umständlich herumdekliniert, sondern mit imperial-militärischer Schnittigkeit auf den Punkt kommt. Eventuell eine grammatikalische Eigenheit dieser Zeit, die derart militärisch durch dem „Methankrieg“ bis in die Tiefenstrukturen der Gesellschaft geprägt ist. Offen bleibt allerdings, ob es sich um das Satron als Lingua Franca des Tai Ark’Tussan handelt, der Verkehrssprache als Satron-I, oder der Hofsprache der Adligen als Arkona-I. So wie Rowena auftritt und rüberkommt, zählt sie nicht zu Hofadligen, befindet sich ohnehin auch an keinem Hof, sondern bei Caysey am Strand. Gehen wir daher von Satron-I aus, das im Sprachkontakt nicht nur mit humanoiden Völkern und arkonoiden Sprechapparaten zum Einsatz kommt. Das müsste daher ohnehin ziemlich flexibel einsetz- und anwendbar sein und kann sich gar keiner schwer aussprechbaren Schnörkel zur Zierde bedienen. Dies umso mehr, da dies dem Hofadel obliegt, dieser sich durch feine Sprachunterschiede vom einfachen Volk und erst recht Kolonialarkoniden oder gar Fremdvölkern distinktiv absetzt. Der Ton macht die Sprachmusik.

    Worüber sich Rowena jedoch nicht verwundert, verwundert mich. Erst recht, da sie doch einen Logiksektor als Extrasinn hat. Ein paar Kasus weniger beim Arkonidischen bzw. mehr beim Atlantischen – schön und gut. Aber das sind doch marginalste Unterschiede, die als Ausnahme der Regel nur umso supernovaheller machen: das klingt doch erschütternd verstehbar. Wie kann das sein? Eher actionorientierte Rowena hat hier keinerlei ethnologisches Interesse. Was außer Perry Rhodan und Sichu Dorksteiger als Hinzukömmlinge aus der Zeit niemand wissen kann: das Atlantische ist eine postapokalyptische Form des Lemurischen, Lemuu, der Sprache des Volks der Lemurer, die nahezu 40.000 Jahre zuvor auf der Erde lebten, die damals noch Lemur geheißen hatte. Perry wiederum kontaktiert Caysey auf Tefrodisch, das für sie komisch klingt, aber verständlich ist. Die Tefroder als Sprechende des Tefrodisch wiederum sind lemurische Auswanderer, genauer gesagt Flüchtlinge aus der Milchstraße nach Andromeda gewesen. Mit leichten Abweichungen vom ursprünglichen Lemuu entstand das Alt-Tefroda, das sich im Weiteren zum Tefroda, wie es dann zu obig erwähnten Zeiten der Meister der Insel gesprochen wurde.

    Kurzum: wir haben hier en masse Abstammungslinien von den Lemurern als auch deshalb so genannter Ersten Menschheit, aus deren Sprache sich wiederum zahlreiche Dialekte, sodann eigenständige Sprachen entwickelten. Wenn daher sowohl Rowena – mit noch so viel Herablassung – und dann auch Perry mit ungeschulter Atlanterin Caysey gut kommunizieren können, ist das mal kein billiger Trick, kein ‚deus ex lingua‘: Es klappt, weil es muss… Das ist perryversal vielmehr sehr gut nachvollziehbar und ist entlang lemuridischer Verwandtschaften sogar sehr gut bedacht. Nur zu schade, dass trotz dieser grundsätzlichen Festlegungen und einiger rudimentärer Wortschätze keine der perryversalen Sprachen je wie das Klingonische oder Sindarin kunstversprachlicht wurde/werden konnte. Bin zwar so gar nicht sprachenbegabt, wäre dennoch nur zu interessiert! Falls das für jemanden Motivation ist…

    Es heißt immer nur, alle post-lemurischen Sprachen zeichneten sich durch Lautverschiebungen aus, ohne dass es dafür gute Beispiele gibt oder ich sie aus den kleinen Wortschätzen herauslesen könnte. So gibt es für die Atlanter*innen das mythische Wesen Vrutu, das im Alltag eine religiös orientierende Rolle spielt. Rowena wiederum kennt nur Vratu, das/der ein Mythenwesen des Arkonidischen ist. Jetzt war ich mir haluterfest sicher, dass dem so ist, Vratu eine Art Drache sein soll, finde in der Perrypedia jedoch nichts hierzu. So oder so, eine Laut- als Vokalverschiebung von u zu a hat stattgefunden, lässt sich Verwandtschaft noch durchhören. Doch während Vrutu wirklich alltags- und handlungsrelevant ist, ist Vratu nur noch Popkultur, die für Traditionalisten noch von Bedeutung sein mag.

    5. Das Talagon oder Talanis, Kontinent der Schmetterlinge

    Das Talagon – das Geheimnis schlechthin der Miniserie. Ich habe keinerlei Ahnung, was es und von wem es ist. Der Beschreibung nach ähnelt es VERDÄCHTIG einem Zellaktivator / Zellschwingungsaktivator alter Prägung: ein eiförmiges, ähnlich großes Gebilde, das am Körper getragen das tragende Lebewesen relativunsterblich macht. Inzwischen längst durch Zellaktivatorchips (ZAC) ersetzt, die am Schlüsselbein eingesetzt und weniger leicht zu entwenden sind. Aber das Talagon solle sich öffnen lassen können, wenn denn eine passende Energiesignatur zugegen sei. Das ist für einen ZA niemals vorgesehen, da wird nichts geöffnet. Demnach scheint das Talagon eher eine Kapsel als Informationsspeicher o.Ä. zu sein. Nur von wem? Etwa von dem ‚Expeditionsleiter‘ mit reichlich schlechter Laune aus Omen 4? So wie seine Wut und persönliche Motivation vor Ort geschildert wird, wurde ihm das Teil entwendet. Nur von wem das wiederum? Die Szenerie von Omen 4 gemahnt für mich an einen Raumer der Kosmokraten, an eine Kobaltblaue Walze – mit eines der allermächtigsten Schiffe im Universum Oo Damit würde man aber ganz ins oberste Regal perryversaler Kosmologie greifen, um die Erzählung zu fundieren. So wichtig war Atlantis und das Geschehen dort, dass sich höchste Wesenheiten einfinden? Denn ein Auftrag wiederum höherer Herren hat den zornigen Talagon-Sucher dorthin entsendet. Rätselhaft!

    Und Perry erwähnt DIE Assoziation, die bei Talagon plus Atlantis aufkommt: Talanis, die Insel der Schmetterlinge. Doch damit führte die Spur unendlich weit zurück, bis in die frühe Zeit der Superintelligenz ES im 18. Jahrmillion Before Present! Ich hatte letzte Mal zwar wildwüst spekuliert, ob nicht etwa Tonth, der Atlan überhaupt erst ins Larsaf-System rief, alles auslösender Sendbote von ES sein könnte. So wenig es auch nur Indizien hierfür gibt – Sherlock Holmes wäre entsetzt 😀 -, könnten die Verstrickungen in ATLANTIS Jahrmillionen umspannen. Fakt ist, dass Gegenwarts-Atlan das Talagon erkannt und Perry zu seiner Zurückbringung beauftragt hat. Das könnte er nicht, wüsste er nicht um es. Daher nehme ich an, dass alle Wege weiterer Handlung zu Atlan führen, der es entgegennehmen muss. Nur darf er das weder von Perry noch Sichu ausgehändigt bekommen, da er mit fotografischem Gedächtnis und triggernden Extrasinn sich sonst 2040 n. Chr. an Perry hätte erinnern müssen, als sie sich begegneten. Zeitparadoxa, diese verfluchten!

    6. Die homodiegetischen Damen

    In Sie-Perspektive erfahren wir von den beiden homodiegetischen, handelnden Figuren, die für Perry und Sichu von großer Wichtigkeit sind. Für Caysey fürchte ich aber, dass sie figürliches Mittel zum Zweck bleibt, auf Zeit wichtig ist, um als mutmaßliche Empathin, ggf. sogar Telepathin zugunsten Rhodans einzugreifen. Sie kann gleich einem Orakel Vor-Wissen erlangen, dass sich die zeitgestrandeten zu Nutze machen können. Ihre Rolle wird so beschrieben:

    Aus einem Stamm von Menschen, die auf dem Kontinent Atlantis siedeln, kommt Caysey. Die mutige junge Frau wird nicht unbedingt aus freiem Willen in die Geschehnisse hineingezogen. Als jemand, der buchstäblich aus der Steinzeit kommt, muss sie sich mit moderner Technik, mit Robotern und Raumschiffen etwa, auseinandersetzen …Drei weibliche Hauptfiguren

    Vielleicht täusche ich mich aber auch. So ist ihre Schwangerschaft zum Beispiel auffallend exponiert, erst recht wie leichtfüßig sie sich trotzdem durchs Gelände bewegt. Was für ein Kind das wohl wird? Und von wem?

    Demgegenüber Rowena, die mir schon qua Rolle und potenziellen Kompetenzen – wenn sie denn mal emotionsärmer auf ihren Extrasinn hören würde – wesentlicher erscheint. Sie ist es, die das mysteriöse Talagon ‚entsorgen sollte – wer auch immer ihr den Auftrag gab und wieso sie sich nicht nachhaltiger darüber wundert, wo sie kurzzeitig jenseits der ‚Zeittür‘ gelandet war. Für wen sie da die Entsorgerin gespielt hat, dürfte noch entscheidend werden. Ich vermute, dieser abgelegen hausende, als verrückt beschriebene Wissenschaftler wird da seinerseits maßgeblicher Mittler sein. Ihre Rolle wird im Übrigen so skizziert:

    Ein ganz neuer Charakter ist Rowena. Die Arkonidin, über die man anfangs nichts weiß, erweist sich schnell als die Person, die alle weiteren Ereignisse auslöst. Von Perry Rhodan wird sie als Gegnerin betrachtet, weil sie sich auch so verhält – aber welche Gründe bewegen Rowena eigentlich, den Terraner so erbarmungslos zu jagen?Ebenda

    Doch anderes finde ich vorerst interessanter: sie kann ein- und ausgehen beim lokalen Gouverneur, der nicht Atlan ist, dem sie als schweigsame graue Eminenz aber manipulativ zu lenken versteht. Offensichtlich, weil er ein gieriger Lüstling ist, den sie schamlos lockt, was für einen Typen wie ihn schon zu reichen scheint. Dass sie wiederum Extrasinn-Trägerin ist, zeichnet sie als arkonidische Elite aus, da größtenteils nur „reine Arkoniden“ aus hohen Adelshäusern sich die Prozedur leisten können. Dass sie dann jedoch nicht in hohem, offiziellem Rang und auch noch abseits von allem tätig ist, fällt auf. Am Wichtigsten aber ihr beiläufiger Gedanke, dass sie vor 20 Jahren in Diensten und auf der Seite von Orbanaschol gestanden habe. Orbanaschol, seines Zeichens der Dritte seines Namens, Imperator über das Tai Ark’Tussan von 8040 bis 8020 v. Chr., Usurpator, Mörder seines Halbbruders, der als Gonozal VII. Vater von Atlan gewesen ist!!! Davon erzählt der Atlan-Zyklus: Der Held von Arkon, den es als die Jugendabenteuer auch in Buchform der Blaubände gibt. Sie erzählen davon, wie der kleine Atlan gerettet werden kann und als junger Mann die Rückeroberung des Throns erzwingt. Einen Thron, den er dann seinem Oheim anvertraut, der als Gonozal VII. weiterregiert, während Atlan Kristallprinz bleibt und Flottenadmiral wird. In dieser Konstellation gelangt Atlan nach Larsaf, etwa 20 Jahre nach der Niederschlagung der Usurpation. Und jetzt ist eine Putschistin wider Atlans Vater quasi ‚am Hofe des Kristallprinzen‘, auf dessen höchst eigener Insel-Welt??? Allein das ist schon auserzählenswert genug. Doch sie ist dann noch zutiefst verwickelt in die Causa Talagon, worauf eines der Omen auch nochmal explizit hinweist. Als gäbe es da eine Verschwörung, Machenschaften, die in Atlans Rücken (oder ggf. während seiner Abwesenheit von Larsaf?) gesponnen werden. Ob Doppelgänger oder nicht, dass sie freimütig auf Atlan schießt, ihn der Beschreibung nach tödlich verletzt, scheint so unmöglich nicht.

    7. Ein erstes Fazit von Zwölfen

    Längste Rede, trotzdem ein Sinn. Wie finde ich es denn jetzt? Gut! Ein assoziationsprallgefüllter Erstling, in dem man schon fast zu viel zu entdecken GLAUBT, was auch Spuren in Zeitraumfallen sein könnten;-) Zeitweise dachte ich beim Lesen, wir wären in einem Paralleluniversum, vor allem die ersten drei Omen danach klangen. Atlan tot?? Gefallen im Methankrieg? Kann nicht sein! Pure Propaganda oder Stille Post in den Nebeln des Krieges, wo jemand ggf. nur zu gerne glauben will, dass dem so sei. Doch der Flottenadmiral kommt vor, so viel ist geklärt. Wer die ‚Talagonisten‘ rund um Rowena sind, erahne ich nur vage anhand der Erwähnung von Orbanaschol. Sich rächende Rache, eine Halbbruderfehde über den Tod hinaus, als wären wir in einer isländischen Saga. Und wer da Larsaf III. anfliegt – rätselhaft. Gespottet habe ich in der Handlungszusammenfassung ja schon, dass es doch arg wie eine Rollenspiel-Quest anmutet, wo man purzelbäumig in die Handlung stürzt, um vor Ort – Atlantis – vorerst lang- und umwegig herumzulaufen in der Hoffnung auf weiterhelfende Questfiguren. Doch wie anders machen? Agatha Christie gleich alles in einem Raum / Gebäude stattfinden lassen? Denkbar gewiss – nur dann hätten wir die Unterseekuppel nie verlassen brauchen, die sich dafür optimal angeboten hätte. Questhelfer halten sicher zahlreich Domizil in der Festung Arkonis, wie Lucy Guths Erstbeitrag zur Serie in schöner Reminiszenz lautet. Doch inwieweit ist Arkonis, die atlantische Hauptstadt der Arkoniden eine Festung? Festung zum Schutz, zur Verteidigung und zum Abhalten von wem? Ein paar edlen Wilden der Entwicklungsstufe A-3, bloßen „unterentwickelten Kreaturen“? Wohl kaum. Ich bin gespannt wie ein Zen-Bogen…

    Epilog: Weitere Hintergründe – eine allererste Spur

    Folgendes zugegeben nicht mehr präsent gehabt, falls ich es je so bewusst erlesen hatte. Aber Atlantis wurde nicht in vielzitiertem Heftroman 60 Festung Atlantis ersterwähnt, sondern hatte einen Vorgriff bereits im Heftroman
    Die Venusbasis: „Sie erreichten die Venus und stießen auf ein Geheimnis, das älter als die Menschheit war…“ Zur Handlung: nachdem erste außerirdische Gegner (Fantans, Individualverformer) abgewehrt werden konnten, nahm „die Eroberung des Alls“ Fahrt auf, der erste Flug der Menschheit über die Mondbahn hinaus gen Venus stand an. Dort jedoch unverhofft von einer „Venusbasis“ und vermeintlichen lebenden Gegnern zur Landung gezwungen, kämpfen sich Rhodan und BegleiterInnen bis zum Stützpunkt vor, der sich als Standort der Venuspositronik und ihrer exekutiven Roboter erweist: „Der »Kommandant« – Seit 10.000 Jahren erfüllt er seine Pflicht, ohne müde zu werden.“ Wie es gut bestromte Technik zu tun pflegt;-) Und sobald die „Venusbasis“ eingenommen werden konnte, der Mensch Rhodan statt des Arkoniden Crest als Kommandant Anerkennung gefunden hatte, erfahren die staunenden Menschen und irritierten Arkoniden die Geschichte dieser arkonidischen Hinterlassenschaft:

    „Dieser Stützpunkt“, begann Crest, „ist nach Ihrer Zeitrechnung etwa zehntausend Jahre alt. Nach der Geschichte des Galaktischen Imperiums stammt er aus der Periode der ersten Kolonisation. Die Kolonistenflotte, die sich auf diesem Planeten niederließ, hatte ursprünglich ein anderes Ziel. Sie unterbrach ihren Flug, weil den Kolonisten der dritte Planet dieses Systems ein erstrebenswerterer Hafen zu sein schien als die Welt, die man ihnen nach den arkonidischen Sternkarten zum Ziel bestimmt hatte. Da sich jedoch beim Anflug herausstellte, daß der dritte Planet – Ihre Erde! bewohnt war, landete die Flotte zunächst auf der Venus und bereitete die Besiedlung der Erde von dieser Welt aus vor. Dabei entstand, gewissermaßen als Ausweichstation, die Festung, in deren Innerem wir uns jetzt aufhalten. Die Arkoniden – die Chronik spricht von zweihunderttausend – besiedelten auf der Erde einen Kontinent, den es nach meinem Wissen heutzutage nicht mehr gibt. Er bildete damals, vor zehntausend Jahren, den Überrest eine Landbrücke zwischen den afrikanisch-europäischen und den amerikanischen Landmassen. Das Kolonistenreich war jedoch nur von kurzer Dauer. Sie werden sich über die Ursachen der Katastrophe, die das Reich vernichtete und die gesamte Erde in Mitleidenschaft zog, später in Einzelheiten informieren können. Auf jeden Fall entgingen nur fünf Prozent der Arkoniden der Katastrophe und kehrten zur Venus zurück. Sie berichteten über einen Angriff Unsichtbarer. Es ist klar, daß sie damit nur persönliches Versagen entschuldigen wollten. Damals verfügte der Venusstützpunkt noch über eine halbe Flotte raumtüchtiger Fahrzeuge – raumtüchtig in dem Sinn, daß die Schiffe fast ohne Zeitverlust jede beliebige Entfernung zurücklegen konnten. […]Crests Erklärungen Rhodan und Co gegenüber in PR0008 Die Venusbasis von Kurt Mahr

    Genauer gesagt, zitiert nach Silberband 002, der Hardcover-Buchzusammenfassung der Heftromanserie mit angelegentlichen Anpassungen. Denn im originalen Heftroman sowie der regulären ebook-Version (der sog. 6. Auflage) waren diese beiden Sätze NICHT schon enthalten: „Sie berichteten über einen Angriff Unsichtbarer. Es ist klar, daß sie damit nur persönliches Versagen entschuldigen wollten. “ Im Wissen um Atlans Erinnerungen an interplanetare Raumschlachten mit den Druuf aus vielzitierter Nr. 60 Festung Atlantis ist dieses Foreshadowing für SiBa-Leser*innen eingefügt worden, wovon man zur Realzeit des zugrunde liegenden Heftromans noch nichts wusste. So hat man mitunter Kreise geschlossen, die ursprünglich offener angelegt waren.

    So oder so faszinierend, dass und wie Exposé-haft präzise schon stolze zweiundfünfzig Hefte und ergo exakt ein Realjahr zuvor der Mythos bereits in die Serie noch überlesbar eingeflochten worden ist. Damaliger Kommandant arkonidischer Kolonisierungsbemühungen, Atlan, noch ungenannt; der Rest ist in dieser Kürze präzise angelegt. Umso verwirrender für mich, dass ich es nicht präsent hatte, hierhin nicht meine erste Assoziation (unbetreut) führte, da ich SiBa002 schon mehrfach hörte; außerdem Rhodan auf Crests Bericht hin Atlantis für sich doch noch beim Namen nennt:

    Rhodan war von dem Bericht als solchem weniger beeindruckt. Was ihn ruhig und beinahe andächtig machte, war die Tatsache, daß hier – aus den Überlieferungen einer außerirdischen Intelligenz – zum erstenmal ein Hinweis auf die Existenz des sagenhaften Reiches ATLANTIS auftauchte. Nicht anders, glaubte Rhodan, konnte der Bericht über das Kolonistenreich auf dem Erdteil zwischen Europa-Afrika und Amerika verstanden werden. Ein Lächeln lief über Rhodans Gesicht, als er daran dachte, daß die Arkoniden, die der Zufall vor einem Jahr hatte auf dem Mond landen lassen, jetzt offenbar nicht nur für die irdische Technik ein unschätzbarer Gewinn waren, sondern ebensosehr für die Geschichtswissenschaft, insofern, als sie mit ihren eigenen Aufzeichnungen in der Lage waren, eines der am wenigsten beleuchteten Gebiete der Menschheitsgeschichte – das Reich ATLANTIS und die Vorgänge während der Sintflut – so aufzuhellen, daß alles sichtbar wurde. Rhodan nach Heftroman 0008 bzw. Silberband 002

    Kann meinen Lapsus nur so erklären, dass ich mich vor allem beim Ersthören noch so überhaupt gar nicht für Atlantis als Mythos interessierte und trotz Atlans Bericht (Nr. 60 und 70) sodann auch keine inneren, halb so bewegten Bezüge herstellte wie Rhodan, durch den für uns all das doch schon vorgedacht worden war. Umso netter, immer noch „Neues“, gerade wenn es schon dermaßen 61 Jahre alt ist, zu entdecken (wie Kolumbus Amerika, nachdem es seit jahrzehntausenden längst bewohnt war).

    PERRY RHODAN ATLANTIS – Weiteres vorab

    Hallo Mitwelt!

    Wie angekündigt und versprochen, so nicht zum Versprecher verkommen. Es geht mit PERRY RHODAN-ATLANTIS hier weiter. Und doch noch mit kurzem Prelude, bevor ich ins Heft 01 DAS LAND DER STERNENGÖTTER nächstmals hineinzoome. Wie gesagt, ich höre die Miniserie als Hörheft, im Zwei-Wochen-Rhythmus bei Einsamedien erscheinend und ebendort noch jederzeit zu abonnieren. Gesprochener Band01 kam bereits letzten Freitag raus und ich hatte ihn auch schon bis Samstag durchgehört – will und werde ihn aber nochmal hören, um manch ephemeres Detail gepackt zu bekommen. Also noch einen Schritt vorab und heute zunächst zu dem Sprecher auch dieser Miniserie, einer Assoziation durch den Hefttitel und weiteren Hintergründen zum Auslöser von allem im Larsaf-System…

    1. Der Sprecher: Renier Baaken

    Renier Baaken, stimmlich seit Langem wohlvertraut, weil vielleicht die intonative Stimme fürs Perryversum, der wie nur noch Josef Tratnik für die Silber Editionen den Einsamedien-Verklanglichungen Stimme gegeben hat.

    Die Ewiglaufende (=Perry Rhodan-Erstauflage) wird selbstverständlich ebenso fortlaufend Woche für Woche als Hörheft von plus-minus 3 (mitunter 3,5) Stunden von Einsamedien begleitend herausgebracht. „Selbstverständlich“ schon deshalb inzwischen, weil diese andauernde Meisterleistung seit 15 Jahren ausnahmslos erfolgt, das erste Hörheft am Freitag, 17. August 2007 zum Download online gegangen ist. Ein Testlauf war dem vorausgegangen, die Vertonung zu Band 2300 Vorboten des Chaos als Auftakt des Terra Nova-Zyklus. Die Resonanz war so gut, dass mit dem Zyklus Negasphäre ab Band 2400 Zielzeit jeder Zyklus seither auch in die Ohren ging:)) Und Stimme des Startpunkts war – natürlich – Renier Baaken. Ja, er prägte gleich den ersten Zyklus aus 100 Heften, indem er 25 davon, ein Viertel aufsprach und den Zyklus nicht nur begann, sondern mit 2499 Das Opfer auch beendete. Und in allen Zyklen seither, die ich nicht aufzähle und verlinke, hat er pro 100 Hefte immer 24 bis 27 davon aufgesprochen, ist in 15 Jahren kontinuierlich unverstummbar dabei geblieben. Wenn es ein auditives Priming gibt, dann steht Renier Baaken mit seiner Stimme perryversal dafür ein. Hat besagter Josef Tratnik durch die Vertonung der Silberbände allen voran die in Buchform aufgearbeitete Anfangszeit der Serie der 1960er Jahre ins Ohr geholt, so hat Baaken die Serienmoderne be-stimm-t!

    Aber es geht noch tüchtig weiter: Ein Viertelzyklussprecher der Ewiglaufenden einerseits. Von den von 2014 bis 2021 erschienenen acht Perry Rhodan-Miniserien hat er

      li>die Miniserialisierung der Hörhefte ebenfalls hörbar begonnen und gleich Miniserie-Nr.1 Perry Rhodan-Stardust von Juni bis November2014 zwölfbändig gesprochen. Zugegeben, mir noch im Ohr, dabei Perry etwas hastig und bemüht locker intoniert worden;

    • der zweite Streich miniserial mit Perry Rhodan-Terminus von 2017 sowie
    • Perry Rhodan-Olymp von 2018,

    womit er stolze drei von acht Miniserien vollständig eingesprochen und unseren Mann im All durch Räume und Zeiten begleitet hat. Dass er mit Perry Rhodan-Atlantis – ergo Miniserie 4 von 9 – ins Jahr 8000 v. Chr. zurückreist, wird ihm so unvertraut auch nicht sein, denn er hat auch das Gros der dreizehn Atlan-Zeitabenteuer verstimmlicht, die von Atlans zwangsweisem Aufenthalt auf der Erde just nach Untergang von Atlantis und Beendigung arkonidischer Kolonisierung berichten. Baaken präludiert nun, wovon er schon stundenlang erzählt hat.

    Und ohne hier ins endlose Rühmen zu geraten, doch noch zum Anfang aller Töne: die Einsamedien-Hörspiele, die seit 2002 erschienen waren, vor also auch schon 20 Jahren, seit Jahren jedoch längst eingemottet wurden:-( Hier hatte FAST mit dem ersten Ton Renier Baaken mitgemischt, seit Nummer 02 Das Vurguzz-Imperium ist er in wechselnden, meist nur kleinen, noch nur randständigen Sprechrollen dabei. Anders gesagt: GRATULATION UND GLÜCKWUNSCH FÜR UNS ALLE ZU ZWANZIG JAHREN PERRYVERSALEN TONINSZENIERUNGEN DURCH RENIER BAAKEN – DANKE RENIER BAAKEN!!! ATLANTIS daher unvermeidlich SEIN Sprechstück zum Jubiläum!:))

    2. Retroassoziation: Das Land der Götter

    „Das Land der Sternengötter“, so der Titel des Auftaktromans hinein nach ATLANTIS. Dieses Land ist der Inselkontinent Atlantis selbst und die Sternengötter sind die über ihn Herrschenden, sind die Arkoniden. „Götter“, die von den Sternen kamen – einerseits. Andererseits – perryversale Doppeldeutigkeit – gehören zur (religiösen) Glaubens- und Mythenwelt der Arkoniden die 24 She’Huhan, Sternengötter, je 12 weibliche und männliche, der Unterwelt des Großen Schwarzen Lochs im galaktischen Zentrum sowie der Oberwelt entlang der Sternenhaufen im galaktischen Halo zugeordnet. Vermeintliche Sternengötter, die Sternengötter haben. Also doch höchstens Halbgötter, halbgöttliche Helden? Frei nach Arthur C. Clarkes Diktum, dass jede ausreichend fortgeschrittene Technologie wie Magie erscheine, so erscheint jedes ausreichend soziotechnologisch fortgeschrittene Volk wie die Bewohner eines Pantheon.

    Indigene wiederum sind die Atlanter*innen als „edle Wilde“ und durch die Arkoniden Beherrschte. Über sie heißt es, bevor die Kolonisierung von Larsaf III (=Erde/Terra) Fahrt aufgenommen hatte:

    Tarts gab zu bedenken: „Die dritte Welt dieser Sonne hat bereits eigenes Leben entwickelt. Die dortigen Wesen stehen allerdings auf einer sehr niederen Intelligenzstufe, aber sie sind arkonidenähnlich. Das Gesetz verbietet es, sauerstoffatmende Intelligenzen zu verdrängen.“
    „Nur solche über der Intelligenzstufe C“, sagte ein anderer Kolonist rasch.
    „Welche Stufe haben sie denn erreicht?“ erkundigte ich mich.
    „Höchstens A-3, Erhabener. Ich war einmal dort. Es sind primitive Wilde mit Gerätschaften aus Steinen. Sie sind noch nicht soweit, die Schäfte ihrer plumpen Äxte durchbohren zu können. Die Stiele sind noch angebunden.“
    Das sagte allerdings genug. Das Gesetz verbot es nicht, solche Planeten zu übernehmen, zumal die Erfahrung zeigte, daß unterentwickelte Kreaturen nur profitieren konnten. Ich erhob mich und beendete damit die Audienz.Zitiert aus 60 „Festung Atlantis“, Kap. 4 von Exposéautor K. H. Scheer

    Das ruft mehrerlei hervor:

    1. „Das Gesetz verbietet es, sauerstoffatmende Intelligenzen zu verdrängen.“ Nichtsauerstoffatmende, noch so clevere Intelligenzen hingegen schon? Erste zivilisatorische Verluste durch den tobenden „Methankrieg“ wider die eben nicht Sauerstoff verstoffwechselnden Maahks, die daher auch rassistisch abwertend bloß als „Methans“ stigmatisiert werden, obwohl sie Wasserstoff atmen? Das erklärt dann auch den Umgang mit den Motunern oder Mooffs. Die Zivilisationsdecke ist dünn…
    2. „Die Erfahrung zeigte, dass unterentwickelte Kreaturen nur profitieren konnten.“ UNTERENTWICKELTE KREATUREN – nicht „edle Wilde“, „Barbaren“ oder derlei, sondern Kreaturen, die auch noch unterentwickelt sind. Und das aus dem Munde seines Zeichens Kristallprinz und Flottenadmiral des Großen Imperiums Atlan da Gonozal. Und das gegenüber sauerstoffatmenden Arkonoiden und nicht etwa über exotische Xenomorpha gerichtet. Kein Wunder, dass er für derart habituell dünkelnde Verachtung mit 10.000 Jahren Strafkolonie Erde standrechtlich abgeurteilt worden ist:-) Da wurde er als Gladiator der Zeiten in die Arena zu den Kreaturen entlassen, zu deren Dompteur er zwangsweise werden musste!
    3. Intelligenzstufe C, ab der Arkonide die Indigenen nicht mehr verdrängen dürfe, darunter schon[1]. Bewohner von Larsaf III haben jedoch nicht einmal B-3 (ggf. knapp unterhalb von C), sondern 8.000 v. Chr. bloß A-3. Wohlwollend also noch viel Spielraum nach oben, bis sie eigenständig intelligent genug sind, um nicht mehr von wohlwollenden Imperialisten zum Zwecke der Zivilisierung „verdrängt“ werden zu dürfen. So ergeht es also unseren Vorfahren ein Paralleluniversum weiter. Ach, ja nicht erst dort – das ist ja bloß eine Spiegelung realer Vergangenheiten, die auf Erden nur erst gar keine „Schonungsräume“ vorgesehen hat(te).
    4. Jenseits des Spotts muss man festhalten, dass es für Individuen einer Gesellschaft, also mit ETWA gleichen soziokulturellen Startbedingungen entwicklungspsychologisch ganz reale Modelle gegeben hat und gibt, wo Mensch die Stufen einer Treppe emporklimmt. Beispiele das Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung sowie die Kompetenzstufenentwicklung vom (noch) in- zum kompetenten Individuum. Überträgt man das A) auf Völker und B) transferiert es in eine völkerreiche Galaxis, wo C) ein Volk wie die Arkoniden vorherrschend sind (zu sein glauben), dann ist es D) gar so entfremdend nicht mehr, meint man hier Rangfolgen feststellen und festlegen zu können. Rangfolgen, bei denen man stets als schon „erwachsen“ und „zivilisiert“ axiomatisch zum Indexwert als Maß aller Völker unvermeidlich geworden ist. Man gehe nur zurück ins Lange 19. Jahrhundert als Zeit von rassistisch kolonisierenden Imperien auf der Suche nach dem Platz an der Sonne. Lektüre dieser Zeit die bald veröffentlichten Tagebücher des Mordbefehlhabers Lothar von Trotha – ein Deutscher.

    Das Titelbild [von Johnny Bruck zu Nr. 60 Festung Atlantis] zeigt Atlan im Ornat der herrschenden Dynastie nach der Landung der TOSOMA auf Atlantis, als er in Begleitung von Inkar erstmals den Atlantern begegnet. Im Hintergrund ein Bauwerk, das einer Maya-Pyramide (z. B. der  Pyramide des Kukulcánin  Mexiko oder dem  Tikaltempel in Guatemala) nachempfunden ist. Die Szene wird auf S. 26 beschrieben. Titelbild und Text der Perrypedia entnommen

    Leicht verquatschte Vorrede hin zur Assoziation, die „retro“ ist, weil sie bis in den ersten Zyklus Die dritte Macht zurückverweist, zu Heftroman 35 „Im Land der Götter“: „Das Leben auf Goszuls Planet wird für die „Götter“ gefährlich – denn Perry Rhodans Mutanten sind am Werk …“ Die zur Menschheit vereinten Erdenmenschen erwehren sich einer nächsten Gefahr von außen, den Galaktischen Händlern, Selbstbezeichnung Mehandor (Ark.: Händlervolk), wegen ihres sternennomadischen Lebens in Handelsschiffen von den Terranern anschaulich, aber oberflächlich „Springer“ genannt. Sie sind ihrerseits Arkonidenabkömmlinge, die sich volksweit auf den Handel im Großen Imperium spezialisiert haben und seit 8.000 Jahren (Handlungszeit Ende des 20. Jhdt.) ein Monopol auf Handel im und am Rande des Großen Imperiums oder darüber hinaus innehaben. Und dieses Monopol verteidigen sie mit allen – auch kriegerischen – Mitteln! So haben sie über das Große ein – sozusagen – Ökonomisches Imperium gelegt, forcierten seit jeher eine zweite Kolonisierung der (geringteilig erschlossenen) Galaxis und zwangen so viele Völker in ökonomische Abhängigkeiten. Geplant auch die Terraner, die frei nach dem großen Philosophen Mike Tyson handelten: „Jede*r hat einen Plan, bis man eine Faust im Gesicht hat.“ Und diese ‚terranische Faust‘ war eine psibegabte und nannte sich Mutantenkorps. Mitten in diesem ‚Faustkampf‘ finden wir uns im Heftroman Im Land der Götter wieder. Der Handlungssog hat uns nach Gorr im 221-Tatlira-System gerissen. Die Welt heißt jedoch nicht länger Gorr, benannt nach den arkonidischen Kolonisten, den Gorrern, sondern Goszuls Planet, benannt nach ihrem Mehandor-‚Entdecker‘ (kolumbischer Art) namens Goszul. Dieser ist ein waschechter Patriarch der Mehandor, die in patrilinearen Sippenverbänden eines lupenreinen Patriarchats leben, wo das Wort des Patriarchen Gesetz ist. [Niemand hat die Absicht, an Der Pate zu denken!] Und so hat der Mahlstrom eines galaktischen Gutsherrenkapitalismus nicht vor Gorr Halt gemacht, sondern die Welt in das ökonomische Geflecht der Mehandor verschlungen. Jahrtausende nach der Kolonisierung durch die Arkoniden, längst vergessen und ohne Anbindung an das Reich, hatten die Gorrer zivilisatorisch ohnehin schon einbüßen und statt psychosozialen Fort- nur Rückschritt erleiden müssen. Ihre galaktische, ja imperiale Herkunft war ihnen schon lange nicht mehr bewusst, als Patriarch Goszul sie ‚zurück ins Reich‘ und die galaktische Familie holte. Damit die nur noch Goszuls genannten Gorrer als Proletariat besser zu beherrschen wären, half Goszul per gezielter Seuche nach und förderte die Verdummung seiner Schäfchen. So viel zum Wirken der antiprometheischen „Götter“, die ihr Feuer des Wissens argwöhnisch vor ihren ‚Untergebenen‘ hüteten. Sie residierten auf „Götterland“, dem Nordkontinent von Goszuls Planeten. Bis dorthin die Terraner kamen und die Unterdrückten befreiten, in die Freiheit säkularisierten, indem sie sie von ihren Göttern enttraditionalisierten – sozusagen.

    Die Assoziation ist unüberlesbar und doch sind die Vorzeichen freilich ganz andere. Beginnend damit, dass wir die Geschichte um die unterdrückten Gorrer, die als versklavte Goszuls ‚Götterdienst‘ betreiben mussten, nur aus terranischer Sicht erzählt bekommen und somit als einzig Unrechtsverbrechen an der Gorrheit. Ob eventuelle Kriege unter den Gorrern durch die „Götter“ ausgemerzt worden sind, bleibt historisch unerforscht. Ja selbst die Kollateralschäden unter den Göttern während des Titanenkampfes bleiben ungezählt (Massenabfertigung Oo). Demgegenüber wissen wir – bis jetzt – nur aus Atlans Erzählungen von Atlantis, das er immerhin nicht selber nach sich benannte, aber nach ihm als Kristallprinz und Flottenadmiral zu Ehren benannt worden ist. Nach ihm, der wie ein Sternengott über allem thronte; nach dem anfänglich auch die atlantische Hauptstadt „Atlopolis“ genannt worden war, bevor sie im imperialen Bewusstsein nach heimischer Welt der drei Planeten in Arkonis umgetauft wurde. Kurzum: Was hier einen mythischen Schauer erzeugt und Urquell zahlloser Mythen und Legenden auf Erden werden konnte, von ihrem Ende her gedacht wohlwollend als schon richtig so verstanden wird, kann eine Welt weiter schon Hort ausbeuterischer Tyrannei sein, die es rigoros zu beenden gilt. Ein Ende, das Atlantis auch von außen ereilte, aber nicht zu deren Befreiung, sondern endgültigem Untergang führte. Was noch zu erwähnen wäre: die Goszuls waren als Gorrer arkonidische Auswanderer, somit ebenso Nachkommen der Arkoniden wie die Mehandor selber. Sie sind somit nichts als ein ‚Geschwistervolk‘, direkte Anverwandte, wenn auch in Vergessenheit geraten. Dürfte man aber wissen, wenigstens erahnen, so wild die Kolonisierung durch das Große Imperium verlief. Wenn Goszul dennoch zupackt und ein ganzes arkonoides Volk freimütig in Sklaverei zwingt, sagt das alles über diese Mentalität. Tatsächlich noch lange nicht zu wissen für die damaligen Arkoniden rund um Atlan, dass auch die Atlanter*innen mit den Arkoniden verwandt gewesen sind, jedoch verzweigter, nämlich als Nachfahren arkonidischer Vorvorfahren, wenn man so will. Aber das ist eine andere Geschichte…

    Auslöser von allem

    Ich war vor vier Tagen auf dem zweiten Planeten der kleinen, gelben Sonne angekommen, die ein Forschungskreuzer unter Larsaf entdeckt hatte. […] Der Große Rat von Arkon hatte mich drei Wochen zuvor über Hyperfunk aus meinem Einsatzgebiet zurückbeordert und mir den Befehl erteilt, mit meinem Expeditionsgeschwader Larsas Sonne anzufliegen, um auf dem zweiten Planeten dieses einsamen Sternes nachzusehen, was der aufgefangene Verzweiflungs-Funkspruch eines Kolonisten namens Tonth zu bedeuten hatte. […] Ich hatte die große Entfernung von etwa 32000 Lichtjahren in vier Transitionen überwunden und war wenig später mit der TOSOMA sowie den beiden Schlachtkreuzern ASSOR und PAITO auf dem großen Raumflughafen von Larsa gelandet.Heftroman 60 Festung Atlantis von K. H. Scheer – Kap. 4

    Aufgrund eines Funkspruches als Hilferuf eines Kolonisten gelangt Atlan in ein so unwahrscheinlich abseitig gelegenes Sonnensystem, das trotz der Erstentdeckung durch Larsaf und der administrierten Besiedlung durch Amonar sonst nie jemand im Großen Imperium zur Kenntnis genommen hätte. Ja, während der Methankrieg bereits tobt, wird Atlan und sein Flottengeschwader nicht etwa wegen angreifender und Tod säender „Methans“ dorthin beordert, sondern bloß weil ein anmaßender Administrator sich klassistisch weit über die ihm untergebenen, „ständig aufsässigen Kolonisten aus den tiefsten Schichten des Volkes“ (Zitat dieses Amonars) erhoben hat. Denn mit Atlans Worten ist die imperiale Lage so dermaßen schlimm:

    Das Große Imperium unter Arkons Vorherrschaft rang um sein Weiterbestehen. Der sogenannte Methankrieg nahm all unsere Kraft in Anspruch. Wir wußten zu jener Zeit noch nicht, daß er unser Volk zum Ausbluten und das Imperium an den Rand des Abgrundes bringen würde.Atlan in Festung Atlantis – Ende Kap. 5

    Inmitten disruptiv mörderischen Krieges kümmert sich EIN FLOTTENADMIRAL im geadelten Rang eines Kristallprinzen um so eine vergleichsweise Nebensächlichkeit irgendwo im Nirgendwo an den ausfransenden Rändern des Reiches. Über – das muss man sich vorstellen – zweiunddreißigtausend Lichtjahre hinweg vom Großen Rat Arkons dorthin abkommandiert. Zur Orientierung: die Entfernung von Arkon zu Sol beträgt 34.000 Lichtjahre. Nun ist das Weltall drei-, manche behaupten gar vierdimensional und es gibt mehr gedachte Linien im Raum als die Achse Arkon-Sol. Wo eigentlich Atlan hergekommen ist, wie weit das wiederum von Arkon gelegen hat, wird nie klarer. Auch dieser Kampfort, von wo er gen Larsaf gekommen ist, muss bereits hinterstes Irgendwo des Imperiums gewesen sein, wird wohl kaum in relativer Nähe zum imperialen Zentrum, dem Kugelsternhaufen Thantur-Lok (Ark. für: M 13), gelegen haben (34000 minus32000 =2000 Lichtjahre in einem eindimensional geradlinigen Universum).

    Das Bild zeigt M 13, wie es ganz astronomisch real von der Erde aus zu beobachten ist, gelegen im Sternbild des Herkules. Credit Line and Copyright: Adam Block/Sid Leach/Mount Lemmon SkyCenter/University of Arizona - bei der Perrypedia entnommen

    Diese erneut auf Copyright Stefans Kochs exzellenten PR-Sternenatlas.de verweisende Sternenkarte zeigt in der Übersicht die heimische Milchstraße in Quadranten, wobei der nordwestliche Arkon beherbergt, schon im südwestlichen gelegen ist wiederum Terra/Sol. Damit ist zu erwähnen, wie wenig

    Und hier - Verweis geht zu Copyright Stefan Kochs PR-Sternenatlas.de - nochmal das Tai Ark'Tussan als Sternenkarte, um einen Eindruck der Ausbreitung des Reiches zu bekommen.

    Zurück zum Auslöser für Atlans Verwicklung in irdische, allzu irdische Angelegenheiten: Tonths Funkspruch also, der von „maßlosen Übergriffen und unnötigen Härten des Administrators Amonar aus der unbedeutenden Familie der Cirol“ berichtet, der tatsächlich „seine Befugnisse weit überschritten hatte“, holen Atlan ins Larsaf-System, speziell auf die bis dato einzige Kolonie auf Larsaf II, Larsa. Zwar hatte Administrator Amonar „aus der wilden, unbesiedelten Welt eine Musterkolonie gemacht, Städte und Raumhäfen angelegt sowie den Bau eines Robotgehirns von solchen Maßstäben angeordnet“, dass allein dies schon über die Maßen war. Doch hatte er sich vergriffen, nämlich „seinen Ruhm mit dem Blut unserer Kolonisten erkauft. Die fähigsten Wissenschaftler und Techniker der Siedler waren ausschließlich dazu eingesetzt worden, den Automaten zu vervollkommnen.“ (Zitate alle von Atlan, zit. n. Festung Atlantis). Der „Automat“ ist, was später – 10.000 Jahre – als koloniales Überbleibsel wichtiges Trittbrett für die Terraner ins All werden sollte: die Venuspositronik – für lange Zeit die größte Positronik zu Diensten der Menschheit. Kaum war Amonar ‚entfernt‘ worden, tritt Tonth auf den Plan:

    „Draußen wartet eine Abordnung der Siedler. Ein gewisser Tonth bittet um eine Audienz.“
    „Das ist der Mann, der dem Rat den Funkspruch schickte“, erklärte ich. „Ein offenbar mutiger Bursche. Woher stammt er?“ Tarts sah in seiner Liste nach. „Von Visal IV, Erhabener.“
    „Für dich bin ich Atlan, Lehrmeister“, lächelte ich. „Visal IV also, hmm…! Eine ehemalige Kolonialwelt, die nun ebenfalls übervölkert ist. Man sagt, etwa fünfhundert Millionen Einwohner müßten auswandern.“
    „Zwei Millionen davon wurden von Schiffen des Kolonisationsamtes hier gelandet. Dazu kamen etwa zwanzigtausend Wissenschaftler und Techniker aus allen Fachgebieten. Die Wachtruppen stammten von Arkon. Dieser Planet ist vorzüglich ausgerüstet.“Tarts und Atlan im Gespräch, zit. n. Festung Atlantis

    Mehr werden wir nie zur Heimatwelt Tonths erfahren, obwohl sie so viele Soldaten inmitten eines Krieges bereithält, um es zynisch zu bezeichnen. An der Seite von vier weiteren Kolonisten tritt Tonth sodann Atlan gegenüber – „einfach und derb gekleidet“, „hochgewachsen“, erkennbar „reine Arkoniden“. Tonth ist ihr Sprecher, ein „älterer Mann mit blütenweißen, kurzgeschnittenen Haaren“. Untertänigst gibt er zu Protokoll, nachdem Atlan ihn nach seinem Namen fragt, wie er sich für die Sache der Siedler eingesetzt hat:

    „Der bin ich. Erhabener. Wir sind gekommen, um Dank zu sagen für die schnelle Hilfe. Ich riskierte mein Leben, als ich heimlich in die Funkstation eindrang und den Spruch abstrahlte. Anschließend floh ich die Wälder, da die automatischen Warnvorrichtungen meine Körperschwingungen registriert hatten. Ein Techniker warnte mich, und so suchte ich Zuflucht in der Wildnis. Nun aber ist alles gut.“Tonth in Festung Atlantis<

    Soso, ein „älterer Mann“ also, der aufopferungsvoll sein Leben riskiert hat. Und sodann die wegweisenden Worte spricht, indem er nämlich anspricht, dass es unter den Kolonisten auch einige gibt, denen es bei aller sonstiger Prosperität nicht wohlergehe:

    „Unter uns befinden sich fünfzigtausend Auswanderer von Zakreb V, Erhabener. Sie sind gegen ihren Willen hierher gebracht worden. Es handelte sich um ein Versehen. Sie bitten darum, auf einem anderen Planeten angesiedelt zu werden, da sie das hiesige Klima auf die Dauer nicht vertragen. Wir hatten bereits zahlreiche Todesfälle. Die Zakreber benötigen eine kühlere und trockenere Luft, Erhabener. Sie vermissen auch den Sonnenschein, und die hiesigen Temperaturen sind für sie zu hoch.“Tonth, ebenda

    Doch das Schlitzohr konterte sogleich Atlans Einwurf, er habe weder die passenden noch genügend Schiffe, um eine Auswanderung gewährleisten zu können:

    „Auch dann nicht, wenn es sich nur um eine kurze Fahrt im gleichen Sonnensystem handelt? Die dritte Welt soll alle Voraussetzungen aufweisen. Es wäre eine Kleinigkeit, Erhabener. Willst du sie hinsiechen lassen?“Tonth, ebenda

    Nein, Atlan will niemanden „hinsiechen lassen“ und auch sich nicht nachsagen lassen, er habe „Kleinigkeiten“ nicht realisieren können. Damit ist Atlan in etwas hineingeraten, was man Pfadabhängigkeit hinein in fernste Zukünfte nennen kann:-) Das ist schon sehr kommunikationspsychologisch geschickt und suggestiv von Tonth, eventuelle bürokratische oder/und militärische Einwände auf ethisch-moralischer Ebene vorwärtsverteidigend auszuräumen und an Atlans (extrasinnierende) Gewissen zu appelieren.

    Warum so detailversessen all das? Weil man nie wieder etwas von diesem so engagierten Tonth hört. Atlan erwähnt ihn keinmal mehr. Und diese Lücke, dieses narrative Nichts, diese Dunkle Erzählung finde ich zutiefst aussagekräftig und noch verdächtiger! Ich zweifel, wenn ich das so hintereinander weg lese, dass dieser Tonth ein einfacher Siedler war. Er könnte genausogut jemand ganz anderes gewesen sein, der die Geschichte auf das Gleis gesetzt hat, auf der entlang sie fahren sollte. Ich verdächtige Tonth für dringend tatverdächtig, als „Wendefigur“ in Atlans Leben und somit das weitere Wohl und Weh von Larsaf III aufgetreten zu sein, bloß in der Maske eines „älteren Mannes“ mit „weißem Haar“, wenn auch der Schilderung nach mutmaßlich bartlos. Ich nehme vielmehr an, Tonth ist Inkarnation oder Sendbote von ES, der – jetzt wird es perryversal kosmologisch – Superintelligenz in der intergalaktischen Lokalen Gruppe. Eine höhere Wesenheit, eine evolutionäre Weiterentwicklung gemäß dem perryversal Möglichen, die ihre sog. „Mächtigkeitsballung“ inklusive der Milchstraße dem dort hausenden Leben wohlwollend gegenüber beherrscht. ES, der (oder das) insbesondere die Menschheit protegiert hat – über Jahrtausende mittelbar durch eben diesen Atlan (s.o. besagte Zeitabenteuer). Später – Heftroman 70 Die letzten Stunden von Atlantis – wird Atlan eben durch diesen ES einen sog. „Zellaktivator“ zur Erlangung relativer Unsterblichkeit erhalten, erst durch diesen er als „Einsamer der Zeit“ die Jahrtausende auf der Erde als Hüter über die Menschheit, vielfach explizit im Auftrag von ES verbringen kann. „Es geschieht, weil es geschah“, was es nur konnte, weil dieser zuvor und danach so namenlose, so unbedeutende, so entschwundene Tonth unnachahmlich geschickt Atlan weist, wohin sich die Aufmerksamkeit der Zukunft bereits gewendet hatte: zur Erde!

    Reine Spekulation. Aber er ist der einzige der Kolonisten, die einen Namen bekommen, der vortritt und vorspricht, der all das in die Wege leitete und einfädelte wie die Fäden eines Khipu. ES, dessen weiterer Name „der alte von Wanderer“, „alter Mann von Wanderer“ ist, da er bevorzugt als alter Mann auftritt, wenn er als solcher noch mehr diesbezüglich optisch auffährt als Tonth. Der Unsterbliche, wie er genannt wird, Titel des Heftromans Nr. 19 und des dritten Silberbandes, hier das Galaktische Rätsel endet und Perry Rhodan und ausgesuchte Freunde die relative Unsterblichkeit ermöglicht. Selbstermöglichungsschleifen durch Raum und Zeit, wie sie perryversal gern erzählt werden.

    Doch in ATLANTIS, um den Bogen mal zurück zu finden, muss es trotz meiner Assoziationskaskade darum nicht gehen. Ja die orakelnden vier Omen, vor allem das letztere deuten zwar tiefgründig an, SCHEINEN mir aber anderswohin zu führen. Doch dazu und vielen Beobachtungen, ebenso wilden Spekulationen wie heute im nächsten Beitrag, wenn ich dann – ENDLICH! – in den Auftaktroman abtauche wie Perry und Sichu in die Wassertiefe zur Unterwasserkuppel und dann in die Zeit…;-)

    AD ASTRA TERRANER

  • Entweder hat sich das Entwicklungsstufenmodell im Laufe von zehn Jahrtausenden geändert oder hat eine für mich nicht allzu nachvollziehbare Skalierung. So heißt es nämlich im berühmtesten aller Serienheftromane, der Nr.0001 UNTERNEHMEN STARDUST im hitzigen Gespräch mit Arkonidenraumerkommandantin Thora und den vier Männern um Perry Rhodan zunächst – Handlungsjahr 1971 n. Chr.:

    „Gehen Sie sofort“, mischte sich Thora ein. Ihr Gesicht glühte. „Es ist gegen das Gesetz, was Sie tun. Es ist mir verboten, mit Kreaturen unterhalb der Entwicklungsstufe ,C‘ zu verkehren. Gehen Sie sofort.“Thora in 001 Unternehmen Stardust

    Auch sie spricht abfälligst und ‚entarkonidlichend‘ von Kreaturen, zu denen man unterhalb von Entwicklungsstufe C wird (bzw. bleibt). Nach Rhodans Erklärung, die Menschheit begänne erst „mit der Eroberung des Raumes“ ändern sich jedoch die Vorzeichen der Einstufung:

    „Atomkrieg, ja!“ sagte Rhodan bedrückt. „Die Lage ist fürchterlich gespannt. Es tut mir leid, Sir, es zugeben zu müssen. Seien Sie aber versichert, daß die Menschen den Krieg nicht wollen.“
    „Sie tun es aber. So kamen wir zu der Ansicht, in Ihrer Rasse noch immer primitives Leben sehen zu müssen. Ich habe meine Meinung geändert. Sie sind jung, tatendurstig und überaus aufnahmefähig. Ich habe Sie nach sorgfältiger Beobachtung in die Entwicklungsstufe ,D‘ eingereiht. Es steht mir zu, einen solchen Beschluß zu fassen. Thora hat die Anweisung erhalten, die Aufstufung Ihrer Rasse in die positronische Speicherbank zu geben. Ich bin der wissenschaftliche Leiter dieser Expedition.Rhodan und Crest zit. n. 0001 Unternehmen Stardust

    Hiernach Thora dann äußerst unwillig:

    „Ich habe normale Tauschgüter für Entwicklungswelten der G und D-Stufe an Bord. Es handelt sich um Werkzeugmaschinen mit eigener Energieversorgung, vollautomatischer Steuerung und Laufgarantie für etwa achtzig Jahre Ihrer Zeitrechnung. Es sind Maschinen für alle Wirtschaftszweige. Dazu kann ich mikromechanische Güter anbieten, wie tragbare Elementtaster, Bodenreformer, Schwerkraft-Neutralisatoren für den Einpersonen-Flugbetrieb und …“
    „Hören Sie auf, ich werde wahnsinnig“, stöhnte Flipper. „Das ist doch verrückt! Sie stellen die Erde auf den Kopf. Man wird sich wegen Ihrer Wundermaschinen die Schädel einschlagen.“
    „Das ist Ihre Sache. Wir sind Händler und ich habe nur ungefährliche Dinge für noch primitivere Intelligenzen an Bord.“001 Unternehmen Stardust

    Und nach weiterer Diskussion noch:

    „Wir sind von Crest aufgestuft worden.“
    „Ihr Glück, sonst hätten wir noch nicht einmal verhandeln können. Dennoch darf ich kein Beiboot in Ihre Atmosphäre schicken. Das positronische Gehirn machte nicht mit. Ich kann die Schaltungen des Großroboters nicht aufheben. […]“Thora in 0001 Unternehmen Stardust

    Tauschgüter für Entwicklungswelten der Stufen G und D. Liegen die dann „oberhalb“ der Stufe C, erst „über“ dieser hochwohlgeborene Arkonid*innen in Kontakt und Tausch zu gehen belieben? Also ab D ansprechbar, bis C hingegen No Talk? Und es gäbe nicht einmal Spielraum, da die Schiffspositroniken sonst sanktionieren würden

    Fraglich auch, woran die vielzitierte „Intelligenz“ ge- und ermessen wird, da v.a. in Heftroman0001 keinerlei Messungen vorgenommen werden, sondern bloß nach Anschauung und (emotionalisierter) Einschätzung klassifiziert wird. So gibt es nämlich die nach ihrem Ersteller benannte Epetran-Skala zur Skalierung von Intelligenzstufen, die auch für Nichtarkoniden gilt. Hier wird in Lerc (Äquivalent zu IQ) die individuelle Intelligenz ermittelt. Arkoniden zur Zeit vom ersten Zusammentreffen dieser mit Menschen hatten gerade noch einen Lerc von 20-30, der einmalige Spitzenwert diesbezüglich wird dem Erfinder der Skala, Epetran da Ragnaari, zugeschrieben: 86,125! Wieviel Lerc haben denn dann Nichtarkoniden der Stufen D bis G und gar darunter wie A-3? Im Heftroman 0085 Kampfschule Naator, als statt Lerc noch rein terranisch von IQ die Rede ist, gibt es einen Vergleich:

    Besonderes Interesse zeigte der Hypno für den IQ-Tester. Das Gerät bestand – äußerlich gesehen – aus einem Sessel mit Kopfhaube, einigen Leitungen und der positronischen Auswertung. Der Prüfling hatte sich einfach hinzusetzen, alles übrige besorgte die Automatik. Das Ergebnis wurde in einer Kartei gespeichert.
    Noir wußte, daß Terraner im Durchschnitt einen höheren Intelligenzquotienten als die Zaliter besaßen. Wenn die Untersuchung auch völlig normal verlief, würde allein dieser Umstand für das Spezialkommando verhängnisvoll sein. Die hohen Werte würden sie verraten.PR0085 Kampfschule Naator

    Zaliter sind die allernächsten Verwandten der Arkoniden, erste Auswanderer von Arkon, die zur Handlungszeit alles nur nicht degeneriert, sondern immer noch tatkräftig sind. Dennoch sollen diese Zaliter intelligenzärmer sein als Terraner – ganz klar. Degenerierte Arkoniden 20-30Lerc, Zaliter mutmaßlich drüber, Terraner Ikarus weit darüber hinaus. Und später nach Manipulation der „IQ-Computer“-Bediener;-) passieren die Terraner die Intelligenzhürde:

    Der IQ-Tester funktionierte einwandfrei. Lediglich die Intelligenzquote von Atlan – jetzt Kapitän Ighur – war etwas höher als die von Rhodan und den anderen Terranern. Sie lag damit erheblich über dem Durchschnitt der Zaliter, aber das würde kaum Verdacht erregen. Und wenn, so hatte Atlan eine erneute Untersuchung nicht zu befürchten. Er war Arkonide und hatte somit alle Merkmale der Zaliter an sich, auch bezüglich des Knochenbaus. Die Datei speicherte die Ergebnisse. Sie würden von den Arkoniden ausgewertet und entsprechend verwendet werden.Ebenda

    Atlan bekommt später 50 Lerc attestiert, womit er grob doppelt so intelligent wie seine arkonidischen Zeitgenossen mit 25 Lerc im Schnitt wäre.

    Mir scheint es so, als gäbe es die Stufen A und B, die ähnlich der Star Trek-Direktiven mit großen Kontakteinschränkungen diesem indigenen Volk gegenüber einhergehen, während ab Stufe C über D bis G zunehmend Kontakt und Tausch möglich wird. Obendrein scheint es noch Unterstufen zu geben, definitiv auf Stufe A, wo speziell A-3 bekannt (aber nicht näher definiert) ist. Zu vermuten, dass es dementsprechend auch A-1 sowie A-2 gibt und B-1 bis B-3 geben dürfte, worin diese sich auch unterscheiden mögen.

  • PERRY RHODAN ATLANTIS – ein Rückblick voraus

    Hallo Mitwelt!

    Nach einigem Grübeln, ob ich in diesen sinnverfinsterten Zeiten überhaupt soll(te) und will, habe ich mich doch dazu entschieden, jenseits der militopathischen Realität ein wenig Eskapismus hier Einzug halten zu lassen. Ich tauche ins Perryversum ab, dem lektürischen Universum der Perry Rhodan-Serie, ihres Zeichens die längste und größte und umfangreichste
    Serie von SF, dem Narratoversum und dem ganzen Rest. Die anhaltendste Erzählung überhaupt, die ununterbrochen JEDE WOCHE, WOCHE FÜR WOCHE seit dem 08.09.1961 als Heftroman erschienen ist – trotz aller realitärer Umstände, Zeitenwenden oder sonstigem Ungemach des Weltgeschehens! Manch Verweis, einige Zitate führten in diesem Blog bereits dorthin, jeweils aber nur randständig, als referentielle Zierde, als kleiner und vermutlich überlesbarer Nerd-Nachweis, der mich als Mitleser (mit zu vielen Unterbrüchen und Dunklen Lektüren) ausgewiesen hat.

    Doch wende ich mich nicht der Perry Rhodan-Serie in ihrer monolithischen Form zu, der besagten ewiglaufenden Hauptserie aka Erstauflage, wie damals üblich benannt nach ihrem Helden:

    Dabei steht immer wieder ein besonderer Mensch im Zentrum: Es ist Perry Rhodan, ein Astronaut, geboren in den Vereinigten Staaten, aber längst kein Amerikaner mehr, sondern ein Terraner, ein Bewohner des Planeten Erde also. Mit seinem Charisma und seinem Mut, seiner Überzeugungskraft und seinem Engagement hat Rhodan der Menschheit den Weg zu den Sternen geebnet. Eine Kollektivintelligenz, die man ES nennt oder den Wanderer, hat ihm bekanntlich die relative Unsterblichkeit verliehen.Serien-Chefredakteur Klaus N. Frick (Entität KNF) “Der Mensch steht immer im Zentrum“

    Diese steckt zur Zeit inmitten des 43. Zyklus und strebt Heft für Heft der Nummer 3200 – in Worten: dreitausendzweihundert – unaufhaltsam zu. Nach vorigem Zyklus – Nr. 42 also, wo ich zeitweise rezensierte über exakt 42 Heftromane hinweg, was wahrlich eine unintendierte famose Korrelation zum Blognamen ergibt – bin ich nämlich erneut inmitten so eines Unterbruchs der Nichtlektüre, weil … Schwer zu sagen, es gibt eigentlich keinen inhaltsguten Grund, ganz im Gegenteil. Das doch Mitbekommene verheißt kosmologische
    (Un)Tiefen voller senses of wonders, von denen da erzählt wird, die mich wohl am meisten von allem an der Serie so sehr reizen. Aber wenn man den Start mit Nr. 3100 verpasst hat, dann ist man – also ich – schon zu sehr aus dem Tritt und im Hintertreffen, um nochmal Fuß zu fassen. Meiner Meinung nach. Andere lesen nach, hinterher, schieben auf, überspringen mitunter … O_o

    Daher umso praktischer, weil zugänglicher die am 18.03., also quasi jetzt anlaufende sogenannte Miniserie als vergleichsweise nur 12 Heftromane kurzer Ableger zur Serie: PERRY RHODAN ATLANTIS! Ja genau, eben das sagenhafte Atlantis, aus dem Mythos im Perryversum allerdings (intradiegetische) Geschichte geworden ist (s.u.). Dieses ATLANTIS will und werde ich hier im Blog alle zwei Wochen – so der Erscheinungsrhythmus – begleiten, kommentieren, rezensieren, hierzu assoziieren.

    In Miniserien tritt man absichtsvoll einen – großen – Schritt zur Seite der alles narrativ mitreißenden Hauptserie, um an altbekannte Orte endlich wieder zurückzukehren und sie in ein neues Licht zu stellen, um Altbekanntes ganz neue narrative Ranken wachsen zu lassen, um Altes und Neues zu verbinden und in neuer Perspektive zu kanonisieren. Altbekannte Orte oder/und Völker im neuen Licht, in doch ganz anderem Setting, vor ganz anderen Herausforderungen. Oder dorthin vorgestoßen, wo die Haupthandlung nie richtig eingekehrt war, höchstens mal narrativ streifte, beiläufig bloß von Geschehnissen erwähnte. So oder so, die Miniserien wollen nicht (haupt)tragend sein, nichts erzählen, ohne dass das Perryversum ungestützt dastünde. Es sind vielmehr narrative Ergänzungen im Kleinen, zum Überbrücken, zum Füllen von narrativen Lücken. So in etwa lässt sich Sinn und Charakter der Miniserien umschreiben.

    Bevor ich spoile, soweit schon bekannt, worum es geht, aber noch ein paar Vorworte zur Miniserie an und für sich…

    Prolog: Vorboten von Atlantis

    Der Beginn der PERRY RHODAN-Miniserien (Obacht, s.u.) ist nunmehr schon stolze 14 Jahre her, geht bis ins Jahr 2008 zurück: “PERRY RHODAN-Action war unser Versuch, in den längst totgeglaubten Markt der Heftromane noch einmal neue Bewegung zu bringne“[1], so schon damaliger Chefredakteur und Herr der Serie Klaus N. Frick. “Action“ das einzige charakterisierende Beiwort zur Miniserie, die schlussendlich aus drei Minizyklen zu je 12 Heftromanen bestehen haben sollte, wovon Nr. 2 und Nr. 3 direkter aneinander anknüpften, Nr. 1 sozusagen vorausging.

    Den Begriff der »Action« definierte der Exposéautor ebenfalls: »Die Romane bestehen nicht aus 60 Seiten Geballer. Charaktere sind wichtig, die Story ist entscheidend, Exotik und Spannung sind vortrefflich.«Exposéautor Christian Montillon, zit. n.
    Der Redakteur erinnert sich (38): Mit Action ins Jahr 2008

    In den Realjahren 2008 bis 2009 erschienen, wurden bewusst Motive aufgegriffen und die Handlung in eine Serienzeit chronotransferiert, die Mitte der 1960er Jahre erzählt worden war: Hauptzyklus 03 Die Posbis sowie 04 Das Zweite Imperium umspannen die in den 2160er Handlungsjahren spielende Minitriserie. Real wie narrativ zeitferne Welten, über die man da schreiben wollte:

    Immerhin konnte ich die ersten Exposés mitschicken, dazu kündigte ich Datenblätter an. Diese sollten helfen, »in das PERRY RHODAN-Universum des Jahres 2166 hineinzukommen«. Das unterscheide sich doch sehr deutlich von der aktuellen Technik mit all ihren Begleiterscheinungen; in der »alten Zeit« gab es keine Syntrons, keinen Paratronschirm und auch keine Transformkanonen. Ich hoffte, dass die Autoren mit den unterschiedlichen Technikwelten nicht zu sehr durcheinanderkamen, weil mir klar war, dass das eine Quelle für zahllose Fehler sein konnte.KNF „Mit Action ins Jahr 2008“

    Das als miniserielles Präludium, als wichtige Fingerübung, Jahre bevor es weitere PERRY RHODAN-Miniserien geben sollte, diese von nun an mit eigenständigem, nicht mehr generischem Titel und in sich abgeschlossen. Von 2014 an bis 2021 – das 60. Jubiläumsjahr – sind deren acht erschienen, 96 Hefte ausschließlich miniserial. Das sind „nebenher zur Erstauflage produzierte“ Heftromane in solcher Menge, wie sie legendäre deutsche SF-Serien wie Ren Dhark, Raumschiff Promet , oder Die Terranauten insgesamt (kaum) auf Papier gebracht haben (in Erstauflage – ohne spätere Fortsetzungen in meist anderem Format). Ein Überblick über dieses Oktilektürat gibt es in Teil 1
    und Teil 2. Zusammengestellt von Ben Calvin Hary, seines Zeichens Wunderwuzzi als Redakteur des regelmäßig der Erstauflage beigefügten „Report“ mit Hintergründen zur Serie und dem Fandom, Youtube-Star im Namen seiner Perrytät, bereits vielfacher Schreiberling für diese oder jene Serie des Perryversums und nun noch mehr als all das schon:

    So viel können wir verraten: Auch 2022 darf der unsterbliche Terraner, so ES will, wieder zwölf Bände lang auf ein in sich abgeschlossenes Abenteuer gehen. Erste Ideen wurden gesammelt und Konzepte verfasst, auch eine Exposéautorin bzw. ein Exposéautor – das hat mir zumindest ein Spatz vom Nachbardach geflüstert – steht schon fest.BCH

    Dieser generisch pseudonymisierte Niemand ist ein genauso listenreicher Fuchs wie Odysseus und unverräterischer als ein Grab. BCH höchst selbst konnte erstmals die Zügel der Exposéarbeit übernehmen und lenken, welchen Verlauf die Miniserie nehmen soll. Wenn er so weitermacht, dann endet er noch wie Christian Montillon, der PERRY RHODAN-Action umgesetzt hatte, der heute nämlich Koexposéautor, Dualer Expotän der Hauptserie und somit kozweitmächtigster Erdenker unendlicher Geschichten ist. Gratulation. Man kann schlechter „enden“…

    Abschließend hierzu nur noch vorab, worüber Sascha Vennemann hier in Teil 1 und Teil 2 berichtet, nämlich wieso sich Miniserien selbst oder gerade für Perry Rhodan-Unkundige wie ihn lohnen, ja geradezu als Einstieg zu empfehlen sind:

    Was lässt mich darüber hinaus eher bei einer Miniserie am Ball bleiben, auch wenn ich keinen blassen Schimmer habe, was gerade in der Hauptserie passiert oder jemals passiert ist? Vor allem die inhaltliche Überschaubarkeit und die oft weniger dominante Relevanz von Kontextwissen. […] Und auf die Autoren zu vertrauen: Häufig sind sie nämlich so umsichtig, notwendige Wissenshappen in genau dem Moment nachzuliefern, wenn sie wirklich wichtig werden. Die Erkenntnis, dass ich beim Lesen der Miniserien mit meinem Nichtwissen häufig nicht alleingelassen werde, trägt wesentlich dazu bei, dass ich mich auf die Hauptstory einlassen kann, ohne ständig denken zu müssen: »Hä?«Sascha Vennemann

    Folgend hier zwar gerade solche Hintergründe von einem, der manch schon gelesen zu haben glaubt. Aber vorzugsweise ganz in Saschas Sinne: nur Lesemut – komm und lies mit!

    PERRY RHODAN ATLANTIS – was man weiß

    Atlantis, nicht nur diesseits unserer Realität sagenumwoben, sondern auch im Perryversum geschichtenumrankt. Dazu unten mehr. Doch was kann un will die Miniserie ATLANTIS beisteuern, woran anknüpfen, wohin forterzählen?

    […] Wir erzählen vom klassischen Atlantis, dem Kontinent also, der den Lesern der größten Science-Fiction-Serie der Welt seit langem bekannt ist. Und sowohl diese als auch die neuen Leser müssen nicht so viel über die Geschichte dieses klassischen Atlantis wissen: Es gab diesen Kontinent, er ging unter, und nur Atlan hat überlebt – so lässt sich der Wissensstand in einem Satz zusammenfassen.Thezakteur KNF im Logbuch der Redaktion 57: Ein Blick auf Atlantis und seine Zeit

    Das alleine wäre etwas dürr und klingt ja fast so, als wäre es weitgehend egal / nicht wichtig, was schon alles rund um Atlantis war. Aber als wissensnotwendige Voraussetzung im Vannemannschen Sinne ist es nicht, um einzusteigen, da man zeitpassend schon angefüttert wird;-) Malochen und die Leseärmel hochkrempeln hingegen musste Expokrat Hary, als er „mit der Arbeit an der kommenden Miniserie begann, war recht schnell klar: Einer der Schauplätze von PERRY RHODAN-Atlantis musste der Kontinent sein, der die Grundlage für alles liefert. Der Exposéautor arbeitete sich tief in die klassischen PERRY RHODAN-Romane ein, in denen Atlantis erstmals beschrieben worden war, und entnahm die Informationen, die er für die neue Serie benötigte.“ Hary, lies schonmal die Lektüre vor 😀 Nun aber Schmieröl an den Roboter, wat is denn nu angesacht?

    »Gut 8000 Jahre vor Beginn der christlichen Zeitrechnung: Auf einer großen Insel im Atlantischen Ozean haben die menschenähnlichen Arkoniden eine Kolonie errichtet, die den Namen Atlantis trägt. Von dort aus starten Raumschiffe ins All, von den steinzeitlichen Menschen als göttliche Erscheinungen bestaunt.
    Dann strandet ein Mann aus der fernen Zukunft auf Atlantis. Sein Name: Perry Rhodan. Der Raumfahrer wurde von einer Zeitmaschine in die Vergangenheit versetzt. Er muss einen heiklen Auftrag erfüllen und darf dabei nicht erkannt werden – denn eine kosmische Macht bedroht die Erde der Vergangenheit …«Reise zu einem Kontinent der Mysterien

    Nicht nur dieser unser Mann im All alleine auf eigene Faust, sondern auch seine Gattin mit von der Partie: Sichu Dorksteiger! Das freut mich besonders, dass sie ihr Kerlchen nicht alleine rumstrolchen lässt, sondern ein (wissenschaftlich) wachsames Auge auf ihren sofortumschaltenden Herumstreuner hält, der sich nur zu leicht in Kosmisches, allzu Kosmisches involvieren lässt. Die nicht nur Gattin, sondern auch Chefwissenschaftlerin mag für manche dann und wann zu seriös ruhig geschildert werden, was ich hingegen als besonders lesenswert empfinde, wenn sie fachkompetent entschieden auftritt. Davon ab, sie kann jederzeit auf ihre einstige militärische Grundschulung zurückgreifen und dann auch kräftig Paroli bieten, aber hallo. Ihr zur Seite treten noch zwei weitere weibliche Hauptfiguren, deren Namen publik sind – ich verschweige sie hier jedoch. Aber inhaltsweiter:

    Perry Rhodan wird nämlich in eine Zeit versetzt, aus der es eigentlich keine Rückkehr geben dürfte. Er kommt nach Atlantis, auf einen Kontinent, der zu dieser Zeit von Arkoniden besiedelt ist und in einer großen Gefahr schwebt. Er darf dort aber – das ist ganz besonders wichtig – kein Zeitparadoxon auslösen.
    Die zwölf Romane der Serie erzählen von Rhodans Reise über den Kontinent Atlantis und die Erde der Vergangenheit. Sie schildern aber auch den einen oder anderen Risikoflug, der nicht nur auf andere Welten unseres Sonnensystems, sondern ebenso hinaus ins freie All führt. Dort trifft Rhodan auf einen alten Bekannten – der ihn aber nicht kennen kann – und auf fremdartige Wesen, die ihm in seiner Zeit ebenfalls schon begegnet sind …Ein Terraner auf einem mysteriösen Kontinent

    Im Grunde unvermeidlich, sonst nichts als absurd, muss freilich noch jemand auftreten, der – so der Dreh im Perryversum – Atlantis erst den Namen gab: Atlan! Unten mehr dazu, aber seine Rolle in dieser Zeit ist eine noch kaum beleuchtete, nur in wenigen Erzählungen verknappt bekannte. Er wird anders als der erzählmoderne Atlan sein müssen, da er 10.000 Jahre jünger ist, einerseits noch kaum lebenserfahren gemessen am Relativunsterblichen der Handlungsgegenwart, andererseits dennoch ein gestandener, viel durchlebter gut 40-Jähriger in vielfachen Ämtern und Würden schon damals gewesen war. Spannend, wie man den jungalten bzw. altjungen Atlan und den zeitversetzten Perry miteinander konfrontiert oder tunlichst nicht – Zeitparadoxonvermeidung!

    Das der geteaserte Kenntnisstand in Skizze. ATLANTIS wird es wie seit Jahren gewohnt trimedial im Abo als Print, ebook oder Hörheft geben, erstere beiden direkt im Perry Rhodan-Shop, letzteres bei Einsamedien. Dort bin ich am Start und werde somit mithören, wie hörvertrauter Renier Baken Perry & Co intonativ inszeniert. Vorteil so für mich als eingestandener Langsamleser; Nachteil für mich als wonniger Zitierer, der nun kein ebook für zitatives Copy-and-Paste zur Hand hat. Erwähnenswert noch das Team des ATLANTIS-Kommandos, das noch nicht vollständig bekannt ist. Vierköpfig sicher, aber sieben bis acht Mitautor*innen sind eigentlich üblich. Zum Team gehört übrigens obiger Mister Vennemann, der sich miniserial also mutwillig schon eingegroovt hatte, um sich jetzt ertüchtigt zu zeigen:-) Auch wird es wieder, zuletzt unüblich geworden, eine redaktionelle Beilage zum Roman geben, nämlich einen aufschlussreichen Kommentar, der Hintergründe zum vertiefenden Verständnis bietet und vielleicht fingerzeigend prospiziert, welche Wege des Handelns sich aus dem Romangeschehen ergeben könnten. Finde ich sehr gut – mal sehen, ob der Kommentar als PDF dem Hörheft-Download beiliegt. Lesen würde ich ihn nämlich begleitend nur zu gerne. Soweit ist es also angerichtet und servierbereit!

    Hintergründe und Assoziationen

    Doch worauf fußt die Miniserie denn nun, wie legendär ist Atlantis im Perryversum und was hat BCH denn alles nachlesen müssen, von KNF verdonnert?

    “Es geschieht, weil es geschah“, so eine Sentenz unter Rhodanaut*innen, wenn es zeitschleifig wird. Nachdem mit legendärem Heft 50 “Der Einsame der Zeit“ der zweite Zyklus Atlan und Arkon mit einem Handlungszeitsprung von 56 Jahren begonnen hatte, war mit ihm wie ein Donnerschlag die vielleicht beliebteste Hauptfigur der Seriengeschichte erwacht. Das buchstäblich, da der Arkonide Atlan mit vielen Unterbrechungen im Handlungsjahr 2040 erneut aus einem Tiefschlaf erwacht war und die Bühne des entstandenen Solaren Imperiums betrat. Das zunächst als Gegner Rhodans, nach manch Missverständnis und legendären Duellen seither jedoch als bester Freund. In vielen Andeutungen wurde klar, wovon Atlan bis dahin exklusiv in Ich-Perspektive erzählte, dass er die Geschichte der Menschheit schon länger als nur ein Leben lang begleitet hat. Doch das blieben nur Halbsätze, bis Heftroman 60 „Festung Atlantis“ – „Arkoniden verteidigen das Sonnensystem – vor 10000 Jahren. – Das dritte Atlan-Abenteuer!“ von Exposéautor K. H. Scheer persönlich, 1962 erschienen. Dank fotografischen Gedächtnisses und einem Trigger beginnt Atlan zu erzählen von dieser „Festung Atlantis“, einer Kolonie der Arkoniden auf der damals Larsaf III. genannten Erde, von einem nach ihm zu Ehren benannten Kontinent, dessen Name durch die Jahrtausende tradiert werden sollte. Eine blühende Kolonie, wenn sie auch nur als Ausweich zustande kam, nachdem die primäre auf Larsaf II. (zukünftige Venus) Rückschläge hinnehmen musste. Die Erzählung wird erst in Heft 70 „Die letzten Tage von Atlantis“ – „Arkon-Raumer TOSOMA im Endkampf: Die Besatzung verhaftet ihren Admiral! – Das vierte Atlan-Abenteuer!“ fortgesetzt (1963). Hier wird vom Untergang des Kontinents erzählt, wie Atlan dann – als „einsamer der Zeit“ – auf der Erde gestrandet ist (nachdem er einen sog. „Zellaktivator“ erhalten hatte, den Perry Rhodan erst noch bekommen würde). Atlan wurde, was er zum Zeitpunkt des Erzählens längst war, nämlich Förderer, Helfer und Freund der Menschheit, wenn auch nie uneigennützig: er wollte nämlich zurück in die Heimat, nach Arkon. Doch die dafür nötige Hypertechnik war Jahrtausende fern. Mit dem Charakter Atlan (keine bloße Figur!) zog eine Art „Präastronautik“ in die Serie ein, demnach die Menschheit nicht auf die Erde geworfen sich über Jahrmillionen evolutionär herausgebildet hatte als erstes Tier unter gleichen. Extraterrestrier Atlan blieb nämlich nicht der einzige, der auf die Erde gelangte und auf die „Barbaren“ (Atlans Lieblingsbezeichnung) einwirkte, bevor Perry Rhodan sie zu den Sternen führte. Eine Chronik der Menschheit aus Atlans Erinnerungen ist in den Zeitabenteuern niedergeschrieben. Dieser Kontext ist selbstredend nicht wichtig, um die Miniserie zu lesen, dennoch nützlich zu wissen, wofür dieses Atlantis als arkonidische Kolonie Nadelöhr in die Zukunft fundamental war. Daher auch obige Sentenz und die großgeschriebene Warnung bezüglich eines Zeitparadoxons: die Geschichte der Menschheit hängt davon ab, dass auf Atlantis geschieht, was man durch Atlans Erzählungen davon weiß, was dieser dort durchlebt hat. Trotz aller Toten und Vernichtung wird Atlantis untergehen müssen, um sozusagen den Freiraum für die Zukunft zu schaffen.

    Von mir noch nicht erlesen, spielte Atlantis noch einmal eine Rolle, jedoch nicht in der Perry Rhodan-, sondern der Atlan-Serie. Diese gab es nämlich auch – wie gesagt, Atlan der vielleicht beliebteste aller Charaktere – und zwar über stolze 850 Heftromane hinweg. Und das, obwohl sie anfangs nicht mal wöchentlich erschienen war und seit Jahrzehnten nicht mehr erscheint. Auch hier gibt es Zyklen und der hier interessierende heißt nur zu passend. König von Atlantis! Ein Großzyklus, der mit Nr. 300 begann und bis Nr. 499 reichte, in viele Unterzyklen untergliedert werden kann und in vielem des Erzählten doch arg Fantasy-esk anmutet. Atlantis als „Plattform“ für einen Weltenfahrstuhl, worüber sich die Handlung in Raum und Zeit verliert, wobei Atlan mit Titel und im Rang des Königs von Atlantis hauptfigürlich agiert. Kann hierzu mangels Lektüre nichts sagen, was nicht in der Perrypedia einlesbar ist. Hieran soll die Miniserie jedoch auch gar nicht näher anschließen, was der Übersicht vielleicht gut tut.

    Dass die Eheleute Rhodan-Dorksteiger per Zeitmaschine nach Atlantis gelangen, ist ein gern gebrauchtes Handlungsstilmittel der Serie, aber auch ein nur zu schöner Rückgriff auf die allererste Miniserie, die es gab. Wie, was? „Action“ doch. Nein, daher anno Domini weiter oben auch „Obacht“, als ich von erster PERRY RHODAN-Miniserie schrieb. Die allererste und eine Handvoll weiterer waren selbst „Action“ vorausgegangen. In warmherzigster Erinnerung ist nämlich der Prototyp / die Mutter aller Miniserien: TRAVERSAN! Perry weit und breit hier nicht zu lesen, denn es ist der Vorläufer der über Jahre prägenden ATLAN-Miniserien.

    Ich wollte die Autoren vor allem loben und bezeichnete »das Experiment ›Traversan‹–Zyklus als erfolgreich«. Die Leserreaktionen seien »positiv bis euphorisch« gewesen, »teilweise war es mir schon fast unheimlich«. Ich bestätigte zudem, dass uns in der Redaktion das Projekt viel Freude bereitet habe.
    Auch die Auflagenzahlen waren in unseren Augen gut gewesen, jedoch nicht so gut wie bei der wöchentlichen PERRY RHODAN-Serie. Aber damit war nicht zu rechnen. »Allerdings haben wir mit ›Traversan‹ stets eine höhere Auflage erzielt als mit den PERRY RHODAN-Nachauflagen«, schrieb ich stolz. »Und es ist ziemlich sicher, dass die ›Traversan‹-Auflage höher war als die Auflage der meisten Konkurrenz-Heftserien.«Der Redakteur erinnert sich 21: Ein Feedback zu »Traversan«

    Betrachtet man die PERRY RHODAN-Serie und den Serienkosmos über die Jahrzehnte hinweg, stellt man fest, dass es immer wieder Entwicklungen gibt, mit denen niemand so richtig rechnete. Eine davon ist das »Revival« des Heftromans – und stark dazu beigetragen hat sicher die ATLAN-Serie, bei dieser vor allem der »Traversan«-Kurzzyklus. Von den Erfahrungen, die in den späten 90er-Jahren mit »Traversan« gesammelt wurden, zehrten die Redaktion und das Autorenteam noch Jahrzehnte danach.KNF “Logbuch der Redaktion 50: Kein nostalgischer Blick auf Traversan“

    Auch hier war die Hauptperson – Atlan – per Zeitmaschine – von den legendärsten “Meistern der Insel“ – ebenfalls inmitten arkonidischer Geschichte abgesetzt worden: 5772 v. Chr. / 12.402 da Ark (nach Arkon =arkonidische Zeitrechnung). Bald 2.500 Jahre später also zur ATLANTIS-Zeitebene.

    Doch was macht diese Handlungszeit etwa 8.000 v. Chr. Aus?

    • Das Volk der Arkoniden steht in der Blüte seiner zivilisatorischen Schöpfungskraft, strotzt vor Elan und Entdeckergeist, der allerdings vergleichbar dem (nicht nur) British Empire auch mit imperialem Dünkel bis hin zu rassistischer Herablassung einhergeht. Dennoch kein Vergleich zu den Arkoniden am Ende ihrer imperialen Zeiten, mental degeneriert und körperlich antriebslos, als Rhodan ab dem Handlungsjahr 1971 auf sie und ihr zerbröckelndes Sternenreich stößt. Sie hier Handlungsträger zu nennen, fällt mangels Handlungsfähigkeit schwer; demgegenüber die tatkräftigen Stürmer und Dränger des Tai Ark’Tussan, dem Großen Imperium, die wie im Trek nach Westen über die Grenzen des Imperiums hinausstrebten.
      Die Karte enthält die wichtigsten von Arkoniden besiedelten Sonnensysteme in der
Galaxis. Ausgenommen sind die Welten in den Kugelsternhaufen Thantur-Lok (M 13) und
Cerkol (M 92), da dort nahezu alle Welten von Arkoniden bewohnt werden und eine differenzierte
Darstellung ohnehin nicht mehr möglich ist. Das Große Arkon-Imperium bzw. Tai Ark'Tussan
besaß in der Milchstraße eine Geschichte von über 20.000 Jahren, bevor es im Vereinten
Imperium überging und schließlich aufhörte zu existieren. Nach fast zweieinhalb Jahrtausenden
Abwesenheit auf der galaktischen Bühne lebte das Sternenreich als Kristallimperium
bzw. Gos'Tussan für einige Zeit neu auf. Bild und Text entnommen aus Stefan Kochs grandiosem Fan-Projekt, dem PR-Sternenatlas.de
    • All das aber, als bereits die sog. Methankriege gegen die rassistisch abfällig „Methans“ genannten wasserstoffatmenden Maahks tobten, Atlan hier als Admiral im Diensten der durch und durch militarisierten Flotte stand. Etwa 8.229 v. Chr. Begannen hier erste Auseinandersetzungen, zur ATLANTIS-Zeit war der Krieg längst heiß geworden. By the way: diesseits der Realität toxisch und lebensverachtend, bloß als narrativer Handlungsrahmen lesenswert, wenn man niemals betroffen sein muss!!! Als Erzählrahmen für Flüge von Larsaf III. hinaus ins All aber natürlich Stoff für Konflikte, brenzligste Situationen und vieles mehr. „Hintergrundrealität“ für ATLANTIS vermutlich:
      • 8004 v. Chr. – 23. Auffangschlacht im Khorsal-System: Trotz Verlustes seiner gesamten 9. Flottille unter dem Befehl von Sonnenträger Kwan von Arthamin siegte Atlan mit seinem Geschwader über die Flotte von Großadmiral Grek-1108 (PR-TB 396)
      • Zwischen 8006 v. Chr. und 8003 v. Chr. – Das Iskolart-System wurde durch Atlans 18. Einsatzgeschwader für die Arkoniden zurückerobert. (PR 86 E, Kap. 6)
      • 8. Jahrtausend v. Chr. – 35. Auffangschlacht im Koàl-System: Atlan wurde aus den Kampfhandlungen ins Larsaf-System (Solsystem) abkommandiert (PR 60)

      Wichtige Austragungsorte der Schlachten zwischen Arkoniden und Maahks zur Zeit des
Großen Imperiums. Das Bild zeigt eine Sternenkarte, die den Methankrieg in seinem frühen Verlauf veranschaulicht. Entnommen ist Karte und Text  von seit Jahr(zehnt?)en aktiven Rhodanauten Stefan Koch als exzellenten Kartenzeichner, der auf PR-Sternenatlas.de eine Vielzahl an allgemeinen und Themenkarten wie dieser bereitstellt, die das Perryversum so ungemein vertiefen

    • Mit obigen Links auf die Hefte 60 und 70 der Erstauflage entfaltet sich das Panorama der Besiedlung des Larsaf-Systems, zunächst auf Planet II., hinkünftiger Venus, später dann auch auf der dritten Welt. Auf jener wird eine – noch 10.000 Jahre später relevante – Großpositronik errichtet, auf dieser wird nur eine Unterwasserkuppel als Relikt der Arkoniden – unerkannt – die Zeiten überdauern, aus der Atlan hervorgekommen sein wird.
    • Was sicher auch außen vor bleibt und ich hier nicht näher ausführe, sind zeitüberlappende Kontakte zwischen zwei Universen, die eine narrative Säule besagten zweiten Erstauflagenzyklus sind, aber auch in die tiefe Vergangenheit des Larsaf-Systems führen. Durch sog. „Überlappungsfronten“ dringen Kampfraumer der – viel später erst so bezeichneten – Druuf in den stellaren Raum um die Larsaf-Planeten. Als (ein) Kollateralschaden, wie man es so verachtend nennt, durch wütende Kämpfe zwischen Arkoniden und Druuf geht schlussendlich Atlantis unter. An sich freilich relevant, doch die Handlung dürfte nennenswert weit zuvor spielen, um davon unberührt zu bleiben. Erwähnenswert dennoch, weil damit klar wird, wie viel – voraussichtlich – außen vor bleibt, da es den Rahmen nicht nur einer Miniserie sonst sprengen würde. D.h. auch, wie gut das erzählerische Timing sein muss, um manch Klippe zu umschiffen, an der die Handlung sonst nur zu leicht zerschellen könnte.
    • Angedeutet, wie von sich überzeugt bis hin zum Rassismus die Arkoniden dieser Zeit waren. Und eben solche stehen nun Atlantern gegenüber, die es als Ureinwohner, Indigene dieses Kontinents – neben allen übrigen „Barbaren“ der Welt😉 -, in den Augen der Arkoniden wohl kaum über noch so nette „edle Wilde“ nicht hinausschaffen dürften. Bin sehr gespannt, wie viel imperialen Dünkel die Miniserie ausschreibt. Postkolonial kontern kann man ja jederzeit durch die Augen Perrys und Sichu, denen das arkonidische Auftreten als verachtend und selbstgerecht missfallen wird. Diese Konflikte der perspektiven scheinen mir aber unvermeidlich, will man diese Epoche einigermaßen probabel erzählen, also gemäß den Pflöcken, die in den 1960er Jahren eingeschlagen worden sind.

    Und sicher noch vieles mehr an Fragen zu stellen, da eine Zeitmaschine einen Bauer einer solchen voraussetzt und Bediener einer solchen. Wer schickt Perry durch die Zeit und wozu? Ist es ein Auftrag, um etwas erst in die Wege zu leiten, damit es sicher eintritt und geschieht? Wer kann so zeitmächtig sein? Und wieso ist Atlantis für all diese finsteren Pläne und Absichten allentscheidend? Da hilft nur lesen aka hören!:-) Was bis hierhin klar geworden sein sollte: Atlantis ist auch im Perryversum ein Schnittpunkt vieler Zeit- und Handlungslinien, die nun zu einem Khipu verdichtet werden!

    Erwartungen?

    Und was erwarte ich mir nach alledem an wiederbewusst gemachten Hintergründen und erzeugten Assoziationen? So direkt nichts. Das auch wegen der Risiken und Nebenwirkungen von Miniserien, die im „Mini“ bestehen. Sie sind schlicht dann eben doch bloß 12 Hefte kurz und – so meine Leseerfahrungen – für vieles dann eben auch zu kurz. Oder andersherum: mitunter ist mir schon wieder zu viel zu geballt in nur 12 Hefte gestopft. Noch anders: auch wenn schon „Action“ nicht bloße Action sein sollte, es damals für meinen Geschmack aber doch im Übermaße war, neigen alle Miniserien ihrer Art nach zu komprimierter Darstellung, die am Roten Faden entlang eilt bis hastet. Mitnichten und keinstenfalls per se schlecht, vielmehr ja sogar integral fürs Konzept, gerade so zielstrebig und geradlinig quasi ohne Schnörkel erzählt wird und so vor allem Neulinge fesseln kann.

    „Meine“ Miniserie, die sich nicht verkaufen würde, wäre eine sich ruhig einem Thema widmende, in der perryversale Wissenschaftler*innen wie Sichu Handlungsträger*innen wären und mit Begeisterung und Faszination forschen würden. Mal – ja, gleich mehrere Miniserien!;-) – nach kosmologischen Zusammenhängen, mal im Versuch des Verständnissen von der Genese von Superintelligenzen, mal bezogen auf technischen Fortschritt und seinem Zustandekommen, mal auch in der Erforschung einer Welt in ihrer gaiatischen Multiplexität. Ein Hard SF-Roman wie Kim Stanley Robinsons exzelleniales AURORA! *reminiszent träum* Die Kolonistenabenteuer in fundiert…

    Atlantis – Mythos und Realität

    Nach all der rhodanautischen Erkundung dortigen Atlantis zurück in die Realität. Insoweit man denn von harter Realität sprechen kann. Denn Atlantis ist hier zunächst einmal nichts anderes als ein Bestandteil von Platons philosophischen Überlegungen. Außerordentlich interessant, was allein Wiki alles hierzu zusammenträgt, das sich in Zweieinvierteltausend Jahren beinahe bibelgleich an Interpretation und Auslegung angesammelt hat. Zwei grobe Linien, wovon die eine Atlantis als bloßes Gedankenexperiment, philosophisches Beispiel zur Veranschaulichung, als bildhafte Idee im Platonischsten Sinne versteht; die andere hält es hingegen zumindest für einen Nachhall realer Begebenheiten, auf die sich Platon da bezieht. So konkret er den Kontinent auch benennt und ihn jenseits der Säulen des Herkules (Felsen der Straße von Gibraltar) verortet, ist die Annahme ja auch berechtigt, Platon könnte sich auf reale Umstände beziehen. Bzw. wieso sollte er es derart verweltlichen, wenn er es doch eh nur abstrakt meint? So konkretisiert er seine Höhle des berühmten Höhlen-Gleichnisses überhaupt nicht, sie bleibt ortlos, atopisch, obwohl es gewiss allein nahe Athen genügend Höhlen gegeben hätte.

    Vor kurzem hatte ich die ZDFinfo-Reihe Ancient Apocalypse für mich entdeckt und die sechs Folgen begeistert beobachtet. So sehr wir von Apokalypsen umzingelt scheinen klimaüberhitzender, pandemischer und Putinscher Fasson oder gerade deshalb mag lehrreich sein, auf welche Weisen alte Kulturen ihr apokalyptisches Ende fanden. Eine der Folgen spürt der Spur nach Atlantis nach: Ancient Apocalypse: Helike – Spur nach Atlantis: „Die griechische Stadt Helike versinkt 373 vor Christus in den Fluten. Im Lauf der Zeit gehen die Informationen über ihre Lage verloren. Ist es möglich, die versunkene Stadt wiederzufinden?“ Alle sechs Folgen sind auch in der mediathekviewweb.de als MP4 zum Download verfügbar – JETZT! Dieses Helike war eine real existierende Stadt, ersterwähnt in Homers Ilias, also berühmter kaum möglich. Zugespitzt vielleicht eine Art „griechisches Carthago“, eine Stadt der Händler und des erhandelten Reichtums. Bis zu Beginn des 4. vorchristlichen Jahrhunderts durch ihre kraftvolle Stärke führend am Peloponnes. In relativer Nähe zu so viel berühmteren Städten wie Corinth, Sparta, Athen war Helike sogar eine Führungsmacht in den verschiedenen Bünden vor Ort. Bis, ja bis es 373 v. Chr. unterging, als Strafe der Götter in allgemeiner Lesart. Man habe sich wohl übernommen. Vermutlich das Gesprächsthema in ganz Griechenland, so auch in Athen, wo es Platon zu Ohren kam. So die Annahme, der die Doku folgt. Extrem spannend gemacht, weil es alles altphilologisch an einem Wort hängt, durch dessen vermeintliche Ein-, faktische Mehrdeutigkeit die tatsächliche Lage lange unklar war bzw. man an falscher Stelle gesucht hatte. Bei Wiki ist es unspektakulär und wenig mitreißend sachlich korrekt genannt, dass Helike nun in einer Lagune liegt, nachdem ein durch Erdbeben ausgelöster Tsunami die Stadt mit sich riss. Zwar nur eine Stadt, kein Kontinent oder kontinentgroße Insel, aber womöglich für Platon dennoch Grundlage für seinen Stoff. Wieso auch immer er dann nicht Helike auch Helike sein ließ, sondern nun wiederum abstrahierte vom Konkreten und es bis jenseits der den Griechen bekannten Welt entrückte, als wäre es ein Avalon späterer Tage. Da ich zuletzt die Hörspiele zu den Argonauten, zur Odyssee und der Aeneis gehört und es daher präsent habe: antik typisch für echte Helden ist es, sich durch den gesamten bekannten Erdkreis umspannende Reisen hervorzutun, einmal die bekannte Welt zu bewältigen, sich auf die Heldenreise ergo zu begeben. Je ferner, desto besser. Daher wäre ein fernstmögliches, jenseits der Säulen des Herkules gelegenes Atlantis schon von daher umso heldenhafter in seiner Anlage, da Platon – wäre es real – nur von einem wahren Helden davon gehört haben könnte. Sodann führt es die Helden auch stets an das Tor der Unterwelt, zum Hades als Reich der Toten und ihrer Seelen. Eine Unmöglichkeit, die diesen Helden – göttergewollt – doch möglich wird. Sie klopfen an für sonst alle verschlossene Tore und erhalten Einlass, ja auch wieder Auslass entgegen allen Usus. Für mich schwingt bei Atlantis auch etwas „Hades-haftes“ mit, ein Nichtort, der eigentlich doch unerreichbar ist, obwohl örtlich doch verortet und ergo bekannt. Denn die Helden wissen ja auch immer, wo ganz genau sie Zutritt zum Hades erlangen können. Wie dem auch sei, die Doku führt beeindruckend vor Augen, wie sehr Helike für Platon Inspirationsquell gewesen sein könnte, der – so ergänze ich – aber noch um weitere Legenden u.Ä. ausgeschmückt sein muss. Vielleicht ja Reiseberichte von Phöniziern / Puniern / Karthagern als die Weltreisenden damaliger Tage, die „von dort“ kündeten, was im Atlantik zu sehen war.

    Abschließend nur noch, dass, so plausibel die Helike-Hypothese präsentiert wird, das Ganze schon sehr tendenziös ist angesichts einer üppigen Vielzahl an Lokalisierungshypothesen, wie sie bei Wiki nahezu endlos aufgeführt sind. Die Skurrilste für mich, dass Atlantis Troja sein könnte. Weil Platon vom fernsten Westen spricht, soll es im Osten gelegen haben? Merkwürdiger jedoch, dass kein Grieche bei restklarem Verstand DEN MYTHOS DES VOLKES schlechthin namentlich und inhaltlich derart entstellt, wo ihn für die Jahrtausende wirkmächtig Homer episch besungen hat. Der Trojanische Krieg für die Griechen sinn- und zusammenhaltstiftend wie sonst nichts. Und dann sollte Platon dahergehen und es miserabel plagiieren, indem er es anders benennt, der Helden wie Achilles entkleidet und dennoch auf einen Bestseller hofft? Na ja, gut. An die Ilias kommt er vielleicht nicht heran, dennoch beeindruckend, wie ebenfalls gefühlt endlos Atlantis als Sujet in tausendundeins Varianten fort- und umerzählt worden ist, Stoff für Legenden bot, Ausgangspunkt für Utopien wurde und selbst eine in unendliche Weiten vorgestoßene SF-Serie bereichert hat!

    EDIT vom 17.03.2022: Beitragstitel beschönigt aus „Ein Blick voraus“ zu jetzigem „ein Rückblick voraus“, der es besser trifft.

  • :)) Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie froh ich bin, als ich diesen Vertipper aka Buchstabenverdreher von KNF, von der Entität Chefredakteur, dem Redaktarchen höchst selbst gelesen habe: „brigne“ Das passiert mir am laufenden Meter, ständig, andauernd, abverlangt verhasste Korrekturdurchläufe. Und nun ist es durch die Statistiker des Kosmos amtlich bestätigt, dass nicht nur ich singulär so verschwurbel. Ein Feiertag!
  • Höhlenrätsel

    Hallo Mitwelt!

    Wow. Faszinierend. Kaum in die Grotte du Lazaret hinabgestiegen und dort eine „Feuerstelle der Menschheit“ bestaunt, werden sämtliche auf dem Weg hinab gesammelten Erkenntnisse auf den Kopf gestellt und sind in cartesischen Zweifel gezogen. Zur raumzeitlichen Einordnung hatte ich versucht nachzuzeichnen, wie es um das Verhältnis von Homo sapiens als Einwanderer nach Europa und Neandertaler als Kontinentalhalter ebenhier bestellt war. Demnach schien das Zeitfenster bis hin zu intimen Kontaktaufnahmen zwischen beiden Arten zunehmend verkleinert. Hatte es, ohnehin angezweifelte Vermutungen gegeben, Neandertaler wäre erst vor 24.000 Jahren abgedankt, datierte man zusehends zurück in die Zeit. Letztes Auftreten demnach vor etwa 40.000 Jahren. Demgegenüber verhießen genetische Analysen erster sapiens-Immigranten, dass Pioniere von vor 45.000 Jahren sich nicht halten, hier noch nicht Fuß fassen konnten. Summa summarum, das gemeinsame Zeitfenster schrumpfte von zuvor für realistisch gehaltene 6.000 auf nur noch 4.000 Jahre zusammen, irgendwann vor gut 44.000 bis 40.000 Jahren also. Hinzu, dass von den zwei angenommenen Passagen aus Afrika nach Europa nur noch eine für wahrscheinlich gehalten wurde, nämlich die entlang der Ostroute durch die Levante; die vermeintlich viel kürzere nur mal katzengesprungen über die Straße von Gibraltar, die auf kurzem Dienstweg nach Spanien und hoch nach Frankreich geführt hätte, wurde aufgrund zu starker, nicht passierbarer Meeresströmungen ad acta gelegt. So das zusammengepuzzelte Bild, dass – in durchaus mehreren Wellen – Homo sapiens aus dem Osten, eventuell durch ein damals noch „grünes Arabien“ den Weg nach Europa fand, wo die allerlängste Zeit ungestört Neandertaler fröhlich die Steinzeit beging. Als man dann aufeinander traf, gab es nachweislich Sex, aber alsbald auch das finale Aussterben von Neandertaler, der sich nur zu wenigen Prozent introgressiv im Genpool von sapiens verewigen konnte und quasi bis heute nachlebt. So klar….

    Verdunkelung des Erhellten

    Oder auch nicht mehr klar, denn: Es geht um eine bei science.ORF.at sowie Wissensc.aft.de berichtete Studie, erschienen in „Science Advances“.

    Wir bleiben in relativer Nähe zu Lazaret, archäoflanieren jedoch nach Südfrankreich zur Grotte Mandrin, einer Halbhöhle, die ebenso wie Lazaret für ihren archäologisch-paläoanthropologischen Fundreichtum berühmt ist. Die ältesten Fundspuren reichen hier allerdings vergleichsweise nur 120.000 Jahre zurück. Die erkundete Feuerstelle in Lazaret ist demgegenüber 170.000 Jahre alt. Insgesamt hat man 12 sog. Strata, Kulturschichten ausgemacht, die man aufwendig abträgt, um so eine Schichtenfolge, stratigraphische Sequenz „kartieren“ zu können. Ziel ist, so den Fundort – die Grotte Mandrin – schichtweise freizulegen und so genau zeitlich nachvollziehen zu können, wann wer hier wie und womit gelebt hat. Die zeitliche Eingrenzung für die Schichtfolge von A bis F umfasst die Jahre 56.000 bis 42.000 BP (Before Present). Nach bisheriger Kenntnislage hieße dass, dass man dort höchstens 3.000, eher nur 2.000 Jahre Befundung zu Homo sapiens vorfinden dürfte, so sapiens denn vor Ort zu weilen beliebte. Doch die Realität hält sich mal wieder nicht an bisherige Ratsbeschlüsse, sondern scheint sich gemäß dieser neuen Studienlage bedeutend zu verkomplizieren.

    Im Fokus jetziger Ausgrabungskampagne die „Schicht E“, diese speziell für eine Zeit von 56.800 bis 51.700 BP, am Wahrscheinlichsten auf 54.000 Jahre BP datiert werden konnte. Inmitten dieser Schicht, wie ein Sandwich umschichtet durch solche mit eindeutigen Hinweisen auf Neandertaler finden sich sowohl Werkzeuge als auch Zahnreste, die laut Forschenden eindeutig Homo sapiens zuzuordnen seien.

    Unsere Funde zeigen, dass in den letzten Jahrtausenden der Existenz der Neandertaler die Besiedlung der Stätte durch Neandertaler und moderne Menschen abwechselnd stattfand. Wir dokumentieren mindestens vier sich abwechselnde Phasen der Verdrängung.

  • Die Neandertaler bewohnten das Gebiet um Mandrin bis vor etwa 54.000 Jahren,
  • wurden dann von modernen Menschen abgelöst,
  • gefolgt von einer Wiederbesiedlung durch den Neandertaler
  • und einer zweiten Phase des modernen Menschen vor rund 44.000 Jahren.Wissenschaftler*innen um Ludovic Slimak; zit. Nach. Wissenschaft.de – Einschübe durch mich.
  • Die Datierung konnte mithilfe besagter Zahnreste vorgenommen werden, in den Zahnschmelz sich besonders überdauernd chronofizierbare Informationen eingeprägt haben. Zahnschmelz ist schlicht das Härteste an und in uns. Wer vererben will, sollte hierauf setzen. Augenfälliger hingegen die Werkzeuge, die feiner gearbeitet seien als die in den Schichten zuvor und danach. Obendrein Hinweise auf Spitzen für Pfeil und Bogen,
    die sapiens exklusiv sein sollen.

    Die Werkzeuge dieser Schicht ähnelten solchen, die bereits an anderen, jüngeren Fundstellen menschlicher Siedlungen im östlichen Mittelmeerraum gefunden wurden. Dabei handelt es sich vor allem um Klingen und Spitzen aus Feuersteinen, die den Forschern zufolge mit bemerkenswerter technischer Präzision hergestellt wurden. „Das Vorhandensein aller Produktionsphasen, vom Beginn bis zum fertigen Produkt, zeigt, dass der gesamte Produktionsprozess in der Höhle durchgeführt wurde“, schreiben sie. Die verwendeten Steine waren sehr gleichmäßig und stammten teils aus Gebieten, die bis zu 90 Kilometer von der Grotte Mandrin entfernt liegen. „Das legt nahe, dass die Menschen damals ein großes territoriales Einflussgebiet hatten“, so die Forscher.Wissenschaft.de

    Einige der entdeckten Steinwerkzeuge. Bild und Text entnommen bei: science.ORF.at

    Anhand der Befundung lasse sich ablesen, dass Homo sapiens Mandrin förmlich als „Stützpunkt“ genutzt hat, das jedoch nur über 40 Jahre hinweg, bevor Neandertaler die Klinke in die Hand gedrückt bekam und sapiens erst wieder rund 10.000 Jahre später nachweisbar wird. Es war ein Pionierkommando, das sich für rund anderthalb Generationen vor Ort festgesetzt hat, eventuell von voriger Besiedlung durch Neandertaler auch profitierte, um dann trotzdem wieder abzuziehen. Doch während es Technologietransfer mit dem ziemlich fernen Osten gegeben zu haben scheint – besagte Werkzeuge stammen der Machart nach aus dem Libanon -, fand hingegen kein Kulturaustausch mit gegenwärtigen Neandertalern statt. Koexistenz ja, mehr aber auch nicht. Eine von der mitmenschlichen Umwelt abgekapselte Ingroup? So die umwerfenden Einsichten aus der Studie in knapp.

    Alles anders?

    Der Fund steht und fällt mit der Präzision der Datierung. Diese sollte anhand von Zähnen, „anzahn“ sozusagen, allerdings sehr trefflich sein. Doch ist der Befund sodann umso irritierender: wie kann es sein, dass Homo sapiens gleich stolze 10.000 Jahre früher als bisher angenommen und zigfach datiert schon zugegen war? Und wieso dann gleich derart weit westlich, in Südfrankreich, was sprunghaft Hunderte bis Tausende Kilometer westlicher als bisher „europäischster“ Fund ist? Der tanzt nämlich bisherigen Erfassungen auch schon aus der Reihe, liegt in Griechenland, das aber auch nicht ums Eck von Südfrankreich liegt. Des Weiteren erstaunlich, dass sapiens auf Steine für Werkzeuge zurückgriff, die bis zu 90 Kilometer entfernt herstammen. Ist sapiens von dort bereits mit diesen Werkzeugen bis nach Mandrin gelangt, um sich hier auf Zeit – besagte etwa 40 Jahre – festzusetzen, um… Wieso mag er abgewandert sein? Sind die „Jagdgründe“ versiegt? Aber wieso wollte und konnte sich dann Neandertaler unverzüglich ansiedeln? Fragen über Fragen, die ich als Laie ohnehin nicht beantworten kann.

    Und trotzdem gibt es noch weitere Fragen: wie groß mag diese sapiens-Population gewesen sein? Mehrere Dutzend, wie ich annehme. Mehr als ein Vorauskommando wäre das wahrlich nicht, erst recht wenn es dann nach 40 Jahren entschwunden ist. Wäre es vertrieben worden, müsste man davon doch Spuren finden, eine vermischte „Schicht E“, in der sich eben doch auch Neandertaler Werkzeuge zum Kampf fänden. Doch dem ist nicht so. Still und leise aus dem Osten eingewandert, genauso auf leisen Sohlen wieder hinfort. Gekommen, um zu gehen. Mag es sich mit dieser Population ähnlich verhalten haben wie mit der gensequenzierten Population von vor 45.000 Jahren, die auch nur auf Stippvisite das ungemütlich kalte Europa betreten hatte? Immerhin: eine Frage erhält eine Antwort. Die Ostroute war auch in diesem Fall der gegangene Weg. Werkzeuge und mutmaßlich auch diese Population stammen von dort. Hinweise auf die Meerenge von Gibraltar keine.

    Solche Ein-Blicke sind höchst faszinierend, gerade wenn sie verheißen, bisherige Gewissheiten umzustoßen und ein ganz neu facettiertes Bild der Besiedlungsgeschichte Europas durch den Homo sapiens entstehen zu lassen. Und doch ist es vorerst nur EIN Blick an einen Ort, mit 40 Jahren auch nur eine kurze Zeit umspannend. Ist es der Gipfel des sapienten Eisbergs, unter dem noch bedeutend mehr an Besiedlung zum Vorschein kommt? Oder ist es die extreme, durch Zeit und Raum zufällig erhaltene und auffindbare Ausnahme? Wie sehr kann man verallgemeinern? Wie sehr kann man von Homo sapiens als ganzer Art sprechen, für die nun fundamental Neues erwiesen wäre? Oder waren es bloß ein paar verstreute Individuen auf Odyssee über den Kontinent?

    Feuerstelle der Menschheit

    Hallo Mitwelt!

    Heute gilt es, unseren inneren Höhlenmenschen zu erwecken, was uns in pandemischen Cocooning-Zeiten nicht allzu schwerfallen sollte. Wir reisen zurück in die Steinzeit, als Stein wirklich noch das Supermaterial für alles war, was menschliche Kultur ausmachte. Es geht aber genauso um das Feuer, womit erneut ein Puzzlestück als Beweis aufgebracht wäre, dass Menschheitsgeschichte Feuergeschichte ist, wie es Jens Soentgen in der Redezeit (abrufbar bis 21.01.2023) erklärt hat.

    Steinzeitliche Höhlen-Raumplanung

    Von science.ORF.at berichtet, geht es um eine in „Scientific Reports“ erschienene Studie: „The influence of smoke density on hearth location and activity areas at Lower Paleolithic Lazaret Cave, France“. Beforschter Ort ist die in archäologisch-paläoanthropologischen Kreisen für ihren Fundreichtum über Jahrzehntausende hinweg berühmte Höhle Grotte du Lazaret in Frankreich. Die Funde reichen zurück in die Zeit von vor 200.000 bis 130.000 Jahre. Genauer gefasst, erweist sich Lazaret als Schmelzpunkt zweier steinzeitlicher Kulturen, der altsteinzeitlichen Acheuléen-Kultur, die von vor 1,76 Mio. bis 150.000 Jahren mit ihrem Steinwerkzeuggebrauch die Welt prägte. Für das Gros dieses Zeitraum gilt allerdings, dass unsereins – Homo sapiens – noch nicht mal in der Planung war, ergo Homo erectus oder Neandertaler das steinerne Zepter schwang. Und auch wenn dann sapiens der Krabbelgruppe entwachsen nach und nach mitspielen durfte, tat sapiens das nicht auf diesem westeuropäischen Spielplatz. Vergleichsweise spät entlang dieser Zeitachse trat dann die mittelsteinzeitliche Moustérien-Kultur vor 120.000 bis 40.000 Jahren auf den Plan. In unseren Breiten die meiste Zeit One Species-Show des Neandertalers, bis er ungeladenen Besuch bekam. So ist der älteste Homo sapiens, der in Ostafrika zu Werke gegangen war, als „Omo 1“ namhaft geworden und nach neuesten Datierungen vor etwa 230.000 Jahren lebhaft – vor lauter Alter daher auch schon tot. Ohne es hier und jetzt zu verkomplizieren, der Weg von Homo sapiens aus Afrika ins Neandertalerland Europa verlief wohl in mehreren Wellen und führte ziemlich sicher doch nicht auch über die Westroute, die Straße von Gibraltar, die im Gegensatz zur Ostroute entlang der levante aufgrund von Meeresströmungen eine zu große Barriere dargestellt haben dürfte. Für unseren Zusammenhang heißt das, dass der „kurze Dienstweg“ über Gibraltar hoch nach Frankreich hinein in die Grotte du Lazaret so – mutmaßlich – nie existiert hat. Wenn denn Homo sapiens dorthin hinzugekommen wäre, dann nur per langem Marsch von der Levante über Südosteuropa. Oder/und aus Südwestasien in mindestens fünf Phasen durch das „grüne Arabien“. Die ersten DNA-Spuren von Einwanderern nach Europa stammen von vor 45.000 Jahren, nur dass sich den Genen nach diese Populationen hier nicht etablieren konnten, also nur evolutionäre Touristen auf Sightseeing waren. Schon damals ein Problem. Ohnehin war das gemeinsame Zeitfenster, in dem sich sapiens und Neandertaler wohl nicht nur die Hand reichten, sondern auch Sex miteinander teilten, nicht so groß, wie man lange angenommen hat. Grund für die Verschmälerung gemeinsamer Zeiten sind diverse Neudatierungen dank verbesserter Messmethoden. Demnach hatten beide Arten vermutlich gerade so 4.000 Jahre Zeit füreinander statt bis dato angenommene gut 6.000 Jahre. Mutmaßlich schon vor gut 40.000 und nicht etwa erst vor 24.000 Jahren war dann Schluss für Neandertaler, sapiens erwies sich als Opportunist und nutzte die Gunst der Stunde schamlos für sich aus. Wie viel tödliche Konkurrenz sapiens hierbei schlau ausspielte und ethnozidal über seine Anverwandten mörderisch hinwegrollte, war lange unklar. Im Zweifel für den Angeklagten, das noch nicht anthropogene Klima hatte ihn bevor- und alle anderen benachteiligt:

    Während der Mensch die klimatische Nische – in der er mit entsprechender Kleidung nicht erfriert und auch die richtige Nahrung findet – immer weiter ausdehnte, wurde der ökologische Raum, in dem es sich halbwegs angenehm leben lässt, für alle anderen anscheinend immer enger.
    Die Berechnungen zeigen, dass die Lebensräume für manchen Urmenschen ziemlich abrupt geschrumpft sind. Das Aussterben des Homo erectus fällt beispielsweise mit der letzten Eiszeit zusammen. Vermutlich ist es dem Urmenschen einfach zu kalt geworden. Auch der relativ anpassungsfähige Neandertaler sei immer weiter in Richtung Süden gewandert. Die jüngsten Funde stammen aus dem Mittelmeerraum. Verschlimmert habe sich seine Situation durch die Konkurrenz mit dem sich zunehmend ausbreitenden modernen Menschen[.]science.ORF.at

    Dabei war auch Neandertaler nicht ohne, hatte Köpfchen, mit dem er Zahlen jonglierte; wusste schon vor 125.000 Jahren über nachweislich 2.000 Jahre hinweg kontrolliert per Feuer seine Umgebung für sich zu gestalten und sich lichte Stellen im Wald zu schaffen und fertigte vor 65.000 Jahren Blattspitzen aus Feuerstein eventuell für Stoßlanzen zur Großwildjagd.

    Lange Vorrede, auch ein Sinn: dass in der Grotte du Lazaret, um die es hier immer noch geht, Homo sapiens noch nicht seine Finger im Spiel hatte und demnach Neandertaler ist, um den es hier dezidiert geht. In Lazaret konnten im Laufe der Zeit Forchende 20 Siedlungsflächen über 90qm ausgraben und der sedimentierten Vergangenheit entreißen. Bewohnt wurde die Höhle mal nur jahreszeitlich in Herbst oder gar nur Winter, anderswann auch bis zu mehrjährig, dürfte also dann Lebensmittelpunkt für die lokale Gemeinschaft gewesen sein. Allein das ein interessanter Befund, denn das hieße, Neandertaler wäre halbnomadischer Jäger und Sammler gewesen, (generisch) der mobil un-, ggf. sogar spezialisiert aus seiner Umwelt lebte. Das mag in Lazaret so ausgesehen haben
    Künstlerische Darstellung des Höhlenlebens (Lazaret); entnommen: science.ORG.at

    In eingangs gelinkter Studie ging es nun um die Frage, wie es sich in einer Höhle wie beispielhaft Lazaret mit der Rauchentwicklung an Feuerstellen verhalten hat. Je verrauchter, desto gesundheitsschädlicher, umso lebensverkürzender und populationsnachteilhafter. So wenig Urmensch die Zusammenhänge im Rauch schon durchschauen konnte, so assoziativ klar dürfte es auch diesen Ahnen geworden sein, dass bei falscher Räucherung und mangelnder Durchlüftung diese Wohnstätte nicht lebenswert sein konnte. Frei spekuliert und unterstellt, dass gehäufte Tode in „verruchter Höhle“ naturreligiös gedeutet und mit einem unheiligen Bann ausgelegt worden sein könnten. Früheren Annahmen haben nahe gelegt, dass Feuerstellen im hinteren Teil einer Höhle zu liegen hätten, doch der Befund in Lazaret stand dem irritierend entgegen. Hier war die Feuerstelle höhlenzentral in Nutzung. Die Frage nun: warum denn das? Wieso just diese Stelle? Dem sind die Forschenden per computerzeitlich angemessener Methodik, einer Simulation, auf den Grund gegangen.

    „Frühe Menschen brauchten eine Balance – eine Feuerstelle, in deren Nähe sie arbeiten, kochen, essen, schlafen, zusammensitzen und sich wärmen konnten, während sie nur einer minimalen Menge an Rauch ausgesetzt waren“, so die Forscher[…] . Die Computersimulation identifizierte eine 25 Quadratmeter große Fläche in der Höhle, die diese Voraussetzungen optimal erfüllte. Untersuchungen verschiedener Schichten in der Höhle hätten ergeben, dass die frühen Menschen tatsächlich diese Fläche ausgewählt hatten.science.ORF.at

    „Diese Fähigkeit beweise „Findigkeit, Erfahrung und planmäßiges Vorgehen sowie das Bewusstsein für die gesundheitlichen Schäden durch Rauchbelastung.“ Ganz ohne Sensoren oder Simulatoren hatten es die ollen Urmenschen also schon drauf, wussten mit dem so gefährlichen Feuer – Jens Soentgen hoffentlich noch im Ohr – in und außerhalb von Höhlen umzugehen, es für die ureigenen Zwecke zu gebrauchen. Anschauliches Beispiel, so die Autor*innen, für die „hohen kognitiven Fähigkeiten“ der Menschen vor bereits 170-150.000 Jahren – dem primären Beobachtungszeitraum. Frühe „Raumplaner“, die sich einzurichten wussten.

    Kognitive Revolution preloaded?

    Clever schon vor nahezu 170.000 Jahren – damit ist der Zeitraum nochmal um beinahe 100.000 Jahre nach hinten verschoben, in dem man den Menschen (gleich welcher Art, bevorzugt exklusiv sapiens) nennenswerte kognitive Leistungen zugesprochen hat. So spricht zum Beispiel Yuval Noah Harari in „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ von der kognitiven Revolution, verortet sie zeitlich jedoch ins Jahr 70.000 vor unserer Zeit und spricht sie nur sapiens zu. Nach voriger Leistungsschau von Neandertaler in Lazaret, wofür Homo sapiens sapiens zur Einsicht Computerbetreuung bedurfte, scheint mir die Sachlage so klar nicht mehr zu sein. Während mit der kognitiven Revolution von Homo sapiens eine (erste), die sog. quartäre Aussterbewelle einhergegangen ist, fügte sich Neandertaler augenscheinlich besser in seine Umwelt ein.

    Von mir frech entlehnt bei Raymond Dasmann, mache ich die Unterscheidung geltend von “Öko- und Biosphären“-Menschen. Nach Dasmann (und zitiert nach Wiki) sind diese Lebensarten von Menschen so zu charakterisieren

      • Ökosystem-Menschen nutzen nur die Ressourcen eines oder weniger benachbarter Ökosysteme
      • deren Nutzung erfolgt extensiv, energie- und ressourcenschonend (suffizient) und damit nachhaltig
      • der Einfluss auf die Umwelt blieb über viele Jahrhunderte ohne negative Konsequenzen für die Existenzgrundlage der Menschen
      • es bestehen verschiedene „naturreligiöse“ und soziale Praktiken, um diese fragile Balance zu bewahren.
      • „Ökosystem“-Menschen: die unmittelbar verfügbaren Ressourcen und Ökosysteme wurden übernutzt bis zur Degeneration ihrer Leistungsfähigkeit
      • anschließend erfolgte (notgedrungen) eine Ausweitung auf benachbarte Ökosysteme – und so fort.

    Weiter:

    Ökosystem-Menschen sind von intakten Umweltbedingungen abhängig und spüren Störungen im Naturhaushalt unmittelbar. Demgegenüber nimmt Dasmann an, dass Biosphären-Menschen Umweltschäden in fernen Biotopen nicht direkt wahrnehmen und die Verringerung der Produktivität einzelner Ökosysteme zumeist anderweitig kompensieren. Sie verfügen laut Dasmann „über das Potential, die ganze Erde zu einem Paradies zu machen oder zu zerstören.“Wikipedia

    Dasmann führt diese Unterscheidung ein, um besser abgrenzen zu können, wie einst sogenannte „Naturvölker“ (Ökosphärenmenschen) und sog. Hochkulturen (Biosphärenmenschen) auf ihre umgebende Natur zugreifen, sie beeinflussen und gestalterisch verändern. Der Grad der Intensität und des Ausmaßes, wie sehr und wie weit der Zu- zum Eingriff wird, zieht die Trennlinie zwischen beiden Menschenschlagen. Deutlich gesagt, blickt er jedoch auf Homo sapiens in etwa seit der „neolithischen Revolution“, seit – je nach Region – gut 10.000 Jahren, seitdem sich zunehmend Menschen in Städten wieMaidanets’ke oder Tell Brak sesshaft ballen, sich rund um solche Ansiedlungen Tiere wie Wildkatzen domestizierend einfanden. Es geht ihm also um die Frühgeschichte der Menschheit, seither sich die Menschentypen öko- und biosphärischer Weltnutzung voneinander geschieden haben.

    Ich stelle die These auf, dass man diese Unterscheidung – zumindest prototypisch – schon in vor- und urgeschichtliche Zeiten zurückverfolgen und an den Arten von Homo – Neandertaler versus Homo sapiens im Speziellen – festmachen kann. Die Art sapiens ist von frühesten Zeiten an, seit der von Harari attestierten „kognitiven Revolution“ von vor 70.000 Jahren, in der Form des Weltbegreifens, der Weltnahme „biosphärisch“ geprägt, in jedem Falle „biosphärischer“ als ihre Anverwandten. Diese sehr wohl auch schon Welt gestalten konnten, wie in Lazaret beeindruckend gezeigt, das aber trotz herausragender Umweltkenntnisse wesentlich ökosphärischer taten. Ökosphärisch hier verstanden, dass sie zumindest auf Zeit bedeutend ortsverbundener lebten und sich an den Ort einpassten oder/und zwar (halb)nomadisch weiterzogen und des Klimas wegen im Laufe von Generationen auch um einiges an Strecke, das aber stets als Ortswechsel. Homo sapiens wechselte nicht nur den Ort, ggf. um vor Klima oder Ähnlichem zu entkommen, sondern verbreitete sich über die bisherigen Regionen hinaus. Fortlaufende Landnahme, Weltreichweitenerweiterung im Verständnis von Hartmut Rosa. Euphemistisch zumeist als Neugier bezeichnet, geht damit eine intrinsische Weigerung einher, Unverfügbarkeit hinzunehmen oder gar zu akzeptieren. Das ist zugegeben eine steile These, hergeleitet aus der Befundung einsichtiger Platzierung einer Feuerstelle in der Lazaret-Höhle vor 170.000 Jahren. Die Assoziation(skette) ist zugegeben auch mehr gedankensprunghaft als schon durchdacht oder als Hypothesen-Fundament ausformuliert. Doch warum sonst konnte vor allem Neandertaler all das schon, war derart pfiffig und umweltgeschickt, anscheinend z.T. sogar noch weit vor Homo sapiens, mit teilweise mehr Zeit zum Einüben, um dann doch – angeblich stark klimabedingt – den Löffel abzugeben. In Europa seit zig Jahrzehntausenden zugegen, um dennoch just hier evolutionären Konkurs anzumelden, während sapiens in so viel kälterer Region Fuß fassen und sich innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit dauerhaft anpassen konnte. An sapiens scheint mir da von Grund auf sehr viel „Biosphärentum“ verlorengegangen zu sein, in ihm steckt bedeutend mehr Any- statt Somewhere, stets hinaus- und umherstrebend, demgegenüber Neandertaler kleinräumlicher lebten.

    Von solchen wiederum hinausstrebenden, immerhin in diesem Sinne also sapienten Gedanken abgesehen, ist faszinierend, welche Einsichten man über das raumplanerische Verständnis von Menschen erlangen kann, die seit über 150.000 Jahren dahingeschieden sind. Der Artikel geht leider nicht näher darauf ein, wieso man bis dato der Meinung war, dass in Höhlen Feuerstellen weiter hinten zu liegen hätten. Ungeübt im Höhlenbewohnen, scheint mir das vielmehr reichlich ungünstig, da bis dorthin doch gar keine frische Luft mehr gelangt, so sehr das Feuer andererseits von Wind und Wetter geschützt sein mag. Zu nah am Höhleneingang könnte ein ungünstiger Luftstoß, eine vielleicht auch noch feuchte Bö das Feuer zum Verlöschen bringen, von diesem so viel Kultur abhängt. Feuer- als Menschheitsgeschichte!

    The Rising Earth

    Hallo Mitwelt!

    Der Blick aus dem Weltall auf die Erde war schließlich ein ›Muß‹ für jeden Touristen.

    […] Denn da unten schwebte die Erde, ein riesiger, leuchtender Ball mit rötlichgelben, blauen und weißen Flecken. Die dem Schiff zugewandte Hemisphäre lag fast völlig im Sonnenlicht; zwischen den Wolken waren wüstengelbe Kontinente mit vereinzelten, grünen Streifen zu erkennen. Wo die blauen Ozeane bis zum Horizont reichten, zeichneten sie sich scharf gegen die Schwärze des Weltalls ab. Und der klare, schwarze Himmel war übersät mit funkelnden Sternen.

    Die Zuschauer warteten geduldig, denn was sie interessierte, war nicht die Taghälfte.

    Blendend hell kam die Polkappe in Sicht. Das Schiff beschleunigte immer noch kaum merklich zur Seite hin und wurde langsam aus der Ekliptik getragen. Sachte glitt der Schatten der Nacht über den Globus, und der riesige eurasisch-afrikanische Inselkomplex betrat mit der Nordseite nach ›unten‹ majestätisch die Weltbühne.

    Isaac Asimov: Sterne wie Staub [The Stars, Like Dust], Kap. 2 Der Zufall und die Armbanduhr

    Das ist ein langes Zitat aus dem 1951(!) erschienenen Roman der drei sog.
    Imperiumsromane Asimovs, die ergo noch vor legendärer Foundation-Trilogie erschienen sind und den unaufhaltsamen Aufstieg des Trantorianischen Imperiums Jahrtausende vorab vorzeichnen. Damit blickt er auch voraus in ganz anderer Weise, nämlich wirft Asimov einen Blick auf die Erde, auf die zuvor noch kein Mensch je geblickt hatte können. Sechs Jahre vor dem revolutionären
    Sputnik-Schock vom 05.10.1957 (Obacht: Schock nur für den ignoranten Westen) nimmt der Prophet der Science Fiction die Erde visionär von oben, als Kugel, als Gesamt- und Einheit in den Blick, als im Roman ein Raumer mit der Hauptfigur Biron Farrill von der Erde „ablegt“ und sich zum Rand des Sonnensystems aufmacht. Eine Erde, die hier noch bekanntes, wenn da auch schon atomar verseuchtes Zentrum einer in die Galaxis hinausgestrebten, galaktisch gewordenen Menschheit ist, was Generationen später zum Mythos verschwimmen sollte.

    Damit ist für ihn schon selbstverständlicher Teil der Narration, gehört für ihn ikonisch dazu, was für die realirdische Menschheit noch als Einsicht und Erkenntnis bevorstand, nämlich der Erde als Ganzheit inmitten des Weltalls. Per Drauf- zur Einsicht von der
    Ikone Erde – Blaue Kugel im schwarzen All: Beim letzten bemannten Flug zum Mond, 1972, entstand ein Foto der voll erleuchteten Erdkugel, aufgenommen aus ca. 37.000 km Entfernung. Was hat dieses Bild mit unserem Selbstverständnis als Menschen gemacht? Von Ulrich Grober / WDR 2002. Ein exzellentes Kulturfeature bei WDR3, das eindrücklich nachzeichnet, was dieses Foto für Kreise gezogen hat, welche Bedeutung es für die Deutung vom Raumschiff Erde erlangt hat und wie sich diese Deutung im Laufe der Zeit mehrfach verändert hat. Gemacht wurde das Bild auf dem Rückflug von Apollo 17 (07.-19.12.1972),
    der elften und bis heute letzten bemannten Mission zum Mond. Im Rahmen des Apollo-Programms gelang die sechste und bis heute letzte Landung auf unserem Trabanten, wo mit drei Tagen eine Rekordzeit verbracht wurde. Seither ist Mensch nicht einmal mehr über eine erdnahe Umlaufbahn hinausgekommen… Das Geschichte machende Bild,
    Blue Marble, die Blaue Murmel
    hat ökologische Bewegungen wie ein Fixstern den Weg gewiesen und steht seither symbolisch für den Erhalt und die Bewahrung der Erde!

    Blue Marble, aufgenommen von Apollo 17am 07.12.1972; Wikipedia entnommen

    Interessant ist, dass „erst“ 1972 dieses Bild von der Welt weltbewegend um die Welt ging. Denn es hatte bereits eines zuvor gegeben, das nicht minder beeindruckend hätte sein können, als allererstes seiner Art eigentlich auch schon hätte müssen: Der Moment, als die Erde am Horizont auftauchte – Earthrise auf der Apollo 8. Ein halbes Jahr vor Apollo 11, DER Mondmission von 1969 als kleiner Schritt für einen Menschen, der sich als größter für die Menschheit erweisen sollte, war
    Apollo 8
    als erster bemannter Flug gen Mond aufgebrochen. Zum ersten Mal wagten sich Menschen mehr als 1500 km über die Erde hinaus, was sogleich in zehn Mondumrundungen gipfelte, die exakt 20h 10m 13s andauerten. Die Mission fand vom 21. bis 27. Dezember 1968 statt, also ziemlich genau vier Jahre vor Apollo 17 als „letzte ihrer Art“.

    Heiligabend 1968 knipsen die Astronauten ein Foto, das die Welt verändern sollte: Im Vordergrund der kahle graue Mond, im Hintergrund die aufgehende blauweiße Erde – die erste Weltraumperspektive auf unseren Planet

    SWR2 Archivradio

    Auch dieses Bild trägt einen eigenen Namen – Earthrise
    Apollo-8-Aufnahme und zugleich erste Schwarz-Weiß-Fotografie der „aufgehenden“ Erde aus der Mondumlaufbahn, aufgenommen von Bill Anders; Wikipedia entnommen

    Damit war man exakt 103 Jahre später endlich zum Erdbegleiter aufgebrochen, wohin da längst die Menschen gereist waren. Und zwar in Jules Vernes Roman Von der Erde zum Mond von 1865, wenngleich die
    Reise um den Mond von 1870 sich um fünf Jahre verspätete. Das hat Apollo 8 in einem Rutsch vollbracht. Diese Science Fiction reist der Wirklichkeit doch immer voraus, weist ihr den Weg nur allzu oft, eröffnet Horizonte des Denkmöglichen, das Mensch dann nur zu gerne auch ermöglicht.

    AD ASTRA TERRANER

    [1]

  • Wenn sich das mal nicht als
    schmutzige Weiten erweist, in die wir da aufbrechen und den astralen Müll wie volle Windeln in der Wiege der Menschheit zurücklassen…
  • Fragen

    Hallo Mitwelt!

    Was stimmt? Stimmt was?

    Wenn die Gegenwart beschissen und die Zukunft noch schlimmer ist, dann ist die Vergangenheit alles, was einem bleibt.

    Aus Das Licht ferner Tage von Arthur C. Clarke Und Stephen Baxter

    Ich vermisse die Vergangenheit kein bisschen, weil sie zu unserer Gegenwart führte. Ich vermisse die Zukunft.Aus dem WDR3-Hörspiel: Unser Leben in den Wäldern

    Aber das Leben besteht aus zwei Teilen. Die Vergangenheit … ein Traum. Die Zukunft … ein Wunsch.«

    Toufec in 2674 Das Reich der Angst

    Dieses Gefühl, man wächst auf unter Leuten, die man nicht versteht, …

    Klaus Theweleit bei SWR-Zeitgenossen

    Vielleicht ist es ja so: je mehr Brüche ein Mensch in der Identität hat, also je mehr biografische Erzählstränge plötzlich abbrechen, je mehr Fußnoten man bräuchte, um sich zu erzählen, desto unwahrscheinlicher wird es, dass man sich von den großen Erzählungen mitgemeint fühlt.


    Sandra Hetzl in DLF-Essay und Diskurs

    Aber jetzt war es gut. Es war alles in Ordnung. Der Kampf war zu Ende. Er hatte sich selbst überwunden.

    Winston in 1984

    Wir werden weitermachen. Es gibt kein Schicksal. Weil es kein Ende gibt.“

    Mary in Das Ministerium für die Zukunft

    Über Katzen – eine kleine Hirngeschichte

    Hallo Mitwelt!

    Heute knüpfe ich thematisch an den zweiten Blogbeitrag an, wo es um das durch Domestikation verdummte Rindvieh gegangen ist. Die für mich eindrückliche Erkenntnis, dass die „Haushaltung“ von Tieren, hier am Beispiel von Rindern, zu deren Hirnverkleinerung und emotionalen Verstumpfsinnigung führt. Gemessen am Auerochse, der bis zu seinem Aussterben in Europa frei herumlief, schrumpfte das Hirn domestizierter Nachkommen zusehends: Kampfstiere hatten schon ein um 15% und festgestellte Milchviehcher ein um 35% geschrumpftes Gehirn. Genauer gesagt, ist das für Emotionen und Triebverhalten primär zuständige limbische System unter der nur gutmeinenden Hand des Menschen dahingeschmolzen und ließ gelegentlich noch kampfwütige Stiere oder gleich ganz apathisch herumstehende Milchkühe zurück. So lässt sich, wie ich damals schon spottete, natürlich leicht die „Krone der Schöpfung“ aufsetzen, wenn man in sorgsamer „Veredlung“ der Haustiere diese um ihre emotionale Intelligenz bringt. Emotional verengt (Kampfstiere) oder emotional verstummt (Milchvieh) – da bleibt dann nicht viel. Und wie ich im Folgebeitrag über die behirnte Krone der Schöpfung schrieb, wie sehr dem Homo das Hirn zu Kopfe stieg: züchtete man das Hirn von Homo sapiens von im Schnitt 1478 Kubikzentimetern um etwa ein Drittel zurück, ließe es derart verkümmern, würde man die unsere Art um mehr als Million Jahre zurückwerfen und mit einem neuronalen Volumen vom Stand etwa des Homo erectus herumlaufen lassen. Damals eine Neuroquanten-Sprunginnovation, heute ein Rückschritt sondergleichen. Das als Warmup. Denn wie sieht es jenseits der Viehwirtschaft inklusive gezielter Züchtung aus? Was geht denn neuronal bei uns näherlebenden, nämlich den Haustieren?

    Hauskatzen

    Es geht um eine im Fachjournal „Royal Society Open Science“ publizierte Studie, worüber science.orf.at berichtet: Objekt des Interesses ist die Hauskatze Felis silvestris catus und die Frage, wie es um deren Hirn- bzw. Schädelvolumen im Vergleich zur

    bestellt ist, ob die Hypothese sich auch an diesem Fall verdeutlichen lässt, dass Domestizierung im Allgemeinen zahm macht und die Hirne schrumpfen lässt. Ergebnis: Ja!

    Wir fanden heraus, dass Hauskatzen das geringste Gehirnschädel-Volumen haben.“. Die Denkzentralen von Hauskatzen sind weniger voluminös als jene ihrer direkten Vorfahren, den Falbkatzen. Wildkatzen haben die größten Hirne. Mischlinge aus Haus- und Wildkatzen besitzen kleinere Gehirne als ihre wilden und größere als ihre zahmen Eltern.

    Koautorin Raffaela Lesch laut science.orf.at

    Absteigend der Größe nach also (europäische) Wild- vor Falb- vor gekreuzten vor reinen Hauskatzen. Interessant, dass als mögliche, noch nicht ausgemachte Gründe hierfür nicht die Schrumpfung des obig genannten „limbischen Systems“ verhandelt wird. Hauskatzen sind demnach nicht emotional verkümmert (worden). Wie wild so ein „Schoßtiger“ sein kann, wenn er/sie die Krallen ausfährt, den Buckel macht und den Schwanz sträubt oder/und sich gar mit einem Artgenossen fetzt, gemahnt eher an einen wütenden Stier als eine abgestellte Milchkuh. Die bedachten Gründe sind deren drei ganz andersartige daher:

    1. Gemäß einer Hypothese, „dass eine kleine Gruppe von Stammzellen dafür verantwortlich ist. Diese “Neuralleistenzellen“ sind an der Bildung der Nebennieren beteiligt, die Stresshormone und Adrenalin produzieren. Wenn sie „leicht defekt“ sind, sind die Tiere weniger ängstlich und aggressiv, also zahm. Die Neuralleistenzellen bilden aber auch Farbpigmente, Knorpel und Botenstoffe für die Gehirnentwicklung. Werden die Haustiere zahmer, haben sie daher auch oft geflecktes Fell, Schlappohren und eben kleinere Gehirne als ihre wilden Vorfahren.“
    2. “Zweitens könnte das verringerte Hirnvolumen auf ein „Tauschgeschäft“ für einen größeren Verdauungstrakt zurückzuführen sein, so Lesch: „Gehirne sind im Energiehaushalt teuer, ebenso der Darm. Als die Katzen ihre Verdauung an ein Leben mit den Menschen und deren Nahrung anpassen mussten, könnte es zu einer Reduktion des Gehirnvolumens gekommen sein, weil mehr Energie in den Darm investiert werden musste.“ Die Tiere hätten demnach längere Därme auf Kosten von Gehirnvolumen erkauft.“
    3. “„Eine weitere Idee wäre, dass die Domestikation die Konzentration der Schilddrüsenhormone während der Embryonalentwicklung verändert“, so Lesch. Sie spielen bei der Entwicklung von Schädelknochen eine Rolle und könnten demnach auch Veränderungen des Gehirnvolumens bewirken.“

    Science.orf.at

    Als Laie kann ich keine der Optionen bewerten. Bei Punkt 2 frage ich mich jedoch, wieso die Noch-nicht-Hauskatzen kulturfolgend, den Menschen anhänglich geworden sein sollen, wenn das für sie nicht unbedingt mehr Nahrung verspricht. Denn wenn es mehr oder kalorisch bessere Nahrung gegeben hätte, wäre die Versorgung eines energiehungrigen großen Hirns doch sichergestellt gewesen. Sprich, dann hätte es doch wildkatzengroß bleiben können dank des üppigen Angebots. Wenn dem aber nicht so war, das nahrungsangebot vergleichsweise verknappt war, was war denn dann die Motivation vor Ort zu bleiben? Eventuell zwar (energie)weniger Nahrung, dafür kontinuierlicher verfügbar? Weil sich bspw. auch Mäuse, Ratten und sonstige Nager der Menschengemeinschaft „anschlossen“, zu Kulturfolgern wurden, stellte sich der Speiseplan der häuslicher werdenden Katzen auf diese kleineren Häppchen um. Regelmäßiger, dafür jeweils kleinere (Energie)Portionen, in Summe kalorienärmer und deshalb schlechter für ein gefräßiges Hirn. Geringeres Risiko, bei der Jagd in freier Wildbahn leer auszugehen, dafür mehr Versorgungssicherheit. In etwa so? Aber wozu dann mehr verdauender Darm? Die Korrelation verstehe ich noch nicht. Aber umso praktischer, dass…

    Der Speiseplan

    science.orf.at über eine Studie in „PNAS“ bereits 2020 berichtet hat. Während man die beiden Unterarten von Felis catus sowie Felis lybica genetisch kaum unterscheiden kann, obwohl jene von dieser abstammt, sind die Unterschiede zu Felis silvestris bedeutsam. Wie nun aber just die Hauskatze ihre besondere Stellung mutmaßlich in der Jungsteinzeit erlangen konnte, versuchte das Forscher*innenteam um Magdalena Krajcarz anhand der Ernährung zu rekonstruieren.

    Krajcarz und Kollegen fanden in den Überresten von sechs Falbkatzen in Südpolen genügend intaktes Knochenkollagen, um Rückschlüsse auf die Ernährung ziehen zu können. Dazu untersuchten sie die Menge zweier stabiler Isotope: Stickstoff-15 wird vom Körper vermehrt in das Protein Kollagen eingebaut, wenn die Nahrung von Feldern stammt, die mit Dung von Tieren gedüngt worden sind.

    Kohlenstoff-13 findet sich umso häufiger im Kollagen, je mehr C4-Pflanzen (vor allem Getreide und andere Nutzpflanzen) das Lebewesen in den letzten Monaten und Jahren vor seinem Tod verzehrt hat.

    science.orf.at

    Diese Befundung konnte man nun mit der zu Menschen, Haustieren (Hunde) wie Wildtieren aus der Zeit von vor 4.300 bis 6.200 Jahren vergleichen. Hinzu solche von Hauskatzen aus römischer Zeit, die nicht exakt genannt wird, aber wenige Jahrhunderte vor oder nach Christus meint und somit mindestens 4.000 Jahre später sein muss. Die Isotope und ergo die Ernährung der Falb- =afrikanischen Wildkatzen unterschieden sich deutlich von der der Menschen, Hunde oder domestizierteren „Römer-Katzen“.

    Die Stickstoff-15- und Kohlenstoff-13-Werte der sechs Falbkatzen lagen deutlich niedriger, wie es in der Studie heißt. Dies deute darauf hin, dass sie weniger Mäuse und andere Tiere fraßen, die sich vorwiegend von Nahrungsmitteln von gedüngten Feldern und C4-Pflanzen ernährt hatten. Stattdessen haben sie vermutlich – wie die Europäischen Wildkatzen – vor allem in der Wildnis Tiere gejagt. Den Forschern zufolge waren die Katzen der Jungsteinzeit eher Kulturfolger, die in der Nähe der Lager der Menschen schnelle Beute fanden, als gut integrierte Haustiere.

    science.orf.at

    Wenn ich das jetzt richtig interpretiere, widerspricht das meinen obigen Gedanken bezüglich Kleinhirn-durch-Großdarm. Mag sein, dass sich die Verhältnisse zu späteren Zeiten weiter geändert haben, in diesem fraglichen Zeitraum der spät(er)en Jungsteinzeit hatten die Noch-Wildkatzen die menschennahe Jagd in umgebender Wildnis noch vorgezogen und sich mitnichten auf das lokale Angebot bei und in menschlichen Siedlungen verlassen. Sie blieben also noch ausgeprägt einzelgängerisch und definierten ihr Territorium für die Jagd noch selber, wenn auch bereits siedlungszentriert. Vielleicht haben die Wildkatzen damit den ersten Schritt in Richtung Genokalypse gemacht, denn laut einer Studie sind vor allem Fleischfresser gefährdet, wichtige Gene durch vereinseitigte Ernährung zu verlieren. Just solche Gene nämlich, die den Stoffwechsel wider menschengemachte Toxine ertüchtigen könnten. Ob das für die inzwischen Hauskatze gilt, geht aus der Studie nicht hervor, sollte man aber im Hinterkopf behalten.

    Zuvorige Fundlage über die noch abwechslungsreiche Ernährung gilt speziell für Polen, allemal vorstellbar und m.E. gut möglich, dass man auch 5.500 v. Chr. Im bayrischen Voralpenraum rundum Pestenacker auf Prä-Felis-catus gestoßen wäre. Oder wiederum weiter östlich, wo sich möglicherweise noch ziemlich wilde Post-Felis-lybica an die damaligen Megasiedlungen wie Maidants‘ke mit etwa 3.000 Häusern und geschätzten 10.000 Einwohnern interessiert herangeschlichen und erste „Kulturkontakte“ geknüpft haben:

    Vor über 6000 Jahren, in der Jungsteinzeit, blühte in der Region zwischen der westlichen Schwarzmeerküste und der heutigen Zentralukraine die Cucuteni-Tripolje-Kultur. Hier lebten die ersten Landwirte Europas in vergleichsweise riesigen Siedlungen mit bis zu 15.000 Einwohnern. Zur gleichen Zeit, zwischen 4000 und 3500 vor Christus, waren die mesopotamischen Stadtstaaten wie zum Beispiel Babylon auf dem Höhepunkt ihrer Macht.

    MDR-Wissen

    Faszinierende Vorstellung, wie sich Wildkatzen und siedelnde Menschen nach und nach nähergekommen sind und sich aneinander gewöhnten. Ändert jedoch nichts daran, dass noch so schnurrende Kätzchen, die manch nagende Plagegeister in Schach gehalten haben mögen, für die damaligen Menschen nicht das wichtigste und (überlebens)nötigste Tier gewesen sind: das war bekanntlich der Regenwurm! Ja! Weder dieser noch Felis lybica auf dem Sprung zu catus waren jedoch (gezielte) Züchtungen. Das erste Beispiel hierfür ist jüngst im heutigen Aleppo archäologisch zutage gefördert worden: ein Esel-Hybrid, Nachkomme aus wildem und domestizierten Esel.

    Cave domesticationem!

    „Hüte dich vor der Domestikation!“ Das möchte man den Tieren zurufen, denn es führt nur zur Verzwergung der Hirne, lässt ggf. hingegen die Därme anschwellen, wichtige Gene entschwinden. Am Ende gilt: „Wenn Tiere Schimpfwörter hätten, wäre „menschlich“ wohl das ärgste.“ Okay, ich gebe zu, das ist jetzt nicht die allererste Ableitung aus voriger Erörterung;-) Aber meine Stimmung. Als Ausklang spannender ein Gedanke zur Frage, ob denn eine wohl gesetzmäßig mit der Domestikation einhergehende Hirnschrumpfung per se fragwürdig bis schlecht für die Hirnträger ist. Wenn das Hirn halb so toll ist, wie Hirnforschende uns Glauben machen, dann muss es ja das anpassungsfähigste, flexibelste Superkonstrukt des Universums sein. Also zumindest mal das menschliche Pendant. Aber vielleicht sind auch eingemeindete Tiere neuronal anpassungsfähig und haben sich turboevolutionär nur neuronal so verschlankt, wie es von Nöten ist. Welches Pferd springt schon höher, als es muss. Und welches Haustier leistet sich unnötigerweise mehr Hirn, als es zum zivilisierten Leben braucht? Das wäre ja ineffizient, ja dekadent, verschwenderisch, überflüssig. Sonst müsste der Hund ja mit am hirnärmsten und selten dumm sein, so wie er vermenschlicht worden ist. Doch just er kann sogar menschliche Sprache unterscheiden, was sonst doch als einmalig menschlich gegolten hat. Die Zeiten ändern sich und die Tiere sich in ihnen mit – hin zum Menschen.

    EDIT vom 27.01.2022: OJE OJE OJE! Schreibe Blogbeiträge nicht am Abend nach schlechter Nacht fertig, dann wird es peinlich. Alle guten Latein-Benotungen sind zu annulieren! O_o Denn ich hatte allen Ernstes nicht die Vorlage „cave canem“ so ziemlich berühmteste Sentenz aus untergegangenem Pompeji, sondern in erster Version „carve canem“ sinnentstellend entlehnt. Auweia, das tut weh…. „Carpe diem“ (Nutze den Tag), wie es über unserem Schuleingang prangte, und „cave canem“ sind hier zu einer unheiligen Allianz von Latin Pidgin verschmolzen. Statt Küchen- nun Schreibtischlatein O-o Dafür bin ich jetzt wach… Allerdings geht es ja auch „Über Katzen“ und nicht Hunde – JAWOHL!

    Vom Brentry zum Brexit

    Hallo Mitwelt!

    Heute zwei kontrastiv exzellent gematchte Fundstücke im Feed vom SWR2 Archivradio vorgefunden. So direkt nacheinander gehört, zeigen beide erschreckend deutlich manch realpolitischen Irrsinn auf. Es geht um den in Kontinentaleuropa berüchtigten BREXIT aus der EU, der Europäischen Union (=Gemeinschaft= der 28, dem ein „Brentry“, ein Eintritt der Briten vorhergegangen sein musste. Es geht um zwei Radiokommentare aus dem Archivfundus des SWR, die Ein- wie Austritt kommentieren. Zum einen

    • in 13Minuten über den Festakt zum Beitritt Großbritanniens am 22.01.1972 zur EWG – die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, die sich bereits am 25.03.1957 gegründet hatte. Ausdrücklich: W wie Wirtschaft, nicht etwa W wie Werte… Fünfzehn Jahre später war es für Großbritannien also soweit, das jedoch im dritten Anlauf nach 1961 sowie 1967. Beide „Matchbälle“ bis dahin abgewehrt durch Frankreichs Staatsoberhaupt Charles de Gaulles, erst dessen Abtritt 1969 den Weg freimachte. Seine „Gründe“ wider das UK nicht nur, aber AUCH, dass über das eingemeindete UK die USA Einfluss in der alten Welt, in Europa erlangen könnten. Noch weit vor der McDonaldisierung drückte de Gaulles so kulturpessimistisch nationale Befürchtungen einer Cocakolonisierung vor allem Frankreichs durch die USA aus. Coca-Cola hier sinnbildlich und synonym für US-amerikanische Kultur- und insbesondere Konsumgüter, über die es zu einer kulturellen Amerikanisierung käme. Eventuell selbst Anfang der 1960er Jahre schon etwas spät dran, da die Disneyfizierung wohl schon ihren Weg über die Fernseher genommen hatte: die Erfüllung des American Dream, wo jede*r den American Way of Life gehen kann, wie ihn die Disney-Filme da längst vorgeführt haben. Vielleicht nicht in Frankreich, aber in Deutschland der 1950er Jahre war die US-Kultur auch längst vorgedrungen, nämlich massenhaft in Form von Übersetzungen in diverse Science Fiction-Reihen. Seither wurde das bis dahin Zukunftsroman und ähnlich genannte Genre dem US-Vorbild der Goldenen Ära nach überhaupt erst amerikanisiert Science Fiction genannt. Details von Hans Frey im MEMORANDA-Podcast!
    • in bezeichnend nur noch 3Minuten zum final endgültigen BREXIT am 01.01.2021 – also vor gut einem Jahr inmitten der Pandemie, sich auftürmender Alpha-Welle. Ältere erinnern sich noch oder wieder, nachdem sie nach viereinhalb Jahren BREXIT-Unwetter den sich lichtenden Himmel und die eintretende Ruhe genossen (hätten – ohne Corona).

    Zu beiden Archivkommentaren diese Kommentare von mir, dass

    • ich den richtiggehend liebevollen Detailgrad des ersten Kommentars einmalig gut finde. Gibt es heute so nicht mehr, wüsste ich nicht. Dass die Würdenträger des Festaktes, die es zu Papier bringen durften, die Dokumente von der linken Seite angereicht und von rechts etwas zum Schreiben zur Hand bekommen; wie die Tische angeordnet sind, wer wo sitzt; dass der kecke britische Botschafter vor Ort die Presse just zu einer Zeit zu sich lud, als anderswo oppositionelle Gegner des Beitritts ihren Auftritt hatten… Warum derart detailliert und präzise und weniger als Story? Vermute, weil all sowas noch überhaupt nicht normal und Standard geworden war, sondern noch gründlich präsentiert und der Zuhörerschaft näher gebracht werden musste. Weil der Grad der TVisierung, geschweige denn Eventisierung einen Bruchteil von heute betrug und viele Bilder, wie man sowas macht und veranstaltet, gar nicht bekannt, noch nicht ins medial vermittelt kommunikative Gedächtnis vorgedrungen waren. Der „Knigge“ hierzu hatte sich, von mutmaßlich noch wenigen (Stand)Bildern abgesehen, noch nicht so sehr verbreitet, als dass er selbstverständlich und keiner Rede mehr wert geworden wäre. Kurzum: es war noch erwähnenswert und macht es für mich daher unglaublich hörenswert. Da schildert jemand die Welt vor sich und macht sich – und uns – nur über die zu hörenden Worte ein Bild davon. Ein vielleicht selber noch nicht gar so abgezockter Journalist, für den es auch noch eine besondere Sache war, einem raren Beitritt so nahe beiwohnen zu können. Er berichtet von oberhalb des Sitzungssaales, aus einer Glaskabine hinaus. Ist das heute noch so? Gegebenenfalls längst abgeschafft, weil zu gefährlich. Journalisten könnten von da oben verunfallen, Terroristen sich dorthin einschleichen und ganz anderes fallen lassen…
    • BoJo echt drollig ist, wenn er inmitten Corona den Nationalstolz zu pushen versucht, weil man ja mit dem Impfstoff von AstraZeneca den ersten seinesgleichen im Westen marktreif gemacht und im Weiteren zur Verfügung habe. Tja BoJo, beim nächsten Mal auf Party verzichten und vielleicht dem Briefing beiwohnen. Dann hätte er erfahren können, wäre ihm zum ersten Mal mitgeteilt worden, dass Astrazeneca 1999 als Zusammenschluss aus der britischen Zeneca PLC und der schwedischen Astra AB entstanden ist. Und wenn BoJo investigativ nachgefragt hätte, hätte er in Erfahrung bringen können, dass A) Imperial Chemical Industries als imperial langer Vorgänger nicht mehr existierte und auch hier symbolisch das Empire abgedankt wurde; B) dieses Schweden nicht nur von kontinentaler Lage, sondern auch noch allen Ernstes echt und wirklich schon seit 1995 Mitglied der EU ist! LOL ROFL OMG Hauptsitz ist zwar in UK (Cambridge – ANALYTICA??), wo man die Cashcow melkt; die Entwicklungs- und Forschungsabteilung hingegen liegt auf EU-Boden 😀 Kann man sich gar nicht ausdenken, aber true story!

    Aber PSSST, dass das niemand BoJo verrät, wie viel EU in jedem Impfpieks steckt. Ein Teil der Antwort könnte selbst ihn sonst beunruhigen. Als Fazit kann man jenseits von Spott nur sagen: schade, dass zwischen Brentry und Brexit keine 50 Jahre liegen, es nicht einmal fürs Jubiläum gereicht hat. Und nimmt man 2016 mit dem verheerenden Voting wider EU-ro-pa, dann hat die Affäre sogar bloß 44 Jahre gehalten. Anderthalb Generationen, ja, soweit so immerhin. Aber viel zu kurz für echten Aufbau und nachhaltige Stabilisierung. Davon ab, dass schon Ende des Eintrittsjahrzehnts die Desintegration allen vergemeindenden Sozialen Einzug hielt, was für eine Union üble Vorzeichen sind: Neoliberalismus im Stile der Eisernen Lady, Mrs. Thatcherism – there is no alternative or society. Für den britischen Unterzeichner und Wegbereiter des Beitritts, Edward Heath Edward Heath – Sir Edward Richard George „Ted“ Heath, so viel Zeit muss sein – sicherlich ein Schreckgespenst, das da im Nachgang aus den nebelumhangenen Mooren seiner Heimat auferstanden ist. Für ihn war es noch ein – DAS Projekt seiner Generation; für einen Staat weiter Willy Brandt war es das Projekt für die Folgegeneration; für die Thatcherista war es wohl gar kein Projekt mehr. Und dennoch gab es mit diesen thatcherisierten Neoliberals trotzdem die EU, der man dennoch überdrüssig wurde. Hat Obelix am Ende doch als einziger die Sache durchschaut? „Die spinnen die Briten!“ Hoffentlich nicht.

    EDIT vom 23.01.2022: Link zu EU-Werten hinzugefügt. Letzten Absatz hinzugedichtet.