ATLANTIS 05 – Die Kralasenin

Hallo Mitwelt!

The story goes on and ever on… ATLANTIS 05 heute mit weitreichenden, tiefschürfenden Enthüllungen, richtungsweisend, Ich-Du-graphisch sowie mit einer galaktozidalen Metaebene, um die es überbaulich geht. Die Handlung verdichtet sich zuhörends mit Altgeschriebenem. Doch lese UNVERKNAPPT (*HUST*) selbst!

Inhaltsverzeichnis

Die Handlung


Michelle Stern – ATLANTIS 05 „Die Kralasenin: Ein Terraner in Gefangenschaft – er stellt sich seiner erbitterten Feindin“

Im fünften Band gibt sich eine Autorin die Ehre, die sonst für die wöchentliche PERRY RHODAN-Serie schreibt: Michelle Stern stellt in diesem Roman eine ungewöhnliche Arkonidin vor.
Sie erzählt in »Die Kralasenin« die Herkunftsgeschichte von Perry Rhodans aktueller Gegenspielerin. Wer ist die mysteriöse Rowena, die am Anfang der Atlantis-Geschichte steht? In welcher Beziehung steht sie zu Atlan, und warum jagt sie Rhodan so unerbittlich?„Michelle Stern und ‚Die Kralasenin'“ auf der PERRY RHODAN-Homepage

Der Roman selbst geht in die Tiefe des Arkon-Imperiums; man erfährt mehr über die titelgebende Kralasenin und ihre Herkunft, und man versteht, warum sie und Atlan sich so gut verstehen. Aber natürlich geht es auch um die aktuelle Situation, in der sich Perry Rhodan, Sichu Dorksteiger und Caysey – die drei sind ja gemeinsam unterwegs – derzeit befinden. Das gibt durch die Perspektivwechsel eine abwechslungsreiche Handlung, die sich wunderbar in die bisherige Story unserer Miniserie einordnet …KNF auf seinem Blog zu ATLANTIS 05 „Die Kralasenin“

Maahks-Welt Galkorrax: Das Trio atlantis wird von Atlan kurzerhand zur Exekution freigegeben! Doch Rowena kann mit Verweis auf deren Wissen rund um das Talagon erfolgreich intervenieren, denn man orte es auf der LT4. Das scharfe Verhör alleine durchzuführen, konnte sie jedoch nicht durchsetzen. Atlans Flaggschiffkommandant der TOSOMA und alter Freund Tarts soll sich auf Atlans Befehl beteiligen.

Dieser kümmert sich nicht zielführend um die beiden Damen, derweil Rowena separiert festgesetzten Perry alleine sprechen kann. Dieser ‚beredet‘ sie so gekonnt, dass sie ihm zuerst ihre Lebensgeschichte erzählt, bevor er seine Herkunft offenbaren soll: im Strudel der Usurpation Orbanaschols III. 8040 v. Chr., der Atlans Vater Imperator Gonozal VII. zum Opfer fiel, folgte eine weitere „Säuberung“ gegen den Khasurn der Gonozal. Rowenas Eltern wurden exekutiert, diese konnte als Baby von ihrem Leibwächter Konoth gerettet und fern von Arkon aufgezogen werden. In Dagor-Techniken und dem psimystischen Zhy unterwiesen, wollte jungerwachsene Rowena der für sie bedrückenden Enge jedoch durch eine „Zwangsehe“ entkommen, die im Sinne Orbanaschols III. mit ihm genehmen Khasurn arrangiert ist. Obwohl ihr Gatte in spe sie mit Minne umgarnte, fühlte sie sich abgestoßen und trickste beim „Kristalledikt“ (Ehevertrag), indem sie ihn einer Nichtehe zustimmen lässt. Von da an hatte sie einen Feind fürs Leben.

Dennoch wurde sie weiters als Kralasenen-Azubi zugelassen, nachdem sie vor Orbanaschol erniedrigend ehrerbietig niederkniete. Sie musste die elitäre Ausbildung zum „Bluthund des Imperators“ aber familiennamenlos bestreiten – eine soziale Degradierung und Demütigung sondergleichen. Sie bestand aber alle Prüfungen und Hürden, entging einer Vergewaltigung ihres rachesüchtigen ‚Freiers‘ und bekam sogar im Zuge der Ark Summia ihren Extrasinn freigeschaltet. Als es gegen Atlans Rebellenarmee zum Showdown auf Arkon I im Kristallpalast kam, verdichtete es sich zum Duell, in das Rowena zugunsten Atlans eingriff. Auf dessen Seite konnte sie sich nach Obsieg des Kristallprinzen schlagen, dem sie als einzig verbliebenes Familienmitglied zutiefst treu ist.

Bevor Perry Rowena in seine zeitreisenden Verstrickungen einweiht, erfährt er von ihr noch, wieso Atlan mit Maahks inmitten des Methankrieges paktiert: diese hätten mit dem Talagon eine ultimative Vernichtungswaffe „gefunden“, mit der sie die Arkoniden ausrotten könnten, jedoch auch Zigmilliarden Maahks sterben würden. Zwar nicht in der Lage oder willens, wider Befehle zu handeln, wollte der Maahk Geektor das dennoch vermeiden und sponn Atlan ins Komplott ein, das Talagon zu vernichten – notwendig nur in einem Schwarzen Loch und unter Aufbietung eines Opfers, da nur ein Lebewesen das bewerkstelligen könne. Das will und kann Rowena nicht zulassen, dass Atlan dieses Opfer für sein Volk wird, weshalb sie wiederum wider seine Befehle eingegriffen und das Talagon zu entsorgen versucht hat.

In der Handlungsgegenwart (30.03.8005v.Chr.) konspirieren nun Rowena und das Trio atlantis, um an das von Caysey irgendwo an Bord der BEST HOPE versteckte Talagon zu gelangen, um es nun aber wirklich zu vernichten. Doch ihre Aktion bleibt nicht unerkannt, sie werden kurz vor dem Ziel aufgegriffen …

1. Vom Veteranen zur Stammautorin


Das letzte Mal war mit Olaf Brill ein altgedienter Veteran miniserialis am Griffel, der schon in zwei Dritteln der Miniserien mit elf Heftromanen beitrug – mit noch mehr in spe. Dieses Mal hat sich das Blatt gewendet: Michelle Stern als zweite atlantisch beitragende Autorin, hat mit „Die Kralasenin“ das wahrlich und echt erste Mal ihre Hand in die Schreibmühle einer Miniserie gelegt. Trotz achtfacher Chance hierzu hat sie erst jetzt den Weg in die skriptoralen Minikosmen von Perry Rhodan gefunden.

Das wohl auch, weil sie auch so schon gut zu tun hatte, denn: Michelle Stern, die als Frankfurterin von letzter Mittwochnacht an anhaltend ggf. vielleicht aus dem Feiern nicht mehr rauskommen dürfte, ist ihres Zeichens Stammautorin, griffelnder Bestandteil des Autorenteams der Erstauflage. Sie ist, mit anderen Worten, Inte-Grals-Hüterin im Olymp der schreibenden Perry-Zunft! Berufen durch die Entität KNF ist sie seit November 2013 dabei, wo sie mit 2727 „Am Gravo-Abgrund“ debütierte und Nr. 2728 sogleich von sich folgen ließ. Gute Erinnerungen an beide Romane! Seither – es geht mit schneller Hand und strammer Schreibe auf Heft Dreitausendzweihundert zu – hat sie siebenundfünfzigmal zum schriftlichen Fundament und Sockel des Perryversums beigetragen – Weiteres in Mache. Nebenher, was so nicht stimmt, ist sie noch unser aller LKS-Tante, kontinuierliche Betreuerin der jedheftigen LKS-Seite, wo mehrseitig Fans und Freunde mit ihren Zuschriften veröffentlicht und von MS resonant kommentiert werden. Jedheftig? Zugegeben, wenn manch Autor – keine Namen! – sich übernimmt und an Griffelsucht erkrankt ist, nicht aufzuhören oder zu kürzen vermag, muss die (meist dreiseitige) LKS-Seite ihrerseits gekürzt oder gar gestrichen werden. [Nur gut, dass es hier sowas nicht gibt! 😛 ] Von solchen verschriebenen Malheurs abgesehen, ist Michelle Stern als LKS-Tante Gestalterin des Johari-Fensters von den sowie zu den Fans – there and back again, deren wohl- oder misswollende Kommentierungen, Ideen, Vorschläge und Anregungen so ins Lesefenster fortzuführender Diskussionen gestellt werden. Wichtig! Ihre Beobachtung zur aktuellen Rückmeldungslage speziell bzgl. ATLANTIS:

Leider gibt es so wenige. Allgemein gibt es seit Kriegsausbruch in der Ukraine gefühlt weniger Rückmeldungen. Ob das aber wirklich ein Zusammenhang besteht, weiß ich nicht. Die Rückmeldungen, die eintrudeln, sind positiv mit kritischen Einschlägen.Michelle Stern im PROC-Interview zu ihrem ATLANTIS-Heftbeitrag

O und der anscheinend ernsthafte Grund, wieso sie jetzt erst eingestiegen ist – auf die Frage hin, ob sie etwa knapp bei Kasse gewesen sei:

Nein, eher umgekehrt. Es geht mir so gut, dass ich mir auch einen nicht so gut bezahlten Auftrag leisten kann. Das erlaubt mir etwas zu tun, was mir Freude macht. Natürlich wäre es schön, wenn das finanziell mehr gewürdigt werden könnte. Wenn Mini-Serien besser bezahlt werden würden, würde ich noch lieber mitmachen.Michelle Stern ebenda

Und ob sie sich für die ganze Handlung interessiere oder das Manuskript nur so runterschreibe, fragt RRR gestreng ab:

Mich interessiert die ganze Handlung, allerdings sehe ich das Projekt für mich nach dem Schreiben auch als abgeschlossen an. Ich höre mir in Ruhe die Hörbücher an und werde sie genießen.MS ebenda

Offen und ehrlich!

2. Die Handlungszeit!

Die Handlungszeit, sie ist nun klar und deutlich fixiert: dieses Heft spielt am 30. März des Jahres 8005 vor Christus. Die Genauigkeit des Datums, einem Kapitel vorangestellt, irritiert etwas, weil es zuvor diesbezüglich vage geblieben war. Schon in Heft 01 assoziierte (=wusste) Perry, dass es das Jahr 8005 v. Chr. sein müsse, was mir da noch zu unklar war. In der Annahme, da sei Atlan just aus dem Larsaf-System ins heiße kriegsgeschehen abgeflogen, aus dem er erst zwei Jahre später zurückkehren würde, hielte ich zeitlich das Jahr 8003v. Chr. genauso für realistisch.

Im ersten PROC-Interview erwähnte Expotarch BCH den PIN-Code 8005 jedoch auch, womit das im Grunde schon fix war. Nun aber die Präzisierung, die so nicht weiter aus der Handlung hervorgeht. Klar, wenn Perry auch nur einmal – Zeit genug dafür hatte er – ein arkonidisches Datum zu Gesicht bekommen hat, hat er das dank Wissen um die arkonidische Zeitrechnung flugs umrechnen können. Davon hörten wir so explizit bisher nichts. Nun gut – jetzt schon. D.h. auch, Atlans offizielle Rückkehr nach Atlantis ist immer noch gut anderthalb bis zwei Jahre hinkünftig. Wir sind inmitten eines so gut wie völlig unbeschriebenen Zeitfensters, das sich BCH schamlos zunutze gemacht hat:-) Bin gespannt, wie viel Handlungszeit wir hier noch verbringen – erst recht WANN wir mit Perry zeitzurück finden werden… Und wie, wo der Schrank durch die Zeit geschlossen ist.

3. Kritik der lesenden Vernunft


Umso erstaunlicher, dass ich ausgerechnet just den Beitrag einer so schreibfuchsig erfahrenen Autorin derart erstmals erzählperspektivisch und stilistisch kritisiere. Bis dato war ich mit ATLANTIS lesbar zufrieden, habe en masse an Assoziationspunkten ausgemacht und mich an vielerlei Detailschichten erfreut. Davon gibt es auch in diesem Heft genug – s.u. -, aber:…

Exkurs: individuelle Biografien inmitten kosmischer Weiten

Das Perryversum ist groß und die Handlung wird gerne kosmisch – unendliche Weiten, die sich da auftun und kosmologisch tiefer und tiefer gründen. Inmitten solcher sense of wonder-Verheißungen des Allergrößten treffen mich „biografische Heftromane“ zumeist auf völlig falschem Fuß. Man blickt in die Unendlichkeit von Raum und Zeit, ringt mit höheren und höchsten Mächten, sieht sich universellen Kräften ausgesetzt, um dann in endloser räsonierender Ausführlichkeit von den letztlich nichts als „menschlichen, allzu menschlichen“ Wehleidigkeiten und bedürfnisüberfrachteten Larmoyanzen dahergelaufener, versprengter unteilbar Unterworfener (=individueller Subjekte) lesen zu müssen. Ein bisschen aua hier, ein wenig Liebe dort und irgendwas hat auch nicht geklappt.

Das war jetzt ziemlich gemein formuliert, aber die Faustformel dahinter stimmt für mich schon: je weitreichender und tiefgründiger die Handlung des Zyklus in die Weiten des Perryversums hinausschreitet, desto fehlplatzierter erscheinen mir die nanoskopischen Beschränktheiten biografierender Dampfplauderer. Es geht ums Ganze, das Wohl und Weh ganzer Völker, Galaxien, woraufhin weniger als ein Sandkorn am Strand von nichts anderem als sich erzählt.

Das ist meine Irritation bezüglich des Settings, in dem es zu Biografien kommt. Auch und meist noch viel mehr erbost mich die dargebotene Erzählweise, die mir gar zu künstlich in aller Regel erscheint: inmitten mitreißender Handlung, die gipfelstürmt, wo es zutiefste Rätsel wundersam aufzulösen gilt, setzen wir uns für meist – immerhin nur – ein Heft in „die Oase der Redseligkeit“, wo unseren Helden – nie nur, aber schon sehr gerne Perry himself – die Lebensgeschichte gepredigt wird. Das aber nicht so, wie ich dir oder du mir einen Schwenk aus dem Leben erzähltest, sondern als wäre das Leben – in narrativ nur zu passenden Ausschnitten – wie in 3D Hologrammen dokumentiert. Die Erzählweise ist meist so, als wären wir mitten drin statt nur dabei, als wären wir in die Aufnahmen des Lebens hineingezogen, schauten einen gut produzierten Film. Manch Unterform gibt es, wo

  • nur im Pro- und Epilog der Zugetextete Atem holen und erste Gedanken zum Vernommenen auf Papier bringen darf (auf die sich die Leserschaft spekulationskaskadierend stürzt), dazwischen pausenlos in ausgesuchten Episoden das Leben von der Wiege bis zur Bahre ungefragt präsentiert wird;
  • ähnlich wie im hiesigen Roman zwischen den biografischen Episoden Pausen zum Durchatmen eingefügt sind, in denen erste Gedanken oder gar Rückfragen geäußert werden (dürfen);
  • oder ziemlich am Schlimmsten die Erzählung erfolgt, während es eigentlich gar keine Zeit zum Erzählen gibt. Weil man bspw. inmitten einer Hetzjagd ist und Erzähler*in und Zuhörer*in das Jagdvieh. Alternativ nimmt man sich auch die Zeit, während man belagert oder sonstwie zur Untätigkeit verdammt an einem Ort hockt. Das wäre ja okay, Dampf ablassen, nur dass auch dann die Erzählung nicht so formuliert wird, als wäre die Erzählperson gerade in Gefahr und von der Umgebung überwältigt.

Inkurs: zurück zu „Die Kralasenin“

Hier kommt Variante zwo zum Tragen, wobei das Setting Gefangenenbefragung wenigstens die Zeit lässt hierfür. Dennoch finde ich ganz fürchterlich, dass Rowenas Biografie von ihr in dritter Person, in Sie-Perspektive geschildert wird. Sie sitzt Perry gegenüber, der sie hierzu aufgefordert hat, um bekommt dann von der Arkonidin den Worten nach zwar eine Erzählung geboten, dem Erzählstil nach aber einen Bericht, als wäre sie nur halb beteiligt. Das kontrastiert umso schräger (für mich), da mehrere der Zwischenspiele und finales Kapitel auch aus Rowenas Sicht sind, jedoch in Ich-Perspektive! Das ist für mich genau falsch herum!

Erklären und nachvollziehen kann ich das zwar, mag es trotzdem so gar nicht. Die Ich-Perspektive fungiert hier genau dafür, wofür sie m.E. gedacht ist, worin ihre Stärken liegen: mitziehen, uns an die Seite der Ich-Person katapultieren, mit der wir uns sogleich persönlich verbunden fühlen, da wir ach so sehr in ihre Gedankenwelt eintauchen und quasi durch ihre Augen mitmachen. Und besagte Interludien und letztes Kapitel stehen ja auch mehrfach Spitz auf Knopf, ob Rowena Perry oder/und Caysey erschießt bzw. ob sie es inmitten feindlicher Station unbehelligt bis zur BEST HOPE schaffen. Die biografische Sie-Perspektive schafft wiederum Distanz, die formal freilich angesichts von 15 und noch viel mehr Jahren durchaus passend ist. Erst recht, da Rowena im Laufe dieser Zeit mehrere richtungsweisende Statuspassagen durchlaufen hat und am Ende einer jeden biografische Quantensprünge gemacht hat. Die Gegenwarts-Rowena, mit der Perry redet bzw. ihr zuhört, blickt auf buchstäblich alteregos von sich (mit der Wortspiel-Betonung auf Alter), die vergangen sind, mit der sie gefühlsmäßig nichts mehr zu tun hat. Zeiten, die sie überwunden hat, nachdem sie nicht nur die politische Seite wechselte, sondern nach langer Freiheitssuche erst an Atlans Seite ihren Platz gefunden hat. Allein ihr Leben vor Aktivierung des Extrasinns (und eigentlich auch eines fotografischen Gedächtnisses) muss erlebens- und erfahrungsgemäß für sie ein so derart anderes sein, als wäre es von einer Fremden, von der sie nur einen eindrücklichen 3D-Holofilm verfolgt hat. Demnach ist eine auf Distanz gehende Sie-Perspektive schon stilistisch gut durchdacht. ABER TROTZDEM DERART KÜNSTLICH, wenn Rowena Perry gegenübersitzt und von sich und keiner dritten Person redet. Ich bleibe perryversalen Biografien weiterhin auf Kriegsfuß – sorry.

4. Die Kralasenin

Eine gute Frage. Ich sehe es weniger als Biografie. Mich interessiert die Psychologie und wie Menschen oft genau das in ihr Leben ziehen, was sie fürchten oder ablehnen. Rowena will Unabhängigkeit und ein freies Leben. Sie hat Angst davor, ewig eine Gejagte oder Abhängige zu sein. Doch ihr handeln macht sie lange Zeit genau dazu. Auch die Darstellung einer Figur, die mit Sexualität wenig anfangen kann, fand ich interessant.MS ebenda – vom Blogautor erst nach seinen folgenden Worten gelesen

Trotz dieser grundsätzlichen Skepsis gegenüber individualisierter inmitten großrahmiger Erzählung war Rowenas Lebensgeschichte – in sehr selektiven Ausschnitten – prallvoll mit Informationen zu ihrer Person. Gleichzeitig aber auch zu arkonidischen Verhältnissen rund um die Usurpation Orbanaschols. Am Interessantesten, was mehrfach angesprochen wurde, wie in vielerlei Aspekten ihr Leben parallel zu dem Atlans verlaufen ist. Im Strudel der Usurpation von Arkon I geflohen und im Exil unter wohlwollender Aufsicht Konots (Konoths?) angeleitet, wächst sie entwurzelt auf. Klein-Atlan war seinerseits vom Bauchaufschneider seines Vaters Fartuloon gerettet und auf über 25.000 Lichtjahre von Arkon gelegenem Gortavor aufgezogen worden.
Doch statt dann wie Atlan in die Rebellion zu gehen, scheint sie der dunklen Seite der Macht zuzuneigen oder sie zumindest opportunistisch zu unterstützen. Erinnert ein wenig an die dritte Star Wars-Trilogie, nur dass die Rollen vertauscht sind, Rowena nicht wie Ray „dem Guten“ nachstrebt, sondern vermeintlichen Freiheiten wegen dem Sith-Lord-Äquivalent Orbanaschol und seinem Schergen Sofgart dienstbar wird.

Bis es dann zur fokussierten Verdichtung sich zuspitzender Handlung kommt, dem Duell zwischen Atlan als siegreichen Rebellen im Triumph über Orbanaschol und dem irrläufigen Beinahe-Gatten Rowenas. Auch recht starwarsig, auch wenn es nur Dagor-, keine Lichtschwerter gab. Durch ihr beherztes Eingreifen wider alle ‚Kameraden‘ gewinnt sie Atlan für sich und es kommt zu einer zwiefältigen Ich-Du-Verbundenheit (WDR5-PhiloRadio über Martin Buber und sein Hauptwerk „Ich und Du“, abrufbar bis 02.05.2023). Als Elternlose in biografischer Verlaufskurve leidvoll seelenverwandt, kompensiert offenkundig vor allem Rowena nachholend das Gefühl verlorener / nie gehabter Familie, indem sie in platonischer Liebe als Leibwächterin Atlans auftritt. Und das mit aller Vehemenz und ohne Kompromisse – latent überkompensierend.

Das ist alles sehr interessant, aber doch in erster Linie reaktiv und suchend, lange Zeit mehr ziellos als wirklich orientiert. Sie will Freiheit, weil sie die abgeschiedene Einsamkeit am Rande des Imperiums nicht länger aushält, als bedrückend, wie abgekapselt empfindet. Naiv vermeint sie, Freiheit von diesen Ketten der Einsamkeit in einer „Zwangsehe“ finden zu können – Hauptsache, sie kommt weg von dort. Doch als ihr minnevolle Liebe verheißt wird, prallt sie von dieser ab wie eine Rakete in falschem Winkel von der planetaren Atmosphäre. Auch und selbst Liebe, die unerwidert dann in reaktiven Hass umkippt, ist für sie einengend, zu viel des Guten, Zwang auf ganz andere Art und Weise.

Auch, weil sie schlicht nicht an aufdringlichen Körperkontakten interessiert ist – weder vom Ehemänneken in spe noch selbst in Form eines Abschiedskusses von allerbester Freundin Ilora. Sprich: Rowena ist asexuell! So nicht expliziert, dem Verhalten nach aber durch und durch genau das. Schön, aber erstaunlich, es just bei Perry Rhodan zu lesen. Egal in welcher Teilserie, das Perryversum ist in seiner verschriftlichten Form keine Lustgrube, kein Hort romantischer Sentimentalitäten, kein Papierbett ausgelebter Wolllüste. Es geht sexlos zu, bleibt sittsam, höchstens mal in Andeutung des noch Kommenden. Größte Ausnahme noch Atlan höchst selbst, ausgerechnet dem sie sich nun – sittsam – zu Füßen wirft. Gerüchte besagen, die Hälfte der Menschheit stamme von Atlan ab, nachdem er einmal auf Erden gestrandet war und als „einsamer Mann“ die Tage – und manch Frau – rumkriegen musste. Keine Zeitabenteuer-Geschichte ohne weibliche Begleitung und – eben nur angehauchte – Intimkontakte mit der Auserwählten auf Zeit. Man weiß aber doch immer, dass Mann Frau mag und will und diese unbedingt ihn. Rowena will keine*n, nur ihre unberührte Ruhe. Durch den zu frühen Tod ihrer Eltern eventuell ein unsicher-vermeidendes Bindungsverhalten, das sich im Erwachsenenalter dann nachempfindbar in dieser Art Distanzierung flüchtet, durch vorauseilende Vermeidung der unerträglichen Unsicherheit so entgeht. Meine Sympathie hat sie.

Das erklärt auch ihre anhaltende Reaktanz gegenüber ihrem Extrasinn, der sie doch nur beraten will – und m.E. weitgehend gut -, dem sie vorzugsweise aber trotzdem keine Aufmerksamkeit schenken mag. Und das, obwohl er doch Ausdruck und Statussymbol gelungener Integration in die arkonidische Highsociety ist. Nur Arkons Elite wird überhaupt zur Ark Summia zugelassen und vermag sie erfolgreich zu durchlaufen. Sie ist demnach angekommen, ist sozial reintegriert, wenn auch familiennamenlos mit stetem Makel. Ständischer Dünkel, bei dem es auf die Khasurn-Zugehörigkeit ankommt, um sich distinguieren zu können. Da reicht das formale Erlangen dieses „kulturellen Kapitals Ark Summia“ alleine nicht, da greifen dann noch ganz andere feine Unterschiede zur Abgrenzung von ansonsten Gleichen. Vermutlich gereicht ihre Asexualität ihr auch zum Nachteil, da sie alternativ oder/und komplementär nicht auch noch ihr – den Worten nach – ansehnliches „körperliches / sexuelles Kapital“ ‚einbringen‘ kann bzw. will. Doppelte Außenseiterin, während die anderen Familiennamen haben und ihre Körper juvenil leidenschaftlich einsetzen…

5. Isogames Coniugium da Ark

Dieses Kapitel ist so nerdfern vom eigentlichen Heft wie meine Sinnversuche über perryversale Sprachfamilien. Für mich diesmal vom größten Interesse die Heiratspraktiken da Ark, wie man im arkonidischen Imperium und speziell innerhalb des Hochadels zu heiraten pflegt.

Rowena sucht ihrerseits die, ihren Worten nach, „Zwangsehe“ als Ausweg aus gefühlter Einsamkeitsisolation. Doch weniger handelt es sich hierbei um eine faktische Zwangsheirat als vielmehr um eine „arrangierte Ehe“, von Dritten eingeleitet und eben arrangiert. Dass es kein Zwang sein kann, beweist Rowena (sich selbst), indem es ihr möglich ist, die Ehe noch vor ihrem Beginn per „Kristalledikt“ zu beenden. Interessant, auf welche Weise es in dieser Zeit üblich ist, einen Ehevertrag abzuschließen, für den sich ihr mikroparanoider Gockel jedoch solange nicht interessiert, bis ihm das diktierte Ergebnis doch … missfällt. In den drei Tagen zuvor umgarnt er sie so sehr, dass sie diese aufdringliche Art der minnelichen Liebesbekundungen richtiggehend abstößt. Hätte er es doch beim gesitteten, kiltgängigen Fensterln belassen und ihr formvollendet mit gebotener Distanz nur ein paar Liebespoeme vorgetragen.

Exkurs: Arkonidischer Adelsstand – fein unterschieden

Bevor es weitergeht, zunächst zur Orientierung, wie weitläufig sich Arkons Adel ausdifferenziert hat und so eine – soziologisch gesprochen – Ständegesellschaft traditionsbewusster Fasson ausgebildet hat. Ergo gibt es auch nichtadlige Arkoniden, blaublütig verächtlich „Essoya“ genannt, benannt nach einer grünen Blätterfrucht, die in adligen Augen nicht viel wert ist. Etwa 10 Prozent der Bevölkerung gehören dem Adel an. In der Übersicht der drei Adelsstände, die sich jeweils in drei bis sechs Ränge unterteilen, sieht das so aus:

  1. Hochadel (satr.: Thi-Khasurn) – Edle Erster Klasse (Herzöge, Fürsten)
    • Anrede: Zhdopanda (Hochedle, Hochedler), Ausnahme: der Imperator als Zhdopanthi (Höchstedler)
    • Lehen (Fürsten- und Herzogtum): Selten nur Ländereien auf sehr vielen Planeten, maximal bis zu hundert und mehr Sonnensysteme
    • Präfixe: ta, ma, agh:
    • Ta-moas – Hochedler Erster Klasse (Erzherzog)
    • Ma-moas – Hochedler Erster Klasse
    • Agh-moas – Hochedler Erster Klasse
    • Ta-len – Hochedler Zweiter Klasse
    • Ma-len – Hochedler Zweiter Klasse
    • Agh-len – Hochedler Zweiter Klasse
    • Ta-tiga – Hochedler Dritter Klasse
    • Ma-tiga – Hochedler Dritter Klasse
    • Agh-tiga – Hochedler Dritter Klasse
  2. Mittlerer Adel (satr.: Tai-Khasurn) – Edle Zweiter Klasse (Grafen)
    • Anrede: Zhdopandel (Edle, Edler)
    • Lehen (Grafschaft): Von großen Ländereien auf vielen Planeten bis zu fünfzig Sonnensystemen
    • Präfixe: de, del, dom:
    • De-moas – Edler Erster Klasse (Reichsgraf)
    • Del-moas – Edler Erster Klasse
    • Dom-moas – Edler Erster Klasse
    • De-len – Edler Zweiter Klasse
    • Del-len – Edler Zweiter Klasse
    • Dom-len – Edler Zweiter Klasse
    • De-tiga – Edler Dritter Klasse
    • Del-tiga – Edler Dritter Klasse
    • Dom-tiga – Edler Dritter Klasse
  3. Unterer Adel (satr.: Kator-Khasurn) – Edle Dritter Klasse (Barone, Ritter)
    • Anrede: Zhdopan (Erhabene(r), Hohe(r), Erlauchte(r))
    • Lehen (Baronie): Häufig nur Ländereien auf einem oder mehreren Planeten oder bis zu fünf Sonnensysteme
    • Präfixe: nert, ter, on:
    • Nert-moas – Erhabener Erster Klasse
    • Ter-moas – Erhabener Erster Klasse
    • On-moas – Erhabener Erster Klasse
    • Nert-len – Erhabener Zweiter Klasse
    • Ter-len – Erhabener Zweiter Klasse
    • On-len – Erhabener Zweiter Klasse
    • Nert-tiga – Erhabener Dritter Klasse
    • Ter-tiga – Erhabener Dritter Klasse
    • On-tiga – Erhabener Dritter Klasse
    • Nert-lenim – Erhabener Vierter Klasse
    • Ter-lenim – Erhabener Vierter Klasse
    • On-lenim – Erhabener Vierter Klasse
    • Ter-wes – Erhabener Fünfter Klasse
    • On-wes – Erhabener Fünfter Klasse
    • Ter-tharg – Erhabener Sechster Klasse
    • On-tharg – Erhabener Sechster Klasse

Der Perrypedia über „Arkoniden“ entnommen

Inkurs zurück

Obwohl die Gonozal in Ungnade gefallen sind, zählen sie wie wenige andere Khasurn (Ark.: Geschlechter/Familien) unzweifelhaft zum Hochadel Arkons. Daher könnte man denken, in der Amtszeit Orbanaschols mit einer Gonozal eine Ehe einzugehen, wäre eine Mesalliance =Missheirat – eine Heirat unterhalb des eigenen Standes, eben mit Ausgestoßenen, Verachteten. Doch anscheinend ist es sehr wohl im Sinne des Usurpators, die doch noch lebenden Gonozal in ‚trockene Tücher‘ zu bringen, um sie so unter der Aufsicht und Kontrolle ihm genehmer, wenn nicht widerspruchslos ergebener Khasurn zu haben. Als „Heirater“ hat er ausgerechnet Sofgart, Ersten unter den Bluthunden hierfür ausgeschickt, das Paar zusammenzuführen. Ob und welches Schmusergeld aka welche Mitgift es da wohl gegeben hat?

Vielmehr ist festzuhalten, dass der Adel je nach Rang (hoch, mittel, unten) standesbewusst heiratet und zwar bevorzugt isogam, also in Form einer „Gleichgestelltenheirat“. Man bleibt unter sich, Hochadel heiratet Hochadel. Anders wäre es eben auch besagte Missheirat zu Ungunsten der höhergestellten Partei. Ebenfalls kann man an diesem Beispiel beobachten, wohin geheiratet wird. Nämlich entweder

  • exogam, wobei Exogamie „Außenheirat“ meint. Dieser Heiratsvektor lässt eine*n Partner*in außerhalb der eigenen sozialen Gruppe, Gemeinschaft oder sozialen Kategorie suchen; oder
  • endogam (Innenheirat), also innerhalb des eigenen sozialen Raumes.

So heiratet Rowenas verkannter Minnemann nicht innerhalb seines Khasurn, der vermutlich mehrere Hundert bis Tausend Arkoniden umfasst. Hier wären Ehen mit Cousinen oder Witwen von Cousins entfernterer Grade sicherlich – endogam – möglich gewesen. Um es zu verwirren: Die Heirat wäre sowohl endo- wie exogam geworden. Endogam bezogen auf den Stand, nämlich innerhalb des Hochadels; exogam, weil außerhalb des eigenen Khasurn. So sehr er ihr danach auch ans Leben gehen will, so wenig wird sie seitens Sofgart sanktioniert. Demnach sind Verzicht und genauso wohl auch Scheidungen möglich. Das lässt vermuten, dass besagte isogame Coniugien (Lat.: Heiraten / Verbindungen) nicht fest und fix vorgeschrieben (präskriptiv), sondern doch nur anempfohlen und bevorzugt (präferentiell) sind.

Und um abschließend noch ein paar Worte zum Vergewaltigungsversuch zu sagen, der ebenso wenig Sanktionen nach sich zieht: insofern die mittelalterlich anmutende Standesgesellschaft Arkons auch in weiteren Aspekten traditional geblieben ist, wäre die eheherrliche Gewaltanwendung so juristisch einzuteilen – nach

  1. “Potestas“, der legitimen, innerhalb allgemein anerkannter Norm ausgeübten Gewalt wie Ohrfeigen oder Maulschellen sowie
  2. “Violentia“, der über diese Norm hinausgehenden, körperlichen Gewalt; diese wiederum zu präzisieren wäre in
    • “Saevitien“, tätliche Misshandlungen sowie
    • “Insidien“, Taten und Äußerungen, die das Leben des Opfers bedrohen.

Ganz klar reden wir beim – zum Glück misslungenen – Versuch von Violentia, wobei man noch mit maximalem Wohlwollen nur von Saevitien sprechen könnte. Ich neige jedoch standrechtlich zu Insidien! Angesichts dessen, wie es Rowena vorausschauend richtig gemacht hat: „Drum prüfe, wer sich ewig bindet“!

Michelle Stern kommentiert es im Übrigen pointiert so:

So wie früher in den Adelshäusern auch. Es geht um Machterhalt und Machterweiterung. Einer will etwas vom anderen und bietet eine Ehe an oder arrangiert sie. Im Übrigen war es ja nicht Rowenas Mentor. Die Adelsfamilie wollte das so. Es war ein Angebot, um Rowena in gewisser Weise durch Imperatorentreue unschädlich zu machen und sich ihr Elternhaus anzueignen.Michelle Stern prägnant im PROC-Interview

6. Die Geister der Jugend


Auch wenn es während Rowenas biografischer Erzählung meist nur Kulisse ist, so eine doch bedeutsame: sie wächst auf just in DER ZEIT, die für Atlan, der gut 5 Jahre älter sein dürfte, so entscheidend war. In Heftromanen ausführlich erzählt und zwar im Großzyklus Der Held von Arkon der Atlan-Serie; Handlungszeit 8024-8020 v. Chr.; Hefte 88-299. Zum Teil gestrafft wiederveröffentlicht in den Hardcovern der Atlan-Blaubände des sog. „Der Kristallprinz“-Zyklus. Mehrfach in Unterzyklen gegliedert, umfasst die Erzählung von Atlans Jugendjahren die Bände 17 bis 45. Letzterer mit dem Titel „Vorstoß der Rebellen“, wo Rebell Atlan bis in den Kristallpalast vorstößt und dort Orbanaschol besiegen kann. Das ursprüngliche Heft dieses Finales heißt (und ist wie besagter Blauband separat als eBook erhältlich) 299 „Orbanaschols Ende: Eine neue Ära beginnt – und ein langer Traum geht zu Ende“ – Handlungsjahr 8020 v. Chr. Das ist also genau dann, wenn ihrerseits Rowena als Kralasenin Orbanaschols zu seiner Verteidigung und zu seinem Schutz ausrückt, um sich dann jedoch dem siegreichen Atlan anzuschließen. Je nach Perspektive gewiss Wendehälsigkeit wie ein Fähnchen im Wind der Sieger. Wenn alle Daten so stimmen, dann ereignete sich dies 15 Jahre vor ATLANTIS – seither ist sie Atlan als seine persönliche, eben „Die Kralasenin“ treu ergeben.

Und der Blinde Sofgart, der hier irgendwie ziemlich verhalten auftritt und noch verhaltener auf einmal einfach weg (tot) ist, war mehr noch als Orbanaschol sein ‚praktischer Feind‘. Mit Sofgart und mit dessen – allerdings ziemlich tumb und schlägertyp gezeichneten – Kralasenen hatte Atlan es mehrfach zu tun und es ging jeweils um Leben und Tod. Und die Kralasenen-Welt Ganberaan, die im ATLANTIS-Roman als nahezu ehrenwerte Ausbildungswelt für eine glanzvolle Elite hochstilisiert wird, galt für Rebell Atlan eher als Hort der Folter, Unterdrückung und Brutstätte für brutalste Schlägertruppen des Tyrannen Orbanaschol. Wie sich ganze Welten in der Perspektive ändern können… Spannend, wie Rowena in diese wilden Jugend- und Jungerwachsenentage Atlans hineingewoben worden ist. Sie war an Orten, die auch ihm wichtig wurden, sie hatte Kontakt zu Menschen, die auch er nur zu gut kannte. In so vielen Tangentenpunkten berühren sich deren Biografien, aber – wenn man so will – stets mit gänzlich anderem Vorzeichen: bei ihm alles vorgezeichnet, von Fartuloon nur zu zielsicher angeleitet. Die Wiedergewinnung des Kristallthrones das ultimate Ziel von allem, Atlan im Zentrum aller Bemühungen. Demgegenüber Rowena auf der Suche nach Freiheit, die sie stets in nächstneue Unfreiheiten stolpern lässt, denen sie sich auf verbogene Weise hingibt in der Hoffnung, über dieses Trittbrett dann doch noch frei zu kommen. Und am Ende führen beide biografische Lebenslinien zusammen und laufen seit zumindest 15 Jahren parallel.

7. Von Kriegsfeindschaft zum Nadelöhr des Überlebens


Da hatte ich mich zitatreich über das Zweckbündnis zwischen Maahks und Atlan irritiert gezeigt, um jetzt einiges an Aufklärung präsentiert zu bekommen. Nach alten Zitaten schien es mir seitens Atlans keinerlei Spielraum für so etwas gegeben zu haben. Das Ganze ging folglich auch nicht von Atlan aus, sondern von Greg3475 – in den Militärs dieser Welt liebevoll auch als „Schütze Arsch“ bezeichnet. Hinterster der Letzten in der Befehlskette, der dem Erzfeind als Lockwurm für den Greifvogel vorgesetzt wird, um eine ‚diplomatische Brücke‘ zu schlagen. Die Initiative geht also von den Maahks aus. Den Maahks? Nein, ganz im Gegenteil: eine zahlenmäßig kaum erwähnenswerte Untergruppierung, die inmitten heißen Krieges m.E. nichts anderes macht als Hochverrat zu begehen. Neutraler gesagt: sie whisteblowen, nur dass es nicht bei bloßen Informationen bleibt.

Während Greg3475 also nicht der namhafteste seines Volkes ist, ist Geektor das entgegen aller Gepflogenheiten sehr wohl – nämlich wortwörtlich namhaft. Das ist außergewöhnlich in Reihen militärischer Hierarchie und erst recht gegenüber Nichtmaahks. Deucht mir ein ungemeiner Vertrauensvorschuss zu sein, dass Geektor seinen Namen offenbart. Andererseits verschleiert er so seinen Rang im Gefüge, der anhand der Bezifferung für alle ablesbar ist. So oder so schert er aus der Reihe des obersten Militärs aus und will sich nicht am galaktischen Massenmord beteiligen. Das jedoch nicht aus Nächstenliebe dem Feind gegenüber, sondern aus Sorge um sein Volk. So eierlegend exponentiell vermehrungsfreudig Maahks auch sind, die Zigmilliarden Opfer, die es durchs Zünden des Talagon gäbe, wären auch für Maahks verheerend und maßlos weit über allen Kriegsgräueln. BTW: Star Trek DISCOVERY-Staffel2 und deren vieldiskutierte Überhöhung des verhandelten Problems: Auch dort – durch irrläufige KI CONTROL – drohte freilich nichts Geringeres als die totale Auslöschung aller, zunächst innerhalb der Galaxis, dann ggf. unaufhaltsam universumsweit. Anstelle von fehlprogrammierten und -datengefütterten CONTROL haben wir es hier mit dem Talagon (s.u.) zu tun, dessen genozidales Verwüstungspotenzial unermesslich ist.

Im Heft mir zu lakonisch kurzgefasst und drüber hinweggegangen: ich kann Geektors „Logik“ nicht verstehen: er könne das Talagon nicht vernichten, obwohl man seitens der Maahks ziemlich sicher um den Weg dorthin weiß, weil er damit einem Befehl widerhandeln würde bzw. es nur auf Befehl könne. Nachdem er also

  • Hochverrat beging, mit dem Erzfeind des Volkes konspiriert,
  • ihn gar auf ggf. den Flottenstützpunkt der Maahks schlechthin in diesen Tagen holt,
  • diesem Feind freimütig das Talagon-Original aushändigt,
  • nachdem er eigenmächtig die Militärführung mittels eines Duplikats in die Irre geführt hat,
  • sprich, OHNE Befehl, auf eigene initiale Anmaßung hin täuschte, hinterging, verriet,

kann er angeblich den letzten Schritt nicht selber gehen, einen von Zigmilliarden Maahks opfern, um das Talagon zu vernichten, die Gefahr aus der Welt zu schaffen? Kann ich nicht nachvollziehen, zumindest nicht intradiegetisch, aus der Handlung heraus und den Logiken der Handelnden.

Extradiegetisch hingegen sonnenklar: würde Geektor auch den letzten Schritt selber gehen, wäre die Gefahr aus der Welt, bevor je jemand davon auch nur gehört hätte. Es bedarf also eines narrativen Tricks, um Atlan „ins Boot zu holen“, ihn an die fixe Idee einer genozidalen Bedrohung zu fesseln. Die Maahks haben das Problem – bildlich: das Leck – zwar ins Boot geholt, können aber „aus Gründen“ es nicht abdichten, wozu nur der eine Einzige in der Lage ist. Nur der Kristallprinz, hier noch designierte Nachfolger seines Oheims Imperator Gonozal VII. kann hierfür herangezogen, ins Vertrauen gezogen und ins Komplott involviert werden. HM! NOCH(!) mehr gewollt und gesollt, als für mich schon konstruktiv gekonnt. Betonung auf „NOCH“, da sich hier gewiss noch Relevantes ergeben mag. Zumindest wissen wir nun, wieso, auf welchen Anlass hin es zum „Pakt der Erzfeinde“ hat kommen können.

Und all das auf Galkorrax, (einer) der Maahk-Stützpunktwelten, wie es klingt. So nur möglich, weil man die Arkoniden als Kriegsgefangene vorführt und uneingeweihten, nichtkonspirativen Maahks gegenüber diese Schau inszeniert. Ein Grund mehr, wie man da nicht an Geektors Logik zweifeln kann. Wehe dem, die Lage kippt (ggf. schon im Folgeband) und die übrigen, erzfeindschaftlichen Maahks werden den Hintertrieben gewahr und beginnen mit der Hatz gegen Atlans und Geektors Leute…

8. Das Meta des Talagon


Nun ist es amtlich: das Talagon gemahnte zwar in Größe und Tragweise an Zellaktivatoren alter Prägung, verhilft dem Träger jedoch nicht zu relativer Unsterblichkeit, sondern dem vielbelebten Spiralarm der Galaxis zum ultimativem Genozid. Zwar noch unklar, ob „nur“ Arkoniden und Maahks betroffen wären, ob nicht vielmehr alle (raumfahrenden?) Intelligenzwesen daran glauben müssten oder gar das Leben an sich geopfert würde. Letzteres wäre der totale Biozid – und dann wohl kaum nur dieses einen Spiralarms, außer man hätte das Talagon in der Reichweite irgendwie diesbezüglich geeicht. Wenn es gezündet würde, nähme es mutmaßlich auch das Leben in den übrigen Quadranten mit sich in den Tod. Zur Erinnerung: Das Tai Ark’Tussan (Link zur Karte beim PR-Sternenatlas.de) erstreckt sich mit dem Larsaf-System an seinen ausfransenden Rändern „nur“ im Nordwest-Quadranten der Galaxis und ist damit streng genommen gar kein galaktisches, die Galaxis umspannendes Imperium wie das Große Tamanium der Lemurer.

Ob sich die „Talagon-Katastrophe“ wirklich nur hier im galaktischen „Nordwesten“ ereignet hätte oder um sich greifen würde, ist eine entscheidende Frage. Gut, die Antwort kennen wir – zweiundvierzig aka nein, nachzulesen ab Heft 0001 der fortlaufenden Perry Rhodan-Erstauflage;-) Nichts ist hochgegangen – SPOILER. Wäre es das aber, dann ist besagtes Larsaf- aka spätere Sol-System im Südwest-Quadranten quasi nebenan und dringend mitbetroffen. „Gegenüber“ von Arkons methanbekriegten Wildnordwest befinden sich im Nordost-Quadranten namhafteste Welten wie Apas, Halut oder Trakarat. Erstere eine der Welten des Zweiten Imperiums, das ab 2326 n. Chr. nach und nach von den Terranern „entdeckte“ Imperium der Jülziish aka Blues in
der Eastside der Galaxis.

Wer kann ein Interesse haben, hier einzugreifen? Und das auf Seiten der Maahks, egal wie hoch deren eigene Opfer wären? Im Gegensatz zu den niedrigen Reproduktionsraten individualistisch gesinnter Arkoniden könnten die Maahks diesen Todesschock trotz allem ziemlich sicher durch- und letztlich überstehen. Ja sie wären bei aller genozidalen Grausamkeit mutmaßlich die Gewinner des Ganzen. Doch wer will das? Erst recht ob des Treppenwitzes der Geschichte, der in wenigen Handlungsjahren folgen wird: 8002 v. Chr., also in etwa drei Handlungsjahren, wird mit Maahks paktierender Atlan die die Konstruktionsunterlagen für die sog. Konverterkanone (nebst einem Zellaktivator besagter alter Prägung) ausgehändigt bekommen, womit wiederum die Arkoniden die Maahks nicht genozidieren, aber gegen ihren Erzfeind zur Zeitenwende blasen können. Nach jetzigem Kenntnisstand wird Atlan erst den Matchball gegen die Arkoniden (und evtl. das Leben an sich) abwehren, um dann den Gegenschlag einzuleiten, der wiederum die Maahks in die Flucht treibt. Erhalten wird Atlan beides von ES, dem Unsterblichen von Wanderer, der Superintelligenz, die v.a. die Milchstraße zum Kern ihrer sog. „Mächtigkeitsballung“ auserwählt hat. Doch wenn ES all das in Kürze in Atlans Hände legen wird und der Zeitverlauf dann pfadabhängig diesen Weg genommen haben wird, ja wer arbeitet dem denn hier und jetzt fundamental entgegen???

Schon nach Omen 4 im ersten Heft assoziierte ich das auf Larsaf III. zufliegende Schiff und die Personen an Bord sogleich mit höheren Mächten. Eventuell eine Kobaltblaue Walze der Kosmokraten??? Hüter, Verwalter und Bewahrer der Ordnung im Kosmos, einschließlich der Verbreitung und Förderung des Lebens. JA ABER – das sind doch „die Guten“!? Nur je nach Perspektive. Wirklich „Gute“ besäßen keine Galaxienzünder: „Er zerstört das Gravitationsgefüge der betroffenen Galaxie. Dadurch löst sich die Galaxie auf. Der Großteil der Materie wird zudem in einen energetischen Plasmazustand umgewandelt.“ „Gravitationsgefüge“ klingt doch recht passend, auf diese Weise, entlang von Gravitationslinien soll sich das Talagon ja auch auswirken – soweit die Maahks aka Geektor wissen. Doch geht es hier ja um die galaktische Materie als solche, nicht um das sich planetar ballende Leben der Galaxis. Schon gar nicht sind damit schrotschussgezielt bestimmte Völker wie die Arkoniden anvisierbar. Davon ab: so ein Galaxienzünder wird mit Großraumschiffen transportiert, ist nichts für die Brust- oder Westentasche.

Dann vielleicht die Gegenspieler der (guten) Kosmokraten, die hier eingreifen? Die (bösen?) Chaotarchen. Die hätten da auch eine Waffe auf Lager, die dem Wirkprofil des Talagon entspräche: Nekrophore, die gleich einer Amphore den Tod mit sich führt: „gelagert wird. Die Fässer sind 15 m lang und haben einen Durchmesser von acht Metern. Die Wandung hat durchgehend eine Dicke von 0,5 m. Auf den planen Deckflächen sind hunderte von Kreisen abgebildet, die aus kleinen roten Punkten bestehen und sich gegenseitig durchdringen. Dieses Muster löst bei jedem Intelligenzwesen, ungeachtet des geistigen Profils, die Assoziation der Teilchenbewegung in einem Gas aus. “ Die „Nukleotide Pest“ ergießt sich nach dem Öffnen einer Nekrophore als massenhafte „Biozide“ über das Leben. Minimale Restbestände haben verschwindende Restchancen das zu überleben. Nur ist das eigentlich keine spezieselle (spezies-spezielle) Waffe, sondern wirkt auf (nahezu) alles tödlich ein, das lebt und auf das es trifft. Doch auch Nekrophoren sind nichts zum Herumtragen. Und geöffnet werden sie auch nicht irgendwo mal so, sondern an perryversal geheimnisvollen Orten, nämlich inmitten eines sog. Kosmonukleotids. Das Perryversum ist analog zur Doppelhelix der lebewesenden DNA vom Moralischen Code (Kosmokraten-Sprech) durchzogen. Die Vorlesung zur Kosmologie erspare ich uns. Spannend ja, aber schwer – auch noch verständlich – zu ordnen und vorzutragen. Nur dass Chaotarchen in dieser Zeit nach der Milchstraße gegriffen hätten, ist neu. Das werden sie einst getan haben – so in 15.000 Jahren pi mal Daumen. Ein erster Anschlag jetzt schon?

Vielmehr erahne ich, dass das Talagon keine ausgewachsene Nekrophore ist und der Größe nach sein kann, aber vielleicht dennoch ein paar „Biozide“ enthält. Die würden reichen, wenn man – als Expotarch durch Corona mental infiziert – diese quasi ‚viralisiert‘ hätte, so dass auch schon wenige sich exponentiell rasend auszubreiten vermögen.

Aber all das wäre echt kosmisch höchste Schublade und bisher weit über den Erzählrahmen der Miniserien hinaus. Rätselhaft für mich auch die – in der Zusammenfassung unerwähnte – schnelle Eingreiftruppe besagten Omen4-Schiffes. Graue Herren, die dem armen Quartam nicht nur Zeit stehlen, sondern offenbar sogar sein Leben:-( Ich habe sie nicht wiedererkannt, wüsste nicht, worauf deren tristgrauer Look hindeuten könnte. In jedem Fall wollen sie den Zeittransmitter zerstören (oder haben es bereits) bzw. Quartam an dessen Reparatur nachhaltig hindern. Warum? Wozu? Damit halten sie doch brandgefährlichen Perry in der Zeit, der bekanntermaßen noch allen höheren Wesen ärger gemacht hat. EIGENTOR! Wenn sie ihn zerstört wissen wollen, haben sie ihn mutmaßlich nicht installiert oder/und zeitjustiert. Noch eine weitere Zeitmacht, die mitspielt? Ringt da vielleicht ES gegen ANTI-ES??? ES und ANTI-ES sind der/die/das Dr. Jekyll und Mr. Hyde des Perryversums – eine lange Zeit noch so superintelligente, aber gespaltene Persönlichkeit. Liegen die im Zwist? Ja, aber für die Terraner erfahrbar erst ab 3456 n. Chr., erst dann sie ins sog. Kosmische Schachspiel beider Entitäten verwickelt werden. Über 11000 Jahre hinkünftig.

Und die Zerstörung des Talagon – das wissen die Maahks ziemlich genau – ist nur hinter dem Ereignishorizont eines Schwarzen Loches möglich. Wie space-romantisch! Aber auch zermalmend gravotödlich. Aber mehr Singularität ist nicht möglich – eigentlich doch Sehnsuchtsziel von Angehörigen einer Gesellschaft der Singularitäten… Im Ernst: Woher will man das wissen? Oder wer, der das Talagon zwecks Zerstörung ausgehändigt hat, hätte diese Entsorgungsanleitung gleich mitgeliefert? VORERST etwas konstruiert, um es auf ein Zyklusfinale dramaturgisch geschickt hinzuführen. Und welches Schwarze Loch mag es sein? Etwa Singularität 77/3 – Eldhoverds Endlosigkeit???>

9. Summa summarum


Fundamentales Gemäkel wie noch nie zu ATLANTIS. Und kann dieses Posting dennoch von mir sein? Ich beschwerte mich doch gar nicht larmoyant über narratoferente Technik wie allen voran dauerbefingerte Hologramme. Dann muss es doch ein Bot sein, der mich hier bloß zu imitieren versucht. Keine Panik! Das Heft hat diese Art kritischer Beobachtung einfach nicht hergegeben. Mir ist nichts hierzu aufgefallen. Dafür diesseits der Realität, wo es hologrammierter zugeht denn je: jetzt soll ein Hologramm schon auf seine Umgebung reagieren und ergo dynamisch statt nur statisch anzeigen können. Wenn es das gegenwärtig schon gibt, müssen es auch 10.000 Jahre zuvor hyperraumfahrtbetreibende Arkoniden haben – erfahrungsklare Sache.

Zum Heft „Die Kralasenin“: nicht mein Erzählkonstrukt, wie ausführlich dargelegt. Davon ab aber reich an Hindeutungen, Hinweisen, manch eingeschlagenen Pflock. Und Rowena ist mir sogar sympathisch und hat mein biografisches Mitgefühl. Hier dann auch die ultimative Prognose, wie es endet: denn nicht mit Atlans Opfergang; auch nicht durch alten Tarts, so sehr er es für Atlan und die Sache gewiss würde. Beide leben – Atlan sowieso unaufhaltsam, Tarts aber noch bis kurz vor dem Untergang von Atlantis, also noch rund 5 Jahre lang (Heft 60 & 70). Rowena opfert sich! Momentan sonnenklar, GERADE WEGEN DER BIOGRAFIE! Man inszeniert ja nur so seitenraubend halbheftig, wenn die Fallhöhe der Sympathie gnadenlos für den Fall ausgenutzt wird. Erst die Leiter hinstellen, um sie dann expograusam umzustoßen und im PROC-Interview dann noch Trauer vortäuschen 😛 So läuft das, jawohl! Eh ohne Familie und durch Perry der zukunftsweisenden Bedeutsamkeit und Wichtigkeit Atlans voll bewusst geworden, wird Rowena ihr – aus ihrer Sicht verpfuschtes – Leben zum Erhalt des Lebens aller hingeben! Umso bitterer, da sie mit Atlan die einzige intensive Ich-Du-Beziehung ihres Lebens geführt hat.

Kolumbus Erbe – von Austausch, Angleichung und Imperialismus

Hallo Mitwelt!

Heute ein Lesetipp! Wobei nicht nur: auch ein Sofortkauftipp, eine dringende Leseempfehlung per Kauf. Und zwar des eBook zum Print-Exemplar. Es geht mir eindringlich um Charles C. Mann, Autor von „Amerika vor Kolumbus. Die Geschichte eines unentdeckten Kontinents“. Das hat ihn bereits berühmt gemacht oder sollte es. Hier erzählt er die Geschichte des Kontinents, seiner Flora und Fauna und menschlichen Ureinwohner, bevor Kolumbus auf der Suche nach Indien (und missionierbaren Absatzmärkten) dort anlandet, damit die (erste) Globalisierung lostritt und unchristlich massenhaft Leid über die „neue Welt“ bringt. Das zu lesen ist auch anzuraten und wäre genau genommen sogar als Präludium nur zu empfehlen. Dann wüsste man um die vielfältigen Verhältnisse auf „Prä-Amerika“, das noch nicht von Amerigo Vespucci als ‚Nicht-Indien‘ und eigener Kontinent erkannt und später nach ihm benannt worden war.

Ich möchte ins Schaufenster gehaltvoller und bereichernder Lektüre den Folgeband stellen: „Kolumbus‘ Erbe. Wie Menschen, Tiere, Pflanzen die Ozeane überquerten und die Welt von heute schufen“ (Originaltitel „1493: Uncovering the New World Columbus Created“ – erschienen 2011). Während das Print stolze 36€ kostet, bei über 800 Seiten und detailtiefenschärfstem Inhalt auch so viel kosten darf, gibt es momentan UND BIS ZUM 31.05.2022 das eBook für nur 4,99€, also weniger als einem Siebentel des Printpreises. Jenseits des großen A-Schlundes ist es allerdings nur als seitenzahlloses epub erhältlich, was schade ist.

Doch worum geht es und wieso empfehle ich es so ausdrücklich? Charles C. Mann hat eine furiose, lesenswerteste, detailreichste Umweltgeschichte der anbrechenden Zeiten geschrieben, die mit Kolumbus‘ „Entdeckung“ losgetreten wurden. Das „Erbe“, das er uns dadurch hinterlassen hat und worum es Mann geht, ist jedoch keines einer Abenteuergeschichte zäher mittelalter weißer Männer und deren Gold- und Silberfunde. Das Erbe ist hier als ein ökologisches gemeint und betrifft transkontinental Amerika wie Europa, schließlich die ganze Welt. Der Sockel der Beobachtungen lässt sich anhand dreier Kernbegriffe des Buches begreifen:

  • Columbian Exchange – Kolumbianischer/Kolumbischer Austausch, womit gemeint ist, dass mit der Anlandung von Kolumbus ein sukzessiver Austausch (exchange) der durch den Atlantik getrennten Ökosysteme Europas und des karibischen, später auch restlichen Amerikas eingesetzt hat. Die seit Zeiten der Dinosaurier getrennten Landmassen und dort voneinander weitestgehend isoliert vor sich hinlebenden Getiere und Pflanzen wurden nun zwangsweise aufeinander geprallt. Das wird einen eigenen Beitrag wert sein, aber nur so viel: hier kann man noch fein unterscheiden, ob so ein Austausch gezielt stattfand, wie im Falle von sog. „Nutzpflanzen“ wie Kartoffeln, Mais, Tomaten, Paprika usw. Oder ob er sich hinterrücks und ungesehen, vor allem aber unintendiert vollzog, wenn zum Beispiel Ratten und sonstiges „Ungeziefer“ mit den Schiffen den Ozean überquerten und als invasive Arten mit den Conquistadores in Amerika einfielen.
  • Homogenozän: nicht noch im Holo- oder schon im Anthropozän leben wir seit Kolumbus‘ Anlandung, sondern im Homogenozän. Aus dem Altgriechischen geborgt bedeutet der sperrige Ausdruck „das gleichmachende Neue“ und steht damit für den Homogenisierungsprozess, der mit besagtem Kolumbischen Austausch Fahrt aufgenommen hat. Es erfolgte im Zuge dessen eine zunehmende Angleichung (Homogenisierung) der Floren und Faunen der Kontinente, was ein völlig Neues ergeben hat, wie wir es als Menschen so noch nie (vorgefunden) hatten. „Selbst ist der Mensch“, „was noch nicht ist, kann ja noch werden“ – die Sinnsprüche hierbei.
  • Ökologischer Imperialismus: „Der Begriff „ökologischer Imperialismus“ wurde 1986 von Alfred W. Crosby in seinem Buch Ecological Imperialism: The Biological Expansion of Europe, 900-1900 geprägt. Darin vertritt Crosby die These, dass die europäische Kolonisierung Amerikas vornehmlich mit ökologischen Faktoren wie eingeschleppten Krankheiten und mitgebrachten Tier- und Pflanzenarten einherging und nicht, wie häufig zu lesen, vor allem auf überlegene Waffen oder Technologie zurückzuführen ist.“ (Zit. n. Wikipedia) Es gibt über Crosby hinaus noch weitere Ausdeutungen desselben Begriffs, die hier aber außen vor bleiben.

Und damit wäre Manns Pate, auf den er sich vor allem zu Beginn seines Buchs „Kolumbus‘ Erbe“ andächtig und mit größter Anerkennung bezieht, genannt: Alfred W. Crosby (1931-2018). Historiker seines Amtes, der mit „The Columbian Exchange. Biological and Cultural Consequences of 1492“ (bereits von 1972) sowie „Ecological Imperialism: The Biological Expansion of Europe, 900-1900“ (1986/1993/2004) die beiden Werke und Begriffe vorarbeitete und prägte, auf die auch Mann baut. Crosby hat sich mit diesen beiden Streichen den Rang des global blickenden Umwelthistorikers erschrieben, der noch vor dem Boom der neoliberalisierten Globalisierung der schrankenlos anmutenden 1990er Jahre die wahren Tiefenstrukturen globalisierender Prozesse herausgearbeitet hat. Crosby wie Mann geht es dabei stets jedoch um die – von mir mal so frech bezeichnete – „grüne Infrastruktur“ dieser Globalisierung, auf die meist unbewusst, zuallermeist nebenher aufgebaut wird. Während besagte Nutzpflanzen zur Ernährung noch gezielt ihrer ökologischen Umwelten entwurzelt wurden, waren freilaufende Pferde, auf die sich die ‚Indianer‘ der nordamerikanischen Prärie nur zu bereitwillig setzten und sie sodann zu nutzen wussten gegen ihre Importeure, so nicht vorgesehen.

Mann vermag es aber mit beeindruckender Schreibe nicht nur ökologisch zu blicken, was ohnedies schon ein bereichernder Zugewinn wäre. Vielmehr verbindet er rein menschliche Kulturgeschichte mit der unterbaulichen Geschichte der Ökologie, was ohnehin stets zusammenging. Allein die Fundgruben an Details und – so in der Schule nicht gelernten – Hintergründe der Entdeckungsreisen sind selbst für ausschließlich unökologisch Interessierte hier exzellent verdichtet! Die endlose Silbergier Spaniens, die Conquistador um Conquistador vorantrieb, damit Philipp II., span. König (Geburtstag, 21.05.1527) seine Armada genauso bezahlen konnte wie seine brieflichen Korrespondenzen, ist auch in „Kolumbus‘ Erbe“ vordergründige Leitlinie der Geschichte. Doch wenn wir den Wegen des Silbers folgen, dann folgen dem Silber auch stets auf dem Fuß die Tiere und Pflanzen seiner Fundstätten.

Um ein besseren Eindruck zu zeichnen, was Manns pompöses Werk verheißt, habe ich folgend mal zu Crosbys Studien einige Beiträge rausgesucht, die das sehr gründlich rezensieren. So sei verwiesen auf

  • das Inhaltsverzeichnis als PDF zu „Alfred W. Crosby
    Die Früchte des weißen Mannes – Ökologischer Imperialismus 900 -1900“
    .
  • Markus Arnold auf stay-in-touch, der als Bruder im Geiste auch sehr gerne zitiert. So das folgende Zitat aus „Früchte des weißen Mannes“, das den Prozess der Homogenisierung verdeutlicht:

    »Die europäischen Auswanderer waren in der Lage, fremdes Land zu erreichen und sogar zu erobern. Aber zur Siedlungskolonie wurde es erst, wenn es Europa ähnlicher geworden war als im Urzustand. Zum Glück für die Europäer waren ihre domestizierten und optimal anpassungsfähigen Tiere trefflich geeignet, diesen Umwandlungsprozeß in Gang zu bringen. […] Selbst mit den technologischen Hilfsmitteln des 20. Jahrhunderts wären die Europäer in der Neuen Welt, in Australien und Neuseeland nicht im Stande gewesen, ihre Umwelt so erfolgreich zu verändern, wie sie es mit Hilfe ihrer Pferde, Rinder, Schweine, Ziegen, Schafe, Esel, Hühner, Katzen usw. erreichten. Insofern sich diese Tiere selbst reproduzieren, sind sie hinsichtlich Tempo und Wirkungsgrad der Umgestaltung ihrer Umwelt – selbst eines ganzen Kontinents – jeder bislang erfundenen Maschine überlegen.« (ibid., 287–289)Alfred W. Crosby nach Markus Arnold auf stay-in-touch

  • Und besonders spannend ein „Zeitzeuge“ der deutschen Erstveröffentlichung der bahnbrechenden Studie – Thomas Schmid in der ZEIT von 1991:

    Die Störung beziehungsweise Komplizierung dieser Kommunikation durch das einzige Wesen, das gezielt in die Umwelt eingreift, durch den Menschen also, steht am Ausgangspunkt von Alfred Crosbys Untersuchung. Der Untertitel („Ökologischer Imperialismus 900-1900“) weist die Richtung – und führt zugleich in die Irre. Denn es könnte scheinen, als ginge es dem Autor nur um die Erweiterung des bisher geläufigen Begriffs von Imperialismus um eine neue Dimension, eben die ökologische; also um die Eingriffe in nichteuropäische Ökosysteme, um den Export europäischer Viren und Krankheitserreger und um frühe Formen der „bakteriologischen Kriegsführung“. Darum geht es Crosby auch, doch er holt sehr viel weiter aus; er beschreibt eine große Schuld der westlichen Gesellschaften, hinter der sich ein der Zivilisation inhärentes Problem verbirgt: Jeder Versuch, die geschlossene Gesellschaft zu verlassen, bedeutet Grenzüberschreitung und hat einen Wettbewerb nicht nur zwischen Gesellschaften, sondern auch zwischen verschiedenen tierischen und pflanzlichen Ökosystemen zur Folge, bei dem die beweglichen Gesellschaften stets im Vorteil sind gegenüber den eher abgeschlossenen.Thomas Schmid in der ZEIT am 06.09.1991 „Ökologischer Imperialismus: Der Siegeszug des weißen Mannes. Alfred W. Crosbys Studie über den Prozeß zivilisatorischer Ungleichzeitigkeit“ (nur hinter der „Registrierungsschranke“)

Bis hierhin. Ich werde auf Crosby genauso wie auf Mann zurückkommen, gewiss auch nur zu gerne mit eindrücklichen Zitaten verziert. Denn beide denken für mich tiefenscharf vor auf global(isierter) Ebene, wozu ich mir meine Gedanken auf interplanetarer Ebene machte, ob überhaupt und wie tödlich einander fremde Biosphären sein müssten. Hierfür induktiv vom einzigen uns bekannten Einzelfall zu lernen, The Living Earth, wird den Weg weisen!

Imperativ des Tages: „Kolumbus‘ Erbe“ lesen!

Hörspiel Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer

Hallo Mitwelt!

Nach längerer diesbezüglicher Pause, nachdem wir auf der SRS Impala das Sonnensystem lehrreich und gelehrig durchreist haben, kehren wir wiedermal zu einem Kinderhörspiel zurück. Man muss schließlich auf dem Laufenden sein und bleiben! Und diesmal wird ein Klassiker par excellence vertont bzw. ist es schon vor dreizehn Jahren: JIM KNOPF UND LUKAS DER LOKOMOTIVFÜHRER!

Hörspiel meiner Kindheit, das ich im Falle dieser Geschichte auch sehr lange ausschließlich gehört hatte, ohne die Vorlage des Kinderbuches ergänzend zu lesen. So erging es aber allen Michael Ende-Geschichten – die Hörspiele waren für mich prägend. Was mich allerdings irritiert: laut Wiki gibt es zwar eine ganze Reihe bis heute anhaltender medialer Interpretationen des Kinderbuchstoffes, aber zwischen all den Verfilmungen in schwarzweiß, Farbe, als Zeichentrick- oder Realfilm, Aufführungen im Theater, als Musical oder gar Oper usw. usf. – Hörspiele werden nicht erwähnt O_o Wie kann das sein? Denn das, was ich folgend linke, ist von 2009. Und das, was ich einst hörte, muss … alt sein….

Die sechs Folgen

  • Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer (1/6): Aufbruch: „Jim Knopf wächst auf der winzigen Insel Lummerland auf. Doch weil die Insel zu klein wird für fünf Einwohner und eine Lokomotive, brechen Jim und sein Freund Lukas mit Lokomotive Emma auf ins Unbekannte.“
  • Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer (2/6): In Mandala
    : „Nach einer aufregenden Fahrt über das Meer erreichen Lukas und Jim Knopf Mandala. Bei dem Versuch, zum Kaiser zu gelangen, geraten sie in die Gewalt der Bonzen, die diese Begegnung mit allen Mitteln verhindern wollen.“
  • Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer (3/6): In der Wüste
    : „Lukas und Jim Knopf erfahren, dass Li Si, die Tochter des Kaisers von Mandala, in der Drachenstadt gefangen gehalten wird. Unerschrocken machen sie sich auf den Weg, die Prinzessin zu befreien.“
  • Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer (4/6): Die Drachenstadt: „Die Freunde haben sich in der Wüste von Fata Morganas in die Irre leiten lassen. Entmutigt stellen sie fest, dass sie die ganze Zeit im Kreis gefahren sind. Schon segeln die Geier über ihnen und plötzlich sehen sie am Horizont einen wirklich riesenhaften Riesen.“
  • Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer (5/6): Kummerland
    : „Mit Hilfe des freundlichen Scheinriesen Herrn Tur Tur haben die Freunde aus der Wüste herausgefunden. Und Nepomuk, der Halbdrache aus dem Land der Tausend Vulkane, bringt die beiden bis zum Eingang der Drachenstadt. Jetzt wird es erst richtig gefährlich.“
  • Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer (6/6): Neu-Lummerland
    : „Der böse Drache, Frau Mahlzahn, ist besiegt, Prinzessin Li Si und andere Kinder sind aus ihrer Gewalt befreit. Den gefesselten Drachen im Schlepptau gelangen sie alle zusammen über den gelben Fluss zurück nach Mandala. Doch wie soll es nun weitergehen, für Jim Knopf und seinen Freund Lukas?“

Die Schaffenden

Das Hörspiel ist ab 6 Jahren anempfohlen, was vermutlich auch gut passt. Es ist definitiv eine kinderfreundliche Dramatisierung und vor allem Sprechweise. Selbst die garstigsten der Figuren – die Bonzen bzw. der eine Oberbonze sowie die Drachen wie vor allem keifend zischende Frau Mahlzahn – klingen – in gealterten Ohren – nie böse. Das schlicht auch, weil die Leute – selbst die Alten – ziemlich jung und dynamisch tönen. Welches alte Hörspiel ich da auch immer prägend im Kopf habe, mir war insbesondere Lukas ziemlich alt vorgekommen. Kann freilich sein, dass für mich lütten Steppkes alle Stimmen jenseits des Erwachsenseins wie greis geklungen haben :-P;-) Dieser Lukas ist hingegen noch reichlich jung und hat eine glatte Stimme, obwohl er raucht wie ein Schlot und sich ständig bis zur Unkenntlichkeit einrußt. Eigentlich ein Kandidat für eine Staublunge – nicht aber in Lummerland, wo dank guter Meerluft noch jede Lunge freigepustet wurde:-)

Weitere Angaben:

  • Von Michael Ende
  • Bearbeitung: Ulla Illerhaus
  • Komposition: Mike Herting
  • Technische Realisation: Günther Kasper
  • Regie: Petra Feldhoff
  • Dramaturgie: Ulla Illerhaus
  • Produktion: WDR 2009/6 Teile/40 bis 45 Minuten je Teil
  • Sprecher*innen: Ulrich Noethen (Erzähler), Dante Selke (Jim Knopf) Jörg Schüttauf (Lukas der Lokomotivführer) u.v.a., diese großteils im Abspann zu Folge 6 genannt werden!

Hier zur Übersicht zu allen Folgen, die sicher und definitiv bis zum 22.08.2022 abrufbar sind, wie es unter jeder Einzelfolge heißt; eventuell sogar bis zum 22.08.2023, wie es bei der Übersicht lautet. Der Einfachheit halber einfach sofort hinklicken und sichern! Es lohnt sich unbedingt

Wenige Beobachtungen

Wie jung mir der neue Lukas vorkommt, gab ich zu Protokoll. Dafür, das Jim Knopf die Hauptperson sein soll, deshalb ja auch als erste genannt wird, finde ich Lukas aber erwachsen dominant. Der kleine Jim – „alter Knabe“ von Lukas genannt – ist von ganz wenigen Ausnahmen in meinen Ohren arg reaktiv, folgt den – guten – Vorschlägen von Lukas, die dieser nicht zu wenige hat. Lukas kennt sich aus, hat das Gros der Ideen, wie man Probleme lösen kann und sollte; zeigt sich gegenüber den Scheinriesen Tur Tur als mutig und von gutem Herzen, nur deshalb sie nicht vor dem gebirgshohen Ungeheuer weglaufen. Lukas macht, sagt an, schlägt vor, initiiert.

Natürlich hat Jim seine Auftritte und ist mehrfach unabdingbar fürs Gelingen. So kann bspw. nur er in den Wassertank der guten alten Emma abtauchen, um eine Schraube zu lösen. Auch wenn Lukas selber nicht allzu groß ist, wäre er für diese Aktion nicht geeignet gewesen und ohne Jim wäre er zu dem Zeitpunkt ‚gestrandet‘.

Spontan am Eindrucksvollsten für mich war Herr Tur Tur, Scheinriese von Geburt an, dadurch ewig im Social Distancing. Niemand will sich ihm nähern, so gewaltig riesig er aus der Ferne erscheint, dass sich niemand je rangetraut hat. Nach dem Motto: wer schon aus der Ferne so schrecklich ausschaut, kann ja nur zu meiden sein. Dabei verhält es sich ganz anders, andersherum nämlich. Und das steht für mich eindrücklich dafür, wie Menschen und ganze Bevölkerungen aus der Ferne gestempelt werden, negativ nämlich, da es von fern so riesig schrecklich erscheint. Doch wer sich dennoch nähern würde, wer dennoch den Kontakt wagt, erfährt, dass alle bloß Menschen und letztlich gleichgroß sind. Entweder idealisiert man aus der Ferne hemmungslos, weil man die kleinen Makel des Alltags nicht mitbekommt und daher alles nur zu schön wirkt. Oder man verteufelt in gleichem Maße, weil man die eine Sache, deren man gewahr wird, für sich als negativ erkennt und hiervon teufelhörnig aufs Ganze – die Menschen oder Ethnien – schließt. Da steckt sehr, sehr viel drin!

Sehr viel, das ich jetzt nicht weiter ausdeute, das Wort hierfür vielmehr an die beiden vom Spoiler Alert übergebe, die in Folge 35 eine literarische Tiefenanalyse wagten: „In der 35. Folge bespreche ich mit Daniel die Jim-Knopf-Bücher von Michael Ende, die mehr darstellen als ein modernes Märchen. Gewissermaßen ein „modernes“ modernes Märchen. In der Besprechung stellt es sich dann obendrein als ein adurch und durch politisches Buch heraus. Aber hört selbst! Viel Spaß!“ Meine Worte: Hören, (nostalgisch) genießen!

ATLANTIS 04 – Nachschlag mit Zitaten der Irritation

Hallo Mitwelt!

Ich schließe direkt an die Besprechung zu ATLANTIS 04 „Der Raumschiffsfriedhof“ von Olaf Brill an. Auf ziemlich falschem Fuß erwischt, war ich angesichts des Präsentierten bass erstaunt: Atlan, Kristallprinz des Tai Ark’Tussan und Flottenadmiral selbigen, scheint auf noch unverstandene Weise mit den Maahks, kriegsheißen Erzfeinden des Imperiums, zu paktieren. In einer für Sauerstoffatmende konzipierten Station inmitten der Atmosphäre eines Gasplaneten der Maahks ist das Trio atlantis gefangengesetzt, wo sie auf Atlan treffen, wo jedoch ebenso Hunderte Arkoniden wie Gefangene anmutend einsitzen. Die Lage ist – für mich – noch völlig unklar, wer da mit wem genau und zu welchen Zwecken paktiert, taktische Zweckbündnisse geschlossen hat und derlei. Atlan scheint Befehlshaber nicht nur über ehrerbietige Rowena zu sein, sondern auch die Maahks, die Perry und Co. vom Raumschiffsfriedhof ‚eingesammelt‘ haben.

Wie sehr die Maahks jedoch Erz- und angesichts der tobenden Kriegsdauer auch zu Erbfeinden des Imperiums geworden sind just in den Tagen von Kriegsflottenadmiral Atlan, hatte ich bereits mit Zitaten aus vielreferiertem Heftroman 60 „Festung Atlantis“ nachzuzeichnen versucht. Demnach sind Maahks für Atlan nichts anderes als Todfeinde des Imperiums, erbittertste obendrein, die das Reich an den Rand seiner Existenz gebracht haben. Umso irritierender, dass Atlan überhaupt und in welchem Setting er mit Maahks – wie auch immer genau – zusammenarbeitet.

Ich habe ein weiteres Heft aufgetan, aus dem ich zwecks Veranschaulichung der Verhältnisse zitieren möchte – lang wie meist. Es geht um Heftroman 217 „Gefahr aus der Vergangenheit“ von Großmeister K. H. Scheer persönlich; wesentlicher Wenderoman im legendären „Meister der Insel“-Zyklus (Nr. 05). Kontexte in gelinkter Perrypedia-Zusammenfassung nachzulesen oder gleich als anempfehlenswertes Hörbuch (Silber Edition 23 „Die Maahks“, Vertonung gleichnamigen Silberbandes) zu ergründen. In jedem Fall und kurzgefasst, erwachen die totgeglaubten Geister der Vergangenheit und auferstehen als tödliche Gefahr, denen Atlan auf der „Straße nach Andromeda“ angesichtig wird. Ein Erkennen, das ihn wie selten aus der Fassung bringt und richtig panisch werden lässt. Kein Hauch auch nur von einstigen Paktpartnern zu verspüren… Aber lese selbst:

Ja – das waren sie! Das waren die unerbittlichsten, hartnäckigsten, fähigsten, intelligentesten und widerstandsfähigsten Feinde, die das Große Imperium der alten Arkoniden jemals gehabt hatte.
Das waren die Wesen, mit denen wir den größten Raumkrieg der arkonidischen Frühgeschichte ausgefochten hatten. Das waren jene eierlegenden Monstren, die ihren ausgeschlüpften Nachwuchs anschließend säugten und die deshalb eine biologische Sonderstellung unter den Völkern der Galaxis eingenommen hatten. Das waren die Lebewesen, die wir einfach Methans genannt hatten, obwohl sie in Wirklichkeit Wasserstoff mit methanhaltigen Verunreinigungen ein und Ammoniak ausatmeten.
Ich hatte als Chef einer arkonidischen Eliteflotte viele Jahre lang gegen sie gekämpft. Die Methans hatten uns erst dezimiert und schließlich noch nachhaltiger geschlagen, weil wir als humanoide Lebewesen nicht in der Lage gewesen waren, unseren Bedarf an Raumschiffsbesatzungen so schnell zu ersetzen wie diese Wesen, die nach einer Reifezeit von nur dreieinhalb Monaten bis zu neun Eier produzieren konnten.Atlan in Heftroman 217 „Gefahr aus der Vergangenheit“

Und weiters, während er – die […]-Auslassungen – auf seine Gefährten wie Perry und Tolotos intensiv und beschwörend einredet, um ihnen den Ernst der Lage klarzumachen:

Mir wurde schwindelig, wenn ich nur an die ungeheure Gefahr dachte, die der Galaxis durch diese unwahrscheinlich kampfkräftigen und intelligenten Wesen drohte.
[…]
Nein – ich schrie sie [Gefährten um Perry Rhodan, A.d.A.] an. Wahrscheinlich war mein Gesicht völlig verzerrt und vom Entsetzen gezeichnet.
„Zurück“, brüllte ich verzweifelt. „Sofort zurück. Das sind Methans; versteht ihr – Methans! Das sind die Lebewesen, die uns vor zehntausend Jahren beinahe vernichtet hätten, bis wir die Konverterkanone bauen konnten. So gehen Sie doch in Deckung, Tolot!“
[…]
Im Vergleich zu ihnen waren Springer, Aras, Akonen und die nichtmenschlichen Blues von der Eastside des Zentrums harmlos.
[…]
Methans sind an Schwerkräfte zwischen 2,9 und 3,1 Gravos gewöhnt. Drei Methans werden mit Ihnen spielend fertig, zwei können Sie unter Umständen besiegen. Tolot – auch Ihnen droht Gefahr. Ich sage Ihnen nochmals, daß dieses Volk der härteste Gegner war, den wir jemals hatten.“
[…]
Wir Arkoniden hatten jedes Lebewesen anerkannt, wenn es nur sauerstoffatmend gewesen war. Fremdgasatmer waren von uns als Intelligenzwesen natürlich ebenfalls gewürdigt worden, aber man hatte sie im Oberkommando sofort als erbitterte Feinde eingestuft.
Die Ereignisse hatten diese Auffassung auch niemals widerlegen können. Fremdstoffatmer hatten sich meines Wissens nie mit Sauerstoffatmern einigen können. Daher war es auch zum Methankrieg gekommen.
[…]
Wenige Sekunden später wußte ich, daß meine schlimmsten Befürchtungen wahr geworden waren. Das waren Maahks!Ebenda

Alles klar? Deshalb bin ich so baff und harre staunend der Entwicklungen, die sich da noch auftun mögen, die ich nicht zu antizipieren vermag. Erscheint mir eine harte Nuss, das in Einklang mit all diesen Zitaten zu erzählen. Weiterlesen!h

ATLANTIS 04 – Der Raumschiffsfriedhof

Hallo Mitwelt!

Und weiter geht es bei ATLANTIS, jedoch fern von Atlantis. Von einem ‚Altgedienten‘, einem nostalgisierten Trio, verschwörerischen Verwicklungen und Unausgesprochenem, das überdeutlich ist…

Die Handlung

Olaf Brill – ATLANTIS 04: „Der Raumschiffsfriedhof: Notsprung ins System der blauen Sonne – die Schrottsammler erwarten sie“

Das Titelbild von Arndt Drechsler ist wuchtig, der Roman selbst ist spannend: Olaf Brill schrieb »Der Raumschiffsfriedhof«, und dieser vierte Band unserer Miniserie PERRY RHODAN-Atlantis kommt in dieser Woche in den Handel. Es handelt sich um einen Roman, der ausschließlich im All und an Bord von Raumschiffen spielt – die Hauptfiguren haben sich weit von Atlantis und seinen Bewohnern entfernt. KNF zu „Der Raumschiffsfriedhof“ am 25.04.2022 auf seinem Blog

In der BEST HOPE (vormals: LT4) springt auf vorletzter Rille das Trio atlantis aus dem Larsaf-System und wendet sich mit finalem Sprung dann einem Sonnensystem zu, in dem eine Raumschlacht stattgefunden haben muss: ein wahrer „Raumschiffsfriedhof“ aus Raumern der Arkoniden und Maahks zieht seine stellaren kreise. Hier hoffen vor allem die beiden Zeitreisenden Ersatzteile für die wracke Technik der BEST HOPE (Sichu) sowie Informationen über Ursache und Verlauf der Schlacht (Perry) zu finden. Während interstellare Caysey von den Sternen beeindruckt mit dem Talagon an Bord zurückbleibt und mithilfe von Blechkamerad RCO ihre neue ‚Stahlheimat auf Zeit‘ erkundet, trennt sich das Ehepaar auf: Perry fliegt im Raumanzug zu einem Maahk-, Sichu selbig zu einem Arkonidenraumer.

Doch war dieses Trio nie allein, wurde vielmehr von einem anderen Trio heiß erwartet: vor Ort weilten nämlich längst „Schrottsammler“ und „Leichenfledderer“, drei Angehörige aus dem Volk der Unither. Sie erhoffen sich ihrerseits raumflugfähiges Material aus dem hinzugesprungenen Raumer. Perry muss sich mit einem herumschlagen und herumschießen, während ein anderer Caysey als Geisel nehmen und RCO zerschießen kann. Sichu wiederum gerät nach Rückkehr zur BEST HOPE ebenfalls in Rüsselgriff.

Kurz bevor Perry den intrinsisch arkonidenhassenden Unither zur Aufgabe bereden kann, kommt es zur großen Wende, die insbesondere die Rüsselträger die ganze Zeit befürchtet haben: Maahk-Raumer kreuzen auf. So vereiteln sie zwar die ‚Geiselnahme‘ durch die Unither, die heillos fliehen, dem Anschein nach trotzdem in ihrem Raumer gnadenlos abgeschossen werden – samt geraubten Talagon. Die wieder vereinten Lemuroiden ihrerseits werden nicht aus dem All geblasen, wie es von ihren Erzfeinden zu erwarten gewesen wäre, sondern eher als ‚Kriegsgefangene‘ in schnell angelegter ‚Arkoniden-Maske‘ festgesetzt. Zu einem Stützpunkt der Maahks transportiert, scheint dort ein Kriegsgericht o.Ä. zu drohen – doch es kommt erneut ganz anders: inmitten der Atmosphäre des Gasplaneten Galorrax stationiert, werden die drei Gefangenen durch die Maahks drei Arkoniden vorgeführt. Auf dessen Anführer hören die Maahks nicht nur, er scheint ihr Befehlshaber zu sein: Atlan! Der interessiert sich jedoch nicht für Perry und Co., wenn nicht Rowena als die zweite im Bunde ehrerbietig dem Kristallprinzen versichern würde, es mit dem entflohenen Trio und den Räubern des Talagon zu tun zu haben…

Roman und Kommentar vom ‚Veteranen‘

Vorletzte Woche war der Neue am Griffel, jetzt hat ein ‚miniserialer Veteran‘ aufgeschrieben: Olaf Brill! Miniserie Nr. 9 läuft, inklusive dieser hat Dr. Olaf Brill – so viel Zeit darf sein – an sechsen mitgewirkt und elfmal beigetragen. Einmal sogar stolze drei Streiche, womit 25% dieser Miniserie – SOL 2 – durch seine Hände gegangen sind. Mit hiesiger Nr. 04 „Der Raumschiffsfriedhof“ ist sein erster – kaum anzunehmen letzter – Beitrag publik. So ganz nebenher hat er damit ein Jubiläum zur Blüte gebracht: das einhundertste Miniserienheft! In meinen ausschweifigen Vorgedanken zu ATLANTIS hatte ich schon zu den acht-mal-zwölf-=96-Miniserienheften festgestellt: allein diese ’nebenbei‘ produzierten Hefte sind umfänglicher als manch legendäre SF-Serie wie die Terranauten, Ren Dhark oder Raumschiff Promet. Und jetzt ist auch noch die für das Gros aller Serien manifeste Schreibmauer der Dreistelligkeit erreicht und überwunden. Schließlich folgen außer bei Weltuntergang noch definitiv acht weitere Hefte mit Mehrumfang: sind die Hörhefte zur Erstauflage um die 3h lang, gelegentlich bis zu 3,5h länger, so war Olaf Brills Hundertsassa nahezu VIER STUNDEN hyperlang. ‚Normale‘ Hefte sind 60 Seiten umfangreich, solch ein Miniserienheft dann lässige gut 80 Seiten. Das nur mal so zur Orientierung.

Zur Auflockerung stammen die – den Hörheften leider weiterhin nicht als PDF beiliegenden – ATLANTIS-Kommentare auch von Mr. 100 – der Jubilare ist diesmal sogar online gegangen: „Die Miniserien erreichen Band 100“. Hier stellt OB in kompakt dar, wofür ich ein paar wenige Worte mehr aufgewendet hatte: PERRY RHODAN-Miniserien-Vorläufer, also die acht Vorgänger zu ATLANTIS; dreizyklische ACTION-Miniserie, der wiederum sich immer narrativ verdichtendere ATLAN-Miniserien vorausgingen. OB zählt die – dort näher gelinkten – Planetenromane noch hinzu, die identische Funktionen erfüllten: großer narrativer Freiraum für altgediente Autoren, freier Übungsraum für Neulinge zur Ertüchtigung zu mehr. Am Ende waren so vierhundertfünfzehn 160-seitige Taschenbücher erschienen, wovon es 100 in eine zweite Auflage (Taschenhefte sowie Planetenromane)
geschafft haben. Diese mit Vor- und Nachworten umrahmt und immer noch als eBooks erhältlich. Lesenswert! Da gab es dann zugegeben manch – höchst fantasievollen – Wildwuchs, der sich fern jedwedem Kanon frei entfaltete. Die besagten 100 Neuaufgelegten dürften ihrerseits jedoch als kanonisch anzusehen sein bzw. ihren Weg in eine kanonisierende Einordnung geschafft haben. Schon die ATLAN- und seither alle PERRY RHODAN-Miniserien sind zwölfbändig in sich geschlossen und narrativ dicht verwoben, selbst wo sich Folgezyklen direkt anschlossen und Handlungen fortsponnen (bspw.: SOL sowie SOL 2). Bei den alten Planetenromanen gab es nur lose dann und wann Fortsetzungen in lockeren Zyklen, meist rund um Handlungsträger, die sich einen Platz in den Herzen des jeweiligen Autors oder/und der Leserschaft erobert hatten.

Die „antike“ und „archaische“ Technik hypermodern

Es ist mir so langsam fast schon peinlich, unangenehm zumindest. Aber erneut geht es um die Technik und ihre bedienseitige Darstellung FERN der alten Zeiten, als sie das erste Mal erzählt worden ist. Auch diesmal wird wieder en masse und massenhaft mit Hologrammen gearbeitet, in diese ständig händisch hineingegriffen und zurechtgezupft, während sie informationsgeballt in 3D anzeigen. Das macht am Häufigsten Sichu, aber auch die beiden anderen; das machen ebenso die Unither, die als „Schrottsammler“ mutmaßlich nicht das technisch hochstehendste Schiff ihrer Zeit navigieren. Und auch bei ihnen ist es Standard, an Hologrammen herumzurüsseln.

Doch es geht noch weiter und mehr, was mir auffallend auffiel. Also es fällt mir selber auf, wie sehr es mir auffällt und mich genauso sehr stört. Inverse Reflexion? Die Raumanzüge, in die insbesondere Perry und Sichu steigen, um zu den Raumschiffwracks zu kommen, ähneln in den Möglichkeiten und Kapazitäten vielmehr SERUNs – Semi-Reconstituent-and-Recycling-Units. Diese sind – unter der Bezeichnung – erst mit Heft 975 eingeführt worden: Handlungsjahr 3587 NACH Christus (11.560 Jahre zukünftig zu ATLANTIS), Realjahr 1980 (neunzehn Jahre nach Serienstart). In jedem Fall sind die hier geschilderten Raumanzüge bedeutend funktionaler und benutzer*innenangepasster als die Arkonidenanzüge der perryversalen Anfangszeit, diese die Terraner als hochmodern Ende des 20. Jhdt. von den Arkoniden übernehmen. Die haben mitnichten je mit ihren Träger*innen freimütig gesprochen, wie wir es heutzutage durch ALEXA, SIRI & Co. gewohnt sind und als noch sprechverbesserter in die Zukunft projizieren. In diesen Anzügen steckt lesbar eine – zumindest mal schwache – KI, die durchaus von sich aus kommunikationsfähig ist und Informationen aufgearbeitet ansagt. Und geschweige denn, dass die Anzüge – wie es Sichu ‚handhabt‘ – per Augenblinzeln zu dirigieren gewesen wären. Trotzdem spricht Sichu bevorzugt von „archaischer“ und „antiker“ Technik… Das waren recht klobige Dinger, 1961 den damaligen Astro- und Kosmonauten-Anzügen abgeguckt. Da wurde noch sehr viel durch Gürtelarmaturen geregelt, wo man Schalter und derlei zu betätigen hatte, um bspw. Antigravflug, hinzu- oder abzuschaltende Schutzschirme zu de-/aktivieren. Zugegeben: wie Sichu dann erfinderisch clever und geschickt sehr oldschool per Sauerstoffablassen durchs All manövriert, mutet nostalgisch an die wilden Zeiten.

Allerdings: dazu kommt es ja erst und nur, nachdem man die zu ausgereifte Technik Star Trek-gleich wie beim dortigen Beamen ausfallen lässt. Die Hyperstrahlung oder was es auch immer bewirkt hat, allemal wird die Technik der Raumanzüge erzählpassend situativ dysfunktional. Damit entspricht sie nach dieser Art situativem Downgrade in etwa den Möglichkeiten der alten Zeit. Nur wieso und wozu stellt man das situativ her, nachdem man es zuvor – für mich unnötig – aufgelevelt hat? Wer A sagt, müsste auch B sagen – demnach: wer der Nostalgie willen erzählzeitreist, sollte eigentlich auch die anachronistisch anmutende Technik genauso miterzählen, wie sie für diese Zeit axiomatisch festgesetzt worden ist. Ein Gesamtpaket, aus dem nach narrativem Bedarf sich zu bedienen m.E. unnötige Schieflagen mit sich bringt.

Genauso bei den Trio rüsseli: die können per Ortung so schärfengenau scannen, wie es auch so nie möglich war. Aus großer Entfernung bemerken sie argusäugig sowohl Anzahl der Lebewesen als auch deren Geschlecht bzw. im Falle Cayseys ihren Zustand. NICHT ABER, dass es sich gar nicht um Arkoniden handeln kann, da solche statt Rippen Knochenplatten im Brustbereich haben, Terraner bekanntermaßen nicht. Und Sichu ebenfalls nicht. Noch krasser jedoch, dass die Unither die Hyperstrahlungsquelle Talagon einwandfrei ausmachen können, allen voran ihretwegen das Schiff ‚kapern‘. NUR: wieso ist Rowena denn dann so ziellos mehrtägig über Atlantis herumgekurvt, um nur ziemlich zufällig auf Talagon-Träger Perry zu treffen (Heft 01)? Und wenn die Unither so präzise detektieren können, wieso tappen die Maahks mit sicherlich wesentlich tauglicheren Ortungsgeräten derart im Dunkeln? Das riecht doch glatt nach …

Kein Rüsselreinigen???

Im Vorfeld diskutierten wir darüber, ob die Außerirdischen, die in diesem Roman als Schrottsammler auftauchen, in dieser Epoche unserer Serienvergangenheit überhaupt schon eine eigene Raumfahrt beherrschen. Kann man sie wirklich auftauchen lassen, und welche Rolle spielen sie im Großen Imperium der Arkoniden? KNF auf seinem Blog über ATLANTIS04

Alles, was man über Unither für einen Erstkontakt wissen muss, gibt Perry zu Gedankenprotokoll in Kapitel 10. Und was OB unserem Mann im All in den Kopf schreibt, assoziierte ich von Kapitel 01 an, als das Trio rüsseli die Handlungsbühne des Raumschifffriedhofs betrat. Ob das jedoch eine ‚unithische Zeit‘ 8.000 v. Chr. Gewesen war, fragte ich mich auch.

Die Ereignisse, auf die Perry anspielt, sind 1963 in Heftroman 99 „Ein Freund der Menschen“ erzählt worden (Handlungszeit 2045 n. Chr.): zwar handelte es sich bei diesem unithischen Trio, mit dem wir damals erzählerisch erstkontaktierten, nicht um Schrotthändler, vielmehr um Ausgestoßene aus der Herde ihres Volkes. Mit einem immerhin schrottreifen Schiff stürzten sie mehr auf just dem Planeten ab, als dass sie sicher gelandet wären, wohin sich Crest, der arkonidische Mentor der Menschheit von Heft 01 an zurückgezogen hatte. Ein planetares Altenheim in gewählter Einsamkeit, wo sich der alte „Freund der Menschen“ weniger seiner Haut erwehrte, als vielmehr terranische Technik vor dem Zugriff dieser Außerirdischen retten wollte. Bis zum Tod. Und von solchen Halunken bis zu leichenfleddernden Schrottsammlern ist der Exposéweg dann nicht mehr weit

Der handlungschronologisch mutmaßliche Erstauftritt bis dahin ist rückwirkend auf das Jahr 5747 v. Chr. zu datieren – erzählt in „Fluchtpunkt Schemmenstern“. Ja, noch so ein „Fluchtpunkt“ – das Perryversum ist diesbezüglich ausgeprägt fluchtpunktiert. Diese Geschichte schließt ihrerseits an die Handlung der Urminiserie an – Traversan, wo es Atlan in die arkonimperiale Provinz raumzeitverschlagen hat.

Das spielt ergo wiederum rund 2250 Jahre nach dem Untergang von Atlantis. Vor zweieinhalb Jahrtausenden hatten u.a. die Perser Oberwasser, war Babylon noch eine recht angesagte Stadt, war hingegen Alexander, der dadurch der Große werden sollte, noch nicht ausgezogen… Seither ist auf Erden allerlei passiert – in den Weiten des Kosmos ticken die galaktischen Zivilisationsuhren jedoch langsamer. Die Langwirkmächtigkeit soziobiologischer wie soziokultureller Prägungen überdauert Zeiten. Es geschieht, weil es schon so geschah. Unither sind ATLANTIS gegenwärtig so, wie sie handlungschronologisch soooo viel später erst geworden sind, weil die erzählchronologisch sooo viel früher schon so ausstaffiert worden waren. Soziobiologisch kann man sowas gewiss nachvollziehbar machen, dass ohne cyberborgische Manipulationen eines Transunithismus Unither sind und sich verhalten, wie sie immer schon waren und sich seit eh und je so verhalten. Aber der soziokulturelle Überbau dürfte sich in den Jahrtausenden so ungemein oft, radikal, disruptiv, transformativ und metamorphisch verändert haben, dass man diese und jene Unither eigentlich kaum gleichermaßen verstehen kann. Nostalgisch dennoch wunderbar und von Mr. 100 detailreich bestens inszeniert. Freu! Anders als bei „PICARD“ laut Hannes Könitzer bei Robots & Dragons

Bis hierhin habe ich das Trio etwas distanziert dargestellt, mutmaßlich ungefähr so, wie es als bloße Handlungsträger im Expo skizziert war. Gilthenk, Mekkhur und Glongg haben erst durch Olaf Rüssel in die Gesichter bekommen:

[…] Die drei Unither zum Beispiel waren im Exposé einfach nur drei Typen, die andere Ziele haben als die Hauptfiguren und daher die Handlung mit Konflikt anfüllen. Ihre drei unterschiedlichen Charaktere stammten vollständig von mir.Olaf Brill im PROC-Interview

Und wie sehr OB hierfür in die Trickkiste gegriffen hat, sollte klar geworden sein. Eines fehlt jedoch: Der Rüsselreiniger! Die drei Ausgestoßenen Liszog, Zerft und Golath, die schlussendlich Crest zu Tode hetzen, hätten den alten Arkoniden sicherlich viel leichter überwältigen und besiegen können, wenn sie nicht ständig pausiert hätten, um sich den Rüssel zu reinigen. Dafür gibt es selbst auf Schrottschiffen für Ausgestoßene Apparaturen, die keinem Unither vorzuenthalten sind. Ausstoß aus der Gemeinschaft der Herde als härteste aller Strafen ja, aber den Rüssel nicht mehr reinigen zu können, das tut man den übelsten Verbrechern nicht an. So in Heft 99, so aber nicht in ATLANTIS 04. Was da los? Alles soziobiologisch chronoferent beim Alten, nur die Sache mit dem Rüsselreinigen ist noch nicht erfunden und kulturell angeeignet? Die drei sind über 10.000 Lichtjahre von ihrer Heimatwelt Unith bzw. der Heimatsonne Unatha entfernt, am äußersten Rande des Tai Ark’Tussan, scheinen einer jeden sich bietenden Raumschlacht hinterher zu ziehen. Aber die Rüssel säubern sie sich nicht!? Empörend! Sich aber über die „Weichhäuter“ lustig machen, die zu nichts taugen mit ihrer zarten, schwachen Haut… Gegenrassistische Vorurteile und Abwertungen gegenüber den imperialen Besetzern, die den Unithern jedoch auch noch nie gut mitspielten.

Die Verschwörung – Nur wer eigentlich gegen wen?

Und wozu, zu welchem zweck?

So! Bisheriges so weit, so schön und gut. Wortumrankte Zierde, lesens- aka hörenswertes Präludium. Doch das Entscheidende, worum es doch geht, worauf wir hin fieberten, was den Stein ins Rollen gebracht hat, ereignet sich, geschieht am Ende des Romans! Perry hat uns schon sachte die Spur gewiesen, als ihm auffiel, dass das Gros der Raumschiffsfriedhofsraumschiffe an die 200 Jahre alt ist und wohl kaum reguläre Kriegseinheiten gewesen sein dürften. Der Keim des Argwohns, es hier mit einer ’normalen‘ Schlacht zu tun zu haben, beginnt zu sprießen. Doch wer materialschlachtet derart und als Inszenierung wem gegenüber? Und dann kommen, ganz gemäß den Befürchtungen der Unither, auch noch die Maahks zurück ins System. Als ob just diese vermehrungsfreudigsten eierlegenden Lebewesen sich um ihre Gefallenen kümmern würden, sich deretwegen zurück an den Ort einer Niederlage begäben. Und just die Erz- und angesichts der Kriegsdauer auch Erbfeinde der Arkoniden machen SCHEINBAR kurzen Prozess mit den Unithern, behandeln die vermeintlichen Arkoniden aber als Kriegsgefangene nach einer Art „Genfer Konvention“? Außergewöhnlich ohnehin schon, aber dann: diese Maahks verhalten sich auf augenscheinlich ihrem ureigenen Stützpunkt inmitten eines Gasplaneten einem Arkoniden gegenüber als Befehlsempfänger? Und dieser Arkonide ist Atlan? WOW!

Atlan paktiert mit Maahks? Nachdem(!) der Methankrieg bereits ausgebrochen ist? Zugegeben noch Jahre, bevor Atlan – vermittelst durch ES – die ultimative Waffe gegen die „Methanatmer“ erhält und gegen den Feind zum Einsatz bringt? Das ist unglaublich! Ich bin tatsächlich bass erstaunt und kann das gar nicht ein- noch zuordnen. Eben dieser Atlan, der in Heft 60 „Festung Atlantis“ Folgendes rund um Maahks und Methankrieg aussagt, das für mich keinerlei Paktiertaktik zulässt:

[…] Der Krieg gegen die Methanatmer nahm seinen Anfang in jenen Tagen, als die auf Atlantis gelandeten Siedler damit begannen, ihre neue Heimat aufzubauen. […] Wir waren uns darüber klar, daß uns ein schwerer und harter Kampf bevorstand. […] Aus dem sogenannten Nebelsektor kamen besorgniserregende Nachrichten. Es war, als hätten sich sämtliche nichtarkonidischen Intelligenzen plötzlich gegen uns verschworen. […] Ich dachte auch keine Sekunde an einen kleinen Kontinent, dem der Kommandant meines Flaggschiffes den Namen Atlantis verliehen hatte. Es war alles so unwichtig geworden. Das Große Imperium unter Arkons Vorherrschaft rang um sein Weiterbestehen. Der sogenannte Methankrieg nahm all unsere Kraft in Anspruch. Wir wußten zu jener Zeit noch nicht, daß er unser Volk zum Ausbluten und das Imperium an den Rand des Abgrundes bringen würde. Atlan am Ende von Kapitel 5 in „Festung Atlantis“

Und später, als er zur Rückkehr in dieses abseitige System kommandiert worden ist:

„Es handelt sich wahrscheinlich um Methanatmer“, fuhr ich fort. „Die Monstervölker der Galaxis scheinen mehr und mehr dazu überzugehen, einen Mehrfrontenkrieg anzustreben. Anscheinend verfügen sie über ungeheure Reserven an denkenden Wesen und Material. Wir können es nicht darauf ankommen lassen, auch nur ein Schiff zu verlieren. Unsere schweren Verluste im Abwehrsektor zeigen deutlich, daß die Zeit der warnenden Anrufe vorbei ist. Wir eröffnen – wie gesagt! – das Feuer, sobald wir etwas orten, was nach einem unbekannten Raumschiff aussieht. Unsere eigenen Einheiten wechseln den Erkennungscode nach Geschwaderkladde im Fünfstufen-Rhythmus. Eher wird eine Dechiffrierung durch den Gegner erfahrungsgemäß nicht möglich sein. Das wäre vorläufig alles. Wir müssen abwarten, was sich im Larsafsystem abgespielt hat. Ich danke sehr.Ebenda – Markierung durch den Blogautor

Und zeitlich müsste der hier erzählte Abflug von der gegründeten Kolonie auf Larsaf III. hinein ins Kriegsgeschehen genau den in Heftroman 60 ausgelassenen Abschnitt umspannen, in dem wir uns in ATLANTIS 04 befinden: Atlan kämpft nicht 30- bis 32000 Lichtjahre fern des Larsaf-Systems zwei Jahre lang schlimmste Schlachten, sondern befindet sich in relativer Nähe und spinnt… Ja was eigentlich? Intrigen? Konspirationen? Pakte? Mit den Maahks – anscheinend ja. Aber welchen? Rebellen gegen die eigenen Kriegstreiber? Hatte Atlan hier einen letzten Versuch gewagt, den Krieg abzuwenden? Was hieße, er hätte sich auch gegen arkonidische Kriegstreiber gewandt. All das bleibt noch völlig unklar, kann ich noch gar nicht fassen, finde noch keinen roten Faden der Rowenadne…

Denn Rowena gibt es inmitten dessen ja auch noch! MAL WIEDER(!) ist sie dem Trio atlantis voraus, hat deren Weg erahnen können, um zu rechten Zeit am rechten Ort zu sein, um das Trio anschuldigen zu können. Das ihrem „Gebieter“ gegenüber, Atlan, vor dem sie ehrerbietigst niederkniet, wie man es wohl wahrlich nur vor einem Kristallprinzen oder gar dem Imperator zu tun pflegt. Rowena? Die in den ersten beiden Romanen konspirative Widersacherin zu sein schien, die wider Atlan intrigiert und ihn hintergeht. Im Vorgängerroman drückte sie sich an zwei Stellen so aus, als ob sie Kontakt zu Atlan hätte, wüsste, wo er sich aufhält. Das blieb da aber noch so unbestimmt, als wäre er ggf. ihr Gefangener, den sie jederzeit zu befragen wüsste. Nichts da! Trotz ihrer dienstlichen Ertüchtigung unter Atlans Erzfeind Orbanaschol SCHEINT sie dem Kristallprinzen und Flottenadmiral untertänig zu Diensten zu sein. Rowena – „Die Kralasenin“, Bluthündin des Imperators und seines Neffen? Eine, die nicht auf ihren Extrasinn hören mag und der kein Konsequenzglück hold ist? Die den Gegnern räumlich stets einen Schritt voraus ist, um dann doch – bisher – nicht wirklich final zupacken zu können?

Wir haben also – mindestens – zwei Ebenen: zum einen Rowena, über die wir im Folgeband mehr erfahren, die auf noch etwas verschleierte Art und Weise mit Atlan zusammenhängt, anscheinend doch für ihn arbeitet. Dieser wiederum plant auf höherer Ebene, hält längere Fäden in der Hand, an die wie an eine Leine selbst Maahks gebunden scheinen. Nicht zu vergessen dann noch die Meta-Ebene, die nur im vierten Omen in Heft 01 ganz kurz aufleuchtete, wo nun wahrlich höhere Mächte rund um – nicht nur – das Talagon in den Konflikt eingreifen und für die Atlantis der Fluchtpunkt ist.

Zwischenfazit nach einem Drittel

Allerhand, was Mr. 100 da niedergegriffelt hat. Mehrfach gelinktes PROC-Interview mit ihm nur zu empfehlen, wo er fröhlich vielerlei ausplaudert, ja sogar den miniserialen Expotän fürs Kurshalten lobpreist. Olafs skriptorale Erfahrenheit, miniserielle Korsetts auszufabulieren, kommt ihr zur Geltung. Ihm hat vor allem Caysey gefallen, die anscheinend für alle Autor*innen bisher als narrativer Anker fungiert hat, worüber sie sich einigermaßen erlebensnah ins Perryversum hineindenken konnten. Asche auf mein Haupt, dass ich je annahm, Caysey könnte nur eine „Durchgangs-Protagonistin“ sein – wo sie die wahre Heldin ist, die von Roman zu Roman an Welterfahrung gewinnt.

Nun aber zum Wohl und Weh der Miniserie, dem Talagon! Es wird narratosuggestiv so getan, als wäre es von den Unithern in ihrem Fluchtraumer mitgenommen und auf der Flucht durch die gnadenlos schießenden Maahks sodann vernichtet worden. NIEMALS! Täuschung! Bewusst vage Erzählweise! Kann alles gar nicht sein! Wie gesagt, dass die Unither mit ihren Ortern das Talagon derart hyperstrahlend quer durchs System detektieren konnten, ist zu deutlich ausgesagt worden. Dass ab der Ankunft der Maahks das Talagon, dessen Aufenthalt und seine Hyperstrahlkraft keinerlei Erwähnung mehr wert war, man sich vielmehr auf so nachrangige Details wie eine Ad-hoc-Maskierung von Perry und Sichu versteifte, ist zu auffällig. Wenn das Talagon zerstrahlt worden wäre, hätte das einen Hyperschauer an Strahlung nach sich ziehen müssen, den die Maahks mitbekommen hätten. Usw. usf. Hier wurde narrativ absichtlich in die falsche Richtung geschaut, um etwas zu verschweigen, was geschehen ist.

Ich gehe davon aus, dass die Unither – rüsselschlau wie sie nunmal sind – einen großen Trick gewagt haben. Eventuell haben sie ihr Schiff losgeschickt, ohne selber drin zu sitzen, geschweige denn das Talagon einfach so mitfliegen zu lassen. Wenn dem so wäre, wären sie noch am Leben und nun mit dem Talagon fahnenflüchtig. ODER Caysey hat es pfiffig versteckt! Denn ebenso auffällig hat sie sich für das Schiff, seine Funktionen und Konstruktion interessiert, worüber sie RCO zu Lebzeiten freimütig instruierte. Vielleicht, dass sie da einen Ausweg spontan gefunden hat, es irgendwo unauffällig zu lagern, ggf. inmitten irgendeines noch intakten Hyperstrahlers, der die Emissionen des Talagon überdeckt. Oder es war Sichu, die zeitweise ja mit Caysey zusammen in Geiselhaft war, genauso denkbar dann die – angebliche(?) – Flucht der Unither für sich ausnutzte. Tiefschürfende Erörterungen gab es nicht, da Perry sich maskieren wollte, was Zeit beanspruchte. Nach der Gefangennahme blieben sie getrennt und konnten sich schlicht nicht mehr austauschen. So oder so: da stimmt was nicht in der Erzählung und leseerfahrungsgemäß sind perryversale Autor*innen ziemlich fiese Erzählmöpp, die noch jeden Ackergaul verkauft haben. 😉

Bis hierhin weiß die Serie aber schon sehr zu gefallen – trotz meiner insb. retrotechnischen Einwürfe und manch Gemäkel im Detail. Man versteht es autor*innenübergreifend bisher, viele Anknüpfungspunkte aufzugreifen, stimmige Details, die den Älterlesenden wonnig erfreuen, zahlreich einzupflegen; gleichzeitig aber wendungsreich neues auszubreiten bzw. bis dato größtenteils anzudeuten. Weiter so! In der Mache ist es auch schon:

Ein großer Teil der Manuskripte liegt geschrieben vor, einige Romane sind bereits veröffentlicht, und mit den Exposés ist Ben Calvin Hary längst bis Band zwölf gekommen. Die Serie steht also, wobei es naturgemäß bei einer konzeptionellen Arbeit immer noch weitere Gedanken und Änderungen gibt. Nichts ist in Stein gehämmert – wir machen schließlich Science Fiction, und da kann die eine oder andere Idee schon mal eine Welt verändern.KNF auf seinem Blog: „Zwischenstand auf Atlantis“

Per Anhalter – das Leben findet einen Weg

Hallo Mitwelt!

Faszinierend! Kaum im vorigen Beitrag darüber sinniert, ist auch schon eine ergänzende Studie hierzu erschienen und besprochen worden (s.u.). Mir ging und geht es darum, wie unwahrscheinlich bis unrealistisch ich es finde, wie in der SF biologisch meist nur zu konform und erzählungspassend Evolutionsfremde miteinander können. Dabei müsste es doch noch umwerfender werden, noch krasser kollidieren, wenn insbesondere evolutionsfremde Mikrofauna auf großtierische Invasoren trifft. In ‚pandemischer Vorwärtsverteidigung‘ sollte sich die invadierte Welt mikrobiell problemlos erwehren können – man lese: Aurora von Kim Stanley Robinson. Grund meines Erachtens: fehlende gemeinsame Evolution! Trotz solcher erleiden wir zwar die Corona-Pandemie, obwohl wir mit anderen Corona-Viren bspw. bei Influenza sehr wohl schon bekannt bis vertraut sind. Aber auch nur deshalb war Corona einschneidend, trotz allem aber nicht massentödlich wie zum Beispiel die Pest oder „Captain Trips“. Hie und da gab es doch noch genügend kreuzreaktivierte Immunsysteme. Diese und nur diese sind es nämlich, die aus einer gemeinsamen Evolution hervorgehen können, als widerständige Anpassung gegen die widerfahrigen Zufügnisse aus der Umwelt. Mal gut, mal weniger tauglich justiert, aber doch zuallermeist justier-, sprich trainierbar. Und an jedwedem immunsystemischen Training fehlt es in evolutionsfremden Erstkontakten, wenn es dann mikrobiell artspringt. Dann bricht es nur so brutalstmöglichst, wie immunsystemungeschützt in die invasive Fauna ein, die weder eine robuste zweite Abwehrlinie haben kann (T-Zellen) noch eine schnelle Eingreiftruppe für den, ggf. grobschlächtigen Erstzugriff (Antikörper). Wie schnell das diesseits der Realität gehen kann, dass sich ein Immunsystem mangels kontinuierlichem Training ‚abschwächt‘ bzw. nicht mehr gar so zupackkräftig sein könnte, wird sich in nächster Grippe-Saison nach zweimaliger Pause erweisen.

Außer: Panspermie – „All-Saat“! Außer das Leben wäre zwar evolutionsunvertraut miteinander, weil zwar auf je ureigenem Planet pfadabhängig ertüchtigt, aber panspermisch aus einer gemeinsamen Quelle gespeist. Dann wäre es wiederum denkbar, dass das Leben an sich fundamental gleichartig ist und es doch Wege geben könnte, die das in die Verteidigung gedrängte leben finden könnte. Viele Konjunktive! Ohnehin die Frage, ob man ’nur‘ von unbelebten Bausteinen ausgeht, die da von kosmischen Lieferservices angeliefert werden und die sich sowieso erst in je planetarer Ursuppe lebhaft zusammenfinden müssen. Oder ob gar Leben selber kosmisch umherreist und somit ein- und dasselbe (v.a. bakterielle) Leben auf verschiedenen habitablen Gestaden angelandet wäre, um sich vor Ort dann eigenwillig auszudifferenzieren. Die dritte, wenn man so will Meta-Perspektive wäre eine gerichtete Panspermie, demnach es so weit entwickeltes Leben gibt, dass dieses selber für die Weiterver- und Ausbreitung von Leben sorgt. Das Leben zieht zentrifugal immer weitere Kreise. Im Perryversum durch die Sporenschiffe der Kosmokraten, die „Biophoren“ im Universum verteilen, woraus auch an entlegensten Unorten des Kosmos Leben überhaupt oder schneller als ’natürlich‘ entstehen kann. Aber das ist schon krass weit hergeholt und erklärt so gar nichts, vergöttlicht nur das Leben schaffende Leben als Über-Leben. Denn woher kam denn dieses panspermierende Leben seinerseits her? Vielleicht auch bloß zyklisch aus noch älteren Panvita, das panspermiert worden war. Und so weiter fort auf immerda!

Ich endete damit, dass es ja panspermisch geworden sein mag, wir das jedoch nie wissen können. Auf und für Erden schon, hier ließe sich nachzeichnen, ob und wie viele taugliche Himmelskörper samt belebender Ware hier einschlugen. Induktiv von diesem Einzelfall kann man dann vermuten, aber auch nicht mehr, dass es anderswo vergleichbar zustande kommt. Biosignaturen ließen sich gegebenenfalls exoplanetar dank hyperspektraler Einsichtnahme aus der Ferne detektieren. Doch wie das Leben überhaupt ausschaut und vor allem wie es seinerseits entstanden ist, ob panspermisch, müsste doch für alle Zeiten uneinsichtig bleiben. Oder?

Oder auch nicht

Oder auch nicht! Um zu panspermieren, bedarf es Himmelskörpern, die zwischen nicht nur den Planeten herumreisen, sondern gar zwischen den Sternen: Sternenvagabunden, die den Baukasten für das Leben mit sich führen und, einmal von solarer Gravitation eingefangen, nur zu passend auf einen potentiell lebensfreundlichen Planeten hinabstürzen. Dafür kommen keine, größtenteils keine Exoplaneten in Frage, sondern wesentlich kleinere Massen. Exoplaneten ihrerseits sind seit bald 30 Jahren entdeckt und immerfort werden neue gesichtet. Jüngstes Beispiel – nur zu naheliegend – Proxima Centauri! Nunmehr mit schon drei Welten, wenn auch kaum lebensbejahend. Und direkt nebenan, um das Zweisternensystem Alpha centauri könnte modellerwartbar sehr wohl eine erdähnliche Welt kreisen. Einen verdächtigen Wärmefleck hat man schon detektiert. Seit 1961 wissen Insider allerdings diesbezüglich schon um das Orion-Delta-System und seine Planeten 😉 🙂. Skurrilitäten wie einen Planeten, der um gleich drei Sonnen kreist, ist auch schon bekannt.

Das Gros der entdeckten Welten ist allerdings gasriesenriesig, vergleichbar unserem Jupiter oder Saturn. Je größer, desto besser aus der Ferne wahrzunehmen. Vor allem das mittels der „Transit“-Methode, dernach ein Planet durch seine Masse seine Sonne – noch so seicht – „ruckeln“ lässt, zu vermeintlichen Schwankungen im Helligkeitsbild der Sonne führt. Das kann man argusäugig beobachten und so auf zumindest Größe und eventuell Mehrzahl von Planeten schließen. Ggf. auch deshalb, methodenbedingt, dass wir anteilig so wenige Welten erspäht haben, die überhaupt nach unseren Vorstellungen belebbar sein könnten. Und weil die Größe bisher ausschlaggebend ist, konnten wir trotz allem auch noch keine extrasolaren Monde, Monde außerhalb unseres Sonnensystems scouten. Zu den Gründen genauer der Fachmann schlechthin, nämlich der Sternengeschichten-Erzähler in Sternengeschichten Folge 469: Extrasolare Monde:

Wir können sie natürlich nicht direkt sehen; das geht ja schon bei den extrasolaren Planeten sehr schwer bis gar nicht. So wie die Planeten leuchten auch die Monde nicht mit ihrem eigenen Licht. Sie reflektieren nur das Licht ihres Sterns. Und weil Monde im Allgemeinen kleiner sind als die Planeten, leuchten sie noch viel schwächer. Und werden nicht nur durch das Licht des Sterns überstrahlt, sondern zusätzlich auch noch vom Licht des Planets, den sie umkreisen.
Wir können aber durchaus indirekte Nachweise führen. Viele Planeten anderer Sterne haben wir durch die sogenannte „Transitmethode“ gefunden. Wir beobachten das Licht eines Sterns und messen seine Helligkeit über mehrere Tage, Wochen oder Monate hinweg. Wenn von uns aus gesehen zufällig gerade ein Planet vor dem Stern vorüber zieht, blockiert der ein ganz klein bisschen von dessen Licht. Das können wir messen und wenn der Planet den Stern umkreist, wiederholt sich diese Mini-Verdunkelung in regelmäßigen Abständen. Wenn der Planet der so einen „Transit“ verursacht zusätzlich auch noch von einem Mond umkreist wird, wird die Sache interessant. Denn der Mond ist zwar kleiner als der Planet und hat weniger Masse. Aber er übt trotzdem eine Gravitationskraft auf den Planet aus. […]
Bei einem extrasolaren Planet mit Mond ist das genauso. Je nach Konfiguration kann das Wackeln größer oder kleiner sein. Aber ein Planet mit Mond wackelt immer – und das bedeutet, dass die Verdunkelungen die er beim Stern hervor ruft, nicht VÖLLIG regelmäßig sind. Bei seiner Hin- und Her Wackelei wird mal ein kleines bisschen früher ankommen und mal ein kleines bisschen später. Das nennt man eine „Transitzeitvariation“ und wenn man so etwas beobachtet, kann man daraus prinzipiell auf die Existenz des Mondes schließen.Sternengeschichten-Erzähler

Hierzu ebenfalls im Spektrum-Podcast

Wenn man schon schwer kleine Planeten und bisher noch gar keine Monde fernab von uns erkennen kann, ist Folgendes für mich daher umso erstaunlicher: Die Studie „Exocomets Size Distribution in the X Pictoris planetary system“Spektrum der Wissenschaft berichtet -, dokumentiert den Fund von nichts – buchstäblich – Geringerem als 30 Kometen:

Gleich 30 Kometen auf einen Streich haben Astronominnen und Astronomen im rund 63 Lichtjahre von der Erde entfernten Sternsystem Beta Pictoris entdeckt. Die Exokometen sollen in etwa so groß wie die Kometen in unserem Sonnensystem sein – ein Hinweis darauf, dass ähnliche Prozesse bei der Entstehung von Kometen am Werk seien. Das schreibt das Team um Alain Lecavelier des Etangs von der Pariser Sorbonne UniversitéSpektrum der Wissenschaft – Linkeinfügung durch den Blogautor

Mithilfe von TESS hat man von 2019 bis 2021 Beta Pictoris argwöhnisch beäugt und die besagten 30 schweifigen Kometen durch obige Transit-Methode ausmachen können. Aber um welche Größe geht es denn dabei?

Anhand dieser kleinen Verdunkelungen konnten die Forschenden auf die Größe der Exokometen schließen. Die Kerne der Exokometen sollen demnach Durchmesser von 3 bis 14 Kilometern aufweisen. Eine ähnliche Größenverteilung findet sich auch bei den Kometen in unserem Sonnensystem. Und das würde wiederum folgern lassen, so das Forscherteam, dass all diese Himmelskörper auf vergleichbare Art und Weise entstanden seien – nämlich durch Kollisionen und durch das Auseinanderbrechen größerer Objekte.Ebenda

HM! Über die Kleine von erdengroßen Planeten jammern, aber 30 Steinbröckchen durch ein wenig Umherschweifeln an ihrem jungen – kaum 23 Millionen Jahre brutfrischen – Stern vorbei ausfindig machen? Das dürfte auch an der Perspektive liegen, mit dem man Beta Pictoris ins Visier nehmen kann: nämlich „von der Seite“, von der das Einsehen anscheinend besser gelingt. Aber auch die Kometen, die man weit vor ersten Exoplaneten (1995) schon seit 1987 aufzuspüren vermag, haben ihre auffindbaren Besonderheiten – die fachliche Erklärung lautet so:

Obwohl Kometen erheblich kleiner als Planeten sind, lassen sie sich vergleichsweise einfach aufspüren. Das liegt an ihrer Gashülle, die entsteht, wenn flüchtige Stoffe bei der Erwärmung der Kometenkerne verdampfen. Manchmal schieben sich die Schweifsterne für eine kurze Zeit zwischen den Beobachter und ihren Stern. Während solcher Transits verändert sich dessen Spektrum, da zusätzliche Absorptionslinien auftreten. Sie entstehen im Gas der Kometen und sind typischerweise zu längeren Wellenlängen hin verschoben. Eine solche Dopplerverschiebung geht auf die Bewegung der Körper in Richtung ihrer Zentralgestirne zurück und erlaubt gleichzeitig Rückschlüsse auf die Geschwindigkeiten der Objekte. Die Exokometen werden auch als „Falling Evaporating Bodies“ (FEBs) bezeichnet.Spektrum der Wissenschaft: „Hunderte Exokometen in jungem Planetensystem“

Richtig gelesen: es gab bereits HUNDERTE Kometenfunde auf einmal und zwar schon 2014 bei – natürlich – Beta Pictoris:

Die rund 500 beobachteten Kometen ließen sich in zwei Gruppen einordnen. Sie unterscheiden sich in ihren Geschwindigkeiten, ihren Entfernungen zum Stern und vermutlich auch in ihrer Beschaffenheit.Ebenda

Also nicht nur so genau lassen sich Kometen feststellen, dass man ihre genaue Zahl auseinander halten kann, sondern noch bedeutende Details zu Bahnverlauf, Größe bis hin zur Zusammensetzung sind möglich. Ging an mir vorbei, macht mich bass erstaunt!

Mit oder ohne Schweif, das ist die Frage

Zunächst einmal kräftig durchatmen und beruhigen. Kometen aufzuspüren ist also die leichteste Übung – warum sollte man das auch wesentlich eindrücklicher herumerzählen, bloß damit es Allgemeinwissen werden kann? Jetzt gilt es dennoch innezuhalten, denn ein Komet mit Schweif ist ein Komet mit Schweif. Da gibt es aber doch noch ganz andere Brocken und Kaliber, die im Sauseschritt durch die Schwärze des Alls brausen, nicht wahr?

Wobei wir vielleicht kurz noch einmal die Sache mit den Bezeichnungen klären müssen. „Meteor“ beschreibt nämlich eigentlich nur die Leuchterscheinung, die von dem durch die Atmosphäre sausenden Objekt erzeugt wird. Das, was durch die Atmosphäre fliegt, wird „Asteroid“ genannt wenn es groß ist und „Meteoroid“, wenn es klein ist (wie etwa im Fall einer Sternschnuppe). Und wenn etwas unten am Erdboden ankommt das man aufsammeln kann, heißen diese Steine dann „Meteorite“. Ja, das ist verwirrend – aber so ist es halt, da kann man nix machen.Zit. aus: Sternengeschichten Folge 481: Der Meteor von Tscheljabinsk – eingefügte Links zu Wiki vom Blogautor

Das als flugse Klärung des Namenwirrwarrs. Für unser Sherlock-eskes Deduzieren geht es letztlich also um Meteorite, nur die es bis zum Bodenkontakt geschafft haben. Denn wir wollen ja zwecks Panspermie, dass sie ihre fragile Ladung auch ‚abladen‘ und nicht schon in der Atmosphäre tödlich heiß verglühen. Wobei Bakterien so ziemlich alles abkönnten, wenn sie es ohnehin schon quer durchs All geschafft hätten. Was all den harten Strahlungen des Alls widerstehen vermag, lässt sich von ein bisserl atmosphärischer Reibungshitze nicht mehr aus der Bahn werfen! Mit 99%iger Wahrscheinlichkeit verbrennt die kosmische UV-C-Strahlung allerdings alles von E. coli, S. aureus bis zum Coronavirus gnadenlos. Versprengteste Reste vom Wenigen regneten da bloß noch hinab. Vielleicht sollten wir ohnehin nur auf präbiotische Bausteine setzen, aus denen Klötzlebauerin Evolution dann schon was machen wird – kommt Zeit, kommt Leben.

Folgend und SCHON in Richtung Ende beim Sternengeschichten-Erzähler einige interplanetare Herumtreiber aufgegriffen, denen man auf Erden angesichtig werden konnte. Denn Kometen alleine taugen nichts, das Gros, was je hier heruntergekommen ist, waren Asteroiden. Am Berühmtesten einer, der im Frühling kam, aber nichts als den Tod säte: der Chicxulub-Asteroid, der Schwefel über die erstickenden Dinosaurier brachte – und ihr Ende. Zum Glück für Homo sapiens nicht gar so prachtvoll war das Tunguska-Ereignis [Sternengeschichten 380], das für „Die Astronauten“ der Vorbeginn für die Reise zum „Planet des Todes“ war [Einmal Lem pro Beitrag gehört zur DNA 😛 ]! Im Stakkato-Linking weitere Einschläge oder solche, die es nochw erden können oder niemals werden:

Ein beeindruckendes Who is Who der Herumflieger, hinter denen spannende Geschichten der Entdeckung stehen! Doch für unsere Spurensuche bedeutsamer sind diese beiden, da sie von ‚außerhalb‘ kommen, extrasolare Reisende gewesen, die jedoch längst wieder on tour gegangen sind bzw. diese keinmal unterbrochen haben:

Das wäre daher auch das Problem mit beiden, dass sie, falls sie „Lebensträger“ gewesen sein sollten, dafür schlicht falsch abgebogen sind. Sie haben, bloß weil das Sonnensystem ein bisschen arg groß und die Erde vergleichsweise winzig ist, diese verfehlt. Oben erwähnte „Spoenschiffe“ können das also nicht gewesen sein, da sie zu sporen vergessen haben.

Ein echtes Problem, um mich zu wiederholen: Bereits gewordenes Leben wie Bakterien hat angesichts der UV-C-Strahlung so gut wie keine Chance, egal wie massenhaft es zu Reisebeginn rücklings auf den interstellaren Tramps aufgesessen ist, ihre „journey to life“ zu überleben. Bzw. ihre Anzahl dünnt sich zu bloß 99% aus, um dann den Eintrittsstrapazen Herr werden zu müssen. Eintritt? Falls denn das Bodyguard-Unternehmen ‚Vakuum unlimited‘ denn das Schild vom habitablen Planeten entfernt hat: „Ihr kommt hier nicht rein!“. Ach und eine für sie atembare Atmosphäre bedarf es dann ja auch noch. Sollten sie keine Sauerstoffatmer sein, gerieten die spärlichen Überlebenden dann in ihre persönliche Große Sauerstoffkatastrophe – oder andersherum: Sauerstoffatmer stürzen in eine bspw. „Große Methankatastrophe“ o.Ä. Kommt das eine Prozent heil unten an, kann erleichtert durchatmen, ist damit das Evolutionsrad noch längs tnicht unaufhaltsam perpetomobilisiert. „Per Anhalter“ müsste man reisen, aber vogonische Gedichte bringen letztlich alles um, was je zu leben gehofft hatte. Das Leben hat es nicht leicht…

Final lasse ich den Großmeister der Hard SF zu Wort kommen: Stephen Baxter, der in seinem zeitenumspannenden Meisterwerk „Evolution“ eine nur zu wunderbar lesenswerte Vision einer irgendwie doch perpetomobil-zyklischen Panspermie gezeichnet hat – AD ASTRA VITA 500 Millionen Jahre hinkünftig, auf einer entwässerten, einkontinentalen Erde:

Es gab immer noch Erschütterungen, als hin und wieder Asteroiden und Kometen auf dem sonnendurchglühten Land einschlugen – alles Ereignisse im Chicxulub-Maßstab. Nur dass sie natürlich keine Todesopfer mehr forderten. Aber der Erdboden wurde eingedellt und schleuderte beim Zurückschnellen riesige Gesteinsmengen ins All.
Ein Teil dieses Materials, und zwar von den Rändern der Einschlagzonen, war nicht beschädigt worden – und wurde deshalb unsterilisiert ins All befördert. So verließen die Bakteriensporen die Erde.
Sie drifteten unter dem sanften, aber nachhaltigen Druck des Sonnenlichts von der Erde weg und formierten sich zu einer riesigen diffusen Wolke um die Sonne. Die in den Sporen zystenartig eingeschlossenen Bakterien waren praktisch unsterblich. Und sie waren ausdauernde interplanetare Reisende. Die Bakterien hatten ihre DNA-Stränge mit kleinen Proteinen beschichtet, die die Wendelstruktur versteiften und vor chemischen Angriffen schützten. Wenn eine Spore keimte, vermochte sie zur Reparatur von DNA-Schäden spezialisierte Enzyme zu mobilisieren.
Die Sonne setzte derweil mit ihren Planeten, Kometen und der Sporenwolke die endlose Umkreisung des Herzens der Galaxis fort.
Schließlich driftete die Sonne in eine dichte Molekülwolke. Es war ein Ort, wo Sterne geboren wurden. Der Himmel war hier überfüllt und wimmelte von gleißenden jungen Sternen. Die lodernde heiße Sonne mit den Planetenruinen glich einer verbitterten alten Frau, die einen Kreißsaal betrat.
Hin und wieder stieß eine der von der Sonne getriebenen Sporen jedoch auf ein interstellares Staubkorn, das mit organischen Molekülen und Wassereis angereichert war.
Die harte Strahlung naher Supernovae schlug eine Bresche in die Wolke. Eine neue Sonne wurde geboren und ein neues Planetensystem aus gasgefüllten Riesen und harten steinigen Welten. Kometen fielen auf die Oberfläche der neuen Gesteinsplaneten, so wie damals die Erde durch Einschläge befruchtet worden war.
Und in manchen dieser Kometen waren irdische Bakterien. Nur ein paar. Aber es brauchte auch nur ein paar.
Die Sonne alterte weiter. Sie blähte sich zu einer monströsen rot glühenden Kugel auf. Die Erde tangierte die diffuse Peripherie der angeschwollenen Sonne wie eine Mücke, die einen Elefanten umschwirrte. Der sterbende Stern verbrannte alles, was er hatte. Im Endstadium loderte die Hülle aus Gas und Staub auf, die die Sonne umspannte. Das Sonnensystem wurde zu einem planetaren Nebel, einer in fantastischen Farben schillernden Sphäre, die über Lichtjahre zu sehen war.
Diese großen Zuckungen markierten den Untergang der Erde. Doch auf einem neuen Planeten eines neuen Sterns war der Nebel nur eine Lichtshow am Himmel. Was zählte, war das Hier und Jetzt, die Meere und das Land, wo neue Ökosysteme entstanden, wo die Lebewesen durch Veränderung ihrer Gestalt auf Veränderungen der Umwelt reagierten und wo Variation und Selektion blindlings immer komplexere Organismen formten.
Das Leben war immer schon ein Glücksspiel gewesen. Und nun hatte es Mittel und Wege gefunden, sogar dem ultimativen Auslöschungsereignis ein Schnippchen zu schlagen. In neuen Meeren und in einem unbekannten Land hatte die Evolution wieder begonnen.
Aber es entstand keine neue Menschheit.
Stephen Baxter: Evolution [Dritter Teil – 19 Eine sehr ferne Zukunft – III; letzter Satz vom Blogautor fett markiert]

Planetares Leben – Einander in- oder kompatibel?

TLTR? 😛 Es geht um den lektürischen Stolperstein, dass in SF-Romanen i.a.R., nur allzu oft problemlos Austausch zwischen Flora und Fauna des einen mit denen des anderen Planeten möglich sind, was ich mangels gemeinsamer Evolution streng genommen unglaubwürdig finde. Statt eines gedeihlichen Miteinanders müsste es vielmehr andauernde Pandemien geben aufgrund artspringender Mikroben v.a. Viren, die die ungeimpften Neuankömmlinge nur dahinraffen lassen. Dem gehe ich nach!

Hallo Mitwelt!

Mal ein Unterbruch zu den ATLANTIS-Beobachtungen, obwohl vorgestern die Nr.04 der Miniserie als Hörbuch erschienen ist. Ums Eck und über Bande schließe ich aber doch dort an: In den Beobachtungen zu ATLANTIS 03, Kapitel 3 ging es um Protagonistin Caysey, eine sehr menschenähnliche Lemurer-Abkömmling von Larsaf III., hinkünftige Erde aka Terra. Im Strudel der Ereignisse nach Larsa (nachmaliger Venus) gelangt, gerät sie hier an die von Terranern sog. „Venusrobben“. Robbenanmutige Lungenatmer, die großteils aquatisch leben, dank der Lungen zeitweise aber auch an Land können. Verständige Kommunikation gelingt nur per Armband-Translator. Caysey wird von den psibegabten Wesen in ein indigenes Ritual buchstäblich hineingezogen, mit dem sie ultraempathischen ‚Robben‘ Caysey bzw. ihr Ungeborenes heilen wollen. Bei diesem waren zuvor mit arkonidischer Diagnosetechnik Gendefekte detektiert und Geburtsprobleme prognostiziert worden. Untechnisch erspüren die ‚Robben‘ all das und sind zu extraspeziesistischer Solidarität, man möchte sagen: Nächstenliebe gegengabenlos bereit. Die Atlanterin wird im Zuge dessen ins ‚Robben‘-Medium unter Wasser gezogen, wo sie beinahe erstickt wäre, und mit irgendeiner Art ‚Schleim‘ körperweit eingestrichen. Nach Ende des Rituals führt der Schleim, obwohl kurz darauf von Caysey wieder abgerieben, zu starken Hautrötungen, brennender Haut und anhaltenden Schmerzen. Doch während die Mutter schmerzhaft leidet, erfühlt sie erste Veränderungen in ihrem Körper, an ihrem Embryo. Das ist noch nicht erzählt, aber es steht in Aussicht, dass dieses extraterrestrische Ritual mit den besagten Nebenwirkungen an Caysey für ihr Kind überlebenshilfreich geworden sein wird.

Das umständlich nacherzählt, um klar zu haben: eine wunderbare Geschichte artübergreifender Hilfeleistung – im Grunde aus dem Nichts heraus, ohne dass Caysey noch so indirekt zuvor den ‚Venusrobben‘ geholfen hätte. Schön zu lesen! ABER: Zwei Planeten! Zwei Evolutionen! Zwei null und nichtig, noch so entwicklungsfern verwandte Arten gänzlich verschiedener Habitate! Wie kann, wie soll etwas für ‚Venusrobben‘ für die Geburt Gutes, dem Ritual nach anscheinend Arttypisches einer Artfremden helfen? Einfach so? Punktgenau? Mit nur ein paar letztlich oberflächlichen Irritationen und Reizungen, die innerlich aber präziser als arkonidische Medizinaltechnik wirken? Das lese ich gerne, kann ich aber biologisch nicht glauben!

Aurora-Effekt

Meine (über-)kritische Haltung ist gestempelt worden durch den meisterhaften Hard SF-Roman „Aurora“ von Kim Stanley Robinson, der mit dem Gros übernaiver Fremdwelten-Kolonisations-Romane aufräumt. Die titelgebende Welt Aurora, im 12 Lichtjahre entfernten Tau Ceti-System, ist Zielpunkt eines Generationenraumers, um dort eine menschliche Besiedlung anzustoßen. Ohne viel vom unbedingt zu Lesenden zu verraten: es gibt Probleme. Nanoskopische der Größe nach, wenn man so will, die aber fundamental, ja riesig sind. Es kollabiert – SPOILER – aufgrund von irgendetwas in der Art von Prionen – Kofferwort aus „protein infection“. Noch winziger, noch unlebendiger als Viren. Vielmehr organische Toxide, also Gifte mit infektiösen Eigenschaften. Ungesehen, unbemerkt, kaum auf Verdacht auch nur detektierbar, nur gezielt aufzufinden.

Die Wissenschaft hat diesen Roman bereits gewürdigt und spricht seither vom Aurora-Effekt. Dieser hilft verständlich zu machen, wieso es trotz immer mehr Exoplaneten einfach nicht von Aliens aus dem „cosmic zoo“ allerorten nur so wimmelt. Mensch bzw. Alien wird schlicht und ergreifend nicht vom indigenen Leben allzu herzlich willkommen geheißen, um sich kolonialherrlich am neuen Ort widerstandslos niederzulassen. Vielmehr kann schon das Allerkleinste im „Pandemischen Widerstand“ zur Verteidigung der Heimatwelt gegen vitale Übernahmen jedwede Kolonisierungsträume ‚abtöten‘.

Die Schritte der Argumentation vom „Fermi-Paradoxon“, dass alles alienlos geblieben ist, hin zum „Aurora-Effekt“ lauten so:

  • Gemäß Berechnungen „vermag sich eine intelligente Spezies unter plausiblen Annahmen im Lauf von Jahrmilliarden durchaus über die gesamte Milchstraße auszubreiten – umso mehr, als die natürlichen Bewegungen der Sterne die Verbreitung auch noch fördern“
  • Das macht einen fehlenden First Contact umso hinterfragwürdiger. Daher ist zu „vermuten, dass die Siedlungstätigkeit der diversen Aliens immer wieder erlahmt. Immerhin ist die interstellare Raumfahrt ungemein aufwändig und Zeit raubend, denn man braucht riesige Schiffe, die vielen aufeinander folgenden Generationen als Habitat dienen – während die Heimat sich möglicherweise unterdessen radikal wandelt und die Expedition buchstäblich vergisst.“ Robinsons „Aurora“-Roman hierfür auch ein lesenswertes Beispiel, wie viel von den Abgereisten vergessen wird und wie wenig man für sie noch übrig hat. Lem wie immer anzuführen und in Erinnerung zu halten: „Transfer“ aka „Die Rückkehr von den Sternen“
  • „Deshalb bilden sich eher nur lokale Zivilisationsblasen, und offenbar liegt die Erde in keiner davon. Gebremst wird die Expansion zusätzlich dadurch, dass ein »habitabler« – lebensfreundlicher – Planet keineswegs auch besiedlungsfreundlich sein muss. Das nennen die Autoren den Aurora-Effekt, nach einem Roman des Sciencefiction-Autors Kim Stanley Robinson: Eine Expedition stößt auf einen belebten Planeten, dessen Organismen die Besucher mit tödlichen Krankheiten infizieren.“

Michael Springer zur Studie bei Spektrum

Jede*r hat die Absicht, hierbei unbedingt an „Krieg der Welten“ zu denken, der einerseits militärisch hochtechnisiert, aber konventionell geführt, andererseits aber nur mit ‚biologischen Waffen‘ gewonnen wurde:

In diesem 1898 erschienenen, für die Science Fiction-Literatur grundlegenden Werk von H. G. Wells greifen Marsianer in dreibeinigen Kampfmaschinen das Vereinigte Königreich an, um von hier aus die rohstoff- und wasserreiche Erde zu erobern. Das irdische Militär ist den außerirdischen Invasoren hoffnungslos unterlegen und muss bei der Zerstörung der Städte zusehen. Erst die Bakterien der Erde können die Marsianer durch deren nicht angepasstes Immunsystem besiegen.
Krieg der Welten war als Satire auf die Kolonialpolitik des Empires angelegt und vertauschte hierzu die Rollen von Eroberern und Opfern zu Ungunsten der Briten. Ein zusätzlich böser Seitenhieb war die Tatsache, dass die primitivsten damals bekannten Lebensformen das britische Weltreich retteten.Wikipedia

Und gemäß „Aurora-Effekt“ ist allemal realistisch und daher anzunehmen, dass sich jede gaiatische Welt, auf und in der Leben mit planetarer Materie unauftrennbar verwoben ist, der Invasoren zu erwehren weiß! Das Kleinste vermag noch jeden invasiven Größenwahn zu überwältigen!

Ein perryversales Exemplum

Im Perryversum fällt mir hierzu folgender Fall ein: die Kolonistenabenteuer – fünf von 50 Romanen im zweiten Zyklus Atlan und Arkon (Hefte 50-99). Unter diesen speziell Nr. 62 „Die blauen zwerge“, der zweite und einzige wirkliche Roman des Quintetts über Entdeckung und Kolonisierung. In erschütternder Unbekümmertheit wird hier auf neuer Welt Gray Beast berührt, angefasst, gekostet, als könnte es kaum je was Giftiges geben und als gäbe es keine Unverträglichkeiten. Weil ein halbintelligentes Völkchen von affenanmutenden „Mungos“ zutraulich erscheint, sind diese auch sogleich Freunde und zum Kontakt freigegeben. Diesbezüglich ein nur zu unbedarftes, unwissenschaftliches Vorgehen. Bis hierhin erinnere ich den Roman als ungestüm gewollt und durch weitere Handlungsebenen auch überfrachtet. Der Roman hat aber eine – bei meiner Lese aber auch nur nachrangige – Handlungsebene, die sehr interessant ist: die auf dem Planeten Gray Beast gestrandeten Kolonisten werden von den Blauen Blattern heimgesucht, einer schweren Viruserkrankung, die innerhalb kürzester Zeit zum Tode führen kann. Mit allen antibiotischen Mitteln terranischer Medizin nicht aufzuhalten – Antibiotika wirken nur gegen Bakterien, höchstens hinauszuzögern.

Eine Heilung war nur mit einem Brei aus den zerkauten Blättern einer bestimmten auf Gray Beast heimischen Pflanzenart möglich. Der Brei entfaltete seine Wirkung nur, wenn er von den Mungos hergestellt wurde. Man ging davon aus, dass der Speichel dieser Wesen einen besonderen Wirkstoff enthielt. Wer den Brei zu sich nahm, war nach wenigen Stunden wieder wohlauf. Die Pusteln verschwanden.Perrypedia

Den heimischen Viren ungeschützt ausgeliefert, ohne Impfungen oder ähnliche Hilfsmittel an die invasive Mikrofauna des Planeten angepasst, wären die Kolonisten innerhalb sehr kurzer Zeit (nahezu?) vollständig an dieser indigenen Epidemie verstorben. Nur die bereits evolutionär angepassten Mungos können weiterhelfen, weil sie mutmaßlich längst passende Antikörper o.Ä. gegen diese Viren gebildet haben. Diese Wirkstoffe können mittels Speichel an die außerirdischen Kolonisten verabreicht werden. Aber das macht eigentlich bloß einen Nebenstrang aus, anderes ist vordergründig. Auch kommt man zufällig viel zu schnell und einfach so ans Gegenmittel, ohne dass es da Jahrzehnte der Grundlagenforschung zuvor gegeben hätte wie bei den mRNA-Impfstoffen wider Corona. Und ja, klar, mit dem heutigen Wissen einen Heftroman aus dem Jahre 1962 zu messen, ist letztlich unfair. Nichtsdestotrotz stört sich die Realität ja nicht an Vereinfachungen. Nur weil jemand nicht daran denkt, dass es das geben könnte, hört es zu existieren auf. Auch das wieder eine Spielart von den sog. „Narratoferenzen“ – hier die Erzählwelt aufgrund real gemachter Erfahrungen mit fortlaufender Pandemie richtiggehend unterkomplex anmutet. Und zwar, weil die Größe eines pandemischen Problems live miterlebt wurde, das hier wie nebensächlich mit abgehandelt worden ist. Wohl schlicht mangels entsprechender Erfahrungen des Autors. Aber das führt jetzt weg vom Eigentlichen: dass auf allen Auroras des Universums Prionen, Viroide, Virusoide, Satelliten-Viren oder Virophagen auf die uneingeladenen Ankömmlinge warten, um ihnen einen epidemischen Empfang zu bereiten!

Rücksturz in die Realität

So viel zur science fictional assoziierenden Vorrede als Gedankenhorizont, vor dem sich nun Folgendes diesseits unserer Realität entfaltet: Es geht um die Nture-Studie: „Climate change increases cross-species viral transmission risk“, worüber am 29.04.2022 sowohl Scinexx als auch Technology Review mit eindrücklicher Dringlichkeit berichtet haben!

Auch wenn angelegentlich noch von der Lab Leak-These geschwurbelt wird, demnach Laborviren wie Captain Trips entkommen wären, ist der zoonotische Weg vom Tier zum Menschen der höchstwahrscheinliche. Denn: siebzig Prozent aller von Viren verursachten Infektionskrankheiten sind zoonotischer Herkunft. Dass und wie sehr Krankheiten dann zwischenmenschlich mutationsfreudig zirkulieren können, erleiden wir bei Corona vom Wildtyp bis Omikron BA-5 zurzeit. Und besagte Studie schaut nun, wie sich die Wahrscheinlichkeit von zoonotischen Pandemien inmitten der Klimaerhitzung erhöht. „Emerging Diseases“ der Fachausdruck dafür, wenn es vom Wildtier direkt zum Menschen oder über den Umweg von Nutztieren auf ihren Halter von einer zur anderen Art überspringt. Ohnehin provoziert, indem der Mensch raumgreifend immer näher den Wildtieren kommt, sie durch Landnahme aus ihren Habitaten vertreibt, gleichzeitig immer mehr Nutztiere eng an eng sich ballen lässt und so alle Bedingungen für ein gelingendes Überspringen freimütig schafft. Wie wir lernen mussten, sind Lebewesen und nur diese Wirte für Viren, erst durch ihre Mobilität diese Wirte die Viren in der Fläche verbreiten und ‚unters Volk‘ bringen. Viren selbst sind sozusagen an und für sich immobil, wenn man ihnen nicht Beine macht.

Das Forschungsteam simulierte nun die sich klimawandelnden Verbreitungsgebiete von 3870 Säugetierarten, die ja nie allein losmarschieren, sondern immer ihren mikrobiellen Zoo mit sich nehmen.

„Die meisten Wildtiere haben nicht viel Gelegenheit, untereinander Viren auszutauschen: Nur sieben Prozent der Säugetierarten teilen einen Lebensraum und sechs Prozent tragen bisher eines oder mehrere gemeinsame Viren in sich“, erklärt das Team. „Aber wenn die Verbreitungsgebiete sich verändern, werden neue Interaktionen möglich – und ein Teil dieser Kontakte wird zur Übertragung von Viren auf zuvor nicht verfügbare Wirte führen.“Scinexx

Das stelle ich mir als ein globales Netzwerk vor, in dem nun bisher relativ fixe Knotenpunkte sich verschieben. So werden die Distanzen zwischen diesen ‚Wirtsballungen‘ andere, die Wege zumeist kürzer.

Was das konkret für die nahe Zukunft bis zum Jahr 2070 bedeutet, haben Carlson und sein Team mithilfe ihres Modells untersucht. Demnach könnten sich die Verbreitungsgebiete schon bei einer gemäßigten Erwärmung um rund zwei Grad so verschieben, dass gut 300.000 zusätzliche Erstkontakte zwischen den Wildtierarten möglich werden. „Im Prinzip entspricht dies einer Verdopplung der potenziellen Artkontakte“, so Carlson und seine Kollegen.Scinexx

300.000 liest sich für mich zunächst nicht viel. Man muss sich aber bewusst machen: es geht um ERSTKONTAKTE. Es sind keine alltäglichen ‚Normalkontakte‘ gemeint, wie sie eh regelmäßig zustande kommen. Es geht wirklich um das allererste Aufeinandertreffen zweier Arten, die bis dato keinerlei lebensräumliche Berührungspunkte miteinander pflegten. Wo ist vor allem damit zu rechnen?

Diese Erstkontakte zwischen Säugetierarten werden überall in der Welt vorkommen, aber sich vor allem im tropischen Afrika und Südostasien konzentrieren. Denn dort finden sich artenreiche Regionen, in denen eine stark gegliederte, hügelige Landschaft viele verschiedene Habitate und Klimazonen auf kleinem Raum bietet, wie das Team erklärt. Tierarten müssen daher nur geringe Entfernungen zurücklegen, um in neue Lebensräume und Klimazonen vorzudringen und dabei auf „neue Nachbarn“ zu treffen.Scinexx

Prognosen sind stets unsicher, wenn sie die Zukunft betreffen. Je nachdem, wie mobil die hitzegestressten Arten de facto sein werden, gehen die Forschenden von minimal 4.500, ungut möglich aber auch bis zu 15.000 viraler Artsprünge aus, zu denen es bei „moderater“ Erhitzung von 2°C (plus 0,8°C zum jetzigen Erhitzungsstand) kommen dürfte. 1,5 bis 5% der Erstkontakte enden demnach im viralen Artsprung.

Das Problem dabei: Wenn ein Virus von einer Wildtierart auf eine andere überspringt, erhöht sich auch das Risiko für einen Kontakt mit dem Menschen. „Die Virenarten, die erfolgreiche Artsprünge im Tierreich absolvieren haben auch die höchste Neigung dazu, neue Zoonosen beim Menschen zu verursachen“, erklären Carlson und sein Team. „Die Wildtier-Artsprunge bilden evolutionäre Trittsteine für die rund 10.000 potenziell zoonotischen Viren, die zurzeit in Säugetieren zirkulieren.“Scinexx

Als Folge wandelt sich das sog. Säugetier-Virom, also die Zusammensetzung viraler Besiedlung und Wirtsnutzung bei Säugetieren. Bis Ende 2019 hatten wir schließlich als Homo sapiens auch noch kein SARS-CoV-2, das nun den viralen Cocktail bereichert und – noch nicht endemisch – Teil unseres Viroms geworden ist.

Da hat man just erst den Stammbaum der RNA-Viren verdoppelt, als man auch mal in die Ozeane geschaut hat, aus denen doch das Leben emporgestiegen ist. Einmal hingeschaut, prompt gerät man in eine unendliche Entdeckungsschleife des ständig Neuen. Im Ozean lässt es sich gut leben, selbst für Nichtleben wie Viren;-) Wenn es nun aber mindestens 4500 mal artspringt, kommt es obendrein auch noch zu zahlreichen Mutationen und der Stammbaum wird zum struppigen Gebüsch. Ein Beispiel dafür: Weißwedelhirsche, bei denen SARS-CoV-2 ebenfalls zirkuliert. Ggf. mit Delta angesteckt, ist das Hirsch-Virus gegenüber dem ursprünglichen Wildtyp an 76 Stellen mutiert – Omikron bspw. hatte als Ersttyp BA-1 rund 59 solche Mutationspunkte. Das Spike-Protein, mit dem das Virus an die Zellen andockt und diese kapert, ist einfach verflucht mutationsfreudig. Und die Zahl der infizierten und infizierbaren Tiere ist enorm. So kursiert das Virus auch bei Ratten in der New Yorker Kanalisation

Pandemischer Cocktail

Doch während in den science fictionalisierten Welten die aufeinander treffenden Lebewesen schlicht gar nicht miteinander verwandt sind, keinerlei gemeinsame Evolution teilen, leben wir auf dieser einen einzigen Welt evolutionär seit Jahrhundertmillionen Jahren zusammen und in stetem mobilen Wandel miteinander. In den SF-Welten reden wir also von absoluter Verschiedenheit, auf Erden von relativer. Relativ, denn:

Verblüffend alt: Die Aufteilung der Gene auf die verschiedenen Chromosomen ist im gesamten Tierreich erstaunlich gleich geblieben, wie eine Analyse enthüllt. Demnach haben sich diese Chromosomen-Einheiten seit der Entstehung der ersten Mehrzeller vor rund 600 Millionen [Jahren] kaum verändert – sie finden sich bei Schwämmen und Korallen ebenso wie beim Menschen. Zwar unterscheiden sich die einzelnen Gene und ihre Abfolge innerhalb der Chromosomen, ihre Grundaufteilung aber ist überraschend stabil.Scinexx

Soll heißen: hier auf Erden stammt alles aus selber Quelle ab, ist gespeist aus ‚identischem chromosomalen Bausatz‘, der erkennbar, aber nicht fundamental verschieden kombiniert worden ist von Gemutter Evolution.

So ist gerade der Mensch – erectus bis sapiens – durch seine Mobilität ausgezeichnet. „Out of Africa“ als Name der profunden Theorie, dass alle Wege der menschlichen Vorfahren aus Afrika hinaus in die Welt geführt haben. Hinaus und somit hinein in fremde Habitate ganz verschiedener Fasson. Getrieben nur allzu oft durch das Klima, das die Evolution des migrantischen Menschen prägte! Der längst nicht mehr ökosystemisch gebundene, sondern biosphärisch ausgreifende Mensch, der völlig entgrenzt keine Habitatsgrenzen mehr kennen will.

Doch aus welchen Zutaten ist denn so ein viromwandelnder Cocktail zusammengesetzt, der Artsprünge ermöglicht und Pandemien provoziert?

  • Abholzung und Zerstörung natürlicher Lebensräume von Wildtieren,
  • Ausbreitung landwirtschaftlicher Flächen,
  • wachsender Bestand von Nutz- und Haustieren,
  • Nähe dieser Nutztiere zu Wildtieren,
  • Bevölkerungsdichte
  • und last but not least das Vorhandensein von bestimmten Fledermäusen – die Hufeisennasen gelten als natürliche Reservoire von SARS-Coronavirus-ähnlichen Viren – sowie die Beschneidung ihres Lebensraums.

Science.ORF.at – Fokus auf weiteren Corona-Pandemien – Textanordnung durch den Blogautor

Dass es ob dessen diagnostiziert zu einer pandemischen Risiko-Vervierfachung kommen würde, ist seit bloß 14 Jahren, schon seit 2008 erkannt und publiziert. Wir leben also seit gut zwei Jahren inmitten dieser „Vervierfachung“!

Interessant noch im Längsschnitt, der Langzeitbetrachtung:

Wie oft wiederholen sich große Pandemien wie die Spanische Grippe oder die aktuelle Corona-Pandemie? Das haben Forscher jetzt mithilfe eines Modells und Seuchendaten aus den letzten 400 Jahren ermittelt. Demnach liegt das Risiko für eine neue Pandemie im Corona-Maßstab bei rund zwei Prozent pro Jahr oder einmal alle 56 Jahre. Eine Seuche vom Ausmaß der Spanischen Grippe gibt es einmal alle 400 Jahre. Allerdings: Ausbrüche neuartiger Infektionen nehmen immer weiter zu, so dass auch verheerende Pandemien wahrscheinlicher werden.Scinexx: „Pandemien – Wann droht die nächste?“

Der letzte Satz ist entscheidend: Über 400 Jahre geblickt und ‚verdünnt‘ kommen zitierte Zahlen zusammen. Schaute man auf kürzere Zeiträume, bspw. seit der Spanischen Grippe vor gut 100 Jahren, dann beginnt es sich bereits zu ballen – die Einschläge kommen näher, die Abstände werden kürzer. „Kaum aussagefähige Statistiken, Handel mit Wildtieren, Zerstörung von Ökosystemen: Pandemien sind nicht ein Teil unserer Kultur, sondern deren Folgen“:

Gerade dort, wo Land gewonnen wird, die Landwirtschaft intensiviert, Wälder gerodet, Straßen gebaut werden, dringen zwangsweise Menschen in Habitate von Wildtieren ein und werden von diesen mit neuartigen Viren infiziert. Das war in allen bisherigen Fällen so, ob Ebola, Marburg, MERS oder SARS – jedes Mal handelte es sich um Zoonosen, also von Tieren auf Menschen übertragene Erkrankungen.Marcin Pietraszkiewicz bei Telepolis bereits am 23.03.2020

Wie in den SF-Romanen, wo der Mensch auch gedankenlos in absolut fremde Habitate vordringt, dorthin, wo noch nie ein Mensch zuvor gewesen ist. Und so wie er durch sein Verhalten und nichts anderes bspw. coronavirenreiche Fledermäuse unter Überlebensstress setzt (und dafür keine Dankbarkeit erntet), so wäre es vergleichbar auch in fernsten SF-Welten, wohin der Mensch einbricht, um eigensinnig Ressourcen zu stehlen. IM realen Diesseits oder SF-Jenseits – entlang ressourcenfräßiger konsumistischer Lieferketten hat der Mensch den Viren den Weg geebnet. Erst recht, wenn die industriellen Schloten rauchen, um zu produzieren.

Unglaublich? Beispiel HI-Virus und wie es als AIDS zur Seuche werden konnte – Raj Spielmann zeichnet den Weg bei Telepolis mehrteilig nach: kolonialherrliche Landnahmen, Ressourcenausbeutungen, deren Abtransport mittels Infrastrukturen bewerkstelligt werden konnten. An diesen Verkehrs- und Handelswegen entlang schleppten die sklavischen Wirtskörper nicht nur die begehrten Rohstoffe ins gelobte Land, sondern nahmen als unintendierte Nebenfolge auch ihre Virome mit. „Out of Africa“ – nun aber anders. Nicht nur das Imperium schlägt zurück… Das Virus findet einen Weg!

Einen Weg, der bei selbstverständlicher Weltennahme in den SF-Kosmen ständig gebahnt werden dürfte. Erst recht, weil es meinen Lektüren nach im Grunde nie Vorabkommandos gegeben hat, die robotisch auskundschaften, ob und was vor Ort anzutreffen ist, um allen voran dagegen Impfungen zu entwickeln. Nur mit solchen dürfte man als Mensch den Fuß auf fremde Welten setzen, die als habitabel zur Kolonisierung freigegeben sind. Doch gibt es da die fernliegendsten Kolonisationsprobleme oder Nebenfolgen, wie zum Beispiel die radikale Schrumpfung der Siganesen im Perryversum, die durch die Hyperstrahlung der Sonne verursacht wurde und sie nur noch 15 Zentimeter klein werden ließ. Dafür aber auch extremlanglebig: 900 Jahre. Und obwohl diese wie alle übrigen Siedlungswelten bereits belebt sind, es vom Leben i.a.R. nur so wimmelt, gibt es von einigen Ungetümen wie auf der perryversalen Venus abgesehen jedoch so gut wie keine Kontaktprobleme mit heimischer Flora und Fauna. Das läuft anpassungseinfach größtenteils reibungslos. Artsprünge, Pandemien, die die Siedler massenhaft dahinraffen – Fehlanzeige.

Oder doch ganz anders?

So viel zu meiner zutiefsten Skepsis, das SF-Kolonisierungen einfach so, wenn überhaupt möglich sind und das indigene Heilungspraktiken artspringen können. Argumentation entlang des Umstands, dass es keinerlei gemeinsame Grundlage gibt, an die man anknüpfen, auf die man aufbauen könnte. Es gab keine evolutionären Ertüchtigungen, sich anzupassen, weshalb es nur im Schnelldurchgang auf die knallharte Tour nachzuholen wäre. Außer: das Leben ist multiplanetar, wo es sich je evolutionär gaiatisch angepasst, eingeflochten und verknäuelt hat mit den anorganischen Bedingungen. Herkömmlich ist es jedoch interplanetar, hat es einen panspermischen Ursprung. Hierfür gibt es ohnehin Fans, die das annehmen, aber auch manch Belege. Demnach sind gutmöglich manch relevante Bestandteile von und für Leben angeliefert worden zum Beispiel per Meteoriten-Express, der DNA-Bausteine frei Haus geliefert hat.

Aber wenn diese ‚kosmische Quelle‘ die Lebensbausteine verteilt hätte, dann hieße es ja nicht notwendigerweise auch, dass überall Ein- und Dasselbe abgeliefert wurde. Vielmehr sind für mich massenhaft viele Kombinationen denkbar, die eingebettet in die planetaren Umstände dann ganz ureigene Lebenspfade beschreiten ließen, aus bloßen chemischen Gärten Leben in unendlicher Mannigfaltigkeit ausdifferenziert hätten. Aus chemisch abiotischer wird dann erst biotische Evolution. ANGENOMMEN – und das ist jetzt frei behauptet, es gäbe genau 10 solcher Bausteine, dann liegen die ja nicht in jedem Meteoriten vollumfänglich vor. Viel eher bringt der eine dies, der andere das. Und wenn das Leben panspermisch entstanden oder zumindest initiiert sein sollte, das hat es sich eventuell auch deshalb so lange Zeit gelassen, weil erst alle für die Erde nötigen Zutaten zusammenkommen mussten. Die behaupteten 10. Aber vielleicht reichen in anderen Gaias im Kosmos auch 9 oder 8 Zutaten, wenn die Umstände günstiger sind. Oder man braucht weniger Zeit, weil zufälligerweise schon die ersten Meteoriten alles mit sich brachten. Oder mehr Zeit, weil von den Bausteinen 1-7 reichlich zugegen ist, es aber an den letzten 1-3 mangelt, die einfach nicht ausgeliefert worden sind.

Wenn Leben panspermisch ist, wenn es eine bestimmte Anzahl an Bausteinen zum Entstehen braucht, dann ließe sich hierüber verständlich machen, wieso es dann trotz je planetar eigenlogischer Evolutionen doch Verbindendes geben kann. Schlicht, weil alles Leben überall auf diesen Bausteinen gleichartig basiert. So wie obige auffallende Chromosomen-Ähnlichkeiten aller Lebewesen seit 600 Millionen Jahren, wo nur die genauen genetischen Codes, sozusagen die chromosomalen Beschriftungen sich unterscheiden, anders ausbuchstabiert sind, wäre es bei Leben hochskaliert analog: die Bausteine gleichen sind, nur die evolutionäre Ausbuchstabierung weicht voneinander ab. Doch wie sollte man das beweisen können? M.E. lässt sich das nur postulieren und rein induktiv anhand von obigen Meteoritenfunden für die Erde als Einzelfall nachvollziehbar machen. Was anderswo im Universum geschehen ist, bleibt demgegenüber uneinsehbar. Bzw. nur das Endergebnis Leben ließe sich – vorerst nur indirekt – erschließen, indem man Methan und Sauerstoff detektiert, die stark mit Leben korrelieren. Aber ob ein so entdeckter Planet zuvor Meteorite aufgenommen hat, bleibt unklar.

ATLANTIS 03 – Fluchtpunkt Venus

Hallo Mitwelt!

Welch Skurrilität: mit der Hörlektüre von ATLANTIS 03 erst Tage nach Erscheinen überhaupt begonnen, um jetzt mit den Beobachtungen zum Roman früher umme Ecke zu kommen als bei beiden vorigen Beiträgen. Je später, desto früher – eine antiproportionale Beziehung – faszinierend. Damit dann auch gleich ad rem – nur mit der Vorbemerkung, dass ‚Kapitel 1‘ über die Venus von Freunden des Heftinhalts übersprungen werden kann. Da geht es nur um die Venus als Gegenstand science fictionalisierter Literatur. Am Ende auch in ihrer wechselhaften Darstellung im Perryversum, was durchweg aber nicht heftkorreliert. Auf dann…

Inhaltsverzeichnis

Die Handlung


Sascha Vennemann: „Fluchtpunkt Venus – Letzte Chance auf dem zweiten Planeten – es ist ein Wettlauf gegen die Zeit“.

Fluchtpunkt interplanetarer Raum: eine Flottille Jägern auf den Düsen scheint das Entkommen fürs Trio atlantis aussichtslos zu sein. Nicht aber für einen Risikopiloten – indem man an einem Asteroiden einen Roboter ausschleust und explodieren lässt, während man die Leka-Disk ‚totstellt‘, täuscht man erfolgreich die arglosen Verfolger. Nach Weile setzt man möglichst energiearm wie ein Gesteinsbrocken Kurs gen Venus.

Dank gehackter Codes zwar unentdeckt in die Atmosphäre abgestiegen, packt die Venuspositronik trotzdem per Traktorstrahler zu und zwingt das Fluchtfahrzeug doch in Gefangenschaft – Rowena war den Flüchtenden vorausschauend einen Schritt zuvor. Doch zwingt wiederum Perry das Schiff in den venusischen Dschungel, wo man auf Zeit dem Zugriff der Häscher entgeht. Zielpunkt: Schrottplatz, wo die LT4, der Raumer der exekutierten Informanten über Atlans Weiterleben, demontiert wird. Nach glimpflicher Safari durch die venusische Flora und Fauna gelangt das Trio hier an, trennt sich jedoch. Sichu will der Venuspositronik kurzerhand die Traktorstrahlerei abgewöhnen, derweil Perry und Caysey die LT4 raumflugtauglich machen sollen. Erneut agiert Rowena und sieht das Manöver voraus und will die ‚Verräter‘ alleine bei der LT4 stellen. Hingegen stellt sich Caysey ihr. Im Schnelldurchgang mit Kampfanzug und Waffe bekanntgemacht, liefert sie sich mit Rowena einen zünftigen Schusswechsel, während Perry als viel erfahrenerer Kämpfer das Schiff flott zu machen bemüht ist. Ihm hilft ein nur zu zufällig gegenwärtiger Roboter proaktiv dabei, Caysey kommen die zuvor schon einmal begegneten Venusrobben zur Hilfe. Nicht gegen Rowena, sondern in Sachen Sohnemann in spe. Sie erkennen das Leid der Schwangeren mit psi-empathischer Scharfsicht und verhelfen ihr inmitten eines indigenen Rituals zur versprochenen Ausheilung. Dafür wird sie unter Wasser ‚eingeschleimt‘ und hat danach heißrot brennende Haut – und hat Perry alleine gelassen. Doch ihr Entsetzen über das Im-Stich-Lassen des Freundes macht sie wett, indem sie im Schiff wütende Rowena paralysieren kann. Diese war so naiv, das Talagon mit sich herumzutragen, das ihr Perry seinerseits abnehmen kann.

Inzwischen konnte, auch weil Rowena außer Haus, Sichu in die Venusbasis vordringen und zu hacken beginnen. Als sie von Rowena instruierten Robotern gestellt wird, arkonidische Wachen und selbst ein Positronikspezialist hinzukommen, schafft sie es dennoch unter den argwöhnischen Augen der Wächter, einen großen Hack zu initiieren. Von den hauseigenen Paralysestrahlern attackiert, lässt Sichu ihre ‚Leibgarde‘ betäuben und kann zur heranfliegenden LT4 entkommen, mit der das Trio klapprig und wacklig bis auf Sprunggeschwindigkeit dorthin gelangen will, wo nach letzten Informationen Atlan weilen soll …

1. Die Venus

Die Venus. Was ist sie eigentlich und wenn ja, wie viele? Literarisch allerhand, vielbeschrieben und so verschieden ausgemalt wie nur denkbar. Folgend ein paar wenige Verweise auf die Vielfältigkeit ihrer Ausgestaltung, die sich die längste Zeit an keinerlei – nicht vorhandene – (wissenschaftliche) Fakten gehalten hat.

Vorläufer und erste große Namen

In seinem Buch Entretiens sur la Pluralité des Mondes schrieb der französische Philosoph und Wissenschaftler Bernard Le Bovier de Fontanelle 1686: »Ich kann von hier aus beschreiben, wie die Bewohner der Venus so sind; sie sehen den Mohren von Granada ähnlich; kleine schwarze Menschen, verbrannt von der Sonne, voll von Witz und Feuer, immer verliebt, Verse schreibend, versessen auf Musik, Feste feiernd und Tänze und Turniere jeden Tag.« Das war vielleicht etwas kühn, aber keinesfalls einfältig. Stiche und Grafiken um 1900 und sogar noch danach zeigen Regenwälder und Moraste, Riesenlibellen, urzeitliche Wunderlandschaften. Es war eine Phantasie voller Hoffnung, verliebt in die atemberaubende Diva, die man nur aus großer Entfernung sehen kann, im Bühnennebel. (Atemberaubend ist sie übrigens tatsächlich …)Scinexx-Dossier über die „Kaprizen einer Diva“

Das als eine Kostprobe, welcher Fantasien sich die Menschen über den Morgen- wie Abendstern erlaubten. Welch Wunderliches nicht alles unter den undurchsichtigen Wolken, die den Planeten rein optisch erst zum ‚leuchtenden Stern‘ machen, sich zutrug. Kurzum: die Venus ist seit Jahrhunderten Ort projektiver Sehnsüchte und Wünsche, was anderswo nicht alles Dys-/Utopisches möglich wäre. Folgend ein paar – autorselektive – Verweise auf gedankenexperimentelle Spielarten ‚venusischer Literatur‘.

Da wäre zu erwähnen der posthum fünfbändige Amtor-Zyklus des Autors Edgar Rice Burroughs. Seines Griffels niemand Geringeres als der Ersinner von Tarzan, der allerdings als Multigenresassa sich auch um die Science Fiction verdient gemacht hat. Vielleicht mehr Fiction als Science, denn die Geschichten auf dem Mars oder hier der Venus, die von ihren recht rustikalen Bewohnern „Amtor“ genannt wird, sind eher tarzanische Verlagerungen aus dem irdischen Dschungel in fremdartigere Welten. Es geht faustisch einher, aber nicht wie bei „Faust“, sondern mit selbigen. Der erste Band der Tetralogie erschien bereits 1932, rund 35 Jahre vor nennenswerten Ein-Sichten in venusische Verhältnisse. Die Venus ist, nach meiner Lesart, hier funktional alleinig exotische Kulisse, um noch Außergewöhnlicheres erzählen zu können als bei Tarzan möglich.

Etwa ein Jahrzehnt später, 1943, hat ein gewisser C. S. Lewis, berühmt für seine Welt jenseits des Schrankes Narnia, sich auch an Science Fiction versucht. Im Gegensatz übrigens zu seinem guten Kollegen, einem J.R.R. Tolkien – falls mal gehört, der auch mal SF schreiben sollte, es aber letztlich sein ließ. Lewis seinerseits verfasste gar eine Trilogie, die nach dem zweiten Band Perelandra betitelt ist. Charakterisiert als „Fiction ohne Science“, auch hier die extraterrestrische Verlagerung der Erzählung vielmehr nur narrative Freiräume schaffen sollte. Es wird klarer, wenn in knapp die Venus veranschaulicht wird: Als der Philologe Elwin Ransom auf der Venus

[…] ankommt, entdeckt er ein Meeresparadies. Den süßwasserhaltigen Ozean bewohnen ungewöhnliche Meerestiere und bunte Vegetationsinseln schwimmen auf der Wasseroberfläche. Auf den Inseln gedeihen viele Pflanzenarten und es leben auch Tiere auf den Inseln. Der Himmel ist golden und sehr hell, doch es ist tagsüber keine Sonne und nachts kein Stern zu sehen. Die Venus hat kein großes Festland, sondern besteht nur aus umher schwimmenden Inseln. Im Verlauf erfährt Ransom nur von einem festen Berg, der auf der Insel existiert.Zusammenfassung auf der C. S. Lewis-Homepage

Perelandra, wie ihre BewohnerInnen die Venus nennen, ist „noch eine Art Garten Eden“, ein Ort der Unschuld, in die hinein Ransoms garstiger Gegenspieler bricht wie die Schlange am tückischen Apfelbaum der Erkenntnis. Lewis verhandelt in der Trilogie und speziell im Mittelroman christliche Themen und Motive, wie sie auch in anderem Gewand bereits in „Narnia“ erzählumwoben worden sind.

Vielerlei Gedankenauswüchse eines wahren venusischen Zoos hat Wiki gesammelt.

Der Morgenstern – Die Venus des Osten

Für mich sehr prägend, weil Jugendlektüre war hingegen ein ‚Ostblock-Blick‘ auf die Venus, für Mitlesende im Blog wenig verwunderlich von Stanislaw Lem: „Die Astronauten“ aka „Planet des Todes“ – auf Polnisch als „Astronauci“ 1951 veröffentlicht, als noch niemand von Astronauten sprach, dabei vielmehr an die Argonauten dachte. Erstmals 1954 ins Deutsche übersetzt. Eine Zeit also, bevor der Space Race zwischen den Blöcken begonnen hatte, ja sogar noch Jahre bevor auch nur berühmter Sputnik als erster seiner Art das Tor zum Weltraum aufstieß. Man konnte nichts über den Weltraum oder die Venus wissen, was nicht von astronomischen Fernrohren und Teleskopen von der Erde aus eingefangen worden wäre.

Ein längeres Zitat aus dem Roman, um zu verdeutlichen, wie Lems Vorstellung der Venus in den Worten des Ich-Erzählers geronnen ist und zur Anschauung wurde:

Ich weiß, daß es mir nie gelingen wird, das Bild wiederzugeben, das ich erblickte. Ich kann wohl seine Einzelheiten beschreiben, vermag aber nicht, jenen seltsamen, überall vorherrschenden Grundton der Farben in Worten auszudrücken. Diese Tönung war die Ursache, daß man sofort das Gefühl hatte, nicht auf der Erde zu sein. Träge trieben die Wolken dahin; es waren nicht die leichten, flaumigen Zirruswolken der Erde, sondern ein glatter, milchweißer Vorhang, der das ganze Firmament verhüllte. Von grellem Licht beschienen, breitete sich eine Landschaft flacher Hügel und Mulden aus. Sie war trocken, ohne jeden Pflanzenwuchs, von tiefschokoladenbrauner Farbe, die nur hier und da von etwas helleren Flecken unterbrochen wurde. Ungefähr siebzig Meter hinter dem Schwanz des Flugzeuges begann der »Tote Wald«. Die Schwelle, die ihn gegen die Ebene abgrenzte, war so hoch, daß nur die wirren, im zurückgeworfenen Licht blitzenden »Baumkronen« darüber hinausragten.
[…]
Ich betrachtete noch einmal die eigentümliche braune Landschaft, nun aber mit anderen Augen als vorher. Etwas Beunruhigendes lag in ihr, etwas, was ich vorher gar nicht bemerkt hatte. Sie erinnerte – ja, womit konnte man sie eigentlich vergleichen? Auf einmal wußte ich es: Die ganze Gegend sah unwirklich, unnatürlich, wie eine riesige Theaterdekoration aus. Und das war es, was mich beunruhigte: die ungeheuren Ausmaße dieser starren, toten Landschaft, diese Hunderte Quadratkilometer von Bakelit, oder was es sonst sein mochte – irgendeine künstliche, plastische Masse, die auf der Erde als Material für Telefone und Füllfederhalter dient! In dieser Vorstellung lag etwas Groteskes und zugleich Unheimliches.
[…]
Es war nicht einmal Furcht, was mich dazu veranlaßte, sondern das Gefühl der Fremdheit, das mich plötzlich mit aller Macht gepackt hatte. Fremd war dieser tief herabhängende, weiße Himmel, der trotz Wolken einen ungeheuer starken Glanz ausstrahlte, fremd die Stille der Luft, fremd die flachgebuckelte Ebene, auf deren Boden die Stiefeltritte ein sonderbar trockenes, hartes Poltern hervorriefen …Stanislaw Lem: Die Astronauten / Der Planet des Todes – Kapitel: „Der Pilot“

Der besagte „tote Wald“ erhält auch noch seine eindrücklich-anschauliche Beschreibung in den irdischen Metaphern erstarrter Kristalle und kristallisierter verformter Formationen. Auch im Weiteren bleibt alles trostlos, trist, verblichen, vergangen, tot. Eben ein Planet des Todes, wie die deutsche Erstübersetzung inhaltlich vorauseilend, aber zutreffend betitelte. Was lebte, ist gestorben; was blühte, verblüht. Ferner einem Paradies kann diese Venus kaum sein!

Ein Land weiter hatten die berühmten Brüder Strugatzki 1959 – acht Jahre nach Lem also – ihren SF-Erstling veröffentlicht, der noch der Hard SF zuzurechnen ist. Im Gegensatz zu Lems Einzelroman begründete es jedoch den Anbeginn der Future History der sog. Welt des Mittag: Atomvulkan Golkonda. Unter ganz anderen Voraussetzungen fliegen auch hier Astronauten gen Venus, die sie auch betreten. Am Anfang vom dritten Teil heißt es zur Venus-Landschaft u.a.:

Sumpf auf der Venus … Einfach absurd! Absurder als Palmenhaine auf dem Mond oder Kuhherden auf den kahlen Piks der Asteroiden. Dichter Nebel statt glühenden Himmels, zäher Schlamm statt brennend heißen, trockenen Sandes! Das widersprach ganz und gar den althergebrachten Vorstellungen von der Venus und komplizierte die Lage der Expedition außerordentlich; denn es war eine Überraschung, und nichts kann einem ernsten Vorhaben mehr schaden als Überraschungen.
[…]
Dichtes gelbliches Halbdunkel umhüllte sie, der Morast zu ihren Füßen schimmerte fettig. Sie sahen nur einige Meter weit, hörten dafür aber umso mehr. Das Moor gab seltsame Laute von sich. Es seufzte in allen Tonarten, prustete, schmatzte, stöhnte. Aus der Ferne drangen dumpfes Gebrüll und ein langgezogenes helles Pfeifen herüber. Sicherlich erzeugte das Moor selbst alle diese Geräusche, doch Bykow musste plötzlich an phantastische Wesen denken, die sich im Nebel verborgen hielten, und eilig tastete er nach den Granaten hinter seinem Gürtel. Atomvulkan Golkonda – Dritter Teil „An den Ufern der Urangolkonda“, „Im Sumpf“

Einige Seiten später (die im epub nicht anzugeben sind):

Mit zunehmender Entfernung vom Sumpf hatte sich die Feuchtigkeit der Atmosphäre stark verringert; sie war fast bis zum Nullwert herabgesunken. Der Gehalt an radioaktiven Edelgas-Isotopen, an Kohlenmonoxid und Sauerstoff hatte zugenommen, die Temperatur schwankte zwischen fünfundsiebzig und hundert Grad. Zur allgemeinen Überraschung und zu Jurkowskis Freude fand das Express-Labor in der Atmosphäre Spuren von lebendem Protoplasma; irgendwelche Mikroorganismen, Bakterien oder Viren, lebten sogar in dieser trockenen, glühenden Luft.Ebenda

Und so geht es weiter in einer unwirklich rauen, urtümlichen, aber eben doch belebten Welt, wenn auch sie alles nur nicht paradiesisch blüht und sprießt. Weiteres zum faszinierenden Roman aus einer präastronautischen Zeit beim Golkonda Verlag – Wieso der nur so heißt?;-) -, wo eine vollständige Übersetzung samt bereichernder Kommentare, Nachworte und Anmerkungen erschienen ist!

Warum auch immer, in jedem Fall war die Venus im ehemaligen Ostblock alles nur nicht vom Liebreiz einer verführerischen Göttin; verlockte auch nicht olympisch oder paradiesisch, sondern war Ort für kameradschaftliche Genossen, die mit wissenschaftlicher Expertise zusammenhielten.

Die Venus perryversal – Dschungel oder realistisch

Die Anfangszeit der Perry Rhodan-Serie war stark venusische geprägt, rund ein Fünftel des ersten Viertelhunderts fand auf ihrem Boden statt. Nach Heften diese:

Hiernach flachte sich das Pacing ab und es gab nur noch seltene Stippvisiten gen Venus – die Galaxis rief und sodann das Universum, das es zu erben galt.

Der ATLANTIS-Kommentar verhandelt die innerserielle Entwicklung im Kontrast zur Realität. Hierauf war in Erstauflagen-Heftroman 3040 im Report bereits Dr. Rainer Nagel eingegangen. Im Gegensatz zu vielen anderen hat es dieser Text nicht auch auf die Homepage geschafft. Daher die Kernaussage daraus: „Kein Planet unseres Sonnensystems unterscheidet sich in der PERRY RHODAN-Serie so stark von seinem realweltlichen Vorbild wie die Venus – und bei keinem anderen gibt es so viele Widersprüche in der Darstellung.“ Anfangs die in obig gelinkten Heftromanen geschilderte und so doch vermeintlich kanonisch fix geschilderte dampfende Dschungelwelt, von evolutionär kämpfenden Riesenleben überzahlreich bevölkert. Ein einzig Abenteuer, dort zu bestehen und heil von A nach B zu gelangen. Dennoch erste Siedlung terranischer Kolonisten! Nur die Harten kommen in den Venus-Garten. Diese venusischen Fantasien gingen jedoch astronomischen Erkenntnissen (s.u.) um Jahre voraus und um Dimensionen an ihnen vorbei;-) Sobald sich realweltliche Einsichten ansammelten, gab es sachte Versuche der intradiegetischen Korrekturen: entweder umschiffte man die Venus gleich ganz; man ließ dort zwar Handlung stattfinden, aber doch nur generisch in eh sterilen Gebäuden ohne Schilderungen von venusischer Umwelt; oder man korrigierte dann und wann die Verhältnisse vor Ort hin zu realen Gegebenheiten, um dann jedoch zurück zu den Wurzeln zu gehen. Hinter wissenschaftlicher Erkenntnis herzulaufen, machte jedwede Erzählungen nachhaltig zunichte, weshalb man sich solche Verbiegungen möglichst ersparte und die Venus wieder den hitzedampfenden Dschungel sein ließ, wie er eingeführt worden ist. Eben hier gründete sich dann bspw. Das Venus-Team in Nr. 3030, wo ein gurkenartig anmutender Swoon beinahe in einer fleischfressenden Pflanze verschwindet und vieles mehr …

Die Venus – ein ferner Zwilling

Und diesseits unserer Realität, die nachweislich unparadiesisch ist? Da hatten zwar die Amerikaner zuerst Sonden zur Venus geschickt, diese aber nur von außen beäugen lassen. Die Sowjets waren – zu der Zeit üblich – fortschrittlicher. Im Rahmen ihres Venera-Program gab es zunächst zwar einige Fehlschläge – erst gar nicht gestartete, vorzeitig explodierte oder falsch abgebogene Sonden. Dann aber folgte der größte Erfolg, Venera 4 von 1967 konnte bis in die Atmosphäre vorstoßen und den größten Teil der vorausberechneten Zeit Daten sammeln, bevor die unerwartete Hitze und atmosphärische Dichte die Sonde zermalmten. Seither ist jedoch klar – 16 Jahre nach Lems und 8 Jahre nach Roman der Strugatzkis -, dass es kein (erdenartiges) Leben auf der Venus geben kann. Das Ende aller lebhaften Fantasien und Hoffnungen auf einen gleichartig belebten Zwillingsplaneten.

Und aktueller? Da verweise ich erneut auf das Scinexx-Dossier, auch wenn das schon 17 Jahre alt von 2005 ist, entstanden rund um die Erkundungen von Venus Express, die im November 2005 zum „Zwilling“ aufbrach. Dessen Ergebnisse haben das Bild seither freilich abgerundet, die angesprochenen Fragen im Dossier und der bis dato Stand des Wissens sind als Ausgangspunkt weiterhin lesenswert. Zeitweise gab es Diskussionen, ob es in den reichlichst vorhandenen Wolken der Leben etwa Leben, doch wenigstens lebensbefähigende Moleküle geben könnte. Tendenziell nein. Das wird umso wahrscheinlicher, wenn man sich die jüngste Forschung zur Planetengöttin anschaut, Scinexx berichtete: anhand von Numerischer Astronomie, also mittels Computersimulationen konnte man ziemlich sicher feststellen, dass die Venus niemals, nicht einmal ganz am Anfang ihrer Karriere lebensfreundliche Verhältnisse hatte (ausbilden können). Dass solche ohnedies dann irgendwann in einem lebensmörderischen Treibhauseffekt ohne Ende gekippt sind, war klar. Aber auch in eventuell kühlen Vorzeiten gab es keine Chance. Was vermutlich für die Erde entscheidend war, um den Weg des Lebens vorbereiten zu können, war für die Venus schon zu viel: zu viel Sonneneinstrahlung. Diese gestattete es nicht, dass sich anfänglicher (Höllen)Dampf zu flüssigen Wasser kondensierte:

Deshalb setzt die Modellierung direkt nach der Planetenbildung an: „Wir simulieren das Klima auf Erde und Venus ab dem Beginn ihrer Entwicklung, als ihre Oberfläche vor mehr als vier Milliarden Jahren noch glutflüssig war“, erklärt Turbet. „Bei diesen hohen Temperaturen lag das gesamte Wasser als Dampf vor – wie in einem gigantischen Dampfkochtopf.“ Unter welchen Bedingungen der Wasserdampf dann nach dieser Magmaozean-Phase auskondensiert und abregnet, haben er und sein Team in der Simulation nachvollzogen.
Das Ergebnis: Damit die Atmosphäre eines jungen Planeten genügend abkühlt, um Wasser kondensieren zu lassen, darf die Sonneneinstrahlung eine bestimmte Schwelle nicht überschreiten. Bei der jungen Venus waren dies 325 Watt pro Quadratmeter, bei der Erde 312,5 Watt pro Quadratmeter – dies entspricht etwa 92 Prozent der heutigen Sonneneinstrahlung.
Liegt die Einstrahlung unter dieser Schwelle, können sich Wolken auf der Tagseite des Planeten bilden. „Diese Wolken lassen die Albedo abrupt in die Höhe schnellen und bewirken eine Abkühlung der Atmosphäre, durch die Wasserdampf auf der Oberfläche auskondensiert und sich schließlich Ozeane bilden“, erklären die Forscher. Bei der jungen Erde war dies der Fall: Sie lag weit genug außen, um die Sonneneinstrahlung unter den Schwellenwert zu senken – und entwickelte daher flüssiges Wasser und Ozeane.Scienexx „Venus: Dampfhölle statt zweite Erde?“

Dunst und Dampf ja, wie es die perryversalen Venusdschungel üppig ausmacht; real dann nur ohne Dschungel und nirgends mit flüssigem Wasser, in dem bspw. Venusrobben schwimmen und gedeihen könnten…

2. Nostalgie, aber anders


Das ist das erste Heft der Miniserie, das sich mit seinem Titel nicht unüberlesbar an alte Schinken anlehnt und sie so motivisch aufgreift. Zwar gerät immerhin Perry nicht erneut in den Würgegriff einer Baumechse, stürzt nicht mit seinen beiden Begleiterinnen nach Jahrtausenden schon wieder ins Meer, trifft allerdings auch nicht auf nur einen Venus-Dinosaurier; in vegetarischen Zeiten gibt es nicht einmal lecker Dackelschwein 😀 Man muss beinahe unterstellen: es ist nichts passiert 😛

Davon ab, flicht Sascha aber sehr schön einige Must Writes/Reads ein, die einfach zu einem guten Besuch der Venus dazugehören. Dass wiedermal die Venuspositronik ‚ihre Hände ausstreckt‘ und das Schiff – diesmal eine arkonidische Leka-Disk – per Traktorstrahl einfängt, ist von Heft 8 an Brauchgut. Wenigstens hat sie nicht sofort geschossen, wie es in den benannten 20er Heften mehrfach der Fall gewesen war und die raumtüchtigen Fahrzeuge nur so wie Sternschnuppen auf die Venus hinabfielen. Und dass man sich auf der Venus nicht zivilisiert über Straßen bewegt, wie es selbst die Römer doch schon konnten, sondern nach ungewollter Landung zunächst einmal möglichst ohne zu viele dafür vorgesehene Hilfsmittel quer durch den Dschungel, macht den Trip aus. Manche buchen extra ein Survival, Perry fliegt zur Venus;-) Dabei ist ihm und seinen Gefährtinnen die Tierwelt so tödlich nicht zugetan. Das läuft dann doch reichlich glimpflich ab. Selbst Träumerli Caysey überlebt Unachtsamkeiten wie die fleischfressenden Ameisen (die damals sogar 6 statt 10.000 Jahre später nur noch 5 cm riesig waren). Und das Vier-Etagen-Ökosystem der Venus erleiden wir zwar nicht face-to-face, aber Perry erzählt Caysey anschaulich von allen Übeln, die drohen. Als wäre sie nicht überfordert genug.

3. A’lu’la – Psibegabte unter sich


Merke: wenn etwas mit gewisser Auffälligkeit sich in die Aufmerksamkeit der Lesenden schreibt, dann nicht ohne Grund. Dass die VenuswanderInnen neben allem ungeheuren Ungetüm auch auf die „Venus-Robben“, wie Perry sie zeitlich inkorrekt benennt, treffen, ist ein Vorzeichen. Vor allem, dass sie dem mit Gesängen aufgeladenen Geburtsritual beiwohnen dürfen. Die „Robben“ ihrerseits nehmen es auch locker hin, als hätten sie hier schon erspürt, was diese eine Zweibeinerin mit sich herumträgt.

Inmitten ihres ersten Duells überhaupt und dann gleich auch noch mit sternengöttlicher Ausrüstung wie eine sagenhafte Heldin wird Caysey von den Robben weggelenkt. Diese flanieren des Weges, als schößen da nicht en masse hochenergetische Ladungen hin und her. Richtiggehend aufdringlich und ohne Widerrede zuzulassen, drängen die Robben Caysey förmlich mitzukommen. Dank einer vergangenheitlich eingesetzten zukünftigen Fortentwicklung eines Cerebral-Analysators, wie er in Heft8 erstmals zum Einsatz gekommen sein wird, ist die Kommunikation zwischen intelligenten VenusianerInnen und den Lemuroiden durchweg einwandfrei möglich. Und Caysey hört nicht nur deren Worte, sondern hört auch auf sie. Möglicherweise noch verstärkt und vertieft durch die psi-empathischen Talente, die sie Urvertrauen lassen. Wie in einem Sog wird sie mitgerissen, vergisst Aufgabe und Freunde, um eine zweite Chance zur Ausheilung ihres Künftigen wahrnehmen zu können. Motivation sonnenklar und affektiv empathisch nur zu nachfühlbar.

Folgend gewiss etwas streng geurteilt angesichts eines auf 12 Bände komprimierten Mini-Ablegers einer Unterhaltungsserie, aber: zutiefst beeindruckt und geprägt von Kim Stanley Robinsons Meisterwerk „Aurora“, bin ich Hard SF gestählt voller Zweifel über Cayseys Involviertheit in das Ritual. Angepasst für Lebewesen in der Art von Delfinen – Lungenatmer, aber größtenteils aquatisch beheimatet -, ausgeformt von Produkten einer venusischen Evolution und auf hiesige Bedürfnisse abgestimmt, ist es für mich nahe Wahnsinn, sich darauf einzulassen. Andersherum es Fremdwesen anzubieten, es ihnen nahezu aufzudrängen. Zwar scheint es – der Handlung willen – geklappt zu haben, fühlt Caysey erste Veränderungen in ihrem Körper. Aber dass sie nur ein wenig rote, heiße, brennende, schmerzhafte Haut davon getragen hat, obwohl sie körperweit mit einer auf totale Fremdorganismen abgestimmten Substanz eingedeckt, ja eingeschleimt war, ist … unrealistisch. An was man nicht alles auf Erden zugrunde gehen kann, obwohl es durch ein- und dieselbe Evolution hervorgebracht worden ist, Anpassungen möglich waren, um sich doch als inkompatibel zu erweisen. Und hier hat es zwar ein paar oberflächlich unangenehme, ja zum Weinen schmerzhafte Auswirkungen, um dann jedoch – so scheint es und ist es verheißen worden -, ein gendefektes Kind bis in die Grundfesten des Fremdwesen-Organismus auszuheilen? Eine schöne Geschichte von interplanetarer Solidarität, Freundschaft (A’lula) und nächstliebender Kooperation. In diesen Zeiten nur zu lesenswert! Aber schon ziemlich Münchhausen-esk, was beim noch so empathischen Wollen das biologische Vermögen angeht:-)

Fun Fact: erst letztes Jahr ist rund ums 60-Jahre-Jubiläum ein 6-teiliger Heftkurzroman-Zyklus erschienen: Galacto City, benannt nach der ersten Namensgebung DER STADT Terras schlechthin, die später Terrania geheißen wurde. Und in Galacto City 3 „Endstation Venus“ waren wir nicht nur stippvisitierend auf der Venus, lernten eine Venusrobbe sogar namhaft kennen; nein, hier lasen wir erstmals von „a’lu’la“ als Ausdruck für Freund*in. Kaum eingeführt, auch schon zweitverwendet. Lobe das!

4. Caysey, die keine Grenzsituationen kennt


Caysey Heldinreise, auf die sie sich – uneingeladen – begeben hat, war hier schon öfters Thema. Sie macht die größte, krasseste individuelle Weitsprunginnovation durch. Doch erlebt sie all das Bisherige nicht als existentiell zumutende Grenzsituation, vielmehr eine nicht abreißende Kette von „Grenzsituationen“. Nein, sie nimmt das Fremdneue allergrößtenteils hin, spürt sich urvertrauend in Perry und Sichu ein, deren Weg sie sich selbstentschieden anschließt. Schon bisher, in den ersten beiden Romanen hat sie die anpassende Entwicklung mehrerer Generationen im Zeitraffer durchlaufen, soghaft mitgerissen durch die unwiderstehliche Handlung hinaus aus ihrer bisherigen Lebenswelt!

Dieser Roman toppt all das jedoch noch um mehrere Potenzen: Erster Flug bis jenseits des Planeten, hinein in die unendliche Schwärze welträumlicher Nacht; derweil gehetzt und gejagt, in steter Todesangst, eingepfercht in eine Blechbüchse von Kleinraumer. Kaum überlebt, steigt sie wie zuvor nur Sternengötter auf einen fremden Planeten hinab, auch das nur gerade so zu überleben,; hineingeworfen in die Dampfhölle wildwüster Flora und Fauna. Naiv meint sie, dass sie sich ja in unberührter Wildnis auskenne, um nur knappestmöglichst mehrfachen Tod zu entgehen, der grausam geraten wäre.

Daraufhin Bootcamp in Kampfschulung, Umgang mit der (Betäubungs-)Waffe und der Verpflichtung, sie auch gegen eine – bekannte, als nicht grundböse erspürte – Person ins Feld zu führen. Keine graue Theorie, sondern vorbereitungsloser Konflikt – für Caysey auch noch um Leben und Tod, denn Rowena schießt – so klingt es – gnadenlos scharf! Dann hineingezogen in obiges Heilungsritual, an dem sie durch anhaltende Schmerzen leidet. Hinzu Komplexe, den Freund alleine gelassen zu haben, selbst als sie ihn im genau richtigen Augenblick doch noch retten und alle Versäumnisse wettmachen kann. Sodann Flucht in etwas, was nur sie vor Wochen als unbesiegbares Monstrum von einem Sternengottschiff verklärt hätte, sich jetzt als unzuverlässig anmutende Schrottlaube erweist.

Mir wäre es – frei zugegeben – der Krisen, Katastrophen, Welterschütterungen, Metamorphosen, alltagsweltlichen Einbrüchen und Schicksalsschlägen aller Art zu viele. Ich wäre da mutmaßlich längst in passivierte Überforderung versunken, in der ich kaum zielgerichteter Reaktion fähig wäre. Caysey reagiert größtenteils zwar ihrerseits auch nur, gestaltet noch nicht selber proaktiv, muss sich ihren Minimal-Entwurf im Geworfensein Akt für Akt schwer erarbeiten. Aber sie ist mittendrin statt nur dabei, bleibt dabei, ist hellwach, aufmerksam, anpassungs- und wandlungsfähig innerhalb kürzester Zeit. Währenddessen sie im eigentlichen Sinne noch nichts versteht, sich quasi nichts erklären kann, nur akzeptierend hinnimmt, um es dann aber produktiv anzugehen. RESPEKT! Ein Traum von einer Handlungsträgerin, die ALLES mitmachen kann, was man sich geballt an autorheitlichem Schicksal nur ausdenken kann. Verantwortlicher Autor dieses dritten Aktes charakterisiert die Heldin wider Willen inmitten ihres ersten Kampfes so:

Ich denke, Caysey macht durch ihre Beherztheit und ihren etwas naiven Mut einiges wett. Sie reagiert intuitiv – und damit anders, als eine geübte Kämpferin wie Rowena es vielleicht erwartet. Dadurch ergeben sich für sie ungeahnte Chancen.Sascha Vennemann im PROC-Interview – s.u.

5. Rowena, die kein Konsequenzglück hat

Inmitten dieses Kampfes. Bis es dazu kommt, hat Rowena, die große Gegenspielerin, augenscheinlich alles erdenklich richtig gemacht:

  1. Sie hat den „Fluchtpunkt Venus“, den sie Larsa nennt, vorhergeahnt oder dank Extrasinn strategisch richtig vorherberechnet. Daher war sie schon längst zugegen, als das Trio einfliegt; hatte da längst die Larsapositronik präzise instruiert und den abgreifenden Traktorstrahl programmiert!
  2. Sie hat, als dieser Zugriff dennoch fehlgreift, trotzdem noch besonnen die Sinne beisammen, das Herz der Kolonie nicht unbewacht, vielmehr Roboter für den unwahrscheinlich anmutenden Fall zurückzulassen, dass die Larsapositronik Ziel des Trios wird.

Von da an macht sie jedoch fundamentale Fehler, die nur dumm sind:

  1. Vorneweg hatte sie es ohnehin schon auf eine Ein-Frau-Mission komprimiert, den lokalen Tato ziemlich kleingemacht und dann noch vergrault. Bereitwillige Hilfe von berufenen Stellen hat sie sich verwehrt.
  2. Noch schlimmer als das jedoch, dass sie ALLEINE, bewaffnet mit bloß einem Strahlerchen, aufbricht, um sich DREI GEGNERN gleichzeitig zu stellen. Zumindest MUSS sie das annehmen, das Trio gemeinsam anzutreffen, das sich dann geschlossen gegen sie alleine stellen würde.
  3. Selbst wenn sie intuitiv richtig die Aufspaltung der Gruppe angenommen und deshalb die Robotwachen zurückgelassen hat, musste sie von einem Missverhältnis, einem klaren Mismatch von Zwei-gegen-Eins ausgehen, zu ihren Ungunsten. Ein Double-Team ist schon im Basketball nichts, worauf man es anlegen möchte, nicht einmal als ein Kevin Durant. Dass sich Rowena mutwillig in diese Unterlegenheit manövriert, ist echt nur dumm!
  4. Selbst wenn sie Caysey – ZU UNRECHT! – als Gegnerin unterschätzt, ja für irrelevant verachtet, hätte sie es gegen Perry oder Sichu zu tun bekommen. Wieso sie da automatische Überlegenheit annimmt, bleibt schleierhaft. Sie hätte ja ohnedies jederzeit truppenweise Soldaten mitnehmen können, den eh abseitigen Schrottplatz umstellen lassen können; wenigstens technische Hilfsmittel vor Ort mitnehmen können, um eine Rundumüberwachung zu gewährleisten, damit niemand entkommt. Usw. Usf. Aber nein, Madame macht auf Einsame Wölfin, die alles in One-Woman-Show per Sheroe-Weapon alleine regelt. Was hat ihr Logiksektor extrasinniert dazu wohl gesagt? Doof? Irre? Dumm? Mindestens aber mal: unnötig! Nicht zielführend. Viel zu schlupflöchrig.

    ABER: das ist egal. VIEL VIEL VIEL interessanter ist, was sie zu beiläufig über Atlan denkt / sagt:

    • Es klingt zunächst so, sicherlich absichtlich ungenau geäußert, als wäre die Propaganda über Atlans Tod von diesem initiiert, mit diesem verabredet, in dessen Sinne.
    • Zumindest deute ich es nur so angehörs zweiter Anmerkung, demnach SIE SICH MIT ATLAN in Verbindung setze(n wolle). Das setzt Können voraus, was das Wissen impliziert, wo er sich aufhält!

    Das wäre ja mal eine Wendung sondergleichen. Eigentlich abzusehen, wo die teasernden Worte zu Rowena sie nie als wirkliche Feindin aufgebaut haben und Caysey ja selbst Gegnerschaft in Abrede gestellt hat. Rowena, die nicht wider Atlan dessen Tod behauptet, propagiert und inszeniert, um hinter seinem Rücken gegen seine Person zu intrigieren, konspirieren und sonstiges -ieren. Nein, diesen hingeworfenen Worten nach KÖNNTE sie in seinen Diensten, für ihn, zu seinen Gunsten so handeln, wie sie handelt. Sein etwaiger Plan, sich ‚tot zu stellen‘, als Opfer des Methankrieges zu erscheinen, um…??? Ja um was? Weshalb? Weswegen? Gegen wen ein solches Manöver gerichtet? Wen gilt es derart zu täuschen? Und wieso all das am Ende des Imperiums, abseits allen imperialen Glanzes?

    FALLS hieran was dran sein sollte: Wieso setzt Atlan dann auf eine ehemalige Usurpatorenhelferin, eine aus dem Dienste seines ärgsten aller Feinde (bis dahin)? Erklären könnte eine solche Wendung, wieso Atlan – soweit wir aka Perry wissen – stets dem atlantischen Tato vertraut hat, obwohl er doch für Perry und uns augenscheinlich der Anti-Atlan-Verschwörung anhängt. Er hängt ihr nicht an, weil es sie gar nicht gibt. Oder nur insofern, als dass Atlan sie hat inszenieren lassen. Die Zerstörung des Talagon dann auch in seinem Auftrag? Sollte es Rowena für ihn entsorgen, während er scheinbar gefallen ist? Hat sie deshalb sogleich scharf auf ihn geschossen, weil sie ihn als doppelgängigen Feind verkannt hat, als sie in der zukünftigen Unterseekuppel auf ihn traf? Als wäre die Scharade eines toten Atlans durch die nebulösen Gegenspielenden durchschaut worden, um sie mit einem Atlan-Double zu falschen Handlungen zu verlocken?

    FALLS all das: Wie verschachtelt ist dieses Spiel vielfacher Böden denn dann bitte? Denn sonst irgendjemand muss den Zeittransmitter installiert, justiert und sonstwas haben, damit er just in eine Zeit geht, wenn just ein Atlan zugegen ist, um nichts anderes als solche Verwicklungen hervorzurufen. Oder selbst falls unintendierte Zufallskette zum Unguten, dass Atlan über den Haufen geschossen wurde, statt bspw. mit Charisma auf Rowena einreden zu können, muss die Zeitjustierung dennoch geplant gewesen sein. Nur sowas kann kaum wer weit und breit. Da sind schon Leute am Werke und Wirken, die über Mittel und Wege verfügen, die die übliche Raumzeit sprengen. Und dann noch dieser merkwürdige Roboter an Perrys Seite und mit erwachter Maschinenintelligenz ihm zu Hilfe… Faszinierend!

    6. Sichu, die Black-Hat-Haeckse


    Im vorigen Roman offiziell gar keine aufgeführte Hauptperson, demnach also nur dabei statt mittendrin. Nunmehr ist Sichu aber integraler Bestandteil des Trio und erweist sich als Ein-Frau-Spezialeinsatzteam zur besonderen Verwendung. Nicht nur verkopfte Chefwissenschaftlerin, die theoretisiert, wenn sie nicht experimentiert, was sie nur kann, wenn sie nicht theoretisiert. Kein leben in Laboratorien ohne Außenkontakt in die freie Wildbahn. Kaum von der Leine gelassen, erweist sich Sichu kurzerhand und geschickt als Black-HatHaeckse, die nichts Geringeres als die Larsapositronik leichthändig zu hacken versteht. Bloß 13.000 Jahre in die Vergangenheit geschleudert? Eine endlose Anzahl ungezählter Quanten-Weitsprung-Innovationen in Sachen ‚Computertechnik‘ Hard- wie Software-seits seither? Kein Problem für Super-Haeckse! Als Technozauberin vermag sie, selbst wenn man ihr dabei gestreng auf die Finger schaut, mit fliegenden Fingern hausinterne Waffen gegen das arkonidische Personal zu richten. Damit rechnete ich so gar nicht, allerdings auch weil ich es für … schwerlich möglich hielt. Wenn sie es noch geschafft hätte, nicht selber angeschossen zu werden, sondern als ‚gesondert‘ separiert zu werden, müsste man ihr den GPC-Preis auf Lebenszeit und für ihr Lebenswerk aushändigen (Galactic Positronic Club).

    So stark ich Sichu hier inszeniert und gut finde, dass sie so auftrumpfen kann, so dennoch hinterfragende Kritik: KANN DAS SEIN? Bloß mit einem, dafür nimmer abgestimmten Kombi-Armband ausgerüstet, kann sie letztlich problemlos eine 13.000 Jahre alte, VERALTETE Technik infiltrieren, Code umschreiben, eben einen Black-Hat-Hack systemkapernd durchführen? Hier wird es so herbeigeschrieben, als wäre neuere Technik/Software der älteren überlegen, wären es 13.000 Jahre Entwicklungszeit geradlinig zum Vortrefflicheren verlaufen. Das kann ich inmitten jetziger digitalisierter Lebenswelt so nicht nachempfinden – gelinde gesagt. Hier gibt es schon schwer überwindbare Kompatibilitätsprobleme, wollte man nur alten Internet Explorer 11 statt EDGE zum Browsen anwenden, schlicht weil zunehmend Webseiten auf für IE11 inkompatible Features, Gimmicks und Quellcode zurückgreifen. Innerhalb teils weniger Jahre, weniger Jahrzehnte ist derart viel ausrangiert worden, zurückgeblieben im Nirvana der Codes, dass ich es gerne gelesen habe, aber null und nichtig glauben kann, dass man da so mir nichts, dir nichts kompatibilisieren kann mit wenigsten Klicks. Ja sicher, es gibt ‚Software-Brücken‘ zwischen bspw. Windows und Apfel, kann man auch heute noch von WIN10 auf XP zurückgreifen. Aber wieso hat Sichu all solche Add-ons auf einem Armband-Gerät, das in der fernen Zukunft niemals für einen Zeitreisetrip zusammengeappt worden ist?

    7. Der Neue, der es schon konnte


    Sascha stand vor einer besonders schwierigen Aufgabe, weil er sich ja in ein, aus seiner Sicht vielleicht nicht komplett neues, aber immerhin unvertrautes Universum einarbeiten musste. Als PR-Autor musst du vieles wissen, was dir als Nur-Leser vielleicht gar nicht bewusst ist – das gaht bei bestimmten, technisch bedingten Satz-Besonderheiten in deiner Manuskriptdatei los und endet bei Fragen wie »welche Farbe hat ein Thermostrahl, und wenn ja, wie viele?« Außerdem musste er mein üblicherweise hyperkritisches Feedback ertragen. Dafür, finde ich, hat er sich wacker geschlagen.PROC-Interview mit BCH zu Band 01

    Das findet auch Thezakteur KNF, der auf seinem Blog die Herausforderung betont, „die nicht ganz so einfach ist“, die Venus perryversal und somit in starker Abweichung realer Kenntnisse zu schildern:

    Es ist der dritte Roman unserer aktuellen Miniserie, und es ist der erste Roman, den der Kollege bei einer unserer Serien veröffentlicht: »Fluchtpunkt Venus« erscheint in dieser Woche, er stammt von Sascha Vennemann, und mir hat die Zusammenarbeit mit dem Autor sehr gut gefallen. KNF

    Nicht komplett neu war für SV das Perryversum, da ihn ein unwahrscheinlicher Zufall die bisherigen Miniserien hat lesen lassen. Ein unschätzbarer Vorteil für einen, der ohnedies im Heftromanschreiben gestählt ist – 41 Beiträge allein für Maddrax und noch weitere SF-Heftromane wie für Sternenfaust. Das Medium als solches und Schreiben nach Vorgabe sollte ihm wohlvertraut sein, was man ihm bzw. seiner Schreibe im besten Sinne auch anmerkt. Für einen Erstling ein blitzsauberer Roman, der – wie vielpunktig skizziert;-) – sehr vielerlei perryversal aufgreift und einflicht. Das mag in starkem Maße eine Expovorgabe gewesen sein, die er dann aber gekonnt in Worte gegossen hat.

    Zum PROC-Interview ist selbstverständlich auch Sascha von RRR zitiert und investigativ ausgequetscht worden. Wie er zu „Perry“ gekommen ist und es sich überhaupt zutraute, kommentiert er bescheiden so:

    Nun, weil ich die Serie bis auf die Miniserien bislang nur sporadisch verfolgt habe, daher bin ich selbst gar nicht auf die Idee gekommen, in diesem Franchise aktiv zu werden. Ich hatte immer die Vorstellung, dass ich über das Perryversum gar nicht genug weiß, um da überhaupt einen adäquaten Text abliefern zu können. Das änderte sich, als Ben Calvin Hary mich letztes Jahr fragte, ob ich bei der nächsten Miniserie, die er betreuen würde, mitmachen möchte. Das Format kannte ich ja und Ben und ich kennen uns schon so lange, dass ich wusste: Wenn der dich fragt, lässt er dich zum einen nicht im Regen stehen mit dem, was mir an Wissen noch fehlt, und zum anderen traut er mir zu, dass ich das hinbekomme. Da fiel die Entscheidung dann leicht.SV im PROC-Interview

    Weitere spannende, weil mir unbekannte Details zu Unterschieden in den Exposés bei PR und Maddrax plaudert Sascha, hauptberuflich Zeitungsjournalist, aus.

    Interessant sodann, wie er Perry als Figur, ja Handlungshaupt-Charakter angegangen ist:

    Ich habe mich da an dem Miniserien-Perry orientiert, hauptsächlich. Und natürlich an dem Rhodan, den ich aus den wenigen Erstauflagenromanen kenne, die ich gelesen habe. Durch das Lesen bekommt man ein Bild, das einerseits recht konkret, andererseits ziemlich diffus ist – weil natürlich auch die Rhodan-Figur je nach Kontext immer etwas anders rüberkommt. Ich habe all diese Eindrücke zusammengenommen und mich dadurch beim Schreiben der Szenen mit ihm leiten lassen. Ob das funktioniert hat, müssen andere beurteilen. 🙂SV im PROC-Interview

    Interessant hieran, dass und wie induktiv, von eben doch nur sehr wenigen Einzelfällen (Heftromanen) er da aufs Ganze schließt, um ‚einen Perry‘ letztendlich herauszudestillieren. Einen miniserialen Perry, der in den – für rhodanautische Verhältnisse – sehr kompakten zwölf Romanen ganz anders inszeniert und fokussiert werden muss als in der sich ggf. auf mehrere Handlungsebenen verzweigenden Erstauflage. Hier bleibt alles – so meine Lese – wesentlich gestraffter, schon platzbedingt notwendigerweise. Und gerade damit es neuleserzugänglicher ist, ist dieser Perry auch bei weitem nicht so kosmisch angehaucht. All diesen – im Guten wie Schlechten – ‚Ballast‘ nahezu nicht zu kennen, ist so schlecht nicht, wenn der verschlankte Miniserien-Perry ohnehin gefragt ist. ‚Umgangen‘ hat er da mögliche Fallstricke schon dadurch, dass er die Ladies an Perrys Seite handlungsgleichrangig schildert. SO kommt er gar nicht erst in die eventuelle Verlegenheit, zu sehr Spotlight alleine auf den ultimaten Serienhelden richten zu müssen

    8. Zwischenfazit nach einem Viertel

    Kaum ein Sechstel vorbei, so nun schon ein Viertel der Miniserie. Und es bleibt interessant. Handlungsfortschrittsgläubig allen voran aufgrund der halbsätzigen Andeutungen Rowenas wegen, die Atlans Fernbleiben und angeblichen Tod in ganz neues Zwielicht stellen. Ein Komplott ohnehin geargwöhnt, scheinen die Involvierten in selbiges aber unbekannt konstelliert zu sein, Atlan als angeblich Gefallener trotzdem kontaktierbar – das verheißt noch manch Wendung und Erwartungsbruch. Rowenas vermeintlich ingrimm garstiges Bösesein könnte sich wenden und sie als Mitarbeiterin in Atlans Sinne werden lassen. Abwarten.

    Und trotz manch Gemäkel im Detail, das ich allerdings kaum zielführend anders zu konzipieren wüsste, gefällt der Roman auch sehr durch seine zahlreichen Anspielungen an die – vielleicht – ‚guten alten Zeiten‘, als man die Venus noch das allererste Mal wagemutig betreten hatte. Faktor Nostalgie – mal wieder. Obendrein diesmal alle drei Protagonisten proaktiv in Szene gesetzt, damit das Triumvirat* als Akteure besser ausbalanciert und in aktiven Rollen. Rowena als viertes Rad am Dreirad noch weiter wankelmütig: irgendwo zwischen genau richtig, vorausschauend auch, dann aber inkonsequent und doch eigensinnig doof. Schmaler Grat, dass sie nicht als Dauerscheiternde nur eine 90% Gegnerin bleibt, die im entscheidenden Moment eh – die nur zu üblichen – Fehler macht. Statt zu handeln, reden will; statt zu entscheiden, doch nochmal zaudert; statt Vorsprünge auszuspielen, lieber noch eine Ehrenrunde einfügt und den Vorteil verspielt … Das könnte drohen, muss aber nicht.

    Und R2D2 … äh… RCO? Wie so oft bisher denkt Perry nur ganz kurz und nicht intensiv genug hieran. Aber dass und wie der Roboter zugegen ist, mehr KI-Android als Blechkamerad alter Tage erstaunt und irritiert. Etwa ein technischer Gesandter, ein Helferlein im rechten Moment, damit Perry (und Co.) es schaffen kann? Doch wer sollte? Wer hat ein Interesse zu dieser Zeit? Oder aus anderer Zeit in diese hinein? Zeitschleife? ES???

    Am Schönsten aber: das Gewordensein der Terraner geht historisch damit einher, dass sie sich von ihren jeweiligen Gegnern IMMER(!) das technisch Allerbeste ‚entwendet‘ haben (=freimütig zusammengeklaut), um so statt in arbeitsam fleißiger Mühsal es sich selber anzueignen. Terranische Fortschritte von der Dritten Macht zum Solaren Imperium und so weiter dank Raub. Statt Sternen- vielmehr Raubritter Terras:

    … Und hier wird erneut ergaunert und ermopst, aber ad absurdum gedreht: ein schrottreifes, halb demontiertes Raumschiff, mit Lücken in der Außenhülle en masse. Dafür wäre der alte Perry nicht einmal aufgestanden, jetzt nimmt er es mit Kusshand. Schöne Verdrehung alter Gewohnheiten. Nun muss man nehmen, was bleibt – Schrott, größtenteils Schrott. Und damit geht es nun auch noch zum Raumschifffriedhof – guter Flug!

    *Triumvirat kommt im Kern von Lat. „vir“, der Mann – weil in den römischen Triumviraten nun einmal auch bloß – je drei – Männer einander bündeten. Dreimannesbund. Wie nennt man denn sachgerecht dann einen Bund aus diversen Geschlechtern – hier zwei Frauen und ein Mann?

Freiheitsgeld am Fontanelli-Tag

Hallo Mitwelt!

Pünktlich* zum Fontanelli-Tag, den wir zum 28. (streng genommen: 22.) Mal begehen, gibt es frohe Kunde, kommt eine Zukunftsvision über uns – das im mehrfachen Sinne:-)

Auf seiner Homepage hat er es selber kundgetan und bspw. auch sf-fan.de hat berichtet: Am 26.08.2022 wird der nächste Andreas Eschbach Roman erscheinen, der den Titel trägt: „Freiheitsgeld“! In den Worten des Autors ist die Kernidee diese:

Stellen Sie sich vor, Sie würden Ihren Beruf nicht deswegen ausüben, weil Sie irgendwie ja Ihren Lebensunterhalt damit verdienen müssen, sondern, weil Sie die Tätigkeit, der Sie nachgehen, sinnvoll und befriedigend finden. Während Sie das Geld, das Sie zum Leben brauchen, allmonatlich vom Staat überwiesenbekommen, einfach so, egal, ob Sie einer Arbeit nachgehen oder nicht. … Klingt paradiesisch? Nun, aber wie das so ist mit Paradiesen – auch in diesem lauert die eine oder andere Schlange … Andreas Eschbach

Des Erzählers Kern ist das bedingungslose Grundeinkommen, das hier explizit „Freiheitsgeld“ heißen soll, da dieses Geld zur Freiheit verhilft, tun zu können, wonach man nach freien Stücken Lust, Muße und Interesse hat, um das eigene Leben auszugestalten. Diesseits der Realität gibt es nur Ambitionen hierzu, wissenschaftlich begleitete Projekte geringen Umfangs, Initiativen wie Mein-Grundeinkommen.de. In „Freiheitsgeld“ ist es zur Realisierung dieser befreienden Idee gekommen. In der Vorschau heißt es genauer dazu:

Europa in der Zukunft. Roboter erledigen die meisten Arbeiten, während ein bedingungsloses Grundeinkommen, das sogenannte »Freiheitsgeld«, dafür sorgt, dass jeder ein menschenwürdiges Leben führen kann, egal, ob er einer Erwerbstätigkeit nachgeht oder nicht. Die Menschen leben größtenteils in Städten; große Gebiete sind zum Schutz des Klimas aufgeforstet worden und als neue Reservate ausgewiesen, zu denen niemand Zugang hat, damit die Natur sich darin ungestört erholen kann.
Kurz vor dem 30. Jahrestag des »Freiheitsgeldes« stirbt eben jener Altpolitiker, der es damals, nach der Großen Krise, eingeführt hat. Gleichzeitig wird der Journalist tot aufgefunden, der einst als sein größter Gegenspieler galt.
Ahmad Müller, ein junger Polizist, ist in die Ermittlungen um diese Todesfälle involviert – und sieht sich konfrontiert mit übermächtigen Kräften, die im Geheimen operieren und vor nichts zurückschrecken, um eine Aufklärung der Hintergründe zu vereiteln …
Klappentext

Damit setzt Eschbach fort, wozu er schon vielfach geschrieben hat, nämlich irdische, allzu irdische Themen und Probleme als Roman zu verhandeln. Anerkannt als Science Fiction-Autor, der vermutlich eigene Räumlichkeiten allein für all die Kurd-Laßwitz-Preise unterhalten muss;-), geht es aber nicht nur SF typisch in unendliche Weiten hinaus. Zum Teil schade, wenn die „Quest“ vorbei sein und es wahrlich keine „Haarteppichknüpfer“ mehr geben sollte – Space Opera at its best! Doch Eschbach kann auch New Future Fiction, die wie jetzt „Freiheitsgeld“ in erlebbarer Zukunft spielt, genauso wie Social Fiction, wozu ich „Todesengel“ ebenso wie „Teufelsgold“ zähle. Die können auch mal in der jüngsten Vergangenheit beginnen wie besagtes „Teufelsgold“ (noch in den 1990er Jahren – richtig oldschool), um sich dann in eine Anderswelt hinein zu erzählen. Und während ein Marc Elsberg vergleichbare Settings auftut, hier aber den Fokus stets auf die technischen Möglichkeiten und Gefahren legt, die von Figuren ausgehandelt werden, ist es bei Eschbach meiner Lesart nach umgekehrt: an den fokussierten Individuen, erzählten individuellen Biografien entfalten sich die ambivalenten Möglichkeitsräume verheißender Technik oder – wie bei „Teufelsgold“ – fantastischer Alchemie. Was wäre wenn-Szenarien entlang i.a.R. wenigster Hauptpersonen erzählt.

Und nun wendet er sich – ERNEUT! – dem Geld zu. Geld regiert die Welt, ist in ihr fundamental, basal für eine (…)kapitalistische Gesellschaft. In – nun letztmals erwähnten – „Teufelsgold“ war für den Protagonisten Reichtum Indikator für ein erfülltes Leben, dem er karrierenotgeil hinterher hastete, gefangen und eingepfercht im perpetomobilen Hamsterrad der Hedonistischen Tretmühle ziellosen Glücksgieren. Da erscheint jedwede Alchemie auf einmal nützliches Mittel zum Zweck…

Doch gibt es da ein – hoffentlich nicht vergessenes – Buch Eschbachs, das als thematischer Ahn vor auch schon stolzen 21 Jahren erschienen ist: „Eine Billion Dollar“ Eins ehr beeindruckender Wälzer, in dem John Salvatore Fontanelli, italienstämmiger US-Amerikaner ohne die Perspektive „vom Tellerwäscher zum Millionär“ urplötzlich unverhofft erbt. Aber keine Kleckerbeträge wie wir es würden, sondern die titelgebende Eine Billion Dollar! Und die Geschichte ist ein nur zu lesenswerter Trip in den Maschinenraum der irgendwie alchemistischen Geldwerdung und -mehrung. Denn John will das Geld nutzen, sinnvoll nutzen, weiß nur nicht wie, auf welche Weise, für wen und wem gegenüber denn. Wir lernen leseflüssig viel über die labyrinthischen Verschachtelungen des Geldkreislaufes, wer da von wem profitiert und hierfür wen wie sehr ausnutzt und arbeiten lässt. Das Geld noch nie je selber gearbeitet hat und sich magisch aus dem Nichts auch nicht vermehrt oder gar wertiger wird, sondern immer Menschen involviert sind. Preisbillig als moderne SklavenWie viele Sklaven hältst du? Und diese Einsichten in die geldgemachte Welt muss John machen, dem wir als Lesende heimlich beiwohnen und die Erschütterungen seiner Weltsicht gnadenlos mitmachen. Und am 23.04. (1995) war der Tag als Startschuss zu alledem, als John geerbt hat. Eben besagter Fontanelli-Tag.

Könnte mir vorstellen, dass es in „Freiheitsgeld“ eine Anspielung hierhin geben wird, wäre nur zu passend. Davon ab spielt es weit mehr als eine Generation in der Zukunft dieser Handlung. Und es setzt neben dem grundierenden Freiheitsgeld als bedingungsloses Grundeinkommen noch weitere Axiome: in dieser relativnahen Zukunft haben, so der Klappentext, Roboter die alltäglichen Fleißarbeiten der Menschen übernommen, sind ihrer Grundbedeutung nach also zu den Arbeitern geworden, die sklavisch ausführen, wofür sich Mensch die Hände nicht mehr schmutzig machen mag. Das wäre an und für sich eine Erzählung in sich, ob und wie man mit – gegebenenfalls künstlich intelligenten – Robotern wiederum umzugehen hätte. Wenn sie zu unseren Menschen werden, als geliebte Roboter die Lebenswelt bevölkern… Hoffentlich fokussiert Eschbach hier und macht nicht zu viele – mögliche – Fässer auf, an denen man sich nur verschlucken könnte. In jedem Fall geht er science fictional über die soziale Sprunginnovation hinaus und entfaltet eine hinkünftige Welt, wie sie denkbar ist, aber noch nicht gegenwärtig. Ich bin nur zu interessiert und weiß, was ich am 26.08. tun werde!!!

Bis dahin kann ich zur Ertüchtigung des Kommenden nur aus der WDR5-Reihe Tiefenblick den Vierteiler Neues Geld – Banken, Kryptos und Gesellschaft empfehlen, der gründlich und beispielhaft nachgeht, woher das Geld kommt, was es bewirkt und wie man es besser machen könnte, wenn man nur wollte. Oder bei DLF Zeitfragen Antworten dazu, ob man mit nachhaltigen Geldanlagen die Welt „retten“ kann – selbst wenn man nicht eine Billion Dollar zur Hand hat. Oder – DLF Hintergrund – ob uns nur Self-Service bleibt, der uns zum „(mit)arbeitenden Kunden“ und somit zum Koproduzenten macht, derweil wir noch nur besinnungslos konsumieren wollen, aber zum Prosumenten werden.

*Zugegeben: Andreas Eschbach hat sein Buch schon am 21.04. und sf-fan.de gestern am 22.04. angekündigt. Aber nichts für ungut, das ist ein stillos schlechtes Timing, wenn man es doch auf den Fontanelli-Tag legen kann!

ATLANTIS 02 – Festung Arkonis

Hallo Mitwelt!

Jetzt sogar erst nach Toresschluss und Erscheinen des nächsten, schon dritten Romans erfolgt mein Blick auf Heftroman 02 Festung Arkonis. Mein Timing muss besser werden. Ich habe mit meinem Lebensstil ein Problem! Ohne großes Palaver vorneweg gleich in die Handlung, um Apperzeptionen folgen zu lassen.

Inhaltsverzeichnis

Die Handlung


Lucy Guth: „Festung Arkonis – In der Vergangenheit gestrandet – sie werden von einer Arkonidin gejagt“. Mit den Worten des Herrn der Erzählquellen

Atlantis ist auf jeden Fall mehr als nur eine historische Geschichte – Perry Rhodan muss sich mit einem Wissenschaftler und seinen Robotern sowie anderen Gefahren auseinandersetzen. Zusammen mit Sichu Dorksteiger und Caysey, einer jungen Frau aus einem der atlantischen Stämme, versucht er, am Leben zu bleiben und Informationen zu sammeln. Weil er ja irgendwann in seine eigene Zeit zurückkehren möchte …KNF bei sich im Blog

Das Trio atlantis gelangt bis zum „Stählernen Haus“, der abseitig gelegenen Forschungsstation von arkonidischem Wissenschaftler Quartam da Quertamagin, der hier bis auf zwei MitarbeiterInnen einsam an seinen Erfindungen tüftelt. Zunächst beinahe von Flugkampfrobotern der Station erschossen, erhalten Perry & Co. erst Einlass, als Quartam das Talagon sichtet. In der Station erhält leicht verletzte Caysey medizinale Versorgung und bekommt auf Perrys Einsatz hin eine gründliche Untersuchung ihres ‚verfluchten‘ Kindes, bei dem bestimmte genetische Defekte und erwartbare Geburtskomplikationen diagnostiziert werden. Alles heilbar, aber nur in Arkonis. Derweil kommen Perry und Sichu mit eigenbrötlerischen Quartam ins Gespräch, der sie des Talagon wegen jedoch festsetzt. Die Situation kippt ins Gegenteil, als Rowena erscheint, vehement Einlass verlangt, den Quartam ihr widerwillig gewährt. Doch entlässt er kurzerhand das Trio in die Freiheit, ja lässt sie vor Rowena per eigenem Gleiter entkommen – gen Arkonis

Dort angelangt, werden sie zwar argwöhnisch bis herablassend als Kolonialarkoniden oder gar bloße Barbaren beäugt, können aber letztlich bis zum Tato (Gouverneur) da Masgadan vorgelassen werden. Caysey bekommt die ersehnten Untersuchungen freimütig zugestanden, die rechtzeitige Heilung für Mutter und Kind verheißen. Aus dem Gespräch mit Masgadan erwächst für Perry die Hoffnung, er bräuchte das Talagon nur abgeben, das Atlan dann schon ausgehändigt würde. Kaum gemacht, wird er und Sichu jedoch gefangengesetzt – Rowena tritt auf, die den Tato entsprechend instruiert hatte. Für die beiden Zeitreisenden droht der Tod durch Erschießung, formal angeklagt als Maahk-Überläufer, mit das größte denkbare Kardinalverbrechen, größtmöglicher Imperiumsverrat. Bevor sie allerdings dran sind, wurde bereits die Führungscrew eines Kampfraumers exekutiert unter selber Anklage, obgleich sie nur aus dem Kampfgebiet die Kunde bringen wollten, dass Flottenadmiral Atlan entgegen aller Gerüchte noch lebe

Doch erfährt Caysey kurz vor Beginn ihrer Therapie von Perrys und Sichus Hinrichtung, woraufhin sie die Zukunftschancen für ihr Kind fahren lässt und sich zur Rettung der Freunde entscheidet. Diese kann sie mithilfe ihrer empathischen Gabe vor den Schafsrichter retten, um mit ihnen in wilder Flucht bis zu einer LECA-Disk zu entkommen, mit der sie verzweifelt starten und dann Kurs gen Larsa [Venus] setzen…

1. Linguistische Axiome


Mich deucht, es babelte mir! Hatte ich zu ATLANTIS 01 in ausschweifender Begeisterung die sprachlichen Hinweise beöhrt und sprachraumgreifende Hypothesen aufgestellt, verwirrte sich mir die Lage zuhörends. Es beginnt damit, dass Caysey vor Quartams Denkstube das Arkonidische NICHT versteht, in dem sich Quartam und Perry austauschen. In der Station versteht sie nur deshalb nicht nur Vrutu, weil ein Translator ihr das Medizinalbabel von Quartams „Mitarbeiter“ bzgl. präziser Diagnostik ins Atlantische übersetzt. Gleiches dann in Arkonis, wo sie sogar ein chices Translator-Armband als Smartwatch erhält, um sich verständigen zu können. Kurzum: Atlantisch und Arkonidisch sind zwar verzweigt sprachverwandt, offenkundig aber einander nicht verständlich. HÄH???

Daher noch einmal argusohrig ins Hörheft zu ATLANTIS 01 mit gestrenger Aufmerksamkeit hineingehört, demnach:

  • Szene 1: Caysey beobachtet die aus dem Meer entsteigende Rowena und belauscht, wie diese auf die Arbeitsroboter einredet – OHNE jedoch etwas zu verstehen! Demnach ist gleich in dieser Szene klar, dass eine Atlanterin eine Arkonidisch-Sprecherin NICHT verstehen kann, was der Schilderung nach wohl kaum an zu großer Entfernung und zu schlechtem Hören liegt. Selbst wenn, dann hätte der zackige Mitarbeiter Quartams auch das nebenher maßvoll diagnostiziert!;
  • Szene 3: Den Hinterhalt, den Rowena dem Trio atlantis in Cayseys Dorf legt (Kapitel 10), gelingt, weil sie mit der Dorfältesten sprechen kann. Das jedoch nur durch eine Hypnoschulung, in der Rowena im Eilverfahren das Atlantische eingetrichtert wurde, weshalb sie es sprechen und verstehen kann. Ergo spricht sie wiederum nicht Arkonidisch mit den Dorfatlanter*innen, sondern ausnahmslos Atlantisch, obwohl das gegenüber dem Arkonidischen „zu viele Kasus habe, um schön sein zu können“. Hier mein Merkfehler, dass ich die Hypnoschulung als Vermittlungsinstanz ignoriert habe, nur durch die es ermöglicht wird, sich direkt zu verständigen;
  • Szene 2: Nachdem Rowena rachegöttisch abgerauscht war, tauchen Perry und Sichu aus dem Meer auf und es kommt zum Kultur- wie Sprachkontakt zwischen ihnen und Caysey. Diese kann Perrys Sprechgeholper erst verstehen, als er aus dem mit Sichu gewechselten Interkosmo seiner Tage ins Tefroda übergeht, mit dem eine dauerhafte, ja weitestgehend problemlose Verständigung möglich ist.

Damit sind so ganz nebenher im narrativen Seitenzweig dieser Miniserie Sprachsäulen gemeißelt und aufgestellt, die die verzweigten Sprachverwandtschaften ziemlich klar festlegen:

  • D.h. nämlich, dass die (inter-)galaktischen zivilisatorischen Hochsprachen des Lemurischen, des Alt-Tefroda sowie besagtes Tefroda, die sich nacheinander über 52 Jahrtausende hinweg ausgeprägt haben, näher mit dem erdengebundenen Atlantisch verwandt (geblieben!) sind. Dieses ist ein ‚barbarischer Zungenschlag‘ des Lemurischen, gesprochen von in die postapokalyptische Primitivität zurückgefallener Lemurer;
  • demgegenüber hat sich aus dem Lemuu (Lemurischen) das Akonische als Aussiedler-/Kolonialsprache entwickelt, dass die seinerseits „Stammsprache“ für das Arkonidische war. Dieses stand wiederum als Satron (Same Arkon Trona =Hört Arkon Sprechen) Pate für das Interkosmo, der Lingua Franca im Tai Ark’Tussan. Zur ATLANTIS-Handlungszeit (Ende 9. Jahrtausend v. Chr.) hat sich am Rande des Imperiums das so genannte Rand-Galakto ausgebildet, das die Larsa-Siedler und daher vermutlich auch die Atlantis-Besiedler gesprochen haben. Und Fakt ist, dass Atlantisch nicht verständigungskompatibel mit dem Arkonidischen (oder dem Rand-Galakto) ist. Die Sprachdifferenz ist bis zum Nichtverstehen größer, obwohl dieses Arkonidisch gut 10000 Entwicklungsjahre weniger auf der Zunge hat als das von Perry verwendete Tefroda.

Faszinierend. Linguist mit Schwerpunkt Sprachdynamik müsste man sein (oder kennen), um das nachvollziehbar zu machen, wieso das so sein kann. Klar, es kann ALLES(!) sein, was narrativ entrückte Autorenheiten wollen! Aber intradiegetisch, innerhalb des Perryversums müssten ja trotzdem linguistische Gesetzmäßigkeiten greifen, die eine solche Entwicklung erklärbar machen. Ganz willküreinfach absolut alles geht dann doch nicht…

2. Hologramme statt Locharten – doch kein Paralleluniversum

Bezüglich Hologramme und ihre futurchronistische Rückspiegelung in Erzählzeiten, als es sie eigentlich gar nicht gegeben hat, ließ ich mich ja bereits aus – ein wenig wenigstens. Und an diesem Aspekt komme ich auch diesmal nicht vorbei wie der Balrog an Gandalf. Homöopathisch gehofft hatte ich auf eine Paralleluniversalisierung der Geschichte, wo wir einfach ein Universum weiter sind, wo es schlicht Hologramme immer schon gegeben hat. Das hätte Sherlock Perry Holmes kurzerhand deduzieren und den Parallelspuk entlarven können, indem er die Hologramme als zeitfehl erkannt hätte: „Kann ja gar nicht sein, hat es nie gegeben!“ Doch dem ist nun aktenkundig eindeutig nicht so. Perry nimmt Hologramme, die überall aufleuchten, selbstverständlich hin, wundert sich über nichts. Damit ist in Stein gemeißelt und felsenfest, dass man sich eines gegenwärtigen Lesepublikums wegen auf solch narratoferente Unstimmigkeiten wider den festgeschriebenen Kanon eingelassen hat. Für ein wenig angenehmen Lesekomfort hat man die perryversale Probabilität an dieser Stelle bewusst gebrochen und der Leserschaft gegeben, was ihr SF-literarisch vertraut ist.

Folgend daher mal ein paar selektivste Kostproben aus der vielleicht ‚guten alten Zeit‘, wie hologrammlos positronisch gearbeitet wurde:

Statt sich an Asimovs smarten Positronik-Robotern zu orientieren, baute sie Perry Rhodan-Serie anfangs auf Lochkarten-basierte Computer von Zimmergröße, die per Schalter und Hebel händisch zu bedienen waren, wo man Informationen buchstäblich auf Aus- zu Eingabeschlitz tragen musste. So sind die ‚guten alten Zeiten‘ gewesen! (Zyklus 2 lag da jedoch nur drei Realjahre zurück; real vergingen weniger als ein Hundertstel der erzählten Handlungszeit, was selbst Perry-Autoren gedanklich überforderte – Soziotechnischer Wandel????)

Und in Festung Arkonis ist dann sogar noch die Rede davon, all das hologrammatisierte liefe DIGITAL ab. Das ist dann schon allerhand und eine wagemutige Behauptung:-) Die lässt sich aber damit patchen, wenn man derlei liest:

Eine moderne Digitalpositronikuhr mit einer Jahresskala erschien auf dem Bildschirm, groß und völlig unerwartet.Atlan-Zeitabenteuer 01 „An der Wiege der Menschheit“

Und diese positronische Digitaluhr, von der da die Rede ist, ist in eben der ATLANTIS relevanten Tiefseekuppel installiert und 112 Jahre nach Untergang von Atlantis am Ticken. (7888 v. Chr.)

Vergleichbares an Narratoferenz, was Cayseys tiefenanalytische Diagnose ihres Fötus und seiner Geburtsaussichten betrifft. Das ist detailliert und formuliert; ausgesprochen von einem nachrangigen wissenschaftlichen Mitarbeiter in einer abseitigen, nicht hierfür ausgelegten Forschungsstation inmitten des Nirgendwo auf einer nachrangigen Militärkolonie irgendwo am Rande des Imperiums; so präzise und therapiekenntnisreich, wie es selbst die allerbesten Galaktischen Mediziner (Aras) es über Handlungsjahrtausende hinweg NICHT hätten vollbringen können. Und ausdrücklich: die Station ist dafür nicht ausgerichtet, Quartam wird sich für fötale Pathogenesen keinen Deut interessieren. Und egal, was zwischen den Mitarbeitenden insgeheim unter der Decke laufen mag, was in die Wege geleitet worden sein mag;-), die Kenntnisse des Teilzeitmediziners sind schon beeindruckend. Und auch hier gilt: angesichts dessen, was heutzutage diesseits unserer Realität alles an Präimplantationsdiagnostik und seit 40 Jahren in Sachen Reproduktionsmedizin möglich ist, wäre es unglaubwürdigst, wüsste eine (selbsterklärte) imperialgalaktische Hochzivilisation wie die der Arkoniden nach Jahrtausenden galaktischer Kolonisierung nicht um solcherlei ‚Basics‘. 800 Meter durchmessende Kampfraumer, die in Nullzeit Lichtjahrtausende überwinden können, derweil man keinen Blick auf heranreifendes Leben werfen kann – das passte hinten und vorne nicht. Da die männlichen Autoren der Seriengründungszeit vom 08.09.1961 an davon keine Ahnung hatten, nicht daran dachten, hat es hierzu auch nirgendwo noch so beiläufig randständig irgendeinen Hinweis gegeben. Angeblich gäbe es für die Aras (Galaktischen Mediziner als Nachkommen der Arkoniden) nichts, absolut gar nichts, was sie nicht medizinal ergründen könnten, woraufhin man gleich in Heft 1 an der Leukämie von Crest kläglich scheitert, erst ein Terraner die überhaupt sicher diagnostizieren kann. Und viele solcherlei Unerforschlichkeiten pflastern die Serienanfangszeit. So wie man Atlantis als Kontinent quasi neu, streng genommen erstmals erzählbar kartografieren musste für diese Miniserie, so musste man auch bezogen auf solche Ungereimtheiten wegweisende Entscheidungen treffen. Und nun ist es also möglich gewesen – immer schon -, dass die PID der Arkoniden der unserer Tage weit überlegen ist.

3. Caysey – eine Heldinreise

Apropos: obwohl sie in der Rolle als ‚Patientin‘ primär behandelt wird, als dass sie die meiste Zeit handeln könnte, ist die Hauptperson des Romans Caysey. Zumindest ist der Handlungsstrang um Perry & Sichu so eng buchstäblich an Cayseys Wohl und Weh gekhiput, dass sie die eigentliche Handlungslenkerin ist. Zwar ist Festung Arkonis ohnehin Questenziel, doch bekommt die arkonidische Kolonie als Sitz von Administration und Entscheidungsbefugnissen speziell für Caysey eine intrinsische Motivation: als Sehnsuchtsziel zur Lösung ihrer verfluchten Probleme. Sie muss zwecks Heilung des Fluchs in die Stadt der Sternengötter, wohin es sie sonst ggf. nicht gezogen hätte. Sonst wäre sie vor den Toren eventuell stehengeblieben, wäre ihre Aufgabe als Reiseführerin für die Zeitreisenden beendet.

Mit ihr wird an Diagnostik allerhand gemacht, sie ist den Untersuchungen – einmal zugestimmt – insoweit ausgesetzt, als dass sie so gar nicht einzuordnen weiß, den nicht immer patientenfreundlichen ‚Erklärungen‘ blindlings vertrauen, auf die Aussagen des Möglichen hoffen muss. Das ist eindrücklich geschildert. Autorin Lucy Guth, die konsequent entpseudonymisiert als Tanja (Bruske) im PROC-Interview angesprochen wird, mag als zweifache Mutter da auf Erfahrungen zurückgreifen. So oder so erzählt sie, wie die ‚barbarische‘ Atlanterin vollumfänglich in die technische Hochzivilisation geworfen wird und ad hoc ihren Lebensentwurf umbasteln muss. Zur Frage, ob sie ihrerseits auch so entschieden hätte wie Caysey, gibt Lucy Guth zu Protokoll:

Aber ich denke, man weiß nie, wie man in Extremsituationen reagiert. Caysey ist so ein loyaler Typ, sie entscheidet sich für ihre Freunde. Man könnte ihr mangelnden Mutterinstinkt vorwerfen, schließlich bringt sie durch diese Entscheidung ihr Ungeborenes in Gefahr. Ihr Verhalten ist meiner Meinung nach aber nicht unrealistisch, denn es ist ihr erstes Kind. Solange man mit dem ersten Kind schwanger ist, ist der Gedanke, dass da tatsächlich irgendwann ein richtiges, echtes Kind herauskommt, sehr abstrakt. Wenn man das erste Mal erlebt hat, dass man plötzlich einen lebendigen kleinen Menschen im Arm hält, der völlig auf dich angewiesen ist, betrachtet man das bei einer weiteren Schwangerschaft viel vorsichtiger – also, das ist zumindest meine Erfahrung. Insofern wäre ich in Cayseys Situation aber mit meiner Erfahrung als Zweifach-Mama sicherlich nicht so selbstlos gewesen. Tja, dann wäre die Miniserien nach zwei Teilen schon vorbei gewesen.Lucy Guth im PROC-Interview

Es soll laut Insiderinformationen allerdings noch zehn weitere Hefte weitergehen:-)

All diese Untersuchungen und anvisierte Therapien, um den FLUCH zu überwinden, der hier als Gendefekt und Geburtskomplikation verwissenschaftlicht wird. Ein ‚Fluch‘, der aber selbst mit arkonidischer Wissenschaft großteils trotzdem gar keiner ist. Perry deutet es – arg zu – beiläufig an: Atlanter*innen als Nachfahren der Lemurer*innen mögen zwar soziokulturell in die Primitivität zurückgefallen sein, haben dennoch reichlich geerbt. Das auf biologischer Ebene (nicht nur, s.u.: 4.): was atlantisch als Fluch gedeutet wird, lässt sich perryversal aufgeklärt als Psigabe verstehen! Und die neuronalen Veränderungen gegenüber der ‚Norm‘ sind Neuroabdrücke einer solchen Fähigkeit. Es ist das lemurische Erbe der „Paradrüse“:

Die Lemurer besaßen eine weit ausgeprägtere Paradrüse [als die Tefroder, A.d.A.] von der Größe einer Haselnuss, die ihnen als Para-Organ zu latenten paranormalen Fähigkeiten verhalf, die allerdings extrem schwach und nur auf den Nahbereich beschränkt waren.
[…]
Bei den Terranern ist die Paradrüse aufgrund der Degeneration nach dem Ende des Krieges der Lemurer gegen die Bestien zwar noch nachweisbar, aber stark verkümmert. Vermutlich spielt hierbei auch das Fehlen Zeuts eine Rolle.Perrypedia

Relativ schwache Parakräfte im Nahbereich – das passt nur zu genau auf das, was Caysey größtenteils nur intuitiv statt gezielt anzuwenden versteht. Gesteigerte Empathie, die sie zu angelegentlichen Empathin, eventuell sogar zur latenten (Kontakt-)Telepathin macht. Im kulturellen Deutungsrahmen naturreligiöser Wirkmächte mag das wie ein Fluch wirken, wenn da jemand so viel mehr und anderes kann als alle ’normalen Anderen‘. Bin sehr gespannt, zu was das noch führt, ob Caysey ihre Kräfte zu kontrollieren lernt und was aus ihrem Kind wird. Vor allem angesichts der nur noch wenigen Jahren, die sie als Atlanterin auf Atlantis wird leben können…

4. Mythen – stärker als Apokalypsen

Aber nicht nur biologisch hat eine sozial an den Rand gedrängte Gruppe unter den Atlanter*innen geerbt, sondern alle Atlantis-Bewohner tragen ein kulturelles Erbe mit sich, das sie in religiöse Tradition gegossen ritualisiert tradieren. Die Rede ist von den Mythen, die am Romananfang, bevor wir zu Quartams Bastelstube gelangen, kurz Teil der Handlung sind. Für Freunde strikt vorwärts gerichteten Handlungsfortschritt dürften diese Passagen eher trostlos gewesen sein. Aufhaltend, ausbremsend und ohne – zumindest in diesem Roman – noch so hinterrücks zur Handlung beizutragen.

Für mich besonders eindrücklich der separiert gehaltene Apfelbaum, bei dem niemand die Absicht hat, an die biblische Paradies-Szene zu denken, wie sie erst etwa 7 Jahrtausende später auf Papier gebannt wurde. Große Äpfel, die man auf gar keinen Fall pflücken darf:-) Und ausgerechnet unsere nüchterne Sichu tut es kurzerhand, um mit nächtlicher Meditation gestraft zu werden. Das ging mir dann zugegeben zu hopplahopp, war zu schnell abgehandelt. Fortschritt gab es im Übrigen dennoch: Sichu und Perry waren hiernach indigen konform gekleidet und fielen nicht länger mit ihrer Future Fashionunübersehbar auf. Auch mal traditionale Tabus übertreten, dann sieht man wenigstens danach wohlbekleidet aus:-)

Perry deutet es – erneut eher zu kurz – an, worauf die vokalverschoben namensveränderten Mythen zurückverweisen: auf die lemurische Ahnengeschichte und deren Mythenstoff, der auch 42000 Jahre später noch im kulturellen Gedächtnis der Atlanter präsent ist: kulturelles Gedächtnis meint „die Tradition in uns, die über Generationen, in jahrhunderte-, ja teilweise jahrtausendelanger Wiederholung gehärteten Texte, Bilder und Riten, die unser Zeit- und Geschichtsbewußtsein, unser Selbst- und Weltbild prägen.“ Damit speist sich das kollektive Gedächtnis dieser so zeitfernen Populationen den archetypischen Grundmotiven nach auffallend gleich. Was das über die Mythomotorik aussagt, inwiefern der im Kern gleichgebliebene Mythos die (Nicht)Bewegung der Gesellschaft bestimmt, ist noch offen. Bei so fundamental veränderten Umständen – galaktische Hochzivilisation versus schollengebundene, segmentär gegliederte Gesellschaft – ist es schon erstaunlich, dass der ‚mythische Überbau‘ im Prinzip unberührt geblieben ist.

Spannend, dem Mythenschatz der Lemurer nachzuspüren: so verweist Perry auf die Konos. Diese – ultrakomprimiert – aus intergalaktischen Gründen den Lemurern prägend lange Zeit Konkurrenz waren und als existenzielle Gegner zum Archetypus geworden sind. Zwar sind die Lemurer letztlich nur durch die Koexistenz der Konos geworden, was sie wurden, aber das nur im evolutionären Wettstreit. Mythen wie zu den Legenden um die Zwölf Heroen und den Sonnenboten Vehraáto, dieser als Erretter aus der lichten Sonne herabsteigt und die Lemurer erlöst. Die Mari Danta – das „Lied der letzten Hoffnung“ ist Teil der lemurischen Identitätsbildung! Das ist alles höchst faszinierend und einen eigenen Beitrag wert. Daher…

5. Kulturkontakt auf Atlantis


Interessant auch: einerseits heißt Festung Arkonis so, weil sich Arkonis zu einer Festung gegenüber der Umgebung macht, gegenüber dem ‚Land der Barbaren‘, wovon sich die Stadt der Sternengötter entschieden abhebt: Architektonisch, materiell, technisch, dreidimensional durch die Nutzung der Höhe. Mit Skepsis bis purer imperialer Herablassung werden die beiden vermeintlichen Kolonialarkoniden, wenn nicht gar Fremdvölkler betrachtet (Perry bzw. Sichu), über die heimische Barbarin wird weitestgehend hinweggesehen. Imperialer Dünkel, rassische Distinktionen, die über bloße feine Unterschiede hinausgehen. Andererseits hören wir davon, dass erste der Atlantis-Siedler außerhalb der Stadt Fuß fassen wollen, ja ausdrücklich und bewusst nahe indigener Ansiedlungen. Zum einen die hochzivilisatorische Enklave Arkonis, zum anderen erste praktische, alltagsnahe Versuche des Kulturkontaktes.

Daher möchte ich folgend auf den Schweizer Historiker Urs Bitterli und dessen Konzept und Verständnis von Kulturkontakt zurückgreifen. Entwickelt aus der Beobachtung der europäischen Expansion, imperialistisch getrieben, kolonialistisch ausgeführt. Zitiert nach Wikipedia:

  1. „Kulturberührung“ bezeichnet das Zusammentreffen einer Gruppe von Europäern mit einheimischen Vertretern von begrenzter Dauer, sei es erstmals oder mit längeren Unterbrechungen.
  2. „Kulturzusammenstoss“ nennt er das Umschlagen der friedlichen Kulturberührung durch unmittelbare oder vermeintlich provozierte Gewaltanwendung.
  3. „Kulturbeziehung“ beschreibt ein dauerndes Verhältnis wechselseitiger Kontakte auf der Basis eines Machtgleichgewichts.
  4. Für die in der nachfolgenden Phase der europäischen Dominanz ab Mitte des 19. Jahrhunderts entstehenden, durch Akkulturation [Hinzuführung zu einer Kultur] geprägten und gemischten Kolonialgesellschaften schlug Bitterli als weiteren Typus die „Kulturverflechtung“ vor.

Wenn wir diese vier, sicherlich nahezu nie in Reinform vorkommenden Phasen des Kulturkontaktes am Beispiel arkonidischer Militärkolonie Atlantis durchgehen, ggf. nur 1, eventuell fast 3 Jahre nach Siedlungsbeginn:

  • Kulturberührung: Hierzu kam es 8005 v. Chr., als mithilfe Atlans Geschwaderraumer 50.000 zakrebische Kolonialarkoniden von Larsa nach Larsaf III. umgesiedelt und auf Atlantis abgesetzt wurden. Da die Gründungskolonie sich zunächst auf Arkonis beschränkte, das inmitten tobenden Methankriegs als Militärstützpunkt dual zu fungieren hatte, dürften anfängliche Kulturberührungen noch spärlich ausgefallen und nicht mit xenoethnologischem und exosoziologischem Eifer begleitet worden sein. Das Überleben der Zakreber stand im Vordergrund. Und Flottenadmiral Atlan hatte keine Zeit und Kompetenzen frei, das militärische Know-how seiner Soldaten Zweck zu entfremden.
  • Kulturzusammenstoß: Zu dem scheint es noch nicht gekommen zu sein. Die Kolonialarkoniden verhalten sich zwar zum Teil mit reinrassischem Dünkel, zumeist aber mit enklavischer Abschottung gegenüber den Barbaren. Dass hier kolonialstrukturelle Gewalt am Wirken ist, steht m.E. außer Frage, da sich die Arkoniden nachfragelos nahmen, was sie wollten und zu brauchen glaubten. Anscheinend gibt es zwar keine Sklaverei o.Ä., zu der die Atlanter*innen gezwungen würden (Ausnahme die inoffizielle Erstentdeckung der Erde durch arkonidischen Prospektor bereits 8024 v. Chr.), vielmehr können / DÜRFEN sie soweit wie gehabt leben. Zum Wendepunkt könnte der Ansiedlungsversuch bei einer der als kriegerisch beschriebenen atlantischen Ethnie werden: aus einer intensivierten Berührung könnte ein Zusammenstoß werden, wenn auf dieser wie jener Seite Missverständnisse aufkommen, Verhaltensweisen fehlgedeutet werden und das kriegerische Temperament dieser Atlanter durchbricht oder die Arkoniden statt auf Augenhöhe Unterwürfigkeit erwarten.
  • Kulturbeziehung: zu der kann es kommen, falls zuvor genannter Kontaktversuch friedlich verläuft, sich beide Seiten aufeinander einzulassen gewillt wären und das arkonidische Vorrücken in atlantisches Gebiet nicht als ressourcenraubende, übergriffige Expansion aufgefasst wird. Dann könnte die sozialräumliche Nähe zueinander statt der festungsartigen Abgrenzung in Arkonis zu kultureller Beziehung und entsprechenden Austausch biopsychosozial beitragen. Ein erster Schritt…
  • Kulturverflechtung: Unmöglich, weil es so kommt, wie es geschah, nämlich zum Untergang von Atlantis höchstens 5 Jahre in der Zukunft (8.000 v. Chr.). Zu wenig Zeit zum Verflechten, kein Ort mehr, an dem erste Beziehungsanbahnungen für eine Verflechtung stattgefunden haben werden.

Umso interessanter, was de facto aus alledem geworden ist. Hierzu ein Blick in die Chronik der Menschheit, wie sie xenosozial von Atlan als Einsamer der Zeit verfasst worden ist. Seine ersten Eindrücke nach der ersten Tiefschlafphase und nach erstem Erwachen 112 Jahre nach dem Untergang von Atlantis 7888 v. Chr.:

Soweit ich es erkennen konnte, waren die Menschen hellhäutig, braunäugig und braunhaarig. Einige – ich hatte es nicht glauben wollen – Sie hatten langes, fast weißblondes Haar, wie es nur Arkoniden vererbt haben konnten.
[…]
Ich betrachtete ihn genauer. Dieser Jäger konnte ein Arkoniden-Halbblut sein; […] Der Jäger war kleiner als ich, und hatte einen schmalen Schädel mit hoher Stirn; an diesem Kopf war nichts vom Tierhaften anderer Barbaren. […] Ich blickte in die Augen des Jägers, die, wie meine, einen leichten Rotschimmer um die Pupille zeigten. Ihre Farbe war ein helles, silbriges Braun.
[…]
Ich würde Katya veredeln müssen, aber das konnte für uns nur Vorteile bringen.
[…]
»Weil es sonst stinkt. Ich mag Gestank nicht. Weder den von verwesendem Fleisch noch den aus deinem Haar. Alles werde ich ändern. Ich werde es ändern.« Katya blickte mich in grenzenlosem Erstaunen an; ich hatte in scharfem Ton gesprochen. Ich war gekommen, um die Zustände der Steinzeitmenschen zu verbessern. Wie weit das möglich war, würde die Zukunft zeigen.
[…]
Von Stunde zu Stunde wurde ich immer schmutziger, und ich musste eine Möglichkeit erfinden, ohne die Hilfsmittel der Kuppel mich säubern zu können. Mich und Katya. […] Sie rannten davon, zutiefst verwirrt, aber mit einigen grundlegenden Einsichten im Herzen. Eines meiner nächsten Vorhaben war, Katya den Begriff relativer Hygiene zu vermitteln. Ich fürchtete, es mit Nachdruck tun zu müssen, und notfalls auch mit Gewalt.Aus An der Wiege der Menschheit

Zum einen wird klar, dass es intime Kulturbeziehungen gegeben haben muss, falls sie nicht als kolonialherrliche Übergriffe zu werten wären und damit als ein Kulturzusammenstoß. In jedem Fall hat es ‚Mischehen‘ gegeben, aus denen ‚Star God Babies‘ hervorgegangen sind, die arkonidische Gene in begrenztem Umfang in die postatlantische Population eingebracht haben. Auf diese Nachkommen stößt Atlan irgendwo entlang der Rhone und auf Sizilien, bis dorthin Überlebende der Atlantis-Katastrophe gelangt waren.

Als Letzter seiner Art muss man Atlan einiges zugutehalten. Nichtsdestotrotz ist er auch als Einsamer der Zeit mit reichlich kolonialherrlichem Sendungsbewusstsein ausgestattet, dass auch nicht vor hygienischen Übergriffen Halt macht. Am Ende ist Katya reinlich, reinlicher als alle sonst unter ihresgleichen. Das aber nur nach entschiedenem Zupacken und trotz ihres Widerstands körperlicher Art wie in Form von Schreien. Falls das arkonidischer Standard gewesen sein sollte … Von Atlan unter Extrembedingungen induktiv auf alle Siedler einer zunächst gut anlaufenden Kolonie zu schließen, dürfte unfair sein. Aber es ist zu fürchten, dass man sich kaum je auf Augenhöhe begegnet ist, sondern die soziale Dominanz immer auf Seiten der Kolonisten gelegen hat. Die Barbaren haben sich demnach anzupassen, sich zu zivilisieren, sich zwecks sozialem Aufstieg zu engagieren und zwar als lernende Schüler von den wohlwollend lehrenden Lehrern.

6. Rowena – Harte Schale, weicher Kern?

Rowena – aktenkundig gemachte Gegnerin Rhodans, eventuelle Mörderin Atlans, Verfolgerin und Hinterhaltstellerin der Zeitreisenden, Schergin Orbanaschols (seines Zeichens Mörder von Atlans Vater), Umspielerin lokalen Gouverneurs und wer weiß was noch. Alledemnach das arkonidingewordene Böse dieser Miniserie! Und doch hat empathische Caysey schon im vorigen Roman Deanna Troi-esk erspürt, dass Rowena keine Böse ist, so ungut gar nicht ist. Harte Schale, aber weicher Kern? Ob das nicht die Spannung rausnähme, dass Rowena nun als mittelhalbschlecht statt grundböse erkannt wurde, erfragte RRR:

Findest du es denn spannend, eine Figur zu haben, die gewissenlos tötet? Ohne jede Grauzone und jede Hoffnung, sie vielleicht doch noch dazu zu bringen, das richtige zu tun? Liegt nicht darin die eigentliche Spannung verborgen? Wir schreiben ja keinen Cartoon hier. Nuancierte Figuren sind immer interessanter als Schwarzweiß-Bösewichte.PROC-Interview mit Expothez BCH, diesen zitiert

So dann auch in diesem Roman, wo sie den „alten Zausel“ Quartam zwar ungnädig verdonnert, gefälligst und schon gestern den (Nicht-Nur-)Transmitter zu reparieren, ihn ansonsten aber außergewöhnlich wohlwollend ‚anfasst‘. Dabei hat er doch ihre ‚Beute‘ entkommen lassen, wobei sie um die tatsächlichen Umstände zum Glück nicht weiß. Sie erschießt niemanden aus Wut, Rachsucht oder als toxische Bestrafungsmaßnahme. Einerseits. Sie hat andererseits aber so gar keinerlei problem damit, Atlan-Anhänger, die sein Weiterleben bezeugen könnten, kurzerhand (durch den Tato) liquidieren zu lassen. Und wenn man sich schon mal warm geschossen hat, dann doch auch gleich Perry und Sichu hinterher. Keine erkennbaren Gewissensbisse, keine Gnade; vielmehr ihr Tun und Handeln ursächlich dafür, dass derart mörderisch rigoros durchgegriffen wird. Etwas wechselhaft die Dame, die ihrerseits innerlich so gar nicht auf ihren – elitären – Extrasinn hören mag, sondern recht reaktant ihr Ding macht, wie es ihr passt. Also auch innerpsychisch ist sie da recht wankelmütig. Sie kann so und genau anders und das nicht lange nacheinander. Mit Quartam wie mit ihrem etwas störrischen Opa umgehen, missliebige Dahergelaufene hingegen einfach umnieten (lassen – sie kann es selber ja anscheinend nicht wirklich).

Und den Tato umgarnt sie auch mit allen Reizen, die sie aufbringen kann. Hierzu von RRR eine Frage an Lucy Guth, ob es im Tai Ark‘Tussan (inmitten des Methankrieges??) MeToo & Co. gegeben habe. Ausführliche Antwort, wie kritisch sie das zum Teil sehe. Konkret zu Rowenas tuchfühlsam verlockende Verhaltensweise:

Wenn also eine Rowena für sich entscheidet, ihre weiblichen Reize einzusetzen, um damit ans Ziel zu kommen, dann tut sie das nicht, weil sie ein hilfloses Weibchen ist – sondern weil sie eine Taktikerin ist, die ihr Vorgehen genau plant.PROC-Interview mit Lucy Guth

Rowena kann also auch das, spielt mit ihren Reizen und Stärken, kann vielfach ihre Schwächen aber nicht kaschieren. Sie will mehr und härter, als sie es selber tun und umsetzen kann. Da dürfen wir uns auf manch emotionales Hin und Her noch freuen. Auf konsequente Inkonsequenz dürfen wiederum Perry und Co. hoffen und bauen;-)

7. Zwischenfazit nach erstem Sechstel

Ende. Wenigstens dieses Postings. Die Miniserie hat derweil exakt ein Sechstel rum bzw. schon ein Viertel, wo ich das zu Ende schreibe und es veröffentliche.

Wie isset nun? Und bisher? Gut! Was jedoch auch evident ist, sonst würde ich hier nicht Unromane texten. Ja, zwar geht es mir jetzt zu flott extra-atlantisch, also interplanetar weit weg vom namensgebenden Kontinent, wo sich doch alles entscheiden wird. Aber alle Umwege führen nach Atlantis zurück und in den Temporaltransmitter. Und alle Lesenden, die auch nur einen Hauch von Lektüre der zugrunde liegenden Romane erhascht haben, wollen gen Larsa, zur Venus, zum „Kommandanten“! Das ist schon recht so!:-) Wie viel von der Venuspositronik steht schon bzw. hat man nach Amonars Ende umgerüstet und bereits auf Atlan geprägt? Spinnen sich auch dort Intrigen wider den Kristallprinzen? Oder kann Perry hier gegen Intrige und Verrat mobilisieren und Kräfte gegen Rowenas Komplott vereinen? Alle außer mir werden es längst wissen – ich gehe nun an Roman drei und erhöre den weiteren Weg. Auf dahin!