Telzey Amberdon oder Die Großen in der Tiefe

Hallo Mitwelt!

Heute nur fürs Protokoll dokumentiert, was festzuhalten ist. Hatte zur Rezension über “Die unheimliche Freiheit“ am Rande notiert, eine Anfrage/Anregung an den herausgebenden Apex Verlag rausgeschickt zu haben. Speziell zum Autor James H. Schmitz der zweiten Kurzgeschichte „The Telzey Toy“. Denn laut Wiki hat es weitere Geschichten rund um die Hauptfigur Telzey Amberdon gegeben, wovon drei weitere einst schon übersetzt veröffentlicht wurden. Ob da nicht eventuell ein weiterer Erzählungenband möglich wäre, wo doch nebst besagter Kurzgeschichte auch schon „Agent der Wega“ von JHS wiederveröffentlicht worden ist. Sprich, der Autor ist ohnehin schon im Verlagsfokus, für ihn liegen Lizenzrechte vor. Damit müsste doch der Zugriff auf weitere Geschichten gut realisierbar sein. Nette Antwort vom Verlagschef Christian Dörge: “Ich danke Ihnen sehr für die Tipps! Ich bin sicher, da ist etwas für unsere
Reihe Galaxis Science Fiction dabei.“ Keine handfeste Zusage, die auch weit über Erwartung gewesen wäre, aber ein eingepflanzter Samen der Anregung, der keimen könnte. Sehr schön. Davon ab, dass ich besagten „Agent der Wega“, der im eigenen Universum oder zumindest Telzey-los spielt, sowieso noch am Lesen bin. Langsamleser plus lektürische Zuvielfältigkeit – Multioptionslesegesellschaft! Sodann aber auch noch…

Die Großen in der Tiefe

Eine zweite Anfrage ging raus, die ich noch letztes Jahr – quasi verjährt – auch an Apex/Herrn Dörges geschickt hatte, da mit „negativem Bescheid“. Daher musste der Nächste dranglauben, seines (Verlags)Namens Peter Hopf.

Worum geht es? Das etwas ausholend umwegig hergeleitet: Habe den – 96seitigen – Essay von Ingo Reuter „Weltuntergänge. Vom Sinn der Endzeit-Erzählungen“ (Reclam Verlag) gelesen. Hier geht es um all die Formen von Apokalypsen, die sich der Mensch durch die kulturellen Gezeiten (multi)medial so ausgedacht, erwartet, gar erhofft, meist befürchtet hat. So sinnlos so eine pessimistische Sicht zunächst wirken mag, sich das Weltende auszumalen, so sehr lässt sich eben doch Sinn hieran finden. Aus dem Altgriechischen übersetzt bedeutet Apokalypse nämlich zunächst einmal nichts anderes als „Entschleierung“, „Enthüllung“. Eine enthüllende Entschleierung des herrschenden Jetztzustandes ist, ganz neutral gesprochen, eine Sezierung der Zustände, wie sie erscheinen, eingekleidet in die Umstände ihrer Zeit. Apokalypse ist so gesehen erst einmal nur ein Blick hinter die Schleier der real existierenden Realität; ist die Entkleidung der herrschenden Kostümierung; ist das das Ausrufen des Endes der närrischen fünften Jahreszeit.
Apokalypse hat so herum betrachtet einen aufklärerischen Charakter, da die nicht länger zumutbaren Zustände der Gegenwart entlarvt werden, um durch ihre Entschleierung eine neue – eben postapokalyptische – Zeit aufzuzeigen. Mit einer Apokalypse geht eine Entzauberung der Welt einher, so wenig die hinkünftige Nachzeit deshalb notwendig eine bessere sein müsste… Usf. usf.

Zurück zu „Weltuntergänge“ als Essay. Folgende Themenbereiche werden verhandelt:

  • Einleitung: Fünf vor zwölf oder schon kurz danach?
  • I Erstsichtungen: Schuld, Rettung und Neubeginn
  • II Fluten als das große Reinemachen
  • III Apokalypse als ersehnter Neubeginn
  • IV Weltuntergang durch Gefahr von außen
  • V Weltuntergang durch Technik: Klima, Strahlung, Maschinen, Atomkrieg
    • Das Klima
    • Die schleichende Strahlung
    • Die Maschinen oder: Der Zauberlehrlingseffekt
    • Atomkrieg – eine Bedrohung außer Mode
    • Wie geht es weiter nach dem Atomkrieg?
  • VI Weltuntergang durch virale Ansteckung
    • Krankheiten
    • Soziale Ansteckung
    • Computerviren
  • VII Vom Sinn des Schreckensbildes
    • Die vierte historische Kränkung
    • Was ist menschlich?
    • Gerechtigkeit
    • Vorläufige Rettung

Und inmitten von Kapitel V, im letzten Abschnitt, wie es denn nach einem Atomkrieg postapokalyptisch weitergehe, stolperte ich in überraschter Freude über folgenden literarischen Verweis, der für mich unerwartet kam. OBACHT Spoiler:

Karl-Herbert Scheer, Miterfinder der Science-Fiction-Buchreihe Perry Rhodan, lässt in seinem Roman Die Großen in der Tiefe aus dem Jahr 1962 den Kalten Krieg in einen heißen Atomkrieg übergehen. Den Grund hierfür liefert nicht die Technik, sondern das »human element«. Am Ende der technischen Signalkette, die einen vermeintlichen Angriff anzeigt, sitzt ein Mensch. Dieser Offizier, der für den roten Knopf verantwortlich ist, muss entscheiden, ob mit dem atomaren Gegenschlag reagiert wird. Der erste Teil des Romans endet damit, dass der Wachhabende den Knopf drückt. Der atomare Gegenschlag antwortet allerdings nicht auf einen ernsthaften Angriff, sondern auf einen missglückten Raketentest der Gegenseite ohne jede aggressive Absicht. Durch einen Irrtum, ausgelöst durch eine Verkettung menschlicher Fehler, versinkt die Welt im atomaren Feuer.

Unter der Erde der amerikanischen Wüste überleben 5000 Menschen. Der zweite Teil des Romans spielt 174 Jahre später: Nunmehr 10 000 Menschen fristen nach dem Ausbau des Bunkersystems ein erbärmliches Leben in einer kulturlosen Kastengesellschaft. Über 80 Prozent der unterirdisch Lebenden zählen zur niedrigsten Kaste, dienen lediglich als Arbeiter und verblöden zusehends. Eine kleine Gruppe von Menschen flieht schließlich aus der unterirdischen Diktatur an die Oberfläche. Sie stoßen in südlichere Gebiete vor, in denen die Strahlung geringer ist. Dort wollen sie ein neues Leben beginnen. Zu Beginn dieses Neuanfangs steht ein blutiger Zusammenstoß mit an der Erdoberfläche lebenden, tierhaften Mutanten, Nachfahren der früheren Menschheit. Auch sie gelte es als Menschen zu akzeptieren, heißt es, trotz des gewaltsamen Aufeinandertreffens. Damit endet der Roman und lässt die Zukunft offen. Ihn kennzeichnet ein Misstrauen in die menschliche Einsichts- und Urteilsfähigkeit: Fehleinschätzungen lösen den atomaren Untergang aus. Und auch unter der Erde bringen »die Großen in der Tiefe« nur eine brutale und ungerechte Gesellschaftsordnung zustande. Ob aus einer solchen Gattung am Ende etwas Neues und Gutes entstehen kann, bleibt offen. Immerhin.

Ingo Reuter in „Weltuntergänge. Vom Sinn der Endzeit-Erzählungen“, Kap. V

Der gute alte „Granatenherbert“, berühmt für manch Kommandosache Zur besonderen Verwendung und als Mitbegründer und ein Jahrzehnt lang erstprägender Exposéautor der Perry Rhodan-Serie

Der Mann, der den Serienerfolg vor allem in den ersten zehn Jahren maßgeblich bestimmte, war nach meiner Sicht der Dinge nicht Clark Darlton, sondern K. H. Scheer. . Von Darlton kamen viele Ideen, die konzeptionelle Arbeit leistete aber Scheer.

Klaus N. Frick: Der Redakteur erinnert sich – Weitere Gedanken zum Perryversum-Buch

Gewichtiger Autor seiner Zeit, vor allem der 50er, umso mehr der 60er Jahre. Die wilden Jahre für die Science Fiction also, wie sie Hans Frey in seinem Buch und Folge 13 des MEMORANDA-Podcasts für 1945 bis 1968 für Deutschland nachzeichnet! Bis zum „Sputnik-Schock“ von 1957 eine noch sehr irdische SF, wo es um Atom(waffen)gefahren inmitten von Agenteneinsätzen ging, um erst mit dem Sputnik-Satellit und weiteren belebten Raumfahrterfolgen zunehmend welträumlicher zu werden, ab dann erst die Menschheit literarisch begann, den Weltraum zu erobern. Ich assoziierte Scheer in erster Linie mit Agenten in Kommandoeinsätzen und antriebs- wie waffentechnisch ausgepfeilten Raumschiffen in steter Weltraumnahme. “Die Großen der Tiefe“ mit einer erst apo-, dann postapokalyptischen Erzählung, die große Zeiträume umspannt, hätte ich ihm so gar nicht zugeschrieben. Umso beeindruckter über die Anerkennung für diesen Roman, wie ich sie hier rezensiert las:

Mit Die Großen in der Tiefe bekommt der Leser gleich drei Dinge in einem: Einen Katastrophenroman, der das (nukleare) Ende der Welt beschwört, eine Dystopie, die eine unmenschliche Gesellschaft in den Tiefen eines amerikanischen Bunkers entwirft und eine postapokalyptischer Abenteuererzählung, welche die Neubesiedlung unseres Planeten beschreibt.

K.H. Scheer hat mit seinem Roman Die Großen in der Tiefe einen hochinteressanten Roman verfasst, der den Liebhabern dunkler Zukunftsentwürfe einiges bietet. Schon die Vielschichtigkeit des Werkes, welches mit Blick auf die Leserschaft nicht typischer Elementen des Science Fiction wie mutierten Nagetieren entbehren will, zeigt, dass hier nicht triviale Unterhaltungsliteratur vorliegt.

RobRandall auf Blog: Dystopische Literatur

Damit war ich endgültig neugierig geworden, was dieser doch so vertraute Autor da hinterrücks just in dem Jahr verfasst hatte, als auch sein größtes aller literarischen Kinder geboren wurde (Perry Rhodan – bis heute nicht ausgewachsen…). Doch während Scheers Beiträge zur PR-Serie und sogar seine komplette ZBV-Reihe digital vorliegen, gibt es sein vielleicht ambitioniertestes Einzelwerk bisher nicht zumindest als ebook wiederveröffentlicht. Daher frugte ich beim Apex-, sodann beim Peter Hopf-Verlag an. Und Peter Hopf antwortete mir und zwar wie sogleich angefixt, als wäre da ein Stein ins Rollen gekommen:

Leider habe ich an den Romanen von K.H. Scheer (noch) keine Rechte, aber Ihre Mail soll jetzt ein Ansporn für mich sein, mal zu versuchen diese zu bekommen. Die Scheer-Romane würden ja auch in unsere AUTORENKOLLEKTION passen.

Peter Hopf per eMail

Ob die Lizenznahme klappt, finanziell im Rahmen wäre, kann ich null und nichtig abschätzen. Wie Herr Hopf selber schreibt, so würde der Roman auch m. E. hervorragend in seine bestehenden SF-Reihen passen, die Titel aus den 60ern bis 80ern „revitalisieren“. Und ein Zeugnis seiner Zeit wäre Scheers Roman allemal, der post-/apokalyptische Geister auf Papier gebannt und so eine – wenn auch arztbedürftige – Vision der menschheitlichen Zukunft ersonnen hat.

Ziemlich früheste Zweifel an der Kerntechnik selbst zu zivilfriedlichen Zwecken – an der Atombombe sowieso – drückten sich in Deutschland 1964 aus: SWR2-Archivradio: Frühe Zweifel an der Sicherheit der Kernenergie – Bodo Manstein im Interview. Zu der Zeit herrschte eigentlich noch “Atom-Euphorie“, die sich erst ab 1968 und dann so richtig in den 1970er Jahren zum Widerstand für einen Ausstieg verdichtete. Doch die SF war neben mancher mitgetragener Euphorie in technischer Hinsicht auch in kritischer Lesart ihrer Zeit voraus. Und Karl Herbert als Kind seiner Zeit hat ein Zeitzeugnis dieser Zeit verfasst, das es dann hoffentlich in absehbarer Bälde wieder zum Lesen gibt!

Wer auf dem Laufenden bei beiden genannten Verlagen sein will, ob/wann diese (und andere Titel) erhältlich sein werden, klicke regelmäßig in die News-Bereiche vom Apex- genauso wie beim Verlag Peter Hopf vorbei.

EDIT vom 12.01.2022: Wer schreibt denn bitte Papier klein, wo es momentan doch so teuer ist? Einen Zitatblock geschlossen…

Troja und Schliemann – ein Referat in Schichten

Hallo Mitwelt!

Heute wiedermal eine Reise zurück in memoriam, im Gedenken eines legendären Referats zu Schulzeiten. Nein, nicht das eine, wo referiert wurde, worüber nicht referiert wird… Ein anderes, zweites, an dem ich sogar aktiv beteiligt war, auch wenn das der verschüttete, von allen Involvierten gewiss vergessene Part gewesen war. Ging es bei jenem Referat um irgendeinen Kristallisationspunkt irgendeiner deutschen Literaturepoche im Deutschunterricht, so ging es bei diesem Referat um die Fundamente okzidentalen Selbstverständnisses. Inmitten einer Referatreihe im Lateinunterricht ging es um nichts Geringeres als TROIA! Nicht als von Homer besungener Mythos, sondern um Troia als Stadt, wie sie real existierte und archäologisch zurück ans Licht der Gegenwart gegraben wurde. Das durch den heutigen Jubiliar, der heute am 06.01.2022 200 Jahre geworden wäre: Heinrich Shcliemann!

Um diesen Tausendsassa und sein Grabwerk dort, wo er Troia gefunden zu haben glaubte, sollte es im Referat gehen. Vorgesehen in Summe eine Schulstunde inklusive Diskussion über das Präsentierte. Mein Part war der erste zur Person Schliemann, geplant etwa 10 Minuten Vortragszeit, die eventuell eher an die 15 grenzten. Bis hierhin dennoch soweit, so normal und für ungeübte Vortragende auch nicht ungewöhnlich, dass man da nicht das Schweizer Uhr exakte Timing hat. Part 2 sodann vom Kollegen, mit dem das Thema im Duett als Teamarbeit anvisiert war. Für ihn ergo auch gut 10 bis 15 Minuten, vielleicht an die 20… Aus dem Team wurde ein Gap und ich zum ebenso staunenden Zuhörer wie das Publikum im Plenum des Auditoriums. Wenn man eine mutmaßlich zunehmend überwältigte Masse SchülerInnen, die sich vermutlich ein Trojanisches Pferd zur trickreichen Überwindung der Referatsmauern herbeisehnte, ein aufmerksamkeitsvolles, zuhörbefleißigtes Auditorium nennen sollte. Vielleicht sei noch angemerkt, dass der Lateinkurs ein zwielichtiger war. Nicht Leistungs- noch Grundkurs, sondern „Huckepack“ beides in einem. Hatten sich für den LK nämlich stolze 8 SchülerInnen gemeldet, so für den GK nur deren 7. Bei etwa 500 Schüler*innen und diesem Fach zu einer toten Sprache passabel viele Willige. Und was nur für den LK gereicht hätte und vom Lateinlehrer, der anderswann meine Facharbeit über Tolkien und auch Vergil ertrug wie Atlas die Welt, auch gestemmt worden wäre, war für den GK dann doch zu geringzahlig. Daher beides in eins: die LKler verbrachten drei ihrer fünf Stunden gemeinsam mit den GKlern, diese damit ihre Wochenzeit abgesessen hatten. Die LKler hatten darüber hinaus noch zwei weitere Schulstunden separat, auch was die Inhalte betraf. Denn an den Themen und Texten weiterarbeiten (=übersetzen), die man gemeinsam hatte, hätte ja Wissensvorsprünge und ganz verquer gestellte Klausurfragen zur Folge gehabt. Undsoweiter. Zurück zum Referat, das Teil einer der Huckepackstunden war….

Ich führte – sozusagen – Schliemann biografisch bis nach Troia, auch wenn ich damals nicht die zum Jubiläum allseits verfügbaren Sachstände zur Hand hatte; so zum Beispiel:

Die Streamline sparte, so meine Erinnerung, manch schillernde Abzweigung dieses umwegig vielschichtigen Lebens rigoros aus. Was ich verknappte, schichtete sich folgend dann aber legendär auf. Denn besagter Kollege wandte sich den – arg ruppigen, reichlich freihändischen – Ausgrabungen Schliemanns zu und ging SCHICHT FÜR SCHICHT durch. Für Monate hieß er dann nur noch „Schichten-Name“*. Deren sieben, je nach Zählweise und Anerkennung. Das akribisch per PowerPoint vorgeführt und für das Publikum visionär aufbereitet und im Detailnahezu fundweise präsentiert. Es deutet sich hier schon an, dass selbst die zugestandenen 20 Minuten nicht ausreichten. Die zwischen der Doppelstunde gelegene 5-Minuten-Pause hatte sich erledigt, bitter für Freunde gepflegten Lungenkrebses. Stunde 2 brach an, floss dahin, ging weiter, neigte sich, strebte dem Ende zu, Schicht fünf. Schicht sechs. Siebente und letzte Schicht. Es blieben nur noch so wenige Minuten, bis auch die zweite Stunde vorbei war, dass betäubte MitschülerInnen ohnehin nur noch schwiegen, während der Lateinlehrer nur noch beeindruckt nach Worten rang und auf seine eigene Art redundant das „Uni-Niveau“ dieses Referats lobpreiste. Das sei uni-reif gewesen, könnte auch an einer Uni gehalten worden sein, stünde einem Studenten gut an und wäre auch auf dieser Ebene anerkennenswert gut. Tja… Nun, das richtete sich dann an den zweiten Teil, der so in etwa 85-90% der Zeit für sich beansprucht hatte. Aus der Psychologie ist das Priming vielleicht ein geläufiger Begriff. Damit ist ein Ausgangsreiz gemeint, der die Kognition, Also die Gedanken der Denkenden in Bahnen lenkt. Er bahnt den Weg fürs Folgende, geht voran, macht den Weg frei. Hochgegriffen mag mein Part so gewirkt haben, hat das Auditorium aufmerksam gemacht fürs Thema, ist dann aber durch die Schichtenoffenlegung durch den informationellen Abraum zunehmend zugeschüttet worden, sedimentierte unter der powerpointierten Infomasse. Ob sich überhaupt noch jemand an Schliemann erinnerte, den ich doch auf die Bühne gehoben hatte? Wart das Referat eigentlich je von zwei Schülern gehalten?

200 Jahre Schliemann

Die Biografie von Heinrich Schliemann ist echt eine überborden schillernde, kontrasteiche, widersprüchliche, dass ich genauso gut eine Doppelstunde damit hätte zubringen können. Nur dass damals kein Jubiläum war, auch nur Anstand und die einstiegsfreundliche Quellenlage eine ziemlich dünne war. Sehr empfehlenswert der –leider nur exklusive – ZEIT-Artikel von Moritz Aislinger. Wenige anschauliche Zitate, was für ein Schlag Mensch dieser Schliemann war:

Er hatte europäische Hochkulturen entdeckt und Goldschätze und Königsgräber und Troja. . Er war rastlos gewesen und rücksichtslos und getrieben, einundzwanzigsprachig und kleinwüchsig und Halbwaise und unendlich reich. Ein glücklicher Mensch war er nicht gewesen.

[…]

Staatsoberhäupter aus der ganzen Welt hatten kondoliert. Der Deutsche Kaiser Wilhelm II. hatte einen prachtvollen Kranz geschickt, im Namen des deutschen Volkes. Der griechische König und sein Kronprinz hielten Totenwache. Der Sarg wurde auf einen Wagen gelegt. Acht schwarze Pferde zogen den Leichnam zum Ersten Athener Stadtfriedhof.

[…]

Der Mann, wie er im Museum, im Archiv, in den Tausenden von ihm hinterlassenen Briefen, Sprachübungsheften, Tagebucheinträgen, Visitenkarten und Geschäftsbüchern zum Leben erwacht, erzählt viel über das 19. Jahrhundert und seine Menschen. Über Armut und den Wunsch nach Anerkennung. Über Reichtum und den Hang zur Überheblichkeit. Über Sehnsucht und Mythologie, über Archäologie, Kolonialismus, Raubkunst und Selbstinszenierung, über Liebe und Verlust.

[…]

Am Ende wird er fließend Niederländisch, Englisch, Spanisch, Französisch, Portugiesisch, Russisch, Italienisch, Griechisch und Arabisch sprechen. Dazu noch, wohl ganz passabel, Altgriechisch, Türkisch, Dänisch, Schwedisch, Slowenisch, Polnisch, Hindi, Hebräisch, Persisch, Latein, Chinesisch. Seine Tagebücher hinterlässt er in zehn Sprachen.

Moritz Aislinger ZEIT.de

Schliemann, der „Troja wiederbelebt“ und auch „zerstört“ hat. Der, der im Sog seiner Zeit des fortschreitenden Imperialismus reich geworden war, um sich der Vergangenheit zuzuwenden, Halt im Mythos zu suchen – und zu finden.

Um so eine Person einzuordnen, überhaupt einfangen zu können im bunten Reigen all des Geschafften und Gemachten, fehlte es mir auch an Orientierung wie durch das SWR2-Forum: Archäologie-Star Heinrich Schliemann – Was bleibt vom Troja-Entdecker? “ Kaufmann in Amsterdam, Banker in Kalifornien, Multimillionär in Sankt Petersburg und größter Archäologe seiner Zeit. Heinrich Schliemanns Leben reicht für drei. Seine Antiken-Grabungen – der „Schatz des Priamos“ und die Königsgräber in Mykene – machten international Schlagzeilen und revolutionierten die Altertumsforschung. Was trieb den Mann, dessen Geburtstag sich am 6. Januar zum zweihundertsten Mal jährt? Und was ist seine „Spatenwissenschaft“ heute noch wert? Lukas Meyer-Blankenburg diskutiert mit Leoni Hellmayr – Archäologin und Wissenschaftsjournalistin, Baden-Baden, Dr. Katarina Horst – Leiterin des Referats Antike Kulturen am Badischen Landesmuseum, Karlsruhe, Dr. Frank Vorpahl – Autor und Journalist, Berlin“ Auch gab es da noch nicht Leoni Hellmayrs Buch “Der Mann, der Troja erfand“ oder Frank Vorpahls „Schliemann und das Gold von Troja. Mythos und Wirklichkeit“. Fokus bei all den genannten Beiträgen ganz klar Schliemann, somit alles Update für meinen Referatspart. Was er da im temperamentvollen Übereifer des Entdeckenwollens tatsächlich fand, wie falsch er es etikettierte und marketinggekonnt der Welt anpries, gerät da in die zweite Reihe. Kein Schatz des Priamos, da der gefundene Schmuck noch älter ist als der verdunkelte Zeitraum eines realen Troja, das irgendwann inmitten der dunklen Jahrhunderte in Blüte gestanden haben muss. In einer Zeit, wo aus Bronze- die Eisenzeit wurde. Menschheitlich erwähnenswert und für die ollen Griechen von kaum zu überschätzender Wichtigkeit, sich an diesem Mythenstoff deren kollektive Identität überhaupt erst ausbildete.

Der Mythos – Ilias und Odyssee

Troja besungen, von Aufstieg und Niederwerfung der Stadt der Götter gedichtet wird in Homers Epen Ilias und Odyssee. Mehr Homer wagen – Was uns die „Ilias“ heute zu sagen hat – so die Frage und Aufforderung zugleich im SWR2-Forum. Denn auf der Hand liegt freilich nicht (mehr), wieso ein über Zweieinhalbjahrtausende altes Gedicht, das historisch nicht abbildet, noch von Bedeutung sein soll. Doch mit hörbarer Begeisterung und entschiedener Emphase setzt sich unter anderem Kurt Steinmann ein, der beide Homerischen Epen neu ins Deutsche übersetzt und verständlich zugänglich gemacht hat. Das Hörbuch kongenial gelesen übrigens von Christian Brückner! Dringende Hörempfehlung für alle, die erstmals oder mit neuem Medium ganz anders erhören wollen, welche Schlacht da geschlagen wurde.

Und wer es seziert braucht, worum es geht, einen roten Faden durch all die Namen wackerer Recken und heldenhafter Heroen benötigt, muss den Podcast hinzuschalten, der sich nach der Menschen Mythen umranktester Stadt benannt hat: Troja Alert – in vier Folgen:

Faszinierend, weshalb ich am liebsten, wäre ich doch nur Schnellleser, gleich mehrere Werke über die fragliche Zeit zur Hand nähme. Vorzugsweise aus der Beck Wissen-Reihe, zumindest nachdem ich Schliemanns – nicht immer historisch exakte – Schreibe hierzu gelesen hätte: „Mykene – Bericht über meine Forschungen und Entdeckungen“. Sodann „Die griechische Frühzeit“, “Das mykenische Griechenland“, „Homers Odyssee“, um nur ein paar Titel zu droppen;-) Wenn ich es bis dorthin geschafft habe, melde ich mich hier wieder!

*Der natürlich nicht genannt wird…

Die unheimliche Freiheit

Hallo Mitwelt!

Heute steht eine Art Rezension an. Nur eine Art selbiger, weil ich mich in dieser Kunst noch nicht genug übte und es mir inhaltlich jetzt auch nicht ums Nachzeichnen oder die Vergabe gestrenger Literarische Unitett-Bewertungen geht. Die erlesene Reise führt zu einer Anthologie vierer Kurzgeschichten, was schon deshalb erwähnenswert ist, da ich lange gar kein Kurzgeschichten-Leser war.

Warum? Bin mir zu sicher nicht, vermeinte aber wohl, dass nur in ausgewachsenen Romanen, mindestens aber doch heftroman- oder novellenlangen Geschichten sich Handlung entfalten kann. Für Details gewiss, die benötigen ihren Platz, sich verdeutlichend ausbreiten zu können. DAS RAD DER ZEIT – hüstl;-) Abhelfer hin zu dem Gehalt von Kurzgeschichten speziell im phantastischen Bereich war ganz sicher Sigma 2 Foxtrot. Die im Wechsel zwei Jungs haben mir reichlich Kurzgeschichten – je einzelne oder als Anthologie – nahegebracht, dass ich gar nicht anders kann, als das Genre der Form nach zu würdigen. Natürlich hatte es zu Schulzeiten schon Kurzgeschichten gegeben, aber weder entstammen sie bevorzugten Genres noch konnten sie mich auf andere Weise packen und von sich überzeugen. Erinnere mich allerdings nur noch an Wolfgangs Borcherts „Nachts schlafen die Ratten doch“, das für mich irgendwo in der Mittelstufe zu „(erfahrungs)weltfremd“ war, weltfremder als SF… Ein paar Beispiele für sogwirkende Helferlein:

Asimovs „Roboter-Geschichten“ kannte ich da längst, habe sie aber so nie als Kurzgeschichten wahrgenommen, vielmehr als eine Art Episodenroman und – mir da schon bekannt – als Auftakt zu deutlich Größerem, eben dem Foundation-Zyklus. Obendrein zusammengehalten durch Susan Calvin, auch wenn sie bei weitem nicht in allen Folgen auftritt, dennoch für mich über allen schwebte.

Die Anthologie – Die unheimliche Freiheit


Seit nunmehr schon mehreren Jahren ist nur zu auffallend, dass die Nostalgie auch in die zukunftzugewandte Science Fiction Einzug gehalten hat. Abzulesen daran, dass zunehmend Klassiker bemüht, neu ausgegraben und wieder aufgelegt werden. Das gilt für anerkannte Szenenriesen wie die Gebrüder Strugatzki, deren Roman “Picknick am Wegesrand“ als „Stalker“ nochmals neu-neu rausgebracht wird, wo er doch schon im Rahmen der Gesamtausgabe als Nummer 2 von 6 seinen Platz gefunden hat. Aber auch jenseits von Verlagsriesen wie Heyne gibt es eine Vielzahl von Kleinverlagen, die sich auf das Replizieren alter SF-Texte spezialisiert haben. So zum Beispiel der Verlag Peter Hopf vom gleichnamigen Inhaber. Neben buntgemischten Rubriken gibt es auch eine nur für Science Fiction, wo es – bisher – großteils wiederaufgelegte Romane aus alten SF-Reihen wie Terra Astra gibt. Zeugnisse ziemlich erster Schreibversuche seit Jahren längst etablierter Autoren, die wie Hubert Haensel oder Uwe Anton die Perry Rhodan-Serie mittragen.

Mit gleich mehreren SF-Rubriken ist mir der Apex-Verlag von Christian Dörge dringend leseverdächtig geworden, wo es u.a. die Apex-Science-Fiction-Klassiker in jedem Fall als ebook genauso gibt wie die Galaxis Science Fiction Roman- und Anthologienreihe. Und hier habe ich mal testweise zugegriffen und zwar zur Nr. 08 mit dem Titel: “Die unheimliche Freiheit“. Neugierige Frage, welche science fictionalisierte Freiheit denn da unheimlich wird. Zugegeben, der Umweg war ein anderer und diese Frage stellte sich erst später. Mir war nämlich in einem exzellenten Hörfeature ein uralter SF-Film in die Erinnerung gespült worden. Dem nachgeklickt, erfuhr ich, dass er auf einer Kurzgeschichte mir unbekannten Autors fußt, diesen wiederum ich nun verfolgte. Und der einzige Treffer, bezüglich genau dieser fraglichen Kurzgeschichte Volltreffer sogar führte zu eben dieser Anthologie. Daher zunächst die Übersicht der vier enthaltenden Kurzgeschichten vierer Männer – in Klammern die bisherigen Veröffentlichungen auf Deutsch:

  1. James H. [Henry] Schmitz (1911-1981) mit The Telzey Toy (1971, auch als Ti’s Toys, Kurzgeschichte; Deutsch: Der Puppenspieler. In: Walter Spiegl (Hrsg.): Science-Fiction-Stories 13. Ullstein 2000 #22 (2883), 1972, ISBN 3-548-02883-7.
  2. H. [Henry] Beam Piper (1904-1964) Mit “Day of the Moron“ (1951; Deutsch: Beschränkt zurechnungsfähig. In: Walter Spiegl (Hrsg.): Science-Fiction-Stories 13. Ullstein (Ullstein 2000 #22 (2883)), 1972, ISBN 3-548-02883-7.
  3. Harry Bates (1900-1981) Mit “Farewell to the Master“ (In: Astounding Science-Fiction, October 1940; Deutsch: Der Tag, an dem die Erde stillstand. In: Walter Spiegl (Hrsg.): Science-Fiction-Stories 13. Ullstein 2000 #22 (2883), 1972, ISBN 3-548-02883-7. Auch als: Abschied vom Herrn. In: Isaac Asimov und Martin H. Greenberg (Hrsg.): Die besten Stories von 1940. Moewig (Playboy Science Fiction #6711), 1980, ISBN 3-8118-6711-3.
  4. Randall Garrett (1927-1987) Mit “But, I Don’t Think“ (1959; Deutsch: Der Denker und die Rebellen. In: Der Denker und die Rebellen und andere Stories. 1966. Auch als: Die unheimliche Freiheit. In: Walter Spiegl (Hrsg.): Science-Fiction-Stories 13. Ullstein 2000 #22 (2883), 1972, ISBN 3-548-02883-7.

1. James H. Schmitz

“Als Telzey erwacht, hat sie eine Doppelgängerin. Keines der beiden Mädchen weiß, welches das echte und welches das synthetische ist. Sie haben ihre Rolle zu spielen als Marionetten, deren Bewegungen ein Computer steuert…“ (Klappentext)

Schmitz‘ Kurzgeschichte stammt aus dem Jahr 1971, ist die jüngste dieser Anthologie, 21 Jahre nach der hier ältesten erschienen. Und meiner Einschätzung nach bezieht sie sich wiederum, ist ein Weiterspinnen der Ideen aus “Marionetten“, im Original “Marionettes, Inc.“ (1949) von Ray Bradbury aus besagtem Episodenroman “Der illustrierte Mann“. Hier geht es um…:

Marionetten, e.V. (Marionettes, Inc.): Eine Firma bietet individuell gestaltete, künstliche Menschen an, die von ihren realen Vorbildern, bis auf ein leises „Tick-tick-tick-tick-tick-tick-tick-tick-tick“ in der Brust, nicht zu unterscheiden sind. Ein Mann, der seiner Ehe mit den Jahren überdrüssig geworden ist, kauft eine Replik seiner selbst, die fortan seine Rolle bei der Ehefrau übernehmen soll und erzählt einem Freund von der Herstellerfirma. Dieser Freund möchte nun auch seine eigene Freiheit genießen und seine Frau täuschen, jedoch kam diese auf die gleiche Idee, hatte sich bereits durch eine Marionette ersetzt und ist vermutlich mit einem Anderen durchgebrannt. Der Ehemann mit dem Doppelgänger wird von diesem schließlich umgebracht, da sich der Replikant in seine Frau verliebt hat.Wikipedia

Ich habe keine weiteren Belege hierfür, kann keine Quellen wie Interviews o.Ä. anführen. Aber der Kern der Geschichte ist unverkennbar konvergent, weshalb ich Schmitz‘ Geschichte in narrativer Nachkommenschaft Bradburys sehe. Was kein Makel wäre, sondern ein meisterliches Vorbild, an dem sich zu üben lohnt! Wie komme ich auf eine lektolutive Weiterentwicklung des Marionetten-Motivs? Worum geht es denn bei Schmitz?

Irgendwo in der Zentralgalaxis auf dem Planeten Orado in der Stadt Orado City. Telzey Amberdon, Psi-Telepathin, forscht nach einer Begegnung auf eigene Faust einer sog. „Martripuppe“ hinterher.

Martripuppen waren biologische Organismen, die man äußerlich nicht von menschlichen Wesen unterscheiden konnte. Sie hatten ein Gehirn, das man programmieren konnte, und das auf Stichwerte mit menschlicher Sprache und menschlichem Verhalten reagierte. Ob man diese Art von Gehirn mit so etwas wie dem menschlichen Geist in Verbindung bringen konnte, war eine Frage, die Telzey noch nie zuvor überlegt hatte.

[…]

Eine Martribühne war ein programmierter Computer, der wiederum die Puppen programmierte und sie während des Spiels nach den allgemeinen Richtlinien des Regisseurs leitete.

Doch angetroffene Martripuppe bewegte sich nicht innerhalb eines Martrischauspiels, in dem die Martripuppen gerne mal zur Publikumserbauung „umkamen“, sondern frei in der Stadt. Während ihrer Nachforschungen kommt sie mit dem berühmtesten Martripuppenbauer Wakote Ti zusammen und gerät auf dessen Insel in eine Zwischenwelt des Seins. Die „unheimliche Freiheit“, die sich hier auftut, ist die, ob man noch nur Mensch ist oder doch bereits Martripuppe respektive man nur Martripuppe ist oder doch schon Mensch. Telzey durchlebt das am eigenen Leib, die sich mit ihrem Double, Gaziel genannt, konfrontiert sieht, nur dass sie sich ihrer selbst nicht sicher sein kann. Die fraglich gewordene Identität, die Ungewissheit über die eigene Selbstversicherung macht die Lage unheimlich und stellt die Freiheit in Frage…

Das ist, wie gesagt, die Ausbuchstabierung der Bradbury-Marionetten. Noch anderthalb Jahrzehnte vor The Next Generation wird bereits die Frage gestellt: Wem gehört Data? Auch wenn er Telzey oder Gaziel heißt.

Vorgestellte Kurzgeschichte ist Teil des Telzey Amberdon-Universums, wozu es laut Bibliografie bei Wiki 2 Romane(?) und eine Kurzgeschichtensammlung gegeben hat, wovon insgesamt nur 4 Geschichten bereits übersetzt wurden. Die eine liegt uns vor, wegen der übrigen läuft eine Anfrage beim Apex-Verlag. Ein Telzey Amberdon-Erzählungenband würde mir sehr gefallen.

  1. The Universe Against Her (1964)
  2. The Lion Game (1973; Deutsch: Das Psi-Spiel. Ullstein 2000 #72 (3061), 1974, ISBN 3-548-03061-0.
  3. The Telzey Toy and Other Stories (1973, Sammlung)
    • The Vampirate (1953, auch als Blood of Nalakia)
    • The Star Hyacinths (1961, auch als The Tangled Web)
    • Novice (1962)
    • Undercurrents (1964)
    • Goblin Night (1965; Deutsch: Nacht des Schreckens. In: Science-Fiction-Stories 65. Ullstein 2000 #126 (3314), 1977, ISBN 3-548-03314-8.
    • Sleep No More (1965)
    • Resident Witch (1970; Deutsch: Tauschaktion. In: Walter Spiegl (Hrsg.): Science-Fiction-Stories 25. Ullstein 2000 #45 (2964), 1973, ISBN 3-548-02964-7.
    • Compulsion (1970)
    • The Telzey Toy (1971, auch als Ti’s Toys; Deutsch: Der Puppenspieler. In: Walter Spiegl (Hrsg.): Science-Fiction-Stories 13. Ullstein 2000 #22 (2883), 1972, ISBN 3-548-02883-7.
    • Company Planet (1971)
    • Glory Day (1971)
    • Poltergeist (1971)
    • The Lion Game (1971)
    • Child of the Gods (1972)
    • The Symbiotes (1972)

Telzey Amberdon fußt figürlich also in den 1960er Jahren, was hervorzuheben ist, da sie eine weibliche Hauptfigur ist, geschrieben von einem Mann. Eine zu der Zeit sehr rare Kombination, bedenkt man beispielsweise die FrauenBilder selbst der Gattinnen von Perry Rhodan in 1961 gestarteter Serie gleichen Namens. Oder dass man gerne zu Frauen zeitreiste, in die Zeitkugel-Zeitmaschine höchstens sporadisch dem Männertrio eine Frau beigesellen mochte. Die Autor-Figur-Konstellation ist daher umso erwähnenswerter, weil Telzey – anhand der Kurzgeschichte ermessen – eine sehr selbständige, taffe Person ist, die mit sich und den Umständen, selbst wenn brenzlig, sehr gut klarzukommen scheint. Schon deshalb würde ich nur zu gerne mehr lesen, wie sie sich in welchen Situationen geschlagen hat.

Mit „Agent der Wega“ ist ein Telzey-loser Erzählband dreier Geschichten von James H. Schmitz bei Apex erschienen, wo Interessierte am Autor diesem hinterherlesen können. Ich bin für meinen Teil bereits dabei.

2. H. Beam Piper

“Engstirnigkeit und Rechthaberei beschwören die Katastrophe herauf. Und das Schicksal von Millionen liegt in den Händen des dümmsten von ihnen…“ (Klappentext)

Worum es hier geht, möchte ich mit zwei zusammengeführten Zitaten verdeutlichen, die sich lesen, als wären sie als Zusammenfassungen der Kurzgeschichte formuliert worden:

„Das größte Problem von Leuten, die versuchen, etwas absolut idiotensicherers zu konstruieren, ist, dass sie den Einfallsreichtum von absoluten Idioten unterschätzen.“

“Der Mensch, mit seiner nahezu einzigartigen Fähigkeit, aus den Fehlern anderer zu lernen, ist ebenso einzigartig in seiner festen Weigerung, genau das zu tun.“

Douglas Adam

Als eine von zwei Kurzgeschichten spielt „Der Tag des Idioten“ oder genauso treffend „Beschränkt zurechnungsfähig“ auf der Erde. Und zwar im Gegensatz zu allen drei Geschichten raumzeitlich eindeutig verortet: wir schreiben das Jahr 1988 in New York, somit in sicheren 37 Jahren in der Zukunft der Erstveröffentlichung. Eine Generation später, was in technikfortschrittsoptimistischen Zeiten ein neues Zeitalter verhieß. Eine Generation später, die uns auf diese imaginierte und reale Zeit 1988 zurückblicken ließ, die bloß um zwei Jahre verschätzt davon schreibt, wozu es 1986 tatsächlich gekommen ist: Die “Risikogesellschaft“ brach in die Realität ein und wurde reale Krise, wart zu Tschernobyl geworden! H. Beam Pipers Kurzgeschichte als Prolog zu Gudrun Pausewangs „Die Wolke“?

Im Zentrum der Handlung steht also ein Atomkraftwerk, errichtet in den atombegeisterten Jahren ab 1950, auch wenn der alles atomelektrifizierende hypetrain ab den 1970er Jahren zumindest in Deutschland an Tempo eingebüßt hat. Wer ein defektes Kurzzeitgedächtnis oder sich wohliger Verdrängung hingegeben hat, sinniert über ein atomic revival in grünem Anstrich frei nach dem Grundsatz: wenn man es auch sonst schon schlecht angepackt hat, dann soll man auch so richtig mies zupacken.

Und man setzt möglichst nur auf eine einzige Karte, die einem das gesamte Blatt retten soll. Verdeutlicht für den Idiotentag:

Es [das AKW] deckt den gesamten Bedarf an elektrischer Energie zwischen Trenton und Albany, einschließlich der Stadt und des Großraumes New York. Seit 1982, als das letzte mit Kohle betriebene Dampfkraftwerk stillgelegt wurde, ist es die einzige Energiequelle – mit Ausnahme von ein paar Dieselgeneratoren, die nicht einmal ein Zehntel des Energiebedarfs decken könnten. Wenn Sie diese Anlage stilllegen, wird es schlagartig in jedem Haus, jedem Büro, jeder Straße in der ganzen Gegend dunkel. Die Aufzüge bleiben stecken. Überlegen Sie sich bloß, was das für die Menschen in den Hochhäusern bedeutet. Und die Untergrundbahnen. Und die neuen automatischen Förderbandstraßen, die schon achtzig Prozent des gesamten Frachtverkehrsaufkommens der City bewältigen. Und die Eisenbahnen. Es gibt in der ganzen Gegend höchstens noch ein knappes Dutzend Diesellokomotiven. Und die Pumpstationen für öl, Wasser, Treibstoff. Und siebzig Prozent aller Heizungen sind elektrisch. Sie können sich einfach nicht vorstellen, was das bedeuten würde. Die Auswirkungen wären furchtbar. Aber schon das, was man sich vorstellen kann, ist ein Alptraum.

Hauptfigur Melroy

So auf den Punkt gebracht, liest es sich wie eine sozialpsychologische Form eines üblen Stockholm-Syndroms, der totalen Abhängigmachung eines narzisstischen Größenklein vom narzisstischen Größenselbst. Weil das AKW schon da ist, entwickeln wir so viele alleinig hiervon abhängige Folgetechnologien, die ausschließlich nur damit betrieben werden können, dass auch nur dessen Fallout-lose Abschaltung katastrophal wäre. Wäre es denn Fallout-los…

Apropos: die Arbeitsdefinition eines Idioten, wer die Ehre hat, als solcher anerkannt zu werden, ein solcher tunlichst nicht am und im AKW arbeiten soll, lautet wie folgt:

»Nun, ich nenne einen Menschen einen Idioten, wenn er Dinge tut, ohne vorher die möglichen Konsequenzen zu überdenken. Zum Beispiel jemanden, der einem sehr geachteten österreichischen Wissenschaftler eine Ladung Schrot in den Allerwertesten jagt, um nur ein einfaches Beispiel zu nennen. Oder Menschen, die auf irgendwelche Knöpfe drücken, weil sie wissen wollen, was passiert, oder die an Ventilen oder Skalen herumspielen, weil sie nicht wissen, was sie mit ihren Händen anfangen sollen. Oder die Isolatoren von Hochspannungsleitungen herunterschießen, nur weil sie feststellen wollen, ob sie sie auch treffen können. Menschen, die nicht wissen, was Gefahr ist. Leute, die Verkehrszeichen und Warnschilder als lästig empfinden. Leute, die anderen gerne einen Streich spielen. Menschen, die…«

Scott Melroy, Hauptfigur ihres Zeichens, ist, der in der Vorausschau von Idioten diesen proaktiv begegnen will, indem er sie als am AKW Beschäftigte ausmerzt. Hierfür holt er sich psychologische Expertise, Dr. D. Rives, wobei sich D. für Doris erweist und somit überraschenderweise eine hochkompetente Frau ist. Auf Geheiß Melroys führt sie tiefenscharfe Tests durch, wissenschaftlich nur die anerkanntesten, um unter der Belegschaft alle gnadenlos auszusieben, die nicht die geistige Qualifikation haben können, um ein AKW sicher zu bedienen. Das nimmt seinen Lauf und entspinnt sich hinein in die Katastrophe… Die Klasse der Geschichte erweist sich, dass man gar nicht weiß, wer der Idiot war, wo das Idiotische Einzug hielt oder was denn Idiotisches genau verbrochen wurde, damit es PENG machen konnte. War schon die Idee, Idioten vorsorglich und zur Sicherheit aller ausfindig zu machen, eine Ursünde der Idiotie? War es idiotisch dumm, dafür sich der emotionslosen Wissenschaft zu befleißigen und nur anhand intransparenter, noch so profunder Tests auszusieben? Oder sind die Gewerkschaftler die Dummen, die sich gegen die Tests und die Aussiebung von „Schwachstellen“ stemmen? Oder…war es eine Kettenreaktion der Dummheit, eine Reihe Dumminosteine, die da nacheinander umfielen? Das bleibt offen!

Wer jetzt auf den Piper-Geschmack gekommen ist, muss Englisch können und lesen wollen. Denn hier und jetzt gibt es bloß diese eine, noch so vortreffliche Kurzgeschichte des Altmeisters auf Deutsch. Ändert das! Zur Vertiefung derweil angeraten, antiquarisch SF Personality 03 ausfindig zu machen, das H. Beam Piper gewidmet ist und sein Gesamtwerk, das nahezu ausschließlich aus Kurzgeschichten besteht, ins rechte Licht rückt.

3. Harry Bates

“Ein Fanatiker hat den Sendboten einer außerirdischen Welt erschossen. Nun wartet die Menschheit auf die Rache der Roboter…“ (Klappentext)

Mein Weg zu Harry Bates‘ Kurzgeschichte, die mich die Anthologie lesen ließ:


  1. Exzellentes WDR3-Kulturfeature: „Zwischen Science und Fiction – UFOs, Aliens und der Erstkontakt“: “Lichter am Nachthimmel, ein mysteriöses Wummern, kleine Explosionen – : den außerirdischen Besuchern auf der Spur in Geschichte, Popkultur und Wissenschaft. // Von Joachim Palutzki / DLF 2021 / http://www.radiofeature.wdr.de“.
  2. Inmitten eines Füllhorns an SF-Referenzen ist auch prominent exponiert ein gewisser Film namens “Der Tag, an dem die Erde stillstand“ (1951) von niemand geringeres inszeniert als Robert Wise! Sein SF-Fußabdruck ist deutlich später nochmal gekonnt vertieft worden und zwar mit… Naa?? Richtig! Star Trek The Motion Picture“ – Auftaktfilm von deren sechs rund um die gute alte TOS-Crew aus dem Jahr 1979!
  3. Der 1951er Film beruht nämlich auf der elf Jahre zuvor erschienenen Kurzgeschichte von Harry Bates, die inmitten des Zweiten Weltkrieges entstanden ist, während der Film eine Resonanz des kalten Krieges ist.
  4. Der Film erfuhr übrigens – ich hatte es nicht mitbekommen und beachtet – 2008 ein nostalgisches Remake unter identischem Namen, das von einer inoffiziellen Fortsetzung “Der Tag an dem die Erde stillstand 2 – Angriff der Roboter“ (2011) erlitt. Diese hat mit der einstigen Vorlage absolut gar nichts mehr zu tun….

Schon Wises Interpretation, wie Wiki weiß, nimmt so ureigene Abzweigungen, setzt so ganz andere Akzente, ist besagte 11 Jahre später völlig anders kontextuell motiviert und gespeist, dass man nur von „Film nach Motiven von Harry Bates“ sprechen kann.

Man merkt der Kurzgeschichte an, die älteste der Anthologie zu sein. Aus der Sicht Cliff Sutherlands geschrieben, Pressefotograf und Chronist der Ereignisse, stößt technische Zukunft auf alte Gegenwart gebliebene Technik. So wird noch analog mit Belichtungszeiten im Labor fotografiert, als wäre Cliff Bob Andrews. Andererseits hat es die Menschheit immerhin schon zur Raumfahrt gebracht: “ Jedes Kind wusste, dass auf der Erde überhaupt nur zwei Raumschiffe gebaut worden waren; und von diesen beiden war das eine zerstört worden, als es in die Sonne gezogen wurde, und von dem anderen hatte man gerade erfahren, dass es sicher auf dem Mars gelandet war.“ Wer fliegt auch schon zum Mond, wenn man auch in die Sonne „stürzen“ kann;-) Die Zeit, die geschildert wird, bleibt so ungenannt, dass einem die 1940er Jahre nur so anschreien in allem – bis auf das fremde Raumschiff, das einfach so gelandet ist. Dem Zeugen einer fernen Welt entsteigen zwei Wesen, ein menschlich anmutendes, das sich als Klaatu vorstellt, und ein Roboter namens Gnut. Gastfreundlich wie eh und je wird Klaatu über den Haufen geschossen, dafür aber mit allen Ehren und einigen Blumen feierlich begraben. Man will guten Willen zeigen und das Versehen durch respektvolles Handeln wettmachen. Und Roboter Gnut, Diener seines gefallenen Herrn, der von da an nur noch starr herumsteht, erweist man erst recht Respekt:

Schon die einfachen Roboter, die auf der Erde gebaut wurden, waren unter bestimmten Bedingungen fähig, die unglaublichsten Dinge zu leisten; um wieviel mehr dann erst dieser Roboter, der das Werk einer unbekannten, unvorstellbar fortgeschrittenen Zivilisation war, die erstaunlichste Konstruktion, die man je gesehen hatte – welche übermenschlichen Fähigkeiten mochte er besitzen? Die Wissenschaftler der Erde hatten alles versucht, um ihn außer Funktion zu setzen. Mit Säuren, Hitze, Strahlen und gewaltigen Stößen hatten sie ihn bearbeitet – er hatte allem widerstanden. Seine glatte Oberfläche hatte nicht einen Kratzer abbekommen. Wahrscheinlich konnte er sogar im Dunkeln sehen.

Im Dunkeln sehen! Alle Achtung, das können nur außerirdische Wunderwerke sein;-) Erstkontakt auf menschlich. Da kommt es nicht emotionalisiert von Herzen, sondern gleich aus allen Waffen. Wie sich Fotograf Cliff nun Gnut nähert und was er dabei herausfindet, wird zum Inhalt der Handlung. Und der Kniff am Ende der Geschichte ist ein echt gelungener, erst recht wenn man ihn in der Zeit sieht, einzuordnen versucht, dass wir ein Jahr nach Auftakt des feindestarrenden Zweiten Weltkriegs sind, als Bates es niederschrieb.

4. Randall Garrett

“Es war nicht das Paradies, in dem er lebte und arbeitete, aber es war seine Welt. Gewaltsam herausgerissen, kam er mit allem zurecht, nur mit einem nicht…“ (Klappentext)

Die titelgebende Kurzgeschichte wird gerahmt ein- wie ausleitend mit identischen Worten:

– Auszug aus dem Werk »Die gedankenlosen Gläubigen« von Kaplan Philipp Dachboden:
»Aber, meine Herren«, sagte der Mediziner, »ich glaube wirklich nicht, dass wir eine Religion, die Menschenopfer fordert, als humane Religion betrachten können.«
Und der Künstler lächelte und meinte: »Zumindest nicht vom Standpunkt des Opfers aus betrachtet.«
»Unsinn«, sagte der Philosoph und blickte gereizt auf, weil man ihn aus seinen Gedanken gerissen hatte. »Was ist, wenn es dem Opfer gefällt?«

Zu Beginn noch unklar bis deplatziert, am Ende nur zu exakt die gesamte Handlung und ihr Kernthema eingefangen. Auch die „unheimliche Freiheit“, die in allen drei Kurzgeschichten zuvor zur Geltung kommt, trifft den Inhalt der Geschichte nur zu gut. Irgendwo in Raum und Zeit. Es herrscht ein Aristarchat, gegen das sich Rebellen, die sich selber nicht so bezeichnen, zunehmend zur Wehr setzen. An Bord eines Aristarchat-Raumers jemand, der seinen Namen mangels Nutzung längst nicht mehr weiß. Er ist ein Schätzer, Bürger der Klasse 3, von denen es sechs (1-6) gibt. Als Schätzer schätzt er intuitiv und mit eigenen Sinnen feindliche Angriffsmanöver und kann so über die reinen Computerwerte hinaus viel besser die eigenen Einheiten vor Schaden bewahren. Innerhalb der klassistischen wie militärischen Hierarchie wird jeder Fehltritt hart bestraft und mit Nervenbrennern Gehorsam eingebrannt. Während eines Wartungsaufenthaltes der Einheit und seines Urlaubs verpasst der Schätzer Klasse 3 jedoch, rechtzeitig an Bord zu gelangen, ja wird von Niederklassigen eingebunden, seinem Dienstalltag für Tage entzogen. Er muss sich mit einer aus der 6. Klasse abgeben, sich mit Ziel Rebellen als Angehöriger der Klasse 1 ausgeben. Es ist ein hyperkomprimierter Entwicklungsroman oder könnte es werden, wenn denn der Schätzer je den Kokon seines Lebens verlassen wollte. Doch die Freiheit, die sich ihm bietet, ist eine ihm nur zu unheimliche, eine unsichere, die keine Geborgenheit bietet. Er erleidet die „Fröste der Freiheit“, nachdem ihn widrigste Umstände für noch so kurze Zeit aus seinen zu Traditionen geronnenen Alltagsroutinen freigesetzt haben. Doch wählt er nicht den Weg selbstbestimmter Individualisierung oder macht das Beste aus dem Prozess. Vielmehr ist er heilfroh, sich nach dem Irr-Weg der Ereignisse wieder in seine angestammte, routinierte, wohlbekannte Rolle klaglos einfügen zu können. Das Unheimliche an der Freiheit, die er sichtete, treibt ihn zurück in die Arme strikter Klassengrenzen, gelebten Standesdünkels, überzogener Strafenhärte und persönlicher Beziehungen freien Lebens. Ein Leben, das dafür wohlgeordnet ist, keine Unsicherheiten bietet, vorausschaubar ist, ja abschätzbar. Die einzige Intuition, die er sich leistet, die über auch mittels Computer routinierter Abläufe hinausgeht, ist die seines Berufes als Schätzer. Das ist die einzige Freiheit, die ihm bleibt, die er schätzt, die er will.

Gesamtschau

Anfangs sehr irritiert, wieso die Anthologie nach letzter Geschichte benannt ist, die keiner (=ich) nicht kennt und mit dem Autor auch nichts anzufangen weiß. Warum nicht nach dritter und des Films, der auf sie folgte, berühmtester Geschichte betiteln? Denn im Klappentext wird nur die dritte auch explizit genannt:

Die von Christian Dörge zusammengestellte Anthologie Die unheimliche Freiheit enthält vier Erzählungen von James H. Schmitz, H. Beam Pier, Randall Garrett – und von Harry Bates, dessen legendäre Erzählung Der Tag, an dem die Erde stillstand (die literarische Vorlage für zwei Verfilmungen aus den Jahren 1951 und 2008) hier erstmals seit Jahrzehnten wieder in deutscher Sprache erhältlich ist.

Antwort: Zweiundvierzig! Davon ab, dass „Die unheimliche Freiheit“ das Grundthema aller vier Geschichten gleichermaßen einfängt und abdeckt. Freiheiten drohen zu entschwinden, was unheimlich ist; Freiheiten tun sich auf, was unheimlich ist; die Freiheit der eigenen Identitätsgestaltung wird einer genommen und dem anderen aufgezwungen, was unheimlich ist; der Versuch freiheitlichen Handelns nach besten rationalen Erwägungen wider die Idiotie zeitigt unheimliche Ergebnisse. Es ist der Tanz nicht auf dem Vulkan und doch der Glut der Freiheit, die beunruhigen kann, der einige dennoch nachstreben, sie haben wollen, für die anderen jedoch ein zu heißes Spiel mit dem Feuer der lichten Erleuchtung ist. Ich habe mich zunehmend gerne in die Geschichten eingelesen, die ich in keinem Fall kannte, nicht mal ihre Autoren. Diese entdeckte ich nun für mich neu und lese ihnen immer mal wieder hinterher.

Kritik an der Anthologie jedoch insoweit, als dass die schon in der vorangestellten Übersicht zusammengetragenen Informationen zum Erscheinungsdatum usw. fehlen. Je älter die Geschichte, je mehr Klassiker diese und ihre Autoren sind/sein sollen, umso wichtiger, sie mit ein paar sachdienlichen Informationen in der SF-Raumzeit zu verorten! Ich möchte schon wissen, von wo und wann dieser wiederveröffentlichungswerte Text stammt, was ihn auszeichnet, dem Vergessen entrissen zu werden. Ein paar mehr an Infos, die samt und sonders in allen vier Fällen bei Wiki zugänglich sind, täten da gut. Keine ausführlichen, hin- und einleitenden Editoriale und historischen Kommentare, aber doch ein paar redaktionelle Worte zur Auswahl für diese Zusammenstellung. So von wegen: Vier Texte aus gut zwei Jahrzehnten, von Anfang und Ende des Goldenen Zeitalter der (US-)SF, von vier ganz verschieden interessierten Autoren… usw. usf. Dann gäbe es auch volle Punktzahl.

EDIT vom 04.01.2022: InhaltsVZ vorangestellt; einen Zitatblock repariert, der sonst bis ans Dokumentende gewuchert bliebe; sonst da und dort die Worte der deutschen Rechtschreibung unterworfen;-) FRAGE: Sind solche vorangestellten InhaltsVZ erwünscht, weil sinnvoll bei der kapitelten Textlänge? UND NEIN, die Antwort im Kommentarbereich lautet hierbei nicht 42! 😛

Ob Spülmaschine oder Warpantrieb

Hallo Mitwelt!

Heute gibt es ein außergewöhnliches Matchup. Ein Zustandekommen des Themenspektrums durch spukhafte Fernwirkung eines nichtlinearen Gedankensprungs. Was??? Eine weitspringende, abwegige Gedankenassoziation, die zweierlei zusammenführt, was so wohl nie zusammengedacht war. Zwischen beiden Punkten der Raumzeit liegen bloß 177 Jahre… Ob Spülmaschine oder Warpantrieb….

Tertium comparationis, gedanklicher Tangentenpunkt

…, Hauptsache Cochrane. Dieser Nachname ist, was A und B durch die Zeiten synaptisch verbindet und in mir Gedanke geworden ist.- Gemeint ist nicht eventuelles Gründungsdatum und aktuelle Aktivitäten der Cochrane Collaboration als Zusammenschluss von Wissenschaftler*innen, Ärzt*innen und Co für unabhängige Reviews und Metastudien zu relevanten medizinalen Themen. Aktuelles Beispiel zu Vitamin D als mögliches Hilfsmittel wider Covid – von Klaus-Dieter Kolenda bei Telepolis auf Grundlage von Cochrane-Publikationen vorgestellt. Um Organisationen geht es nicht, sondern um konkrete Menschen und deren Wirken.

Die Erfindung der Spülmaschine

Ausgangspunkt und Anlass ist das WDR-Zeitzeichen vom 28.12.2021, demnach an diesem Datum vor 135 Jahren, also am 28.12.1886 das Patent für die erste Spülmaschine eingereicht worden ist. Und das – zu diesen Zeiten und inmitten der USA – von einer Frau: Josephine Cochrane (1839-1913). Als Hausherrin standen ihr zwar Bedienstete zur Seite, um die Bankette und Zusammenkünfte vor allem für ihren Mann, der in der Politik tätig war, zu bewirtschaften. Doch gingen ihr dabei zu viele Familienerbstücke beim Geschirr zu Bruch, wenn es per Hand gespült wurde. Mehrere Erfinder und Ingenieure in der Verwandtschaft verhalfen ihr zu praktischen Ideen, wie man dem Ungemach technisch Herr bzw. Frau werden könnte. Und wie der Zeitzeichen-Beitrag auch anhand einiger Zitate verdeutlicht, ist Josephine das sehr taff angegangen. Taff, aber auch mutig, wenn sie – damals nunmal total untypisch, ja vielfach undenkbar – ALLEINE – d.h., ohne ihren Mann oder männliche Begleitung – ihre Spülmaschine vorstellte und dafür eine Hotellobby wie eine eigenständige Kauffrau durchqueren musste. Und am besagten Datum anno domini stand für sie die Patentierung ihrer Idee an, eines Geschirrspülers maschineller Art, der – soweit man rekonstruieren kann – stolze 2mal2mal1 Meter riesig war. Daher vorerst nur etwas für große Hotels und Kasernen für die Soldaten, deren verdrecktes Geschirr legionenweise gesäubert wurde. Sprich, die Apparatur funktionierte, was bei Vorgängern, die es sehr wohl gegeben hatte, nicht der Fall war. Deshalb hatten diese es auch nicht, Josephines Prachtstück es aber doch zur Patentierung geschafft.

Der Beitrag verfolgt im Weiteren die Verbreitung der Spülmaschine, die es erst Jahrzehnte später über den Teich in die alte Welt schaffte. Zu Wort kommt eine waschechte Hausfrau der 1950er Jahre, die nicht viel auf dieses Teufelsding gegeben hat, die Spülung per Hand viel tauglicher sei. Das hielt sich als Überzeugung noch bis in die 1990er Jahre, dass man per Hand viel effektiver, ja reinlicher spülen könne. Ein zitierter „Spülmaschinenforscher“ hingegen sagt klar, dass selbst die beste Handspülung nicht mit eher schlechter, weil nur halb bestückter Spülmaschine mithalten kann. Allein die Wasserersparnis sei enorm, wenn es auch heute noch Optimierungen gebe. Und statt energie- und wasserfressender Vorspülung sei ohnehin mechanische Reinigung vorab anzuraten.

Dass sich nach Einführung der Spülmaschine in Deutschland 1929 der Widerwillen gegen ihren Gebrauch bis in die 90er Jahre hielt, dass selbst Hausfrauen sich die Arbeit nicht haben erleichtern wollen, ist bezeichnend. Hier musste ich sogleich an “Die Erfindung der Hausfrau“ von Evke Rulffes (Neugier Genügt Redezeit, abrufbar bis 12.11.2022) denken. Frau Rulffes zeichnet hier nach, was lange selbstverständlich war und immer noch nur langsam abnimmt und abgebaut werden kann. Dass die Frau als Hausfrau mit Liebe und aus Leidenschaft Haus, Hof und Kinder zu bewirtschaften hat. Und als Hausfrau – nomen est omen – ans Haus gefesselt / gekettet bleibt, dort und nur dort sie sich auf ihre unverwechselbare Art und ihre emotional-fürsorglichen Stärken entfalten kann. Frau Rulffes geht historisch rund zwei Jahrhunderte zurück, um das Gewordensein aus dem vergessenen Dunkel der Geschichte ins Licht hervorzuholen und in seiner Entwicklung deutlich zu machen. Interessant, dass die Verhäuslichung der Frau, die so aufs Private verpflichtet worden ist, einhergeht mit an sich doch ach so aufklärerischen Gesellschaftsentwicklungen. Das Aufkommen des Bürgertums, die Zugewinne an Bildung und Aufstiegsmöglichkeiten dieser sich neu etablierenden Schicht scheinen zunächst ja durch und durch positiv und begrüßenswert. Ja, sie sind not-wendige Voraussetzung für uns heute, dass wir in einer bürgerlichen Gesellschaft leben (können). Erkauft wurde das allerdings durch die Zweispaltung der Sphären, wo der Mann außerhaus in der Öffentlichkeit agierte, auftrat und für sich (und seine Familie) Prestige einheimste, derweil im Privaten unsichtbar gemacht die Hausfrau ihm den Rücken freihielt. Genauer in gelinkter Redezeit oder gleich im Buch mit besagtem Titel: „Die Erfindung der Hausfrau“

Und wer kürzer als ein Buch lesen mag und aus der Ferne Einsichten für die bürgerhausfrauliche Nähe gewinnen möchte, sei auf meine online gestellte Hausarbeit über „Japanerinnen“ verwiesen. Denn ich finde die Parallelen in der Entwicklung deutscher und japanischer Frauen in den letzten gut 150, knapp 200 Jahren mehr als auffällig. Einmal wäre nicht keinmal, aber eventuell ein Sonderweg; zweimal kann noch nur Zufall sein. Und dreimal… Ein drittes land und eine dritte Genese der Frauen ebendort wäre interessant. Verliefe die Entwicklung erneut großteils gleichartig, dann müsste man von einer Regel sprechen und die Patrix als dringend tatverdächtig anklagen.

Aber zurück zu Josephine, die inmitten einer solchen patriarchalen Matrix, von Männern für Männer programmiert, ihren Weg gegangen ist und erfand, woran kein Mann zu ihrer Zeit konsequent genug gedacht hat. Sie war Wegbereiterin für Zeit-, Energie- und Wasserersparnis in der Küche, wo sonst die Hausfrau nicht nur am Herd, sondern auch an der Spüle festgebunden war und es geblieben wäre.

In die unendlichen Weiten

Umso krasser nun der Sprung in unendliche Weiten, wo noch nie ein Mensch gewesen ist. Spätestens jetzt sollte dämmern, um welchen Cochrane es in Kontrast zu Josephine geht, wer sich mir da in den Sinn gechlichen hat: Zefram Cochrane (geboren in den 2030er Jahren). Eine Spätergeburt, wenn man so will; einer, der noch kommen wird, der noch gut 10 Jahre hat, um zu werden. Die Future History Star Trek hat Zefram Cochrane zur intradiegetischen Legende gemacht, zum legendären Erfinder des Warpantriebs und somit der überlichtschnellen Raumfahrt. Geglückt ist ihm das 2063, noch zweiundvierzig Jahre voraus. Und im Kielwasser dieser epochemachenden Erfindung kommt es sodann auch zum Erstkontakt. Aufmerksam geworden auf das Treiben bei diesem abseitigen gelben Kleinstern werden die Vulkanier herbeigeflogen worden sein und im folgenden Jahrhundert als die Zieheltern für die Menschheit auftreten. Mister Cochrane hat allerhand eingefädelt und ausgelöst, die Menschen zu einer interstellaren Spezies gemacht, die nicht mehr allein im All ist.

Sein erster Auftritt in der Star Trek-Serie ist, wenn man so will, sein lebenszeitlich letzter. Alles was später kam, ist nur noch posthumes Prequel. In “Metamorphose“ (TOS2.02) trat er als zum Sterben ins All entschwundener Bestandteil eines Energiewesens auf und begegnete in diesem transformativem Zustand den Haudegen der Enterprise rund um Kirk, Spock und Landarzt McCoy. Wer es hintergründiger wissen will, hänge sich an die Warpsignatur des Beobachtungsraumers USS TrAmDi, dessen ausführliches Logbuch alle nennenswerten Auffälligkeiten präzise festhält. Und während Josephine Cochrane aus dem kollektiven Gedächtnis längst verschwunden ist – wie getilgt -, gibt es wenig legendärere Menschen im Star Trek-Universum, wenn man mal Kirk, Picard und Spock beiseite lässt. Ist nach Picard zwar ein Flugmanöver benannt, so kann sich Cochrane rühmen, dass ihm zu Ehren die Cochrane-Maßeinheit zur Bemessung der Subraumkrümmung benannt ist. Und was kann man schon mehr wollen und erreichen?;- Sankt Elon muss hierfür noch richtig malochen, damit er es bis dahin bringt.

Ob Spülmaschine oder Warpantrieb

Ob Spülmaschine oder Warpantrieb, der Gedankensprung von da nach dort ist mal echt wild thing. Was sagt das über einen aus, wenn man derart assoziiert? Immerhin, erfunden haben die Gleichnachnamigen beide, für ihre Zeit je auch ziemlich heißen Scheiß. Im Falle Josephines nahm die Erfindung ihren Weg und etwa jeder zweite Haushalt nutzt auch eine Spülmaschine. Aber weder nennt man sie liebevoll nach ihrer Erfinderin – „Dann leg mal los Josephine!“ – noch weiß der gemeine Spülenlasser von ihr. Da hat es Zefram weitergebracht, musste aber auch gleich mit einem sozialen Kipppunkt leben, den der Start seiner Erfindung provoziert hat: Erstkontakt mit Außerirdischen, auf die sich (präastronautische) UFO-Gläubige schon seit 1938 (WDR3-Kulturfeature) und bedeutend seriöser Exosoziologen (WDR3-Kulturfeature) vorbereiten…

EDIT vom 31.12.2021: Vertipper retippt.

Isaac Asimov – der Mann hinter Hari Seldon

Hallo Mitwelt!

Gedanklich geht es heute drei Monate zurück: Isaac Asimovs Psychohistorik als Fundament der Foundation – Titel der Trilogie als fundamentaler Kern des vielbändigen Foundation-Zyklus und ans Staffelende gelangter Serie bei Apfel-Television. Diese stand „damals“ vor ihrem Start. Heute will ich dem Autor nachspüren und Orientierungen zusammentragen für die, die sich mit den schriftlichen Grundlagen zur Serie befassen wollen. Und ich löse meine Suchanzeige vom 23.09. auf, wo ich serienbegleitende Podcast gesucht habe – diese es gibt.

Die Foundation-Trilogie

Zunächst zur Buchvorlage für die angelaufene Serie: im Zentrum von allem steht besagte Foundation-Trilogie, die aus Kurzgeschichten Anfang der 50er Jahre – knapp vor dem Herrn der Ringe – zu Büchern gerann. Diese da sind:

  • Foundation (1951, deutsch: Terminus, der letzte Planet, auch unter dem Titel: Der Tausendjahresplan)[1]
  • Foundation and Empire (1952, deutsch: Der Mutant, auch unter dem Titel: Der galaktische General)[2]
  • Second Foundation (1953, deutsch: Alle Wege führen nach Trantor)[3]

Wer es inhaltlich und mit einordnendem Kommentar genauer wissen will, erlese SF-Szene-Tausendsasser Hardy Kettlitz mit seinem umfangreichen Beitrag zum Foundation-Fundament bei epilog.de, digitalisiert aus dem Fanzine Alien Contact. Im Detail macht er den Aufbau und die Struktur der in zuerst 4-2-2 Kurzgeschichten publizierten Handlung klar, die ein Streifzug durch die Zeit ist. Ziel all dessen, wofür die Hauptperson Hari Seldon eintritt, ist der Versuch, mittels Psychohistorik prognostiziert eine bis zu 30.000jährige Phase des Chaos und der Barbarei nach dem Zusammenbruch des Sternenkaiserreichs auf 1.000 Jahre zu reduzieren. Die Trilogie überblickt – wenn man so will: „nur“ – die ersten 500 Jahre dieses Plans. Dementsprechend sind zwischen den Episoden der handlung zum Teil generationenlange Zeitsprünge, die die Fortentwicklung schlaglichthaft einfangen. Sein Fazit allein fürs erste Buch:

Wenn Foundation heute geschrieben worden wäre, würde das Buchsicherlich auch seine Leser finden, damals beim ersten Erscheinen jedoch war es eine Offenbarung und revolutionierte die SF-Literatur in gewisser Weise. Galaktische Reiche und Imperien waren nichts Neues, man kannte so etwas bereits von E. E. Smith[4], Edmond Hamilton und einigen anderen Autoren. Neu hingegen war die Lösung galaktischer Konflikte ohne Waffengewalt[5]. Asimov dürfte der erste SF-Autor gewesen sein, der eine »ökonomische Kriegsführung« beschrieb und vorführte, dass sich Konflikte eben auch durch Diplomatie, kluge Berechnung und ökonomische Zwänge lösen lassen.

Und zur Trilogie insgesamt und deren Fortwirkung in (nicht nur) die SF-Szene hinein fasst Kettlitz zusammen:

Der Einfluss, den Isaac Asimov mit denFoundation-Bänden auf die Science Fiction nahm, ist nicht zu unterschätzen. Dieses Werk ist einer der ersten Versuche in der SF, die historische Wissenschaft zur Grundlage einer Zukunftsfiktion zu machen. Nicht nur Der Wüstenplanet, in dem Frank Herbert die Idee eines geplanten Ablaufs der Geschichte auf einem mystischeren Niveau weitersponn, sondern auch viele andere Geschichtsschreibungen der Zukunft dürften unmittelbar durch Foundation angeregt worden sein.

Hardy Kettlitz auf epilog.de

[6]

Die pfadabhängige Reichweite bleibt anerkannt, jedoch befindet Richard Wagner-Glass, dass es um die inhaltliche Tiefe des Foundation-Zyklus nicht allzu weit bestellt sei:

Isaac Asimov hat eine Future History erdacht, die Weltruhm erntete. Und mehr als das. Asimov schuf ein literarisches Universum, das in der westlichen Welt ebenso rezipiert wurde wie im fernen Osten und sogar Zugang zur islamischen Welt gefunden hat: Der Foundation-Zyklus. Im SF-JAHR 2003 sind wir diesen Spuren nachgegangen. Bei den Recherchen für den damaligen Beitrag machten wir uns auf die Suche nach dem innersten Kern, nach einem möglichen tieferen Gehalt des Foundation-Universums, dieses monumentalen Opus. Um es gleich vorneweg zu sagen: Wir wurden enttäuscht. Denn besonders viel gab es da nicht zu entdecken.

Richard Wagner-Glass mit „Das größte Märchen aller Zeiten – Die Roboter/Foundation-Saga von Isaac Asimov“ in Das Science Ficiton jahr 2011

Diese negative Konnotation im Sinn behalten, da ihr in den aufgefundenen Podcasts zuallertiefst widersprochen wird. Von mir nur so viel: wenn dem so wäre, dass es narrativ zeiträumlich zwar umspannend ist, aber inhaltlich flach bleibt, dann gilt das auch für die reale Geschichte (mindestens mal eurozentrischer) Menschheit. Denn zur Erinnerung: Asimov hat sich wiederum historisch inspirieren lassen und zwar von einer sechsbändigen epochalen Geschichtsschreibe über das Römische Reich und dessen Aufstieg bis Fall. Wer auch das bereits für flach empfindet, ist die technikoptimistische Fortschreibung in science fictionale Raumzeitweiten natürlich auch wenig mitreißend. Ich führe den Gedanken sogar noch fort: die Foudnation-Trilogie mit drohendem Chaos und Barbarei und wie Hari Seldon sich dem wissenschaftlich(!) entgegenstellen will, steht narrativ an vergleichbarer Epochenscheide wie das Weströmische Reich zu Beginn und inmitten der sog. Völkerwanderung, die nie die eine Wanderung eines oder beliebig vieler Völker, sondern nur Volks(teil)gruppen war. Eine, zoomt man näher ran, enorm vielschichtige Zeit über mehrere Jahrhunderte hinweg, wie sie nebst Wiki beispielsweise Reinhard Pohanka in „Die Völkerwanderung“ tiefenscharf nachzeichnet.Marixwissen-Reihe des Marixverlags, gebundene Ausgabe mit 160 Seiten in 3. Auflage von 2008 Wer, wie von Seldon geplant, ein jahrtausend überblicken will, greife dickleibiger zu Peter Heather „Invasion der Barbaren – Die Entstehung Europas im ersten Jahrtausend nach Christus“.Klett-Cotta, 667 Seiten, 2. Auflage 2011 Ich kann nicht erkennen und nachvollziehen, wo das inhaltsflach oder gar trivial gewesen sein könnte. Und Asimov war sowohl kundig über große Zeitverläufe als auch zu Details, wie inEpisode V: Antikenrezeption in der Science Fiction. Schwerpunkt: Isaac Asimov bei Fantastische Antike nachgespürt.

Aktuelle Ausgaben zur Serienvertiefung

Wer nun zugreifen und sich einlesen will, hat inzwischen sogar eine Wahl zwischen zwei Ausgaben gleichen Formats:

  • Die Foundation-Trilogie / Foundation-Zyklus Bd.13 (14.08.2017), 880 Seiten broschiert für 12,99€ oder für 9,99€ als ebook bei Heyne. Die drei Teile betitelt mit „Foundation / Foundation und Imperium / Zweite Foundation“. Übersetzt von Rosemarie Hundertmarck;
  • Foundation (20.09.2021), 877 Seiten broschiert für 16,99€ ebook-los bei Heyne. Die drei Teile betitelt als „Foundation / Foundation und Imperium / Zweite Foundation“. „Das Buch zum großen TV-Serienevent!“

Mir fiele die Wahl leicht;-) Was es noch nicht gibt, zumindest nicht auf Deutsch, das sind Hörbücher. Nicht mal beim quasimonopolen Anbieter zahlreicher exklusiver Hörbücher, der wie der große Bruder auch mit A beginnt. Das überrascht mich nachhaltig, eben weil Asimov im Allgemeinen zur Big Three der US-Autoren des Goldenen Zeitalters zählt, allein das ihn qualifizieren sollte.

Isaac Asimov – Tausendsasser der Jahrtausende

Wie es Martin Höllmann einst auf epilog.de in einen Artikel goss, trifft es: Das Phänomen Asimov – Alles außer Schreiben ist eine Unterbrechung. Und so schreibwütig wie das klingt, so umfänglichst im Superlativ ist auch Asimovs Schreibwerk, das vielen bei bald 500 Beiträgen[7] als eigene Bibliothek vorkommen dürfte. Neben dem Foundation-Zyklus als in Raum und Zeit hinausreichender Future History, aber auch mit all-dem drumherum und nebenher an Science Fiction und eben auch naturwissenschaftlichen Sachbüchern. Er wurde mal als „Harald Lesch der USA“ bezeichnet, was es schon echt gut trifft. Im Folgenden will ich allerdings weder seine Bio- noch Bibliografie aufrollen. Das würde auch ein überlanges Pergament. Vielmehr nur ein paar verweisenden Tipps, wo man profunder nachlesen kann. Vorab gesagt: hier und heute gibt es – trotz Serienanlass – keine Neuerscheinungen und ausgegrabene Nachauflagen zur Person und zum Gesamtwerk. Das könnte sich ändern, wenn die Serie hält, was sie verspricht und bisher gehalten hat. Sobald sich das rumspricht ung die Leute zu viel Geld für noch einen weiteren Streaminganbieter haben, dann nehmen gewiss auch Sekundärlektüren zum Phänomen Asimov Fahrt auf.

Der Tausendjahresplaner

Alpers, Hans Joachim und Pusch, Harald (Hrsg.): Isaac Asimov – der Tausendjahresplaner, Corian-Verlag Heinrich Wimmer, Meitingen 1984.

Dieses Buch mit dem Versuch eines Gesamtüberblicks über Asimovs Schaffen ist vor 37 Jahren noch zu seinen Lebzeiten (gestorben 1992) erschienen und trotzdem immer noch eine Fundgrube. Eine einsichtige Rezension findet sich Christian Schmehls Homepage: der Tausendjahresplaner ist dreigeteilt. Zunächst mehrere Kurzgeschichten des Meisters; sodann Eindrücke von Begegnungen und ein Interview mit dem Menschen hinter all den unter Kunstlicht geschriebenen Büchern; final eine Werkschau, die Stand heute nicht mehr vollständig ist. Christian Schmehl schließt mit den Worten:

Der Tausendjahresplaner wäre es wohl wert, überarbeitet und vervollständigt zu werden. Anlass könnte 2017 der fünfundzwanzigste Todestag Asimovs sein.Christian Shcmehl

Tja. Nun, 2017 ist vier Jahre her, seither gab es keine aktualisierte Neuausgabe. Nächstes Jahr stünde bereits der 30. Todestag an, was konstellativ mit fortlaufender Serie ein zu guter Grund wäre, es doch noch anzugehen. Erneuter Konjunktiv. Im Grunde müsste man doch „nur“ die Werkschau um vergleichsweise wenige Titel erweitern. Vermeintlich, denn seither hat es auch noch tausendundeine Neuausgabe auf Amerikanisch sowieso, aber auch ins Deutsche gegeben. Den Weg der Veröffentlichungen nachzuzeichnen, ist da schon fuseliger.

SF Personality

Zum Glück hat es die Reihe “SF Personality“ gegeben, wo sich Band für Band sehr namhafter, für nicht tief Szenekundige noch nicht so namhafter Autor*innen angenommen wurde. Ursprünglich erschienen sind stolze vierundzwanzig (zweiundvierzig andersherum!) Ausgaben, darunter die Nr. 19 auch „Isaac Asimov – Schöpfer der Foundation“ von niemand geringeren als Hardy Kettlitz persönlich. Zur Zeit allerdings nur antiquarisch zu bekommen – das InhaltsVZ als PDF.. Im MEMORANDA-Verlag, wohin HK als Verleger und Redakteur in Personalunion umgezogen ist, sind inzwischen vier – genau genommen fünf – neue SFP erschienen, konsequent fortnumeriert von 25 bis 28 (Edmond Hamilton hier nicht mitaufgelistet). Nr. 17 zu Kurt Vonnegut sowie Nr. 24 zu Ray Bradbury sind aktualisierte Ausgaben. Diese lassen daher hoffen, dass auch besagte Nr. 19 im Sog der Serie renoviert wird.

Als Trostpflaster ist ebenda publiziert: Charles Platt: Die Weltenschöpfer • Band 1 – KOMMENTIERTE GESPRÄCHE MIT SCIENCE-FICTION-AUTORINNEN UND –AUTOREN. Neben vielen weiteren ist auch Asimov Gesprächspartner gewesen. Denn entstanden sind die Gespräche, die es hier erstmals auf Deutsch gibt, zwischen 1978 und 1982. Im Falle Asimovs also gut 10 Jahre vor seinem Tod. Inmitten eines Reigens an Kolleg*innen lässt sich der Typ Asimov sogar noch besser erahnen, da so seine Eigenheiten den anderen gegenüber umso augenfälliger werden.

Podcasts zur Serie

Wer suchet, der findet? Als erstes den After Show Podcast von Apple selbst. Der ist demnach von den Machern gemacht. Mir geht es hingegen um nerdige Fancasts, die mit Wissen um die Vorlage oder mit Interesse an der Serienwelt den Kosmos betreten.

Future ltd. mit Jochen und Max, diesen WDR-Hörer*innen auch als Moderator von manch Sendung zu Ohren bekommen haben. Die Folge ist vom 08.12.21 und kann daher schon zurückblicken. Demgegenüber Das Seriensprechzimmer mit dem cineastischen Trio feminale, hier mit einer vorbereitenden Folge auf die Staffel. Denn die drei konnten vorab schon die ersten vier Folgen hintereinander weg gucken, wovon sie einerseits berichten, das aber doch spoilerfrei; andererseits verweist Beate als Buchvorlagenkennerin auf Asimovs „Vorarbeiten“ und deren szeneweite Wirkmächtigkeit. Spannend, dass sie inmitten der grünen Bewegung Anfang der 80er Jahre Asimov, speziell mit der Foundation-Trilogie, und John Brunner gelesen und für sich gewinnbringend interpretiert haben. Für sie mit das Meisterwerk schlechthin, das gerade durch seinen zeitläufigen Horizont erklärende Bögen aufspannt, die für sie und das SF-Erzählen stilprägend geworden ist. Kurzum, sie kommt aus dem Schwärmen fürs Original schon nicht raus, um hier und in den Einzelfolgenbesprechungen die narrative Tiefgründigkeit zu lobpreisen. Ihre Kolleginnen wiederum sind buchunbedarft und erleben somit erstmalig die Foundation-Welt, deren exzellente Optik, deren pompöse Visualität sie in den Bann zieht und begeistert. Ein Nachhören lohnt sich, auch wer die Staffel längst geguckt hat. Sie besprechen im Übrigen spoilerfrei, auch wenn es zu Beginn stets eine sehr knapp gehaltene Zusammenfassung ohne Details gibt. Bspw. am Ende von Folge02 begeistern sie sich über einen, DEN Cliffhanger, ohne ihn aber zu benennen oder ins Spekulieren zu geraten, was das für den Fortgang bedeuten könnte.

Schlussendlich noch auf den Sehr sehr Serien-Podcast mit „Foundation (Apple TV) – Oder: Sieht so die Zukunft der Serie aus?“ verwiesen. Christopher und Gerhard finden, dass „in einer gerechten Welt“, an der sie wohl zart zweifeln, Foundation den gleichen Stellenwert erlangen und einnehmen müsste wie Game of Thrones. Also das GoT vor Staffel8 bzw. dessen Ende. Eine „kinofilmreif“ visuell grandios inszenierte Welt, die sie wie seit Jahren keine andere in sich hineingesogen hat. Eine komplexe, vielschichtige Vorlage, die – sie durften da schon die ersten sechs von zehn Folgen vorab gucken – angemessen umgesetzt worden ist. Auch schon von buchkundiger Beate betont, finden aber auch diese beiden Herren nicht, dass gewisse zeitgemäße Änderungen bei den auftretenden Figuren irgendwie nachteilig wären.

Zum triadischen Kaiser, der auch über die Bücher hinaus „gestreamlinet“ wurde, ließe sich echt üppig viel nachsinnen. Man denke, so mein Einwurf, doch nur an die altgriechisch-mythologische Sphinx,, auf die Ödipus trifft und die ihn zum Überleben rätseln lässt: Was hat am Morgen vier, mittags zwei und abends wieder drei Beine? Die Antwort lautet natürlich zweiundvierzig, kann aber auch „Mensch“ lauten. Der Dreiklang aus werdendem Menschen im Zeitverlauf, auf „einen“ Kaiser komprimiert, der sich – ab Folge2 zu erahnen, ab Folge3 auch buchunkundig zu wissen – geklont hat und als alter, junger und dazwischen Mann in mittleren Jahren auf ewig fortzuleben gedenkt; sich stets aufs Neue reproduzieren kann und so fortlebt. Der Kaiser für sich als der Mensch, die genetische Singularität des Menschenseins an sich, der fleischgewordenen Symbolisierung des jungen, mittleren und alten menschen, dieser schlussendlich stirbt, der kaiser hingegen nimmer. Diese Exegese ist über Christophers und Gerhards Sinnieren nun weit hinausgegangen, zeigt aber, wie viel allein schon an einer Person, an einer Figur hängt, für wie viel sie steht.

Nochmal zur Psychohistorik

In meinem Beitrag über die Psychohistorik hatte ich assoziativ bereits einige Disziplinen genannt, auf die sich Asimov eventuell bezogen und die er science-fictional fortgesponnen hat. Einige wiederum sind erst deutlich später überhaupt entstanden als Asimovs wegweisende Ideen. Es gibt aber auch den umgekehrten Fall – faszinierend. Es handelt sich um die, explizit und dezidiert durch Asimovs Psychohistorik inspirierte Kliodynamik. Kaum vorstellbar, aber bei diesem Begriff wird Wiki zum Per Anhalter und kann der Enzyklopädia Galactica nicht das Wasser reichen. Ja, es gibt anderswo als bei Wiki Ausführlicheres zur Kliodynamik, nämlich beim abcdef-Wiki :-D. Dort heißt es zum Verständnis der Kliodynamik:

Die Kliodynamik behandelt Geschichte als Wissenschaft. Seine Praktiker entwickeln Theorien, die dynamische Prozesse wie den Aufstieg und Fall von Imperien, Bevölkerungsbooms und -pleite, sowie die Ausbreitung und das Verschwinden von Religionen erklären . Diese Theorien werden in mathematische Modelle übersetzt. Schließlich werden Modellvorhersagen gegen Daten getestet. Daher ist der Aufbau und die Analyse umfangreicher Datenbanken mit historischen und archäologischen Informationen eines der wichtigsten Ziele der Kliodynamik.

„Geschichte als Wissenschaft“??? O_o Bisher dachte ich immer, Geschichtswissenschaft wäre eine Wissenschaft, weshalb sie ja auch -wissenschaft heißt und nicht etwa Geschichtswürfeln. Das scheint mir im Feuereifer zukunftsstrebender Jungakademiker*innen etwas arg zugespitzt formuliert. In Zeiten eines Metrischen Wir, zu dem WIR UNS selftracking quantifizierend eingeübt haben, geraten nichtquantifizierende =qualitative Herangehensweisen und Methoden in Verdacht der Unwissenschaftlichkeit. Vermutlich ist das unwissenschaftlich…

Denn die Kliodynamiker*innen sind gewiss nicht die ersten, die sich langzeitlichen Verläufen von Geschichte gewidmet hätten. Seit über 100 Jahren gibt es das profunde Konzept der longue durée, der langfristigen Geschichte, die gerade langwirkmächtigen Strukturen nachspürt und sogar geografische Gegebenheiten in die soziokulturelle Entwicklung einpreist. Das prägende Werk hierbei ist „Das Mittelmeer und die mediterrane Welt in der Epoche Philipps II.“ von Ferdinand Braudel, das eine sog. „histoire totale“, eine umfassende Geschichte buchstäblich von Menschen und Landschaft schreiben will. Und den Soziolog*innen wird mitunter – just aus der detailblickenden Geschichtswissenschaft – vorgehalten, ihre Blicke auf in der Zeit Gewordenes seien doch arg detaillos und schnürten sich die roten Fäden, wie man sie bräuchte. Nicht erst, aber spätestens inmitten unserer digital-metrisierten Zeiten ist man stets auf der Suche nach einem “Muster“ im komplexen Wust des Ganzen. Dank zunehmender Datenfülle durch Datenreichtum lassen sich stetig besser statt individueller Bio- sogenannte kollektive Prosopographien erstellen. Prosopographisch untersucht man die „gemeinsamen Merkmale einer Gruppe von Menschen, deren individuelle Biographien möglicherweise weitgehend unauffindbar sind“ oder es deren viel zu viele gibt, um sie erheben und sinnvoll berücksichtigen zu können. Niemand hat die Absicht, hierbei an ein von Trantor aus regiertes Sternenkaiserreich von Millionen Welten zu denken, allein davon nie alle bedacht werden können, geschweige denn dann auch noch einzelne Individuen und deren Biografien. Die Prosopographie bedient sich bereits mathematisierter, statistischer Zugriffe, um aus den individuell Vielen ein erfassbares Kollektiv zu destillieren, dessen Kollektivhandeln begreifbar wird. Das hat dann schon enorm viel von Psychohistorik, wenigstens dem Anklang nach. Oder? Bist auch du schon psychohistorisiert?

  • Deren vier Kurzgeschichten, wenn es im Buch auch fünf zeitlich erzählte Abschnitte sind:
    • »Foundation« (Mai 1942 in ASTOUNDING),
    • »Bridle and Saddle« (Juni 1942 in ASTOUNDING),
    • »The Big and the Little« (August 1944 in ASTOUNDING) und
    • »The Wedge« (Oktober 1944 in ASTOUNDING).

  • Deren zwei Kurzgeschichten:
      li>»Dead Hand« (April 1945 in ASTOUNDING) und

    • »The Mule« (November 1945 in ATOUNDING)

  • Erneut deren zwei:
      li>»Now You See It …« (Januar 1948 in ASTOUNDING) und

    • »… And Now You Don’t« (November 1949 in ASTOUNDING)

  • Im Apex Verlag in der Reihe Science-Fiction-Klassiker ist der gesamte von E. E. Smith geschriebene Lensmen-Zyklus neuveröffentlicht. Bisher noch nicht die bei Wikipedia genannten Fortsetzungen in seinem Sinne.
  • In Raum und Zeit weit entfernt, nämlich in Deutschland inmitten der seit dem 08.09.1961 auf immerda fortlaufenden Perry Rhodan-Serie. Unter der Federführung als Exposéautor hatte Mitbegründer K. H. Scheer die Serie klar als Military-SF konzipiert und über mehr als ein halbes Tausend Hefte diesen narrativen Faden kriegerischer Konflikte durch militärisch hochgerüstete Invasoren fortgesponnen. Erst mit seiner Ablösung durch den zweiten Exposéautor William Voltz änderte sich die Erzählweise. V.a. dann ab Band 1.000 Der Terraner mündete es – in den 1970er Jahren realzeitlich angekommen – in eine mit manch Fantasy-esk anmutenden Element angereicherten Universum, wo ganz im SInne Asimovs Foundation die friedliche Lösung angestrebt wurde. Diplomatie und duzen traten an die Stelle von Millionen Tonnen Vergleichs-TNT gewaltiger Waffen. ICH VERMUTE, Voltz hat sich da klar inspirieren lassen und ins sogenannte Perryversum transformiert.
  • Das Verhältnis von Foundation- zum Wüstenplanet-Zyklus schätzt Sumymus deutlich anders ein am Ende seiner Rezension zur Foudnation-Trilogie:

    Die Foundation-Trilogie Isaac Asimov’s und der Wüstenplanet-Zyklus` Frank Herberts stehen ziemlich konträr zueinander. In der Trilogie geht es um die gesamtgesellschaftliche Perspektive, den Blick aufs Ganze und die aus einer wissenschaftlich begründeten Idee heraus erwachsende positive Gestaltungskraft für die Entwicklung der Gemeinschaft. Völlig anders auf dem Wüstenplaneten Arrakis: „Ego-Trips“ bestimmen das Geschehen, partikularisierte Einzelinteressen verhindern eine Weiterentwicklung. In fortwährenden Introspektiven wird narzistische Nabelschau betrieben, alles dreht sich um sich selbst und kommt daher nicht voran. In der Foundation-Trilogie dagegen der Glaube an das Gute, den Fortschritt – vielleicht naiv und allzu optimistisch, aber auch konstruktiv. Bei Frank Herbert Kulturpessimismus und Wissenschaftsfeindlichkeit – vielleicht noch nicht einmal realitätsfern oder naiv, aber im Ergebnis destruktiv. Eine Gemeinsamkeit gibt es dennoch: Die Religiosität der Menschen wird in beiden Entwürfen ausgenutzt und für die Umsetzung von Machtinteressen missbraucht, so jedenfalls zumindest in den Aufbaujahren der Foundation, ungleich massiver auf dem Wüstenplaneten Arrakis. Die Foundation-Trilogie Isaac Asimov’s ist in gewisser Weise der Gegenentwurf zum Wüstenplanet-Zyklus` Frank Herberts.

    Ein Gegenentwurf, wie man sagen muss, der den Wüstenplanet-Romanen um einige Jahre vorausgegangen und wenn dann Inspirationsquell gewesen ist!


  • Seine Produktivität führte Asimov auf Folgendes zurück: Zunächst einmal auf sein ausgezeichnetes Gedächtnis. Obwohl er viel las und hörte, wurde alles, so behauptete er, vollständig in seinem Kopf registriert. Deshalb benötigte er auch keine Notizen – alles, was er zum Schreiben brauchte, konnte er jederzeit seinem inneren Archiv entnehmen. Daraus ergab sich nicht nur die Menge an Bänden, sondern auch die Vielzahl an Themen und Sachgebieten, die er bearbeitete. Was seine Romane betraf, beschleunigte sich die Produktion mit zunehmendem Alter. 1988 zog er folgende Bilanz: In den fünfziger Jahren zweiunddreißig Bücher, in den sechziger Jahren siebzig, in den achtziger Jahren einhundertneun und in den neunziger Jahren rund zweihundert Werke. An diesen Output reicht nur Georges Simenon heran. Übertroffen wird Asimov einzig von John Creasey, der im Guinness-Buch der Rekorde mit fünfhundert Romanen verzeichnet ist.

    Das größte Märchen aller Zeiten – Die Roboter/Foundation-Saga von Isaac Asimov. Von Richard Wagner-Glass in Das Science Fiction jahr 2011

  • Star Trek und Perry Rhodan waren gestern – die Zukunft ist Impala

    Fernab unserer Welt und unserer Zeit, in den Weiten des Weltalls. Captain Grrks und Commander Zisch steuern das Schulraumschiff Impala von Planet zu Planet. An Bord befindet sich die Sternenklasse 5 Delta X mit ihrem Lehrer Mister Moon. Zehn Tage auf der SRS Impala – per Hyperjump durchs Sonnensystem.

    Hallo Mitwelt!

    Zugegeben eine steile, sehr steile These, die ich da in den Beitragstitel gemeißelt habe. Nach 60 jahren Perry Rhodan-Serie und 55 Jahren Star Trek soll die Wachablösung eingetroffen sein? Ist das Ende gekommen, kommt der Impakt über diese Serien wie der Asteroid über die Dinosaurier?

    Vielleicht ist es nicht ganz so krass. Aber so gut wie. Im Folgenden die Kurzvorstellung famos toller, bisher – in Staffel 1? – 10-teiliger Kurzhörspielreihe zur…

    Die SRS Impala

    SRS Impala! Wat? Na das SchulRaumSchiff (SRS) Impala. Benannt nach der zwei Arten umfassenden Gattung von Antilopen. Und wie diese Antilopengattung so antilopt die SRS Impala als Schulraumschiff durch das – unsrige – Sonnensystem. An Bord die mal mehr, mal weniger lehrwillige bis lernfreudige Sternenklasse 5 Delta X, die als Mittelstufler*innen unter pädagogisch wertvoller Leitung von Mr. Moon im Galaxie-Amphitheater von Planet zu Planet HYPERJUMPEN und so die Wunder des Sonnensystems mit eigenen Augen erlebt.

    Auf dem Flug mehr gekonnte Jugendsprache, als man verquer bei der Wahl des Jugendwort des Jahres je zu hören bekommt. Buchstäblich im Vorbeiflug Wissenswertes zu den angeflogenen Planeten und was sonst noch so stellar herumfliegt. Man muss es so klar sagen: der Trek zu den Sternen, die cosmic senses of wonder bei Perry Rhodan, Raumschiff Promet antiquarisch, als Neuerzählung oder Audio, überhaupt die Sternengeschichten waren gestern. Alles gut und nett. Die SRS Impala mit ihrem coolen Jyperjump ist heute!

    „Angeschnallt und die Füße auf die Hyperstopper“

    OBACHT: Verfügbar sind die 10 Folgen bis zum 23.02.2022, also nur noch zwei Monate zu kurz. Lang genug aber für den flotten Finger, um per Hyperklick die wunderbaren KINDER-Hörspiele Von Janthe Fischhold als Hypersound für den eigenen Hyperspace zu sichern. Ich tat es und zwar mit großer Hörfreude, womit ich am Puls der Kidtime bin, was so hyperabgeht. Sodann daher wie folgt:

    Die Crew…äh… Sternenklasse

    Erst am Ende von Folge 10 werden die Namen der gekonnten Kids-Sprecher*innen und den wenigen Älteren genannt, nicht aber von einer „Person“. Höre ebenda, zur Crew nur so viel:

    • Captain Grrks von Omega-Septa, hervorragende Pilotin, die nur mittels Translatorhaube alle Vokale sprechen kann, während der Hyperreise aber das A und O des Vokalsprechens lernt;
    • Zweiter Detektiv Peter Shaw, der hier Commander Zisch heißt, „I like to move it“ penetrant drauf hat, irgendwie in 2018 und 2019 oldschool hängengeblieben ist, Fifa History zockt und durch all das Koffein arg überdreht wirkt, wenn er das Auditorium „Sternchen“ nennt 😀
    • Mr. Moon, pädagogisch wertvoll bemühter Pauker, der dennoch stets gutmütig ist;
    • WX8K3, der (sprecherlose) Schulroboter, der den Kids das Amphitheater öffnet und die Hyperbrücke aktiviert und alles wüsste, ließe man ihn alles sagen;
    • Emma, die – haha! – all-wissend ist und mit wissender Begeisterung runterrattert, als wäre sie ein wenig Jupiter Jones, Justus Jonas oder/und eine gewisse Hermine;
    • “Snicker“ vom Mars, wo man unterirdisch wohnt, etwas atemlos klingt, aber ferengi-esk hellhörig ist;
    • Candy, die die Beauty Künste bevorzugt und Jugendsprech beherrscht;
    • Dean, der sie, „Zucker“, nicht mögen will, wohl dennoch ihr Freund ist;
    • Finley der Dudler, Digidu(delsack)-Spieler genau gesagt, der einen großen Auftritt haben wird!

    Anspielungen

    Einige schöne Anspielungen. So der Untertitel „Per Hyperjump durchs Sonnensystem“. Wer denkt da nicht an „Per Anhalter durch die Galaxis“? WX8K3 hat, obwohl es nicht piept, sein Vorbild in einer weit weit entfernten Galaxie. Aber vielleicht nicht nur dort. Man bedenke auch die wundervollen “Sternenritter“ von Michael Peinkofer. Dot-91, liebevoll auch Dotty mit den einundneunzig Doktorgraden mag ebenso Modell gestanden haben. Am Schönsten aber ein weiterer Anhalter-Verweis: „Achtung, Galaxie-Amphitheatertüren öffnen sich.“ Seufz, Türen wie auf der Herz aus Gold… Und vermutlich üppigst viele mehr, die ich zu oft nicht erkannt habe, die die Folgen aber auch für Gealterte extrem hörenswert machen!!!

    Wer nicht oder selbst wer Den Sternengeschichten oder Ins Universum lauscht, lausche (Imperativ!) dem Hyperflug der SRS Impala. Eventuell ja wirklich gesolltes Foreshadowing, vielleicht auch nur fehlgehende Spur: In Folge 1 heißt es, dass man in der Oberstufe das Sonnensystem verlassen, man also interstellar würde, bis dahin aufs Sonnensystem beschränkt bleibe. Ob das eine Verheißung für Folgestaffeln ist, wenn wir – wie Emma es sich so oft wünscht – zu den unendlichen Weiten aufbrechen, wo noch keine Sternenklasse zuvor gewesen ist? Reisen wir zu Exoplaneten dreier Sonnen? Zu Wasserwelten, wie es sie bei uns nicht gibt? Hin zu polarne Planeten mit gekippten Solarorbit? In Exosysteme wie Alpha-Centauri? Hinüber zu den fünf unwirklichstne Planeten, die wir kennen?

    AD ASTRA – ZU DEN STERNEN

    PS Es müsste „Galaxis-Amphitheater“ heißen, denn: die eigene Galaxis, eine andere Galaxie. Aber Omega-Septa, von wo Captain Grrks herstammt, soll auch extragalaktisch sein. Vielleicht passt es doch…

    Lemiade fortgesetzt – ein paar Einwürfe

    Hallo Mitwelt!

    Auch wenn die Besinnung auf Stanislaw Lem im Feuilleton und Radio längst wieder vorbei ist nach drei Monaten, einem Vierteljahr nach dem Jubiläum zum 100. Geburtstag im September, ist die Lemiade hier im Blog mitnichten vorbei. Es mag unregelmäßiger um Lem werden, das mag sein, aber er wird immer wieder auftauchen, sich Worte verschaffen und Raum dafür erhalten. Ich will hier und jetzt nur ein paar Empfehlungen nachreichen, die bisher unerwähnt geblieben sind, was somit zu ändern ist.

    Die große Hörspiel-Box

    Beim Audio-Verlag ist auf 8 CDs oder als MP3-Download Die große Hörspiel-Box herausgekommen. Folgende acht Hörspiele sind, von mir sortiert nach ihrem Erscheinungsdatum, in ihr enthalten

    • Die Lymphatersche Formel (WDR 1973)
    • Rückkehr zur Erde (SWF, heute SWR, 1974)
    • Schichttorte (WDR 1974)
    • Professor Tarantogas Sprechstunde (ORF 1978)
    • Der getreue Roboter (DRA 1980)
    • Königsmatrix (DRA 1984)
    • Solaris (MDR 2006)
    • Der Unbesiegbare (MDR 2018)

    Vier und somit die Hälfte entstammen den 1970er Jahren, zwei =ein Viertel den 80ern und doch noch zwei von acht sind Tonkinder des 3. Jahrtausends; für mich prägender Der Unbesiegbare erhörte erst vor 3 Jahren den Schall der Welt. Und sein berühmtestes Werk Solaris, bis dahin schon zweimal verfilmt, ist 2006 auch auffallend spät erst vertont worden.

    Auch wenn die Hörspiel-Box mit 7h 53m Laufzeit allemal eine „große“ ist, ist sie nicht vollständig, umfasst nicht alle Lemschen Verhörspielungen. So fehlt es leider sowohl an

    • 50:40m langem “Test“, einem Hörspiel mit unserem Freund Pilot Pirx, das beim SRF, NOCH als Stream oder Download zur Verfügung steht und wo Pirx und seine ureigene Art schön in Ton gesetzt wurde;
    • Die Mondnacht in 48m (BR/NDR/SDDR/SFB 1976).

    Die Mondnacht

    Die Mondnacht ist ein Hörspiel meiner Kindheit, gehört erinnertermaßen zu den frühen, ggf. dem frühesten „Lems“, zu denen ich Zugang hatte. Zum Jubiläum erneut ausgestrahlt, hörte ich es nach überlanger Zeit wieder, nachdem die Kassette leider längst entschwunden war. Nostalgische Freude für mein erinnertes Selbst, atemlos auf dem Mond in funkstiller langer Nacht mit den beiden Protagonisten ums Leben zu ringen. Für mich in relativer Kürze von 48 Minuten entfaltete sich damals im Hörspiel mehr als nur ein einziger Raum eines konzentrierten Kammerspiels; vielmehr war es für mich eine ganze Welt, quasi ein Universum, das sich mit so wenigen Stimmen auftat. Der – interessanterweise – NASA-Sprecher der Bodenstation von Mission Control, der zu anfangs mit den beiden Mondschläfern spricht und kurz irdische, allzu irdische Nachrichten einspielt. Von hieran, sobald die Erde hinter den Horizont gesunken und der Funkkontakt für viele Tage abgebrochen ist, beginnt das Drama im Mond und nimmt seinen Lauf.

    Hatte für mich Monder, der Mondcomputer früher schlicht genauso zu klingen gehabt, war das die nichts als passende Stimme für eine – damals noch nicht so genannte – KI, trieb mich Monder, der Mondcomputer mit seinen bürokratischstmöglichen Ausführungen, seinem langatmigen Paragrafenreiten in pure Ungeduld. Erst jetzt fiel mir auch auf, wie irritierend es doch ist: Monder kommuniziert ausschließlich per Sprache! Es scheint keinerlei schriftliche oder anderswie symbolische Anzeige zu geben, auf die sich die beiden Mondschläfer verlassen, die sie parallel einbeziehen könnten. Nur Monders, mit üblem Geräusch stets angekündigtes Gequatsche, was laut Vorschrift wann, wie und in welcher Reihenfolge zu tun sei, um der sich anbahnenden katastrophe zu entgehen. Und am Ende ist es um Monder auch traurig bestellt, da er offensichtlich nicht nach Asimovschen Robotergesetzen programmiert ist. Auch ist es keine starke künstliche Intelligenz, die relativ eigenständig sinnvolle Informationen beiträgt und im Sinne der Schöpfer und zu beschützenden Menschen deren Wohl und Weh vorausbedenkt. Nein, Monder ist eine arg schwache künstliche Intelligenz, die – eventuell alleinig der Dramaturgie geschuldet – Punkt für Punkt verwaltungsbeamtisch abarbeitet, was laut Protokoll zu tun sei. Kein bisschen psychologisch „geschult“, sind die gemachten Prognosen, bis wann der Sauerstoff ausgeht, auch wenig ermutigend oder didaktisch geschickt, sondern mit dem Holzhammer auf den Kopf zugesagt. Keine Evaluation der Situation, ob die Handbuchvorschriften überhaupt angemessen, vor allem zielführend nützlich sind.

    Demgegenüber die beiden (US-amerikanischen) Astronauten, über deren Eignungen oder genaue Tätigkeiten vor Ort wir nahezu nichts erfahren. Womit sie – außer mit Baden – ihre Zeit verbringen, bleibt weitgehend unklar. Und falls man sie nach psychologischen kriterien als Zweierteam ausgewählt haben sollte, dann war diese Selektion purer Murks. Mein jungego fand es äußerst eindrücklich, wie sich die Lage zuhörends aufschaukelt, die Unterstellungen, Bedrohungen und Anfeindungen stetig zunehmen. Mal war ich für diesen, dann für jenen, die mir heute stimmlich nicht verschieden genug sind. Dann war erst dieser ein Fiesling, sodann jener ein fieser Möpp. Erschien mir nämlich ein Vorschlag zur Güte genau richtig, um die Wellen zu glätten, handelte sogleich der je andere voller Argwohn und getrieben von Misstrauen, womit er alles hintertrieb und zunichtemachte.

    Aber hör doch selbst! 😛

    Biografische Lektüre

    Mir bis dahin unbekannt, habe ich an gänzlich unverhoffter Stelle einen Fund über Lem gemacht. Nämlich in Zeithistorische Forschungen von Jutta Braun: „DIE REALITÄT DER FIKTION – Historische Erfahrung und Futurologie im Werk von Stanisław Lem – zum 100. Geburtstag“

    Sein erster Roman »Das Hospital der Verklärung« war ein überaus realistisches Werk, noch dazu mit dem Blick in einen historischen Abgrund: Beschrieben wird die Konfrontation eines jungen polnischen Arztes mit dem Patientenmord an den Bewohner*innen einer Nervenheilanstalt während des Zweiten Weltkrieges durch die deutschen Besatzungstruppen. Dieser Erstling ist hinter den Spiralnebeln der späteren Bestseller des Autors lange Zeit weitgehend verborgen geblieben. Doch ist die Darstellung nicht allein aufgrund ihrer literarischen Qualität bedeutsam, sondern stellt, 1948 geschrieben, eine der ersten intellektuellen Reflexionen des nationalsozialistischen Krankenmordes dar. Vor allem trägt der Text zur Erhellung einer wesentlichen biographischen Dimension von Stanisław Lem bei: seiner eigenen und familiären Erfahrung von Gewaltherrschaft und Besatzungszeit.

    Dieser Beitrag folgt der Spur, die die persönlichen Erlebnisse zuweilen als Leitmotiv, zuweilen als irrlichternder Splitter im Kosmos von Lems Werks hinterlassen haben. Hierzu gehören nicht nur seine Romane, sondern auch einige Einleitungen und Rezensionen zu real existierenden und – Lems besonderes Markenzeichen – zu einigen nicht existenten Büchern. Die Erfahrung schicksalhaften Leids, so ist zu zeigen, erwies sich als prägend für Lems lebenslange Beschäftigung mit dem »Zufall« als maßgeblicher Konstante des Seins und bestimmte auch die überaus ernsthaften Ansprüche, die er an das von ihm generell als trivial eingestufte Genre der Science Fiction stellte.

    Jutta Braun

    Wie sich Lems Biografie in sein – großteils nunmal science fictionales – Werk eingeprägt hat, hatte ich lange nicht im Blick und wurde und wird auch überwiegend außen vor gelassen. Jutta Braun spürt dem detailreich nach und nimmt mir unbekannten Lem-Erstling dafür unter die Lupe. Was mir auffiel, sobald ich erfahren hatte, dass Lems Vater Arzt war: In Lems zweitem SF-Roman Gast im Weltraum
    – noch unter kommunistisch-utopischer Flagge segelnd -, wird der namenlos bleibende Protagonist wie sein Vater Arzt und reist auf der Gea als Gast im Weltraum zu den Sternen. Zu Beginn wird die Biografie des Protagonisten geschildert und das noch 30., dann 31. Jahrhundert bekommt Konturen, wie man sie sich bis 1955 für ausmalenswert ersann. Lange bleibt der sehr ruhige, wortkarge Vater blass, tritt kaum je auf, schweigt dann meist, ist daher eigentlich so gar nicht Vorbild für seinen Sohn. Bis zu einer zutiefst berührenden Szene: just nachdem der Sohn den Vater für vorbildlos erachtet hatte, erlebt er mit, wie diesem zum Dienstjubiläum ein endloser Reigen an Gratulanten aufsucht, samt und sonder ehemalige Patient*innen, die dem Arzt tiefe Dankbarkeit entgegenbringen und stillschweigend Respekt zollen, indem sie ihm einen Hügel aus Blumen zu Füßen legen. Dafür kommen sie selbst vom Mars herbei; auch uralte Weltraumveteranen machen ihre Aufwartung. Eine, wie ich vermute, durch und durch biografische Szene, in der Stanislaw Lem seinem Vater huldigt, dem lebenswerk des stillen Schaffenden, der im Behandlungszimmer und OP-Saal Nacht für Nacht überlebenswichtige Heldentaten vollbringt, die jedoch nicht besungen worden sind und die man nicht wie beim Marathon, den der Protagonist betreibt, leistungssportlich ermessen kann. Kein Leistungswettbewerb, den der Vater fürs Schaufenster betreibt, sondern Dienst an den menschen, wofür er lebt. Nirgendwo sonst habe ich so von Lem schreiben gelesen! Und meiner Lesart nach ist der Vater nicht bloß, nicht allein menschgewordener Kommunist, arbeitsam und sich aufopfernd für die Gemeinschaft. Das mag noch hinzukommen, mit hineinspielen, aber für mich ist vor allem diese zu Herzen gehende Szene zutiefst biografisch fundiert.

    In heutigen Tagen muss man noch anmerken: der Protagonist apllaudierte seinem Vater nicht bloß mal vom Balkon herab, sondern anerkannte die Systemrelevanz von menschen wie seinem Vater dadurch, dass er selber Arzt wurde. Ein größerer Schritt für die Menschheit, erst recht wenn sie mit diesem Jungarzt dann zu den Sternen aka Alpha-Centauri fliegt. Immerhin ist man also im 31. Jahrhundert weiter und zeigt Haltung und Rückgrat, wenn man nicht sofort, aber sobald man eine solche würdevolle Wichtigkeit einsieht. Im 21. Jahrhundert geht man lieber covidiotisch steil und verwechselt narzisstisch sich mit Menschenwürde, für die Mensch (über)leben können muss. Ein utopischer Roman auch in dieser lesart….

    Paradisiien an der Weichsel

    Und wer sich mit vorigem Text bereits eingelesen hat, für den/die habe ich ein ganzes Buch zum Weiterlesen. Dank Wiki bin ich in den Fußnoten zu Lems SF-Roman Transfer aka Rückkehr von den Sternen auf die Dissertation von Antonina Dyjas: Paradisien an der Weichsel. Polnische Science Fiction 1945-1989 im Kontext der literarischen Utopie. gestoßen[1]. Ein Volltreffer!

    Antonina Dyjas erhellt mir so ein bisher völlig abgeschattetes Feld, von dessen Existenz ich wissend ahnte, über gehörig gewusstes Nichtwissen verfügte, also: NICHTS WUSSTE. Dass es jenseits polnischen Autors Lem eine ganze SF-Szene gegeben hat, war klar. Schon deshalb, weil ich – immerhin und wenigstens – über die deutschen Gewordenheiten in dieser causa etwas orientiert bin. Über die 1950er Jahre als science fictionale Aufbruchzeit in Deutschland insbesondere durch Rainer Eisfelds „Die Zukunft in der Tasche“, wo er eindrücklich lesenswert die wilde Zeit des Aliens Rainer (inmitten der halbstarken Pubertät) nachzeichnet, wie er zur SF fand, sich der erste Deutsche SF Club (SFCD) unter Federführung späteren Perry Rhodan-Mitbegründers Walter Ernsting alias Clark Darlton als Sockel des Fandoms herausbildete und vieles mehr. Mit klarem Fokus und doch immer auch zur Seite blickend, ergänzt Perry Rhodan Die Chronik 1 die weitere Zeit bis und so richtig ab Anfang der 60er Jahre. Im Windschatten der SF-Reihen bei Pabel / Moewig sowie dem Riesen Heyne ist die Positionierung beispielhaft des Bastei Lübbe-Verlags auch sehr interessant.

    All das und manch mehr über Deutschland ist also soweit so bekannt. Hingegen ist alles jenseits von Lem in Polen für mich ein einzig Weißer Fleck gewesen, den nun erst und das sehr gut zu lesen Antonina Dyjas erleuchtet und so erkennbar auf die Leselandkarte rückt. Zur Orientierung folgend das Inhaltsverzeichnis, worum es vertiefend geht:

    • 1. Einführung. 3
    • 2. Utopie – Dystopie – Science Fiction. Ein Exkurs in die
      Begrifflichkeit. 9
    • 3. Polnische literarische Utopie. Ein Rückblick. 18
    • 4. Polnische Science Fiction. Die Selbstreflexion. 31
    • 5. Utopie trifft Science Fiction. Die Fallbeispiele. 37
      5.1. Neue Zeit, neue Hoffnung? 37
      5.1.1. Andrzej Ziemięcki – Schron na Placu Zamkowym. 39
      5.1.2. Władysław Umiński – Zaziemskie światy. 53
      5.1.3. Roman Gajda – Ludzie Ery Atomowej. 67
    • 5.2. Macht und Ohnmacht. 81
      5.2.1. Boruń / Trepka – Zagubiona przyszłość. 82
      5.2.2. Wojciech Kajder – Śmierć jest światłem. 97
    • 5.3. Lems verpflichtende Ferne. 110
      5.3.1. Stanisław Lem – Powrót z gwiazd. 113
      5.3.2. Stanisław Lem – Kongres futurologiczny. 138
    • 5.4. Auf eigenen Wegen. 152
      5.4.1. Hanna Malewska – LLW. 154
      5.4.2. Janusz A. Zajdel – Cylinder van Troffa. 171
      5.4.3. Marek Oramus – Dzień drogi do Meorii. 192
    • 6. Schlussbetrachtung 214
    • Bibliographie 223

    Im zweiten Kapitel schärft Dyjas das Verständnis der sehr fein verlaufenden Genregrenzen zwischen U- und Dystopie sowie Science Fiction, jene dieser vorausgingen, um inzwischen inmitten der SF angekommen zu sein. Kapitel 3 blickt in die Geschichte polnischer Utopien, wo ich immer wieder westeuropäische Klassiker als Inspirationsquell durchscheinen sehe. Zum Beispiel Somnium – Johannes Keplers Traum vom Mond oder andere Geschichten vom und über den Mond, wie sie in der Auftaktfolge 1 von 4 in Die Rückspultastehörbestens zusammengetragen sind. Und doch stets in spezieller Interpretation der „Vorlage“, sprich niemals bloße Kopie. Kapitel 4 ist, wir sind nun nach dem Zweiten Weltkrieg in den 80er Jahren vor dem Ende des Analysezeitraums angekommen, äußerst spannend. Dyjas zeichnet hier nämlich eine SF-Szene-Diskussion nach – ohne dass Lem zu Wort käme: es geht um das Selbstverständnis polnischer SF, was sie kann, leisten soll und wozu sie denn am Ende gut ist. Was macht das „Polnische“ an der polnischen SF aus?, so die zugrundeliegende Frage. Für Unwissende wie mich besonders erhellend, weil so mit Wortbeiträgen der involvierten Protagonisten klarer wird, was für sie hierbei zentral, zu kritisieren oder zu verteidigen gewesen ist.

    Schon im InhaltsVZ, umso mehr dann im Text werden zahlreiche dieser Autoren – nahezu ausnahmslos wirklich nur Männer -, vorgestellt. Am Interessantesten vielleicht Janusz A. (Andrzej) Zajdel (1938-1985), „einer der wichtigsten Vertreter der polnischen Science Fiction“. Wiki weiß, dass von ihm zu DDR-Zeiten ziemich viel bei Das Neue Berlin veröffentlicht worden ist, was es nicht bis in unsere Tage geschafft hat. Allerdings läuft hier eine investigative Anfrage des Blogautors, da sehr wohl Titel des Verlags noch heute – sogar als ebook – erhältlich sind. So beispielsweise von Gert Prokop, dessen wichtigste SF-Krimis – sehr lesenswert – zugänglich sind. Vom besagten Zajdel wiederum hat es nur die Kurzgeschichte “Prognosie“ es nach 2021 geschafft. Mir ebenfalls besonders ins Auge gestochen ist ein Autor, der noch vor dem Zweiten Weltkrieg publiziert hat und in erster Linie Dichter war: Antoni Slonimski (1895-1975). „Zweimal Weltuntergang“ von 1937 sowie „Der Zeittorpedo“ von 1924[2]
    sind die zu nennenden „SF“-Werke, die zeitkorrelativ zu Werken von Hans Dominik erschienen sind. Beide in den 80ern bei Suhrkamp übersetzt und noch heute antiquarisch aufspürbar. Schon deshalb zu empfehlen, weil Lem in beide Werke mit Vor- und Nachwort einführt. Und einen Landsmann durch Lem höchst selbst vorgestellt zu bekommen, kann nur gewinnbringend sein.

    Und dieser Lem, falls Tichy ihn sich nicht nur ausgedacht hat?

    Ja, dieser Lem kommt auch noch vor. Er ist de facto alles überragender, alles überstrahlender, aber auch – siehe mein Unwissen – alles in den Schatten stellender Koloss polnischer SF. Er war prägend, wenn nicht das Gebirge, zu dessen Fuß die Propheten pilgerten. Mit gleich zwei Romanen – „Transfer“ (Rückkehr von den Sternen) und Der Futurologische Kongress gerät er in den Analysefokus.

    Mit Antoni Smuszkiewicz lassen sich drei Phasen der Entwicklung polnischer SF ausmachen:

    • “Bis zum Jahre 1958 herrschen die Begeisterung und der Glaube an den Fortschritt dank der Wissenschaft. Dieser wird der Menschheit erhebliche Erleichterung in der Zukunft bringen und ist somit nicht anfechtbar.“
    • “Die zweite Phase legt Smuszkiewicz auf die Jahre 1959-1970 als den Zeitraum der Schaffung der Konventionen der SF fest, während dem das artistische Niveau bestimmt wird.“
    • “Nach 1970 beginne die letzte Phase der Ausweitung der Grenzen der Science Fiction bezüglich der Problematik und der Form.“

    Antonina Dyjas, Kap. 5, S. 37

    Vor dem Zweiten Weltkrieg galt SF nur als „Randerscheinung“, erlangte erst danach „den Status einer eigenständigen literarischen Erscheinung und zeigt mit fortlaufender Zeit vehemente
    Veränderungen und ein Aufblühen des Genres.“ (Dyjas, Kap. 5) Diese Hintergrundfolie im Sinn, auf der Lem schrieb, lässt sich auch sein Schaffen dreiteilen. Przemysław Czapliński spricht hier von einer “Spirale des Pessimismus“:

    • “Der Ausgangspunkt der Spirale umfasst den utopischen Kreis seiner Romane: Der Planet des Todes (Astronauci, 1951) und Gast im Weltraum (Obłok Magellana, 1955), in denen ein enthusiastischer Entwicklungsweg der menschlichen Gesellschaft dank der fortschreitenden Technik und Wissenschaft in Form einer Weltraumreise gezeichnet wird.“[3]
    • “Darauf folgt die Phase der Antiutopie, in der die wechselseitigen Einflüsse zwischen Technologie und Ethik geprüft werden. Dazu gehören: Eden (1959), Transfer (Powrót z gwiazd, 1961), Memoiren gefunden in der Badewanne (Pamiętnik znaleziony w wannie, 1961) und Der futurologische Kongress (Kongres futurologiczny, 1973). Von der Überzeugung geleitet, dass „die Lösung zentraler Probleme der Menschheit sich immer mit Furcht oder mit der Zunahme von Fehlern verbindet“ 255 , glaubt Lem in dieser Phase noch an die Umkehrbarkeit der Geschichte.“
    • “Der Verlust dieses Glaubens führt Lem unweigerlich in die Etappe des Katastrophismus, der sich zunächst in Fiasko (1987), dann in Frieden auf Erden (Pokój na ziemi, 1987) und Lokaltermin (Wizja lokalna ,1982) zeigt.“Dyjas, Kap. 5.3 Lems verpflichtende Ferne

    In dem bereits hörempfohlenen Kulturfeature auf WDR3 Baustelle Kosmos wird Lems Altersgegrantel auch schon betont. Und auch die übrigen Beiträge zum Jubiläum, auf die ich hinwies, gehen stets auf seinen zunehmenden, anschwellenden Pessimismus ein. Den als Genörgel eines alten Mannes abzutun, scheint mir aber weiterhin etwas kurzgegriffen angesichts krisenhafter bis katastrophischer Umstände, die sich mensch selber geschaffen hat, weil er immer noch nicht das zweischneidige Flammenschwert, sprich die Dialektik der Aufklärung verstandesgemäß und bis zur Handlungsebene hinab durchdrungen hat.

    Das für heute, so viel zu Lem nachgereicht. An Lektüren sollte es nun nicht mehr mangeln. Und ich darf offenbaren, dass Antonina Dyjas weniger Satzlänge pflegt als ich. Wer bis hierhin gelesen hat, kann also auch Dissertation und erst recht vorigen Beitrag von Jutta Braun. Gut Buch! Die Antwort ist immerhin vorab schon klar, nicht wahr?

  • Abstract:

    Die polnische Science Fiction Literatur bietet in vielen Fällen einen Bezugspunkt zum Genre der Utopie. Um dies für den Zeitrahmen 1945-1989 zu belegen, wurden zehn Romane von neun Autoren ausgewählt und in vier zeitlich-thematische Schwerpunktkreise unterteilt. Der erste Zirkel umschließt die Nachkriegszeit, die politische Neuordnung Polens und die damit verbundenen Hoffnungen und Zukunftsbilder. Interessant ist in diesem Bereich der Zäsur die Frage, welche neuen Tendenzen gesetzt, und welche aus der literaturhistorischen Vergangenheit fortgeführt werden. Als nächste folgt die Phase der kommunistischen Machtetablierung, des Wettlaufs der beiden Systeme und der damit aufkommenden Gefahr einer nuklearen Auseinandersetzung. Einerseits wird dabei auf den ideologisch ausgerichteten Strang, andererseits auf den der Warnutopie gesetzt.

    Stanisław Lem dominiert unbestritten mit seinem Schaffen die Science Fiction ab den sechziger Jahren. Aus diesem Grund wurden von ihm zwei Werke in einem separaten, ausschließlich ihm gewidmeten Teil der Analyse platziert. Die Spezifika zweier Dystopien aus den Eckpunkten dieser Phase stehen dabei im Vordergrund. Schließlich folgen die Vertreter der „Neuen Welle“ der polnischen SF-Autoren. Der Spannungsbogen zwischen Lems Einfluss und der eigenen Impulse dieser Romane bildet den Abschluss dieser Untersuchung, welche einen bestimmten Entwicklungsweg der polnischen Science Fiction utopischen Charakters gezeichnet hat.

    In der Anfangsphase haben die Romane einen starken appellativen Charakter. Die positiven Bilder der Zukunftswelten sind von Enthusiasmus sowie dem Glauben an Technik und Fortschritt geprägt. Die folgende Einreihung in die Riege der ideologisch geprägten Literatur zeigt die Instrumentalisierung des Genres. Als genannte Ausnahme sticht die Warnutopie Kajders in dieser Zeit hervor. Die Loslösung von der politischen Einbettung gelingt schließlich Lem, der durch die Vielfalt und Tiefgründigkeit seiner Dystopien dem Genre einen besonderen Platz in der Literatur und Forschung verleiht. Die daran anschließenden Pfade der folgenden Autoren lassen einen starken Drang zur Kritik und zur Veränderung der unmittelbaren Realität im kommunistischen Polen erkennen. Eine Dynamik der ästhetischen und wirkungspolitischen Diskussion innerhalb des Genres tritt in den Vordergrund und gestaltet eine spezifische Plattform oppositioneller Kraft.

    Antonina Dyjas

  • Das Vorwort zu Der Zeittorpedo ist neuaufgelegt in “Essays im Insel-Verlag im Jubiläumsjahr Lem zu Ehren erschienen, dort ab Seite 138.
  • Frage: Wo bleibt – zumindest die Erwähnung – des andersgearteten de facto Erstlings „Der Mensch vom Mars“ aus dem Jahre 1946, ein Jahrzehnt vor dem allseits bekannten Auftaktromanen?
  • Protest in Japan – japanischer Protest

    Hallo Mitwelt!

    Heute kehre ich erneut nach Japan zurück. Eigentlich ohne spezifischen Anlass, nur weil ich eine nächste altgediente Hausarbeit digital aufpoliere und als zweite ihrer Art online stellen möchte.

    Und doch gibt es nun so etwas wie einen Anlass, der zum Thema der digitalisierten Hausarbeit tendenziell passt. Ein Beitrag bei DLF-Eine Welt:Tod in Abschiebehaft: Japans ridiger Umgang mit Migranten – auch als MP3. Zum Thema wird es, wenn man es als protestwürdig ansieht, dass bei einer 99%igen Abschiebequote die arbeitswilligen Migranten menschenunwürdig in den Asylzentren be-, wenn nicht gar misshandelt werden und wie im vorliegenden Fall sogar an Unterernährung sterben. Etwas, worüber nur zu gerne, (nicht nur) kulturspezifisch geschwiegen wird. Etwas, was nur durch digitale Videos, auf Onlineplattformen verbreitet, vom – dem namen nach – ausländischen Reporter publik gemacht und so dem Schweigen entrissen wird. All das, nachdem sich Japan als so zuvorkommend ausländerfreundlich während der para-/olympischen Spiele inszeniert hat. Offensichtlich jedoch leider nur gegenüber „Ausländern auf Zeit“, im Grunde also bloß gegenüber Touristen, die kommen, um wieder zu gehen. Nicht / weniger aber gegenüber einwanderungswilligen Migranten, die wie im Beispiel sogar längst die Sprache erlernt hatten. Ob sich dagegen, gegen das vertuschende, totschweigende Verhalten allerdings Protest formieren wird?

    Heute vorgelegte Hausarbeit ist die finale von vieren, die ich über Japan als Gesellschaft geschrieben habe. Folgend die Titel des Quartetts, wovon Nummer eins als Jugendsünde bei einem geldversprechenden Anbieter gelandet ist und es daher nicht hier ins Blog schaffen kann.

    1. Ist Japan eine moderne Gesellschaft? Modernisierungen in Japan und ihre sozialen Auswirkungen
    2. Ist Japan eine individualisierte Gesellschaft? Individualisierungsprozesse und Individualität in Japan
    3. Geschlechterverhältnisse in Beruf und Bildung – zum Status der Individualisierungsprozesse im Lebenszusammenhang japanischer Frauen
    4. Protest und seine Formen in Japan – eine diachrone Betrachtung seiner Genese und Analyse der sozialen Bedingungen

    Das Trio zwei bis vier schrieb ich hingegen quasi am Stück, hintereinander weg, bis der Schädel qualmte und ich nur noch hierzu denken konnte. Dies ist – in vielem – die ultraverdichtete Schreibe, die sich am Ende eines solchen Marathons einstellt. Dazu in der Nachbemerkung mehr. Nun mit großem Lektüremut ans Werk!

    Protest und seine Formen in Japan – eine diachrone Betrachtung seiner Genese und Analyse der sozialen Bedingungen

    Inhaltsverzeichnis

    1. Einleitung

    Japan und Protest – das scheint assoziativ für den unbedarften westlichen Betrachter kaum zusammenzugehören, verbindet man mit Japan doch eine auf konfuzianische
    Ordnung bedachte, nach innerer Harmonie strebende Gesellschaft des stillen Ausgleichs und unterstellt „Japan hinter dem Lächeln“ (Buruma 1988) keine Anwandlungen zum Protest. Eine nach der Dreifach-Katastrophe aus Erdbeben, Tsunami und Atomkraftwerkzerstörung vom 11.03.2011 erinnerte medial vermittelte Szene scheint dies noch zu belegen: Eine ältere Dame unter 400.000 in Turnhallen und Schulen provisorisch versorgten Obdachlosen (Harootunian 2011) verneigte sich erst höflich vor dem damaligen Premierminister Kan Naoto der
    Demokratischen Partei Japans (DPJ), äußerte dem Klang nach zwar entschieden, aber beherrscht ihren Unmut über die momentane Lage, bevor sie sich abermals verneigte. Seither schwelt die Frage, die hier ihre soziologisch fundierte
    Antwort sucht, ob selbst in Momenten verlorener Gegenwart und ungewisser Zukunft
    Protest in Japan keinen entschiedeneren Ausdruck als stilbildend in beflissen
    befolgter Etikette findet. Dass dem freilich nicht nur so ist, zeigte wenig später im Regierungsviertel Tókyós einsetzender demonstrativer Protest, der mit bis zu 170.000 Teilnehmern zahlenmäßig so stark war wie seit den Studentenprotesten Ende der 1960er Jahre nicht mehr (Holdgrün 2012: S. 240). Als „horizontale Solidarität und vertikales Misstrauen“ (Ikezawa 2011) pro Betroffene und contra Regierung richtete er sich aufgrund des Super-Gau des AKW in Fukushima gegen
    den Weiterbetrieb der Atomkraft in Japan. Obwohl eine „kritische Masse“ Protestierender
    ihrer expansiven Anzahl nach doch gewiss erreicht war, wurde schon anderthalb
    Jahre später die gegen Atomkraft engagierte Regierung abgewählt und nach nur 3jährigem
    Intermezzo kontraktiv durch die „ewige Partei“ der „konservativen Partei, die
    ironischerweise Liberal-Demokratische Partei heißt“ (Ishida 1993a: S. 165),
    ersetzt, die bereits heruntergefahrene AKW wieder in Betrieb nehmen wollte. Das
    vertieft die Frage danach, wer da eigentlich und ob nur einem situativen
    „Prozessnutzen“ (Holdgrün 2012) wegen protestierte, da an Ergebnissen
    (AKW-Abschaltungen) Orientierte doch anders hätten abstimmen, ihren Protest
    also auch politisch hätten fortführen müssen. Diese offensichtliche, anhand
    dieser drei skizzenhaften Eindrücke veranschaulichte Kluft zwischen verbalen
    Protest nach Etikette, demonstrativer Protest größer denn lange und den nach
    alledem unterlassenden Konsequenzen fordert einen genaueren Blick auf Protest,
    seine Genese, Formen und sozialen Bedingungen in Japan, um in diachroner Perspektive
    an charakteristischen Beispielen Muster herauszuarbeiten.

    Für die soziologische Analyse wird in Kap. 2 – in auf
    Relevantes beschränkter Kürze – das Instrumentarium zur Fallbearbeitung
    geschärft: Neben der Ressourcenmobilisierungstheorie (Zald/McCarthy), um
    konkrete Formen und Typen von Protestorganisation, Protestakteuren und deren Handlungsmöglichkeiten zu erfassen, treten zur Bestimmung sozialer Deutungen und Protestbedingungen das (Master) Framing und die Gelegenheitsstrukturen; sprich, es geht um
    personale Push- wie um kontextuale Pullfaktoren sozial wirksamen Protestes.
    Grundlage hierfür ist Thomas Kerns Kursband „Modernisierung und Protest“ mit
    ‚langem Kap. 5‘, aus dem primär inhaltlich geschöpft wird. Sodann wird entlang
    der 2. und 3. Modernisierungsphase Japans (Holdgrün/Vogt 2013: S. 15-18)
    beobachtet: Phase 2 setzt nach dem verlorenen Pazifischen Krieg ein, wo sich
    Japan vom besiegten Feindstaat unter US-Administration dank ‚erblühender
    Prosperität‘ ab den 1950er Jahren 1968 zur zweitgrößten Volkswirtschaft der
    Welt hinter den USA entwickelte, mittels Fahrstuhleffekt die Bürger in einer
    homogen gedachten Mittelschichtgesellschaft Konsum und Komfort für sich
    entdeckten, aber auch die ersten (Neben-)Folgen der ersten industriellen
    Modernisierung wahrnahmen. Beispielhaft sollen hier die im „Betrieb als
    Vergesellschaftungskern“ (Bude et al. 2012: S. 3) fußenden Gewerkschaften als
    Träger insb. in der „Frühlingsoffensive“ zunehmend ritualisierten Protests
    ebenso in den Blick genommen werden wie „professionelle Hausfrauen“
    (sengyóshufu) und „Erziehungsmamas“ (kyóiku mama), die „[s]olidarisches Handeln
    lokaler Initiativgruppen“ (Franz 1977) in Nachbarschaftsvereinigungen
    (jichikai) hervorbrachten und von diesem Fundament auch u.a. ökologische
    Bürgerinitiativen anstießen. In Kap. 4 wird Phase 3 ab der geplatzten Bubble
    Economy 1990 bis heute fokussiert, die durch Entsicherung auf dem Arbeitsmarkt
    ausgeprägte Sozialfolgen bis in die Familien zeitigte. Protest ist seiner Art,
    Orientierung und Ausprägung nach als Fol
    ge einer „‘Restrisikogesellschaft‘ im Aufbruch“ (Schmidt 2013) – dennoch mehr evolutionär als revolutionär – in „vor und nach ‘Fukushima‘“ (Gengenbach/Trunk 2012) einzuteilen, dem hier Rechnung getragen wird. Kap. 3 und 4 fragen nach den Formen der Ressourcen zur Mobilisierung
    als Pushfaktoren, Kap. 5 blickt übergreifend und fragt nach dem pullfaktoriellen
    Master Frames und den kulturellen Gelegenheitsstrukturen dieses bis heute 71
    Jahre langen Zeitraums, um protestualen Wandel tiefergehend – den Begrenzungen
    einer etischbleibenden Perspektive unterworfen – zu erfassen. Das Fazit (Kap.
    6) schließt mit dem Resümee des zuvor Behandelten und ordnet die Erkenntnisse noch einmal ein.

    2. Das Instrumentarium der Analyse


    Soziale Bewegungen[1] konstituieren sich durch „netzwerkförmige Organisationsform“, „kollektive Identität und Wertebasis der Mitglieder“, öffentlichen, kollektiven, medial
    inszenierten Protest[2], den „sie mangels anderer Möglichkeiten der Einflussnahme“ nicht-exklusiv zur Selbstdarstellung ausüben, sowie „relative Dauerhaftigkeit der
    Protestkampagnen“. Zu unterscheiden sind sie von spontanen sozialen Phänomenen
    wie Hungerstreiks und wegen stärkerer Verhaftung in der Lebenswelt von
    Institutionen wie bürgerferneren Parteien und Verbänden (Rucht n. Herriger
    o.A.: S. 2f.). In steter Bewegung sind sie vielmehr als „‘weicher‘ Gegenstand
    mit fließenden Grenzen sowohl zur Seite der kollektiven Episode und nicht
    zuletzt auch zu den historischen Vorläufern vormoderner Bewegungen“ anzusehen (Raschke
    n. Christophersen 2006b: S. 6). Die Fähigkeit zur Mobilisierung und die
    Artikulation von Protest als öffentlich wahrnehmbarer, empirisch messbarer
    Ausdruck des oppositionellen, gesellschaftlichen Umweltbezugs macht sie stets
    zu sozialen Protestbewegungen (ebd.: S. 9)[3].

    Zeitlich sind sie in „klassische“ emanzipatorische Bürger- und hierarchisierte
    Arbeiterbewegungen, für die soziale Verteilungsfragen zentral waren, sowie nach
    dem Zweiten Weltkrieg zunehmend Neue Soziale Bewegungen einzuteilen (Kern 2010:
    S. 44, Tab. 1). Für diese „bunt zusammengewürfelte[n] Peripherie“ der
    Gesellschaft waren „Fragen der Grammatik von Lebensformen“ (Lebensqualität,
    Gleichberechtigung, Selbstverwirklichung, Partizipation, Menschenrechte)
    wesentlich, da sie den „selbstdestruktiven Folgen des Komplexitätswachstums“ in
    der Moderne stärker ausgesetzt waren (Habermas n. ebd.: S. 46) [4]. Eine in den
    1960er Jahren entstandene Bewegungsforschung nahm diese Neuen Bewegungen
    zunehmend als rational handelnde, Ziele gezielt verfolgende Kollektive wahr,
    dass sich die Fragen nach deren Zustandekommen und Handlungsmöglichkeiten
    stellten und zu Theorien führte, wo der Fokus auf dem organisatorischen Wie
    personaler Push- oder dem sozialen Warum kontextualer Pullfaktoren lag. Die
    Ressourcenmobilisierungstheorie (RMT) fragt danach, wie im „Bewegungssektor“[5]
    einer Gesellschaft Ressourcen[6] zwecks Protest von ‚Bewegten‘ um „Kollektivgüter“ durch motivierende „selektive Anreize“ (Olson n. ebd.: S. 95f.) in Kooperation, Konkurrenz oder Konflikt mit gesellschaftlich ‚Unbewegten‘ mobilisiert werden. Ressourcen sind demnach
    „Einflusspotenziale“, um „innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen
    auch gegen Widerstreben durchzusetzen“ (Weber), die vor einer Protestbeteiligung
    von den potentiellen Akteuren bei Verfügung oder zur Erlangung nach Kosten und
    Nutzen abzuwägen sind (ebd.: S. 104). Unzufriedenheit (grievances) der
    Problembetroffenen ist notwendig, aber erst „in dem Ausmaß, wie nichtorganisierten,
    aber benachteiligten Gruppen soziale Ressourcen zur Verfügung stehen, so dass
    sie eine organisierte Forderung nach Wandel äußern können“ (Herriger o.A: S.
    9), wird der Protestanreiz für Akteure hinreichend. Die Wirkung von Ressourcen
    ist dabei nach dem Ansatzpunkt der Handlungstriebe der Akteure[7], den Instrumenten
    zur Belohnung (Versprechen bei Fügsamkeit) oder Bestrafung (Drohung bei
    Nicht-Fügsamkeit) und dem Generalisierungsniveau ihrer räumlich-sozialen
    Reichweite zu unterscheiden. Je nach Verfügung erfolgt durch ihre Kombination
    eine „Mikromobilisierung“ von Akteuren (Schimank n. Kern 2010: S. 105ff.). Von
    Ressourcenzugang und -verteilung hängt ab, welche Form die Protestbewegungen
    organisationell annehmen: Entweder „isoliert“ mit oft professioneller Führungselite,
    die meist nur mittelbar mit den Akteuren kommuniziert, oder „föderal“, wo dann
    lokale Segmente um die Ressourcen ringen. Dies erfordert die Pflege der
    kollektiven Identität, birgt Konfliktpotenzial, ermöglicht aber auch verstärkte
    Rekrutierung (ebd.: S. 109ff.).

    Fragt die RMT v.a. nach Geld und Zeit als „unerlässliche Ressourcen für alle Aktivitäten“
    und konkrete Mittel zur Protestrealisierung, fragt die Framing-Theorie (FT)
    nach der „Voraussetzung für erfolgreiche Ressourcenmobilisierung“ durch „frames“
    (Deutungsrahmen der Akteure)[8], die problembezogen im (öffentlichen) Diskurs zu konstruieren sind und „ihre Weltsichten und Wertorientierungen transportieren, die ihre Forderungen
    öffentlich nachvollziehbar machen und legitimieren sollen.“ (Herriger o.A.: S.
    12f.) Soziale Protestbewegungen sind nicht nur Träger von Deutungs- und
    Glaubenssystemen für die „kognitive Organisation von Erfahrungen und
    Handlungen“, sondern auch deren Produzenten, als die sie Einfluss auf „die
    gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit“ (Berger/Luckmann) ausüben und
    so die Lokalisierung, Wahrnehmung, Identifikation und Benennung von Ereignissen
    steuern. Damit sie durch frames potentielle Akteure überzeugen können, bedarf
    es interner Konstruktion und gesellschaftlicher Anschlussfähigkeit durch eine
    Deutungsarbeit entlang der Entwicklung von Problemdiagnosen (was, warum, durch
    wen; diagnostic framing), des Angebots von Lösungen (wie, womit, mit wem;
    prognostic framing), der Ausarbeitung von Motivationsstrategien zur Gewinnung
    der „Meinungsöffentlichkeit“ (motivational framing) und der „Stabilisierung der
    Bewegungsidentität im Zeitverlauf“ funktional durch Reflexion und Orientierung
    (memory framing). Diese 4 frames[9] sind „unverzichtbare Ressourcen für die Mobilisierung kollektiven Handelns“ (ebd.; Kern 2010: S. 120-125; Kreissl/Sack 1998: S. 43)[10]. Übergreifende,
    auch für disparate Bewegungen anschlussfähige Frames nennt man Master Frames,
    die „gegenüber den kulturellen Traditionsbeständen einer Population“ Resonanz
    erzeugen: „je stärker die kulturelle Resonanz, desto größer das
    Mobilisierungspotenzial.“ Die aktuelle Stimmung in der Bevölkerung ist dabei
    ein Resonanzfaktor, wobei es auch mehrere konkurrierende Master Frames geben
    kann (Kern 2010: Kap. 5.3.3).

    Bezogen sich RMT und FT auf die personalen Pushfaktoren, sieht die Theorie der
    Gelegenheitsstrukturen (TGS) „die Entstehungsbedingungen sozialer Bewegungen in
    wechselnden gesellschaftlichen Handlungszwängen oder Handlungsmöglichkeiten.“
    Gelegenheitsstrukturen beziehen sich als pullfaktorielle Makrovariablen auf
    soziale Kontexte, die external „für die Zielerreichung individueller Akteure
    von Bedeutung sind.“ Sie sind „als bestimmte Ereignisse oder Sachverhalte, die
    die Möglichkeiten für die Zielerreichung vermindern oder erhöhen“, zu
    begreifen, weshalb „die Wahrnehmung der Gelegenheitsstrukturen durch die
    Akteure für ihr Handeln wichtig ist.“ (Tilly) (Opp 1996: S. 223; 229ff.) Zwar
    wurde die TGS „zu einem bedeutenden Instrument zur Erklärung von
    Protestbewegungen“ und erlangte „Hegemonie“ (Goodwin/Jasper), ihr Fokus auf das
    Politische verkürzte den realitären Blickwinkel jedoch auf Institutionelles[11], dass durch eine
    „Soziologisierung“ die aus Sicht der Akteure „external relational fields“
    (Goldstone) in den erweiterten Blick genommen wurden, demnach ein
    multidimensionales soziales Feld den Akteuren „gleichzeitig Gelegenheiten
    bietet und restriktive Bedingungen setzt“ (Neidhardt). Dieses akteursseits zu
    realisierende „opportunity set“ (Elster) ist nach Schimank dreidimensional: Institutionelle
    Erwartungsstrukturen als soziale Regeln (rechtliche Normen, Konventionen…),
    „die einer Gruppe von Akteuren offenstehende Handlungsverläufe strukturieren“[12]
    (Scharpf); Deutungsstrukturen als Konstitut sozial vermittelten Wissens zur Interpretation der
    Akteurserfahrungen[13]; Konstellationsstrukturen sind als intentionale Interferenz die Beziehungsmuster zwischen den Akteuren[13] (Kern 2010: S. 132).

    Kurzum: Innerhalb dieses ‚Ermöglichungsraums‘ müssen Protestakteure zur Vermittlung und
    Erreichung ihrer Ziele ‚Problemrahmungen‘ ausarbeiten, um so an die für die
    Protestrealisierung notwendigen Ressourcen zu gelangen.

    3. Japans Kurs gen Wohlstand – Nachkriegs- und Prosperitätszeit bis 1990

    Die Bewegungen ‚Professioneller Hausfrauen‘ und der Betriebsgewerkschaften sollen
    beispielhaft für die Zeit japanischer Prosperität und die eng damit verbundene
    sozial gepflegte Geschlechtspolarität stehen, deren ursächliche Hintergründe
    Kap. 5 beleuchtet, deren Ressourcenmobilisierungen hier im Fokus stehen sollen:

    Die Professionellen Hausfrauen – „archetypische Verkörperung von Weiblichkeit“ und „Hauptperson im Hintergrund“ der „kigyó shakai“ (Nachkriegszeit) (Linhart o.A.: Kap. 8) – erweiterten sich nach „Auszug der Väter“ in die Betriebe im „Vakuum zu Hause“ den „Haushalt
    als ihre ‚Domäne‘“ (Jurczyk 2009: S. 77) durch die „Ausweitung der
    Hausfrauenrolle in die Gemeinde“ (Lenz 1990: S. 79; 85) in einer
    selbstbehauptenden identity extension um neue Handlungsräume. Ein weiterer
    Handlungstrieb als Ansatzpunkt war die Befolgung von Normkonformität
    [14], da sich der
    Zugewinn an Handlungsmöglichkeiten nicht über die erworbene wie zugestandene
    Semiöffentlichkeit als Mütter, Erzieherinnen und „Haupteinkäuferinnen der
    Familieneinheit“ (Lennox n. Baur 2013a) hinaus in neue, männliche Felder
    erstreckte (s.u. u. Kap. 5), sondern den Normen als Hausfrauen verpflichtet
    blieb, dass dieses „Engagement als Verlängerung der mütterlichen und hausfraulichen
    Verantwortung“ begriffen wurde (Lenz 1990: S. 88). Das Fundament der
    Hausfrauenbewegung bildete sich so in Nachbarschaftsvereinigungen (jichikai),
    wo ‚Frau‘ durch kommunales Engagement Gemeinschaftlichkeit in den Vierteln
    pflegte, und Parent-Teacher-Associations in den Schulen, wo nicht nur für die
    Kinder gestritten wurde, sondern auch demokratische Petitionen zu heiklen
    Fragen wie Prostitution entstanden. Aktiv wurde der Anspruch „auf Demokratisierung
    der Familie, Macht über ‚Kinder, Küche, Kasse‘ und Beteiligung in Nachbarschaft
    und Gemeinde“ proklamiert. Auf diese kommunalen Netzwerke mit lokalem
    Generalisierungsniveau konnte die 1948 gegründete Hausfrauenliga (shufu
    rengókai/shufuren) als wichtigster Trägerverband der Hausfrauen als Konsumentinnen
    bauen, die den „Reis-Kochlöffel“ – „schon das Recht der Bäuerin auf
    selbständige Wirtschaftsführung“ (orientierender memory frame) – zum Symbol
    einer selbstbewusst gelebten Rolle erhob. In lokalen Kleingruppen mikromobilisiert
    und föderal organisiert, gelang die kollektive Identitätsbildung und -wahrung
    bis in die 1970er Jahre hinein dank eines hohen moralischen Kapitals
    (sachnotwendiger Dienst an der Gesellschaft, s. Kap. 5) durch nur altersverschiedene,
    geschlechts- und rollenhomogene „Überzeugungs-Mitgliedschaftlerinnen“
    weitgehend problemlos, auch wenn regionale Koalitionen mit Gewerkschaften eingegangen
    und im Gegensatz zu Deutschland populistisch Arbeiterinnen einbezogen wurden[15].
    Auf dieser Basis und mit der seit 1947 auch für Frauen freizugänglichen Ressource Bildung[17] verfügte shufuren über Einflusspotentiale, um Kampagnen gegen hohe Preise/Lebenshaltungskosten,
    Produkttests mit dem Gesicht von Takada Yuri als bekannte
    „Hausfrauen-Wissenschaftlerin“ im Shufuren-Labor und alternative
    Vermarktungsnetze[18] wie 1955 zur Senkung der Milchpreise in Tókyó zu organisieren und für Konsumentinnen-Aufklärung, Boykott-Kampagnen und Alternativ-Vorschläge den
    Koch-Reislöffel konfrontativ auch gegen Großkonzerne symbolträchtig und mediale
    Aufmerksamkeit gewinnend zu erheben (Lenz 1990: S. 85-88). Aus den „lokalen
    Initiativgruppen“ (Franz 1977) heraus wandten sich insb. Mütter auch anderen
    Themenfeldern zu und schlossen sich zum Gedenken an die Grauen des Pazifischen
    Krieges pazifistischen und als „arbeitende Mütter“ für Mutterschaft
    gewerkschaftlichen Forderungen an (Lenz 1990: S. 87). Ebenfalls zu erwähnen
    sind eher der Gerechtigkeit und des Paternalismus als der Natur selbst wegen
    betriebener „reaktiver“ Umweltprotest, dem es ergo nicht um ein neues
    Politikparadigma ging. Für ihn bildeten in Städten die Hausfrauen v.a. der
    Mittelschicht in ihren gemeinschaftlichen Strukturen (auf dem Land eher der
    Unterschicht) das Mobilisierungspotential, wohin sich die Rekrutierungsbasis
    auch zunehmend verschob. Dank naher Vertrautheit folgten in quasi-mechanischer,
    vertikaler Solidarität potentielle Mitstreiterinnen den lokalen charismatischen
    Aktivistinnen, die oftmals auch in den Konsumentinnengruppen tätig waren und so
    kooperative Querverbindungen herstellen konnten. Diese Proteste blieben ihrer
    lokalen Verortung wegen stets einem Problem verhaftet (Minamata[19]
    und Tóyama
    itai-itai Krankheit, Yokaichi Asthma), selbst wenn dieses überregionale
    Aufmerksamkeit erlangte. Informelle Verhandlungen bevorzugt auf lokaler Ebene
    und z.T. Gewalt bildeten das Handlungsrepertoire, dem als kulturell
    unkonventioneller Protest das Beschreiten des Rechtsweges hinzugefügt wurde, um
    dann in einem „moralischen Kreuzzug“ die paternalistische Ordnung als Status
    quo ante wieder herstellen zu lassen (Viehöver 1996: S. 49-55)[20].

    Trotz temporärer Koalitionen mit der Hausfrauenbewegung sind die Gewerkschaften Teil
    einer männerzentrierten Teilkultur, wo in der „Berufswelt […] deutlich sichtbar
    sozialer Status auf der sozialen Beziehung zwischen Männern beruht“ (Helle
    1981b: Kap. 3f.), was den „selektiven Anreiz“ zur aktiven Teilnahme (Statuserwerb
    und –erhalt) ausmachte. Die Homogenität der Gruppe als Ingroup förderte sozial
    die kollektive Identität[21],
    weshalb sich ihr Vertretungsanspruch und ergo ihre Rekrutierungsbasis auch
    weitestgehend auf den Mann als ‚Hauptperson im Vordergrund‘ beschränkte[22]. Basis der
    Organisationsform war kein überbetrieblich definiertes „Klasseninteresse“ aller
    abhängig Beschäftigten, sondern das durchgesetzte und nicht kulturgegebene
    Konzept des „Betriebs als Gemeinschaft“. In der konnte starker Einfluss
    ausgeübt werden, in die war jedoch nur eine bessergestellte Minorität der
    Stammbelegschaft in-, die Peripheriebelegschaft der Groß- sowie i.a.R. Klein-
    und Mittelunternehmen exklusiert. Die Kernbelegschaft bestand aus regulär/fest
    Angestellten (den „salari men“, sei-shain), die de facto lebenslang eingestellt
    wurden und gemäß Senioritätsprinzip steigenden Lohn erhielten. Ihr Anteil machte
    unter den Abhängigbeschäftigten nur rund 18-25% aus, was dem gewerkschaftlichen
    Organisationsgrad von 23,4% (1995) ziemlich genau entsprach (1949 noch 55%,
    2009 nur noch 16,1%; vgl. Abb. 1 im Anhang) (Ehrke 1996: S. 1f.)[23]. Die
    gewerkschaftliche Bewegungsindustrie ist dreigestuft: Zu unterst die
    Unternehmensgewerkschaft, nur der der Salaryman beitreten kann, die ihn direkt
    vertritt und die ggf. plural mehrere Betriebsgewerkschaften einschließt;
    übergeordnet auf der mittleren Ebene kommt es zu Branchen- oder regionalen
    Föderationen (councils); zuoberst schließen sich mehrere dieser zu einem
    Dachverband/nationalen Zentrum zusammen (IW Köln 2011)[24]. Derart föderal
    organisiert, kommt mittlerer und oberer Ebene allerdings nur eine koordinative
    Funktion zu, die auch nur geringe Anteile der relativ hohen, bei der Lohnauszahlung
    einbehaltenen Mitgliedsbeiträge als Handlungsressourcen abbekommen. Das Primat
    liegt auf der Betriebs- bzw. Unternehmensgewerkschaft, die das gesetzlich
    garantierte Koalitions-, Streik- und Recht auf Abschlüsse von Tarifverträgen ausübt
    (ebd.; Daimon 2012: Kap. 3). Sie hat jedoch nicht nur ihre Basis im Betrieb,
    sondern gehört zu dessen Organisation, wo Betriebsgewerkschaftsführer ins Betriebsmanagement
    aufsteigen und die Arbeiter stärker als im Westen üblich konsensual eingebunden
    sind (Ehrke 1996: S. 5). Zwecks größerer Durchsetzungskraft, aber auch um den
    Unternehmen als zuverlässige Partner zuarbeiten zu können, wurden seit 1955 die
    Tarifverhandlungen landesweit auf den Februar und März, kurz vor Beginn des
    unternehmerischen Fiskaljahrs im April, gelegt – die Frühjahrs-Offensive
    „shuntó“. Die höheren Ebenen griffen koordinativ ein, letztlich konnte aber
    auch branchenintern auf Betriebsebene eigen verhandelt werden, wofür sich oft
    militanter, politisch aufgeladener Slogans zur Mobilisierung und v.a.
    Positionierung gegenüber der Öffentlichkeit und Regierung als repressive Kräfte
    bedient wurde. Shuntó wurde im Weiteren so etabliert, dass sie rituelle Züge
    annahm, Verhandlungsergebnisse voraussagbar wurden, was ein Spannungsverhältnis
    zwischen gewerkschaftlichen Verhandlern und damit unzufriedenen Mitgliedern
    erzeugte (Daimon 2012: Kap. 4.1; Ishida 1993b: S. 128f.). Ganz im Gegensatz zu
    den Hausfrauen waren die Gewerkschaften von Anfang an politisch verbandelt, was
    Einfluss und Ressourcen stärkte, aber historisch gewachsen stets auf Seiten der
    ab 1955 ‚Daueropposition‘ blieb und sie so zur bewegten Repression (s. Kap. 5)
    wie Provokation machte (Daimon 2012: Kap. 4.4).

    4. Ökonomischer Abschwung – Protest in stagnierenden
    Verhältnissen


    Die vorgestellten Bewegungen der japanischen Prosperitätszeit waren national
    verhaftet und dort in der Hauptsache im erweiterten Haushalt der Hausfrauen, an
    bestimmten Orten der Umweltschädigung oder in den Betrieben als Gemeinschaft
    der Salarymen aktiv, wo Mobilisierung und Rekrutierung also üblicherweise in
    unilateral-vertikal strukturierten
    [25] sozialen Räumen eines geringen Generalisierungsniveaus erfolgte und an single issues zur paternalistischen Instandsetzung orientiert war. Verbände höherer
    Ebene stellten formal zwar die Spitze föderaler Organisationen dar, hatten
    i.a.R. aber nur nach unten koordinierende und national repräsentierende
    Funktionen, ohne deshalb notwendig das Generalisierungsniveau vergrößern zu
    können. In einem „vierten Religionsboom“ und einhergehend mit der New-Age-Bewegung
    ab den 1970ern kamen in starkem Maße synkretistische „Neue Religionen“ (vgl.
    Coulmas 2014: Kap. 8) auf, die 2004 in über 600 religiösen Gruppen 10-15% der
    japanischen Bevölkerung für sich mobilisieren konnten. Sie bezogen sich
    mitnichten nur auf Jenseitiges[26],
    sondern sind als „Produkte und Produzenten sozialen Wandels“ (Raschke) zu
    kulturorientierten Bewegungen zu zählen, die auf gestaltbare und
    gestaltungsbedürftige soziale Aspekte hinwiesen. Sie zielten „primär auf eine
    Veränderung des alltäglichen Lebens, der unmittelbaren Umwelt und des Selbst“ (identity
    transformation) ab und waren so religiös motivierte Gegenbewegungen zur
    politischen Partizipationsarmut – „eine Art ‚stiller Widerspruch‘ gegenüber
    staatlichen Autoritäten und etablierten Institutionen“[27] – und somit
    Wegbereiter der Individualisierungsprozesse, die 1990 ökonomisch noch
    beschleunigt wurden (Wiczorek 2004: S. 69ff.). Denn durch diese ökonomischen
    Einbrüche veränderte Bedingungen und somit auch Gelegenheitsstrukturen (s. Kap.
    5) führten zu einer Erweiterung resp. Intensivierung zuvor noch schwächer
    ausgeprägter Formen sozialer (Protest-)Bewegungen[28], was den
    Wandel hin zu einem „pluralistischen, multithematischen, dezentralen und transnational
    vernetzten“ Bewegungssektor einleitete (Gengenbach/Trunk 2012: S. 262). So sehr
    die lokale Gemeinschaft die föderale Basis japanischer Bewegungsindustrien
    gebildet hat und vielfach noch bildet (Broadbent n. Viehöver 1996: S. 49), so
    wenig deshalb eine anonyme Spenderkultur und die damit verbundene isolierte
    Organisationsform bis weit in die 1990er Jahre hinein zum Leidwesen von u.a.
    INGOs wie Greenpeace Fuß fasste (ebd.: S. 50f.), so sehr sind ab den 1990ern
    subkulturelle Elemente wie Cosplay aus den sozialen Milieus in die japanische
    Protestkultur verwoben und verleihen ihr vielfältig bunten Ausdruck[29].
    Die ökonomischen Entsicherungen als geteiltes diagnostic framing ließen
    zunehmend sozial-/systemkritische Bewegungen erwachsen, deren Charakteristikum
    ein grundlegenderes Infragestellen, deren konkreter Problembezugsrahmen und ihr
    Angebot an prognostic framing jedoch divers war: „Aki no Arashi“ (Herbststurm),
    der sich „Kritik an gesamtgesellschaftlicher Ordnung, Autorität und Hierarchie“
    widmete; „Dameren“ (Vereinigung der Armseligen), die sich an einer „autonom
    organisierten Lebensform für Arme“ versuchte und so erst diese wohlstandsverkannte
    Gruppe ins Licht holte; „tentóteki ródósha kyókai“
    (Badehaus-Arbeiter-Bewegung), die das Verschwinden von städtischen Badehäusern
    als Gentrifizierung ansah und deren Erhalt zum Politikum machte, oder seit 2004
    “Shiroto no Ran“ (Aufstand der Laien). Dieser organisierte am 10.04.2011 die
    erste Anti-Atomkraft-Demonstration mit 15.000 Teilnehmern und bediente sich
    „dissidenten Praktiken der Selbstversorgung, Organisation und Information“[30]
    (Do-it-yourself-Taktiken, Recycling-Shops) als emotionale identity amplification. Damit werden statt traditioneller Möglichkeiten politischer Partizipation „neue aktivistische
    Elemente und ihre eigene Lebensform für gesellschaftlichen Wandel […] als
    ‚emanzipatorischen Radikalismus‘“ eingesetzt. Diese „new generation“-Bewegung
    knüpft nicht mehr wie noch die Gewerkschaften Vernetzungen zur
    sozialistisch/kommunistischen Daueropposition, ist aber in linkspolitischer Ausrichtung
    als „post-new left“[31] einzuordnen. Die andere Seite dieser intranational handelnden sind
    globalisierungskritische Einzelbewegungen. Die „Tradition der ‚singe issue politics‘“[32] (u.a. Feminismus[33]) pluralisierte sich zunehmend, indem Bewegungen der Hausfrauen oder Gewerkschaften
    unideologisch mit ihren Mitteln insb. an Protesten rund um „Fukushima“
    teilnahmen und sich so multithematische, vielschichtige Koalitionen ausbildeten
    (Gengenbach/Trunk 2012: Kap. 3). Als Wegbereiter solch vernetzter,
    multithematischer und dezentraler „Post 3.11“-Demonstrationen ist die besagte
    globalisierungskritische Bewegung in Japan einzuschätzen, die v.a. rund um die
    Aktivitäten zum G8-Gipfel in Hokkaidó 2008 Protestformen und Strategien
    ausbildete. Eine Transformation sozialer Missstände, so die Motivation
    dahinter, sei nur noch durch Vernetzung von punktuellen Einzelaktionen
    angesichts global-dynamischer Rahmungen zu bewirken. Eine transnationale
    Vernetzung verlangt organisational stärkere Institutionalisierung als bei
    single issue Ad-hoc-Allianzen, um sich als Koalitionspartner über bisherige
    Grenzen hinweg zuverlässig bzgl. Ressourcen austauschen und so in wirksamer Bewegung
    bleiben zu können; im Gegensatz zu INGOs und TSMOGs (Greenpeace, Oxfam) wird
    aber auf „organisatorische und strategische Autonomie der beteiligten
    Mitgliedergruppen“, die fachspezifische Forschungsinstitutionen bis
    Laien-Graswurzelbewegungen einschließen können, wert gelegt. Weil die klassischen
    Medien vom „Zirkel der Macht“ (s. Kap. 5) eingenommen sind und so Informationsvermittlung
    auf herkömmlichem Wege erschwert ist, ist eine der wichtigsten Ressourcen, die
    zu gewinnen ist und über die zu gewinnen ist, Wissen und dessen Vermittlung.
    Neben „benkyókai“ (Lerntreffen) oder weiträumigeren „Bildungs-Karawanen“ gab es
    in Vorbereitung auf den G8-Gipfel noch Internetkurse und Radioprogramme, die
    von Bürgerreportern (shimin kisha) moderiert wurden. Erst durch dieses frame
    bridging konnten multisektorale Koalitionen zu interdisziplinären cross
    issue-Aktivitäten zusammenfinden und sich so anlassbezogen (Irak-Krieg oder
    WTO-Treffen in Cancún 2003…) übergreifende Solidaritäten gegen gemeinsame
    Gegner festigen. Beim G8-Gipfel auf Hokkaidó gipfelte all dies in
    quasi-professioneller Organisation und Zusammenführung transnationaler Gruppen
    (Gengenbach/Trunk 2012: Kap. 4). An diese Erfahrungen (memory frame der
    Bewegungen) konnte erfolgreich angeschlossen werden, als es am 11.03.2011 zur
    Dreifach-Katastrophe kam: Die Chiffre „Fukushima“[34]
    stand im Protest nicht nur für technisches Versagen eines AKW, sondern für das Versagen
    staatlicher Risikokommunikation[35],
    weshalb in Parallele zu Occupy, dem Arabischen Frühling und der europäischen
    Demokratiebewegung in Japan das „Eiserne Dreieck als „Zirkel der Macht“ (s.
    Kap. 5) derart erstmals unter Beschuss geriet. Ziel der Proteste (und somit
    prognostic wie als Selektive Anreize auch motivational framing) war
    „generationen- und kulturübergreifend“ Wandel durch konsequentes Beharren auf
    formal zustehenden Bürgerrechten einzuleiten, indem Demonstrationen unübersehbar
    in die Öffentlichkeit getragen werden (Beispiel der institutionalisierten
    „Freitagsdemos“). Hatten Hausfrauenbewegung und Gewerkschaften nur das Ziel
    einer ‚Semiöffentlichkeit auf Zeit‘ (Erweiterung der Haushaltsdomäne resp.
    Shuntó), wurden mit u.a. Zeltlagern dauerhaft öffentliche Räume ‚erobert‘, um
    mit unkonventionellen Aktionsformen eine junge, kreative Alternativkultur vorzuleben
    (ebd.: Kap. 5). Auffallend, wie sehr hierbei der Handlungstrieb des
    Prozessnutzens zur Erlangung von zuvor ungeübter Autonomie, Verbundenheit und
    Kompetenz reziprok zur Aktivität motiviert und durch sie für sich profitieren
    lässt (Holdgrün 2012: S. 256f.), wie es auch auf die meisten
    Katastrophenvolunteers nach dem Tóhoku-Erdbeben zutraf (Klien 2013).

    5. Protestualer Wandel? Der diachrone Blick


    Um das „opportunity set“, das den Akteuren Gelegenheiten bietet und restriktive
    Bedingungen setzt, als deren wahrgenommene Handlungschancen innerhalb eines
    sozialen Kontextes zu bestimmen, sind aus Sicht dieser die „external relational
    fields“ zu analysieren: Nach 15jährigem/Pazifischem Krieg durchlief Japan bis
    1952 als besiegter Feindstaat unter US-Administration nach der ersten Landesöffnung
    1868 erneut eine exogene „Transformation von revolutionärem Ausmaß“ (Eisenstadt
    2006: S. 379)
    [36].
    Diese baute jedoch auf diverse „transwar endeavours“ (vor dem Krieg schon
    angestoßene Bestrebungen), weshalb diese kein „umfassendes Bewusstsein und
    ideologisches Modell für Diskontinuität und Wandel“ ausformten (ebd.: S.
    369f.). Zur Steigerung des BIP wurde ein „Konvoi-Kapitalismus“ in einem
    „Grundkonsens zwischen staatlichen Organen und Großindustrie“ in Gang gesetzt,
    der 3 Jahrzehnte typisch für Japan war (Goydke 2013: S. 83f.) und es 1968 zur
    zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt machte. Dafür wurde „der Begriff
    ‚Eisernes Dreieck‘ [kangyósei] geprägt, ein Dreieck, das unter Ausschluss und
    auf Kosten der Öffentlichkeit agierte“ (Klein/Kreiner 2010: S. 445). Diese
    „Entkopplung von System und Lebenswelt“ ging jedoch mit der „Kolonisierung“
    dieser in Form „einer Unterwerfung immer weiterer sozialer Bereiche unter Marktgesetze
    […], in der Ersetzung kommunikativer Beziehungen durch Warenbeziehungen also“,
    einher (Habermas n. Sacchi 1994: Kap. 2). 1955 gefördert durch die
    Kangyósei-initiierte Bewegung „Neues Leben“ (shin seikatsu) wurde eine
    geschlechtspolare Arbeitsteilung etabliert, um in festen Rollen[37]
    „alle Mitglieder der Gesellschaft auf einen sparsamen Umgang mit den Ressourcen und auf das
    Wachstum der Wirtschaft“ auszurichten[38],
    was zum Zwecke nationaler Prosperität parteiübergreifend und von den
    Gewerkschaften mitgetragen wurde (Linhart o.A.: Kap. 8). Durch diese Art
    „industrieller Tradition“, die „spezifisch industriegesellschaftliche
    Verhältnisse als ‚immer schon so gewesen‘ und traditionell“ und „letztlich als
    selbstverständlich und unhinterfragbar“ darstellte (Lenz 1990: S. 73), und
    weiterer Tradition(alism)en (Antoni 1992) wurde eine wertkulturell verdichtete
    Gelegenheitsstruktur gefestigt, deren „narrative fidelity“ einer familienzentrischen
    Gesellschaft (ie shakai) als Master Frame für disparate Gruppen höchst
    anschlussfähig und resonierend war[39]. Diese
    so zu nennende ‚restaurative Integration‘ band das gesellschaftliche Gros so fest
    ein, dass soziale Bewegungen wie die der Hausfrauen und institutionalisierte
    Organisationen wie die Gewerkschaften ihre Frames zur Ressourcenmobilisierung
    im weiteren Sinne durch frame amplification nur in Nuancen spezifizierten,
    sonst aber voll auf nationaler Linie blieben. Nicht die Abweichung, sondern die
    Angleichung der auf hausfrauliche Anerkennung in außerhäuslicher
    Konsum-Semiöffentlichkeit resp. auf Arbeitsplatzsicherheit und
    Einkommenssteigerung zwecks Konsum abzielenden Master Frames an die Kangyósei-geprägte
    „diskursive Möglichkeitsstruktur“ (Koopmans/Statham) war integraler
    Handlungstrieb der Bewegungsakteure. Neben Patriotismus u.Ä. verführte der
    (politisch induzierte) „selektive Anreiz“, „ den Lebens- und
    Konsumstil einer prosperierenden Industriegesellschaft führen zu wollen“, zur
    geschlechtspolar arbeitsamen Ausbreitung einer industrialisierten Massengesellschaft,
    die „sowohl für eine Angleichung der Einkommen als auch eine Nivellierung der
    Lebensstandards in städtischen und ländlichen Gebieten“ (Fahrstuhleffekt)
    sorgte, was bei 90% ein „allgemeines Mittelschichtbewusstsein“ (Schad-Seifert
    2007: S. 1-7) durch das forcierte „Selbstbild einer homogenen Mittelschichtgesellschaft“
    (Bude et al. 2012: S.3) ausprägte. Dadurch wurde „Konformität von der
    Kooperation in der Produktion zur Konformität im Konsum verschoben“ und „die
    Dominanz der ‚anonymen Autorität‚ (Fromm) als typisch für eine fortgeschrittene Industriegesellschaft etabliert. Im Zuge dessen breitete sich eine „konservative Grundstimmung“ (Wright Mills) in der Bevölkerung aus, die keine plötzlichen Wechsel favorisierte und wo
    Identifikation nicht (mehr) über den Staat, sondern die (Kern-)Familie und die
    Firma als Garant eines materiellen Lebensstils gruppistisch erfolgte (Ishida
    1993a: S. 160-164). Das schließt den Kreis, in dem Konsum- und
    Wohlstandsverheißung das Gros lange ruhig hielt und es so ihren repressiven
    Anteil für „die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit“
    (Berger/Luckmann) leistete. Bis heute hat diese ‚Konspiration‘ des 1. und 2.
    Sektors allerdings zur Folge, dass Öffentlichkeit (kókyósei) und Zivilgesellschaft
    (shimin shakai) im 3. Sektor schwach ausgeprägt sind (Foljanty-Jost/Haufe
    2006), was die „politischen Chancenstrukturen für politische Partizipation […]
    traditionellerweise gering“ sein und „kaum Möglichkeiten der partizipativen
    Einflußnahme“ zuließ (Viehöver 1996: S. 54) und die Bevölkerung so ungeübt in
    die nächste Modernisierungsphase entließ.

    Die Verhältnisse änderten sich scharf, als mit 4jährigem Vorlauf 1990 eine Vermögens-
    und Immobilienblase platzte (Willam 2012) und es so nicht zur erwarteten „Pax
    Nipponica“ (Vogel 1993) durch die Standards setzende „Vorreitergesellschaft“
    (Schwinn 2006: S. 30) kam, sondern die Vorzeigenation unter Druck geriet: Die 1990er
    wurden durch die rasante Verdoppelung der Arbeitslosigkeit von 2,1 auf 5,4% zu
    einer „lost decade“ (Hommerich/Schöneck 2014: S. 9ff.), was die Vorzeichen
    einer „Vollbeschäftigungsökonomie“ umkehrte, so dass sich das „basale Institut
    japanischer Arbeitsbeziehungen“ (Hessinger 2004: S. 221f.) in einer Erosion des
    Normalarbeitsverhältnisses entsicherte. Auch wenn die 90% Mittelschicht als
    „Magie der Mitte“ (Lenk) der gewünschte Stratifikationstyp blieb, konnte der
    Glaube an sie nur durch eine v.a. in der Bildung exzessive „Hyper-Meritocracy“
    aufrechterhalten werden (Hommerich/Schöneck 2014: S. 9f.; 22).

    Folge dessen war „The Individualizattion of Relationships in Japan“ (Ishida et al. 2010) [40], die als
    Enttraditionalisierung zur Freisetzung aus der „industriellen Tradition“
    beitrug, so diese kulturelle Gelegenheitsstruktur verflüssigte und den höchst
    anschlussfähigen, resonierenden Master Frame einer stark integrierenden „Bewegung
    Neues Leben“ seiner „narrative fidelity“ als quasi Alleinstellungsmerkmal entzauberte.
    Gab es bis 1990 durchaus erste Modulationsversuche[41], so zeichnet sich
    die Zeit ab 1990 dadurch aus, dass Protestbewegungen von Grund auf eigene
    Master Frames durch frame extension (um durch neue Inhalte
    neue/individualisierte Gruppen zu erreichen) und frame transformation (um sich
    den geänderten Überzeugungen inhaltsprogrammatisch anzupassen) entwickeln
    mussten. Zugleich gab es weiterhin beharrende Kräfte, die das „opportunity set“
    ausformten: Zwar als prosperitätsstiftendes Eisernes Dreieck de facto ökonomisch
    und in Form einer „Elitentransformation“ (Giddens) weg von einer „kohäsiven
    Machtelite“ politisch sukzessive erodiert (Rothacher 2010)[42], blieb es als
    „Zirkel der Macht“ dennoch bis heute etabliert und prägend, da die
    verschränkten Beziehungen bis in die Massenmedien ausgedehnt wurden, über die
    nun (Des-)Informationen gezielt in die Bevölkerung diffundieren (Schmidt 2013:
    S. 9f.).

    „Die spezifische Struktur des Dritten Sektors“ als „Nebeneinander von wenigen
    einflussreichen starken Organisationen und vielen einflussarmen, ressourcenarmen
    Nachbarschaftsvereinigungen“ (Pekkanen) wurde durch ein NPO-Gesetz von 1998
    möglichkeitsstrukturell diversifiziert: Es ist eine „neue spezifische
    Rechtsform der gemeinnützigen Körperschaften eingeführt worden, die lokalen,
    bislang nicht eingetragenen Bürgervereinen einen Rechtsstatus bietet.“ Dadurch
    nahmen NPOs quantitativ zu und fassten als 3. Segment im 3. Sektor neben traditionellen
    Nachbarschaftsvereinigungen und Bürgergruppen Fuß. Das belässt rechtlich
    induziert dem Staat eine Zuweisungsfunktion staatlicher Outsourcings inkl.
    einflussnehmender Durchdringung, schafft hierarchische Abhängigkeiten und formt
    die drittsektorale Struktur sehr ungleichheitlich aus (s. Abb. 2 im Anhang)
    (Foljanty-Jost/Haufe 2008: S. 62ff.). Ein Aufschmelzen der „administrierten
    Gesellschaft“ (kanri shakai) (Kurihara n. Lenz 1993: S. 89) hin zu einer Bürger(selbst)verwaltung
    (shimin jichi) wird seit etwa 2000 ausschließlich auf kommunaler Ebene (quasi
    im alten ‚Heim‘ der Hausfrauenbewegung) durch diverse Partizipationsangebote
    erprobt, die jedoch trotz eines regelrechten Booms eher nur „kommunikative
    Funktion“ haben und so „im Rahmen von Entscheidungs- und Planungsprozessen als
    verwaltungsgelenkte, singuläre und wenig verbindliche Beteiligung zu
    bezeichnen“ sind (Foljanty-Jost/Haufe 2011: S. 92; 114ff).

    6. Fazit


    Vor der Conclusio zur betrachteten diachronen Protestgenese und deren sozialen Bedingungen sind Blinde Flecke der Analyse herauszustellen: Kapazitätsbedingt blieb es, wie einleitend eingeschränkt, bei einer etischen Perspektive, was frühe Syntheseleistungen japanischer
    Bewegungsforschung seit den 1980er Jahren bzgl. isoliert existierender Theorien
    in Europa und den USA ebenso außen vorlässt wie an konkrete japanische
    Bewegungen orientierte Forschungen aus emischer Sicht. Auch außen vor blieb die
    1. Modernisierungsphase Japans (1868-1945), in die diverse der kollektiven
    Biographien zurückzuführen wären und die die Grundlage für verschiedentliche
    memory frames bildet. In der seither zwar „verwestlichten“, dennoch
    „nicht-westlichen“ Industrienation (Derichs) hielt trotz des Imports der
    „Sozialen Frage“ Ende des 19. Jahrhunderts und einer „jiyú minken undó“
    [43]
    erst nach dem 15jährigen Krieg mit „shakai undó“ ein Oberbegriff für soziale
    Bewegung in Japan Einzug, zuvor wurde bewegungsförmige Aktivität konkret und
    isoliert benannt. Nicht unerwähnt darf die „Lebensreformbewegung“ (seikatsu
    kaizen undó) Anfang des 20. Jahrhunderts bleiben, die „zur Verbesserung des
    Alltags“ vom Staat initiiert worden war, der sich aus der Bewegung aber
    zurückzog, die sich daraufhin verselbständigte und anfangs
    funktional-integraler staatlicher Kontrolle entzog (Mathias-Pauer) (zit. n.
    Galbani 1997: S. 109f.). D.h., dass bereits 50 Jahre vor der „Bewegung Neues
    Leben“ eine staatsinitiierte Kampagne eine Bewegung in Gang gesetzt hatte und
    es sich somit nicht um singuläre, sondern im Zuge japanischer Modernisierungsprozesse
    um typische Formen kultureller Gelegenheitsstrukturen handelt, die die
    Definition einer sozialen stets als Protestbewegung (Kap. 2, S. 3) relativiert
    und sie anscheinend auch nicht notwendig in provokanter Opposition entstehen
    lassen muss. Diese Art von „nationbezogener Kulturalität“ diente „zur
    Vereinheitlichung der lebensverhältnisse und zur Bildung einer kollektiven
    Identität der Menschen“ und „beruht auf abgrenzenden und ausschließenden
    Differenzsetzungen“, deren wichtigste, weil grundlegende die „Genderordnung“
    ist (Mae 2008: S. 237). In diesem Lichte ist die Hausfrauenbewegung shufuren
    „in einer Grauzone zwischen fest etablierten Interessengruppen und sozialen
    Massenbewegungen innerhalb des gegebenen politischen Systems“ zu verorten, die
    „ihre politisch-orientierten Ziele in einer Mischung aus Kooperation und
    Konfrontation“ verfolgte, „auf lokaler Ebene eine aktive und bedeutende Rolle“
    spielte, doch auf nationaler Ebene hatte „sie lediglich eine repräsentative
    Stellung inne“, blieb ohne Stimme und ohne politische Partizipation auch
    konservativ (Maclachlan n. Galbani 1997: S. 110). Vergleichbares, nur mit
    betrieblicher Orientierung gilt m.E. für die Gewerkschaften. Der durch die
    geplatzte Wirtschaftsblase ausgelöste Individualisierungsprozess setzte – ganz
    im Sinne Becks (vgl. Beck 1983; Beck/Beck-Gernsheim 1993) – die Individuen aus
    klassenförmig einnehmenden Konstellationen frei, was für den Protest bedeutete,
    dass Handlungstriebe der Normkonformität zurücktraten und zunehmend von Eigen-
    bzw. Prozessnutzen abgelöst wurden; an die Stelle von „everyday kantians“ quasi
    „occasional users“ getreten sind, die sich anlassbezogen gezielt für eine tiefergehende
    lebensweltliche Umgestaltung (v.a.) auch zum eigenen Vorteil einsetzen; in einem
    Findungsprozess steht für sie auch mehr identity consolidation und darauf
    folgender transformation (am zugespitztesten bei den Neuen Religionen) im
    Vordergrund. So pluralisiert die Identitätsbildung erfolgt, so plural sind auch
    die Deutungsrahmen geworden: Wurde per diagnostic framing erfasst, wer und was
    die paternalistische, nämlich prosperitäre Ordnung gefährdete, kam im
    prognostic framing die gendergeordnete Arbeitsteilung zum Zwecke der
    Wohlstandswahrung als Lösung auf den Tisch, was lange kaum noch eines
    motivational framing bedurfte, um dafür zu rekrutieren, da in ‚restaurativer
    Integration‘ das memory framing griff. Inzwischen gibt es je nach Standpunkt
    und Perspektive der Probleme und deren Lösungen viele, die Motivierung muss
    spezifischer ausfallen und referentiell gemeinsame ‚Erinnerungen‘ sind in eine
    gruppistische Vielzahl fragmentiert. Dementsprechend bedarf es verstärkt frame
    bridging zur Herstellung neuer Gemeinsamkeiten; frame amplification, um sich
    Gehör und so Resonanz zu verschaffen; aber auch frame extension, um stets neue
    Inhalte bis zur anvisierten Meinungsöffentlichkeit auszudehnen sowie frame
    transformation, um alternativ die eigene Agenda dem ggf. wechselnden Mainstream
    anzupassen. Kurzum: Das Sammelsurium an Framing-Techniken muss in Gänze
    proaktiv angewandt und situativ neukombiniert werden, um den neuen Kontexten
    einer „Differenzgesellschaft im Familienexil“ (anstelle einer „homogenen
    Familien-Mittelschichtgesellschaft) gerecht zu werden.
    Partizipationsgelegenheiten werden de jure formal zwar stetig vergrößert, durch
    den „Zirkel der Macht“ in ‚guter alter Tradition‘ jedoch faktisch ‚gezähmt‘,
    dass die Dreifach-Katastrophe rund um Fukushima v.a. als Chance auf Protest für
    Partizipation in neuen Räumen zu sehen ist – Weiterentwicklungsprognose: offen.

    7. Literaturverzeichnis

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    8. Nachbemerkung

    Wie in der Vorbemerkung bemerkt;-), liegt nun digital aufpoliert die letzte des Quartetts und die finale des Trio skriptorale vor, was meine universitäre Beschäftigung mit Japan betrifft. Wer es bis hierhin geschafft hat, verdient Respekt!

    Nur zur Info, wer noch ganz atemlos vor Erschöpfung ist: Die Betreuerin hat diese soeben durchgelesene Arbeit mit maximal bester 1.0 bewertet und benotet. Am Ende der Kräfte, auf dem Zahnfleisch kriechend, soll mir somit das Beste aller Hausarbeiten nipponicae gelungen sein, der (gekonnte?) Glücksgriff. Wer auch dieser Meinung ist NACH DER LEKTÜRE VON KAPITEL ZWEI, melde sich im Kommentarbereich. LÜGEN IST ZWECKLOS!

    Gerade dieses Kapitel zwei ist derart ultraverdichtet, zwecks Platzeinsparung ist hier so viel Inhaltsgewichtiges in die Fußnoten ausgelagert, gibt sich relevanter Fachausdruck mit wichtigem Fachterminus die Klinke in die Hand. Und noch krasser: Just an dem Tag der Abgabe, als ich mittags nochmal Luft holen wollte, kam die Benotung der Trio-ersten Hausarbeit rein, also zur Individualisierung-These. Daraufhin, das weiß ich noch arg genau, habe ich diverse letztmögliche Eingriffe in den Satzbau und die Satzstruktur vorgenommen, habe sogar noch – kaum noch erahnbar – entzerrt und Sätze entschachtelt. Diese Version von kapitel zwei (und ebenso der folgenden) ist also bereits eine entschärfte, ein Versuch der Lesbarmachung. Ich komme schon mit meinem eigenen Machwerk klar, aber dieses berüchtigte Kapitel zwo ist so angefüllt, derart voll mit Jedwortwichtigkeit, dass man es nur höchst konzentriert Wort für Wort erlesen darf. Zumindest sollte, wollte man folgend dann meine versuchten Zuordnungen und Erklärungen nachvollziehen können. Nur wer hier aufgepasst und noch im Sinn hat, versteht allen voran Kapitel fünf mit dem großen Überblick all der Rahmen gebenden, Gelegenheiten strukturierenden, kommunikative Anschlüsse herstellenden Umstände in Japan.

    Und dennoch ist es auf gewisse Weise die konkreteste aller vier Hausarbeiten, die den zeitnächsten Bezug hat und sich – zumindest aus der Ferne, massenmedial vermittelt – auf real miterlebte Geschehnisse bezieht. Alle übrigen Arbeiten sind theoretisch fundierter, fußen auf Theorien mittlerer Reichweite, mit denen ich wie durch eine Brille auf Japan blickte. Das in Kapitel zwei geschärfte Instrumentarium ist zwar gleichermaßen wie diese Theorien in Europa/USA konzipiert worden, wollen aber konkrete Protestformn erfassen und beschreiben. Dieser Clash – detaillierter als sonst hinblickend versus mehr denn je theorieverdichtet abstrahiert formulierend – lässt mich noch heute bass erstaunt sein. Und weil das nirgendwo sonst im Quartett so sehr auseinander klafft, ist genau diese Arbeit dann optimal bewertet. Sachen gibt’s…

    EDIT vom 13.12.2021: Da brauche ich überlange Stunden, bis das Ganze umgewandelt ist, um dan doch Fehler vorzufinden. 1. In der Übersicht der Titel, wo ich den Link auf bereits online gegangene Arbeit fixte; 2. Im InhaltsVZ die Sprungmarke, damit man ohne die Zwischenlektüre sogleich ans Ende zur Nachbemerkung hopsen kann 😛

  • Als „ein auf gewisse Dauer gestelltes und durch kollektive Identität abgestütztes Handlungssystem mobilisierter Netzwerke von Gruppen und Organisationen, welche sozialen Wandel mit Mitteln des Protests – notfalls bis hin zur Gewaltanwendung – herbeiführen, verhindern oder rückgängig machen wollen“ (Rucht zit. n. Herriger o.A.: S. 2).
  • Verstanden als „öffentliche, kollektive Handlungen nicht-staatlicher Träger, die Widerspruch oder Kritik zum Ausdruck bringen und mit der Formulierung eines gesellschaftlichen bzw. politischen Anliegens verbunden sind“ (Rucht/Neidhardt zit. n. ebd.).
  • Diese gelten nicht mehr als „dysfunktional“ und „irrational“ (Massenpsychologie), die „entstehen, wenn die gesellschaftlichen Institutionen […] nicht ausreichend funktionieren“, „soziale Kontrollmechanismen versagen“ (strukturfunktionalistische Theorie kollektiven Verhaltens) und „Menschen zum Mittel des Protests greifen, wenn die Diskrepanzzwischen Anspruch und Wirklichkeit zu groß wird“ (Theorie relativer Deprivation). Damit wurden sie „auf zu schnellen sozialen Wandel, ökonomische Krisen und gesellschaftliche Integrationsdefizite zurückgeführt“ (Kern 2010: S. 3; 42).
  • Gegen patriarchalische Fesseln und pro Demokratisierung als emanzipatorische Frauen- und Bürgerrechtsbewegungen sowie in Form neuer Kooperations- und Lebensweisen als Bürgerinitiativen oder ökologische/autonome Gruppen im „Widerstand gegen die Tendenzen einer Kolonialisierung der Lebenswelt“ probten sie an „den Nahtstellen zwischen System und Lebenswelt“ eine „stille Revolution“ (Habermas n. ebd.: S. 46).
  • Als die Summe aller „Bewegungsindustrien“, die sich wiederum aus den Konstellationen aller Organisationen innerhalb einer Protestbewegung bilden und im Zuge des Wohlstand- auch ein Wachstum des Ressourcenzuflusses erfuhren (ebd.: S. 110f.).
  • „Zu diesen Ressourcen gehören Geld, Personal, Arbeit, Fachwissen, Legitimität, Informiertheit (tangible goods) und andere Dimensionen wie etwa moralische Reserven (z.B. Erinnerungen, Mythen, Opfer), Solidarität, ideologische Zugehörigkeit einer sozialen Bewegung“ (Zimmermann 1998: S. 55).
  • 4 Idealtypen: (Kostenkalkulation und Maximierung von) Eigennutzen (vgl. Prozessnutzen bei Holdgrün 2012); Normkonformität für soziale Anerkennung bestimmten Verhaltens (Stärke beim „bloc recruitment“); Identitätsbehauptung (durch identity amplification / consolidation / extension / transformation); auszulebende Emotionalität.
  • „sind kollektive Deutungsmuster, in denen bestimmte Problemdefinitionen, Kausalzuschreibungen, Ansprüche, Begründungen und Wertorientierungen in einen mehr oder weniger konsistenten Zusammenhang gebracht werden, um Sachverhalte zu erklären, Kritik zu formulieren und Forderungen zu legitimieren“ (Neidhardt/Rucht n. Herriger o.A.: S. 12).
  • Oder zum Aufzeigen von Ungerechtigkeiten injustice frames; Stärkung des kollektiven Zusammenhalts identity frames; Entwicklung von Handlungskonzepten und Erzeugung öffentlicher Aufmerksamkeit agency frames (Gamson n. Kern 2010: S. 122, FN 46).
  • Zur Mobilisierung von Mitgliedern/Sympathisanten/Ressourcen stehen 4 Framing-Techniken zur Verfügung: frame bridging zur Erlangung gemeinsamer Agenda disparater Bündnisteilnehmer durch Inhaltsaustausch; frame amplification zur Verstärkung einzelner Ideenvergrößert die kulturelle Resonanz des Deutungsrahmens; frame extension als Herausstellung neuer Inhalte zur Erreichung anvisierter Zielgruppe; frametransformation als Umdeutung/Erzeugung neuer Inhalte zur Adaptation desBewegungsprogramms an vorherrschende Überzeugungen (Neues wider den Mainstream)(ebd.: Kap. 5.3.2).
  • Zudem sei die TGS ein „definitional sloppiness“ (Kriesi), ein „Schwamm“ (Gamson/Meyer) (ebd.: S. 131), verbinde Mikro- und Makroebene nicht und mache „ad hoc“ zur Gelegenheitsstruktur, was situativ passend scheine (Opp 1996: v.a. Kap. 2f.).
  • Binnenstrukturell nach teilsystemischer Differenzierung (segmentäre Ökonomie, funktionale Politik), „funktionalen Antagonismen“ (binäre Codes wie Lehre/Forschung in der Wissenschaft), Art und Ausmaß arbeits- und interessenorganisationaler Institutionen, mit denen Protestbewegungen in Kooperenz stehen (Kern 2010: S. 134).
  • Auf der Basis „narrative fidelity“ kultureller Gelegenheitsstrukturen müssen Master Frames im Bewegungssektor diskursiv durch Modulation (Goffman) kulturell anerkannter Symbole usw. für sich Resonanz gewinnen. Je besser, sprich anschlussfähiger die Modulation kultureller Bestände gelingt, desto größer die Resonanz (ebd.: Kap. 5.4.2).
  • Analytisch 2 konträre Akteurskoalitionen möglich: mobilisierender „Provokation“ und demobilisierender „Repression“. Ihre Stärke im Verhältnis ist für den Verlauf relevant (ggf. gegenseitige „Auslöschung“) und ob staatliche Akzeptanz den Protest fundiert, der sich bei positiver Resonanz zu einer „Protestwelle“ ausweiten kann, ansonsten in bestimmten Räumen und soziokulturellen Milieus isoliert bleibt (ebd.: Kap. 5.4.3).
  • Deren Nicht-/Befolgung einherging mit den Instrumenten der Belohnung/Bestrafung in Form zu gewinnenden oder verlierenden Sozialprestige im eigenen Wohnviertel.
  • Was daran lag, dass sich kein Ernährer-Hausfrau- (Baur 2013b), sondern ein „Eineinhalb-Personen-Berufs“-Modell (Beck-Gernsheim n. Jurczyk 2009: S. 75) festigte, wo 52% der Hausfrauen i.a.R. als „part timer“ berufstätig waren (Teruoka 1990: S. 95-97), worüber sie neben der Verwaltung des Gatteneinkommens insb. die Ressource Geld bezogen.
  • Lange auf „Brautschule“ verkürzt und inhaltlich beschnitten eröffnete erst die Nachkriegsdemokratisierung des Erziehungswesens Optionen, dass 1955 nach 9jähriger Schule 47%, 1980 93,8% der Mädchen eine Höhere Schule besuchten (Langer-Kaneko 1991: S. 113) und 1989 erstmals mit 36,8% 1% mehr Mädchen auf die Uni gingen und 10.000 mehr als Jungen diese Richtung Beruf verließen (Kameda 1991: S. 130f.).
  • Eine verbraucherkooperative Genossenschaftsbewegung entstand 1951 unter maßgeblicher Beteiligung linker Parteien und der Gewerkschaften, die sich ab den 70er Jahren zunehmend als „linksunabhängig“ verstanden und deren 22 Mio. Mitglieder 2002 größtenteils Frauen sind (Schmidt 2005: S. 20ff.). Diese erwuchsen jedoch weniger aus den lokalen Hausfrauen-Gemeinschaften, sondern gründen auf freiwilliger Assoziation in den präfektural statt lokal organisierten „Han“- als Verteilergruppen (Viehöver 1996: S. 51).
  • Stadt in Präfektur Kumamoto und Chiffre für die erste Umweltkatastrophe, mit der sich die Medien Mitte der 1950er Jahre beschäftigten: Wegen ungefilterter Abwässer mit organischem Quecksilber, das 3000 Tote und 35000 widerständisch anerkannte Geschädigte forderte und Negativbeispiel einer antibürgerlichen Verwaltungsgesellschaft (Kap. 5) ist (Coulmas/stalpers 2014: Frage 20).
  • Bis zur Ölkrise 1973 gewannen Bürgerumweltinitiativen durch das zunehmende Interesse an qualitativem sozialen Wachstum an Zulauf, was sich danach wieder umkehrte und konsumförderlichen quantitativen Wachstum Vorrang gab. Die zeitweisen Koalitionen mit Gewerkschaften zerbrachen hier i.a.R., da diese zwecks Arbeitsplatzerhalt die Seite der verursachenden Industrie übernahmen (Ishida 1993a: S. 167f.; 1993b: S. 130f.).
  • Vergleichbar der historischen Haushaltszentrierung der Frauen erwächst eine kollektive Biographie der Betriebsgewerkschaften aus Japans Industriegeschichte v.a. zur Kriegszeit, als in den Fabriken auf der untersten nationalen Organisationsebene (neben den Weilern) zwecks Konformität Arbeiterorganisationen und Abteilungen gebildet und diese so gestärkt wurden, was als implizit-latenter memory frame fungiert (Ishida 1993b: 126).
  • Bis 1984 sind über Jahre konstant 27% der Gewerkschaftsmitglieder Frauen, die sich kaum in Führungspositionen fanden und deren Organisationsgrad mit 22,2% klar unter dem der Männer (32,6%) lag und weiter abfiel (Lenz 1993: S. 260).
  • Das Gewerkschaftsgesetz vom Dezember 1945 schloss zwar die Mitgliedschaft leitender Positionen aus, de facto formierten aber Vorarbeiter und Angestellte die Gründungen. „Deshalb neigt natürlich die Organisationsstruktur der Gewerkschaften bis heute dazu, der des Managements zu ähneln.“ (Ishida 1993b: S. 126f.).
  • Beispiel Toyota: 241 Betriebsgewerkschaften sind in der All Toyota Workers‘ Federation als Unternehmensgewerkschaft inkludiert, diese ist Mitglied der Automobilarbeitergewerkschaft Jidosha Soren, die dem zentralen Koordinierungsgremium der Metallarbeiter sowie dem 1989 gegründeten Dachverband Rengó angehört (Ehrke 1996: S. 1).
  • Unter „Anwendung japanischer Maßstäbe“ erfasstes, oft mit „Rückständigkeit aus der Zeit der Feudalherrschaft“ verkanntes „plus alpha“ sozialstruktureller Grundprinzipien der Gesellschaft Japans, wo ein vertikal hierarchisierter Fokus unilateral auf eine Gruppe das Primat vor horizontalen Orientierungen habe (Nakane 1993: S. 171ff.; Kap. 4).
  • Nach 1990 gegründete Neue Religionen überbetonen häufiger das Jenseits und das Leben nach dem Tod und werden von charismatischen Stiftern nicht mehr als „Übermittler von“, sondern als „lebende Gottheiten“ angeführt. Jenseitsbezug als „geschicktes Mittel“ zur Gewinnung diesseitig gestaltungsarmer Menschen (Wiczorek 2004: S. 71).
  • Sprich: Selbstbehauptungsbestrebungen wider die „Kolonisierung“ der eigenen Lebenswelt (vgl. Habermas n. Kern 2010 u. Sacchi 1994; hier in FN 4; Kap. 5, S. 15).
  • Einklammerung deshalb, weil Protestbewegungen auf der Ebene sektoraler Veränderungen analytisch abtrennbar seien von Sozialen Bewegungen, die auf „konkrete politische, ökonomische oder soziokulturelle Veränderungen innerhalb der bestehenden sozialen Ordnung“ abzielten, und somit je eigene Bewegungsarten seien (Rucht n. Gengenbach/Trunk 2012: S. 263f.), was der ‚Einheitsdefinition‘ (Kap. 2) widerspricht.
  • Von der Presse ignoriert oder von der deutschen als „Pokemon“-Protest abgetan. Das widerspricht der definitorischen Trennung von sozialem Milieu und sozialer Bewegung aufgrund der politischen und sozialen Motiviertheit dieser gegenüber jenem (Herkenrath n. ebd.: S. 264). Das entspricht dafür umso mehr der „Möglichkeit zur Entfaltung einer symbolischen Kreativität“ einer „born into feminism“-Generation junger Frauen (girls), die als „citizens, consumers, producers“ durch Mangas und Co. in „populärkultureller Ermächtigung“ zu „new heroes of popular culture“ (Harris) geworden hierüber eine „feministische Mikropolitik“ zum Ausdruck bringen (Hülsmann et al. 2016: S. 3f.).
  • „Im Sinne einer gelebten Kritik an bestehenden gesellschaftlichen Verhältnissen entgegen der Mehrheit und unter bewusster Inkaufnahme von persönlichen Nachteilen.“ (zit. n. Gengenbach/Trunk 2014: S. 267, FN 2). Das m.E. einer Mixtur aus injustice, identy und agency frame gleichkommt, da die Ungerechtigkeit der Entmündigung angesprochen wird, den eigenen Zusammenhalt stärkt und Aufmerksamkeit erzeugt.
  • Ihr Vorgänger shinsayoku undó (Neue Linke) war als Bewegung mit Einfluss in Nachfolge der Studentenbewegung von Ende der 1960er Jahre umstritten, gerierte sich selbsternannt zur Avantgarde, umfasste 1995 jedoch nur 35.000 Mitglieder (Derichs 1995).
  • Als solche könnten auch die „Friedensdemos im ganzen Land“ (Pomrehn 2016a) gesehen werden, die ihre Wurzeln wider den Vietnam-Krieg in den 1970ern hatten, sich heutzutage durch „Proteste gegen US-Stützpunkte“ (Pomrehn 2016b) förmlich als „Rebellion auf Okinawa“ (MacCormack 2015) ausdrücken und, eng damit verwoben, sich gegen die als „Verrat“ an der Geschichte betrachteten Absichten zur Aufweichung des Friedens- resp. Selbstverteidigungsparagraphen 9 der Verfassung (Makoto 2015) richten.
  • Was stark zu relativieren ist, da sich gerade Frauennetzwerke in Nachfolge der Libu undó um transnationale, aber auch und regional ganz wichtig um postkoloniale Kommunikation bemühen und dabei „als eine dritte Form der Institution neben Markt und Hierarchie“, „die eher als horizontal denn vertikal strukturierte, flexiblere Formen der Organisation […] als ein alternatives Organisationsprinzip“ wider übliche „Top-Down“-Entscheidungen, auftreten und so vielmehr lehrbuchmäßig eine Fülle an Themen einbeziehen und allerorts zur Sprache bringen (Tanaka 2009: S. 17-22).
  • Die als Soft Power-Instrument zwecks eines banalen, marktorientierten „Markennationalismus“ in die „Nation Branding“-Strategie Japans ab 2000 als „Umweltnation“ eingepflegt wurde (Raddatz 2012) und instrumentalisierte, dass seit den 1990ern ein sprunghafter Anstieg von bilateralen Umweltkooperationen zwischen Umweltgruppen und Unternehmen eingesetzt hatte, was die Vorzeichen konfrontativer Umweltproteste wie in Minamata (vgl. FN 19) nahezu umkehrt und als Hinweis auf einen Wahrnehmungswandel auf Augenhöhe, ohne den Gegensatz zwischen Ökonomie und Ökologie tatsächlich aufzubrechen, einzuschätzen ist (Brucksch 2007).
  • Die in einer „mediengesteuerten Öffentlichkeit“ die „Haltung der Bevölkerung zur Atomkraft“ und v.a. die „Risikofolgen, Risikobeurteilung und Grenzwertdebatte“ manipulierte (Schmidt 2013), dass sich eine informationelle Unsicherheit insb. bzgl. der Sicherheit von Lebensmitteln ausbreitete und sich eine informative Gegenöffentlichkeit ausbildete, die im Falle von Verbraucherkooperativen jedoch vielfach im Interessenkonflikt zwischen Verbrauchern und Produzenten liegt (Reiher 2012).
  • Als erstes Land Asiens wurde es demokratisiert: „weitgehend dieselben Ausbildungsmöglichkeiten“ im Erziehungswesen; Zerstörung der monopolistischen Wirtschaftsstrukturen (zaibatsu/Wirtschaftsimperien); volle politische Rechte inkl. Gewerkschaftsfreiheit für bürgerrechtlich gleichgestellte Frauen und Arbeitnehmer; Abschaffung des patriarchalischen „ie“-Familiensystems (Linhart 2011b: Kap. 1) und „Auflösung der wichtigsten Gewalt- und Repressionsapparate, insbesondere der Armee“ (Ishida 2008: S. 327).
  • „Die Hauptperson im Vordergrund ist der ‚salari man‘, der lohnabhängige Angestellte, der seine gesamte Persönlichkeit in den Dienst der Firma stellt. Die Hauptperson im Hintergrund ist die Ehegattin, die ‚professionelle Hausfrau‘, die ihm durch ihre Unterstützung die Kraft dazu gibt.“ (Linhart o.A.: Kap. 8) Frauen wurden so „als Ehegattinnen, Mütter und Konsumentinnen in der Mittelschichtgesellschaft integriert“ und „unter dem Klassenstatus ihres Ehemannes eingestuft“, was „stärker als in anderen Industrieländern die Institution der Hausfrauenehe gefördert hat.“ (Schad-Seifert 2007: S. 1-7) Das festigte „substanzielle Ungleichheitsstrukturen“ zwischen den Geschlechtern, wo Frauen letztlich nur als „Gastarbeiterinnen im eigenen Land“ (Weber 1990: S. 104) die „unsichtbare Seite des japanischen Aufschwungs“ (Lenz 1993) bildeten.
  • Das vereinbarte „großen Enthusiasmus über die Möglichkeiten der modernen Wissenschaften und Rationalität … mit einem Moralismus, der in der kargen (austere) Welt des japanischen Konfuzianismus der Edo-Zeit wurzelte.“ (Gordon n. Linhart o.A.: Kap. 8)
  • Zugleich fungierte dieses „Mem“ allgemein als Memory Frame insofern, dass es funktional als ‚transtime narrative‘ reflexiv die sozialen Verhältnisse bestätigte und Orientierung zur Lösung gegenwärtiger Probleme immer noch ‚im Schoße einer (Haushalts-oder Betriebs-)Familie‘ bot.
  • Dem toyotaistisch Festangestellten kamen gleichauf Freeter (free Arbeiter) in Diskontinuitätserwerb (Hommerich/Kohlbacher 2007), dass der davon besonders betroffene männliche Ernährer zunehmend zum „Ehemann als Luxusgut“ (Schad-Seifert 2013) wurde, was die Anreize zum Einhalten der familienzentrierten Normbiographie schwinden ließ und sich in einem stark geänderten Heiratverhaltens (Kottmann 2009) ausdrückt, sich bspw. ein Gros junger Männer als Herbivoren lebensstilistich vom Alten abgesetzt haben (Buchmeier 2010), umstandsbedingt „parasitäre Singles“ aufkamen und zu einer „Gesellschaft im Familienexil“ (Yamada n. Bilke 2015) führten.
  • Insb. zu nennen die Libu undó, die Anfang der 1970er Jahre durch die „Women’s Liberation Movement“ aus den USA inspiriert war, durch das UN-Jahr der Frau 1975 und das UN-Jahrzehnt der Frau bis 1985 gestärkt wurde und bei der Frauen „als Frauen ihr Selbst ganz und gar zurückerlangen wollen“, um Selbstverwirklichung in eigenen Räumen jenseits geschlechtspolarer Rollen statt realer Gleichberechtigung in einer tradiert geschlechtsgestuften Gesellschaft zu erreichen (Konkel 2013; Linhart o.A.; Terasaki 1991).
  • Was die LDP durch Einflussnahme auf Schulbücher zu kompensieren versucht, wo „Liebe zu Land und Geschichte“, „Heldentum“… gelobt werden (Zöllner 2015), was Tendenzen zur „Eskapistischen Introspektion“, „die Verehrung der Helden der Meiji-Restauration“ und eine „Tokugawa-Nostalgie“ nach sich zog (n. Rothacher 2010: S. 92).
  • Bewegung für Freiheit und Volksrechte, die keine Massenbewegung war und trotz starken Kommunikationsgrads an geringer Realisierungskapazität litt, deren Relevanz im Verweis auf „innergesellschaftliche Mißstände“ und in „den indirekt erzielten Wirkungen“ gelegen habe (Mathias-Pauer n. Galbani 1997: S. 109f.)
  • Ob Hyperraum-Umgehungsroute oder Solarpark – Hauptsache dysfunktional

    Hallo Mitwelt!

    Heute eine hyperwegige Assoziation, die mir kam, als ich beim Deutschlandfunk ein Zeitfragen-Feature hörte. Aber lest selber nach…

    Per Hyperraumexpress durch die Erde

    Bevor die Erde von der Bildfläche verschwand, sollte sie wenigstens noch in den Genuß des allerletzten Schreis der Tontechnik kommen, des größten öffentlichen Endverstärkers, der je gebaut wurde. Aber es gab kein Konzert, keine Musik, keine Fanfare, nur eine simple Botschaft.
    »Bewohner der Erde, bitte herhören«, sagte eine Stimme, und es war einfach phantastisch. Ein einfach phantastisch perfekter Quadro sound mit einem so niedrigen Klirrfaktor, daß einem anständigen Menschen das Heuten kommen konnte.
    »Hier spricht Prostetnik Vogon Jeltz vom Galaktischen Hyperraum-Planungsrat«, fuhr die Stimme fort. »Wie Ihnen zweifellos bekannt sein wird, sehen die Pläne zur Entwicklung der Außenregionen der Galaxis den Bau einer Hyperraum-Expreßroute durch Ihr Stemensystem vor, und bedauerlicherweise ist Ihr Planet einer von denen, die gesprengt werden müssen. Das Ganze wird nur etwas weniger als zwei Ihrer Erdenminuten in Anspruch nehmen. Danke.«
    Der Endverstärker verstummte.
    Verständnisloser Schrecken senkte sich über die lauschenden Menschen auf der Erde. Der Schrecken zog langsam durch die versammelten Menschenmengen, als wären sie Eisenspäne auf einem Brett, unter dem ein Magnet entlanggezogen wird. Panik schoß wieder hoch, eine verzweifelte Panik zu fliehen, aber es gab nichts, wohin man fliehen konnte.
    Als sie das bemerkten, schalteten die Vogonen ihre Superanlage wieder ein. Die Stimme sagte:
    »Es gibt überhaupt keinen Grund, dermaßen überrascht zu tun. Alle Planungsentwürfe und Zerstörungsanweisungen haben fünfzig Ihrer Erdenjahre lang in Ihrem zuständigen Planungsamt auf Alpha Centauri ausgelegen. Sie hatten also viel Zeit, formell Beschwerde einzulegen, aber jetzt ist es viel zu spät, so ein Gewese darum zu machen.«
    Wieder verstummte der Endverstärker, und sein Echo hallte über das Land. Die riesigen Raumschiffe machten am Himmel mit langsamer Kraft gemächlich kehrt. Auf der Unterseite eines jeden ging eine Luke auf, ein leeres, schwarzes Viereck.
    Währenddessen mußte irgendwo irgend jemand eine RadioStation besetzt, die richtige Frequenz gefunden und eine Botschaft an die vogonischen Raumschiffe gesendet haben, um sich für den Planeten einzusetzen. Niemand hörte jemals, was gesagt wurde, man hörte nur die Antwort. Der gewaltige Endverstärker erwachte wieder zum Leben. Die Stimme war gereizt. Sie sagte:
    »Was soll das heißen, Sie sind niemals auf Alpha Centauri gewesen? Ja du meine Güte, ihr Erdlinge, das ist doch nur vier Lichtjahre von hier. Tut mir leid, aber wenn Sie sich nicht einmal um Ihre ureigensten Angelegenheiten kümmern, ist das wirklich Ihr Problem. Vernichtungsstrahlen einschalten!«
    Licht ergoß sich aus den Luken.
    »Ich weiß nicht«, sagte die Stimme von oben, »ein lahmer Drecksplanet ist das. Ich habe nicht das geringste Mitleid.« Sie verstummte.

    Douglas Adams – fünfbändige Trilogie, Band 1: Per Anhalter durch die Galaxis – Kapitel 4

    Langes Zitat aus legendärem Meisterwerk der Science Fiction oder ihrer Parodie oder einfach einer gutgelaunten Form der Science Fiction. Insoweit man die endverstärkt beiläufige Zerstrahlung der einzigen Heimat, die man hat, als gut- statt schlechtgelauntes Storytelling einschätzt. Besser als vogonische Gedichte, erst recht vogonische Liebesgedichte[1] ist so ein gnädiges Ende allerdings allemal. Und da man nicht alles haben kann, sondern wählen muss, fällt die Wahl leicht.

    Doch um Vogonen geht es nicht oder nicht vordergründig, auf gewisse Weise sind sie aber immer zugegen. Es geht um die drei entscheidenden Sätze von Prostetnik Vogon Jeltz – ein schon auffallend russisch anmutender Name O_o -, die den bürokratisch langwierigen Planungsvorlauf hyperbewegter Expressrouten und aktuellen Status der Erde im Weg klar benennen und jedweden Einspruch plötzlich einfach so panisch werdender Menschen negieren:

    1. »Wie Ihnen zweifellos bekannt sein wird, sehen die Pläne zur Entwicklung der Außenregionen der Galaxis den Bau einer Hyperraum-Expreßroute durch Ihr Stemensystem vor, und bedauerlicherweise ist Ihr Planet einer von denen, die gesprengt werden müssen. Das Ganze wird nur etwas weniger als zwei Ihrer Erdenminuten in Anspruch nehmen. Danke.«
    2. »Es gibt überhaupt keinen Grund, dermaßen überrascht zu tun. Alle Planungsentwürfe und Zerstörungsanweisungen haben fünfzig Ihrer Erdenjahre lang in Ihrem zuständigen Planungsamt auf Alpha Centauri ausgelegen. Sie hatten also viel Zeit, formell Beschwerde einzulegen, aber jetzt ist es viel zu spät, so ein Gewese darum zu machen.«
    3. »Was soll das heißen, Sie sind niemals auf Alpha Centauri gewesen? Ja du meine Güte, ihr Erdlinge, das ist doch nur vier Lichtjahre von hier. Tut mir leid, aber wenn Sie sich nicht einmal um Ihre ureigensten Angelegenheiten kümmern, ist das wirklich Ihr Problem. Vernichtungsstrahlen einschalten!«

    Geplant. Aushang. Einspruchs- und Vorschlagsfristen. Verstrichen. Chance gehabt. Chance vertan. Umsetzungsvollzug! In diesem bürokrat(ist)ischen Autopiloten erfolgt die Schritt-für-Schritt-Realisierung der paragrafschaftlich-vollstreckungsinstanzlichen Abarbeitung. Erstaunlich höchstens, dass man auf bestes Behördendeutsch verzichtet hat. Der Autor muss Engländer sein, wenn er auf diesen Clou verzichtet hat. So blieb die Ansage der Vogonen verständlich und labyrinthisierte sich nicht in ciceronischen 81-Worte-Sätzen mit parallelen, tangentialen und kreuzweisen vielschichtig ein- und zwischengeschobenen Sinnfragmentierungen ohne Ariadne zur hand. Man hätte ganz ohne panische Abwehrmechanismen die Menschheit per akribisch pflichtbesessener Bürokratie überwältigen und im stahlharten Gehäuse der Hörigkeit Schach matt setzen können. Man stelle sich doch nur vor, Prostetnik Vogon Jeltz hätte sich eifrig und mit dichterischem Engagement ganz nach seiner Art Schwell- und Streckformen aka Funktionsverbgefügen befleißigt. Er hätte der Meinung sein können,
    die Menschheit keiner Panik-Prüfung unterziehen und ihr quadrosoundig Nachricht geben zu müssen, sondern per schicksalhafter Würfelung den Vollzug in Kraft treten zu lassen. Doch so sprach er nicht. In Prostetnik Vogon Jeltz ist kein Nominalstilist verlorengegangen. Vielmehr ist er Liebhaber schnörkellosen Tacheles mit einem tendenziösem Hang zur Überdirektheit. Tödlich – manchmal tödlich.

    So also meine umwegigen Sinnbeziehungsgeflechte aus und hinfort der Realität hin inmitten der fünfbändigen Trilogie als letzteinzige ihrer Art. Doch was kann mich diesseits der vogonenlosen Realität so sehr erschüttern, dass ich freiwillig an Prostetnik Vogon Jeltz denke???? O_o Welcher reale Wahnsinn kann mit diesem (W)Irrsinn mithalten?

    Irdische Verstrahlungen

    Dieser:

    Der Solarpark sei ja bisher nur ausgewiesen, entgegnet Giese. Wie und was gebaut werde, sei ja noch gar nicht beschlossen. „Ob der jetzt 200 Hektar groß wird oder 50 Hektar oder 30 Hektar oder zehn Hektar. Das weiß doch kein Mensch jetzt.“ Trotzdem seien sie „ein bisschen überrascht und überrumpelt worden durch die Veröffentlichung im Amtsblatt“, wiederholt Uhlig.
    „Da war vorher eine Einladung da.“
    „Also bei uns nicht. Wir haben keine Einladung bekommen.“
    Im Amtsblatt würden die Themen behandelt und aufgeschrieben, meint Giesen: „Nächste Sitzung ist das und das Thema. Da sollte man auch mal hinkommen. Das ist unsere Öffentlichkeitsarbeit.“ Ein Wort gibt das andere. Jürgen Giese wehrt sich. Schließlich stehe es jedem frei, zu den Gemeinderatssitzungen zu kommen. Aber es sei ja nie einer da, „oder ganz, ganz wenige“. Das werde sich nun ändern, meint Uhlig. „Wenn hier nicht das Dorf ausverkauft werden soll an die großen Energiekonzerne, dann müssen wir uns zusammensetzen.“

    Peter Podjavorseks Beitrag bei DLF-Zeitfragen: Ein Solarpark spaltet ein Dorf – Kein eitel Sonnenschein

    Wo sind wir und worum geht es? Tatort ist das 400 Einwohner*innen-Dorf Tempelfelde im Landkreis Barnim in Brandenburg nahe Berlin. Wie dem Zitat zu entnehmen, soll hier ein Solarpark errichtet werden. Weit mehr als nur mit Solaranlagen bestückte Dächer, sondern eine (bis zu) 200 Hektar, 280 Fußballfelder große Fläche, über die Solarpanele gestellt werden sollen. Und von alledem wollen die Einwohner*innen vorab nichts gewusst haben:

    „Wir wurden nicht im Vorfeld informiert. Wir haben einige Gemeindevertreter, die bei uns hier eigentlich regelmäßig zu Gast sind, mit ihren Kindern, mit ihren Enkelkindern.“ Auch die hätten sie nicht angesprochen. „Es gab auch nach unserem Kenntnisstand keinen Aushang im Schaukasten. Also wir sind völlig überrascht“

    Juliane Uhlig zitiert nach DLF-Beitrag>

    Wer denkt da nicht an die Menschheit, die von den vogonischen Herumtrieben trotz Aushängen auf Alpha-Centauri über 50 jahre hinweg etwas überrascht wurde. Den Beitrag als Transkript oder vorzugsweise als Audio in Gänze kann ich nur empfehlen, denn er macht die vielverflochtene Verworrenheit von Gewolltem und Gesolltem ebenso deutlich wie völlig aneinander vorbeilaufende Zielinteressen samt so entstehender Ziel-KONFLIKTE.

    Bürger*innen, die sich selbstentmündigt solange passiviert haben und so sich selbst genügsam genug sind, bis ihnen etwas Verordnetes gegen den Strich geht, wogegen sie sich dann in nachholender Aktivität umso wutbürgerlicher stemmen. Politik einschließlich Verwaltung, insbesondere erstere im Eifer alltäglicher Praxis ihren Existenzsinn aus dem Sinn verliert, nämlich als Repräsentanz des Wahlvolks für dieses und in deren Sinne zu arbeiten, bzw. letztere, diesen Sinn zu büropraktisch realisieren.

    Doch was droht? Mitnichten kosovarische Verhältnisse als schwarze Lunge Europas, wo 95% des Stroms aus lokaler Braunkohle erzeugt werden und die Luft dementsprechend lungenkrebsförderlich dicht ist wie eine Handvoll Ruß. Zugegeben “stehen in unmittelbarer Umgebung des 400 Einwohner zählenden Dorfes bereits über 70 Windräder, ein weiterer Park mit fünf Windrädern, über 200 Meter hoch, wird demnächst in einem benachbarten Naturschutzgebiet gebaut.“ Die berüchtigte Verspargelung scheint in Sichtweite und die Frage, wie gut dieser Ökostrom mit Tier-, speziell Vogelschutz vereinbar ist, wäre zu stellen. FÜR MICH ohnedies DAS Fragwürdigste, wozu man naturschutzgebiete ausweist, wenn man sie durch Zubau dann NICHT schützt, sondern freimütig für Flächenfraß ausnutzt. Wer mir Sinn und Zweck von sogenanntem Naturschutz und sogenannten Naturschutzgebieten erläutern kann – Kommentarbereich bitte.

    Juliane und Gatten Steffen droht hingegen, dass ihr über Jahre aufgebauter Ponyhof, der kindertherapeutisch genutzt wird, ohnehin schon von zwei Starkstromleitungen überspannt wird, eine dritte im Bau ist und ihr Gelände nun von drei der vier Seiten durch den Solarpark „umzingelt“ werden soll. Es ist, so höre ich es raus, in erster Linie die verbitterte Enttäuschung über prophylaktischen Ausschluss aus Beschlüssen, weshalb die zunächst rein optische „Umzingelung“ umso gewichtiger zum negativen Halo-Effekt wird, der nicht mehr zu übersehen ist. Denn wo Windparks Lärm machen, der stören kann, schnurrt ein Solarpark höchstens.

    Ein Solarpark sei dagegen ein Paradies für die Biodiversität, „wenn man ihn richtig baut. Da findet keine Versiegelung statt. Da werden paar Pfosten in die Erde reingerammt. Die kann man sehr schnell wieder zurückbauen. Gleichzeitig hat man den Vorteil, dass keine Pestizide mehr aufgetragen werden in so einem Solarpark, dass keine Düngung stattfindet. Wir haben also keine Belastung der Grundwasserschichten durch eine Überdüngung.

    Das ist wie eine Kur für einen Boden, dass er eben nicht mehr intensiv genutzt wird durch konventionelle Landwirtschaft, sondern dass er ganz extensiv benutzt wird. Es baut sich eine Humusschicht auf über die Jahre, und es findet praktisch eine Entgiftung des Bodens statt.“

    Einer Selbstverpflichtung des Bundesverbandes Neue Energien zu Folge sollten Solarparks vor allem auf Flächen mit intensiver Landwirtschaft oder auf nährstoffarmen Böden gebaut werden. Die Flächen sollten zudem so gestaltet werden, dass sie die Artenvielfalt von Flora und Fauna erhöhen. Dazu lassen sich zum Beispiel Streuobstwiesen, Gehölze, Hecken, Feuchtgebiete oder Nistkästen anlegen. Unter den Modulen können zum Beispiel Schafe oder Bienen gehalten werden.

    Aus DLF-Beitrag

    Kurzum: Solarenergie ist besser als Windkraft! Selbst als Solarpark lässt sich die Solarenergieerzeugung viel besser in die – bestehende! – Landschaft integrieren, ja sogar problemlos umpflanzen. Hecken, die nicht nur störende Sichtlinien nehmen, sondern nachweislich hervorragende biotopische Klimaretter sind, deren Anpflanzung vieldimensional nur gut sein kann.

    Doch es gehe gar nicht um ein Dagegen, gegen Erneuerbare Energien; nur die unabgesprochen geplante Lage und die Ausmaße seien ein Problem. Bürger*inneninitiativ hat man daher Alternativen erdacht, die darauf hinauslaufen, kleinflächiger oder/und standortversetzt zu bauen. Nimbys (Not in my backyard – Nicht in meinem „Hinterhof“) sei man ausdrücklich nicht. Vielmehr gehe es um Folgendes im ländlichen Brandenburg:

    „Wir wohnen hier auf einem Dorf mit 300, 400 Einwohnern. Hier fährt am Sonntag kein Bus, am Samstag auch nicht. Wir haben keine Radwege. Wir haben keine Kinos. Wir haben keine weiteren kulturellen Einrichtungen“, führt Höppner führt aus.

    „Das einzige, was wir hier noch haben, ist Freiraum und Kulturlandschaft. Deswegen engagieren wir uns auch dafür, dass das nicht komplett zerstört wird. Sonst gibt es gar keinen Grund mehr, hier auf dem Land zu leben, wenn wir umzingelt von Energieproduktion sind.“

    Harald Höppner im DLF-Beitrag

    Im Grunde kommt hier zum Ausdruck und Ausbruch das wechselhafte Verhältnis von Stadt und/versus Land. Es geht um Prozesse von Verstädterung (Urbanisierung) sowie Suburbanisierung, bei der die Stadtränder bzw. das städtische Umland gegenüber der Kernstadt an lebensweltlicher Bedeutung gewinnen; von Deurbanisierung (Entstädterung) und Reurbanisierung als Aufwertung der (bestehenden) Kernstadt mit neuen Konzepten für umzufunktionalisierender Innenstädte in Zeiten von Pandemie und hin zu digitalkonzernierter Silicon Cities (bis August 2022 abrufbar). Am Rande oder außen vor dieser urbanzentrischen Fixierung müssen die Dörfer vom Kaliber Tempelfelde gucken, wie sie sich umorientieren, sprich ändern, um zu bleiben.

    Immerhin hat man in Tempelfelde keinen Elon, dessen (Aus?)Lachen man aushalten und gegen dessen milliardenstarken Namen man ankommen muss. Auffallend allerdings, dass wir A) gleichermaßen in Brandenburg bleiben und B) Sankt Elons Gigafactory inmitten eines WASSERSCHUTZGEBIETES errichtet wird. Ganz klar anzusagen ist allerdings auch: wo es bezüglich Solarpark, der größte Deutschlands übrigens, primär um sichtlinierte Störungen geht, ringt man in Sankt Elons Windschatten um den lokalen Wasserhaushalt: Wassermangel macht Brandenburg zu schaffen. Mit dem Grundwasser sinken auch Pegel etlicher Seen. Während sich Private einschränken müssen, können Konzerne weiter prassen – worüber Bernd Müller bei Telepolis berichtet. Das sind dann doch nochmal ganz andere, zutiefstgreifende Problemlagen, die da im Kielwasser eines Leuchtturmprojektes, das alles überstrahlt, drohen.

    Die Frage ist, ob Juliane, Steffen, harald und Co – man habe 200 (von 400?) Stimmen quasi als „Volksbegehren“ beisammen – weniger aufgebracht und besorgt wären, wenn es besagte Windanlagen nicht schon gäbe. Mir scheint, dass sie sich nun am Besten, was ihnen passieren könnte, übemräßig ereifern, weil der Solarpark der berühmte Tropfen ist, der das schwelende Fass zum Überlaufen bringt. All die Vorteile relativ dünn besiedelter Flächen in den östlichen Bundesländern wie Brandenburg werden behördlich zunichtegemacht, indem man wie auf freiverfügbaren Freiflächen verfährt und die – vergleichsweise noch so wenigen, immerhin und wenigstens überhaupt noch vor Ort weilenden – Bewohner*innen übergeht. Diese fühlen sich überfahren, wie irrelevant außen vor gehalten, nicht an-, geschweige denn eingebunden in die Ausgestaltung des eigenen Wohn- und Lebensraums. Das ist umso fataler, da es ohnehin eine depoliitisierte Haltung oder enttäuschungsgetriebene Neigung zur AfD gibt, woraus nichts Produktives erwachsen kann und wird. Wenn dann noch, wie im Beitrag erschreckend deutlich gemacht, nicht MIT, sondern hinterrücks abgesprochen gegen die eigene Bevölkerung gearbeitet wird, muss man sich nicht wundern.

    Verzwickte Lage

    Bis hierhin. An diesem Beispiel und im Lichte der science fictionalen Assoziation wollte ich mal aufzeigen, wie vielschichtig, vor allem aber interessensverknäuelt und zumeist erschütternd dyskommunikativ die unumgänglich notwendige Energiewende auf solch Weise versandet wird. So supernovaklar es auf der Sachebene ist (s.o.), so sehr verkackt man es bereits auf der Appellebene, indem man mehr vorgibt und befiehlt, statt dass die zuständigen Stellen sich als beziehungsfähig erweisen. Stattdessen offenbaren sie, wie im vorliegenden Fall, nur ihr demokratiefragwürdiges Selbst, wo man sich auf Formalia zurückzieht, als wäre man Vogone. Damit chließt sich der Kreis. Dennw ie sehr auch immer die Bürger*innen ihrerseits durch uninteressierte Passivität die Sache AUCH SELBER ausgesessen haben, sich unbetreut nicht von selbst eingebracht haben, so wenig wurden sie anscheinend je zur Teilnahme animiert; geschweige denn dass man ihnen sachdienliche Informationen barrierefrei – und nicht etwa Lichtjahre unzureichend entfernt – zugänglich gemacht hätte. Es passiert halt, ohne zielführenden Gestaltungswillen. Schlimm, vor allem weil unnötig, da so einfach andersmachbar.

    Und letztlich hat sich hier realisiert, ist das unwahrscheinlich Widersinnige rückgestürzt, worüber sich schon Prostetnik Vogon Jeltz ereifert hat: 1. Wie sie gewiss wissen – was sie dummerweise nicht wussten; 2. Dass der Gemeinderat doch tagte, wie im Amtsblatt einsehbar, welches nur noch nie je ein Nichtbeamter freiwillig gelesen hat und somit für niemanden je als Informationsquelle taugte; 3. Dass Alpha-Centauri doch nun wirklich neben an ist und jederzeit im fraglichen Zeitraum hätte aufgesucht werden können. Ja, wenn 1. Und 2. Nicht schon in den Sand gesetzt worden wären, wäre die einladende Verwaltungssession sicherlich als Tagesausflug in Frage gekommen. Ob Naturpädagogik mit Ponys auf dem Tempelhof oder den Abend im Amtsstübchen verbringen – die Qual der Wahl. So besteht mangels debugten Programmcodes keinerlei gegenseitige Anschlussfähigkeit der beteiligten Systeme, um es mit Niklas Luhmann systemtheoretisch auszudrücken. Dabei hätte die Verwaltung seit beinahe 60 Jahren Zeit gehabt, sich ihrer irritierenden Umwelt bewusst zu werden und sich auf sie einzustellen. Dass man nicht einmal auf den Soziologen gewordenen Verwaltungsbeamten Luhmann gehört hat, der das Wesen, Wohl und Weh der Verwaltung Anfang der 1960er Jahre dezidiert beschrieben und analysiert hatte. Schon damals – noch vor 68 – gab es diese Bürger mit Eigensinn. Damit auch mal was gelingen kann und nicht alles BER bleibt, wäre ein vorzeitiges Aufeinanderbeziehen … wünschenswert. Vergleichbare Konfliktfelder je mehrerer involvierter Parteien gibt es quer durch die Energiewende zahlreiche: so bspw. an der oberen Isar und dem dortigen Wasserkraftwerk genauso wie zur Streitfrage nach biodiversen oder bauholzig ökonomisierten Wäldern, erst recht wenn Holz für das Bauhaus Erde und CO2-Senke zunehmend gefragt ist.


  • Zum überlesenden Entinnern:

    “Oh zerfrettelter Grunzwanzling, dein Harngedränge ist für mich
    Wie Schnatterfleck auf Bienenstich.
    Grupp, ich beschwöre dich mein punzig Turteldrom.
    Und drängel reifig mich mit krinklen Bindelwördeln
    Denn sonst werd ich dich rändern in deine Gobberwarzen
    Mit meinem Börgelkranze, wart’s nur ab!“

    Per Anhalter durch die Galaxis, Kap. 7

  • Der Hobbit – Des Königs unter dem Berg Erläuterungen

    Hallo Mitwelt

    Folgend nur kurz notiert, was ich beim Onlineanbieter meines Vertrauens, der nicht mit A beginnt, als kleine „Rezension“ eingestellt habe. Sogleich die eingeräumten 5.000 Zeichen nahezu ausgereizt 😀 Kürze? Würze? LOL Im Übereifer die Canterbury- zu den Chaucer-Erzählungen (s.u.) verkannt O_o Fürs Blog exklusiv Links ergänzt, denn hier ist Internet, unendlicher Hypertext, wohin noch kein Mensch je hat geklickt… Oder so ähnlich;-) In jedem Fall inhaltlich quasi Die Rückkehr der Facharbeit

    “Rezension“ zu:

    Königs Erläuterungen und Materialien – Band 402 – Erläuterungen zu J.R.R. Tolkien: Der Hobbit – von Matthias Bode – 2., ergänzte Auflage 2002, Seiten 101 (Anmerkungen zur PDF-Version)

    Inhalt

    Vorwort, 5 Kapitel und Literaturverzeichnis
    Kapitel 1 „J.R.R. Tolkien – Leben und Werk“: zur Biografie, zum zeitgeschichtlichen Hintergrund und mit Angabe und Erläuterung wesentlicher Werke
    Hauptkapitel 2 „Textanalyse und Interpretation“: zur Entstehung, Aufnahme und Wirkung von Der Hobbit; zur ausführlichen Inhaltsangabe; zum Aufbau; zu Personenkonstellation und Charakteristiken; sachliche und sprachliche Erläuterungen; Stil und Sprache; Interpretationsansätze
    Kapitel 3: Themen und Aufgaben
    Kapitel 4: Rezeptionsgeschichte
    Kapitel 5: Der Hobbit und Der Herr der Ringe

    Anmerkung

    Bin einst über das wunderbare WDR-Hörspiel zum Hobbit gekommen, las und hörte seither mehrfach Hör-/Buch in alter und gekürzter Der kleine Hobbit und vorlagenkorrekter Der Hobbit Version. Ja und die Filme gab es auch noch… Bin also seit Jahren Hobbit-vertraut und war schlicht interessiert, was man denn im Schulsetting als Lehrer*in alles aus dem Buch herauszulesen angeregt wird.

    In Summe: Allerhand. Insgesamt ein sehr gelungenes Begleitbüchlein, um unkundige Lehrer*innen und interessierte Schüler*innen vorab oder begleitend mit wesentlichen Aspekten rund um Der Hobbit vertraut zu machen und ihnen reichlich Denkanstöße und Orientierungen für eine Auseinandersetzung im Schulunterricht an die Hand zu geben – 4 Sterne

    Kritik

    Vor allem, dass die „2., ergänzte Auflage“ aus dem jahr 2002 stammt, alle referierten und angegebenen Lektüren aus dem letzten Jahrtausend sind, nicht auf aktuelle Auflagen und Lieferbarkeiten in nunmehr 19 Jahren(!) aktualisiert worden und man bei Die Gefährten / HdR-Film1 der Trilogie stehengeblieben ist! Das macht diesen ansonsten hilfreichen Leitfaden inhaltlich mitnichten, aber in Sachen Benutzbarkeit fast unbrauchbar.

    Inhaltlich nur randständige Kleinigkeiten, so zum Beispiel: Dass neben Thorin die übrigen 12 Zwerge quasi keine eigenständige Rolle einnehmen, ist korrekt. Dennoch hätte man ihnen im langen Unterkapitel 2.4 einen Unterpunkt einräumen müssen, wie ihn noch so kurz Beorn oder selbst Orks&Goblins bekommen haben. So war zwar nur ab und an bspw. Balin in seiner ruhigen, akzeptierenden Art für Bilbo wichtig, Fili und Kili als Jungspunte dann doch immer wieder aktiv und Bombur musste zu oft Fett wegstecken. Auch anzusprechen, wieso es 13 Zwerge und zusammen 15 Reisegefährten sind – Stichwort Zahlensymbolik. Ebenfalls fehlen hier die Trolle, die schon ihrer Eigennamen wegen hätten Platz bekommen sollen. Die sonstigen Charakteristika sind hingegen richtungsweisend und fassen sehr viel zusammen, was die Figuren ausmacht und wofür sie im Handlungskontext stehen.

    Lob

    Sehr gut wiederum, dass von Anfang an und immer wieder darauf verwiesen wird, dass mit dem Silmarillion eine Welt gedanklich bereits aufgespannt worden war, in die hinein sich Der Hobbit einpasst, und dass mit dem Herrn der Ringe etwas folgte, das stilprägend werden sollte. Der Hobbit bleibt also keinmal „nur“ losgelöstes „Kinderbuch“ ohne Anknüpfungen. Interessierte sind sofort im Bilde.

    Viele der Interpretationsvorschläge – story of initiation, Queste, Helden(reise), unerklärte Ausblicke (auf die große weite Welt) und die Anleihen beim Beowulf – sind durchweg gut dargestellt, hergeleitet und anregend. Von Geoffrey Chaucer und den Chaucer-Erzählungen, von denen vielfach die (auktoriale) Erzählweise entlehnt/inspiriert ist, erfuhr ich hier zum ersten mal und lese sie jetzt mit Gewinn. Dass der Beowulf für HdR-Buch 3 (erste Hälfte von Die zwei Türme) Schöpfungsquell war, war mir bekannt; wie sehr er auch für den Hobbit Pate stand, hatte ich noch nicht bedacht.

    Exzellent, dass und wie oft Autor Matthias Bode Tolkien selbst buchstäblich zu Wort kommen lässt, nämlich indem er ihn ausführlich aus seinen Briefen
    (als “Briefe“ broschiert just neu aufgelegt) zitiert. Das sehr passend und so Intentionen und Ideen nachzeichnend.

    Fazit

    Schönes „Sachbuch“ zur Lektüre, die die versprochene Orientierung bietet, fingerzeigt und zum Weiterdenken und Recherchieren anregt. Wer darüber hinaus philosophische Implikationen vertiefen will, greife zu Die Philosophie bei „Der Hobbit“; wer mehr zum perfektionistischen Schaffungsprozess erfahren will, lese sich in Das große Hobbit-Buch ein und staune der narrativen Wege, die Tolkien einschlug.

    Nachschlag

    Dass es seit 19 Jahren keine Aktualisierung, keine dritte Auflage gegeben hat, ist ein umso unverständlicheres wie unnötiges Ärgernis, da es – zugegeben ein Jahrzehnt nach Auflage zwo – den ultimativen, bestmöglichen Anlass gegeben hatte: Auftakt der Hobbit-Filmtrilogie mit anhaltender Aufmerksamkeit bis (enttäuschtem) Hype über gut 2, eher 3 Jahre hinweg. So richtig begeistern haben sich mutmaßlich nur die im LICHTSPIELHAUS vom Machwerk lassen, wo Nr.1 je 9, Nr.2 sogar 8,5 bis 10 und Nr.3 noch je 8 von 10 Powersternen erhalten hat. Da hatte es andere Meinungen gegeben;-)

    In diesem Windschatten und Kielwasser des illusorisch-industriellen Komplexes hätte man sich einer Nächstauflage angesichts des gesteigerten Hobbit-Interesses durchaus befleißigen dürfen. So hat Klett-Cotta, der deutsche Verlag für „Tolkien-Bücher“, diesen aufmerksamkeitsökonomischen Zeitraum sehr wohl zu nutzen gewusst für neuplatzierte Hobbit-Ausgaben aller Arten. Das wiederum hatte zur Folge, dass die in den Königs Erläuterungen gemachten Angaben zu den referierten Ausgaben obsolet wurden. Anlass zur Revitalisierung? Leider nein.

    Ja selbst die lange eher lizenzbehutsame analoge Brettspieleszene fühlte sich berufen und hat manch spielenswertes Spiel herausgebracht, so…:

    • mit Der Hobbit: Eine unerwartete Reise sowie Der Hobbit: Smaugs Einöde zwei Spiele zu den Filmen teils mit Bildern aus den Filmen ebenso im KOSMOS-Verlag erschienen wie
    • auf Grundlage des Buches schlicht Der Hobbit von tausendsässigen Profiautor Reiner Knizia. Obacht: Kommendes Frühjahr kommt von ihm „Kampf am Einsamen Berg revisited“ ohne Lizenz heraus, daher betitelt als Die Schlacht von Runedar!
    • Und für alle, die Risiko überstanden haben, nicht schon hieran gescheitert sind, gibt es das absolute Experten-Nerd-Spiel zum Buch: Die Schlacht der Fünf Heere!!!
    • Apropos Risiko: eine echt gut adaptierte Version hat es zu Der Herr der Ringe gegeben, die spätestens mit der Erweiterung Gondor und Mordor und mit der Komplettierung der Mittelerde-Karte als Spielfeld sehr thematisch stimmig zu bespielen ist. Irritierend, dass man sich daher bei Hasbro / Winning Moves den Hobbit als Lizenz und Verbrettspielung hat entgehen lassen. Die finale Schlacht der Fünf Heere hätte sich doch mehr als nur angeboten…

    So viel als kleiner Schwenk nebst dem eigentlichen Buch-Pfad rund um Der Hobbit. Wie viel – sicherlich auch üppig an Merch-Müll – rund um den Film-Impakt herausgekommen ist, sich niemand die Chance hat entgehen lassen, macht umso bass erstaunter, wieso Königs Erläuterungen da untätig geblieben war und die krasse Ausnahme bildete. Schade drum – en detail. Denn die anregenden Interpretationen und guten Hinweise hätten eine Nachpflege verdient gehabt!

    EDIT vom 26.11.2021: gesamter „Nachschlag hinzugedichtet